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Dienstag, 31. Januar 2017

Predigt von Norbert Wohlrab zum Beginn der Allianz-Gebetswoche 2017 (08.01.2017)

Christus allein - der einzige Weg


„Christus allein - der einzige Weg“ so lautet der Einstieg in die diesjährige Allianz-Gebetswoche.
Dieser Ausspruch „Christus allein“ „solus Christus“ ist ja jetzt kein Bibelzitat, sondern eine der vier Kernaussagen der reformatorischen Theologie, an denen wir uns in dieser Woche entlang beten wollen.
Und es gibt sehr viele Verse und Aussagen des NT, die man damit in Zusammenhang bringen kann und der erste Vers dazu, der einem da wohl sofort einfällt, ist auch genau derjenige aus dem Johannes-Evangelium, der für den heutigen Einstieg vorgegeben ist:

„Jesus spricht (zu ihm): Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6 Luther 2017)


Eigentlich ist damit alles gesagt. Das ist ja so eindeutig und klar formuliert. Niemand, also keiner, kommt zum Vater als nur durch Jesus.

Da braucht man nicht groß drüber diskutieren oder um den heißen Brei herumreden. Da nützt auch keine Toleranz oder irgendwelche Diplomatie etwas. Das ist das Alleinstellungsmerkmal unseres christlichen Glaubens. Das ist das für uns entscheidende Kriterium, durch das sich unser Glauben von allen anderen religiösen Angeboten unterscheidet.

Nur in mir liegt der Weg zum Vater, sagt Jesus selbst. Das ist unser Ausschlusskriterium. Das ist der Punkt, wo Juden und Muslime ein Problem haben.
Denn für die einen ist Jesus nur ein Scharlatan, ein Spinner oder Teufel oder ein Fresser und Weinsäufer und für die anderen halt nur irgendein Prophet.
Das ist der Punkt, wo andere Versuche einen Weg zu Gott ohne Jesus zu finden, keine gemeinsame Basis mit unserem christlichen Glauben bekommen können. Ohne Jesus geht nichts. Nur er ist der Weg!

Daher sagt Jesus auch am Anfang dieses Abschnitts: „Lasst Euch nicht verwirren!“ Egal, was andere sagen. „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“

„Ich bin der Weg!“ Jesus sagt nicht: „Ich kenn den Weg!“ oder „Ich zeige Euch den Weg!“ oder „Ich werde mal der Weg gewesen sein!“ Er sagt: „Ich selbst bin der Weg!“

Er sagt auch nicht: „Der Weg ist das Ziel!“ Wir kennen ja alle diese weise Aussage von Konfuzius. Und sicher, es gibt viele Bedingungen und Situationen, unter denen sie ihre Richtigkeit hat.
Wenn man z.B. mit Freunden spazieren oder wandern gehe, dann kommt es eigentlich in erster Linie nicht darauf an das Ziel zu erreichen, sondern dann ist die gemeinsame Zeit und das gemeinsame Erleben der Natur auf dem Weg und das Zusammensein viel wichtiger als das Ankommen. Eigentlich. Theoretisch. Für mich gehört dann schon immer der Gipfel auch dazu.

Ich bin ja so ein passionierter Flugverweigerer. Nicht aus irgendwelchen Gründen des Umweltschutzes, sondern ich mag´s einfach nicht. Bisher bin ich auch überall ohne Fliegen ganz gut hingekommen. Sogar nach Afrika. (An meiner ersten USA-Reise arbeite ich noch.) Aber innerhalb von Europa ist das ja sowieso kein Problem. Ich liebe es an die südlichsten Zipfel des Kontinents zu fahren. Sei es jetzt nach Gibraltar, auf die Peloponnes oder nach Apulien. Ich liebe es Tausende Kilometer mit dem Auto zu düsen und zu erleben wie sich die Landschaft, das Klima, die Kultur langsam verändert. Wenn der Asphalt kocht, die Luft flirrt, der Gestank nach Benzin usw. Einfach herrlich- Das gehört für mich einfach zum Urlaub dazu. Da ist der Weg für mich wichtig. Da ist der Weg für mich schon Urlaub. Aber das Ziel brauch ich dennoch auch noch dazu! Sonst haut es mit dem Entspannungseffekt des Urlaubs dann doch nicht so lange hin.

Und in unserem Leben ist es ja auch so. Wir brauchen Weg und Ziel. Das Leben besteht aus verschiedenen kleinen und großen Etappen, an denen wir reifen und lernen und wachsen. Schwierigkeiten und Erfolge, die uns formen und verändern, unsere Persönlichkeit gestalten. Ohne solch einen Weg würden wir ja einfach nur altern.

Und wenn wir jetzt zum Bibelvers zurück kommen, wenn Jesus also sagt, dass er der Weg ist, dann heißt es ja für uns, mit ihm und auf ihm und in ihm und durch ihn diesen Weg zu bestreiten. In ihm zu bleiben. Mit allen kleinen und großen Zielen und Herausforderungen des Weges, des Alltags.

Aber dann endet der Weg nicht einfach so mit dem Tod oder als endloser Rundweg, sondern es gibt ein Ziel: den Vater. Ich bin der Weg zum Vater. Und hier kann man die Erlösung darunter verstehen - nur durch Jesus gibt es Erlösung -, aber auch ganz lokal das verortete Ziel unseres Lebens: eine Wohnung beim Vater!

„Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten.“ (Joh. 14,2 Schlachter)

Das Ziel unseres Weges ist die Stätte, die Wohnung beim Vater. Darauf steuern wir hin. Und dahin gibt es nur den einen Weg: Jesus!

Ich möchte noch einen zweiten Aspekt von „Christus allein“ erwähnen.

„Jesus hat nur ein einziges Mal ein Opfer dargebracht, nämlich sich selbst, und dieses Opfer gilt für immer.“ (Hebr. 7,27b NGÜ)

Es war Jesus einmaliges Opfer, das uns für immer gilt. Christus allein - das immer gültige Opfer! Ich brauche nichts dazu tun, ich kann nichts dazu tun, ich darf nichts hinzufügen.

Eigentlich ist dies die Grundlage für eine entspannte und freudige Nachfolge. Er hat alles getan. Nur er - Christus allein! Und ich bin frei von allen Zwängen und Gesetzen und Müssen. Frei um aus der Gnade heraus jesusgemäß in Liebe zu leben.

„Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Mt. 11,7 Luther 2017)

sagt Jesus.

Nur leider hat es der Christenheit von Anfang an gefallen sich selbst und einander Lasten aufzulegen. Das ging los mit dem Judaismus und den Querelen um Beschneidung und Einhalten der Gebote des Alten Bundes über das dunkle Mittelalter und der Lebensverneinung des Pietismus bis hin zu geistlichem Missbrauch und sozialer Kontrolle in den Gemeinden der Gegenwart. Immer wieder hat das Gesetz neue Liebhaber gefunden.

Aber nichts davon brauchen wir. Weil Christus allein das allgültige Opfer gebracht hat.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!…Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« (Gal. 1.13b.15 Luther 2017)

Wir Gemeinden müssen aufpassen, dass wir den freien Zugang zu Jesus nicht durch unnötige Lasten verbarrikadieren oder die Freude an der Nachfolge beschweren. Wenn Christsein in einem freien Land zur Last wird, weil vielleicht die Gemeinde mich so sehr vereinnahmt oder kontrolliert, dass ich nicht mehr frei atmen kann, dann läuft etwas falsch! Hier heißt es wachsam zu sein.

Und noch auf einen dritten und letzten Aspekt des Christus allein, möchte ich kurz eingehen.

