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Freitag, 28. Mai 2010

Predigt von Norbert Wohlrab (22.05.10)

Pfingsten 2010

Wir haben ja nicht immer an jedem hohen Feiertag auch das entsprechende Predigtthema, aber ich denke, dass es dieses Jahr wieder einmal dran ist, sich über den Heiligen Geist Gedanken zu machen .... und ihn hoffentlich auch zu erfahren.

Wenn Nicht-Juden zur Zeit der Apostelgeschichte zum ersten mal etwas vom „Heiligen Geist“ hörten, dann hatten sie da vielleicht ganz unterschiedliche Vorstellungen: die Griechen denken vielleicht, an einen gereinigten Verstand, den wahren Logos, frei von allem Natürlichen und Seelischen, ganz klar und frei; Naturvölker denken vielleicht an einen Geist, der sie im Gegensatz zu allen bösen Geistern, nicht knechtet und unterdrückt, sondern der wahre und reine Geist ist.

In jeder dieser Sichtweisen steckt ein Körnchen Wahrheit, aber doch treffen sie nicht das eigentliche Wesen des Heiligen Geistes.

Ich möchte einmal eine etwas provokante Frage stellen: „Wozu brauche ich in meinem Leben eigentlich den Heiligen Geist?“ „Würde mein Christsein nicht auch ohne Heiligen Geist ganz gut funktionieren?“ oder anders ausgedrückt „Wieviele Anteile meines Lebens als Christ sind wirklich geisterfüllt?“ Eine Frage über die es sich durchaus lohnt einmal darüber nachzudenken und dabei das eigene Leben zu reflektieren.

Lasst uns zunächst den Text in der Apostelgeschichte über das erste Pfingsten lesen:

„Schließlich kam das Pfingstfest. Auch an diesem Tags waren sie alle wieder am selben Ort versammelt. Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen,die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab. ´Wegen des Pfingstfestes` hielten sich damals fromme Juden aus aller Welt in Jerusalem auf. Als nun jenes mächtige Brausen vom Himmel einsetzte, strömten sie in Scharen zusammen. Sie waren zutiefst verwirrt, denn jeder hörte die Apostel und die, die bei ihnen waren,in seiner eigenen Sprache reden. Fassungslos riefen sie: »Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wie kommt es dann, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? Wir sind Parther, Meder und Elamiter; wir kommen aus Mesopotamien und aus Judäa, aus Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien, aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten und aus der Gegend von Zyrene in Libyen. Sogar aus Rom sind Besucher hier, sowohl solche, die von Geburt Juden sind, als auch Nichtjuden, die den jüdischen Glauben angenommen haben. Auch Kreter und Araber befinden sich unter uns. Und wir alle hören sie in unseren eigenen Sprachen von den wunderbaren Dingen reden, die Gott getan hat!« Alle waren außer sich vor Staunen. »Was hat das zu bedeuten?«, fragte einer den anderen, aber keiner hatte eine Erklärung dafür. Es gab allerdings auch einige, die sich darüber lustig machten. »Die haben zu viel süßen Wein getrunken!«, spotteten sie.“ (Apg. 2, 1-13 NGÜ)

Wir haben sicherlich schon viele Predigten über diesen Text gehört. Was gibt es da noch großartig Neues hinzuzufügen? Ich möchte unseren Fokus auf eine Aussage lenken: „Sind das nicht alles Galiläer?“

In fast jeder Nation gibt es irgendwelche Regionen, deren Bewohner nicht für voll genommen werden. Bei den Griechen waren es damals die Kreter, bei uns sind es die Ostfriesen, in Frankreich die Scht´is, in Italien vielleicht die Südtiroler, wie ich gehört habe, sind es in Kanada die Neufundländer und in Israel waren es eben die Galiläer. Die Galiläer waren verachtet und wurden gering geschätzt.

Und gerade diese nicht für voll genommenen Galiläer, diese einfachen Menschen erwählt Gott um sie mit dem Heiligen Geist zu taufen. Und hier wird wie ich meine etwas deutlich: Bei Gott ist kein Ansehen der Person! Gott schaut nicht auf unsere Herkunft, auf unseren Stand, er schaut nicht auf unseren Schulabschluss, nicht auf unser Aussehen, nicht auf unsere Leistungen im Sport, nicht auf den Durchschnitt unseres Abschlusszeugnisses, nicht darauf wie wir bei anderen ankommen....das alles spielt keine Rolle bei Gott.

Wir haben ja manchmal so Gedanken: „Oh, wenn der sich bekehren würde, der hat so viele soziale Kontakte, der kann so gut reden, der nimmt kein Blatt vor dem Mund, der wäre bestimmt ein Schlüsselfigur. Oder der ist Manager bei xy, der könnte so viel erreichen.“ Gewiss, manchmal mag es so passieren, aber meistens ist das eher ein Hinderungsgrund, ein Ausschlussgrund. In aller Regel denkt Gott so nicht.

