Sonntag, 29. Oktober 2017
Predigt von Norbert Wohlrab (29.10.17)
1. Einleitung
Ich habe vor einiger Zeit bereits einmal über eines von den Weinberg-Gleichnissen gepredigt. Dies möchte ich heute wieder tun. Es gibt da ja davon einige in der Bibel. Zunächst einmal der Text:
„Was meint ihr aber hierzu? Ein Mensch hatte zwei Söhne, und er trat hin zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, geh heute hin, arbeite im Weinberg! Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht. Danach aber gereute es ihn, und er ging hin. Und er trat hin zu dem zweiten und sprach ebenso. Der aber antwortete und sprach: Ich gehe, Herr; und er ging nicht.
Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagen: Der erste. Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes. Denn Johannes kam zu euch im Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht; die Zöllner aber und die Huren glaubten ihm; euch aber, als ihr es saht, gereute es auch danach nicht, so dass ihr ihm geglaubt hättet.“ (Rev. Elb.)
Das ist jetzt eine Situation, die wir alle gut kennen. Wir haben ja aller Kinder und erleben es öfters wie unterschiedlich unsere Kinder sind. Oft liegen Welten dazwischen. Gleiches Elternhaus, gleiche Erziehung, gleiche Sozialisation, gleiche christliche Prägung, aber ganz andere Charaktere.
Und auch diese hier beschriebene Situation kommt uns ganz vertraut vor: Wir geben einen Auftrag wie bspw. Zimmer aufräumen, Kleidung wegräumen, Getränke aus dem Keller holen o.ä. und es wird nicht gemacht oder unendlich weit hinausgeschoben oder aber nach anfänglichem Gemaule dann doch erledigt. Also eine uns durchaus vertraute Situation. Und sie scheint wohl auch den Zuhörern damals vertraut gewesen zu sein, sonst hätte Jesus sie wohl nicht als Gleichnis verwendet.
Man meint ja immer ungezogenes, rüpelhaftes Verhalten ist ein Phänomen der Moderne (nachzulesen in der Ausgabe der NN vom Freitag 26.10.17), aber bereits Sokrates (469 - 399 v. Chr.) hat folgendes über die Jugend gesagt:
„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“
Wobei nach meiner Wahrnehmung die heutigen Jugendlichen auf mich relativ höflich wirken.
Es gibt eine nette Geschichte von Tolstoi, in der es auch um Eltern (hier: Mütter) und ihre Söhne geht:
Drei Frauen wollten Wasser holen am Brunnen. Nicht weit davon saß ein alter Mann und hörte zu, wie die Frauen ihre Söhne lobten.
„Mein Sohn“, sagte die erste, „ist so geschickt, dass er alle hinter sich lässt...“
„Mein Sohn“, sagte die zweite, „singt so schön wie die Nachtigall! Es gibt keinen, der eine so schöne Stimme hat wie er ...“
„Und warum lobst du deinen Sohn nicht?“ fragten sie die dritte, als sie schwieg. „Er hat nichts, was ich loben könnte“, entgegnete sie. „Mein Sohn ist nur ein gewöhnlicher Knabe, er hat nichts Besonderes an sich und in sich ...“
Die Frauen füllten ihre Eimer und gingen heim. Der alte Mann ging langsam hinter ihnen her. Die Eimer waren schwer und die abgearbeiteten Hände schwach. Deshalb machten die Frauen eine Ruhepause, denn der Rücken tat ihnen weh.
Da kamen ihnen drei Jungen entgegen. Der erste stellte sich auf die Hände und schlug Rad um Rad. Die Frauen riefen: „Welch ein geschickter Junge!“
Der zweite sang so herrlich wie die Nachtigall, und die Frauen lauschten andachtsvoll und mit Tränen in den Augen. Der dritte Junge lief zu seiner Mutter, hob die Eimer auf und trug sie heim. Da fragten die Frauen den alten Mann: „Was sagst du zu unseren Söhnen?“
„Wo sind eure Söhne?“ fragte der alte Mann verwundert, „ich sehe nur einen einzigen Sohn!“
Soweit erst mal die Geschichte von Tolstoi.
2. Die Bedeutung damals
Aber jetzt zurück zum Gleichnis. Bevor wir uns anschauen, was es für uns heute bedeuten kann, müssen wir uns erst einmal anschauen, was Jesus damit in der konkreten Situation sagen wollte.
Was war die Situation? Am Tag zuvor ist Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingezogen und wurde von der Menge bejubelt Unser Palmsonntag geht darauf zurück.
Die Menge hat ihn gepriesen, als von Gott gesandten Propheten, als Sohn Davids. Jesus ging dann in den Tempel und hat dort erst mal für Ordnung gesorgt, in dem er die Händler aus dem Tempelvorhof vertrieben hat. Hier konnten von den Händlern zertifizierte Opfertiere erworben werden, die nur mit einer bestimmten Währung bezahlt werden konnte.
Da anlässlich des bevorstehenden Passahfestes viele Juden aus der Diaspora in Jerusalem waren, gab es viele verschiedene Währungen, die bei den Wechslern eingetauscht werden mussten. Beide, Händler und Wechsler, haben natürlich gewinnorientiert gearbeitet. Das war aber nicht im Sinne Gottes.
Das ist ungefähr so, wie wenn ich zu einer Geburtstagsparty einlade - zu der man mir üblicherweise ein Geschenk mitbringt - und dann kommen zwei völlig Unbekannte, setzen sich an den Gartenzaun und verkaufen Eintrittskarten für meine Feier und geben mir nicht mal etwas davon ab. So haben die Händler und Wechsler den Zugang zu Gott erschwert.
Nach der Tempelreinigung heilte Jesus noch Blinde und Lahme im Tempel und übernachtete dann bei Freunden in Bethanien.
Am nächsten Morgen kommt er wieder und fängt an zu lehren. Daraufhin fragen ihn dann die religiösen Führer, in welcher Autorität er dies tut. Gemeint ist jetzt vermutlich nicht nur das Lehren, sondern auch die Aktionen des Vortages: die Tempelreinigung und das Heilen. Jesus antwortet mit einer Gegenfrage:
„Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein Wort fragen, und wenn ihr es mir sagt, so werde auch ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue. Woher war die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von Menschen?
Sie aber überlegten bei sich selbst und sprachen: Wenn wir sagen: vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt? Wenn wir aber sagen: von Menschen, so haben wir die Volksmenge zu fürchten, denn alle halten Johannes für einen Propheten.
Und sie antworteten Jesus und sprachen: Wir wissen es nicht. Da sagte auch er zu ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue.“
(V. 24 - 27)
Dieser Hinweis auf Johannes ist wichtig für das Gesamtverständnis. Johannes war von Gott gesandt. Sein Auftrag war es den Weg für Jesus vorzubereiten. Seine Botschaft lautete:
„Tut Buße! Denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen…..und sie wurden von ihm im Jordanfluss getauft, indem sie ihre Sünden bekannten. Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? Bringt nun der Buße würdige Frucht; und meint nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater! Denn ich sage euch, dass Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag.“(Mt. 3, 2.6-9 Rev. Elb.)
