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Montag, 16. Mai 2011

Predigt von Norbert Wohlrab (15.05.11)

Christus und die Gemeinde


1. Die Gemeinde als Braut

Ich möchte heute über ein Thema reden, dass etwas mit Ehe und Beziehung zu tun hat. Lesen wir dazu erst mal folgende Bibelstelle:

„ "Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein." Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde.“ (Eph. 5, 31.32 Rev. Elb.)

Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus. Paulus bezieht es auf Christus und die Gemeinde! Mit dem ersten Teil dieser Bibelstelle können wir wohl alle etwas anfangen. Die Sehnsucht, die Hormone, die Liebe, die Vernunft drängt uns oder zieht uns zu einer Person des anderen Geschlechts, im günstigsten Fall folgt darauf die Ehe, das sexuelle Einswerden, das Entwickeln einer gemeinsamen Identität usw. Aber welche Bedeutung hat das für Christus und die Gemeinde?

„Dieses Geheimnis ist groß“ schreibt Paulus. Nun, Geheimnisse haben es so an sich, dass man etwas bohren muss, suchen muss, graben muss. Sie liegen nicht so offensichtlich herum, sonst wären es ja keine Geheimnisse.

Den Vers, auf den Paulus Bezug nimmt, finden wir in der Schöpfungsgeschichte, bei der Erschaffung der Frau. Dort heißt es:

„Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht...Da ließ Gott, der HERR, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch; und Gott, der HERR, baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau, und er brachte sie zum Menschen. Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn vom Mann ist sie genommen. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden.“ (1. Mo. 2, 18.21-24 Rev. Elb.)

Was ist die Situation? Adam wurde geschaffen, aber im Gegensatz zu allen Tieren, ist er allein. Er sehnt sich nach einem Gegenüber, er hat eine starke Sehnsucht in sich, aber sie ist noch nicht kanalisiert, es ist noch kein Gegenüber da, auf das er seine Sehnsucht ausrichten kann.

Gott sieht das und schafft Abhilfe. Er versetzt Adam in einem tiefen Schlaf und nimmt einen operativen Eingriff vor. Gott nimmt einen Teil aus der Seite (hebr. „tzeila“ = „Seite“ nicht Rippe) Adams, nimmt Fleisch und Knochen und bildet daraus die Frau. Und auf einmal hat die Leidenschaft, die Sehnsucht, die Liebe in seinem Herzen einen Auslass, ein Zuhause gefunden. So die Situation bei Adam.

Welche Bezüge und Parallelen gibt es hier aber zu Christus und der Gemeinde?

- Adam fiel in einen Schlaf und danach wurde ihm die Seite (gr. „pleura“) geöffnet. Und etwas ähnliches geschah wo? Am Kreuz! Nachdem Jesus gestorben war, durchbohrte ein Soldat seine Seite („pleura“, Joh. 19,34). Vielleicht sogar die selbe Stelle wie bei Adam.

- Bei Adam wurde aus Fleisch und Knochen Eva gebildet, bei Jesus flossen Blut und Wasser heraus. Blut als Symbol für die Reinigung und Wasser als Symbol für das neue Leben und den Heiligen Geist. Beides sind die Grundlagen für das Entstehen der Gemeinde.

- Eva war ein neuer Mensch, eine neue Schöpfung. Auch die Gemeinde wird im NT als „neuer Mensch“ (Eph. 2,15) und Christen als „neue Schöpfung“ (2. Kor. 5,17) bezeichnet

- Eva wurde aus der DNA Adams erschaffen. Wir sind aus den Samen Christi geschaffen (1. Joh. 3,9)

- Eva war Adam in anderer Form, in neuer Form. Die Gemeinde ist der Leib Christi in einer anderen Form.

- Adam war Evas Lebensquelle. Sie konnte nur deshalb existieren, weil ein Teil von Adam in ihr war. Die Gemeinde kann nur existieren, weil ein Teil von Christus, weil der Heilige Geist in ihr ist.

- In einem Film sagt ein Darsteller zu seiner Angebeteten: „Du vervollkommnest mich“! Eine schöne Liebeserklärung wie ich meine. Paulus beschreibt die Frau als den Abglanz, d.h. die Herrlichkeit des Mannes (1. Kor. 11,7). Auch die Gemeinde ist so ein Abglanz, eine Reflexion, sie leuchtet indirekt durch Christus, aber sie erhellt Christus, sie bringt das Bild von Christus auf der Erde erst zur richtigen Entfaltung, zur „Vervollkommnung“.

- Eva war makellos, sie wurde ja vor dem Sündenfall geschaffen. Auch die Gemeinde ist makellos oder wird es zumindest wieder werden (Eph. 5,27)

- Der Mann muss sein Elternhaus verlassen um eine Ehe mit seiner Frau einzugehen. Christus hat den Vater im Himmel verlassen um was zu tun? Um seine Braut zu suchen, sie zu retten und sie zu heiraten.

Ich denke, genauso wie Adam in sich die Sehnsucht nach einem Gegenüber trug, hatte Christus (als letzter Adam) in sich die Sehnsucht nach seiner Braut.

Paul Billheimer: „Im Herzen des Universums finden wir eine göttliche Liebesgeschichte, die der Schlüssel zu jeglicher Existenz ist. von Ewigkeit her hatte Gott sich vorgenommen, das an einem bestimmten zukünftigen Punkt sein Sohn eine ewige Gefährtin haben sollte, die der Apokalyptiker Johannes als, die „Braut, das Weib des Lammes“ beschreibt.“

Jesus Christus sagt, dass er der Bräutigam ist und deshalb ist nichts mit Fasten (Mk. 2,19) und Johannes der Täufer sagt über Jesus:

„Der die Braut hat, ist der Bräutigam“ (Joh. 3,29a Rev. Elb.)

Jesus hat die Braut! Der „Habende“ heißt es im griechischen. Vielleicht ist diese Formulierung nicht so wichtig. Vielleicht bedeutet es aber, dass zu diesem Zeitpunkt am Anfang seines Wirkens, die Baut, also die Gemeinde bereits präexistent in Jesus war, genauso wie Eva ja in Adam präexistent war.

Ein ähnliches Bild benutzt ja auch Paulus - allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem die Gemeinde schon existent ist. Er sagt, dass wir „in Christus sind“ (2. Kor. 5,17)!

Dieses „In-Christus-Sein“ hat für mich eine ganz neue Bedeutung bekommen. Wir kennen ja alle - oder zumindest die Selbstkritischen unter uns - so Tage, wo uns mehr als sonst bewusst wird, was alles so schief gelaufen ist in unserem Leben, wo wir unser Versagen auf einem Tablett serviert bekommen, wo sich Schuldgefühle ausbreiten oder einfach Frustration aufsteigt über die vielen Punkte im Leben, wo man sich nicht so entwickelt hat, wie man es eigentlich vor hatte oder wie Gott es vielleicht mit uns hatte, wo Schuld aufgedeckt wird. Aber wenn man sich dann bewusst macht, dass man ja trotz allem Versagens in Christus ist, in ihm geborgen ist, dann bedeutet das, wenn Gott auf mich schaut, dann sieht er wen? Genau. Er sieht Jesus Christus.

Und die einzigen zwei Möglichkeiten, dass ich nicht angenehm vor Gott sein könnte, wären: wenn ich entweder mich aus Christus hinausbegebe und mit ihm nichts mehr zu tun haben will - das sei ferne! - oder wenn Christus schuldig wäre, wenn er nicht angenehm vor Gott wäre. Aber darauf kann ich mich wahrlich verlassen: er hat alle Forderungen vollkommen erfüllt (Röm. 8,4). Wir sind nun in ihm geborgen und geschützt, genauso wie ein Embryo im Bauch der Mutter.

Auf jeden Fall bedeutet aber diese Formulierung des Johannes, dass Christus und die Braut eine Rechtsbeziehung miteinander haben.

In unserem Sprachgebrauch spricht man von Braut und Bräutigam eigentlich erst am Tag der Hochzeit oder vielleicht kurz vorher. Vorher sind sie befreundet oder verlobt, wenn´s dann ans Heiraten geht, spricht man vom Brautpaar und danach dann vom Ehepaar.