Bei der Weihnachtsfeier in der Heilsarmee hat mein Chef bei seiner Ansprache den Satz von Blaise Pascal, einem französischen Mathematiker und christlichen Philosophen. zitiert:  „Willst du Gott zum Lachen bringen, dann erzähl ihm von deinen Plänen.“ Im ersten Moment musste ich erstmal schlucken, aber dann musste ich doch schmunzeln. Denn, kennen wir das nicht alle?

Wir machen großartige Pläne und schmieden Visionen, im Privaten aber vor allem in der Gemeinde und vieles davon zerfällt im Nichts. Und auch von dem, was nicht zerfällt, ist noch lange nicht alles „Gold, Silber, Edelstein“ (1. Kor. 3,12).

Ich glaube heute mehr und mehr, dass viele unserer Gemeindeaufbaustrategien in diese Kategorie fallen. Damit meine ich nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen sollen, aber durchaus etwas entspannter sein können und uns selber nicht so wichtig zu nehmen brauchen und hin und wieder über uns selbst lachen sollten, denn die Gemeinde ist seine Gemeinde. Christus allein! Und Gott ist es, der das Gedeihen schenkt (1. Kor. 3,5).

Zurück zum Anfang: Jesus sagt, nur er ist der Weg zum Vater. Das ist radikal, exklusiv und intolerant. Aber es ist auch ein wunderbares Angebot. Das ist die gute Nachricht.

AMEN.

Dienstag, 27. Januar 2015

Predigt von Norbert Wohlrab zur Jahreslosung 2015 (25.01.2015)

Jahreslosung 2015


Heute wollen wir uns gemeinsam mal ein paar Gedanken zur Jahreslosung 2015 machen.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Röm 15,7, Luther)

Eigentlich eine klare und verständliche Aussage: „Einander annehmen!“ Das ist schnell verstanden, leicht gesagt und doch oft schwer getan. Aber bevor wir anfangen unser Leben im Licht dieses Verses zu bespiegeln, wollen wir erst mal verstehen um was es Paulus hier eigentlich geht.

Der Vers stammt aus dem Brief an die Christen in Rom. Rom war eine Millionenstadt. Ein Schmelztiegel an Kulturen und religiösen Kulten. Menschen von ganz unterschiedlicher Herkunft lebten dort zusammen. Freie und Sklaven. Die gleiche ethnisch-kulturelle Vielfalt fand man auch in der christlichen Gemeinde. Nach dem für einige Jahre die Juden aus Rom vertrieben waren, waren sie mittlerweile wieder ansässig und so bestand die Gemeinde aus Heidenchristen und Judenchristen, die wahrscheinlich die Minderheit bildeten. Paulus kannte die Gemeinde noch nicht persönlich, aber er kannte einige ihrer Mitglieder, die er auf seinen Missionsreisen kennengelernt hat und teilweise sogar selbst nach Rom geschickt hatte.

Paulus legt in diesem Brief das Evangelium der Gnade dar, er spricht über die Befreiung von Sünde und Gesetz, erklärt die Bedeutung Israels im Heilsplan Gottes und geht zum Abschluss auf die Probleme im Miteinander zwischen den jüdischen und heidnischen Gläubigen und die drohende Spaltung ein.

Welches sind die Probleme?

Zunächst erinnert er sie noch einmal an verschiedene Grundprinzipien des christlichen Lebens und Zusammenlebens:

Stellt euer Leben Gott zur Verfügung! Das ist der wahre Gottesdienst! (Röm, 12,1)
Ihr seid ein Leib in Christus! (12,5)
Seid herzlich in der Bruderliebe! (12,10) Seid gleich gesinnt! (12,16)
Seid einander nur schuldig Euch zu lieben, so lebt Ihr nach dem Wesen des Gesetzes! (12,8)
Denkt daran, dass Jesus bald wieder kommt! Lebt entsprechend dem Wesen Jesu! (13,11-14)

Das waren so ein paar der allgemeinen Aussagen. Und dann kommt er auf ihren Konflikt zu sprechen. Letztlich geht es auch hier um den in vielen Gemeinden immer wieder auftretenden Konflikt zwischen Judenchristen und Heidenchristen über den richtigen heiligen Lebensstil in den Fragen des Essens und der Feiertage.

„Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf, doch nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen! Einer glaubt, er dürfe alles essen; der Schwache aber isst Gemüse. (Kraut, Luther 1545) Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst! Denn Gott hat ihn aufgenommen. Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten. Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt! Wer den Tag beachtet, beachtet ihn dem Herrn. Und wer isst, isst dem Herrn, denn er sagt Gott Dank; und wer nicht isst, isst dem Herrn nicht und sagt Gott Dank. Denn keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst. Denn sei es auch, dass wir leben, wir leben dem Herrn; und sei es, dass wir sterben, wir sterben dem Herrn. Und sei es nun, dass wir leben, sei es auch, dass wir sterben, wir sind des Herrn.“ (Röm. 14, 1- 8 Rev. Elb.)

Es ging um doch so scheinbar banale Fragen nach dem, was man essen und trinken darf und welcher Feiertag zu halten sei.  Die jüdisch geprägten Christen hatten da ganz andere Vorstellungen, als die aus dem heidnischen Lager. Für die einen musste das Essen koscher sein gemäß den jüdischen Speisevorschriften und Schweinefleisch ging natürlich gar nicht, die anderen hatten dagegen Probleme mit dem Götzenopferfleisch vom Wochenmarkt. Wiederum andere - die Starken - wussten, dass sie frei waren von jeglichen Gesetz und Götzen, und hatten überhaupt kein schlechtes Gewissen. Die konnten fröhlich sowohl Schweinefleisch, als auch Götzenopferfleisch essen.

Genauso beim Sabbat, die einen glaubten unbedingt den Sabbat halten zu müssen, die anderen gar keinen Feiertag.

Für die Konfliktparteien waren es keine banalen Fragen, für sie ging es um ihre innerste Überzeugung, um ihre theologische Erkenntnis, exklusiv mit ihrer Ansicht und dem diesbezüglichenLebensstil Gott zu ehren. Die anderen dagegen waren falsch gewickelt. Und deshalb hat jeder den anderen abgelehnt und gerichtet, das Gewissen des anderen gerichtet, die Freiheit des anderen gerichtet.

Und Paulus sagt ihnen dann: Leute, hört auf einander zu richten! Verachtet einander nicht! Das ist nicht Eure Aufgabe und dazu habt Ihr ohnehin kein Recht, weil Ihr nicht der Chef, der Herr des anderen seid! Jeder soll in diesen Fragen die Freiheit haben nach seinem Gewissen zu handeln. Schaut vielmehr darauf, dass Ihr einander keinen Anstoss gebt.

„Lasst uns nun nicht mehr einander richten, sondern haltet vielmehr das für recht, dem Bruder keinen Anstoß oder kein Ärgernis zu geben! Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an sich unrein ist; nur dem, der etwas als gemein ansieht, dem ist es unrein. Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr nach der Liebe. “ (Röm. 14, 13 - 15a Rev. Elb.)

Für Gott ist zwar alles rein, aber wenn der jüdische Bruder keine Schweinefleisch essen kann, dann verzichtet man in seiner Gegenwart darauf und wenn der heidnische Bruder, kein Götzenopferfleisch essen kann, dann verzichtet man in seiner Gegenwart darauf, denn

„…das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm. 14,17 Rev. Elb.)

Nach diesem Maßstab sollen sie leben. Und die Starken sollen dabei die Schwachen tragen.

„Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen.“ (Röm. 15,1 Rev. Elb.)
Die Starken waren die, die die christliche Freiheit im vollen Umfang erkannt haben. Die Schwachen diejenigen, deren Gewissen ihnen nicht alle Freiheiten ließ. Und wer stark ist, der ist dann auch in der Lage aus seiner Freiheit heraus freiwillig verzichten.