„Seht euch doch einmal in euren eigenen Reihen um, Geschwister: Was für Leute hat Gott sich ausgesucht, als er euch berief? Es sind nicht viele Kluge und Gebildete darunter, wenn man nach menschlichen Maßstäben urteilt, nicht viele Mächtige, nicht viele von vornehmer Herkunft. Im Gegenteil: Was nach dem Urteil der Welt ungebildet ist, das hat Gott erwählt, um die Klugheit der Klugen zunichte zu machen, und was nach dem Urteil der Welt schwach ist, das hat Gott erwählt, um die Stärke der Starken zunichte zu machen. Was in dieser Welt unbedeutend und verachtet ist und was ´bei den Menschen` nichts gilt, das hat Gott erwählt, damit ans Licht kommt, wie nichtig das ist, was ´bei ihnen` etwas gilt. Denn niemand soll gegenüber Gott ´mit vermeintlichen Vorzügen` prahlen können.“ (1. Kor. 1, 26-29 NGÜ)

Gott braucht keine Supermenschen, er braucht ganz normale Leute, ganz normale Menschen so wie Dich und mich. Mit Fehlern, Ängsten und Schwächen. Und mit diesen Menschen macht er etwas - scheinbar Ungebührliches. In diese Menschen legt er seinen Geist. In diese schwachen, makelhaften, sündigen Menschen gibt er etwas von seiner Göttlichkeit hinein. Etwas vom Wesen des lebendigen Gottes, von seiner Art, von seiner Göttlichkeit, von seiner Heiligkeit, von seiner Kraft, von seiner Liebe.......ist nun in mir. Göttlichkeit vo dem einen Gott, Geist von seinem Geist. Genauso wie Gene von den Eltern an die Kinder weiter gegeben werden.

Paulus schreibt: „Ihr jedoch steht nicht mehr unter der Herrschaft eurer eigenen Natur, sondern unter der Herrschaft des Geistes, da ja, wie ich voraussetze, Gottes Geist in euch wohnt. Denn wenn jemand ´diesen Geist`, den Geist Christi, nicht hat, gehört er nicht zu Christus.“ (Röm. 8,9 NGÜ)

„Wer nicht Christi Geist in sich hat, der gehört nicht Christus.“ Und positiv ausgedrückt: da wo der Geist Gottes in einem Menschen Wohnung genommen hat, haben sich die Eigentumsverhältnisse verschoben. Dort ist jetzt das Hoheitsgebiet Gottes. Ein Außenposten Gottes. Eigentum Gottes, ja sogar mehr als ein Eigentum, dort ist jetzt ein Teil von Gott, dort ist jetzt ein Kind Gottes. „Du bist jetzt mein - mein Kind! Kein Eigentum mehr einer fremden Macht, kein Sklave des Gesetzes, sondern mein. Ich bin jetzt in Dir“!

„Denn der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch nicht zu Sklaven, sodass ihr von neuem in Angst und Furcht leben müsstet; er hat euch zu Söhnen und Töchtern gemacht, und durch ihn rufen wir, ´wenn wir beten`: »Abba, Vater!« Ja, der Geist selbst bezeugt es uns in unserem Innersten, dass wir Gottes Kinder sind.“ (Röm. 8, 15.16 NGÜ)

Und um dies festzumachen ist der Heilige Geist ein Siegel auf uns, eine Anzahlung auf die himmlische Herrlichkeit. Ein Pfand.

„er hat uns auch sein Siegel aufgedrückt ´als Bestätigung dafür, dass wir jetzt sein Eigentum sind`, und hat uns seinen Geist ins Herz gegeben als Unterpfand und Anzahlung ´für das, was er uns noch schenken will`“ (2. Kor. 1,22 NGÜ)

Damit es für alle und alle Zeiten klar ist: wir sind das Eigentum Gottes, die Kinder Gottes! Nun hat niemand mehr das Recht uns wegen unserer Sünden zu verklagen.

Niemand hat nun noch einen Grund sich zu verstecken. Da wo Gott selbst Wohnung genommen hat, ist kein Raum mehr für Geringschätzung.

Nein, mehr noch, niemand hat jetzt noch ein Recht sich zu verstecken! Das ist die andere Seite der Medaille. Denn die „Göttlichkeit“ in mir, schreit nach mehr. Sie will das Gott durch meine Existenz hier auf Erden verherrlicht wird. Sie will, dass alle sehen und erkennen, wie groß dieser Gott ist.

Jesus sagt: „So soll auch euer Licht vor den Menschen leuchten: Sie sollen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt. 5,16 NGÜ)

Der Anteil des Göttlichen in mir will, dass der Vater im Himmel gepriesen und verherrlicht wird. Und er macht es möglich,

„denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim. 1,7 NGÜ)

Mit dem Heiligen Geist habe ich alles Handwerkszeug bekommen das nötig ist, um ein Leben in Kraft und in Liebe zu führen.