Im jüdischen Kontext ist das etwas anders. Die jüdische Hochzeit besteht nämlich aus zwei Teilen: aus der Verlobung und der Finalisierung, dem letztgültigen Vollzug der Ehe.

Zuerst sucht der Vater des Bräutigams eine Braut aus, der Bräutigam wirbt um sie. Bei der Verlobung legt es dann den Ehevertrag vor, zum Zeichen der Annahme der Werbung trinkt die Braut (bzw. beide) aus einem Becher mit Wein (= Abendmahl), dann zahlt der Bräutigam den Brautpreis (= Kreuzestod) und macht der Braut Geschenke, die ihre Schönheit fördern sollen (= Heiligen Geist). Sie sind nun rechtlich verlobt und ab diesem Zeitpunkt gelten sie als Braut und Bräutigam. Die Braut ist nun für ihren Bräutigam abgesondert (= geheiligt). Soweit so gut. Aber jetzt geschieht was völlig anderes. Der Bräutigam geht nämlich wieder: Er geht jetzt für eine Zeit lang, für ein oder zwei Jahre ins Haus des Vaters zurück um dort ein Brautgemach vorzubereiten für den Vollzug der Ehe.

„Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann etwa zu euch gesagt, dass ich dorthin gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Und wenn ich einen Platz für euch vorbereitet habe, werde ich wieder kommen und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ (Joh. 14, 2.3 NGÜ)

Wenn das Gemach fertig ist holt er die Braut ab in der Nacht und die Eheschließung wird vollendet. Die Braut weiß zwar ungefähr, wann er kommt, aber sie weiß nicht genau den Tag und nicht genau die Stunde (Mt. 24,36). Deshalb muss sie allezeit vorbereitet sein. Wenn sie dann heimgeholt wird, steigt das Hochzeitsfest. Dann wird mehrere Tage gefeiert.

„Lasst uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet.“ (Offb. 19,7 Rev. Elb.)

Sind diese Parallelen nicht wirklich faszinierend? Die Gemeinde ist die - bereits rechtlich für alle Zeit - mit Christus verbundene Braut. Und wir sind ein Teil davon. Nichts und niemand kann diese Verbindung wieder trennen. Dies ist der Plan Gottes von Grundlegung der Welt an (Eph. 1,4).

Ich möchte Euch noch ein weiteres Bild zeigen, das vielleicht genauso stark ist.


2. Die Auflösung der alttestamentlichen Säulen

Vergegenwärtigen wir uns zunächst auf welchen Säulen das alttestamentliche Judentum stand.

Es fußte im wesentlichen auf vier großen Säulen:

- dem Gesetz

- dem Opfersystem

- dem Priestertum und

- dem Tempel.

Jesus hat alle diese Elemente abgeschafft, in dem er sie vollendete. Er hat das Gesetz vollendet, es erfüllt; er hat das Opfer gebracht, dass für alle Zeiten gilt (Hebr. 10,14); er ist der Hohepriester in Ewigkeit (Hebr. 6,20) und hat gleichzeitig uns zu Priestern gemacht (Offb. 1,6) und er hat den Tempel in Jerusalem überflüssig gemacht, weil er einen neuen Tempel gebildet hat. Einen Tempel aus lebendigen Steinen (1. Petr. 2,5). Dieser Tempel sind wir. Ein Tempel Gottes bestehend aus lauter lebendigen Steinen.

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes unter (oder in) euch wohnt?“ (1. Kor. 3,16 Rev. Elb.)

„Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum“ (1. Petr. 2,5 Rev. Elb.)

Das Problem ist, das eigentlich die ganze Kirchengeschichte voll ist mit Entwicklungen, die der Abschaffung dieser alttestamentlichen Säulen diametral entgegengesetzt sind. Es scheint so, dass die Christenheit über die Jahrhunderte hinweg immer bestrebt war eine lebendige Beziehung mit dem Herrn durch Religion zu ersetzen.

Die jüdischen Christen hatten von Anfang an so ihre Probleme mit der Erfüllung des Gesetzes. Sie wollten nicht gänzlich davon lassen. Eigentlich bis heute. Und auch in vielen kirchlichen Strömungen und Gruppen gab und gibt es immer wieder neue Formen von Gesetzlichkeit mit erschreckenden Auswüchsen. Menschen werden geknechtet, anstatt die freimachende Kraft des Evangeliums zu leben.

Als ich zum Glauben fand, holte mich Gott aus dem Drogenmilieu heraus und führte mich in eine Brüdergemeinde. Da s waren zwei völlig entgegengesetzte Welten. Auf der einen Seite eine Gemeinde, die es gewöhnt war viele - für mich ganz normale - Dinge des täglichen Lebens wie Kneipe, Kino, Tanzen oder sogar mein Sozialpädagogikstudium, weil man da ja Psychologie erlernte, als fleischlich, weltlich, sündig oder zumindest als gefährlich zu beurteilen und auf der anderen Seite jmd. der erfahren hatte: „Ich bin ein neuer Mensch. Gott hat mich aus der Drogenabhängigkeit heraus geholt. Wie cool ist das denn?! Alles andere ist doch völlig harmlos.“ Vielleicht haben wir uns damals dann gegenseitig etwas beeinflusst. Letztlich war es dann so, hauptsächlich auch durch manch religiösen Einflüsse während der Studienzeit, dass ich einige Jahre ganz schön gesetzlich wurde, bis Gott mich dann Jahre später wieder in eine neue Freiheit des Lebens mit Jesus Christus führte und auch immer noch führt.

Wenn wir mit Jesus leben, brauchen wir uns weder selbst unter ein Gesetz knechten, noch von anderen knechten lassen. Sein Joch ist ein sanftes Joch, seine Last ist eine leichte Last (Mt. 11, 28-30).

Oder nehmen wir das Opfersystem. Jesus hat es überflüssig gemacht und die katholische Kirche hat die Feier des Abendmahl immer mehr zu einem Opferritus entwickelt, von dem letztlich auch alle evangelischen Kirchen und Freikirchen mit infiziert sind.

Oder nehmen wir den Priesterdienst. Luther hat mit seiner Reformation einen Wendepunkt geschaffen und auch das Priestertum aller Gläubigen neu entdeckt. Aber umgesetzt wurde es eigentlich nie wirklich. Es blieb immer die Kluft zwischen Theologen und Laien. Und selbst in vielen Freikirchen ordnen sich viele freiwillig unter einem omnipotenten und allwissenden Pastor unter, „dem alle Gewalt gegeben ist“, anstatt die eigene Priesterschaft zu entwickeln. Anstatt zu erkennen, dass derselbe Geist in jedem Gläubigen wohnt. Ich bin immer wieder überrascht, wenn jmd. bspw. die evangelische Kirche verlässt, weil er sich vom Pfarrer bevormundet sieht um sich dann einer sehr pastorzentrierten freien Gemeinde anzuschließen, um sich dort freiwillig vom Pastor bevormunden zu lassen.

Und genauso ist es beim Tempel. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich das Christentum von den Treffen in den Häusern zu einer Fixiertheit auf große mächtige Gebäude hinweg entwickelt. Neue Arten von Tempel sind entstanden und entstehen immer noch. Dabei sind doch wir der Tempel. Der Geist Gottes hat doch bereits einen Ort, wo er wohnt.


3. Die Gemeinde als Leib

Und Gott wohnt nicht nur in einem lebendigen Tempel. Er hat auch einen lebendigen Leib. Das ist das zweite Bild, dass ich beschreiben wollte.

„Ja, Gott hat ihm alles unter die Füße gelegt, und er hat ihn, den Herrscher über das ganze Universum, zum Haupt der Gemeinde gemacht. Sie ist sein Leib, und er lebt in ihr mit seiner ganzen Fülle – er, der alles und alle ´mit seiner Gegenwart` erfüllt.“ (Eph. 1, 22.23 NGÜ)

Genauso wie der dreieinige Gott in einer Einheit existiert, bilden auch Christus und wir eine Einheit. Er ist das Haupt - und wir sind der Leib. Einzeln betrachtet ist er der Herr und wir die Jünger. Aber als Ganzes ist er das Haupt und wir der Körper. Er ist der Bestimmer, der Chef, er will sich durch den Leib in dieser Welt sichtbar machen.