„Es ist gut, kein Fleisch zu essen noch Wein zu trinken noch etwas zu tun, woran dein Bruder sich stößt…Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung!“ (Röm. 14,21+15,2 Rev. Elb.)

Und am Ende dieser Erklärungen steht dann jetzt endlich der Vers der Jahreslosung als eine Art Fazit:

„Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit!“ (Röm. 15,7 Rev. Elb.)

Und Ihr habt gemerkt, der Vers klingt jetzt in der Elberfelderübersetzung ein bisschen anders. Hier heißt es nämlich aufnehmen. Wie aufnehmen? Wie jetzt? Geht es nicht um gegenseitige Annahme?

Das gr. Verb „proslambánō“ lässt sich zwar mit beidem übersetzen, aber ich bevorzuge das praktische „aufnehmen“ der Elberfelder-Übersetzung, weil damit deutlich wird, worum es eigentlich geht.
Es geht eben nicht nur um tolerieren, den anderen zu ertragen ohne ihn gleich zu erschlagen, sondern es geht um die ganzheitliche Aufnahme in die Gemeinschaft, in die Tischgemeinschaft, in den Kreis der verschiedenen Hausgemeinden und Gruppen, in die Abendmahlsgemeinschaft, in das gemeinschaftliche Essen und Feiern. Annehmen ist nur ein kleiner Teil davon. Aufnehmen ist ein viel intensiverer und intimerer Ausdruck von geschwisterlicher Liebe.

Genauso wie Christus Euch, wie er uns in seine Gemeinschaft aufgenommen hat. Christus akzeptiert uns nicht einfach als Sünder, sondern er nimmt uns auf in seine heilende, gerechtmachende und befreiende Gemeinschaft.

In der English Standard Version heißt dieser Vers so schön:

„welcome one another as Christ has welcomed you, for the glory of God.“

Und Christus hat uns nicht ins Nichts aufgenommen, sondern in „Gottes Herrlichkeit!“

Es geht hier meiner Meinung nach nämlich nicht darum, dass der richtige Umgang mit dem Bruder, das An- und Aufnehmen des Andersartigen zum Lob Gottes dient, obwohl das sicherlich nicht falsch ist, im Gegenteil das ist Ausdruck eines gottgefälligen Lebensstil, aber ich denke nicht das, was Paulus hier ausdrücken will.
Sondern es geht darum, dass Christus uns bereits zur Herrlichkeit Gottes oder zur Ehre Gottes oder zum Glanz Gottes (gr. „doxa“) aufgenommen hat.

Dieser Vers steht im Gegensatz zur Aussage vom Beginn des Briefes, wo Paulus darstellt:

„denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes“, (Röm. 3,23 Rev. Elb.)
Kein Mensch ist zur Herrlichkeit Gottes gelangt hat, aber jetzt durch Christus sind wir aufgenommen zur Herrlichkeit Gottes, d.h. durch das perfekte Opfer Christi treten wir ein in seine Herrlichkeit und sein Glanz kommt auf uns.

Es ist noch nicht so physisch wahrnehmbar, wie bei der Verklärung Jesu (Mt. 17), als sein Angesicht glänzte oder bei Mose in der Stifthütte, als sein Gesicht die Herrlichkeit Gottes widerspiegelte (2. Mo. 34,35), aber trotzdem schon durch unser Leben spürbar, wenn Jesus Christus in uns lebt und sein Wesen in uns Gestalt annimmt.

Nach diesen jetzt eher theologischen Abhandlungen, stellt sich wieder mal die Frage, was hat dieser Vers mit uns im Jahre 2015 zu tun?

Wer sind heute die Schwachen? Wer sind heute die Konfliktparteien im Leib Christi? Was gibt es heute noch für Überzeugungen, für die Christen über Leichen gehen?

Wir leben hier in der CGF ja auf einer Insel der Glückseligen. Wir sind stark im Glauben und genießen viele Freiheiten, Wir haben vieles schon hinter uns. Wir sind so homogen, dass es vielleicht schon kontraproduktiv ist. Aber wenn ich im Internet mal so in verschiedenen Foren schaue, dann erschreck ich immer wieder wie viele unreife, engstirnige, besserwisserische und gesetzliche Christen da unterwegs sind, deren Hauptanliegen es zu sein scheint, andere zu belehren. Viele Kämpfe, die ich schon für ausgestorben hielt, werden da kultiviert.

Charismatiker gegen Evangelikale, Evangelikale gegen Liberale, Lutherische gegen Katholiken, Glaubenstäufer gegen Kindertäufer, militante Vegetarier/Veganer gegen Fleischesser, Konsumverweigerer gegen Konsumierer, TV-Verweigerer gegen TV-Glotzer, Gepiercte gegen Nicht-Gepiercte, Tätowierte gegen Nicht-Tätowierte, Radikalpazifisten gegen Berufssoldaten, Gesangbuchsänger gegen Lobpreisrocker, Weihnachtsverweigerer gegen Weihnachtszelebrierer, Abstinenzler gegen Alkoholtrinker, Gemeindebauer gegen Schäfchenklauer, Folie gegen Beamer…..oder Deutsch-Nationalisten gegen Ausländerfreundliche.

Das „Erschreckende“: Jesus hat alle an seinen Tisch geladen! Unglaublich. Er hat sie nicht nur angenommen, er hat sie aufgenommen in seine Gemeinschaft. Leute, mit denen wir normalerweise nichts zu tun hätten. Wir würden einfach getrennte Wege gehen. Solche Leute sind Teil seiner Gemeinschaft. Haben Teil an der Herrlichkeit Gottes. Solche Leute sollen auch wir aufnehmen, annehmen.

Gemeinde Jesu ist bunt. Sie ist vielfältig. Und war es schon immer: Arme und Reiche, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Juden und Araber, Europäer und Afrikaner, Deutsche und Türken, Frauen und Männer, Popfans und Chorsänger, nüchterne und emotionale, zurückhaltende und extrovertierte, spontane und besonnene Menschen…..

Gemeinde Jesu fordert uns heraus. Diese Vielfalt fordert uns heraus. Wie sonst sollten wir lieben lernen, Demut einüben, sich selbst verleugnen? In einer Interessengruppe, wo jeder auf der gleichen Welle liegt, braucht man sich nicht bemühen.

Die Jahreslosung soll für uns ein Ansporn, eine Erinnerung sein, die unangenehmen Geschwister in unsere Gemeinschaft, an unseren Tisch, an meinen Tisch zu holen. Sie willkommen zu heißen, so wie Jesus uns willkommen geheißen hat.

„Vater mach uns eins, dass die Welt erkennt, er hat den Sohn gesandt!“ (Liedtext)
AMEN.

Sonntag, 23. November 2014

Predigt von Norbert Wohlrab (23.11.14)

Die Bindung Isaaks
 
Die Bindung Isaaks.mp3

1. Die Person Isaaks

Vor kurzem habe ich den Rundbrief von „Juden für Jesus“ erhalten und darin war u.a. nur in einem Nebensatz von der Akidat Yizhak (dem Binden Isaaks, der Bindung Isaaks) die Rede. Irgendetwas hat mich an diesem Bild angesprochen und so dachte ich, es wäre interessant dies etwas tiefer zu erkunden.

Doch zunächst erstmal zur Person Isaaks.

