Posts mit dem Label Glaube werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Glaube werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 2. Februar 2020

Predigt von Norbert Wohlrab (02.02.2020)

 Jahreslosung 2020

Jahreslosung 2020 „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk. 9,24)

Wie auch in den letzten Jahren geht es in meiner ersten Predigt im Jahr um die Jahreslosung. Sie lautet: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk. 9,24).
Dieser Ausruf des Vaters eines geplagten Kindes im Markus-Evangelium wurde für die Jahreslosung ausgewählt. Ein Ruf, eine Bitte, ein Gebet. Ein Satz, der - für sich allein betrachtet - eigentlich einfach auszulegen ist, betrachtet man das ganze Geschehen, wird es deutlich komplizierter.
Betrachten wir also zunächst den Vers im Zusammenhang, bevor wir uns dann am Schluss der Einfachheit dieses Ausspruchs zuwenden.

Was war die Situation?
Jesus hatte sich mit den drei wichtigsten Jüngern - Petrus, Jakobus und Johannes - auf einen Berg zurück gezogen. Und auf einmal wird sein Aussehen ganz überirdisch, glänzend weiß, himmlisch, Mose und Elia erscheinen und schließlich erscheint auch noch Gott der Vater selbst. Die sichtbare Gegenwart Gottes in einer Wolke. Die Schechina, so wie wir sie aus dem AT kennen. Gott spricht zu ihnen aus der Wolke: „Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!“ (Mk. 9,7)
Aus dieser heiligen und himmlischen Atmosphäre begeben sie sich dann wieder hinab in irdische Niederungen. Und dann heißt es:


"14 Und als sie zu den andern Jüngern zurückkamen, sahen sie viel Volk um sie herum versammelt und Schriftgelehrte, die mit ihnen diskutierten.
15 Und sogleich kam alles Volk, als es ihn sah, in grosser Erregung herbeigelaufen und begrüsste ihn.
16 Und er fragte sie: Was verhandelt ihr da?
17 Da antwortete ihm einer aus der Menge: Meister, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, er hat einen stummen Geist.
18 Und wenn er ihn packt, reisst er ihn zu Boden, und er schäumt, knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe deinen Jüngern gesagt, sie sollten ihn austreiben, aber sie vermochten es nicht.
19 Er aber antwortet ihnen: Du ungläubiges Geschlecht! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn zu mir!
20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und als der Geist ihn sah, zerrte er ihn sogleich hin und her, und er fiel zu Boden, wälzte sich und schäumte.
21 Da fragte er seinen Vater: Wie lange hat er das schon? Der sagte: Von Kind auf. 

22 Und oft hat er ihn ins Feuer geworfen und ins Wasser, um ihn zu vernichten. Jedoch - wenn du etwas vermagst, so hilf uns und hab Mitleid mit uns.
23 Jesus aber sagte zu ihm: Was soll das heissen: Wenn du etwas vermagst? Alles ist möglich dem, der glaubt.
24 Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!
25 Als Jesus nun sah, dass das Volk zusammenlief, schrie er den unreinen Geist an und sagte zu ihm: Stummer und tauber Geist! Ich befehle dir, fahr aus und fahr nie wieder in ihn hinein!
26 Der schrie und zerrte ihn heftig hin und her und fuhr aus. Da lag er da wie tot, so dass alle sagten: Er ist gestorben.
27 Jesus aber ergriff seine Hand und richtete ihn auf. Und er stand auf.
28 Dann ging er in ein Haus; und seine Jünger fragten ihn, als sie mit ihm allein waren: Warum konnten wir ihn nicht austreiben?
29 Und er sagte zu ihnen: Diese Art lässt sich nicht anders austreiben als durch Gebet." (Mk. 9, 14 - 29 ZB)


Jesus kam also vom Berg herab und wurde gleich mit der Situation konfrontiert, dass ein Vater seinen Sohn zu den Jüngern gebracht hatte, aber diese ihm nicht helfen konnten. Die bisherige Ausbildung und Bevollmächtigung hat noch nicht ausgereicht. Es heißt, dass der Junge dämonisiert war und zwar von einem stummen Geist.

Nun muss man folgendes wissen. Dämonenaustreibung war damals ganz normal. Das war jetzt nichts Neues, was Jesus eingeführt hatte.
Die Schriftgelehrten trieben Dämonen aus, die Pharisäer trieben Dämonen aus, die Jünger der Rabbiner trieben Dämonen aus und auch die Jünger Jesu machten dies. Es gab ein bestimmtes Ritual, das wohl ganz gut funktionierte.

Das Ritual beinhaltete drei Schritte: 

  1. Man musste die Kommunikation mit dem Dämon aufnehmen,
  2. man musste seinen Namen herausfinden und
  3. dadurch bekam man Autorität über den Dämon, konnte ihn beim Namen ansprechen und ihm befehlen die Person zu verlassen.

Das war die übliche jüdische Praxis. Problematisch wird es da, wo der Dämon stumm war.
Diesen Fall haben wir hier: ein stummer Geist. Da funktionierte dieses Ritual nicht. Ohne den Namen zu kennen, hatte man keine Autorität über den Dämon. Man brauchte daher eine andere Autorität. Die Autorität des Messias.
Die Pharisäer hatten angekündigt, dass es ein Zeichen des kommenden Messias sein wird, dass er die Autorität haben wird auch die stummen Geister auszutreiben. Dies ist der Grund, warum die Volksmengen, wenn sie Jesus da erlebt haben, wo er genau dies getan hat, fragten: »Ist er denn etwa der Sohn Davids?« (Mt. 12,23)

Welches Ritual auch immer, die Jünger versuchten hier anzuwenden, es funktionierte nicht. Sie waren mit der Situation überfordert.

Der Vater wendet sich dann also direkt an Jesus und die Menge ist gespannt, ob der Meister hier etwas tun kann, ob der Meister mehr kann, als seine Gefolgsleute.
Jesus befragt dann den Vater sehr intensiv nach der Vorgeschiche. Er erstellt sozusagen eine Anamnese. Vielleicht um Vertrauen aufzubauen, eine Beziehung zum Vater aufzubauen, Glauben zu wecken.

Und dann kommt dieser Satz des Vaters: „Wenn du etwas vermagst…hilf uns…hab Mitleid.“

„Wenn Du etwas kannst“ sagt er. Das klingt so, als würde der verzweifelte Vater den nächsten Wunderheiler aufsuchen und aus seiner Resignation heraus sagen „Naja, bis jetzt hat nichts geklappt, Deine Leute konnten es nicht, aber sonst auch keiner, wenn Du meinst dass Du was drauf hast, Du kannst es ja ruhig mal probieren.“ So in etwa stell ich mir das vor. Aber Glaube geht anders.

Jesus wirkt hier nicht begeistert und gibt die Frage an den Vater zurück:

„»Wenn es dir möglich ist, sagst du?«, entgegnete Jesus. »Für den, der glaubt, ist alles möglich.«“ (Mk. 9. 23 NGÜ)

„Jesus antwortete ihm: »Was dein ›Wenn du es vermagst‹ betrifft, so wisse: Alles ist dem möglich, der Glauben hat.«“ (Menge) 


Er macht aus: „Wenn Du etwas kannst?“ ein „Wenn Du glauben kannst?“.

Alles ist möglich dem, der glaubt! Liebe Geschwister, diese Aussage ist gleichzeitig eine Wahnsinns-Verheißung und echt herausfordernd und außerdem auch noch missverständlich.

Vielleicht ist es hilfreich zunächst zu sehen, was dieser Satz nicht bedeutet:

1. Es bedeutet nicht, dass der Mensch allmächtig ist. Nur Gott ist allmächtig. Ein starker Glaube macht mich nicht zum Supermenschen. Es findet hier kein Rollentausch statt zwischen Gott und Mensch. Gott ist Gott und Mensch bleibt Mensch.

2. Es bedeutet nicht, dass Glauben an sich schon alle Möglichkeiten frei setzt. So wie es vielleicht im Positiven Denken oder in der Esoterik der Fall ist. Es geht nicht um Glauben an den Glauben. Es geht hier nicht um irgendeine Art von systemimmanente Kraft im Glauben, sowas gibt es natürlich in gewissem Umfang in der Psychologie des Menschen. Biblisches Glauben meint immer Glauben an Jesus.

Das hebräische Wort für „glauben“ heißt „aman“ und bedeutet „sich an etwas festmachen“. Davon wird auch das Wort „Amen“ abgeleitet. Es bedeutet also im hebräischen Denken sein Leben, sein Herz an Gott festmachen.
Nicht der Glaube allein verändert Dinge, sondern der Glaube an den Gott, der Dinge verändern kann.

3. Das für den Menschen Mögliche ist niemals größer als das, was Gott an Möglichkeiten zulässt. Wenn ich in einem Kreisverkehr bin und vier Ausfahrtmöglichkeiten habe, habe ich eben keine fünfte. Gott muss das Mögliche zulassen.
So wie Jesus auf dem Wasser ging und Petrus aufforderte aus dem Boot zu steigen. Petrus stieg im Glauben aus und ging auf dem Wasser. Aber Jesus rief ihn und erst dann konnte er gehen. Ohne das Rufen Jesu hätte es nicht funktioniert.

Jesus sagt:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.“ (Joh. 5,19 Rev. Elb.)

Auch Jesus war mit dem was er tat abhängig vom Willen des Vaters.

„ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.“ (Jak. 4,3 Rev. Elb.)
Der Wille Gottes begrenzt das Mögliche.

Zusammenfassend kann man sagen, dieser Zuspruch Jesu gilt innerhalb des guten Willen Gottes innerhalb der Beziehung zu Jesus. Dann ist alles möglich!

Und spätestens jetzt sind wir an den Punkt, wo wir sagen müssen: Wow!. Das ist immer noch ein ganz schön steiler Zuspruch. Und er steht ja nicht nur hier. Es gibt ja auch noch ähnliche Verheißungen, wie bspw.

„Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagen wird: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!, und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben, dass geschieht, was er sagt, dem wird es werden. Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.“ (Mk. 11, 23.24 Rev. Elb)
Bittet! Glaubt! Und es wird euch werden.

Und wenn ich zurück blicke in meinem Leben, stelle ich fest: ja, manchmal habe ich genau das erlebt. Wenn ich daran denke, wie ... damals Heilung von ihrer Trigeminusneuralgie zugesprochen wurde und sich nichts getan hat und ich dann zwei Wochen lang tagtäglich fast rund um die Uhr gebetet und bekannt und ihre Heilung im Glauben in Anspruch genommen und fest gemacht habe, bis sie dann in die Wirklichkeit gekommen ist.
Oder wie Gott mir zugesagt hat, dass ... von ihrer Essstörung frei werden wird, und ich viele Jahre im Glauben daran festgehalten habe.

Manches ging schnell, manches dauerte sehr lange. Und manches dauert vielleicht immer noch. Ich denke, wir haben hier alle viele positive Glaubenserfahrungen gemacht.

Aber wir haben alle auch erlebt, wie unser Beten und Glauben nichts bewirkt hat und wir in dieser Diskrepanz leben müssen - zwischen biblischer Wahrheit und unserer Wirklichkeit.

Der Vater in unserem Text hatte so gut wie keinen Glauben, aber Jesus wirkte trotzdem.
Er war ehrlich: „Hilf mir, ich will ja glauben, hilf meinen Unglauben!“ Allein, dass er sich an Jesus gewendet hat, war schon ein kleiner Glaubensschritt. Und dieser Schritt hat gereicht. Schon der kleine Senfkorn-Glauben ist ausreichend.

Er war ehrlich vor sich und vor Gott. Authentisch. Das macht ihn mir so sympathisch. Er hat seinen Unglauben nicht versteckt. Und da ist er ganz nahe bei uns. Denn genauso wie es bei ihm der Fall war, steckt in uns auch beides: Glaube und Zweifel, Glaube und Unglauben.
Wir haben die Phasen voller Glaubensstärke und die Phasen, wo wir uns am liebsten verkriechen möchten und dies auch tun und uns denken, sollen die anderen doch feste glauben und beten, ich setzt jetzt erstmal ein paar Runden aus.

Es gibt ein Gedicht von Robert Gernhardt:

„Ich sprach nachts: Es werde Licht! Aber heller wurd‘ es nicht.
Ich sprach: Wasser werde Wein! Doch das Wasser ließ es sein.
Ich sprach: Lahmer, du kannst gehen! Doch er blieb auf Krücken stehn.
Da war auch dem Dümmsten klar, dass ich nicht der Heiland war.“
(Quelle: Robert Gernhardt, Gesammelte Gedichte. 1954-2004 (2006), S. 51f.)


Wir müssen nicht der Heiland, nicht Jesus sein. Wir dürfen echt sein und rufen: „Wir glauben. Hilf unseren Unglauben! Ja, wir glauben an Dich und Deine Möglichkeiten, aber manchmal dann eben doch nicht! Hilf uns!“

Das Frustrierende ist: wir können ja keinen Glauben produzieren. Wir glauben so viel, wie wir eben glauben. Aber allein die Hinwendung an Jesus, ist schon ein bisschen Glauben.

Und wir können im Glauben wachsen. Hier können wir das Wachstum vielleicht fördern und auch blockieren. So wie im Gleichnis mit dem Unkraut im Acker. Hier haben wir Gestaltungsmöglichkeiten und auch Verantwortung.

Am Schluss wird noch deutlich, warum die Jünger ihn nicht austreiben konnten. Sie hatten nicht gebetet. Sie haben sich vielleicht auf ihre Rituale und Erfahrungen und Methoden und zugesagte Autorität verlassen, aber das Gebet, das Hinwenden zu Gott vergessen. Auch unser Glaube braucht das Gebet, das Hinwenden an Gott, das Anker auswerfen bei Gott.

Die Jahreslosung soll uns Mut machen, dass wir uns neu und mehr danach ausstrecken im Glauben zu wachsen. Nicht still stehen, nicht resignieren, sondern zu Gott schreien. „Hilf meinen Unglauben.“

AMEN.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Predigt von Norbert Wohlrab (09.12.18)

Die kanaanäische Frau

Ich möchte heute mit Euch einen Text betrachten, über den ich neulich gestolpert bin. Und zwar die Begegnung von Jesus mit der kanaanäischen Frau, von der uns bei Matthäus und bei Markus berichtet wird.

„21 Und Jesus ging weg von dort und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon.
22 Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt….
28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“ (Mt. 15, 21-28 Luther)
 


So kennen wir Jesus. Er heilt und befreit und begegnet den Nöten der Menschen. Aber den Bibelkennern unter uns ist vielleicht etwas aufgefallen?
Genau, hier fehlt der Mittelteil des Abschnittes. Da passiert nämlich noch etwas dazwischen. Der Mittelteil lautet nämlich. (Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt….)

„23 Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.
24 Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
25 Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir!
26 Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.
27 Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
 


Äh, Moment, so kennen wir Jesus eigentlich nicht. Jesus sagt doch: „wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh. 6,37). Und jetzt hier, dieses schroffe Ignorieren und Abweisen dieser leidenden Frau?!

Den Jüngern ging es hier wohl so ähnlich, wie wenn man auf einer Party jmd. vorstellt, den man meint sehr gut zu kennen und dann verhält sich der auf einmal völlig anders.

Aber schauen wir uns die Begebenheit mal der Reihe nach an.
Jesus war in Galiläa unterwegs. Er speiste die Fünftausend, rettete Petrus aus Seenot, heilte viele Menschen in Genezareth und setzte sich mit Pharisäern und Schriftgelehrten auseinander. Und dann wollte er ihnen entkommen und „entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon“.
Im Paralleltext bei Markus steht: „Und er ging in ein Haus und wollte es niemanden wissen lassen“ (Mk. 7,24).

Die Beweggründe sind nicht ganz klar. Aber auf jeden Fall hat sich Jesus zurückgezogen. Von Galiläa rund 60 - 90 km nach Tyrus und Sidon. 2-3 Tagesmärsche. Nur er mit seinen Jüngern. Es scheint, als wollte Jesus einfach seine Ruhe. Vielleicht dem Massenandrang entkommen. Vielleicht sich der Verfolgung entziehen. Vielleicht einfach auftanken. Einfach Ruhe. Das versteh ich. Ich will im Urlaub auch keinen Trubel um mich rum.

Keine Juden, keine Pharisäer, keine Schriftgelehrten. Keine Menschen die was von ihm wollten und auch keine Menschen die ihn etwas Böses tun wollten. Niemand, der sich für ihn interessiert hat, denn Tyrus und Sidon sind zwei Städte in Syro-Phönizien, dem heutigen Libanon, weit außerhalb des jüdischen Staatsgebietes, tief im Heidenland.
Kurz vorher hatte er den Pharisäern noch klar gemacht, dass nicht das Äußerliche den Menschen verunreinigt. Er hatte keine Berührungsängste mit den Heiden.

Jesus hatte sich also eine Art von Urlaub, eine Art Auszeit genommen. Aber das mit der Ruhe hat nicht ganz geklappt, denn er „konnte doch nicht verborgen bleiben“ (Mk. 7,24) heißt es. Auch im Ausland hatte man schon von seinen Wundertaten gehört.

Dann kommt eben diese kanaanäische Frau zu ihm. Markus beschreibt sie als „Griechin aus Syrophönizien“ (Mk. 7,26), deren Tochter dämonisiert ist.
Kanaan ist die alte Bezeichnung für die Region, Syro-Phönizien die gegenwärtige, also kein Widerspruch. Aber Griechin? Das bedeutet wohl die Zugehörigkeit zur hellenistischen Kultur der Oberschicht in dieser Region. Tyrus und Sidon waren reiche Handelsstädte, hellenistisch und multireligiöse geprägte Städte.

Die Frau spricht Jesus an als Sohn Davids. Und Jesus reagiert erstmal gar nicht. Er sagt nichts. Kein Wort. Das schmerzt richtig beim Lesen.
Die Jünger sind schon genervt von ihrem Geschrei und bitten ihn, dass er etwas macht. Und dann erklärt Jesus - eigentlich den Jüngern - seine Haltung. „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“

Jesus hatte eine klare Mission von seinem Vater bekommen. Er war der Messias Israels. Ja, er war der Sohn Davids. Aber diese Frau war keine Tochter Davids. Sie war eine Heidin.
Er war zu den verlorenen Schafen Israels gesandt. Zum Volk Israel. Er sollte die loskaufen, die unter dem Gesetz waren (Gal. 4,4). Gott ist zunächst „nur“ der Gott Israels, nicht der Gott anderer Völker.

Es gab natürlich von Anfang an den Plan, dass dies nicht das Endziel ist. Zu Abraham sagte Gott: „und in dir und in deiner Nachkommenschaft sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“ (1. Mose 28,14 Rev. Elb.) und es gab Verheißungen im AT, dass die Schranke zu den Heiden einmal weggerissen werden wird. Aber das war zu dieser Zeit noch Zukunftsmusik.

„Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht nicht in eine Stadt der Samariter“ (Mt. 10,5 Luther), sagte Jesus, als er die Zwölf vorher ausgesandt hatte. Die Schranke zu den Heiden war noch nicht niedergerissen. Das geschah ja erst am Kreuz.
Jesus war also nicht auf Missionsreise in Syro-Phönizien unterwegs, wie später die Apostel. Die Frau kam zur falschen Zeit aus einer falschen Nation. Sie kam einfach heilgeschichtlich betrachtet zu früh. Sie hätte sozusagen auf Paulus warten müssen.

Aber sie lässt nicht locker. Jesus hat ja auch nicht gesagt, dass er nichts tun wird. Er hat nur den Jüngern sein Verhalten erklärt.