Nur, manchmal vergessen wir, welche mächtige Kraft in uns wohnt. Das ging dem Timotheus wohl nicht anders. Auch er musste von Paulus wieder neu daran erinnert werden, wer in ihm wohnt und welche Wesenszüge dieser Heilige Geist hat.

Bedenklich wird es, wenn wir in dieser Grundhaltung verharren. Wenn wir uns abfinden mit einem Leben im Natürlichen, mit einem Leben ohne Zeichen und Wunder, mit einem Leben ohne geistliche Herausforderungen, mit einem Leben ohne geistlichen Schlachten. Mit einem Leben zu dem man - um auf meine Einstiegsfrage zurückzukommen - den Heiligen Geist tatsächlich dann in manchen Aspekten gar nicht benötigt. Es ist dann ein trostloses Dasein, das man nach manchen frommen Regeln und nach einem bestimmten Moralkodex lebt, aber innerlich fängt man an zu stinken. Aus Zweifel und Frustration ist eine Gleichgültigkeit geworden, die vieles an geistlichem Leben abgetötet hat. Und ich sage jetzt mal: dies haben wir alles phasenweise schon erlebt.

Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: „Wahrheit ohne Erfahrung ist immer dem Zweifel unterworfen.“

Was nützen all die Wahrheiten in der Schrift über die Kraft des Glaubens und des Gebets, wenn meine Erfahrung sie nicht bestätigen? Nichts. Sie sind allenfalls dazu nütze, dass in mir ein Zweifel genährt wird am Wort Gottes, an der Wahrheit, an Gott selbst. Und was dann übrig bleibt, ist ein Leben auf geistlicher Sparflamme. Ein geistliches Leben, dass von Enttäuschung geprägt ist. (Und nebenbei Enttäuschung ist keine gute Theologie. Wahrscheinlich ist Gott überhaupt kein Theologe - zumindest kein kritischer - und auch kein deutscher.) Und so verkommt geisterfülltes Christsein zu einem religiösen Leben.

Und dabei war der christliche Glaube nie als Religion gedacht. Er sollte nie dort weitermachen, wo sich das Judentum hinentwickelt hat. Kein Leben nach Gesetzen und Regularien, sondern ein Leben in Intimität mit Jesus, ein Leben in der Gegenwart des auferstandenen Christus - durch den Heiligen Geist.

„Er hat uns fähig gemacht, Diener des neuen Bundes zu sein – eines Bundes, der sich nicht mehr auf das schriftlich niedergelegte Gesetz gründet, sondern auf das Wirken von Gottes Geist. Denn das Gesetz bringt den Tod, aber der Geist ´Gottes` macht lebendig.“ (2. Kor. 3,6 NGÜ)

Alles was wir im NT lesen über die verschiedenen Wirkungsweisen des Heiligen Geistes und was wir selbst auch schon erlebt haben: das Heranwachsenlassen von charakterlichen Früchten in uns, das Wirken der Geistesgaben, sein Reden, sein Führen usw. geschieht alles aus der Nähe zu Jesus heraus. Aus dieser Nähe fließen Ströme des lebendigen Wassers, außerhalb werden wir abgestandene Tümpel.

Deshalb fordert Paulus auf: „Werdet voll Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn in eurem Herzen singt und spielt.“ (Eph. 5,18b.20 Rev. Elbf.)

Werdet voll Geist. Hier erwähnt Paulus explizit die Anbetung als Mittel zur Geisterfüllung. Anbetung ist kein „Warm Up“ im Gottesdienst. Anbetung ist der Hauptausdruck des gemeinschaftlichen geistlichen Lebens. Und sie dient dazu, dass der Heilige Geist Raum in mir ausfüllen kann.

Werdet voll Geist - immer wieder neu. Es ist keine einmalige Aufforderung, wie in der klassischen Pfingstlehre: einmal geistgetauft, abgehakt und fertig, sondern ein immer wieder neues Aufsaugen des Geistes Gottes.

Viele Christen haben so das Verständnis: Gott weiß, was ich brauche. Wenn es sein Wille ist, dass ich noch irgendetwas bekomme an geistlichen Segen, dann bringt er es mir. Dies halte ich für eine fatale Fehleinstellung.

Gewiss, Gott weiß was ich benötige. Das ich bspw. Erlösung brauche, deshalb hat er Jesus Christus geschickt, aber selbst hier wurde mir die Errettung nicht übergestülpt, sondern ich musste sie im Glauben ergreifen. Er weiß, was ich zum geistlichen und auch zum physischen Überleben brauche und wird es mir geben, aber er wird mich nicht zwangsernähren. Ich muss Mitwirken beim Beten und beim Bibellesen; so wie ein Bauer Mitwirken muss beim Nahrung anbauen und einnehmen, beim Säen und Ernten, Backen und Essen. Also bereits in diesen Bereichen ist mein Mitwirken von Nöten.