Tut Buße! Besinnt Euch! Kehrt um! Das war die Botschaft des Johannes. Und mit denselben Worten begann übrigens auch Jesus später sein Wirken (Mt. 4,17)
Viele Menschen hörten auf Johannes. Hätten die Schriftgelehrten seine Autorität jetzt anerkannt, hätten sie erklären müssen, warum sie dann seinen Aufruf nicht gefolgt sind. Johannes hat sie zur Buße aufgefordert. Seine Botschaft war: alle sind Sünder und müssen umkehren. Sie haben sich aber als gerecht gesehen und waren der Meinung sie bräuchten keine Buße, weil sie Kinder Abrahams sind.
So haben sie jetzt eben lieber gar nicht geantwortet.
Jetzt kommt der Punkt, an der Jesus das Gleichnis erzählt. Weil es jetzt schon so lange her ist und soviel Texte dazwischen waren, lesen wir es nochmal. Mal nach einer geringfügig moderneren Übersetzung:
„Jesus sprach weiter: „Mal ’ne andere Geschichte, bin gespannt, was ihr dazu sagt: Da war mal so ein Typ, der zwei Söhne hatte. Zum ersten sagte er: ‚Geh mal bitte in unsere Werkstatt und reparier das Auto, das dort steht!‘ ‚Ich hab aber keine Lust!‘, sagte der. Aber später tat es ihm leid, und er ging doch hin und reparierte die Kiste. Dann ging der Mann zu dem zweiten Sohn und wollte dasselbe von ihm. ‚Klar, mach ich‘, sagte er. Aber dann hatte er doch keinen Bock und ging einfach nicht hin. Preisfrage: Wer von den beiden hat das getan, was der Vater wollte?“ – „Der erste natürlich!“ Jetzt erklärte Jesus, was er mit der Geschichte sagen wollte: „Auf eins könnt ihr wetten: Dealer und Huren werden eher an diesem Ort landen, wo Gott das Sagen hat, als ihr. Johannes, der die Leute getauft hat, hatte voll den Plan: Er sagte, ihr müsst euer Leben ändern, sonst fahrt ihr gegen die Wand. Aber ihr wolltet nichts von ihm wissen. Die Dealer und die Nutten aber haben getan, was er gesagt hat. Und obwohl ihr das sehr wohl mitbekommen habt, vertraut ihr mir nicht und ändert euch nicht.“ (Volx-Bibel)
In dem Gleichnis ist Gott der Vater. Die Söhne repräsentieren zwei verschiedene Gruppen in Israel wieder.
Die erste Gruppe sind die Sünder: die Zöllner und Prostituierten. Die, die sich entschieden haben, fernab von der Gerechtigkeit und den Geboten Gottes zu leben. Ihr ganzer Lebenswandel war ein einziges, klares und offensichtliches Nein zu Gott.
Aber dann trat Johannes auf und manche dieser verachteten Sünder hörten seine Botschaft, bereuten ihre Schuld und kehrten um. Aus ihrem Nein wurde ein Ja.
Die zweite Gruppe ist die fromme Elite. Es sind die Hohenpriester und die Ältesten, die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Diejenigen, die sich für fromm halten und dies öffentlich zur Schau stellen, die stolz darauf sind Kinder Abrahams zu sein, das Gesetz zu kennen und danach zu leben, die sich selbst rechtfertigten, die aber weder ihre Sündhaftigkeit, noch ihre Erlösungsbedürftigkeit erkennen wollten. Die weder Johannes noch Jesus als von Gott gesandt anerkennen wollten.
Die also äußerlich Ja sagen zu Gott, aber faktisch Nein sagen.
„Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.“ (Mt. 7,21 Rev. Elb.)
Gleiches wird übrigens auch im Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner ausgedrückt (Lk. 18, 9-14). Dort erkennt der Zöllner seine Erlösungsbedürftigkeit, der Pharisäer dagegen vertraut auf sich selbst und verachtet gleichzeitig die anderen. Danke, dass ich nicht wie dieser Zöllner bin, betet er. (V. 11)
„Ich sage euch: Dieser (der Zöllner) ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, im Gegensatz zu jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lk. 18,14 Rev. Elb.)
Allein das Jesus sie, die angesehensten Personen der Gesellschaft, hier in einem Atemzug mit den verachtetsten und sündhaftesten Menschen der Gesellschaft nennt, ist schon eine gewaltige Provokation. Ein Pharisäer würde mit solchen Menschen nie etwas zu tun haben (vgl. die Salbung durch die Sünderin).
Jesus drückt also hier aus: es bedarf keiner religiösen Qualifikation oder Sozialisation um gerettet zu werden, nur dem Erkennen der eigenen Sünde und dem Bereuen, d.h. dem Umkehren zu Gott, so wie es in unserem Gleichnis dem zweiten Sohn reute und er dann doch in den Weinberg ging.
3. Die Bedeutung heute
Was bedeutet dieses Gleichnis für uns heute?
Bereits einige Jahrzehnte nach Jesus Himmelfahrt, wurde es auf die Situation der Juden und Christen bezogen. Die Juden haben ihn abgelehnt (sind nicht in den Weinberg gegangen), die Christen haben ihn angenommen (sind in den Weinberg gegangen).
Auch wenn dies historisch betrachtet so zutrifft, ist es doch etwas eine Vergewaltigung des Textes. Im Gleichnis sind ja alle Juden. Und es geht hier ja um ein persönliches Umkehren und nicht um kollektives Verhalten.
Wichtig ist: Gottes Angebot gilt allen. Damals galt es den Zöllnern und den Prostituierten genauso wie den Schriftgelehrten und den Pharisäern. Jeder konnte umkehren.
Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1. Tim. 2,4 Rev. Elb.)
Auch heute gibt es bei ihm keinerlei Numerus Clausus.
Wenn wir Jesus einmal angenommen haben, dann haben wir diesen Schritt bereits in der Vergangenheit getan. Dann haben wir Buße getan. Dann haben wir unsere Erlösungsbedürftigkeit erkannt und unsere Rettung angenommen, haben Jesus Christus angenommen.
Bei mir ist das jetzt über 34 Jahre her. Es war ein radikaler Wechsel von einer Drogenherrschaft zu einer Jesusherrschaft.
Aber dann? Könnte es nicht sein, dass uns manchmal die Puste ausgeht im Weinberg? Oder sehen wir manchmal den Weinstock vor lauter Trauben nicht mehr?
Unser Ja zu Jesus ist ja kein jahrzehntelang durchgehender Ton in einem Atemzug, ohne dazwischen zum Atmen Luft zu holen.
Es bedarf neue, wiederholte Ja´s. Ein Leben das mit einem Ja begonnen hat, aber sich immer wieder mit vielen kleinen Ja´s ausdrückt.
Ein Lebensstil in der Nachfolge, im Hören auf Gott, ein Leben gestaltet nach der Ethik und den Werten des Reiches Gottes. Ein Lebensstil der Heiligung.