Aber erst mal ein Witz: Ein schöner Sommermorgen. Isaak spaziert im Stadtpark, ein Hündchen läuft hinter ihm her. Da kommt ein Polizist und sagt streng: „Nehmen Sie den Hund an die Leine! Sonst zahlen Sie Strafe!“ Isaak geht wortlos weiter. Der Polizist wird böse: "Wenn Sie nicht sofort den Hund an den´ Riemen nehmen, zahlen Sie eine Geldbuße!“ Isaak geht weiter. Da zieht der Polizist sein Notizbuch hervor, schreibt etwas hinein und reicht das Blatt Isaak mit dem Befehl: „Zehn Euro!“ Isaak bleibt stehen: "Warum soll ich zahlen? Das ist doch nicht mein Hund!“ "So? Und warum läuft er Ihnen nach?“ "Nun - Sie laufen mir doch auch nach und sind nicht mein Hund..."

Isaak erhält seinen Namen direkt von Gott (1. Mose 17,19). Evt. ist es die Kurzform von „Gott lächelt dem Kind zu“, „Gott hat gelacht“, „Gott hat gescherzt“, „Gott hat jmd. zum Lachen gebracht“. Er bedeutet soviel wie Gelächter, Lacher, man lacht o.ä.
Die Namenswahl geht wohl darauf zurück, dass sowohl Abraham als auch Sarah mehrfach bei der Ankündigung durch Gott, dass sie im hohen Alter noch ein Kind bekommen werden, gelacht habn, man kann fast sagen, Gott ausgelacht haben.

Von seinem Leben wird uns nur wenig berichtet:
- als Kind wurde er von seinem Halbbruder Ismael gehänselt und schikaniert (1. Mose 21,8) (etwa nach dem Motto „Du bist echt so ein Lacher!“)
- er ließ sich von seiner Mutter beschützen, er hatte wohl überhaupt eine intensive Mutterbeziehung (Spätgebärende)
- machte eine traumatische Erfahrung mit seinem Vater (dazu später)
- er war mit 40 noch nicht verheiratet, benötigte Hilfe bei der Suche nach einer Ehefrau
- er hatte die erste Liebesheirat der Bibel mit Rebekka, er lebte monogam, sie tröstete ihn über Verlust der Mutter
- es sind nur wenige Taten von ihm berichtet: er grub z.B. die von den Philistern verschütteten Brunnen seines Vaters Abraham wieder aus, er flehte erfolgreich zu Gott bzgl. der Unfruchtbarkeit von Rebekka
- er war wohlhabend und gesegnet
- er ließ sich im hohen Alter von seiner Frau und seinem Sohn Jakob täuschen, aber so konnte die Verheißung Gottes umgesetzt werden, dass der Ältere (Esau) dem Jüngeren (Jakob) dienen soll (1. Mose 25,23)

Isaak ist für mich persönlich eine eher sympathische Figur des AT. Einfach deshalb, weil er kein geistlicher Überflieger war. Er war nicht von dem Kaliber wie Abraham, Mose oder David. Er war eher Normal. Es gibt nicht viel zu berichten von ihm, damit ist er uns irgendwie ähnlich. Bei ihm gilt vielleicht auch, dass Gott gerne das Schwache erwählt (1. Kor. 1,27).

Aber: Isaak war der „Sohn der Verheißung“. Er ist der Erste in der langen Verheißungslinie der großen Nachkommenschaft Abrahams.

Und dann gab es dann noch dieses eine besondere, dramatische und traumatische Ereignis im Leben Isaaks. Die Fast-Opferung auf dem Altar durch seinen Vater Abraham.


2. Das Beinahe-Opfer Isaaks

„Und es geschah nach diesen Dingen, da prüfte Gott den Abraham. Und er sprach zu ihm: Abraham! Und er sagte: Hier bin ich! Und er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werde! Da machte sich Abraham früh am Morgen auf, sattelte seinen Esel und nahm seine beiden Knechte mit sich und seinen Sohn Isaak. Er spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf und ging an den Ort, den Gott ihm genannt hatte. Am dritten Tag erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von fern. Da sagte Abraham zu seinen Knechten: Bleibt ihr mit dem Esel hier! Ich aber und der Junge wollen dorthin gehen und anbeten und zu euch zurückkehren. Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak, und in seine Hand nahm er das Feuer und das Messer. Und sie gingen beide miteinander. Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham und sagte: Mein Vater! Und er sprach: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sagte: Siehe, das Feuer und das Holz! Wo aber ist das Schaf zum Brandopfer? Da sagte Abraham: Gott wird sich das Schaf zum Brandopfer ersehen, mein Sohn. Und sie gingen beide miteinander. Und sie kamen an den Ort, den Gott ihm genannt hatte. Und Abraham baute dort den Altar und schichtete das Holz auf. Dann band er seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar oben auf das Holz. Und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sagte: Hier bin ich! Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Jungen, und tu ihm nichts! Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest, da du deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast. Und Abraham erhob seine Augen und sah; und siehe, da war ein Widder hinten im Gestrüpp an seinen Hörnern festgehalten. Da ging Abraham hin, nahm den Widder und opferte ihn anstelle seines Sohnes als Brandopfer. Und Abraham gab diesem Ort den Namen "Der HERR wird ersehen (Jahwe Jireh)“, von dem man heute noch sagt: Auf dem Berg des HERRN wird ersehen. Und der Engel des HERRN rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der HERR, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, darum werde ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen. Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast. Dann kehrte Abraham zu seinen Knechten zurück, und sie machten sich auf und zogen miteinander nach Beerscheba; und Abraham ließ sich in Beerscheba nieder.“ (1. Mose 22, 1-19 Rev. Elb.)

Das ist jetzt die sog. Bindung Isaaks, wohl eine der schwierigsten Stellen des AT.

Wie kann Gott sowas nur verlangen? Eigentlich unglaublich und unvorstellbar .

Hättest Du diese Prüfung bestanden? Ich hätte meine Familie gepackt und wäre wie Jona ans äußerte Ende der Welt geflohen. Ab mit Walexpress. Niemals hätte ich mein Kind geopfert. Ich wäre glatt durchgefallen. Aber Abraham war da ganz anders.

Aber schauen wir mal nicht auf Abraham, diesen großen Glaubenshelden, schauen wir mal auf Isaak. Was macht der eigentlich?

Isaak macht nichts, er ist sowas von passiv, er ergibt sich in seine Opferrolle. Okay, wir wissen nicht wie alt er war, war er ein Kind, ein Jugendlicher oder gar schon älter (in manchen jüd. Überlieferungen wird sein Alter gar mit über 30 angegeben). Aber egal wie alt er tatsächlich war, es kommt überhaupt kein Widerstand. Er lässt alles mit sich geschehen. Er reißt sich nicht vom Vater los, er schlägt nicht um sich (müsste mit Sicherheit stärker gewesen sein als ein über 100jähriger), er schreit nicht. Nichts.
Es steht auch nichts dort, dass er irgendwie betäubt wurde. Völlig fatalistisch ergibt er sich in sein Schicksal. Vielleicht hat er resigniert, vielleicht hat sich gedacht, jetzt ist sowieso alles wurscht, vielleicht war er so schockiert, dass er wie betäubt war, völlig katatonisch ….vielleicht war er aber auch voller Glauben oder voll Heiligen Geistes, dass er auf einen positiven Ausgang gehofft hat. Wir wissen es nicht. Es scheint auf jeden Fall kein gutes Vater-Sohn-Ding gewesen zu sein, es hat vielleicht seine Beziehung zu seiner Mutter nur verstärkt. Wir lesen später nur von seiner Liebe zur Mutter in der Bibel. Aber wir wollen hier nicht psychologisieren und nichts hinein interpretieren.