Wie sieht es dann erst bei geistlichen Erfahrungen und Salbungen aus? Ich werde mit Sicherheit nicht alles bekommen, nachdem ich mich ausstrecke; aber ich werde mit Sicherheit auch nichts bekommen, wenn ich mich nach nichts ausstrecke.

„Von der Zeit an, als Johannes der Täufer auftrat, bis zum heutigen Tag bricht sich das Himmelreich mit Gewalt Bahn, und Menschen versuchen mit aller Gewalt, es an sich zu reißen.“ (Mt. 11,12 NGÜ)

Gott möchte, dass wir uns fast zerreißen um bestimmte Dinge zu erhalten, das wir sie im Gebet, im Proklamieren geistlich an uns reißen, sie erobern, nicht in Würde abwarten.

Um noch mal Dietrich Bonhoeffer zu bemühen: „Auf Gott kann man doch nicht so resigniert, so maßvoll, so vernünftig warten wie auf eine Gehaltserhöhung“ (DBW 11, S. 391).

Nur wer sucht, kann finden; nur wer anklopft, dem kann geöffnet werden; und nur wer bittet, dem kann gegeben werden.

Meiner ersten Erfüllung mit dem Heiligen Geist, ging ein wochenlanges Ringen um die Wahrheit voraus: Ich weiß noch genau wie ich in Kontakt mit der charismatischen Bewegung und dadurch auch mit dem Heiligen Geist gekommen bin. Es war 1987. Kurz nach einem Kongress mit John Wimber. Es gab damals einige regionale kleinere Konferenzen im Anschluss, so auch eine in Nürnberg zum Thema Gebet für Kranke. Ich war damals noch Vollblut-Evangelikaler, da ich ja aus einer Brüdergemeinde kam. Gaby hat mich mitgeschleppt und ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Ich dachte, was soll man da schon lernen, man betet für Kranke doch genauso wie man halt betet, dass Gott einem bei der Prüfung hilft o. dgl. Was ich dann aber dort
sah, war ein Kraftwirken des Heiligen Geistes, wie ich es noch nicht kannte. Menschen ruhten im Geist, andere tanzten in Verzückung, es gab Prophetien usw. Und ich dachte, irgendwas gibt es da wohl, dass ich noch nicht kenne. Und als schriftvertrauter Mensch, studierte ich in den nächsten Wochen die Bibel, las Bücher über den Heiligen Geist, ich betete um die Erfüllung mit Heiligen Geist und wollte von Gott Klarheit wie ich das alles zu bewerten habe. Und ich kam dann zu den Punkt, wo ich die Überzeugung hatte: das ist alles o.k., das gibt es dass Gott heute so wirkt, es ist auch alles o.k. mit der Geistestaufe, aber es ist nichts was man unbedingt so erleben muss, sondern man kann sie im Glauben in Anspruch nehmen (= traditionelle evangelikale Verständnis) und entweder merkt man dabei dann etwas oder nicht. Damit war ich zufrieden, ich nahm meine Geistestaufe im Glauben in Anspruch und die ganze Angelegenheit war für mich abgehakt. Kurz darauf besuchten wir einen Freund aus meiner Brüdergemeinde, der damals in Rummelsberg wohnte und der schon immer ein verkappter Pfingstler gewesen ist. Also am Ende unseres Treffens, beteten wir zusammen und er sagte: „Norbert, ich habe den Eindruck, dass Gott Dich heute besonders segnen möchte.“ Ich kam gar nicht mehr dazu ihn blöd anzuschauen, weil mich sofort ein Strom der Kraft durchfloss und ich erlebte eine Erfüllung mit dem Heiligen Geist, wie ich es später nie mehr in der gleichen Intensität erlebt habe. Soweit zum Verständnis von im Glauben in Anspruch nehmen, dachte ich. Gott hatte mein ernsthaftes Suchen gesehen und darauf reagiert.

Ich denke, dass ich diese Erfahrung nicht gemachten hätte, wenn ich nicht intensiv darum gerungen hätte. Vielleicht hätte ich später auch noch andere Möglichkeiten gehabt. Aber ich habe eines dadurch gelernt: Gott belohnt das ehrliche Suchen und Ringen.

Eine ähnliche Erfahrung machten wir bei Gabys Heilung. Sie wurde in der Prophetie zugesprochen, aber wir mussten noch mehrere Tage darum ringen und sie proklamieren, bis sie tatsächlich in der Realität durchgebrochen ist. Dasselbe Prinzip - wenn auch hier nicht an Gott gerichtet. Das Reich Gottes wird mit Gewalt an sich gerissen. Nicht im würdevollen Abwarten - auch wenn es natürlich Zeiten des Empfangens gibt.