Heiligung: das war früher in unserer Jugend die zentrale Botschaft. Damals leider mit dem erhobenen Zeigefinger und in einer sehr gesetzlichen und destruktiven Art und Weise, die oft vieles kaputt gemacht hat und irgendwie - so hatte man den Eindruck - alles verboten hat, was irgendwie Spaß gemacht hat.
Der Text soll uns davor bewahren eine ähnliche Denke zu entwickeln, wie die Pharisäer, die sich darauf berufen haben Kinder Abrahams zu sein.
Gewiss, wir haben Ja gesagt, sind Kind unseres Vaters geworden und sind damit gerettet. Amen?!.
Wir sind einerseits Kinder Gottes. Das ist absolut wahr! Aber nicht um uns darauf etwas einzubilden (so wie die Pharisäer sich etwas darauf eingebildet haben Kinder Abrahams zu sein) und nicht um uns darauf auszuruhen.
Auch wenn bereits alles getan ist - durch Jesus Christus -, heißt es nicht, dass unsererseits nichts mehr getan werden darf.
Denn wir wollen ja unser Leben nach seinem Willen gestalten., aber in der Praxis des Alltags, leben wir dann doch wieder, das eine oder andere Nein, wenn es darum geht, unser Leben an seinen Maßstäben auszurichten und wir sind dann manchmal eher dem zweiten Sohn ähnlich, der ein Ja vortäuscht und dann doch einen Rückzieher macht..
Aber: auch nach Jahrzehnten der Nachfolge, basiert unsere Rechtfertigung immer noch und weiterhin und in Ewigkeit einzig auf dem Erlösungswerk am Kreuz durch Jesus Christus.
Und andererseits (und das klingt jetzt fast wie ein Widerspruch, aber das Leben als Christ findet nun einfach in verschiedenen Spannungszuständen statt), andererseits sollen wir auch nie aufhören das Kind-Gottes-Sein zu genießen.
Es gibt ja noch das andere, das bekanntere Gleichnis von den zwei anderen Brüdern. Vom verlorenen Sohn und dem älteren Bruder (Lk. 15, 11-32). Der ältere Bruder hat in diesem Gleichnis immer beim Vater gelebt und geschuftet, hat aber nie das was sein war auch in Anspruch genommen, hat nie gefeiert und es sich gut gehen lassen.
„Er aber sprach zu ihm: Kind, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, ist dein. (Lk. 15,31 Rev. Elb)“
Wir dürfen das! Wir dürfen einfach auch mal Sohn oder Tochter sein vor Gott. Einfach da sein. In-ihm-ruhen. Seine Gegenwart genießen. Seine Liebe empfangen. Auftanken.
Vor lauter Dienst, vor lauter Alltagsanforderungen und Alltagsstress kommt dies schnell mal zu kurz. Gott freut sich auf Euch, auf Dich, auf mich. Alles hat seine Zeit!
Wir dürfen im Bewusstsein seiner Gnade leben und dienen, arbeiten und ruhen, nehmen und geben.
AMEN.
Montag, 16. Mai 2011
Predigt von Norbert Wohlrab (15.05.11)
1. Die Gemeinde als Braut
Ich möchte heute über ein Thema reden, dass etwas mit Ehe und Beziehung zu tun hat. Lesen wir dazu erst mal folgende Bibelstelle:
„ "Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein." Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde.“ (Eph. 5, 31.32 Rev. Elb.)
Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus. Paulus bezieht es auf Christus und die Gemeinde! Mit dem ersten Teil dieser Bibelstelle können wir wohl alle etwas anfangen. Die Sehnsucht, die Hormone, die Liebe, die Vernunft drängt uns oder zieht uns zu einer Person des anderen Geschlechts, im günstigsten Fall folgt darauf die Ehe, das sexuelle Einswerden, das Entwickeln einer gemeinsamen Identität usw. Aber welche Bedeutung hat das für Christus und die Gemeinde?
„Dieses Geheimnis ist groß“ schreibt Paulus. Nun, Geheimnisse haben es so an sich, dass man etwas bohren muss, suchen muss, graben muss. Sie liegen nicht so offensichtlich herum, sonst wären es ja keine Geheimnisse.
Den Vers, auf den Paulus Bezug nimmt, finden wir in der Schöpfungsgeschichte, bei der Erschaffung der Frau. Dort heißt es:
„Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht...Da ließ Gott, der HERR, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch; und Gott, der HERR, baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau, und er brachte sie zum Menschen. Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn vom Mann ist sie genommen. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden.“ (1. Mo. 2, 18.21-24 Rev. Elb.)
Was ist die Situation? Adam wurde geschaffen, aber im Gegensatz zu allen Tieren, ist er allein. Er sehnt sich nach einem Gegenüber, er hat eine starke Sehnsucht in sich, aber sie ist noch nicht kanalisiert, es ist noch kein Gegenüber da, auf das er seine Sehnsucht ausrichten kann.
Gott sieht das und schafft Abhilfe. Er versetzt Adam in einem tiefen Schlaf und nimmt einen operativen Eingriff vor. Gott nimmt einen Teil aus der Seite (hebr. „tzeila“ = „Seite“ nicht Rippe) Adams, nimmt Fleisch und Knochen und bildet daraus die Frau. Und auf einmal hat die Leidenschaft, die Sehnsucht, die Liebe in seinem Herzen einen Auslass, ein Zuhause gefunden. So die Situation bei Adam.
Welche Bezüge und Parallelen gibt es hier aber zu Christus und der Gemeinde?
- Adam fiel in einen Schlaf und danach wurde ihm die Seite (gr. „pleura“) geöffnet. Und etwas ähnliches geschah wo? Am Kreuz! Nachdem Jesus gestorben war, durchbohrte ein Soldat seine Seite („pleura“, Joh. 19,34). Vielleicht sogar die selbe Stelle wie bei Adam.
- Bei Adam wurde aus Fleisch und Knochen Eva gebildet, bei Jesus flossen Blut und Wasser heraus. Blut als Symbol für die Reinigung und Wasser als Symbol für das neue Leben und den Heiligen Geist. Beides sind die Grundlagen für das Entstehen der Gemeinde.
- Eva war ein neuer Mensch, eine neue Schöpfung. Auch die Gemeinde wird im NT als „neuer Mensch“ (Eph. 2,15) und Christen als „neue Schöpfung“ (2. Kor. 5,17) bezeichnet
- Eva wurde aus der DNA Adams erschaffen. Wir sind aus den Samen Christi geschaffen (1. Joh. 3,9)
- Eva war Adam in anderer Form, in neuer Form. Die Gemeinde ist der Leib Christi in einer anderen Form.
- Adam war Evas Lebensquelle. Sie konnte nur deshalb existieren, weil ein Teil von Adam in ihr war. Die Gemeinde kann nur existieren, weil ein Teil von Christus, weil der Heilige Geist in ihr ist.