Was mir aufgefallen ist: wenn man sich so vorstellt, wie Isaak gebunden auf dem Opferaltar liegt, dann kann er überhaupt nichts mehr tun. Als „Opfertier“ verschnürt, hat er keine Chance mehr, kann er gar nichts tun, er hat überhaupt keine Möglichkeit mehr sich selbst zu befreien, sich selbst aus der Misere zu erlösen. Ab dem Zeitpunkt wo er zur Opferung bereitet ist, geht nichts mehr. Ab diesem Zeitpunkt ist er abhängig von der Gnade anderer, von der Gnade des Vaters und der Gnade Gottes.

Wir deuten ja dieses alt. Geschehen als ein Bild für das später tatsächlich vollzogene Opfer Jesu am Kreuz (z.B. trägt Isaak sein Holz für die Opferung genauso wie Jesus das Holz, an dem er gekreuzigt wurde). Ich möchte es ein bisschen anders deuten, einen geringfügig anderen Akzent setzen: ich sehe Isaak hier als ein Bild für uns, für den erlösungsbedürftigen Menschen.

Genauso wenig wie der gefesselte Isaak, haben wir irgendeine Möglichkeit irgendetwas zu unserer Rettung beizutragen. Gebunden am Opferaltar gibt es keine Möglichkeit irgendwelche gottgefälligen Werke zu vollbringen. Lesen wir dazu einmal ein Gleichnis Jesu:

„Jesus wandte sich nun an einige, die in ´falschem` Selbstvertrauen meinten, ´in Gottes Augen` gerecht zu sein, und die deshalb für die anderen nur Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgendes Beispiel: »Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zolleinnehmer. Der Pharisäer stellte sich selbstbewusst hin und betete: ›Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die übrigen Menschen – ich bin kein Räuber, kein Betrüger und kein Ehebrecher, und ich bin auch nicht wie jener Zolleinnehmer dort. Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe den Zehnten von allen meinen Einkünften.‹ Der Zolleinnehmer dagegen blieb in weitem Abstand stehen und wagte nicht einmal, aufzublicken. Er schlug sich an die Brust und sagte: ›Gott, vergib mir sündigem Menschen meine Schuld!‹ Ich sage euch: Der Zolleinnehmer war ´in Gottes Augen` gerechtfertigt, als er nach Hause ging, der Pharisäer jedoch nicht. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.«“ (Lk. 18, 9-14 NGÜ)

Genauso wie bei diesem Zöllner. Er wusste, er ist schuldig, gebunden in seiner Sünde, er kann nichts tun um Gottes Rechtfertigung zu erwirken. Er kann nur auf Gott vertrauen.

Isaak hätte auch keine Möglichkeit gehabt sich seine Freiheit zu erkaufen. Was hätte er denn seinen Vater Abraham anbieten können? Alles was er hatte, hat er ja sowieso nur von ihm gehabt. Genauso wenig wie ein Reicher sich den Zugang zum Himmel hätte erkaufen können, so wie es Jesus in einem anderen Gleichnis darstellt. (Mk. 10, 17-27)

Die einzige Wahl ist sich zu demütigen und das eigene Unvermögen, die eigene Schuld, die Unfähigkeit zur Selbsterlösung annehmen wie ein kleines Kind.

„(Jesus)… sagte: »Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen. Darum: Wer sich selbst erniedrigt und wie dieses Kind wird, der ist der Größte im Himmelreich.“ (Mt. 18, 3.4 NGÜ)

Ein kleines Kind kann nichts Großes für Gott vollbringen. Es ist schwach, verletzlich, hilfebedürftig, abhängig. Schwach, verletzlich, hilfebedürftig und abhängig beschreibt die Situation Isaaks. Er weiß, er kann nichts mehr tun.

Vielleicht war er voll kindlichen Vertrauen. Nur eine Frage von ihm ist berichtet auf dem gemeinsamen Weg nach Morija: Vater, Feuer und Holz ist da, aber wo ist das Opfertier?
Und Abraham antwortet: „Mein Sohn, Gott wird für ein Lamm zum Brandopfer sorgen!“  (1. Mose 22,8 Schlachter 2000)

Und Gott hat für ein Lamm als Brandopfer gesorgt. Statt Isaaks wurde ein Widder geopfert und für uns wurde Christus, das Lamm Gottes geopfert.

Der Widder verfängt sich mit seinem Horn. Nach jüdischer Überlieferung wurde die Welt durch den Ruf Gottes durch das Schofar, das Widderhorn erschaffen. Der Lebensatem Gottes strömt durch das Horn und erzeugt dabei einen bestimmten Klang („Kol“). Und nur durch diesen Klang kann etwas erschaffen werden. Das ist jetzt rabbinische Mystik, aber man kann es durchaus auf Jesus deuten: das Horn war hier bei Isaak die Voraussetzung für die Erlösung, so konnte das Opfertier gefangen werden. Und Jesus Christus ist das von Gott ausgegangene Wort, das Fleisch wurde zu unserer Erlösung.

Es wird auch angenommen, dass dieser Berg im Land Morija der Ort ist, auf dem später der Tempel in Jerusalem erbaut wurde (2. Chr. 3,1).


3. Nachfahren Isaaks - Kinder der Verheißung

„Ihr aber, Brüder, seid wie Isaak, Kinder der Verheißung.“ (Gal. 4, 28 Rev. Elb.)
Wir sind Kinder der Verheißung wie Isaak. So schreibt es Paulus. Es gibt also auch einen neutestamentlichen Bezug zu Isaak. Interessant ist, wir finden diese Stelle im Galaterbrief. Dort also wo Paulus sich auf´s Schärfste gegen jegliche Verbindung mit dem Gesetz zur Wehr setzt.

Er stellt dort dar, dass wir Kinder der Freien (Sarah) sind, durch die Verheißung geboren und nicht Kinder von der Magd (Hagar) sind, die durch das Fleisch geboren wurden. Die Magd ist die Leibeigene, das ist ein Bild für das Gesetz, für den Bund des Fleisches, der in die Abhängigkeit führte.

Isaak war frei, nachdem der Widder für ihn geopfert wurde und seinen Platz am Altar eingenommen hat. Isaak wurde als Kind der Verheißung geboren, aber nur durch das Opfer konnte er (weiter) darin leben. Das Leben eines Freien und Gesegneten.

Sein Platz wurde vom Widder eingenommen.

Ähnlich war es bei Barrabas und Jesus. Barrabas hätte gekreuzigt werden sollen, er hätte den Tod verdient. Aber die Menge wählte Jesus. So wurde Jesus für ihn gekreuzigt. Er hat seinen Platz eingenommen. Er hat den Platz für ihn besetzt. So wie in der U-Bahn oder auf der Toilette der Platz manchmal besetzt ist. Und so hat Jesus Christus unseren Platz eingenommen und ihn dauerhaft für uns besetzt.

Und so leben wir als Kinder der Freien, freigesprochen und gerechtfertigt durch das stell-vertretende Opfer Christi. Wir können nichts leisten und es gibt auch nichts mehr zu leisten, denn Jesus hat alles geleistet. Das ist - könnte man sagen - das Evangelium nach Isaak.

Nur müssen wir aufpassen, dass wir auch tatsächlich als Kinder der Freien leben. Juan Carlos Ortiz (ein argentinischer Pastor) hat einmal gesagt: „Das Gesetz ist ein Witwer, der eine Freundin sucht, und sie ohne Probleme in der Gemeinde findet.“ (1961)

Und so hielt in die Gemeinden vom Beginn der Kirchengeschichte bis heute immer wieder der morbide Gestank des todbringenden Gesetzes Einzug. Der Fluch des Gesetzes. Der „Dienst des Todes mit Buchstaben in Steine eingegraben“ (2. Kor. 3, 7), sagt Paulus. Damit meinte er die zehn Gebote.