Egal, ob Du dich jetzt nach einem charakterlichen Durchbruch ausstrecken willst oder nach einer bestimmten Gabe oder ob Du vielleicht noch nie eine Erfüllung mit dem Heiligen Geist erlebt hast und Dich danach ausstrecken möchtest, nur im Ringen darum liegt der Weg - wie immer das für Dich im einzelnen auch aussehen mag.

Jesus Christus spricht: „Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich jetzt euch.“ (Joh. 20,21b NGÜ)

Das Werkzeug, dass wir dazu brauchen ist der Heilige Geist, und dem haben wir laut der Schrift im Überfluss.
Gestern habe ich eine Statistik gelesen, nach der 95% der Christen noch nie einen Menschen zum Glauben geführt haben.

Wenn ich ein Unternehmen habe und ein spezielles Produkt herstelle und zu dieser Herstellung wird an meine Mitarbeiter ein einzigartiges Werkzeug ausgegeben und 95% der Mitarbeiter machen mit dem Werkzeug alles mögliche, außer das Produkt herzustellen, dann gehe ich über kurz oder lang in Konkurs oder bin einfach nicht mehr konkurrenzfähig. Das ist momentan die Situation in Europa. Der christliche Glaube ist bald nicht mehr konkurrenzfähig, es sei denn die Christen besinnen sich auf ihren Auftrag und beginnen bei den Muslimen, Esoterikern, nominellen Kirchenangehörigen usw. wieder das Evangelium zu verkündigen.

Die Menschen brauchen uns. Europa braucht uns. Deutschland, Fürth braucht uns.

Pfingsten war in Israel ursprünglich ein Erntefest am Ende der Getreideernte. Beim ersten Pfingsten wurde die Gemeinde als Ernte eingebracht. Dieser Ernteprozess ist immer noch im Gange. Wir leben in Apostelgeschichte 29. Die Geschichte geht weiter. Die Ernte geht weiter. Wir sind die Arbeiter in dieser Ernte. Wir sollen säen und ernten. In der Kraft des Heiligen Geistes.

AMEN.

Samstag, 8. August 2009

Predigt von Norbert Wohlrab (19.07.09)

Die Bedeutung des prophetischen Wortes

1. Einleitung

Jesus Christus sagt: „wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“ (Mt. 18,20). Glauben wir das? Oder ist es nur ein frommer Spruch, wenn der HK mal wieder nur zu einem Drittel zusammenkommt? Jesus ist hier unter uns gegenwärtig und mit ihm sein ganzes Wesen, seine Kraft, seine Liebe, seine Göttlichkeit. Durch seinen Geist. Es ist wichtig, dass wir uns das vergegenwärtigen.

Ich möchte zu Euch heute über ein Thema sprechen, dass mich seit einigen Monaten beschäftigt - und leider muss ich sagen erst seit einigen Monaten. Es ist ein Thema, über das ich guten Gewissens sagen kann, ich habe darüber nur wenig Ahnung und ich hoffe es geht einigen von Euch ähnlich, dann fällt meine Unwissenheit nicht ganz so deutlich auf.

Ich bin jetzt seit über 25 Jahren Christ und doch hat es mich bis vor einigen Monaten nicht wirklich brennend interessiert. Vielleicht habe ich gedacht, dass ist nur was für besonders gesalbte Leute oder wenn Gott möchte, dass ich in diese Bereiche vordringe, wird er es mir schon mitteilen. Ich weiß eigentlich gar nicht so genau warum ich mich nie dafür interessiert habe. Ich rede von dem prophetischen Wort.

Paulus differenziert ja im NT hier verschiedene Gaben und Dienste und auch der amerikanische Theologe Peter Wagner hat sehr differenzierte Definitionen zu diesen verschiedenen Gaben verfasst: die prophetischen Gabe, das Wort der Erkenntnis, das Wort der Weisheit, die Auslegung einer Sprachenrede oder das Amt des Propheten. Da ich - wie gesagt - davon wenig Ahnung habe, tue ich uns allen einen Gefallen und lass diese Differenzierungen mal außer acht und betrachte alles allgemein als prophetisches Wort. Denn all diese Gaben haben gemeinsam, dass es Eingebungen Gottes sind, die nicht auf verstandesgemäßen Überlegungen oder emphatischer Wahrnehmung basieren.