- In einem Film sagt ein Darsteller zu seiner Angebeteten: „Du vervollkommnest mich“! Eine schöne Liebeserklärung wie ich meine. Paulus beschreibt die Frau als den Abglanz, d.h. die Herrlichkeit des Mannes (1. Kor. 11,7). Auch die Gemeinde ist so ein Abglanz, eine Reflexion, sie leuchtet indirekt durch Christus, aber sie erhellt Christus, sie bringt das Bild von Christus auf der Erde erst zur richtigen Entfaltung, zur „Vervollkommnung“.
- Eva war makellos, sie wurde ja vor dem Sündenfall geschaffen. Auch die Gemeinde ist makellos oder wird es zumindest wieder werden (Eph. 5,27)
- Der Mann muss sein Elternhaus verlassen um eine Ehe mit seiner Frau einzugehen. Christus hat den Vater im Himmel verlassen um was zu tun? Um seine Braut zu suchen, sie zu retten und sie zu heiraten.
Ich denke, genauso wie Adam in sich die Sehnsucht nach einem Gegenüber trug, hatte Christus (als letzter Adam) in sich die Sehnsucht nach seiner Braut.
Paul Billheimer: „Im Herzen des Universums finden wir eine göttliche Liebesgeschichte, die der Schlüssel zu jeglicher Existenz ist. von Ewigkeit her hatte Gott sich vorgenommen, das an einem bestimmten zukünftigen Punkt sein Sohn eine ewige Gefährtin haben sollte, die der Apokalyptiker Johannes als, die „Braut, das Weib des Lammes“ beschreibt.“
Jesus Christus sagt, dass er der Bräutigam ist und deshalb ist nichts mit Fasten (Mk. 2,19) und Johannes der Täufer sagt über Jesus:
„Der die Braut hat, ist der Bräutigam“ (Joh. 3,29a Rev. Elb.)
Jesus hat die Braut! Der „Habende“ heißt es im griechischen. Vielleicht ist diese Formulierung nicht so wichtig. Vielleicht bedeutet es aber, dass zu diesem Zeitpunkt am Anfang seines Wirkens, die Baut, also die Gemeinde bereits präexistent in Jesus war, genauso wie Eva ja in Adam präexistent war.
Ein ähnliches Bild benutzt ja auch Paulus - allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem die Gemeinde schon existent ist. Er sagt, dass wir „in Christus sind“ (2. Kor. 5,17)!
Dieses „In-Christus-Sein“ hat für mich eine ganz neue Bedeutung bekommen. Wir kennen ja alle - oder zumindest die Selbstkritischen unter uns - so Tage, wo uns mehr als sonst bewusst wird, was alles so schief gelaufen ist in unserem Leben, wo wir unser Versagen auf einem Tablett serviert bekommen, wo sich Schuldgefühle ausbreiten oder einfach Frustration aufsteigt über die vielen Punkte im Leben, wo man sich nicht so entwickelt hat, wie man es eigentlich vor hatte oder wie Gott es vielleicht mit uns hatte, wo Schuld aufgedeckt wird. Aber wenn man sich dann bewusst macht, dass man ja trotz allem Versagens in Christus ist, in ihm geborgen ist, dann bedeutet das, wenn Gott auf mich schaut, dann sieht er wen? Genau. Er sieht Jesus Christus.
Und die einzigen zwei Möglichkeiten, dass ich nicht angenehm vor Gott sein könnte, wären: wenn ich entweder mich aus Christus hinausbegebe und mit ihm nichts mehr zu tun haben will - das sei ferne! - oder wenn Christus schuldig wäre, wenn er nicht angenehm vor Gott wäre. Aber darauf kann ich mich wahrlich verlassen: er hat alle Forderungen vollkommen erfüllt (Röm. 8,4). Wir sind nun in ihm geborgen und geschützt, genauso wie ein Embryo im Bauch der Mutter.
Auf jeden Fall bedeutet aber diese Formulierung des Johannes, dass Christus und die Braut eine Rechtsbeziehung miteinander haben.
In unserem Sprachgebrauch spricht man von Braut und Bräutigam eigentlich erst am Tag der Hochzeit oder vielleicht kurz vorher. Vorher sind sie befreundet oder verlobt, wenn´s dann ans Heiraten geht, spricht man vom Brautpaar und danach dann vom Ehepaar.
Im jüdischen Kontext ist das etwas anders. Die jüdische Hochzeit besteht nämlich aus zwei Teilen: aus der Verlobung und der Finalisierung, dem letztgültigen Vollzug der Ehe.
Zuerst sucht der Vater des Bräutigams eine Braut aus, der Bräutigam wirbt um sie. Bei der Verlobung legt es dann den Ehevertrag vor, zum Zeichen der Annahme der Werbung trinkt die Braut (bzw. beide) aus einem Becher mit Wein (= Abendmahl), dann zahlt der Bräutigam den Brautpreis (= Kreuzestod) und macht der Braut Geschenke, die ihre Schönheit fördern sollen (= Heiligen Geist). Sie sind nun rechtlich verlobt und ab diesem Zeitpunkt gelten sie als Braut und Bräutigam. Die Braut ist nun für ihren Bräutigam abgesondert (= geheiligt). Soweit so gut. Aber jetzt geschieht was völlig anderes. Der Bräutigam geht nämlich wieder: Er geht jetzt für eine Zeit lang, für ein oder zwei Jahre ins Haus des Vaters zurück um dort ein Brautgemach vorzubereiten für den Vollzug der Ehe.
„Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann etwa zu euch gesagt, dass ich dorthin gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Und wenn ich einen Platz für euch vorbereitet habe, werde ich wieder kommen und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ (Joh. 14, 2.3 NGÜ)
Wenn das Gemach fertig ist holt er die Braut ab in der Nacht und die Eheschließung wird vollendet. Die Braut weiß zwar ungefähr, wann er kommt, aber sie weiß nicht genau den Tag und nicht genau die Stunde (Mt. 24,36). Deshalb muss sie allezeit vorbereitet sein. Wenn sie dann heimgeholt wird, steigt das Hochzeitsfest. Dann wird mehrere Tage gefeiert.
„Lasst uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet.“ (Offb. 19,7 Rev. Elb.)
Sind diese Parallelen nicht wirklich faszinierend? Die Gemeinde ist die - bereits rechtlich für alle Zeit - mit Christus verbundene Braut. Und wir sind ein Teil davon. Nichts und niemand kann diese Verbindung wieder trennen. Dies ist der Plan Gottes von Grundlegung der Welt an (Eph. 1,4).
Ich möchte Euch noch ein weiteres Bild zeigen, das vielleicht genauso stark ist.
Vergegenwärtigen wir uns zunächst auf welchen Säulen das alttestamentliche Judentum stand.
Es fußte im wesentlichen auf vier großen Säulen:
- dem Gesetz
- dem Opfersystem
- dem Priestertum und
- dem Tempel.