„Ihr aber seid Christi Leib, und einzeln genommen, Glieder.“ (1. Kor. 12,27 Rev. Elb.)

„Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl viele, ein Leib sind: so auch der Christus.“ (1. Kor. 12,12 Rev. Elb.)

So auch der Christus! Paulus schreibt hier gleich ganz direkt: so auch der Christus! So als ob die korinthische Gemeinde ganz selbstverständlich der Leib Christi wäre! So tief, so felsenfest ist er von dieser Wahrheit überzeugt. Und das obwohl es in Korinth ja nicht immer so ganz fromm zu ging.

Gemeinde (gr. „ekklesia“) ist die Versammlung. Gemeinde ist da, wo sich Christen um ihren Herrn herum versammeln, da wo der Leib Christus auf Erden sichtbar wird.

Und wenn man den 1. Korintherbrief liest, dann kann man lesen, dass dies ausschließlich dadurch geschieht, dass der Pastor eine Predigt hält...nein, es geschieht dadurch, dass die Glieder des Leibes eine Vielfalt von Gaben und Geistwirkungen entfalten.

Ihr kennt ja alle den Vers, den wir uns auch ab und zu als Motto für einen Gottesdienst nehmen, in dem es heißt:

„Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprachenrede, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung.“ (1. Kor. 14,26 Rev. Elb.)

Ich wiederhole mich wahrscheinlich, wenn ich sage, dass manche Ausleger diesen Satz für eine ironische Bemerkung halten. Aber wenn man sich den Gesamtkontext ansieht und Äußerungen an anderen Stellen vergleicht, muss man feststellen, dass dies eigentlich keine Ironie sein kann, sondern dass dies - zumindest in Korinth - die normale Form des Gottesdienstes war oder sein sollte. Die normale Formfür das Zusammenkommen des Leibes um sich vom Haupt leiten zu lassen und um ihn zu verherrlichen.

Wie geschieht dies? Indem der einzelne einfach das mitteilt und weitergibt, was er durch den Heiligen Geist empfangen hat.

Wir beschneiden uns in unseren Gottesdiensten selbst, wir berauben uns der Vielfalt, weil wir immer im Predigtmodus sind. Nichts gegen Predigten und ich predige auch gerne, aber ich glaube nicht, dass Jesus für seine Gemeinde geplant hat, dass dies nur wenige tun können.

Natürlich ist es nicht jedermanns Ding zu predigen, aber jeder kann ein Wort aus der Schrift vorlesen, einen Gedanken oder eine Erkenntnis weitergeben, jeder kann eine Prophetie empfangen, jeder kann etwas erzählen, was er erlebt hat, jeder kann ein Lied anstimmen usw. Das ist die Vielfalt des Leibes! Hier geschieht gegenseitige Erbauung. Das ist das Priestertum aller Gläubigen. Und hier geschieht die Leitung durch das Haupt. Was ja nicht bedeutet, dass man sich nicht schon unter der Woche Gedanken machen darf. Manch Impuls von Gott kommt spontan, mancher ist schon länger vorbereitet. Dies ist kein Widerspruch.

Auch in den Urgemeinden gab es Zeiten, in denen die Apostel anwesend waren und gelehrt hatten oder Evangelisten gepredigt hatten und vielleicht noch andere eher predigt- oder lehr-orientierte Zusammenkünfte. Aber ich denke der normale Gottesdienst wurde vom ganzen Leib gestaltet. Es gab wahrscheinlich noch keinen sonntäglichen Predigtdienst.

Nun kann man Gemeinden nicht so einfach umkrempeln. Das ist nicht unbedingt sinnvoll. Aber man kann dem mehr Raum geben. Im Hauskreis bspw. oder immer wieder mal einen Sonntag bewusst so gestalten.

Paulus schreibt davon, dass der ganze Leib durch verschiedene Gelenke und Bänder zusammen gehalten wird (Kol. 2,19).

Diese Gelenke und Bänder sind die Beziehungen, die wir miteinander haben; aber v.a. auch wie diese Beziehungen ausgerichtet sind und gelebt werden. In einer normalen Familie kommuniziert man miteinander, man kümmert sich um einander. Geschieht dies nicht, ist sie gestört, dann ist das System krank. Und dieses Miteinander ist auch im Leib Christi sehr wichtig. Habt Ihr schon mal wahr genommen, wie wir im Wort Gottes immer wieder dazu aufgefordert werden?

- liebt einander

- erbaut einander

- nehmt einander an

- ermahnt einander

- sorgt füreinander

- tragt einander die Lasten

- ertragt einander

- vergebt einander

- ermutigt einander

- reizt einander zu guten Werken an

- tröstet einander

- bekennt einander die Sünden

- betet füreinander

- seid untereinander gastfreundlich

- habt Gemeinschaft miteinander

- ...

Auch das gehört zu einem organischen Leib, in dem Christus das Haupt ist. Auch das gehört zum Priestertum aller Gläubigen. Und dies geschieht nicht nur am Versammlungstag, nicht nur im Gottesdienst, dies kann und soll allezeit so sein. Auch hier dürfen wir noch in manches hinein wachsen, bevor der Bräutigam kommt um die Braut zu holen.

Wir brauchen keinen Tempel, wir sind der Tempel. Es spielt auch keine Rolle, ob wir schöne Gemeinderäume haben oder uns sonst wo treffen. Wichtig ist, dass wir eine lebendige Gemeinschaft sind. Man kann mit oder ohne Räume tot sein und genauso mit oder ohne Räume leben.

„Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.“ (Joh. 14,19 NGÜ)


AMEN.

(Quellennachweis: Wesentliche Gedanken dieser Predigt basieren auf den fundamentalen Werken von Frank Viola zum Themenkomplex "Organic Church"; siehe Literaturempfehlungen).


Samstag, 9. Oktober 2010

Predigt von Norbert Wohlrab (03.10.10) (Auszüge)

Priestersein im Neuen Bund - das Priestertum aller Gläubigen

1. Einleitung

„Ihr jedoch seid das von Gott erwählte Volk; ihr seid eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das ihm allein gehört und den Auftrag hat, seine großen Taten zu verkünden – die Taten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1. Petr. 2,9 NGÜ)

Letzten Sonntag hatten wir hier ja den Gebetsgottesdienst von „Gemeinsam für die Stadt“. Und an diesen Abend hat uns ein Text aus der Offenbarung begleitet, in dessen Zusammenhang auch davon die Rede war, dass wir Priester Gottes sind. Es heißt dort bspw. , dass wir

„Gott und Christus als Priester dienen werden.“ (Offb. 20,6b NGÜ)

Die Gemeinde als Priester, als heilige Priesterschaft. Eine Bezeichnung, die wir schon oft gehört haben, die uns vertraut ist. Aber was bedeutet es eigentlich ein „Priester“ zu sein?

Luther hat in seiner Anklage gegen den Priesterdienst der katholischen Kirche geschrieben:

„Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, daß es schon zum Priester, Bischof und Papst geweihet sei, obwohl es nicht einem jeglichen ziemt, solch Amt auszuüben.“
(1520, An den christlichen Adel)

Was verbinden wir mit Priesterschaft? Was verbinden wir mit dem uns vertrauten Begriff vom „Priestertum aller Gläubigen.“ Und ist unsere Vorstellung dazu, die ja sicherlich vom alttestamentlichen Begriff oder auch vom katholischen Verständnis geprägt ist, eigentlich mit der neutestamentlichen Realität vereinbar? Das waren so Fragen, die mir in den letzten Tagen gekommen sind, denen ich versucht habe etwas auf den Grund zu gehen um zu erkennen, was es für uns im Jahre 2010 in Fürth in der CGF bedeuten kann.

2. Priestersein im Alten Bund

Zunächst mal ein grober Überblick über die Kennzeichen der Priesterschaft im alten Bund.