2. Treasure Searching

Was hat mich denn nun eigentlich dazu bewogen mich damit auseinanderzusetzen? Nun es war natürlich ein Stück weit das Erleben von so gesalbten prophetischen Diensten wie bspw. von Stefan Driess o.ä. Aber solche Männer Gottes habe ich auch früher schon erlebt und für mich dann den Schluss gezogen: o.k. so gesalbt bin ich einfach nicht.
Aber dann habe ich etwas gelesen durch das schlagartig die Wichtigkeit des prophetischen Wortes auf meine bescheidene Ebene herunter gebrochen wurde. „Treasure Searching“. In der Bethel Church von Bill Johnson in Redding/Kalifornien wurde hier ein neuer Dienst kreiert, der mich absolut fasziniert hat. Ich habe Bill Johnson vor drei Jahren in Speyer auf einer Vineyard-Konferenz selbst erlebt. Er ist der Autor vieler Bücher und er hat es in Reading in wenigen Jahren geschafft, durch fortwährendes Lehren über die Bedeutung des Glaubens, über die Kraftwirkungen im Reich Gottes, dass dort das übernatürliche Wirken Gottes in einer ganz neuen Dimension freigesetzt wurde. Wunder und Heilungen sind dort heute an der Tagesordnung. Viele schöpferische Wunder geschehen, bei denen angeborene Defekte wie Klumpfüße, Blindheit, Taubheit etc. geheilt werden. Und zwar nicht nur in den geschützten Gemeinderäumen, sondern v.a. auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Gebäuden: Supermärkten, Restaurants usw.

Und in dieser Gemeinde wurde das „Treasure Searching“ entwickelt. „Treasure Searching“ bedeutet: man setzt sich zusammen, lässt sich von Gott Eindrücke schenken, trägt diese zusammen und bekommt dann bspw. eine bunte Liste wie: Fischhalle, Frau, blauer Schal, Eheprobleme, Rückenschmerzen. Und dann begibt sich das Team auf Schatzsuche: fährt zur Fischhalle, sucht den Schatz (Frau mit blauem Schal), spricht die Person an: „Entschuldigung, wir sind auf Schatzsuche, könnten Sie unser Schatz sein?“, zeigt den Zettel mit den Stichpunkten und in den meisten Fällen hat man einen göttlichen Kontakt geschaffen. Die meisten Menschen sind trotz aller anfänglichen Skepsis so beeindruckt, wenn sie hören und merken, dass Gott - auf diese Art und Weise - sein Interesse an ihnen signalisiert. Oft geschehen dann Bekehrungen und Heilungen gleich vor Ort.
Als ich das gelesen habe, habe ich mir dann gedacht: o.k. so Eindrücke wie Frau, Rückenschmerzen oder blauer Schal, so was kann ich auch bekommen. Das klingt einfach. Und schon war das Interesse für das Prophetische in mir geweckt.

Und deshalb haben wir jetzt angefangen uns im HK mit dem prophetischen Wort in Theorie und Praxis auseinanderzusetzen, uns zu üben und wir haben angefangen als Gemeinde auf die Straße zu gehen. In diesem Monat das erste Mal - und es hat Spaß gemacht, wir hatten sehr viele ermutigende Gespräche, mit einer Frau konnten wir sogar beten. Wir haben nicht gleich mit der Schatzsuche angefangen, erst mal mit dem Verteilen von den City-NTs um die Scheu zu verlieren. Aber vielleicht trauen wir uns beim übernächsten Mal schon an die Schatzsuche heran.

3. Prophetie im AT

In diesem Zusammenhang macht es Sinn, sich einmal etwas den Umgang mit Prophetie in der Bibel anzuschauen.

Im Alten Bund hat Gott v.a. durch zweierlei Arten mit seinem Volk kommuniziert (neben
einigen anderen ungewöhnlichen Wesen wie bspw. Esel):
1. durch das Gesetz; er hat seinem Willen im Gesetz kundgetan und
2. durch die Propheten.

Im Hebräerbrief heißt es: „Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten“ (Hebr. 1,1)

Auch solche von Gott auserwählte Männer wie Abraham oder Mose, werden als Propheten bezeichnet (5. Mo. 34,10; 1. Mo. 20,7).

Die Propheten des AT sprachen im Auftrag Gottes (Hag. 1,13 „Da sprach Haggai, der Bote des Herrn, im Auftrag des Herrn zum Volk“),
sie sprachen die Worte Gottes (Jer. 1,9 „der Herr sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund“),
sie sprachen an Gottes Stelle (1. Kön. 20,13 „ein Prophet trat zu Ahab, dem König von Israel, und sagte: So spricht der Herr“)

Der Hauptauftrag der Propheten war es zumeist Israel an den Bund (das Gesetz) zu erinnern
und vor der drohenden Strafe bei weiterem Abfall zu warnen. Die Frage für Israel war nicht: wie viel Teile der Prophetie sind von Gott und wie viel vom Propheten selbst? Sondern die Frage war: Buße oder Strafe? Wenn Israel sich widersetzte musste es die Konsequenzen tragen. (Jes. 30,12 „Weil ihr dieses Wort verwerft und auf Unterdrückung und Arglist vertraut und euch darauf stützt, darum wird für euch diese Schuld wie ein sturzbringender Riss sein, der sich vorschiebt an einer hochragenden Mauer, deren Zusammenbruch in einem Augenblick, plötzlich kommt.“)

Warnung vor drohendem Strafgericht war der Hauptauftrag der at. Propheten. Dieser
Dienst endete mit dem Beginn des Wirkens Jesu.