Jesus hat alle diese Elemente abgeschafft, in dem er sie vollendete. Er hat das Gesetz vollendet, es erfüllt; er hat das Opfer gebracht, dass für alle Zeiten gilt (Hebr. 10,14); er ist der Hohepriester in Ewigkeit (Hebr. 6,20) und hat gleichzeitig uns zu Priestern gemacht (Offb. 1,6) und er hat den Tempel in Jerusalem überflüssig gemacht, weil er einen neuen Tempel gebildet hat. Einen Tempel aus lebendigen Steinen (1. Petr. 2,5). Dieser Tempel sind wir. Ein Tempel Gottes bestehend aus lauter lebendigen Steinen.
„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes unter (oder in) euch wohnt?“ (1. Kor. 3,16 Rev. Elb.)
„Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum“ (1. Petr. 2,5 Rev. Elb.)
Das Problem ist, das eigentlich die ganze Kirchengeschichte voll ist mit Entwicklungen, die der Abschaffung dieser alttestamentlichen Säulen diametral entgegengesetzt sind. Es scheint so, dass die Christenheit über die Jahrhunderte hinweg immer bestrebt war eine lebendige Beziehung mit dem Herrn durch Religion zu ersetzen.
Die jüdischen Christen hatten von Anfang an so ihre Probleme mit der Erfüllung des Gesetzes. Sie wollten nicht gänzlich davon lassen. Eigentlich bis heute. Und auch in vielen kirchlichen Strömungen und Gruppen gab und gibt es immer wieder neue Formen von Gesetzlichkeit mit erschreckenden Auswüchsen. Menschen werden geknechtet, anstatt die freimachende Kraft des Evangeliums zu leben.
Als ich zum Glauben fand, holte mich Gott aus dem Drogenmilieu heraus und führte mich in eine Brüdergemeinde. Da s waren zwei völlig entgegengesetzte Welten. Auf der einen Seite eine Gemeinde, die es gewöhnt war viele - für mich ganz normale - Dinge des täglichen Lebens wie Kneipe, Kino, Tanzen oder sogar mein Sozialpädagogikstudium, weil man da ja Psychologie erlernte, als fleischlich, weltlich, sündig oder zumindest als gefährlich zu beurteilen und auf der anderen Seite jmd. der erfahren hatte: „Ich bin ein neuer Mensch. Gott hat mich aus der Drogenabhängigkeit heraus geholt. Wie cool ist das denn?! Alles andere ist doch völlig harmlos.“ Vielleicht haben wir uns damals dann gegenseitig etwas beeinflusst. Letztlich war es dann so, hauptsächlich auch durch manch religiösen Einflüsse während der Studienzeit, dass ich einige Jahre ganz schön gesetzlich wurde, bis Gott mich dann Jahre später wieder in eine neue Freiheit des Lebens mit Jesus Christus führte und auch immer noch führt.
Wenn wir mit Jesus leben, brauchen wir uns weder selbst unter ein Gesetz knechten, noch von anderen knechten lassen. Sein Joch ist ein sanftes Joch, seine Last ist eine leichte Last (Mt. 11, 28-30).
Oder nehmen wir das Opfersystem. Jesus hat es überflüssig gemacht und die katholische Kirche hat die Feier des Abendmahl immer mehr zu einem Opferritus entwickelt, von dem letztlich auch alle evangelischen Kirchen und Freikirchen mit infiziert sind.
Oder nehmen wir den Priesterdienst. Luther hat mit seiner Reformation einen Wendepunkt geschaffen und auch das Priestertum aller Gläubigen neu entdeckt. Aber umgesetzt wurde es eigentlich nie wirklich. Es blieb immer die Kluft zwischen Theologen und Laien. Und selbst in vielen Freikirchen ordnen sich viele freiwillig unter einem omnipotenten und allwissenden Pastor unter, „dem alle Gewalt gegeben ist“, anstatt die eigene Priesterschaft zu entwickeln. Anstatt zu erkennen, dass derselbe Geist in jedem Gläubigen wohnt. Ich bin immer wieder überrascht, wenn jmd. bspw. die evangelische Kirche verlässt, weil er sich vom Pfarrer bevormundet sieht um sich dann einer sehr pastorzentrierten freien Gemeinde anzuschließen, um sich dort freiwillig vom Pastor bevormunden zu lassen.
Und genauso ist es beim Tempel. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich das Christentum von den Treffen in den Häusern zu einer Fixiertheit auf große mächtige Gebäude hinweg entwickelt. Neue Arten von Tempel sind entstanden und entstehen immer noch. Dabei sind doch wir der Tempel. Der Geist Gottes hat doch bereits einen Ort, wo er wohnt.
3. Die Gemeinde als Leib
Und Gott wohnt nicht nur in einem lebendigen Tempel. Er hat auch einen lebendigen Leib. Das ist das zweite Bild, dass ich beschreiben wollte.
„Ja, Gott hat ihm alles unter die Füße gelegt, und er hat ihn, den Herrscher über das ganze Universum, zum Haupt der Gemeinde gemacht. Sie ist sein Leib, und er lebt in ihr mit seiner ganzen Fülle – er, der alles und alle ´mit seiner Gegenwart` erfüllt.“ (Eph. 1, 22.23 NGÜ)
Genauso wie der dreieinige Gott in einer Einheit existiert, bilden auch Christus und wir eine Einheit. Er ist das Haupt - und wir sind der Leib. Einzeln betrachtet ist er der Herr und wir die Jünger. Aber als Ganzes ist er das Haupt und wir der Körper. Er ist der Bestimmer, der Chef, er will sich durch den Leib in dieser Welt sichtbar machen.
„Ihr aber seid Christi Leib, und einzeln genommen, Glieder.“ (1. Kor. 12,27 Rev. Elb.)
„Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl viele, ein Leib sind: so auch der Christus.“ (1. Kor. 12,12 Rev. Elb.)
So auch der Christus! Paulus schreibt hier gleich ganz direkt: so auch der Christus! So als ob die korinthische Gemeinde ganz selbstverständlich der Leib Christi wäre! So tief, so felsenfest ist er von dieser Wahrheit überzeugt. Und das obwohl es in Korinth ja nicht immer so ganz fromm zu ging.
Gemeinde (gr. „ekklesia“) ist die Versammlung. Gemeinde ist da, wo sich Christen um ihren Herrn herum versammeln, da wo der Leib Christus auf Erden sichtbar wird.
Und wenn man den 1. Korintherbrief liest, dann kann man lesen, dass dies ausschließlich dadurch geschieht, dass der Pastor eine Predigt hält...nein, es geschieht dadurch, dass die Glieder des Leibes eine Vielfalt von Gaben und Geistwirkungen entfalten.
Ihr kennt ja alle den Vers, den wir uns auch ab und zu als Motto für einen Gottesdienst nehmen, in dem es heißt:
„Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprachenrede, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung.“ (1. Kor. 14,26 Rev. Elb.)