Priester zu sein, setzte eine besondere Berufung und Ausbildung voraus. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stamm, zum Stamm Levi war die Voraussetzung für den Dienst am Tempel, zusätzlich die Zugehörigkeit zum Geschlecht des Aaron s die Voraussetzung für die Priesterweihe. Für die Priester galten ganz besondere Anforderungen an Makellosigkeit (z.B. keine Glatze, kein Zwerg, keinen Buckel; 3. Mo. 21) und Reinheitsvorschriften (z.B. kein Kontakt mit einer Leiche außerhalb der Familie, nur Jungfrau heiraten, ebd.). Nur wenn sie diese erfüllten, waren sie berechtigt den Dienst im Tempel auszuüben.

Deutlich wird dies auch im Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Sowohl der Priester als auch der Levit gehen an dem Verletzten vorüber. Was auch immer ihre tatsächlichen Beweggründe gewesen waren, Fakt ist, sie hätten sich durch eine Berührung - falls er schon tot gewesen wäre - (3. Mo. 21,1 ff. und 4. Mo. 19,11) verunreinigt und damit für den Tempeldienst unbrauchbar gemacht. Jesus verdeutlicht hier, dass die Liebe über allem anderen steht.

Die Priester mussten also besondere Reinheitsvorschriften erfüllen. Gott wollte damit verdeutlichen, dass absolute Reinheit und Heiligkeit, Makellosigkeit und Sündlosigkeit notwendig sind um ihn begegnen zu können.

Die Priester hatten im wesentlichen zwei Hauptaufgaben:
1. Sie mussten durch den Opferdienst im Tempel Sühne für den Opfernden bewirken. Sie
waren also Mittler zwischen Gott und den Menschen.
2. Sie hatten den Willen Gottes durch die Weitergabe und die Auslegung des Gesetzes an das Volk weiterzugeben. (5. Mo. 31,9 ff.)

3. Unterschiede im Neuen Bund

Im Neuen Bund hat sich hier natürlich etwas Grundlegendes geändert.

„´Jetzt aber ist diese Zeit angebrochen, denn jetzt` ist Christus gekommen, der Hohepriester, der uns die wahren Güter gebracht hat. Er hat ein größeres und vollkommeneres Zelt durchschritten, ein Zelt, das nicht von Menschen gemacht wurde und nicht zu dieser Schöpfung gehört. Und was ihm den Weg ins Heiligtum öffnete, war nicht das Blut von Böcken und Kälbern, sondern sein eigenes Blut. Ein einziges Mal ist er hineingegangen, und die Erlösung, die er bewirkt hat, gilt für immer und ewig.“
(Hebr. 9, 11.12 NGÜ)

Jesus Christus hat ein Opfer gebracht, dass für alle Zeiten gilt. Der priesterlich-kultische Dienst des Alten Bundes ist somit für alle Zeiten hinfällig. Dem Opfer von Jesus Christus kann und darf nichts mehr hinzugefügt werden. D.h. wenn ich mich frage, welcher Art der priesterliche Dienst der Gemeinde im Neuen Bund ist, dann ist es auf jeden Fall kein ritueller, keiner in dem Opfer notwendig sind, in dem Sühne erforderlich ist.

Deshalb finden wir auch weder in der Urgemeinde, noch in den Gaben- und Ämterauflistungen der paulinischen Briefe irgendwelche Hinweise auf einen Dienst oder ein Amt des Priesters. Es gibt die Apostel und die Ältesten, die den Gemeinden vorstehen, es gibt Propheten und Lehrer, es wurden Diakone eingesetzt, aber es gibt keine Priester. Wozu auch? Es ist kein Opferdienst mehr nötig und jeder Glaubende hat den Heiligen Geist empfangen und kann Gott direkt begegnen.

Erst als um 200 das Verständnis des Abendmahls sich gewandelt hat und es als Opferhandlung angesehen wurde, begab sich die Kirche auf theologische Abwege und ein Priesterdienst wurde wiedereingeführt.

Die Begriffe Priester/Priesterschaft finden sich daher im Neuen Bund im wesentlichen auch nur rückblickend in historischer Hinsicht oder in prophetischer Hinsicht (z.B. Offenbarung) oder in geistlicher (bzw. allegorischer) Hinsicht (z.B. bei Petrus).

4. Die Bedeutung bei Petrus

Was will uns Petrus sagen, wenn er also schreibt:

„Lasst euch selbst als lebendige Steine in das Haus einfügen, das von Gott erbaut wird und von seinem Geist erfüllt ist. Lasst euch zu einer heiligen Priesterschaft aufbauen, damit ihr Gott Opfer darbringen könnt, die von seinem Geist gewirkt sind – Opfer, an denen er Freude hat, weil sie sich auf das Werk von Jesus Christus gründen.... Ihr jedoch seid das von Gott erwählte Volk; ihr seid eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das ihm allein gehört und den Auftrag hat, seine großen Taten zu verkünden – die Taten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1. Petr. 2, 5.9 NGÜ)

Zunächst sollte man sich vergegenwärtigen wer hier an wen schreibt. Petrus, der Apostel der Judenchristen schreibt an die judenchristliche Gemeinde in der Verfolgung, die sich in Kleinasien zerstreut hat. Ihnen spricht er hier genau das zu, was Gott Israel im Alten Bund verheißen hat.

Gott spricht dort zu Israel in

2. Mo. 19,6 „Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.“

Petrus spricht der neutestamentlichen jüdischen Gemeinde nun zu, dass sich dieser Auftrag, diese Verheißung in ihnen erfüllt hat.
Jüdisch-christliche Theologen sehen daher diese Zusage ausschließlich auf die judenchristliche Gemeinde bezogen. Nur hier kann man eigentlich von Volk und Nation sprechen.
In der Substitutionstheologie ist man nun her gegangen und hat einfach die Gemeinde an die Stelle von Israel gesetzt. Hierbei wird man der Erwählung Israels bzw. des Überrestes aber nicht gerecht.

In der Offenbarung heißt es jedoch:

„Ihm, der uns liebt und uns durch sein Blut von unseren Sünden erlöst hat, ihm, der uns zu Mitherrschern in seinem Reich und zu Priestern für seinen Gott und Vater gemacht hat, ihm gebührt die Ehre und die Macht für immer und ewig. Amen.“ (Offb. 1, 5b.6 NGÜ)

Hier wird deutlich, dass wir alle zu Priestern berufen sind, also auch wir Heiden und nicht nur die Juden. Man kann daher nach meinem Verständnis die Zusagen im Petrusbrief aus der Perspektive der Offenbarung auf alle Christen bzw. die Gemeinde als Ganzes, als die Einheit von Juden- und Heidenchristen übertragen.

(Warum ist diese komplizierte Herleitung so wichtig? Würde es bspw. keine Stellen, wie diese aus der Offenbarung geben, ließe sich die ganze Theologie vom „Priestertum aller Gläubigen“ nicht wirklich begründen, da es sonst nur eine Verheißung für Israel wäre.)

Was schreibt Petrus hier im einzelnen? Was bedeutet es für uns heute?

5. Die Bedeutung für uns

5.1 „Lasst euch selbst als lebendige Steine in das Haus einfügen, das von Gott erbaut wird“

Jesus Christus ist das Fundament, der Eckstein. Die Gemeinde besteht aus lauter einzelnen Steinen, die die gleiche Substanz, das gleiche Wesen, das gleiche Leben wie Jesus Christus besitzen und verkörpern sollen. Du besitzt die selbe Genetik wie Jesus Christus (jedoch nicht wie bei „DaVinci Code“)!
Diese Steine werden zu einem gemeinsamen Haus zusammengebaut. Jeder hat seinen Platz. Sie bilden eine Einheit (passt ganz gut zum Tag der Einheit).