Immer wieder, 2000 Jahre Kirchengeschichte hindurch, lebten die Gemeinden eine Mischform aus Neuem und Alten Bund, angefangen beim Judaismus zur Zeit der Apostel bis zur Gegenwart. Die Freiheit durch Glauben vermengt mit einer mehr oder weniger großen Prise Gesetz. Manchmal ist es sogar eher umgekehrt: Gesetz gewürzt mit einer Prise Gnade. Gerechtfertigt aus Glauben, durch das Opfer Jesu? Ja, aber für den Alltag bitte das Leben nach dem Gesetz (bspw. Zehnten, Sonntag nicht arbeiten, nicht ins Kino, in den Gottesdienst..…, Kleiderordnungen, kein Alkohol usw.).

Und Paulus sagt: Nein, Stopp! Ihr seid Kinder Isaaks! Kinder der Freien! Kehrt nicht zurück zur Sklaverei des Gesetzes! Das Gesetz erfüllte seinen Zweck bis der verheißene Nachkomme kam, bis Jesus kam (Gal. 3,19). Von da an gilt:

„In Wirklichkeit jedoch ´habe ich mit dem Gesetz nichts mehr zu tun;` ich bin durch das Urteil des Gesetzes dem Gesetz gegenüber gestorben, um ´von jetzt an` für Gott zu leben; ich bin mit Christus gekreuzigt.“ (Gal. 2,19 NGÜ)

Der Platz am Kreuz wurde durch Jesus nicht nur besetzt, sondern ich wurde mit hineingenommen. Ich war in Christus immanent. Und so bin ich allen Forderungen abgestorben.

Wir müssen uns das folgendermaßen vorstellen: Heutzutage spielt Ernährungsberatung, gesunde Ernährung, Fitness, Gesundheitsvorsorge eine große Rolle. Und es ist ja auch wichtig auf seinen Körper und seine Gesundheit zu achten. Setzen wir diese Gesundheitsvorsorge mal mit dem Gesetz gleich. Aber wenn Du jetzt als Gesundheitscoach im Einsatz bist und findest einen frisch Verstorbenen und dann anfängst seinen BMI zu bestimmen und ihm Vorträge über gesunde Ernährung zu halten, dann macht das überhaupt keinen Sinn. Er ist völlig unerreichbar für jeglichen Diät- oder Fitnessplan; er ist absolut unansprechbar in Bezug auf jedes der 613 Gebote des Alten Bundes. So abgestorben sind wir den Forderungen des Gesetzes (Röm. 7, 4.6).

Und nun dürfen wir als Kinder der Verheißung, als Söhne und Töchter der Freien, unsere Freiheit dazu verwenden um unsere Mitmenschen zu lieben (1. Tim. 1,5.9; Röm. 13, 9.10):

„Denn das ganze Gesetz ist in einem einzigen Wort zusammengefasst, in dem Gebot: „Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst.““ (Gal. 5,14 NGÜ)
Darum geht es in unserem Leben als Christ, als Sohn und Tochter der Verheißung, als Erbe der Verheißung.

Umso länger ich Christ bin, umso mehr konzentriert sich alles auf so einfache Aussagen: liebe! …und glaube an Jesus Christus, das ist der einfache Wille Gottes, so schreibt es Johannes. (1. Joh. 3,23).


4. Schluss - Die Isaak-Gemeinden

Ich habe vor ein paar Jahren mal eine Predigt von Mathias Hühnerbein gehört über die Isaak-Generation. Da ging es noch um einen ganz anderen Aspekt im Leben Isaaks. Er war mittendrin zwischen den großen Männern des Glaubens, zwischen Abraham und Jakob und Josef und er selber spielte keine große Rolle, wie anfangs erwähnt.

Uns geht es in unseren Gemeinden vielleicht ähnlich. Wir blicken zurück auf die großen Männer des Glaubens, die viel aufgebaut haben in der JG St. Paul und in der CGF, auf die ruhmreichen Zeiten und fetten Jahre, sehen dann den Mangel der Gegenwart und sehen - wenn wir uns vergegenwärtigen, dass unsere Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihr Zuhause größtenteils südlich von uns gefunden haben (ihr habt sie mittels eurem DISCO-Konzept mit der FCGF outgesourct, wir haben sie als Kuckuckskinder verteilt) - dass es eigentlich keine Zukunft gibt, nach menschlichem Ermessen. Wenn alles normal weiter läuft, wird es irgendwann keine JG St. Paul und keine CGF mehr geben. Und die Jüngeren werden ihren Glauben fulminant in anderen Gemeinden leben.

Haben wir unseren Zweck verfehlt? Nein, Isaak hatte seine Bedeutung. Ohne Isaak, kein Jakob, Josef…..Jesus. Er hat seinen Glauben eingesetzt, dass es überhaupt Jakob und Esau geben konnte. Und er hat die Brunnen Abrahams ausgegraben, aus denen frisches Wasser geschöpft werden konnte.

Auch wir haben geistliche Quellen entdeckt und davon weiter gegeben, untereinander, an unsere Kinder, an Außenstehende und Suchende und geben noch davon weiter.
Irgendwann ist vielleicht unsere Zeit als Organisation, als Gemeinde oder Gemeinschaft abgelaufen, aber wir haben zwischenzeitlich viel weiter gegeben, viel gesät und geerntet. Und dieser Dienst, diese Aufgabe, hört erst auf mit unserem letzten Atemzug. Bis dahin dürfen wir Wasser schöpfen und weiter geben. Kombiniert mit unserer Lebenserfahrung und geistlicher Weisheit haben wir unermesslich (unerträglich) viel davon weiter zu geben. Gerade auch an jüngere Menschen und junge Christen. (Die es am meisten nötig haben, wollen es leider oft nicht hören. Aber das war auch schon zu unserer Zeit so.) Keinesfalls aber ist unsere Zeit abgelaufen. Unser Verfallsdatum liegt noch in der Zukunft.

Dazu helfe Gott uns allen, dass wir weiterhin von unseren Quellen weitergeben und Oasen sind.

AMEN.

Sonntag, 26. Mai 2013

Predigt von Norbert Wohlrab (26.05.2013)

Die Freiheit des Evangeliums, Teil 2: Der Neue Bund
Link zur mp3-Version von "Der Neue Bund"

1. Einleitung: Die heilsgeschichtlche Einordnung der vier Evangelien

Im ersten Teil der Predigtreihe habe ich versucht darzustellen, dass wir immer im Zustand der Vergebung leben. Vergebung ist nichts, was wir neu bekommen, wenn wir sündigen; es ist nichts, was Gott neu vollbringen muss, weil Jesus einmal für immer ans Kreuz gegangen ist und dies nicht wiederholt werden kann und auch nicht wiederholt werden muss. Unsere Vergebung basiert einzig und allein auf dem Blut Jesu.

Heute möchte ich mir mit Euch das Wesen des neuen Bundes in dem wir leben etwas näher anschauen.