„Herr, hilf mir!“ sagt sie. Und dann kommt diese barsche Antwort:
„Doch er erwiderte: »Es ist nicht recht, den Kindern das Brot zu nehmen und es den Hündlein hinzuwerfen.«“ (Mt. 15, 26 Menge)

Uff! Harter Tobak.

Bei Markus heißt es noch etwas anders:

„Lass zuvor die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot nehme und werfe es vor die Hunde“ (Mk. 7,27)

Markus fügt hier noch da Wort „zuvor“ ein. Damit werden die anderen nicht gänzlich ausgeschlossen, sondern nur hinten angestellt. Markus schrieb sein Evangelium ja auch für die Heiden und Matthäus dagegen für die Juden.

Dieser Satz ist jetzt eigentlich mehrdeutig:
Zunächst Hunde ist die hebräische Bezeichnung für die Heiden, auch wenn Jesus hier abgemildert Hündchen sagt. Und Jesus ist das Brot des Lebens (Joh. 6,48) und ist zuerst zu den Kindern Israels gesandt. Zunächst sollen die Kinder Israels satt werden. Ihr geistlicher Hunger und Durst soll gestillt werden, ihre Erlösung soll bewirkt werden. Dies ist eigentlich eine Wiederholung der Erklärung, die Jesus den Jüngern gegeben hat, nur mit anderen Worten.

Aber dieser Satz hat auch noch eine andere Dimension. Eine sozialkritische Dimension. Tyrus und Sidon waren -  wie bereist erwähnt - reiche Handelsstädte. Die tyrische Währung war eine der härtesten Währungen des Altertums, so wie die DM bspw.
Wegen des gebirgigen Hinterlands konnte dort aber nur wenig Landwirtschaft betrieben werden - im Gegensatz zu Galiläa. Und so importierte Tyrus schon zu Zeiten Salomons Getreide und weitere Lebensmittel aus Israel (1. Kön. 5, 22-25; Hes. 27,17; Apg. 12,20) und eben auch damals in neutestamentlicher Zeit. Was zur Folge hatte, dass die arme Bevölkerung Galiläas Hunger leiden musste.

Und so könnte Brot in diesem Vers auch ganz wörtlich als Brot zu verstehen sein.

„Lass zuerst die armen Leute im jüdischen Hinterland satt werden. Denn es ist nicht gut, das Brot der armen Leute zu nehmen und es den reichen Heiden in den Städten hinzuwerfen.“ (Gerd Theißen)

Damit wäre dies ein Gerichtswort gegen die Ausbeutung der Armen in guter prophetischer Tradition, wie wir es von den Propheten des AT kennen.

Welche der beiden Interpretationen auch die richtige sein mag oder ob beide gleichzeitig richtig sind. Die Frau hat verstanden. Sie rechtfertigt sich nicht, wie man es so gerne tut: „Oh Herr, die Umstände….und ich kann doch nichts dafür….und die anderen….und du weißt doch….man muss doch sehen, wo man bleibt….es sind schwierige Zeiten….und die Steuern“, sondern sie sagt einfach: „Ja, Herr“. Sie stimmt zu. Sie stimmt mit Jesus überein:

Ja, ich bin keine Israelitin.
Ja, ich habe keinen Anspruch an Dich.
Ja, Du bist nur zum Volk Israel gesandt.
Und vielleicht auch: Ja, wegen uns müssen die Galiläer hungern.

Sie stimmt mit Jesus überein. Die Bibel nennt das Bekennen. Mit Gott einer Meinung sein.
Und demütig sagt sie dann: Ja, aber für die Hunde fällt doch auch ein bisschen was ab bei Tisch. Ein paar Krümel. Und die gewährt man ihnen.

Ein bisschen Segen, ein bisschen Gnade, ein bisschen vom Brot des Lebens muss doch auch für mich Heiden-Hündchen übrig bleiben.

Und Jesus gewährt ihr daraufhin ihre Bitte, heilt ihre Tochter und lobt ihren großen Glauben.
Interessant ist, dass er dies nur bei zwei Menschen tut. Bei ihr und bei dem Hauptmann von Kapernaum, der für seinen kranken Diener bittet (Mt. 8, 5-13). Ebenfalls ein Heide.

Was hat sich geändert? Oder hat sich überhaupt etwas geändert?

Die Bibel erklärt ja bspw., dass Jesus bis zu seinen letzten Stunden durch sein Leiden Gehorsam lernen musste (Hebr. 5,8). Hat Jesus hier umgelernt? Nein, ich denke nicht. Oder hat die Frau ihn überredet? Das wäre so die feministische Interpretation dieser Stelle. Nein, das denke ich auch nicht.

Jesus hat ja nie gesagt, dass er ihr nicht helfen wird, Er hat nur erklärt, dass er zuerst zum Volk Israel geschickt ist. Ich denke, dass es von Anfang an in Gottes Willen war, dass er hier eingreift. Vielleicht ist Jesus auch durch die Leitung seines Vaters extra dorthin gegangen um dieser Frau zu begegnen. Wir wissen es nicht.

Aber es wird trotzdem etwas deutlich, nämlich dass das Einreißen der Mauer zu den Heiden bevorsteht. Insofern hat diese Begegnung mit der syro-phönizischen Frau eine symbolische und auch prophetische Bedeutung. Es dauert ja auch nicht mehr lange dann werden die Jünger ausgesandt nach Samaria und an die Enden der Erde zu allen Völkern.

Die Begegnung mit der syro-phönizischen Frau ist eingebettet in die zwei Wunder der Brotvermehrung. Beim ersten mal blieben 12 Körbe übrig. Das ist jetzt ein bisschen was für die Numerologen. 12 Körbe für die 12 Stämme Israels. Überfließende Gnade für Israel.
Beim zweiten blieben 7 Körbe übrig. 7 ist die Zahl für das umfassende Wirken an der ganzen Schöpfung. Überfließende Gnade für die Welt. Ich weiß nicht ob das wirklich so ist, aber es ist zumindest mal ganz interessant.

Gut, aber was kann uns dieser Text heute sagen? Was können wir von dieser Frau lernen? Wir haben den Bibeltext jetzt verstanden, aber was sagt er uns heute?

Martin Luther hat die Frau als Mutter des Glaubens bezeichnet. Eine Frau die nichts hat, außer ihren Glauben an Jesus. Sie weiß, dass sie keinen Anspruch hat und nichts zu bieten hat. Sie weiß, dass sie sündig ist.
Wenn wir heute Jesus bitten, dann tun wir das zwar als Gerechtfertigte, aber trotzdem als schwache, unvollkommene, sündige Menschen, die nichts zu bieten haben. In Demut können wir sagen: „Ja Herr, ich bin schwach, ich habe nichts, ich brauche Dein Eingreifen.“

Die Frau bleibt bei Jesus. Sie lässt sich weder von seinem Schweigen irritieren, noch von seiner Belehrung. Sie bleibt da. Sie harrt aus. Sie bleibt in seiner Gegenwart. Wenn wir beten und keine Antwort erhalten, ist das nicht automatisch ein Nein.

Das NT ist voll von Beispielen und Aufforderungen, in denen das nachhaltige Bitten belohnt wird und auch erwartet wird. Z. B. bei der bittenden Witwe beim ungerechten Richter oder bei dem Freund, der um Mitternacht klopft. Beiden wird wegen ihrer Hartnäckigkeit und Unverschämtheit gegeben. Gott will aus Güte geben.

Könnte es sein, dass wir oft zu schnell aufgeben? Dass wir denken, Gott will unser Bitten nicht erhören, nur weil es noch nicht geschehen ist?

Von der Frau können wir lernen im Glauben an der Sache dranzubleiben, weiter zu bitten, nicht aufzugeben, nicht nachzulassen, beharrlich zu sein.

Betet allezeit, betet ohne Unterlass, mit aller Beharrlichkeit etc. So können wir es oft lesen im NT.

Weder die Frau, noch der Hauptmann von Kapernaum baten für sich selbst, sondern für ihnen nahestehende Menschen.
Wer sind unsere nahestehenden Menschen, die unsere Fürbitte nötig haben? Familie, Freunde, Nachbarn. Oft haben sie gar keinen anderen Beter, außer uns (wenn man nicht gerade in so Ballungszentren mit lauter Christen wohnt). Wenn wir dann nicht beten, betet vielleicht gar keiner. Und wie schnell wird man müde und zermürbt und bequem, wenn es sich über Jahre und Jahrzehnte hinzieht und nichts geschieht.

Im AT können wir an vielen Beispielen lernen weiter zu beten oder mit Gott weiter zu reden, wenn er schweigt.

„Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand! Vergiss die Elenden nicht!“ (Ps. 10,12 Luther)

Die Psalmen sind dabei wunderbare Beispiele dafür anhaltend im Gebet zu bleiben.

Eine Frage, die sich stellt, ist: Ist Beten Gott überreden? Ist Beten eine Art von Gott weichklopfen?
Man könnte jetzt ganz einfach sagen: Du bekommst nicht, was nicht Gottes Wille ist. Aber die Geschichte Israels zeigt, dass Gott seinem Volk öfters Dinge gegeben hat, die sie wollten, auch wenn sie nicht in seinem Willen waren. Z.B. Fleisch in der Wüste zusätzlich zum Manna (4. Mo. 11),  das östliche Gebiet am Jordan für zweieinhalb Stämme, die nicht über den Jordan ziehen wollten (4. Mo. 32), einen König (1. Sam. 8). Mit meistens negativem Ausgang. Also es gibt Beispiele wo Gott überredet werden konnte. Trotzdem denke ich, dass dies nicht das ntl. Regelprinzip von Gebet und Fürbitte ist.