Mal ein paar andere Übersetzungen/Übertragungen dieses Verses:

„Auch ihr seid solche lebendigen Steine, aus denen Gott sein Haus, die Gemeinde, aufbauen will.“ (HfA)

„Lasst euch selbst als lebendige Steine in den Tempel einfügen, den der Geist Gottes baut.“ (GN)

„Ihr seid im Grunde auch so was wie lebendige Ziegelsteine. Gott baut sich mit denen gerade ein ganz spezielles Haus.“ (VB)

Man muss noch keine Mauer gebaut haben um zu wissen: jeder Stein ist wichtig. Egal ob links unten, in der Mitte oder rechts oben; egal, ob auf einen halben Meter Höhe oder bei zwei Metern: da wo Steine in der Mauer fehlen, zieht´s und wenn zu viele fehlen, fällt die ganze Mauer wieder ein.

Durch den Geist Gottes sind wir zu lebendigen Steinen geworden. Wir sind Teil des gesamten Bauwerks.

Luther hat auf das „Priestertum aller Gläubigen“ hingewiesen. Aber v.a. der Pietismus hat mit Recht darauf hingewiesen, dass dies nicht wirklich umgesetzt wurde. Ph. J. Spener schrieb bspw.

„Von Luther wurde gezeigt, wie zu den geistlichen Ämtern alle Christen berufen sind. Sie sind darum nicht nur befugt, sondern wollen sie wirklich Christen sein, auch verpflichtet, sich dessen anzunehmen.“
(Pia desideria oder Herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren evangelischen Kirche, 1675).

Ein lebendiger Stein, ein Priester zu sein, ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht!

Trifft es nicht oft zu, dass die Christen in den Landeskirchen darunter leiden, dass sie als Laien vom Pfarrer/Priester nicht ernst genommen werden und dann in ein Freikirche wechseln, und dort dann die Freiheiten, die sie hätten, durch Passivität ersetzen (oder manchmal auch durch freiwillige Unterordnung unter einen noch autoritäreren Pastor)?

Priestertum aller Gläubigen heißt: „Auch Du bist ein Priester! Auch Du bist ein lebendiger Stein! Auch Du wirst gebraucht!“

5.2 “Ihr seid eine königliche Priesterschaft.“

Königlich - königlich kann zweierlei bedeuten: vom König oder für den König. Ich denke es bedeutet hier beides. Es bedeutet, der König ist der Besitzer, der Auftraggebende und es bedeutet, wir haben einen königlichen Stand, eine königliche Beauftragung, königliche Autorität, ja sogar königliches Blut.

Der königliche Beauftragte vollzieht seinen Auftrag im Namen des Königs, er steht an seiner Statt, er ist mit entsprechenden Privilegien ausgestattet, aber er vollzieht ihn nicht in eigener Kasse oder eigener Regie, nicht für sich, sondern für den König.
Das ist unser Stand: vom König autorisiert, vom König eingesetzt, im königlichen Stand, aber für den König im Dienst, für den König unterwegs.

5.3 „Gott Opfer darbringen...die von seinem Geist gewirkt sind...an denen er Freude hat, weil sie sich auf das Werk von Jesus Christus gründen“

Die Opfer, die es zu bringen gilt, sind ganz anderer Natur, als im alten Bund, keine Tieropfer, keine Opfer zur Sühne, sondern solche, die auf dem Werk von Jesus Christus gründen. Das ist hier denke ich eine wichtige Aussage für die judenchristliche Zielgruppe. Petrus wollte hier noch einmal den Unterschied zum alten Opfersystem betonen.

Welche Opfer sind es nun, an die Petrus hier denkt? Er führt leider keine auf, aber aus anderen Stellen des NT wissen wir was gemeint ist. Z.B.

- das ganze Leben/das ganze Sein als Opfer und Gottesdienst (Röm. 12, 1.2)
- Lobpreis (Hebr. 13,15)
- gute Werke (Hebr. 13,16)
- materielle Gaben (Phil., 4,18)
- und manch anderes.

5.4. „...und den Auftrag hat, seine großen Taten zu verkünden – die Taten dessen, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“

Hier sind wir jetzt bei der Hauptaufgabe der neutestamentlichen Priesterschaft: der Verkündigung des Werkes Gottes. Hier besteht eine Parallele zum Priesterdienst des Alten Bundes. Auch dort hatten die Priester die Aufgabe das Gesetz weiterzugeben, im Neuen Bund besteht die Aufgabe jetzt darin Jesus Christus zu verkündigen.

Jesus Christus hat seiner Gemeinde nur eine Art vermittelt, wie sie leben sollen: Liebt. Das Gesetz ist nicht mehr nötig, denn wer in der Liebe lebt, sündigt ohnehin nicht. Aber es gibt noch die eine Botschaft, die es weiterzusagen gilt, das eine Evangelium vom Reich Gottes, dessen Weitergabe die priesterliche Aufgabe im Neuen Bund ist.

Paulus schreibt in Röm. 15,15b.16 „Gott hat mich ja in seiner Gnade dazu berufen, ein Diener Jesu Christi unter den nichtjüdischen Völkern zu sein. Indem ich ihnen das Evangelium Gottes bekannt mache, erfülle ich gewissermaßen einen priesterlichen Auftrag; denn sie sollen eine Opfergabe werden, an der Gott Freude hat, eine Opfergabe, die durch den Heiligen Geist geheiligt ist.“

Die Verkündigung des Evangeliums ist der priesterliche Auftrag für seine Gemeinde.Gott liebt die Welt so sehr, dass er nicht will, dass sie verloren geht. Er will, dass soviele wie möglich gerettet werden. Was braucht es dazu? Arbeiter, die säen und ernten.

„Geht und verkündet: ´Das Himmelreich ist nahe`.“ (Mt. 10,7 NGÜ)

„Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern“. (Mt. 28,19a NGÜ)

Egal welche Zeiten auf uns noch zukommen, das ist der eine königliche und priesterliche Auftrag: hinauszugehen und den Menschen zuzusprechen: Es gibt Hilfe für Dich, es gibt Hoffnung für Dich, es gibt Vergebung für Dich.

Meine Aufgabe als neutestamentlicher Priester ist es nicht den Menschen den Weg zu Gott zu ermöglichen, sondern sie einzuladen diesen Weg zu gehen.

(nicht öffentlicher Teil)

Wir sind alle Priester Gottes, nicht mehr nur die Nachkommen Aarons; wir dürfen uns alle Gott nahen, wir sind alle ausgerüstet und gesalbt, königliche Würdenträger; wir bringen keine Opfer im Tempel, wir selbst sind das Opfer und zugleich der Tempel.

Priester Gottes zu sein, heißt den Auftrag Jesu anzunehmen und sein Evangelium hinauszutragen, da wo ich mein Lebensumfeld haben, aber auch darüber hinaus - in Fürth und Umgebung - genauso, wie die Jünger in Jerusalem angefangen haben und es dann - nachdem sie verfolgt wurden - über Judäa und Samaria in die Welt hinausgetragen haben.

AMEN.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Predigt von Norbert Wohlrab (02.12.07)

Der Sauerteig

1. Hütet Euch!

Ich möchte heute morgen mit Euch zusammen etwas geistliche Verhütung betreiben. Es gibt einige wenige Stellen im NT, in denen Jesus uns zuspricht: „Hütet Euch!“.
Hütet Euch, passt auf, gebt obacht, Vorsicht! Und wenn der lebendige Gott seine Jünger, uns, in einer derartigen Weise warnt, dann ist es eine Warnung, die wir doch ernst nehmen sollten. Dann ist es eine Warnung, die eine andere Qualität hat, als wenn bspw. eine Mutter zu ihrem Kind sagt: „“Pass auf, dass Du dir deine Schuhe nicht schmutzig machst!“ oder „Pass auf, dass Du nicht in die Pfütze fällst.“ Hier warnt uns Gott höchstpersönlich und in dieser Warnung geht es nicht um Bagatellen, sondern hier geht es um existenzielle, geistlich existenzielle Gefahren.
Aber um das Beurteilen zu können, müssen wir uns erst einmal anschauen, vor was oder vor wem wir gewarnt werden.