Zunächst einmal eine frei erfundene Geschichte: Wir wissen Fritz hat eine kleine Landwirtschaft. Und auf dieser Landwirtschaft hat er auch Traktoren. Und sein ganz besonderer Stolz ist ein Oldtimer: ein Porsche Super 308, Baujahr 1957 mit 38 PS, limitiert auf 500 Stück. Und diesen Traktor pflegt er ganz besonders. Der wird nicht mehr auf dem Feld eingesetzt, sondern der wird poliert und wenn es im Sommer schönes Wetter hat, dann wird er rausgeholt und dann schnappt er sich seine Christine und dann drehen sie gemeinsam ein paar Runden im Dorf und über die Hügel und Felder und dann wird er wieder sauber gemacht und kommt wieder in die Garage. Und der Johannes, der teilt die Liebe zu den Traktoren. Und weil Fritz nur einen Oldtimer hat, möchte er, dass Johannes, den einmal später bekommt. Deshalb legt er in seinem Testament fest, dass der Porsche Super 308 später mal an den Johannes geht. Soweit so gut. Jetzt ist wieder mal schönes Wetter und Fritz möchte ein paar Runden drehen und stellt dann fest, dass der Traktor nicht mehr da ist. Und nach kurzem Nachforschen stellt sich dann heraus, dass sich der Johannes den Traktor einverleibt hat und in seine eigene Garage gestellt hat um damit Runden durchs Dorf mit seiner Schwester Anna drehen zu können. Ist das in Ordnung? Nein, weil der Traktor erst dann in den Besitz von Johannes geht, wenn Fritz gestorben ist und das Testament vollzogen ist. So ist es in unserer Gesetzgebung geregelt.

Und so finden wir es auch in der Bibel geregelt. Dort steht nämlich:

„Denn wo ein Testament ist, da muss notwendig der Tod dessen eintreten, der das Testament gemacht hat. Denn ein Testament ist gültig, wenn der Tod eingetreten ist, weil es niemals Kraft hat, solange der lebt, der das Testament gemacht hat.“ (Hebr. 9, 16.17 Rev. Elb.)

Nun ist es ja so, wenn wir uns unsere Bibel hernehmen, dann finden wir hier das Alte Testament (besser der Alte Bund, eigentlich die Tora, also die jüdische Heilige Schrift) und das Neue Testament (der Neue Bund).

Wir wissen, wir sind erlöst durch das Opfer auf Golgatha. Dort wurde der Neue Bund besiegelt. Wenn ich jetzt mal anfange im NT zu blättern, muss ich fragen: Bin ich erlöst durch die Geburt Jesu? Nein. Bin ich erlöst durch die Bergpredigt? Nein. Bin ich erlöst durch das Hohepriesterliche Gebet? Und wieder nein. Ich bin erlöst durch das Geschehen auf Golgatha. Dort beginnt der Neue Bund. Eigentlich müsste ich dieses Zwischenblatt, dass den Beginn des Neuen Testamentes kennzeichnet, heraus reißen und hier irgendwo kurz nach dem Geschehen der Kreuzigung einfügen. (Ich mach das jetzt hier mal symbolisch um für ein bisschen Adrenalin-Zufuhr bei Euch zu sorgen.)

Die vier Evangelien nehmen heilsgeschichtlich nämlich eine Zwischenstellung zwischen dem Alten und dem Neuen Bund ein. Sie bilden die Hinführung zum Neuen Bund, der durch das Blut Jesu besiegelt wurde, aber sie sind noch innerhalb der Gültigkeit des Alten Bundes platziert. Das ist nun eigentlich keine neue Lehre und keine neue Erkenntnis, es ist nur nicht unbedingt in unserem Bewusstsein beim Bibellesen.

Im Galaterbrief lesen wir:

„als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz, damit er die loskaufte, die unter dem Gesetz waren, damit wir die Sohnschaft empfingen.“ (Gal. 4, 4.5 Rev. Elb.)

D.h. Jesus Christus kam und lebte und wirkte unter den Vorgaben des Gesetzes Mose um die zu befreien, die unter dem Gesetz lebten, also das Volk Israel. Er befolgte vollständig das Gesetz - und sogar mehr als das - um vollkommen ohne Sünde, ohne jegliche Verfehlung ans Kreuz gehen zu können. Und d.h., dass auch seine Reden mit dem Gesetz übereinstimmen musste. Und er kam zunächst zu den Kindern Israels.

Jesus sagt, bevor er die Tochter der kanaanäischen Frau heilt:

„Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ (Mt. 15,24 Rev. Elb.)

Den Missionsauftrag gibt er erst nach seiner Auferstehung.

Warum sage ich das? Es ist wichtig, dass wir beim Lesen der Evangelien die richtige Brille aufsetzen. Dort spricht Jesus überwiegend a) zu Juden und b) zu Menschen unter dem Gesetz. Wenn wir das vernachlässigen, missachten wir unter Umständen das Wesen des Neuen Bundes. Ich komme später noch einmal zu einigen beispielhaften Aussagen Jesu zurück.


2. Das Wesen und das Ende des Alten Bundes

Wir leben heute unter der Gültigkeit des Neuen Bundes: Freiheit, Vergebung, Gnade, Rechtfertigung aus Glauben, Liebe, der Zugang zum Allerheiligsten, zur Vaterschaft Gottes und noch manches mehr basierend auf dem Opfer Jesus sind wesentliche Wesenszüge des Neuen Bundes.

Was wir aber vielfach in den Gemeinden tatsächlich haben und was über Jahrhunderte die Kirchengeschichte geprägt hat, ist eine Mischform aus Neuem und Alten Bund. Die Freiheit durch Glauben vermengt mit einer mehr oder weniger großen Prise Gesetz. Manchmal ist es sogar eher umgekehrt: Gesetz gewürzt mit einer Prise Gnade. Dieselben Probleme, mit denen schon die Apostel zu kämpfen hatten: die Bewegung des Judaismus versuchte die christlichen Gemeinden zu beeinflussen. Gerechtfertigt aus Glauben? Ja, aber für den Alltag das Leben nach dem Gesetz.

Juan Carlos Ortiz (argentinischer Pastor) hat einmal gesagt: „Das Gesetz ist ein Witwer, der eine Freundin sucht, und sie ohne Probleme in der Gemeinde findet.“ (1961)

Aber der Neue Bund ist nicht einfach eine Verbesserung des Alten Bundes, er ist kein Update, sondern er ist grundlegend anders.

Und es beginnt damit, dass Jesus in seiner Funktion als Hoherpriester überhaupt nicht in die Vorgaben des Alten Bundes passt.

„Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt. Denn der, von dem dies gesagt wird, gehört zu einem anderen Stamm, aus dem niemand die Wartung des Altars hatte. Denn es ist offenbar, dass unser Herr aus Juda entsprossen ist, von welchem Stamm Mose nichts in Bezug auf Priester geredet hat.“ (Hebr. 7, 12-14 Rev. Elb.)

Gott wollte alles auf den Kopf stellen. Er wollte etwas völlig Neues machen. Einen radikal anderen Weg der Erlösung. So radikal anders, dass selbst all die Glaubenshelden, von denen wir bspw. in Hebr. 11 lesen, die doch so große Vorbilder für uns sind, ihn nicht erlangen konnten.

„Und diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erhielten, haben die Verheißung nicht erlangt.“ (Hebr. 11, 39 Rev. Elb.)

Der alte Bund war fehlerhaft und deshalb musste ein neuer Weg gesucht werden.

„Denn wenn jener erste Bund tadellos wäre, so wäre kein Raum für einen zweiten gesucht worden.“ (Hebr. 8,7 Rev. Elb.) 


Mit Gültigkeit des Neuen Bundes wurde der Alte Bund ungültig.

„Indem er von einem "neuen" Bund spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt; was aber veraltet und sich überlebt, ist dem Verschwinden nahe.“ (Hebr. 8, 13 Rev. Elb.)

Was war der Kern des Alten Bundes? Das Gesetz! Und das Gesetz sagt: Tue dies und du wirst leben (Gal. 3,12).

Aber nicht nur ein bisschen hiervon und ein bisschen davon, sondern alles. Alle 613 Gebote mussten eingehalten werden.

„Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: "Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!"“ (Gal. 3,10 Rev. Elb.) 


und

„Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.“ (Jak. 2,10 Rev. Elb.)

Das Gesetz erlaubt keine Auswahl: nicht ein bisschen hiervon und ein bisschen davon. Das Gesetz sagt: Alles oder nichts! Für die Juden galt: alles; für uns Christen gilt: nichts.