Ich wiederhole mich wahrscheinlich, wenn ich sage, dass manche Ausleger diesen Satz für eine ironische Bemerkung halten. Aber wenn man sich den Gesamtkontext ansieht und Äußerungen an anderen Stellen vergleicht, muss man feststellen, dass dies eigentlich keine Ironie sein kann, sondern dass dies - zumindest in Korinth - die normale Form des Gottesdienstes war oder sein sollte. Die normale Formfür das Zusammenkommen des Leibes um sich vom Haupt leiten zu lassen und um ihn zu verherrlichen.
Wie geschieht dies? Indem der einzelne einfach das mitteilt und weitergibt, was er durch den Heiligen Geist empfangen hat.
Wir beschneiden uns in unseren Gottesdiensten selbst, wir berauben uns der Vielfalt, weil wir immer im Predigtmodus sind. Nichts gegen Predigten und ich predige auch gerne, aber ich glaube nicht, dass Jesus für seine Gemeinde geplant hat, dass dies nur wenige tun können.
Natürlich ist es nicht jedermanns Ding zu predigen, aber jeder kann ein Wort aus der Schrift vorlesen, einen Gedanken oder eine Erkenntnis weitergeben, jeder kann eine Prophetie empfangen, jeder kann etwas erzählen, was er erlebt hat, jeder kann ein Lied anstimmen usw. Das ist die Vielfalt des Leibes! Hier geschieht gegenseitige Erbauung. Das ist das Priestertum aller Gläubigen. Und hier geschieht die Leitung durch das Haupt. Was ja nicht bedeutet, dass man sich nicht schon unter der Woche Gedanken machen darf. Manch Impuls von Gott kommt spontan, mancher ist schon länger vorbereitet. Dies ist kein Widerspruch.
Auch in den Urgemeinden gab es Zeiten, in denen die Apostel anwesend waren und gelehrt hatten oder Evangelisten gepredigt hatten und vielleicht noch andere eher predigt- oder lehr-orientierte Zusammenkünfte. Aber ich denke der normale Gottesdienst wurde vom ganzen Leib gestaltet. Es gab wahrscheinlich noch keinen sonntäglichen Predigtdienst.
Nun kann man Gemeinden nicht so einfach umkrempeln. Das ist nicht unbedingt sinnvoll. Aber man kann dem mehr Raum geben. Im Hauskreis bspw. oder immer wieder mal einen Sonntag bewusst so gestalten.
Paulus schreibt davon, dass der ganze Leib durch verschiedene Gelenke und Bänder zusammen gehalten wird (Kol. 2,19).
Diese Gelenke und Bänder sind die Beziehungen, die wir miteinander haben; aber v.a. auch wie diese Beziehungen ausgerichtet sind und gelebt werden. In einer normalen Familie kommuniziert man miteinander, man kümmert sich um einander. Geschieht dies nicht, ist sie gestört, dann ist das System krank. Und dieses Miteinander ist auch im Leib Christi sehr wichtig. Habt Ihr schon mal wahr genommen, wie wir im Wort Gottes immer wieder dazu aufgefordert werden?
- liebt einander
- erbaut einander
- nehmt einander an
- ermahnt einander
- sorgt füreinander
- tragt einander die Lasten
- ertragt einander
- vergebt einander
- ermutigt einander
- reizt einander zu guten Werken an
- tröstet einander
- bekennt einander die Sünden
- betet füreinander
- seid untereinander gastfreundlich
- habt Gemeinschaft miteinander
- ...
Auch das gehört zu einem organischen Leib, in dem Christus das Haupt ist. Auch das gehört zum Priestertum aller Gläubigen. Und dies geschieht nicht nur am Versammlungstag, nicht nur im Gottesdienst, dies kann und soll allezeit so sein. Auch hier dürfen wir noch in manches hinein wachsen, bevor der Bräutigam kommt um die Braut zu holen.
Wir brauchen keinen Tempel, wir sind der Tempel. Es spielt auch keine Rolle, ob wir schöne Gemeinderäume haben oder uns sonst wo treffen. Wichtig ist, dass wir eine lebendige Gemeinschaft sind. Man kann mit oder ohne Räume tot sein und genauso mit oder ohne Räume leben.
„Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.“ (Joh. 14,19 NGÜ)
AMEN.
(Quellennachweis: Wesentliche Gedanken dieser Predigt basieren auf den fundamentalen Werken von Frank Viola zum Themenkomplex "Organic Church"; siehe Literaturempfehlungen).
Samstag, 9. Oktober 2010
Predigt von Norbert Wohlrab (03.10.10) (Auszüge)
1. Einleitung
„Ihr jedoch seid das von Gott erwählte Volk; ihr seid eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das ihm allein gehört und den Auftrag hat, seine großen Taten zu verkünden – die Taten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1. Petr. 2,9 NGÜ)
Letzten Sonntag hatten wir hier ja den Gebetsgottesdienst von „Gemeinsam für die Stadt“. Und an diesen Abend hat uns ein Text aus der Offenbarung begleitet, in dessen Zusammenhang auch davon die Rede war, dass wir Priester Gottes sind. Es heißt dort bspw. , dass wir
„Gott und Christus als Priester dienen werden.“ (Offb. 20,6b NGÜ)
Die Gemeinde als Priester, als heilige Priesterschaft. Eine Bezeichnung, die wir schon oft gehört haben, die uns vertraut ist. Aber was bedeutet es eigentlich ein „Priester“ zu sein?
Luther hat in seiner Anklage gegen den Priesterdienst der katholischen Kirche geschrieben:
„Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, daß es schon zum Priester, Bischof und Papst geweihet sei, obwohl es nicht einem jeglichen ziemt, solch Amt auszuüben.“
(1520, An den christlichen Adel)
Was verbinden wir mit Priesterschaft? Was verbinden wir mit dem uns vertrauten Begriff vom „Priestertum aller Gläubigen.“ Und ist unsere Vorstellung dazu, die ja sicherlich vom alttestamentlichen Begriff oder auch vom katholischen Verständnis geprägt ist, eigentlich mit der neutestamentlichen Realität vereinbar? Das waren so Fragen, die mir in den letzten Tagen gekommen sind, denen ich versucht habe etwas auf den Grund zu gehen um zu erkennen, was es für uns im Jahre 2010 in Fürth in der CGF bedeuten kann.
2. Priestersein im Alten Bund
Zunächst mal ein grober Überblick über die Kennzeichen der Priesterschaft im alten Bund.
Priester zu sein, setzte eine besondere Berufung und Ausbildung voraus. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stamm, zum Stamm Levi war die Voraussetzung für den Dienst am Tempel, zusätzlich die Zugehörigkeit zum Geschlecht des Aaron s die Voraussetzung für die Priesterweihe. Für die Priester galten ganz besondere Anforderungen an Makellosigkeit (z.B. keine Glatze, kein Zwerg, keinen Buckel; 3. Mo. 21) und Reinheitsvorschriften (z.B. kein Kontakt mit einer Leiche außerhalb der Familie, nur Jungfrau heiraten, ebd.). Nur wenn sie diese erfüllten, waren sie berechtigt den Dienst im Tempel auszuüben.