Im Wesentlichen sind es drei verschiedene Warnungen.
1. Jesus warnt uns vor Habsucht. Er sagt in

Lk. 12,15 (NGÜ) „Nehmt euch in Acht! Hütet euch vor aller Habgier! Denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Wohlstand ab.“

Warum gerade vor Habsucht? Habsucht ist eine Gier, ist sogar ein Götzendienst (Kol. 3,5). Habsucht ist ein Gift, dass mein geistliches Leben langsam aber stetig vergiftet, dass am Ende keinen Platz mehr für Gott lässt, so dass es unmöglich ist Gott und dem Mammon zu dienen (Mt. 6,24).

2. Eine weitere Warnung umfasst die Sorgen und Verlockungen des Alltags.

„Hütet euch vor einem ausschweifenden Leben und vor übermäßigem Weingenuss und lasst euch nicht von den Sorgen des täglichen Lebens gefangen nehmen. Sonst wird euer Herz abgestumpft, und ihr werdet von jenem Tag überrascht werden wie von einer Falle, die zuschnappt. Denn er wird über alle Bewohner der Erde hereinbrechen.“ (Lk. 22, 34.35 NGÜ)

Das tägliche Leben mit seinen Verlockungen, aber v.a. auch mit seinen Sorgen birgt die Gefahr in sich das geistliche Leben zu erdrücken, es abzutöten. Nicht umsonst sagt Jesus im Gleichnis vom vierfachen Acker:

„Wieder bei anderen ist es wie mit der Saat, die ins Dorngestrüpp fällt. Sie hören das Wort, doch im Lauf der Zeit wird es von den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden, die das Leben bietet, verdrängt, sodass keine Frucht reifen kann.“ (Lk. 8,14 NGÜ)

Also sowohl Habsucht, ausschweifendes Leben, als auch Sorgen haben das Potenzial das geistliche Leben in uns zu ersticken. Diese beiden Warnungen enthalten genügend Stoff für eigene Predigten, doch nicht für heute morgen. Ich erwähne sie nur der Vollständigkeit wegen und um zu zeigen, dass die Gefahren vor denen Jesus uns warnt, alle einem ähnlichen Prinzip folgen. Dazu später.

3. Die dritte Warnung ist die Warnung vor bestimmten Menschengruppen. Diese Warnung ist fast in allen Fällen mit einem besonderen Bild aus dem jüdischen Alltag verbunden: dem Sauerteig. Jesus warnt uns vor dem Sauerteig. Diese Warnung spricht er mehrfach in verschiedenen Varianten aus.


2. Der Sauerteig

Zunächst die Frage: Was genau ist eigentlich Sauerteig?

Sauerteig ist ein Stück alter, gesäuerter (gegorener) Teig, den man vom letzten Backen im Wasser aufgehoben hatte. Dieser Rest wird dem neuen Teig zugesetzt. Dadurch wird der neue Teig ganz durchsäuert, gelockert und geht auf. Der Sauerteig wirkt somit als Treibmittel, ähnlich wie Hefe.

Im AT ist der Sauerteig mit dem Passahfest verbunden. Weil Israel beim Auszug aus
Ägypten keine Zeit mehr hatte Sauerteig zuzubereiten, sollen sie zur Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten, eine Woche lang vor dem Passahfest keinen Sauerteig backen und auch keinen im Haus haben. Im Spätjudentum hat sich daraus dann die Tradition entwickelt das ganze Haus auszufegen. Der Vater hatte dann den Auftrag zu überprüfen, ob alles ordnungsgemäß erledigt wurde. Dazu wurde ein Rest Brot versteckt. Wenn dieses gefunden wurde, war die Zeremonie erfolgreich beendet und das Haus galt als gereinigt. Aus dieser Tradition sind wahrscheinlich sowohl der Frühjahrsputz, als auch das Ostereiersuchen abgeleitet.

Im NT ist das Bild vom Sauerteig meist ein Bild für das unauffällige, doch gründliche und durchdringende Eindringen des Bösen.

„Habt ihr vergessen, dass schon die kleinste Menge Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? ...Sauerteig der Bosheit und der Schlechtigkeit...“ (1. Kor. 5, 6b .8 NGÜ) schreibt Paulus an die Korinther.

Wenn Jesus uns also vor dem Sauerteig warnt - und erinnern wir uns, es geht nicht um eine Warnung vor nassen Füßen -, dann warnt er uns vor einer Gefahr, die fähig ist klein und unauffällig zu beginnen, aber uns trotzdem total zu durchdringen.
Und dies hat auch eine Ähnlichkeit mit den anderen vorhin bereits erwähnten Warnungen vor Habsucht, Sorgen etc.: alle beginnen klein und unscheinbar, aber legen uns letztlich geistlich lahm.

Also nochmal. Jesus sagt uns: Hütet Euch! Alarmstufe rot!

Schauen wir uns nun an welche Menschengruppen es sind, die diesen Sauerteig ausbreiten und vor denen wir gewarnt werden.

„»Nehmt euch in Acht!«, schärfte Jesus ihnen ein. »Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes!«“ (Mk. 8,15 NGÜ) und

„Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!“ (Mt. 16,6b NGÜ)

An anderer Stelle warnt Jesus auch noch vor den Schriftgelehrten und vor falschen Propheten, aber meines Wissens nicht im Zusammenhang mit Sauerteig, so dass ich diese beiden Gruppen heute einmal außer acht lasse.

Was ist nun das Gefährliche an diesen Menschen bzw. an ihrer Lehre?


3. Die verschiedene Arten des Sauerteigs

1. Die Pharisäer

Die Gruppe, die uns noch am ehesten bekannt sein dürfte, sind die Pharisäer. Die Pharisäer (die Abgesonderten) waren eine religiöse Strömung innerhalb des Judentums, die eine legalistische Einhaltung (also eine wortgetreue Einhaltung ohne auf den eigentlichen Sinn zu blicken) der 613 Gebote der Thora und weiterer selbstauferlegter Vorschriften, wie das Verzehnten von allen mögliche Kräutern und Gemüse (Mt. 23,23) und zusätzlicher Reinhaltungsvorschriften, pflegten. Dabei distanzierten sie sich von den einfachen und sündigen Menschen. Daher kritisierten sie Jesus permanent wegen seiner Tischgemeinschaft mit Sündern, Zöllnern, Prostituierten und dergleichen Leute.
Ist ihr Bemühen nach den Geboten Gottes zu leben an sich ja noch positiv, so bringt Jesus doch heftige Kritik gegen sie vor. Zum einen gegen ihre Selbstgerechtigkeit (Lk. 18, 9-14), gegen ihren Legalismus (sie reinigten ihre Becher, aber nicht ihre Herzen; Lk. 11, 37 - 54) und gegen die Lasten, die sie den Menschen zusätzlich auferlegten und sie so letztlich hinderten zu Gott zu kommen (Mt. 23,13).
Die Pharisäer lebten ein erstarrtes religiöses Leben. Ihre Frömmigkeit kam nicht aus dem Herzen, sondern war in eine tote Form gepresst. „Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ (2. Kor. 3,6b) schreibt Paulus an anderer Stelle. Die Pharisäer lebten in einer religiösen Erstarrung des Buchstabens.

Was kennzeichnet die Sadduzäer und Herodes?

2. Die Sadduzäer

Die Sadduzäer setzten sich hauptsächlich aus Schriftgelehrten und Aristokraten zusammen. Sie bildeten die Oberschicht und besetzten die oberste Ämter im Tempeldienst. Weiter hatten sie eine sehr orthodoxe Schriftauslegung. Sie lehnten jegliche mündliche und alltagsspezifische Auslegung der Thora ab (im Gegensatz zu den Pharisäern). Sie glaubten nicht an die Auferstehung, Engel und persönliche Führung Gottes und anerkannten nur die Gesetzesbücher als Gottes Wort. Auch ihre Religiösität war rein formalistisch.
Beide Gruppen lebten letztlich mit wenigen Ausnahmen ihren Glauben ohne Gott, lebten sozusagen eine atheistische Form ihres Glaubens.