4. Die Veränderungen durch das Wirken Jesu


Jesus sagt selbst: „Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf
Johannes.“ (Mt. 11,13)

Johannes d.T. war der Letzte in der langen Reihe der Gerichtspropheten des alten Bundes. Und so heißt es auch in der vorhin bereits zitierten Einleitung des Hebräerbriefs weiter:
„Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn“ (Hebr. 1, 1.2a).

Jesus findet zunächst einmal ein Bruch statt. Es ist ja auch klar, wenn Gott selbst in
Jesus auf der Erde wirkt, braucht er keinen weiteren Propheten als Sprachrohr. Aber es hat auch noch einen weiteren Grund: ein großer Teil aller prophetischen Aussagen des alten Bundes war ja messianisch, d.h. es hatte den kommenden Erlöser und das kommende Reich Gottes zum Inhalt. Nun ist der Messias ja gekommen und ein großer Teil der Reich Gottes-Prophetie des AT hat sich erfüllt, d.h. auf Jesus als kommenden Messias braucht ja auch gar kein Prophet mehr hinweisen.

5. Die Veränderungen durch Pfingsten


Aber auch nach der Himmelfahrt Jesu, durch die Ausgießung des Heiligen Geistes, geschieht
noch etwas, dass die Bedeutung des prophetischen Dienstes noch einmal grundlegend verändert.

„Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles
Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen. Und selbst über die Knechte und über die Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen.“ (Joel 3, 1.2)

Der Heilige Geist kommt über alles Fleisch. Und wenn hier von Mägden und Knechten,
Kindern und Greisen die Rede ist, ist das nicht als Ausschlusskriterium zu verstehen - nach dem Motto: für den Greis zu jung und für das Kind zu alt - , sondern bedeutet, das man gar nicht unwürdig genug sein kann. Es gibt nun nicht mehr den einzelnen geistgesalbten Propheten, der exklusiv das Reden Gottes weitergibt, sondern alle können mit Gott kommunizieren und von seinem Herzen weitergeben.

Jesus sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme“ (Joh. 10,27a).


6. Exkurs: Der Dienst des Apostels

Ein kleiner Exkurs: Gibt es in der nt. Gemeinde niemand, der eine ähnliche Funktion hat wie der Prophet in Israel? Doch, und zwar die Apostel!

Paulus bspw. bekommt seine Botschaft ähnlich dem at. Propheten direkt von Gott (Gal.
1, 1.12 „Ich teile euch aber mit, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist. ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi.“). Da Paulus nie ein Jünger Jesu gewesen ist, spricht er hier von einer direkten Offenbarung.
Weiter werden die Apostel als die Säulen der Gemeinde bezeichnet (Gal. 2,9),
sie hatten den Auftrag die Gemeinde Jesu im Wort zu unterrichten (Apg. 2,42 „Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel“),
die Worte Jesu werden durch die Apostel übermittelt (2. Petr. 3,2),
sie beanspruchten dass Christus durch sie redet (2. Kor. 13,3) und ihrer Lehre galt es zu gehorchen (1. Thes. 4, 2.8 „Denn ihr wisst, welche Weisungen wir euch gegeben haben durch den herrn Jesus...(Anweisungen bzgl. Heiligung und Fernhalten von Unzucht)...Deshalb nun, wer dies verwirft, verwirft nicht einen Menschen, sondern Gott, der auch seinen heiligen Geist in euch gibt.“).
Ihr Wort (Briefe) wird den Schriften des AT gleichgestellt (2. Petr. 3,15.16).

Wir sehen also die Apostel haben in etwa den Dienst der Propheten des alten Bundes
fortgeführt - zumindest was die herausragende Stellung und die Autorität betrifft. Die Frage ist: Wo ist der apostolische Dienst heute? Gibt es ihn noch? Und wenn ja, wie kann er heute aussehen? Aber das ist nicht das Thema. Exkurs Ende.

7. Der prophetische Dienst im NT


Es geht uns ja um den prophetischen Dienst im NT. Und es fällt auf, dass er gänzlich anders
geartet ist und zwar - wie ich meine - in einer sehr entspannenden Art und Weise anders geartet.

7.1. Der Dienst ist bruchstückhaft


Der erste Unterschied: ntl. Prophetie ist bruchstückhaft.


Paulus sagt: „Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise...Denn
wir sehen jetzt mittels eines Spiegels (blanke Metallscheibe) undeutlich“ (1.Kor. 13, 9.12). Der große Apostel Paulus sagt, alles Weissagen ist Stückwerk, das Erkennen ist nicht vollständig.