Deutlich wird dies auch im Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Sowohl der Priester als auch der Levit gehen an dem Verletzten vorüber. Was auch immer ihre tatsächlichen Beweggründe gewesen waren, Fakt ist, sie hätten sich durch eine Berührung - falls er schon tot gewesen wäre - (3. Mo. 21,1 ff. und 4. Mo. 19,11) verunreinigt und damit für den Tempeldienst unbrauchbar gemacht. Jesus verdeutlicht hier, dass die Liebe über allem anderen steht.
Die Priester mussten also besondere Reinheitsvorschriften erfüllen. Gott wollte damit verdeutlichen, dass absolute Reinheit und Heiligkeit, Makellosigkeit und Sündlosigkeit notwendig sind um ihn begegnen zu können.
Die Priester hatten im wesentlichen zwei Hauptaufgaben:
1. Sie mussten durch den Opferdienst im Tempel Sühne für den Opfernden bewirken. Sie
waren also Mittler zwischen Gott und den Menschen.
2. Sie hatten den Willen Gottes durch die Weitergabe und die Auslegung des Gesetzes an das Volk weiterzugeben. (5. Mo. 31,9 ff.)
3. Unterschiede im Neuen Bund
Im Neuen Bund hat sich hier natürlich etwas Grundlegendes geändert.
„´Jetzt aber ist diese Zeit angebrochen, denn jetzt` ist Christus gekommen, der Hohepriester, der uns die wahren Güter gebracht hat. Er hat ein größeres und vollkommeneres Zelt durchschritten, ein Zelt, das nicht von Menschen gemacht wurde und nicht zu dieser Schöpfung gehört. Und was ihm den Weg ins Heiligtum öffnete, war nicht das Blut von Böcken und Kälbern, sondern sein eigenes Blut. Ein einziges Mal ist er hineingegangen, und die Erlösung, die er bewirkt hat, gilt für immer und ewig.“
(Hebr. 9, 11.12 NGÜ)
Jesus Christus hat ein Opfer gebracht, dass für alle Zeiten gilt. Der priesterlich-kultische Dienst des Alten Bundes ist somit für alle Zeiten hinfällig. Dem Opfer von Jesus Christus kann und darf nichts mehr hinzugefügt werden. D.h. wenn ich mich frage, welcher Art der priesterliche Dienst der Gemeinde im Neuen Bund ist, dann ist es auf jeden Fall kein ritueller, keiner in dem Opfer notwendig sind, in dem Sühne erforderlich ist.
Deshalb finden wir auch weder in der Urgemeinde, noch in den Gaben- und Ämterauflistungen der paulinischen Briefe irgendwelche Hinweise auf einen Dienst oder ein Amt des Priesters. Es gibt die Apostel und die Ältesten, die den Gemeinden vorstehen, es gibt Propheten und Lehrer, es wurden Diakone eingesetzt, aber es gibt keine Priester. Wozu auch? Es ist kein Opferdienst mehr nötig und jeder Glaubende hat den Heiligen Geist empfangen und kann Gott direkt begegnen.
Erst als um 200 das Verständnis des Abendmahls sich gewandelt hat und es als Opferhandlung angesehen wurde, begab sich die Kirche auf theologische Abwege und ein Priesterdienst wurde wiedereingeführt.
Die Begriffe Priester/Priesterschaft finden sich daher im Neuen Bund im wesentlichen auch nur rückblickend in historischer Hinsicht oder in prophetischer Hinsicht (z.B. Offenbarung) oder in geistlicher (bzw. allegorischer) Hinsicht (z.B. bei Petrus).
4. Die Bedeutung bei Petrus
Was will uns Petrus sagen, wenn er also schreibt:
„Lasst euch selbst als lebendige Steine in das Haus einfügen, das von Gott erbaut wird und von seinem Geist erfüllt ist. Lasst euch zu einer heiligen Priesterschaft aufbauen, damit ihr Gott Opfer darbringen könnt, die von seinem Geist gewirkt sind – Opfer, an denen er Freude hat, weil sie sich auf das Werk von Jesus Christus gründen.... Ihr jedoch seid das von Gott erwählte Volk; ihr seid eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das ihm allein gehört und den Auftrag hat, seine großen Taten zu verkünden – die Taten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1. Petr. 2, 5.9 NGÜ)
Zunächst sollte man sich vergegenwärtigen wer hier an wen schreibt. Petrus, der Apostel der Judenchristen schreibt an die judenchristliche Gemeinde in der Verfolgung, die sich in Kleinasien zerstreut hat. Ihnen spricht er hier genau das zu, was Gott Israel im Alten Bund verheißen hat.
Gott spricht dort zu Israel in
2. Mo. 19,6 „Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.“
Petrus spricht der neutestamentlichen jüdischen Gemeinde nun zu, dass sich dieser Auftrag, diese Verheißung in ihnen erfüllt hat.
Jüdisch-christliche Theologen sehen daher diese Zusage ausschließlich auf die judenchristliche Gemeinde bezogen. Nur hier kann man eigentlich von Volk und Nation sprechen.
In der Substitutionstheologie ist man nun her gegangen und hat einfach die Gemeinde an die Stelle von Israel gesetzt. Hierbei wird man der Erwählung Israels bzw. des Überrestes aber nicht gerecht.
In der Offenbarung heißt es jedoch:
„Ihm, der uns liebt und uns durch sein Blut von unseren Sünden erlöst hat, ihm, der uns zu Mitherrschern in seinem Reich und zu Priestern für seinen Gott und Vater gemacht hat, ihm gebührt die Ehre und die Macht für immer und ewig. Amen.“ (Offb. 1, 5b.6 NGÜ)
Hier wird deutlich, dass wir alle zu Priestern berufen sind, also auch wir Heiden und nicht nur die Juden. Man kann daher nach meinem Verständnis die Zusagen im Petrusbrief aus der Perspektive der Offenbarung auf alle Christen bzw. die Gemeinde als Ganzes, als die Einheit von Juden- und Heidenchristen übertragen.
(Warum ist diese komplizierte Herleitung so wichtig? Würde es bspw. keine Stellen, wie diese aus der Offenbarung geben, ließe sich die ganze Theologie vom „Priestertum aller Gläubigen“ nicht wirklich begründen, da es sonst nur eine Verheißung für Israel wäre.)
Was schreibt Petrus hier im einzelnen? Was bedeutet es für uns heute?
5. Die Bedeutung für uns
5.1 „Lasst euch selbst als lebendige Steine in das Haus einfügen, das von Gott erbaut wird“
Jesus Christus ist das Fundament, der Eckstein. Die Gemeinde besteht aus lauter einzelnen Steinen, die die gleiche Substanz, das gleiche Wesen, das gleiche Leben wie Jesus Christus besitzen und verkörpern sollen. Du besitzt die selbe Genetik wie Jesus Christus (jedoch nicht wie bei „DaVinci Code“)!
Diese Steine werden zu einem gemeinsamen Haus zusammengebaut. Jeder hat seinen Platz. Sie bilden eine Einheit (passt ganz gut zum Tag der Einheit).