Gebet und Fürbitte bewegt sich in den Parametern zwischen:
Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet (Jak. 4,2) und Euer Vater weiß was ihr braucht bevor ihr ihn bittet (Mt. 6,8);
zwischen den Willen Gottes vom Himmel auf die Erde bringen (charismatisch-pfingstkirchliches Verständnis) und „Abhängen“ mit Gott. Aus irgendwelchen Gründen hat sich Gott von unserem Beten abhängig gemacht. Und wir tun es viel zu wenig.

AMEN.

Samstag, 4. April 2015

Predigt von Norbert Wohlrab (22.03.15)

Hoffnung


1. Begriffsklärung „Hoffnung“

Ein Ehepaar begibt sich auf Hochzeitsreise. Sie waren mit Maultieren zu den Niagara-Wasserfällen unterwegs, als das Tier der Frau stolperte. In letzter Sekunde schaffte die Frau es noch sich auf dem Tier zu halten ohne in den Abgrund zu stürzen und murmelte nur „Eins". Einige Kilometer später strauchelte das Tier ein zweites Mal, wieder konnte die Frau den Sturz in die Tiefe auch dieses mal in letzter Sekunde verhindern und murmelte nur „Zwei". Es kam wie es kommen musste, das Tier strauchelte ein drittes Mal. Wieder konnte sie nur mit größter Mühe den Sturz in die Tiefe verhindern. Dieses Mal sagte sie jedoch laut "Drei", stieg von ihrem Maultier zog eine 45er Magnum (wahrscheinlich war sie Amerikanerin) aus dem Rucksack und erschoss das arme Tier. Der Mann hat natürlich sofort seinen Unmut über das Verhalten seiner Frau dem Tier gegenüber kundgetan. Da schaute sie ihn nur an und sagte "Eins...".

Eins - zwei - drei. Glaube - Hoffnung - Liebe. Das sind die drei Grundwerte, die Eckpfeiler des christlichen Lebens, die alles andere überdauern.

„Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei“ (1. Kor. 13,13a Rev. Elb)

Diesmal hat es Gott mir bei der Predigtvorbereitung nicht leicht gemacht. Als ich Anfang der Woche im Gebet gefragt habe über was ich predigen soll, bekam ich ein einziges Schlagwort: „Hoffnung“. Da sich dies leider nicht präzisieren ließ, war ich in der unangenehmen Situation eine Predigtvorbereitung zu beginnen, ohne zu wissen, worauf ich eigentlich hin will. Bei manchen ist das vielleicht auch noch auf der Kanzel so, aber ich habe i.d.R. eine Gliederung bereits im Kopf, wenn ich mich zum Schreiben hinsetze. Aber diesmal war es eben ganz anders.

Hoffnung. Es gibt über Hoffnung ja die verschiedensten Ansichten in dieser Welt: z.B.
„Hoffnung ist die Mutter der Dummen.“ (aus Polen)
„Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.“ (Ovid)
„Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren.“ (Siegfried Lenz)
„Wir hoffen immer, und in allen Dingen ist besser hoffen als verzweifeln.“ (Goethe)

Eine ganz pragmatische Weisheit von Goethe. Es ist immer besser zu hoffen, als zu verzweifeln.

Oder wir kennen auch solch Aussprüche wie „guter Hoffnung sein“ oder „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Je nach Weltsicht und Gemütsverfassung äußern sich die Menschen recht unterschiedlich über die Hoffnung. Eher positiv oder eher negativ. Einen besonders tiefgebenden und philosophischen Ausspruch hab ich noch gefunden:

„Ich glaube, Gott ist einfach Hoffnung. Vielleicht ist Gott auch ein bisschen man selber.“ (Dieter Bohlen)

Allgemein gesprochen ist Hoffnung eine zuversichtliche innerliche Ausrichtung und Erwartungshaltung, dass etwas Wünschenswertes in der Zukunft eintritt, ohne dass wirkliche Gewissheit darüber besteht. (z.B. Aufstieg der Fürther)


2. Die christliche Hoffnung

Wenn wir in der Bibel, v.a. im NT von Hoffnung lesen, dann ist damit aber etwas anderes gemeint als unser menschliches Hoffen auf Verbesserung einer Situation.

Hoffnung meint hier in erster Linie die Hoffnung auf unsere zukünftige Herrlichkeit bei Gott. Sicher auch hier bezieht sich Hoffnung auf etwas Zukünftiges. Auf etwas, dass noch nicht geschehen ist. Paulus schreibt ja bspw.:

„Unsere Errettung schließt ja diese Hoffnung mit ein. Nun ist aber eine Hoffnung, die sich bereits erfüllt hat, keine Hoffnung mehr. Denn warum sollte man auf etwas hoffen, was man schon `verwirklicht` sieht?“ (Röm. 8,24 NGÜ)

Also, auch unsere Hoffnung ist in die Zukunft gerichtet. Aber die Grundlage unserer Hoffnung, unserer Hoffnung auf Herrlichkeit ist nicht irgendein vager gegenwärtiger Zustand. Die Grundlage unserer Hoffnung ist Jesus Christus selbst.

„Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ (Kol. 1,27 Rev. Elb.)

D.h. die Basis unserer Hoffnung liegt in der Vergangenheit. Hier unterscheiden wir uns grundlegend von den Juden: sie haben immer noch die Hoffnung auf das Kommen des verheißenen Messias. Wir blicken hier bereits zurück. Unsere Hoffnung hatte sozusagen schon Hand und Fuß.

Und jetzt denke ich an einen Aspekt besonders, an einen Beleg für unsere Hoffnung, nämlich an seine Auferstehung. Es geht ja stark auf Ostern zu, da passt das heute ganz gut.
Denn ohne Auferstehung gäbe es keine Hoffnung. Ohne Auferstehung wäre das Werk am Kreuz kraftlos, wäre sein Tod nicht anders als der Tod anderer Menschen gewesen, wären wir noch in unseren Sünden gefangen. Die Auferstehung ist die zentrale Grundlage unseres Glaubens, unserer Hoffnung. Ohne Auferstehung wäre unser Glaube jeglicher Basis beraubt. Paulus schreibt:

„Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden…Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ (1, Kor. 15, 17.19.20 Luther)

Ohne die Auferstehung wäre der christliche Glaube also sinnlos. Ohne die Auferstehung wäre der christliche Glaube genauso sinnlos wie jede andere x-beliebige Religion. Es wäre nur Opium fürs Volk! Ohne Auferstehung wäre das Christsein auch nur ein hilfloser menschlicher Versuch Gott zu finden. Unser Glaube wäre ein Herumstochern im Nebel, ein Suchen nach der Wahrheit ohne sie jemals zu finden. Wir wären nicht nur Idioten, weil wir nur Lug und Trug nachjagen, wir wären auch verloren, unsere Schuld wäre nicht vergeben, sie würde noch immer auf uns lasten.

Diese Auferstehungshoffnung ist die Basis des Glaubens. Die Hoffnung ist ein Fixum, dass noch in der Zukunft liegt, aber gewiss ist. Im Glauben ergreifen wir diese Hoffnung.


„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebr. 11,1 Luther)

„Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.“ (Rev. Elb.)


Im Glauben ergreife ich diese „Hoffnung des ewigen Lebens“ (Tit. 1,2) und lasse sie in meinem Leben Gestalt annehmen. So werden wir selbst zu einer lebendigen Hoffnung für andere.

„Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, die ihr in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werdet zur Rettung, die bereitsteht, in der letzten Zeit offenbart zu werden.“ (1. Petr. 1, 3-5 Rev. Elb.)

Unsere Hoffnung (Hebr. 6,18) wird auch beschrieben als eine wichtige Unterstützung für uns, als ein Anker für die Seele:

„Diese (Hoffnung) haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Vorhangs hineinreicht“ (Hebr. 6,19 Rev. Elb.)

Ein Anker für die Seele! Unsere Seele braucht den Trost, wenn wir versagt haben, wenn es uns schlecht geht oder wenn z.B. jmd. stirbt. Dann brauchen wir die Hoffnung, dass er auferstehen wird und wir gemeinsam mit ihm in der Ewigkeit sein werden.

Ohne Anker wird ein Schiff bei einem Sturm auf das Meer hinausgetrieben und ist den Gewalten ohne Schutz ausgeliefert. Dieser Anker der Hoffnung reicht hinter den Vorhang ins Allerheiligste hinein, „wohin Jesus als Vorläufer für uns hineingegangen ist“ (V. 20a).

Hinter dem Vorhang im Allerheiligsten steht der Gnadenthron, der Sühnedeckel (3. Mose 16,15), auf den am Versöhnungstag der Hohepriester das Blut sprengen musste, damit die Sünde bedeckt wurde. Jesus hat sein Blut ein für allemal vergossen um unsere Schuld zu tilgen. Daran hängt unser Anker. Durch diesen Anker sind wir nicht geerdet, sondern „gehimmelt“. Dadurch wissen wir, dass der Tod keinen Stachel mehr hat (1. Kor. 15,55).

Die Welt sagt wie eingangs erwähnt „Hoffen und Harren hält manchen zum Narren.“ Die Bibel sagt:

„Die Hoffnung lässt nicht zuschanden werden.“ (Röm. 5,5 Rev. Elb.)

Vielleicht kann man sagen, weil Jesus die Verkörperung unserer Hoffnung ist, bleibt die Hoffnung auch in Ewigkeit bestehen - neben Glaube und Liebe.
Aber dort wird sie dann umgesetzt. Dort ist die Hoffnung für uns aufbewahrt (Kol. 1,5) und dort wird sie dann vollendet, dort wird unser Heil vollendet.

 

3. Hoffnung im Alltag

Im Leben muss sich unsere Hoffnung jedoch oft bewähren. Hier brauchen wir die Verankerung, aber hier brauchen wir auch die Ergänzung, die Unterstützung der Geschwister.