3. Herodes

Schwieriger ist es bei der Gruppe des Herodes, v.a. da es ja mehrere Herodes gab. Ich nehme mal an, dass Jesus den aktuell meinte, wobei sie sich letztlich kaum unterschieden. Die Lebensphilosophie des Herodes war die der eigenen Stärke, selbst ist der Mann, man braucht keinen Gott, aber auch einer Lebensphilosophie der eigenen Werte, was Ethik und Moral ist wird selbst definiert, Eigenständigkeit, Unabhängigkeit.

All diese Sauerteige, diese Lehren und Lebenseinstellungen haben gemeinsam, dass sie in ihrem Wesen zutiefst humanistisch sind, sie fokussieren sich auf den Menschen, sie sind egozentrisch, sie haben das was Menschen leisten können im Mittelpunkt. Diese Lebenseinstellungen waren die vorherrschenden Lehren und Überzeugungen zur Zeit Jesu - und sind es zumindest z.T. noch heute, auch wenn sie heute anders heißen.


4. Die Gefahr des Sauerteigs im Leben der Gläubigen

Betrachten wir nun mal eine Stelle genauer, in der Jesus diese Warnung vor dem Sauerteig ausspricht.

Die Situation: zum zweiten Mal speist Jesus eine große Menge an Menschen mit Hilfe einer übernatürlichen Brot- und Fischvermehrung. Die Jünger waren zum zweiten Mal Zeuge eines großen Wunders. Nicht nur Zeuge, sondern sogar tatkräftig beteiligt. Denn wenn wir die Ereignisse genau lesen, stellen wir fest, dass die Speise sich nicht in den Händen Jesu beim Dankgebet, sondern in den Händen der Jünger, nämlich beim Austeilen, vermehrt hatte. Wenn Jesus den Jüngern den Auftrag gegeben hat: Gebt ihr ihnen zu essen, haben sie ihn wohl zunächst noch unwissend, aber doch tatsächlich ausgeführt.
Nun sind die Jünger also nach diesem erneuten Wunder mit Jesus im Boot unterwegs in ruhigere Gefilde. Und nun heißt es:

„Die Jünger hatten vergessen, Brot mitzunehmen; nur ein einziges Brot hatten sie bei sich im Boot. »Nehmt euch in Acht!«, schärfte Jesus ihnen ein. »Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes!« Da machten sie sich untereinander Gedanken darüber, dass sie kein Brot bei sich hatten. Als Jesus merkte, was sie beschäftigte, sagte er: »Warum macht ihr euch Gedanken darüber, dass ihr kein Brot habt? Versteht ihr immer noch nichts? Begreift ihr denn gar nicht? Sind eure Herzen so verschlossen? Ihr habt doch Augen – könnt ihr nicht sehen? Ihr habt doch Ohren – könnt ihr nicht hören? Erinnert ihr euch nicht daran, wie ich die fünf Brote für die Fünftausend in Stücke brach? Wie viele Körbe voller Reste habt ihr damals aufgesammelt?« – »Zwölf«, antworteten sie. »Und als ich die sieben Brote für die Viertausend in Stücke brach, wie viele Körbe voller Reste habt ihr da aufgesammelt?« – »Sieben«, antworteten sie. Da sagte er zu ihnen: »Begreift ihr immer noch nichts?«“ (Mk. 8, 14 - 21 NGÜ)

Lassen wir die Symbolik von Zwölf und Sieben mal außer Acht. Was hätten sie denn begreifen sollen? Inwiefern sind ihre Herzen hartherzig und verschlossen? Und was hat das mit dem Sauerteig der Pharisäer und des Herodes zu tun?

Sie haben die Versorgung Gottes erlebt und hätten erkennen sollen: Alles ist möglich! Mit Gott ist alles möglich. Im Reich Gottes ist alles möglich.
„Für den, der glaubt, ist alles möglich.“ (Mk. 9,23 NGÜ) sagt Jesus. Da wo das Reich Gottes hereinbricht, braucht man keine Versorgungsdefizite befürchten.

„Macht euch also keine Sorgen! Fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um diese Dinge geht es den Heiden, die Gott nicht kennen. Euer Vater im Himmel aber weiß, dass ihr das alles braucht. Es soll euch zuerst umGottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazu gegeben. “ Mt. 6, 31-33 NGÜ)

Was machen die Jünger? Stattdessen sorgen sie sich wieder um ihre Mahlzeit. Ihr Denken war noch durchsäuert mit dem Sauerteig des Herodes und der Pharisäer, wo Gott auf das menschlich Machbare reduziert wurde.
Das ist die Gefahr dieses Sauerteigs: er verhindert das Denken in Gottes Möglichkeiten, er verhindert das Denken in der Realität des Reiches Gottes, er verhindert das Erfassen und die Umsetzung der Gedanken Gottes. Wobei ich denke dass Jesus hier „alles ist möglich“ kein Wunschkonzert wie bei der guten Fee meint, sondern die Abhilfe der aktuellen Not im Blick hat.

Paulus spricht in diesem Zusammenhang von Festungen und Gedankengebäuden, die der Erkenntnis Gottes entgegenlaufen und mit geistlichen Waffen bekämpft werden müssen (2. Kor. 10, 4.5). Es sind jahrzentealte Denkmuster, die sich zu dämonischen Festungen ausgebildet haben und gegen die Wahrheit Gottes in unserem Leben ankämpfen, die uns den Blick vernebeln für das Reich Gottes.

Ich habe in den letzten Wochen so viele Zeugnisse und Predigten gehört über die Wunder, die aktuell geschehen im Reich Gottes, auch in Deutschland, dass ich weiß, dass das was wir hier (nicht) erleben, noch nicht Gottes Weisheit letzter Schluss ist. Und ich werde Euch vielleicht irgendwann damit nerven, aber ich werde nicht aufhören vom Reich Gottes zu predigen, bis wir es hier in einer neuen Dimension erleben. Nicht weil ich es vielleicht schon ergriffen hätte und ihr noch nicht, sondern weil ich weiß, es ist der Wille Gottes für die Christenheit und ich habe angefangen mich auf dem Weg zu machen und die Umsetzung zu suchen und hoffe, dass noch viele eine ähnliche Unzufriedenheit mit dem status quo packt. Wir werden hier demnächst im Gottesdienst noch einmal eine DVD-Predigt uns ansehen, die uns hoffentlich diesbezüglich sehr ermutigen wird.

Zurück zu den Gedankenfestungen. Was ist so eine Festung und wie wirkt sie sich aus?
Im Jakobusbrief lesen wir, dass wir im Glauben bitten sollen, ohne zu zweifeln, sonst werden wir nichts empfangen (Jak. 1, 5.6). Wenn ich an anderen Stellen im NT lese, dass bereits ein Senfkornglaube ausreichend ist um einen Berg zu versetzen (Mt. 17,20), dann denke ich, dass das Problem nicht ist, dass der Glaube vielleicht zu klein ist, sondern das er überwuchert wurde vom falschen Sauerteig und nicht zur Entfaltung kommt. Und dieser Sauerteig in unserem Denken ist es, der in uns ein falsches Bild von Gott, ein falsches Bild vom vom Reich Gottes, ein falsches Bild von uns selbst erzeugt.
Der Himmel ist voller Vertrauen zu Gott, die Welt ist voller Misstrauen. Und dieses Misstrauen unterwandert uns, durchsäuert uns. Unser Denken steht aktiv unter dem Einfluss dieser Welt, steht es auch aktiv unter dem Einfluss des Denken Gottes? Lassen wir uns immer wieder neu mit den Wahrheiten Gottes füllen? Oder erlauben wir den Lügen uns den Sieg zu rauben. Denkt daran, Satan ist der Vater der Lüge.