Das macht zum einen demütig im Umgang mit prophetischen Worten, zum anderen
macht es auch Mut, weil ich von vornherein weiß, ich darf Fehler machen bei meinen prophetischen Versuchen. Und wenn ich in einem Rahmen mich bewege, in dem mir erlaubt ist Fehler zu machen, dann geh ich viel entspannter und mutiger an die Sache heran. Oder geht es Euch dabei etwa anders?
Und selbst in der Apostelgeschichte lesen wir von unterschiedlichen Erfolgen beim Prophezeien. Da gibt es bspw. den Agabus.

Apg. 11, 27.28 „In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochien
herab. Einer aber von ihnen, mit Namen Agabus, stand auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte; sie trat auch unter Klaudius ein.“

Das ist ein tolles Ergebnis für eine Prophetie. Volltreffer. Später lesen wir noch mal von
ihm.

Apg. 21, 10.11 „Als wir nun mehrere Tage blieben, kam ein Prophet mit Namen Agabus
von Judäa herab. Und er kam zu uns und nahm den Gürtel des Paulus und band sich die Füße und die Hände und sprach: Dies sagt der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Nationen überliefern.“

Eine sehr detaillierte Prophetie, die aber leider in beiden Punkten falsch ist. Paulus wurde
nicht von den Juden, sondern von den Römern gebunden (Apg. 21, 33) und er wurde nicht von den Juden an die Römer überliefert, sondern die Römer haben ihn im Gegenteil aus der jüdischen Menge befreit, die ihn Gewalt antaten (Apg. 21, 32.35). Das Ergebnis stimmt „Hände der Nationen“, aber alle Details außen rum, treffen nicht zu. Das ist ein gutes Beispiel für das Stückwerk im Erkennen.

Aus diesen Gründen geht Paulus selbst auch sehr relaxt mit Prophetien, die ihn betreffen
um. Er wird in Apg. 21,4 z.B. durch prophetische Worte davor gewarnt nicht nach Jerusalem zu gehen, aber er kümmert sich nicht darum. Er ist sich seiner Berufung gewiss.

Daher: „Weissagungen verachtet nicht, prüft aber alles, das Gute haltet fest.“ (1.
Thes. 5, 20.21)

7.2. ntl. Prophetie ist im Kern auferbauend


Der zweite wesentliche Unterschied zur Prophetie des AT ist, dass Prophetie im NT im
Kern auferbauend ist.

„Wer aber weissagt, redet zu den Menschen zur Erbauung und Ermahnung (Ermunterung)
und Tröstung.“ (1. Kor. 14,5)

Und in der Apg. steht gleich ein Beleg dafür: „Und Judas und Silas, die auch selbst
Propheten waren, ermunterten die Brüder mit vielen Worten und stärkten sie.“ (Apg.15,32)

Das ist der Kern des prophetischen Wortes im neuen Bund, wir sollen dadurch ermutigt
und auferbaut werden. Deshalb ist es so wichtig. Das kann eine Lehre oder Predigt kaum bewirken, aber das prophetische Wort kann es. Es ist etwas anderes, ob Gott mir ganz persönlich durch den Heiligen Geist sagt, wie lieb er mich hat oder ob ich eine Lehre darüber höre.

7.3. Das prophetische Wort ist für alle da


Und der dritte wesentliche Unterschied: es ist für alle.


Erinnert Ihr Euch: Jesus ist hier mitten unter uns. Wir sind ih ihm gesegnet mit jeder
geistlichen Segnung (Eph. 1,3), der Vater gibt von Herzen gerne denen, die anklopfen (Lk. 11, 5-13).

Deshalb kann Paulus auch sagen: „Strebt nach der Liebe, eifert aber nach den geistlichen
Gaben, besonders aber, dass ihr weissagt.“ (1. Kor. 14,1)

Nicht jeder kann ein Prophetenamt bekleiden oder einen qualitativ hochwertigen übergemeindlichen
prophetischen Dienst entwickeln wie von Stefan Driess oder anderen, aber jeder kann danach streben zur Erbauung, Ermunterung und Tröstung zu weissagen.

Danach streben heißt nicht passiv abwarten, sondern sich aktiv darum bemühen: durch
Beten, sich ausstrecken, sich zur Verfügung stellen und durch Üben.

Das wollen wir jetzt zum Schluss noch tun.


(Praktische Übung: Gruppen mit ca. 5-6 Leuten, 3-4 Minuten Eindrücke für eine Person
sammeln, ein Leiter schaut auf die Uhr, danach Austausch in der Gruppe.
Wichtig: Nicht das sagen, was ich schon immer mal sagen wollte; Vorsicht mit Vorwissen;
Vorsicht mit emphatischer Wahrnehmung; Eindrücke sind einzeln manchmal komisch, aber sie ergänzen sich wunderbar.)

AMEN.