Ein Vers ist mir für heute doch noch besonders wichtig geworden:

„Freut euch über die Hoffnung, die ihr habt. Wenn Nöte kommen, haltet durch. Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen.“ (Röm. 12,12 NGÜ)

Dieser Vers steht in einem Abschnitt, in dem Paulus einige gute Anweisungen und Ratschläge für das praktische Leben der Geschwister gibt: einander lieben, gastfreundlich sein, nicht Böses mit Bösem vergelten, teilhaben an Freude und Leid des anderen usw. Und dann schreibt er über unsere Hoffnung, die doch irgendwie so anders ist.

Unsere Hoffnung ist nicht von dieser Welt. Unsere Freude ist nicht von dieser Welt. „Freude, die von innen kommt“ heißt es in dem bekannten Lied von Albert Frey.

Wie super einfach ist es sich zu freuen, wenn alles passt in unserem Leben. Wenn es in der Ehe stimmt, in der Familie passt, die Sonne scheint und der Geldbeutel überfließt, wenn man bei guten Freunde mit einem guten Wein auf dem Sofa lümmeln kann, wenn man gesund ist..…oder im geistlichen Bereich: wenn man gewaltige Gebetserhörungen mit Gott macht, wenn man sich mächtig gesegnet fühlt, wenn man sich im Flow des Heiligen Geistes bewegt…..

Ich weiß ja nicht wie das bei Euch aussieht, aber irgendwas fehlt bei mir immer. Okay, es gibt Tage, da kommt schon mal alles zusammen, aber meistens fehlt doch irgendwas, manchmal gleich mehreres. Aber das soll ja auch nicht die Basis unserer Freude sein.

Im Hauskreis kam die Frage auf, nach dem Zusammenhang von Glaube und Gefühl. Okay, die Art und Weise, wie ich meinen Glauben auslebe, ihn ausdrücke, das hat natürlich auch was mit meinen Gefühls(er)leben zu tun, aber die Grundlage meines Glaubens ist doch völlig frei von meinen Gefühlen. Die Grundlage meines Glaubens ist Jesus Christus, dass er für meine Schuld gestorben und auferstanden ist, dass Gott in ihm zu mir Ja gesagt hat und meine Schuld einmal für alle Zeiten vergeben worden ist und da ist es völlig egal wie ich mich fühle. Das ist die Grundlage meiner Hoffnung. Daraus soll meine Freude entspringen. Egal wie ich mich im auf und ab meines Lebens und Glaubenslebens gerade fühle. Meine Ehe besteht ja auch nicht nur dann, wenn ich mich grad mal gut fühle.

Und diese Hoffnung soll auch durch Nöte, Trübsal, Bedrängnis, Verfolgung tragen. Paulus denkt hier wohl in erster Linie an Bedrängnisse durch Verfolgung. Hochaktuell in vielen Ländern. Wie viele Geschwister lassen wohl täglich ihr Leben für ihren Glauben. Aber es gibt auch Nöte des Lebens, die uns bedrängen, bedrücken. Krankheit, Unfälle, Naturkatastrophen, Tod, Arbeitslosigkeit, Gewalt, Scheitern von Beziehungen uvm. setzen uns zu und bedrücken unseren Glauben.

Und oft kommt dann die Frage nach dem Warum. Warum lässt Gott das zu? Warum geschieht dies? Und sicher, ja, manchmal gibt es geistliche Zusammenhänge, Kausalitäten, deren Erkennen hilfreich für Verhaltensänderung, Befreiung, Heilung usw. ist, aber oft ist die Antwort einfach, weil wir nicht im Paradies leben.

Atheisten würden vielleicht einfach sagen: „Shit happens“, aber wenn man an einen allmächtigen Gott glaubt, kommt automatisch die Frage hoch, warum sich seine Allmacht nicht manifestiert.

Seit Adam und Eva leben wir in einer gefallenen Schöpfung. Die unerlöste Schöpfung seufzt und stöhnt (Röm. 8,22). Wir erkennen zwar vielfach in der Natur noch die Schönheit der ursprünglichen Schöpfung Gottes, aber genauso erkennen wir ihre Grausamkeit, ihre Gefallenheit. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis mit Tausenden Toten, Kinder die mit fehlenden Gliedmaßen geboren werden oder mit zu vielen (mit zwei Köpfen oder drei Beinen) oder mit uneindeutigem Geschlecht oder sonst irgendwelchen Behinderungen, Krankheiten usw. sind alles Ausdrucksformen einer gefallenen Schöpfung.

Hierin finden wir - wie ich meine - nicht den Willen Gottes, hierin finden wir höchstens eine Sehnsucht nach Herrlichkeit, die wir alle gemeinsam haben: Gott, wir und auch die Schöpfung, sehnen uns nach Vollendung, nach Erlösung, nach Heil, nach einer Existenz ohne Tränen, Tod, Trauer, Schmerz und Geschrei (Offb. 21,4).

Aber solange uns Nöte in unserem Leben treffen, heißt es durchzuhalten.

Als mein Vater mit Anfang 50 starb, hat sich meine Mutter das allseits bekannte Gelassenheitsgebet in ihrer Küche aufgehängt:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Wenn jmd. gestorben ist, ist dies in den meisten Fällen unumkehrbar. Aber es gibt viele Nöte, in unserem Leben, denen wir aktiv begegnen können. Nicht alles was uns im Leben geschieht, ist der Wille Gottes, vermutlich sogar das wenigste, aber alles ist eine Herausforderung das der Wille Gottes geschehen kann.

Nicht umsonst werden wir gleich im zweiten Vers des Vaterunsers von Jesus aufgefordert zu beten:

„dein Reich (= Königsherrschaft) komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden!“ (Mt. 6,1 0 Rev. Elb.)

Wenn Gottes Wille automatisch geschehen würden, bräuchten wir ihn dann herbeibeten? Nein. Gottes Wille ist es, dass alle Menschen gerettet werden (2. Petr. 3,9). Geschieht er deshalb? Nein.

Zur Erinnerung: wir leben in einer gefallen Schöpfung unter sündigen Menschen, mit einem eigenen Willen, die auch noch vielfach vom Gott dieser Welt (2. Kor. 4,4) beherrscht wird. Absolut schlechte Ausgangsbedingungen für das Umsetzen des Willen Gottes (und bedenken wir: nicht einmal im Paradies wurde der Wille Gottes respektiert).

Unser Gebet und unser Auftrag beidermaßen ist es daher, dass die Königsherrschaft Gottes sich darin ausbreitet, dass der Wille Gottes sich ausbreitet - in uns (durch unsere Heiligung, 1. Thes. 4,3) und durch uns. Deshalb sollen wir uns auch nicht vom Gebet abhalten lassen.

Manchmal geht es dabei im Gebet gar nicht darum Gott zu bewegen etwas zu tun, sondern darum seinem Eingreifen Bahn zu bereiten („Bahnt einen Weg unseren Gott“), den Weg durch unsere Gebete „freizuschießen“ in der unsichtbaren Welt.
Wir kennen ja die Geschichte vom Engelsfürsten im Buch Daniel, der erst nach 21 Tagen kommen konnte, weil er erst noch Gefechte in der unsichtbaren Welt zu bestreiten hatte, obwohl die Gebete Daniels doch bereits am ersten (!) Tag erhört wurden (Dan. 10, 10-13). Ich glaube wir tendieren manchmal dazu, solch geistliche Realitäten in der unsichtbaren Welt zu übersehen.

Aber selbst, wenn wir nicht in irgendwelche Gebetskämpfe verstrickt sind, ist es wichtig am Gebet in welcher Form auch immer (Stille, Anbetung, Liturgie, Lobpreis) festzuhalten, da wir uns sonst einfach der spürbaren Gegenwart und der Kraft des lebendigen Gottes in unserem Leben berauben.

Und wir kennen doch alle solche Zeiten, in denn wir weniger in der Gegenwart Gottes verbracht haben, wo wir uns im Alltag haben ablenken lassen. Hat es uns jemals gut getan? Natürlich nicht.

In diesem Sinne noch einmal den Vers aus Röm. 12 in einer etwas anderen Übersetzung:

„Freut euch auf Gottes Sache, auf die Dinge, die er noch für euch hat. Entspannt euch, wenn es mal derbe zugeht. Und vor allem gilt: Nie aufhören, mit Gott zu labern, ja?!“ (Röm. 12,12, Volxbibel)

AMEN.

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Ein Weihnachtsgruß......

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell…Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.“ (Jes. 9,1.5.6a) 

So lesen wir die Geburt Jesu im Propheten Jesaja beschrieben.

Es ist schon eine eigenartige Sache mit diesem Weihnachten. Irgendwie scheint dieses christliche Fest eine Kraft, ein Licht, eine Dynamik in sich zu haben, die Dinge verändert, die Verhärtungen löst oder zumindest lösen kann.

In der bekannten Kindergeschichte "Hilfe! Die Herdmanns kommem!", sind auf einmal aus Außenstehenden ganz besondere Menschen geworden. Menschen, die abgelehnt wurden, belächelt oder schief angeschaut wurden, standen auf einmal im Mittelpunkt und wurden wertgeschätzt.

Nun ist das nur eine Geschichte gewesen, aber auch in der Bibel geschieht im Umfeld der Geburt Jesu Ähnliches. Da sind es bspw. die Hirten, die als Außenstehende, Geringgeachtete und Randfiguren der Gesellschaft auf einmal in den Mittelpunkt des Weltgeschehens gerückt werden.