5. Lügengebäude

Ein Beispiel für solche Lügengebäude: Am Ende einer der letzten Gebetsabende sind wir irgendwie darauf zu sprechen gekommen, wer wir vor Gott sind. Und dann wurde die Aussage in den Raum gestellt, dass wir Sünder wären. Dies ist eine der gemeinsten Lügen des Feindes. Du bist kein Sünder! Du bist ein Gerechter! Wenn ich glaube, dass ich noch ein Sünder bin, ist dies praktischer Atheismus, dann zweifle ich nämlich an dem Heilswirken und Heilszusagen Gottes. Was lesen wir in seinem Wort:

Röm. 5, 8.19 „Gott hingegen beweist uns seine Liebe dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren...Genauso, wie durch den Ungehorsam eines Einzigen alle zu Sündern wurden, werden durch den Gehorsam eines Einzigen alle zu Gerechten.“

Wir waren Sünder, nun sind wir Gerechte. Wir sind in einem neuen Stand, einem neuem Bund, sind eine neue Schöpfung. Wir sind der Sünde abgestorben. Können wir noch sündigen? Gewiss, aber wir sündigen als Gerechte, nicht als Sünder. Das ist der Unterschied. Das ist das Erlösungswerk Christi. Das ist das Evangelium. Ich habe die Bibel durchgeforstet, man wird im NT keine Bibelstelle finden, wo Gerechte als Sünder bezeichnet werden (mit evt. einer Ausnahme im Jakobusbrief, die aber wohl anders verstanden werden muss.) Mit Sündern wird immer der Stand vor der Bekehrung bzw. die unbekehrten Menschen bezeichnet. Luther hat teilweise das Verb „sündigen“ mit dem Substantiv „Sünder“ übersetzt und damit sicherlich zu einem falschen Verständnis beigetragen.

Noch ein Bild dazu: ein Freund von mir ist im Kongo geboren. Ist er noch Kongolese? Nein, er ist Deutscher! Er hat einen deutschen Pass! Die Staatsgewalt des Kongo kann ihm nichts mehr anhaben. Kann er deshalb noch kongolesisch kochen, sprechen, fluchen etc.? Ja, aber deshalb bleibt er trotzdem Deutscher.

Warum ist das wichtig? Das Bewusstsein unseres Standes ist wichtig um von Gott etwas zu erhalten. Im Glauben bitten ohne zu zweifeln heißt es im Jakobusbrief. Ich glaube nicht, dass es daran scheitert, dass Gott uns nichts geben möchte, sondern daran, dass wir nicht eintauchen in die Realität des Reiches Gottes, in die Realität der Versorgung Gottes. Wir stehen in einem permanenten Kampf, das Bewusstsein der Gegenwart Gottes, die Realität des Reiches Gottes über unseren Verstand zu stellen.

Uwe Dahlke vom CZK schreibt auf glaube.de:
„Wir alle haben nie wirklich gelernt, so zu denken! Wir haben uns bei unserer Bekehrung für Gott geöffnet und ein neues Herz empfangen, das glauben kann und vertrauend glauben möchte. Aber das Wollen alleine reicht nicht aus. Wir müssen unser Herz täglich mit dem Wesen und den Absichten Gottes füllen, nicht mit all unseren Zweifeln, Sorgen, Ängsten und negativen Erfahrungen. Da die meisten unserer Zweifel aber auf der Logik dieser Welt fußen und wir darin erzogen wurden, haben wir ein sehr großes Problem mit unserem Denken! Es ist voller Gedankenfestungen, die ein Leben lang in uns hineingekommen sind und so unser Unterbewusstsein (Herz) beherrschen. Es geht uns wie den Jüngern: wir glauben bis zu einem gewissen Grad und dann setzt unser Verstand ein und wir können nicht fassen, was Gott tun könnte. Unser Herz ist durch unsere angelernte Lebenslogik verhärtet.“

Wir sehen das auch im Gleichnis des verlorenen Sohns. Der verlorene Sohn kommt heim und wird von Vater mit Liebe überschüttet, mit Geschenken überhäuft und ein Fest wird gefeiert. Er erinnert mich an die Situation von Neubekehrten. Sie sind voller Feuer, weil sie eine tiefe Erfahrung der Liebe Gottes machen, voller Vertrauen zu ihrem Vater im Himmel und erleben in der ersten Zeit oft die tollsten Gebetserhörungen, als ob Gott Party mit ihnen feiert. Und manch langjähriger Christ blickt neidisch auf ihn. So auch der ältere Sohn. Er kommt nach Hause und beschwert sich:

„›So viele Jahre diene ich dir jetzt schon und habe mich nie deinen Anordnungen widersetzt. Und doch hast du mir nie auch nur einen Ziegenbock gegeben, sodass ich mit meinen Freunden hätte feiern können! Und nun kommt dieser Mensch da zurück, dein Sohn, der dein Vermögen mit Huren durchgebracht hat, und du lässt das Mastkalb für ihn schlachten!‹ – ›Kind‹, sagte der Vater zu ihm, ›du bist immer bei mir, und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Aber jetzt mussten wir doch feiern und uns freuen; denn dieser hier, dein Bruder, war tot, und nun lebt er wieder; er war verloren, und nun ist er wiedergefunden.‹“ (Lk. 15, 29 - 32 NGÜ)

Ich frage Euch, haben beide Söhne den selben Vater? Ja, haben sie, beide haben den gleichen Vater der Liebe. Der Unterschied ist nur der, dass der Vater auf den jüngeren Sohn zugeht, damit er wieder nach Hause kann und dann seiner Freude Ausdruck verleiht. Der Ältere war ja schon zu Hause, er hätte den Vater kennen müssen und wissen, dass er jederzeit über alles nach seinen Wünschen verfügen kann, da er ja bereits in seiner vollkommenen Liebe lebt, aber er kannte ihn nicht, auch sein Denken war durchsäuert. Er war eher Knecht als Sohn.

Paulus schreibt:
„ Denn der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch nicht zu Sklaven, sodass ihr von neuem in Angst und Furcht leben müsstet; er hat euch zu Söhnen und Töchtern gemacht, und durch ihn rufen wir, wenn wir beten: ´Abba, Vater!´ Ja, der Geist selbst bezeugt es uns in unserem Innersten, dass wir Gottes Kinder sind.“ (Röm. 8, 15.16 NGÜ)

Söhne keine Knechte. Jesus sagt, dass ja selbst schlechte Menschen ihren Kindern Gutes tun. Wieviel mehr wird dann der Vater im Himmel Gutes geben.
Letztes Jahr waren wir ja mit einem kleinen Team in Röhrenbach um mal aus erster Hand "Wort und Geist" zu erleben. Manches war beeindruckend und ermutigend, manches etwas merkwürdig. Besonders merkwürdig war der bayrische Schunkel-Lobpreis. An ein Lied kann ich mich noch erinnern: „Mir san die Aller-Allerbesten.“ Das Lied gefällt mir immer noch nicht, aber die haben es erkannt: in Gottes Augen sind wir alle die aller-allerbesten Söhne und Töchter. Sich dieser Wahrheit bewusst zu werden, dass der Vater immer für mich ist, fördert unumstößlich den persönlichen Glauben.
Beim Vater der Lichter ist keine Veränderung, noch eines Wechsels Schatten (Jak. 1,17). Gott ist die Liebe.
Jesus will uns in die Fülle des Lebens hineinführen.
Er ist der Geber der guten Gaben.
Er kann nichts Schlechtes geben, weil er das gar nicht hat. Er segnet uns weder mit Krankheit, noch mit Schmerz, noch mit Tod, noch mit sonstigem Leid. Diese Dinge sind in der Welt, weil die Welt unter der Sünde stöhnt und ächzt und der Teufel, der Lügner und Mörder von Anfang an, versucht oft mit Erfolg noch was drauf zu packen. Aber wir können uns wehren, wenn wir lernen unser Denken zu erneuern (Röm. 12,1) und lernen in den Wahrheiten Gottes zu denken.

Auch das Reich Gottes wird mit einem Sauerteig verglichen (Lk. 13, 18 - 21). Auch das Reich Gottes hat diese Dynamik. Aber genauso wie der schlechte Sauerteig gelebt wird, multipliziert wird, verkündet wird, muss auch die Botschaft vom Reich Gottes verkündet, immer wieder neu aufgenommen, neu durchdacht, neu verinnerlicht werden, damit es seine Dynamik mehr und mehr entfalten kann.
Wollen wir uns dahin auf den Weg machen?

DEIN REICH KOMME. AMEN.