Mal ein paar andere Übersetzungen/Übertragungen dieses Verses:
„Auch ihr seid solche lebendigen Steine, aus denen Gott sein Haus, die Gemeinde, aufbauen will.“ (HfA)
„Lasst euch selbst als lebendige Steine in den Tempel einfügen, den der Geist Gottes baut.“ (GN)
„Ihr seid im Grunde auch so was wie lebendige Ziegelsteine. Gott baut sich mit denen gerade ein ganz spezielles Haus.“ (VB)
Man muss noch keine Mauer gebaut haben um zu wissen: jeder Stein ist wichtig. Egal ob links unten, in der Mitte oder rechts oben; egal, ob auf einen halben Meter Höhe oder bei zwei Metern: da wo Steine in der Mauer fehlen, zieht´s und wenn zu viele fehlen, fällt die ganze Mauer wieder ein.
Durch den Geist Gottes sind wir zu lebendigen Steinen geworden. Wir sind Teil des gesamten Bauwerks.
Luther hat auf das „Priestertum aller Gläubigen“ hingewiesen. Aber v.a. der Pietismus hat mit Recht darauf hingewiesen, dass dies nicht wirklich umgesetzt wurde. Ph. J. Spener schrieb bspw.
„Von Luther wurde gezeigt, wie zu den geistlichen Ämtern alle Christen berufen sind. Sie sind darum nicht nur befugt, sondern wollen sie wirklich Christen sein, auch verpflichtet, sich dessen anzunehmen.“
(Pia desideria oder Herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren evangelischen Kirche, 1675).
Ein lebendiger Stein, ein Priester zu sein, ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht!
Trifft es nicht oft zu, dass die Christen in den Landeskirchen darunter leiden, dass sie als Laien vom Pfarrer/Priester nicht ernst genommen werden und dann in ein Freikirche wechseln, und dort dann die Freiheiten, die sie hätten, durch Passivität ersetzen (oder manchmal auch durch freiwillige Unterordnung unter einen noch autoritäreren Pastor)?
Priestertum aller Gläubigen heißt: „Auch Du bist ein Priester! Auch Du bist ein lebendiger Stein! Auch Du wirst gebraucht!“
5.2 “Ihr seid eine königliche Priesterschaft.“
Königlich - königlich kann zweierlei bedeuten: vom König oder für den König. Ich denke es bedeutet hier beides. Es bedeutet, der König ist der Besitzer, der Auftraggebende und es bedeutet, wir haben einen königlichen Stand, eine königliche Beauftragung, königliche Autorität, ja sogar königliches Blut.
Der königliche Beauftragte vollzieht seinen Auftrag im Namen des Königs, er steht an seiner Statt, er ist mit entsprechenden Privilegien ausgestattet, aber er vollzieht ihn nicht in eigener Kasse oder eigener Regie, nicht für sich, sondern für den König.
Das ist unser Stand: vom König autorisiert, vom König eingesetzt, im königlichen Stand, aber für den König im Dienst, für den König unterwegs.
5.3 „Gott Opfer darbringen...die von seinem Geist gewirkt sind...an denen er Freude hat, weil sie sich auf das Werk von Jesus Christus gründen“
Die Opfer, die es zu bringen gilt, sind ganz anderer Natur, als im alten Bund, keine Tieropfer, keine Opfer zur Sühne, sondern solche, die auf dem Werk von Jesus Christus gründen. Das ist hier denke ich eine wichtige Aussage für die judenchristliche Zielgruppe. Petrus wollte hier noch einmal den Unterschied zum alten Opfersystem betonen.
Welche Opfer sind es nun, an die Petrus hier denkt? Er führt leider keine auf, aber aus anderen Stellen des NT wissen wir was gemeint ist. Z.B.
- das ganze Leben/das ganze Sein als Opfer und Gottesdienst (Röm. 12, 1.2)
- Lobpreis (Hebr. 13,15)
- gute Werke (Hebr. 13,16)
- materielle Gaben (Phil., 4,18)
- und manch anderes.
5.4. „...und den Auftrag hat, seine großen Taten zu verkünden – die Taten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“
Hier sind wir jetzt bei der Hauptaufgabe der neutestamentlichen Priesterschaft: der Verkündigung des Werkes Gottes. Hier besteht eine Parallele zum Priesterdienst des Alten Bundes. Auch dort hatten die Priester die Aufgabe das Gesetz weiterzugeben, im Neuen Bund besteht die Aufgabe jetzt darin Jesus Christus zu verkündigen.
Jesus Christus hat seiner Gemeinde nur eine Art vermittelt, wie sie leben sollen: Liebt. Das Gesetz ist nicht mehr nötig, denn wer in der Liebe lebt, sündigt ohnehin nicht. Aber es gibt noch die eine Botschaft, die es weiterzusagen gilt, das eine Evangelium vom Reich Gottes, dessen Weitergabe die priesterliche Aufgabe im Neuen Bund ist.
Paulus schreibt in Röm. 15,15b.16 „Gott hat mich ja in seiner Gnade dazu berufen, ein Diener Jesu Christi unter den nichtjüdischen Völkern zu sein. Indem ich ihnen das Evangelium Gottes bekannt mache, erfülle ich gewissermaßen einen priesterlichen Auftrag; denn sie sollen eine Opfergabe werden, an der Gott Freude hat, eine Opfergabe, die durch den Heiligen Geist geheiligt ist.“
Die Verkündigung des Evangeliums ist der priesterliche Auftrag für seine Gemeinde.Gott liebt die Welt so sehr, dass er nicht will, dass sie verloren geht. Er will, dass soviele wie möglich gerettet werden. Was braucht es dazu? Arbeiter, die säen und ernten.
„Geht und verkündet: ´Das Himmelreich ist nahe`.“ (Mt. 10,7 NGÜ)
„Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern“. (Mt. 28,19a NGÜ)
Egal welche Zeiten auf uns noch zukommen, das ist der eine königliche und priesterliche Auftrag: hinauszugehen und den Menschen zuzusprechen: Es gibt Hilfe für Dich, es gibt Hoffnung für Dich, es gibt Vergebung für Dich.
Meine Aufgabe als neutestamentlicher Priester ist es nicht den Menschen den Weg zu Gott zu ermöglichen, sondern sie einzuladen diesen Weg zu gehen.
(nicht öffentlicher Teil)
Wir sind alle Priester Gottes, nicht mehr nur die Nachkommen Aarons; wir dürfen uns alle Gott nahen, wir sind alle ausgerüstet und gesalbt, königliche Würdenträger; wir bringen keine Opfer im Tempel, wir selbst sind das Opfer und zugleich der Tempel.
Priester Gottes zu sein, heißt den Auftrag Jesu anzunehmen und sein Evangelium hinauszutragen, da wo ich mein Lebensumfeld haben, aber auch darüber hinaus - in Fürth und Umgebung - genauso, wie die Jünger in Jerusalem angefangen haben und es dann - nachdem sie verfolgt wurden - über Judäa und Samaria in die Welt hinausgetragen haben.
AMEN.