Etwas ganz Besonderes ist am Heiligabend vor 100 Jahren geschehen. Es war am Anfang des 1. Weltkriegs. Deutsche Soldaten lagen sich auf er einen und französische und britische Soldaten auf der anderen Seite in Schützengräben gegenüber. Alle hatten gedacht, bis Weihnachten ist der Krieg vorbei und man ist wieder zu Hause. Aber daraus ist nichts geworden. Ein jahrelanger Stellungskrieg stand ihnen stattdessen noch bevor. Aber an diesem Weihnachten ist es geschehen, dass ein deutscher Kammersänger namens Walter Kirchhoff angefangen hat Weihnachtslieder im Graben zu singen. Die französischen Soldaten waren davon so begeistert, dass sie Zugaben forderten und so entstand nach und nach ein gemeinsames Singen von Weihnachtsliedern. Mehr und mehr Soldaten haben ihre Schützengräben verlassen und sind im Niemandsland aufeinander zu gegangen. Man hat Vertrauen gefasst. Es wurde ein gemeinsamer mehrsprachiger Gottesdienst gefeiert. Es wurden Geschenke ausgetauscht: Tabak, Alkohol, Süßigkeiten. Man zeigte einander die Bilder seiner Lieben, es gab ein gemeinsames Fußballspiel. Und dies geschah gleichzeitig an mehreren Stellen der Westfront. Dieser Weihnachtsfrieden hielt teilweise sogar bis zum 6. Januar.

Weihnachten hat eine Kraft in sich. Die Kraft der Geburt Christi. Den Soldaten erschien ein großes Licht. Es war für die Beteiligten ein großes Wunder. Und es hatte Auswirkungen. Den meisten war es danach nicht mehr möglich auf die neu gewonnenen Freunde zu schießen. Wie sollte man denn auch die versuchen zu töten, mit denen man gerade sein Leben geteilt hat?!

Der Heeresleitung war dies natürlich überhaupt nicht recht. Auf allen Seiten. Da man aber nicht ganze Garnisonen erschießen lassen konnte wegen Verbrüderung mit dem Feind, blieb nichts anders übrig, als sie an andere Stellen der Front zu versetzen.

Heute würden wir aus unserer charismatisch geprägten Theologie heraus vielleicht sagen, da ist ein Stück vom Reich Gottes auf die Erde durchgebrochen. Da ist etwas sichtbar geworden von der Herrschaft Christi, von seinem Friedensreich.

Wenn wir heute in die Welt schauen, dann wissen wir, dass es noch viele Kriege und Konflikte, viel Ablehnung gibt. Wir brauchen gar nicht in den Nahen Osten schauen, wir brauchen nur nach Dresden - in den noch näheren Osten - schauen, Stichwort: Pegida. Aber auch in unserem Lebensumfeld, in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, gibt es Menschen die ausgegrenzt oder abgelehnt werden.

Aber wenn etwas deutlich wird bei diesem Weihnachtsfrieden des 1. Weltkriegs, dann ist es das, dass die Menschen es sind, dass wir es sind, mit denen Gott die Welt verändert, mit denen er sein Reich, seine Herrschaft, sein Friedensreich baut. Wie im Himmel, so auf Erden. Wie im Himmel, so auch da wo ich lebe, da wo ich stehe.

Ein afrikanisches Sprichwort lautet: „Der Glaube ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.“ Wir haben diesen Glauben. Um uns herum ist oft Dunkelheit, aber wir haben eine andere Hoffnung, eine andere Zukunftserwartung, als diejenigen, die Jesus Christus nicht kennen. Wir wissen von der Liebe und der Güte Gottes, wir wissen von Christi Geburt und von seiner Wiederkunft. Diese Hoffnung gibt Licht in jede Dunkelheit.

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. 3,16)

FROHE WEIHNACHTEN.

Samstag, 5. Mai 2012

Predigt von Norbert Wohlrab (20.04.12)

Die Taufe - ein Mysterium?!


1. Einleitung

Wie Ihr sicherlich schon mitbekommen habt, findet im Mai ein Taufgottesdienst statt. Wir haben vier Täuflinge, die sich zu Jesus Christus bekennen und sich dazu entschlossen haben, sich taufen zu lassen.

Im Vorfeld haben wir zwei Taufgespräche durchgeführt und zum Abschluss des Gesprächs habe ich sie dann immer gefragt, ob sie alles verstanden haben. Worauf sie immer mit „Ja“ geantwortet haben. Das fand ich dann immer sehr erstaunlich, weil ich für mich zugeben muss, dass ich noch nicht alles verstanden habe. Intellektuell nachvollzogen gewiss, aber nicht in seiner Gänze, in seiner Tiefe „erkannt“. Warum? Weil die Taufe irgendwie doch ein Mysterium ist.
Nicht im Sinne der Mysterienreligionen, sondern im Sinne eines Sakraments. Eine menschliche Handlung, ein Ritus, der eine geistliche Wirklichkeit bewirkt. (Die alte Kirche kannte übrigens nur zwei Sakramente: die Taufe und das Abendmahl.) Und diese geistliche Dimension zu erkennen - nicht nur in der Taufe, sondern in allen Inhalten des christlichen Glaubens - ist ein lebenslanger Wachstumsprozess.

Heute geht es also um die Taufe. Ich habe schon das ein oder andere Mal über die Taufe gepredigt, daher weiß ich jetzt nicht, ob ich allzu viel neues oder anderes heute sagen werde. Also wenn Ihr das Gefühl habt, das habt Ihr schon mal von mir gehört, dann bitte ich schon mal um Entschuldigung (im Sinne einer vorlaufenden Gnade).

In der weltweiten Christenheit besteht ja zumindest in einem Punkt Einigkeit: nämlich dass wir taufen sollen (mit Ausnahme der Heilsarmee, die meines Wissens überhaupt nicht taufen). Der Missionsbefehl ist hier eindeutig:

„Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr diese tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie lehrt alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ (Mt. 28, 19.20 Rev. Elb.)

Schwieriger wird es hier schon in der Frage, wie und wer getauft werden soll. Gläubige Erwachsene oder nicht glaubende Säuglinge, mit Untertauchen oder mit Besprengen. Kaum eine Frage hat die Christenheit so gespalten wie diese Frage. In der katholischen Kirche werden Säuglinge mit Wasser besprengt, in der orthodoxen Kirche werden sie ganz untergetaucht und in den protestantischen Kirchen dominiert die Glaubenstaufe (ca. 70%).

Könnte es sein, dass viele Streitigkeiten um die Taufe und viele Missverständnisse darauf zurückzuführen sind, dass wir sie - wie so vieles andere - vom jüdischen Hintergrund getrennt haben und daher missverstanden haben? Oder liegt es einfach daran, dass man sich so manche Theologie nach Gutdünken zurechtgezimmert hat?


2. Die Vorläuferhandlungen in Judentum

Auch wenn das Judentum an sich gar keine Taufe kennt, so gibt es doch verschiedene Vorläuferhandlungen.

„Weil uns nun aber daran liegt, dass ihr im Glauben erwachsen werdet, wollen wir nicht bei den Anfangslektionen der Botschaft von Christus stehen bleiben, sondern uns dem zuwenden, was zur Reife im Glauben gehört. Wir wollen nicht von neuem über die Dinge reden, die das Fundament bilden: über die Abkehr von Taten, die letztlich zum Tod führen, und über den Glauben an Gott, über die Bedeutung der Taufe im Unterschied zu anderen Waschungen und über die Handauflegung, über die Auferstehung der Toten und über das letzte Gericht mit seinem ewig gültigen Urteil. Nein, wenn Gott es zulässt, wollen wir jetzt weitergehen.“ (Hebr. 6, 1-3 NGÜ)

Hier wird darauf hingewiesen, dass es im Judentum des Alten Bundes verschiedene Waschungen, verschiedene Reinigungsrituale gab.

Wir wissen alle zur Genüge, egal wie gut man das Auto putzt und reinigt, es wird immer wieder dreckig. Schlamm und Dreck spritzen hoch, Insekten hinterlassen ihr Testament bevor sie ihr Dasein aufgeben, Vögel kacken drauf, die lästigen Fußgänger, die bei Rot über die Ampel gehen hinterlassen Schleifspuren (joke) usw.

Ähnlich war es bei den Juden: sie wussten, dass sie unrein waren (z.B. durch den Kontakt mit bestimmten Tieren, mit Aas, mit Toten, mit Blut, Eiter, Samen, Aussatz, der Geburt usw.) und dass sie Gott (z.B. im Tempel) nur begegnen konnten, wenn sie rein waren. Daher gab es verschiedene Reinigungsvorschriften und Ritualbäder im Außenbereich des Tempels um sich rituell zu reinigen.

Aber wir wissen auch, dass es eigentlich nicht die äußeren Dinge sind, die uns verunreinigen, sondern die Sünden, die aus uns herauskommen.

Jesus sagt: „Was aber aus dem Mund herausgeht, kommt aus dem Herzen hervor, und das verunreinigt den Menschen. Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen; diese Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen, aber mit ungewaschenen Händen zu essen, verunreinigt den Menschen nicht.“ (Mt. 15, 18-20 Rev. Elb.)

Das schönste polierte und blitzende Auto ist doch nichts, wenn der Innenraum völlig verdreckt ist. Deshalb führte Johannes, eine Tauf der Buße ein. Er wies daraufhin, dass ein Veränderung des Lebens notwendig sei. Seine Taufe der Buße stellte im Leben des einzelnen den Beginn eines auf Gottes Gebote hin ausgerichteten Lebens dar.

Auf diesem historischen Hintergrund basierte das Taufverständnis s der ersten Christen. Die Waschungen des Alten Bundes waren nicht gleichzusetzen mit der Taufe auf den Namen Jesus Christus. Aber sie verstanden, dass die Taufe eine - wie auch immer geartete - reinigende Bedeutung hatte und dass sie einen Neuanfang markiert.


3. Der Beginn des Christseins

Es gibt vier Eckpfeiler, die den Beginn des Christseins markieren. Dazu eine Bibelstelle aus der Pfingstpredigt des Petrus:

„Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder? Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apg. 2, 36 – 38 Rev. Elb.)

Hier werden vier Eckpfeiler deutlich: Buße, Glaube (auch wenn das Wort hier nicht vorkommt, so ist es doch aus der Reaktion der Hörer auf die Botschaft ersichtlich), Taufe und Geistestaufe bzw. Geistempfang. Diese vier Eckpfeiler stehen idealerweise in einem engen zeitlichen Zusammenhang und idealerweise in dieser Reihenfolge. Aber bereits in der Apostelgeschichte wird gelegentlich vom Idealfall abgewichen, z.B. bei der Taufe der ersten Heiden im Haus des Cornelius, als Gott den Heiligen Geist souverän auf die Heiden fallen ließ, damit Petrus ihnen die Wassertaufe nicht verwehren konnte (Apg. 10, 47.48) oder als Paulus auf die Jünger in Ephesus traf, die weder die Taufe auf den Namen Jesus hatten, noch etwas vom Heiligen Geist wussten und beides schleunigst nachgeholt werden musste (Apg. 19, 1-7).

Auffällig ist: es wurde nachgeholt! Sowohl für Petrus, als auch für Paulus war es wichtig, dass die Initiation (Christwerdung) vollständig vollzogen wurde: die Taufe im Heiligen Geist war vorhanden, aber die Wassertaufe wurde nachgeholt, die Jünger in Ephesus folgten Jesus bereits nach und hatten schon die Taufe des Johannes, aber die Taufe auf den Namen Jesus und die Geistestaufe wurden sofort nachgeholt. Die Christwerdung musste vollständig sein. So praktizierten es die Apostel, die von Jesus zur Belehrung und Gründung der Gemeinden bevollmächtigt wurden. Beide Elemente sind wohl in Gottes Gnade nicht heilsnotwendig, denn Jesus sagt ja nur, dass der, der nicht glaubt, nicht errettet wird und nicht der nicht wasser-/geistgetauft ist (Mk. 16,16), aber sein Wille soll ja auch hier auf der Erde geschehen und nicht nur im Himmel.

Eine Anmerkung noch, auch wenn die Reihenfolge von Taufe und Geistestaufe unterschiedlich war, so gibt es doch kein Beispiel im NT wo die Reihenfolge von glauben und taufen umgedreht wird.

Der Kämmerer aus Äthiopien in Apg. 8 hat keine Minute gezögert und sich gleich taufen lassen. Ich selbst war echt ein Weichei und hab 4 Jahre gebraucht, von der Bekehrung bis zur Taufe. Ich konnt´s gar nicht glauben, habe extra am Freitag meine Taufurkunde noch mal raus gesucht. Vier Jahre bis ich bereit war diesen Schritt gegen alle kulturellen und religiösen Widerstände zu gehen. Mit der Geistestaufe ging´s dann glücklicherweise schneller.


4. Das Geschehen in der Taufe

4.1 Die Taufe ist keine Magie

Was geschieht eigentlich in der Taufe?

Zunächst einmal was nicht geschieht. Die Taufe ist keine magische Handlung. Dazu ein passender Witz:

Ein Jude zog in eine sehr katholische Gegend. Jeden Freitag wurden die Katholiken sehr nervös, denn während sie ihren Fisch aßen, saß der Jude im Garten und grillte Steaks. Also machten sie sich daran, ihn zu konvertieren. Schließlich, mit Bitten und Drohungen, schafften sie es. Sie brachten ihn zu einem Priester, der besprenkelte ihn mit gesegnetem Wasser und sprach: "....geboren als Jude....aufgewachsen als Jude....jetzt ein Katholik."
Die Katholiken waren begeistert. Keine verführerischen Gerüche mehr am Freitag.
Aber am nächsten Freitag zog der Grillgeruch wieder durch die Nachbarschaft. Die Katholiken rannten alle zum Haus des Juden um ihn an seine neue Diät zu erinnern. Sie fanden ihn am Grill stehend, wo er Wasser über das Fleisch sprenkelte und sagte:"....geboren als Kuh....aufgewachsen als Kuh....jetzt ein Fisch."

Was der Witz verdeutlicht: ohne Glaube macht die Taufe keinen Sinn. Taufe ohne Glaube ist Tauche! Man kann niemand durch eine Zwangstaufe - wie es in der Geschichte allzu oft passiert ist - zum Christen machen.

Bei der Christianisierung der Sachsen durch Karl dem Großen hatten die unterworfenen Sachsen die Wahl sich taufen zu lassen und zu leben oder ihre alte Religion zu behalten und zu sterben.
Auf dem Missionsfeld gab es Auswüchse, dass Missionare heimlich Säuglinge getauft haben um sie dadurch zu Christen zu machen. Dies alles impliziert ein magisches Verständnis der Taufe, d.h. die Taufe selbst könne etwas vollbringen, ohne die Zustimmung des Täuflings. Die Taufe allein kann aber keine Sünden vergeben!

Aber auch wenn sie keine magische Handlung ist, ist sie doch mehr als ein Symbol. Der Tod Jesu am Kreuz war nicht nur symbolisch. Die Gabe des Geistes ist nicht nur symbolisch. Die persönliche Umkehr ist nicht nur symbolisch. Und auch die Taufe ist nicht nur symbolisch. Wir dürfen das Geistliche nicht einfach vom Physischen trennen. Es gehört zusammen.


4.2 Die Taufe ist ein Gehorsamsakt und ein Bekenntnis

In den Versen aus der Apostelgeschichte, die ich eingangs gelesen haben, wird deutlich: die Taufe ist ein Gehorsamsschritt. Die Menschen waren zutiefst bewegt und betroffen als ihnen Jesus als der Sohn Gottes, der für ihre Sünden gestorben und wieder auferstanden ist, vor Augen gemalt wurde. Sie fragen: „Was müssen wir tun?“. Petrus sagt: „Kehrt um und lasst euch taufen in dem Namen Jesus Christus zur Vergebung der Sünden.“ Mit anderen Worten: Zeigt eure Bereitschaft unter der Herrschaft Jesu in Gottes Reich zu leben, indem ihr euch von der Sünde und eurem alten Leben abwendet und jetzt unter der Herrschaft Jesu in eine Beziehung mit dem Vater tretet. Dies drückt dann durch eure Taufe aus. Es war eine Art Befehl oder Appell. Die Leute gehorchen und gehen im Glauben diesen Schritt der Taufe.

Die Taufe ist ein Ausdruck des radikalen Herrschaftswechsels vom alten Leben ohne Gott zu einem neuen Leben mit Gott.

Das was heute vielfach durch das Übergabegebet (eine relativ moderne Erfindung!) ausgedrückt wird, wurde früher mit der Taufe ausgedrückt. Die Taufe auf den Namen Jesus war der Ausdruck für die Lebensübergabe.

Ich muss nicht alle Offenbarungen über die Taufe haben, um mich taufen zu lassen, aber ich muss Glauben haben, dass Jesus mich von der Herrschaft der Sünde erlöst hat und mir ein neues Leben aus Gott schenkt. Viele der ntl. Stellen über die Taufe aus den Briefen (z.B. Römerbrief) wurden an bereits Getaufte geschrieben, damit sie im Nachhinein das Taufgeschehen besser begreifen. Deshalb taufen wir im Mai auch Jugendliche, die sicherlich im Laufe ihres Lebens noch mehr und mehr über die Taufe erkennen werden, aber jetzt erkennen, dass sie Jesus brauchen und zu ihm gehören wollen.

So ist die Taufe gleichermaßen ein Gehorsamsakt, als auch ein öffentliches Bekenntnis vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt (vor Zeugen, mit Rechtsgrundlage): ich gehöre zu Jesus, ich trete aus der Herrschaft des Teufels und der Sünde in das Reich Gottes hinein. Und die anwesenden Christen bezeugen dies, und die anwesenden Engel bezeugen dies....und die anwesenden Dämonen zittern und beben, weil hier wieder neue Krieger Gottes berufen werden.


4.3 Die Taufe ist ein Begräbnis

Der Beginn der Taufe ist das Begräbnis des alten Menschen.

„In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, sondern im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe, in ihm auch mit auferweckt durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.“ (Kol. 2, 11.12 Rev. Elb.)

Das Begräbnis im Wasser ist das entscheidende Bindeglied zwischen dem Gestorbensein des Gläubigen - gegenüber seinem alten Leben - mit Christus am Kreuz und seiner Auferstehung zu neuem Leben.

„Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein, da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sein, dass wir der Sünde nicht mehr dienen. Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde.“ (Röm. 6, 3 – 7 Rev. Elb.)

Die Taufe ist ein Begräbnis. Wir anerkennen, nehmen in Anspruch, dass unser alter, von der Sünde beherrschter Mensch mit Christus gestorben ist. Jesus hat dort am Kreuz nicht nur unsere Sünden, sondern auch unseren alten, von der Sünde zerstörten Menschen weggenommen, neutralisiert. In der Taufe wird nun unser altes, sündiges Leben mit Christus begraben. Es hat nun keine Macht mehr über uns. Dieses alte Leben kann uns nicht mehr beherrschen und bestimmen. Dies beinhaltet auch eine juristische Dimension, d.h. wir sind der Herrschaft der Sünde und der Herrschaft des Teufels abgestorben. Das Gesetz hat kein Recht mehr an uns; die Anklage kann nicht mehr greifen. Einem Toten kann man nichts mehr anhaben. Ich bin frei!

In den meisten Bibelstellen über die Taufe hat die Sprache nicht symbolische, sondern instrumentale Funktion, d.h. sie ist nicht wie ein Begräbnis, sie ist ein Begräbnis. Das Zeichen vollbringt das, was es bedeutet. Die Taufe ist zwar Symbolik, aber sie ist mehr als das.


4.4 Die Taufe ist eine Einpflanzung in Christus

„Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein“ (Röm. 6,5 Rev. Elb.)

Denn die Taufe ist auch Auferstehung: Nachdem die Herrschaft der Sünde über unser Leben gebrochen ist, sind wir frei durch Gottes Kraft in ein neues Leben zu gehen.

Dieser Bedeutung wird durch den Akt des Untertauchens und Auftauchens - begraben und auferstanden - entsprochen (es wäre andererseits auch ungünstig den Täufling längerfristig unter Wasser zu lassen).

Wir vollziehen den Wechsel vom Sünder zum Gerechten!

„Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.“ (Gal. 3,27 Rev. Elb.)

Wir werden in Christus hineingepflanzt. Wir sind eins mit ihm. Völlig verwoben mit Christus. Ich in Christus; Christus in mir. Deswegen macht es auch Sinn, wenn es in der Apg. heißt: Lasst euch in den Namen Jesus Christus taufen. Lasst euch in Christus hineintaufen. So wie ein Samenkorn in den Boden gepflanzt wird und erstirbt und eine neue Pflanze entsteht, eine neue Identität entsteht, so gibt uns die Taufe eine neue Identität in Christus.

Im Altertum war es üblich, dass alle, die zu einem königlichen Mahl geladen worden sind, zunächst ein Bad nehmen und sich dann in ein neues, geschenktes Gewand kleiden. Wer sich geweigert hätte, hätte den König beleidigt und hätte nicht in die Gemeinschaft kommen dürfen (vgl. Mt. 22, 1-14). So hat der Christ in der Taufe grundsätzlich sein altes Leben abgelegt und Christus angezogen. Er trägt nun das Kleid der Gerechtigkeit. Wenn Gott auf uns blickt, sieht er jetzt zuerst Christus, vollkommen und rein.

Manche erleben bei ihrer Taufe überwältigende Veränderungen, andere nicht. Ähnlich wie die Lebensübergabe bei manchen spektakulär ist und bei anderen nicht. Gerade in Afrika scheint es der Fall zu sein, dass bei Taufen viele Dämonenaustreibungen geschehen, weil hier oft eine dramatische Abkehr vom okkulten Leben geschieht.

So wie man bei der Taufe in Christus eingepflanzt wird, wird man such in seinen irdischen Leib hineingeplfanzt.

„Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.“ (1. Kor. 12,13 Rev. Elb.)

Durch die Taufe werde ich zu einem Teil am Leib Christi. Was auch die Zugehörigkeit zu einer Ortsgemeinde beinhaltet (Merkt Euch das für die Zukunft. Wenn es such bei uns nicht mehr gefällt oder Euch Euer Lebensweg woanders hinführt!)


4.5 Die Taufe ist eine Inanspruchnahme der Reinigung

„Und nun, was zögerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst!“ (Apg. 22,16 Rev. Elb.)

So berichtet es Paulus über seine Bekehrung. Bewirkt die Taufe die Reinigung von den Sünden? Ich glaube, dass hier Paulus den Vorgang einfach knapp zusammenfasst hat, denn es heißt:

„das Blut Jesu...reinigt uns von jeder Sünde.“ (1. Joh. 1,7b Rev. Elb.)

Vielmehr ist es so, dass ich diese Reinigung in der Taufe in Anspruch nehme, genauso wie ich für mich persönlich in Anspruch nehme, dass mein alter Mensch gestorben und begraben ist und ich in Christus hineingepflanzt bin, auferstanden zu neuem Leben.
Diese Identifizierung mit dem Wirken Jesu und mit ihm selbst nehme ich in der Taufe in Anspruch und bezeuge sie. Die Taufe ist das irdische Zeichen, der im Himmel vollzogenen Reinigung.


5. Säuglingstaufe - ein praktikabler Weg?

Wenn man sich nun die ganzen Aspekte der verschiedenen geistlichen Bedeutungen der Taufe vergegenwärtigt, wenn man sich die Praxis im NT anschaut, findet man dann noch irgendwelche Aspekte, die man - ohne die Bibel zu verdrehen oder neue Theologien zu entwerfen - auf die Taufe von Säuglingen anwenden kann?

Man kann vielleicht diese Meinung haben, aber man kann sie nicht biblisch begründen. Diese Meinung vertraten auch die Reformatoren (Luther, Calvin, Zwingli).

Luther hat gesagt: „Die Taufe hilft niemand, ist auch niemand zu geben, er glaube denn für sich selbst, und ohne eigenen Glauben niemand zu taufen ist. Der Glaube muss vor oder je in der Taufe sein...wo wir nun nicht können beweisen, dass die jungen Kinder selbst glauben und eigenen Glauben haben, da ist es mein treuer Rat und Urteil, dass man stracks abstehe, je eher, desto besser, und taufe nimmermehr kein Kind, damit wir nicht die Hochgelobte Majestät Gottes mit solchen Alfanzen und Gaukelwerk, dahinter nicht ist, spotten und lästern.“ (Kirchenpostille von 1521)

Calvin hat gesagt: „Da Christus es ihnen auferlegt zu lehren, bevor sie taufen, und will, dass niemand als nur Gläubige zur Taufe zugelassen werden, scheint es, dass die Taufe nicht recht dargereicht ist, wenn nicht vorher der Glaube kommt.“ (Commentaires sur l´harmonie des évangiles Bd. 3)

Warum haben sie ihre Meinung dann wieder geändert? Ganz einfach: Politik.
Der Erfolg der Reformation beruhte auf einer Allianz zwischen Kirche und Staat und war daher nur möglich, wenn Staatsbürgerschaft gleich Kirchenmitgliedschaft war. Es war „unmöglich eine “nationale“ Kirche erhalten, ohne all diejenigen darin willkommen zu heißen, die in eine Nation hineingeboren werden. Die Taufe wird zu einem vertragsmäßigen Siegel der bürgerlich-religösen Zugehörigkeit zu einer Nation, die als ein „neues Israel“ unter Gott betrachtet wird.“ (David Pawson, Wiedergeburt)

Wie wurde dies theologisch begründet? Mit ähnlichen Verdrehungen der Bibel, mit denen schon im Altertum die Säuglingstaufe begründet wurde und die Luther selbst noch als Gaukelei bezeichnet hatte.

Ende des zweiten Jahrhunderts hat eine Irrlehre Einzug in die Christenheit gehalten. Zuerst hat sie nur punktuelle Veränderungen nach sich gezogen, aber im 4. Jahrhundert war das ganze Christentum damit infiziert und dadurch die Säuglingstaufe überall verbreitet.

Die falsche Lehre war die Lehre von der Taufwiedergeburt und ein falsches Verständnis von Erbsünde (ein Begriff der übrigens in der Bibel nicht zu finden ist).

Das Verständnis der Erbsünde war folgendes: seit Adam steht jeder Mensch - egal ob er selbst schon gesündigt hat oder nicht - unter der Erbsünde. Diese wird bei der Zeugung durch den Samen des Mannes vererbt. Diese Erbsünde wird in der Taufe abgewaschen. (Also nicht am Kreuz!) Damit nun auch die Kinder von der Erbsünde befreit werden können, sind sie wegen der hohen Säuglingssterblichkeit kurz nach der Geburt zu taufen. Denn sonst kommen sie in den limbus infantum - in die Vorhölle.
Weder Jesus, noch die Apostel haben sich um diese Erbsünde geschert und deshalb schnell - husch husch - Säuglinge getauft um sie vor dem limbus zu retten.

Diese Theologie und gleichzeitig die Einführung des Staatschristentums unter Konstantin, in dem Kirchenmitgliedschaft und damit auch die Säuglingstaufe (Luther: „Ungläubigentaufe“) zur Pflicht wurden, waren für deren Einführung verantwortlich.

Die Reformatoren hatte den selben Staatszwang und eine ähnliche Theologie - nur positiv formuliert: die vorlaufende Gnade. Kein Retten vor der Vorhölle wie bei den Katholiken, sondern ein Zusprechen der Gnade Gottes.
Mal davon abgesehen, dass Gnade immer „vorläuft“ besteht hier das Problem, dass die Taufe im ntl. Sinne der Vollzug der Inanspruchnahme der Gnade ist. Sie ist der Punkt wo die Gnade zusammentrifft mit der Antwort des Gläubigen.

Bei allen theologischen Entscheidungen gibt es nur eine Autorität und das ist die Bibel. Man kann in manchen Punkten anderer Meinung sein - solange man auf dem Boden der Schrift bleibt. Dieser Boden wurde im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder - beabsichtigt und unbeabsichtigt - verlassen. Das Prüfen aller Theologien jedoch ist eine Aufgabe, die mit einem allgemeinen Priestertum verbunden ist. Wir machen es uns zu einfach, wenn wir etwas übernehmen nur weil es kirchliche Lehre ist. Und wir machen es uns zu einfach, wenn wir an etwas festhalten, nur weil wir vielleicht schon 40, 50 oder 60 Jahre daran festhalten.

Wir haben hier seit jeher ein tolerantes Miteinander, rund ein Drittel wird glaubensgetauft sein, ein weiteres Drittel hat bei seinen Kindern zumindest auf die Säuglingstaufe verzichtet, ein anderes Drittel hält für sich aus Überzeugung an den kirchlichen Überlieferungen fest.

Die Eltern unserer Täuflinge haben sich dafür entschieden ihren Kindern den Weg selbst gehen zu lassen, sie selbst entscheiden zu lassen und sie haben nun diese Entscheidung getroffen ein Leben mit Jesus zu leben. Standen die Kinder dann in der Gefahr im Falle ihres Todes im limbus zu landen? Nein, denn sie waren geheiligt durch die Eltern (1. Kor. 7,14), so führt es Paulus aus.

Von der Britischen Bibelgesellschaft gibt es Berichte, dass dort wo Menschen die Bibel bekamen und ohne Auslegung durch einen Missionar gelesen haben und wo in der Folge christliche Gemeinschaften entstanden sind, sie alle ausnahmslos die Gläubigentaufe praktiziert haben. Die Schrift ist einfach zu verstehen, wenn man ihr nicht Gewalt antut.

In diesem Sinne: vielleicht möchte ja jmd. am 19.5. seine an ihm vollzogene Säuglingstaufe durch eine Glaubenstaufe vervollständigen. Im Wasser ist Platz genug.


AMEN.