„In Wirklichkeit jedoch ´habe ich mit dem Gesetz nichts mehr zu tun;` ich bin durch das Urteil des Gesetzes dem Gesetz gegenüber gestorben, um ´von jetzt an` für Gott zu leben; ich bin mit Christus gekreuzigt.“ (Gal. 2,19 NGÜ)

Ich bin dem Gesetz gegenüber gestorben! Wir müssen uns das folgendermaßen vorstellen: Heutzutage spielt Ernährungsberatung, gesunde Ernährung, Fitness, Gesundheitsvorsorge eine große Rolle. Und es ist ja auch wichtig auf seinen Körper und seine Gesundheit zu achten. Setzen wir diese Gesundheitsvorsorge mal mit dem Gesetz gleich. Aber wenn Du jetzt als Gesundheitscoach im Einsatz bist und findest einen frisch Verstorbenen und dann anfängst seinen BMI zu bestimmen und Vorträge über gesunde Ernährung zu halten, dann macht das überhaupt keinen Sinn. Er ist völlig unerreichbar für jeglichen Diätplan, er ist absolut unansprechbar in Bezug auf jedes der 613 Gebote des Alten Bundes. Genauso sind wir dem Gesetz gegenüber gestorben.

Daher macht es überhaupt keinen Sinn sich irgendwelche der alttestamentlichen Gebote aufzuerlegen. Ihr seid dem Gesetz getötet worden (Röm. 7,4)!

Und wie steht es mit den Zehn Geboten? Die müssten doch gelten. Es ist interessant sich einmal zu vergegenwärtigen, wie Paulus sie beschreibt.

„unsere Tüchtigkeit ist von Gott, der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Wenn aber schon der Dienst des Todes, mit Buchstaben in Steine eingegraben, in Herrlichkeit geschah, so dass die Söhne Israels nicht fest in das Angesicht Moses schauen konnten wegen der Herrlichkeit seines Angesichts, die doch verging, wie wird nicht vielmehr der Dienst des Geistes in Herrlichkeit bestehen?“ (2. Kor. 3, 5b-8 Rev. Elb.)

Ich wette, es ist Euch nicht aufgefallen, was Paulus hier sagt: „der Dienst des Todes, mit Buchstaben in Steine eingegraben“! Mit Buchstaben in Steine eingegraben. In Stein eingegraben durch den Finger Gottes sozusagen, gab es nur die Zehn Gebote. Paulus beschreibt sie als Dienst des Todes. Das ist seine Einstellung dazu.

Tod. Verwesung. Sünde. Die Gebote bewirkten Tod.

„Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte jede Begierde in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.“ (Röm. 7,8 Rev. Elb.)

Die Gebote bewirkten Begierde, die Begierde bewirkte Sünde, die Sünde bewirkt Tod!

Für Christen gilt jedoch, „dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist“ (1. Tim. 1,9 Rev. Elb.)

Das bedeutet, unsere Beziehung zum Gesetz und zu den Zehn Geboten ist welche?
Gar keine!

Der Neue Bund sagt: Jesus hat alles getan; der Alte Bund sagt: Du musst etwas tun! Das ist Religion. Wir gehören nicht mehr dem Gesetz. Wir sind ihm gestorben! Wir gehören nicht mehr der Religion. Wir sind ihr gestorben! Im Reich Gottes ist dafür kein Platz mehr.

Als Marie Antoinette zu ihrem künftigen Ehemann gebracht wurde, wurde auf der Grenze zwischen Österreich und Frankreich ein Pavillon aufgestellt. Dort musste sie sich aller Habseligkeiten entledigen und wurde völlig neu eingekleidet. Sie durfte keinen Schuh, keinen Strumpf, kein Hemd, kein Band, nichts was sie trägt über die Grenze tragen.

So soll auch unsere Beziehung zum Alten Bund sein. Keine Religion, kein Gesetz, kein Gebot hat mehr Platz im Leben des Neuen Bundes.

„So seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, damit wir Gott Frucht bringen....Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, so dass wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens.“ (Röm. 7, 4.6 Rev. Elb.)

Denn im neuen Bund gehören wir Christus und dienen nicht mehr nach dem Buchstaben, sondern im Geist.

Andrew Farley schreibt in seinem Buch „Gott ohne Religion“ auf S. 41/42: „Keine Lust auf die mehr als 600 Gesetze des Alten Testaments? Dann lass dich vielleicht auf die Elf Gebote ein - die allseits bekannten Zehn Gebote plus dem Zehnten? Du willst dich nicht auf die vorgeschriebenen zehn Prozent festlegen? Gut, dann lass es bei den Zehn Geboten. Was, du kannst nicht darauf verzichten, am Freitagabend E-Mails zu schreiben und am Samstag im Garten zu arbeiten? Okay, dann bleiben uns eben nur noch die Neun Gebote. Während wir so lange am Gesetz herumschnippeln, bis es uns in den Kram passt und nett und bekömmlich ist, suhlen wir uns in religiöser Verwirrung. Darüber hinaus verwirren wir auch alle um uns herum, weil wir es nicht schaffen, in der wunderbaren Einfachheit des neuen Weges Gottes zu bleiben. Das Gesetz funktioniert nicht, wenn wir uns nur die Rosinen herauspicken. Es geht um Alles oder Nichts.“

Werdet wie die Kinder! Es ist ganz einfach.

Okay, soweit so gut, aber wie gestalten wir im Neuen Bund unser Leben? Ist jetzt alles erlaubt? Ist es jetzt egal, wie ich lebe? Sind denn jetzt nicht die Maßstäbe, die Jesus bspw. in der Bergpredigt oder an anderen Stellen der Evangelien anlegte, für unser Leben entscheidend?


3. Mose 2.0

Ich habe am Anfang darauf hingewiesen, dass Jesus unter dem Gesetz geboren wurde und lebte, um die zu erretten, die unter dem Gesetz standen. Dazu musste er es zum einen absolut einhalten und zum anderen, hat er den frommen Juden - die sich ja selbst für absolut gesetzestreu und gerecht betrachtet haben - vor Augen malen müssen, wo sie am Kern des Gesetzes vorbei gelebt haben. Er hat ihnen sozusagen eine Lupe vor Augen gehalten und gesagt: „Schaut mal genau hin. Darum geht´s. So schaut´s aus!“ Jesus hatte also im Wesentlichen zwei Botschaften:
er hat das Reich Gottes verkündigt, das war nach vorne gerichtet, das hat Bedeutung auch für die Gemeinde und
er hat die Lupen-Botschaft, die Killer-Botschaft gebracht, Mose 2.0 sozusagen um den Volk Israel seine Sündhaftigkeit und Erlösungsbedürftigkeit aufzuzeigen.

Wo kann man dies finden? Z.B. überall da, wo es heißt „Ihr habt gehört...ich aber sage euch“. Zwei Beispiele dazu:

„Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird. (Mt. 5, 21.22 Rev. Elb.)

Niemanden töten, das kriegt man ja relativ einfach noch hin. In diesem Punkt ist es leicht, ein gottesfürchtiger gerechter Jude zu sein. Aber nicht zu zürnen? Das ist unmöglich. Jeder ist mal auf andere zornig. Ohje, Hölle und Verdammnis sind die Folge.

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand dir Anlass zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“ (Mt. 5, 27-30 Rev. Elb.)

Nicht ehebrechen, ist schon schwerer für einen feurigen Südländer, aber das kriegt man schon auch noch hin, v.a. wenn man weiß, dass man unter Ehebruch wohl nur den Einbruch in eine Ehe verstanden hat, d.h. wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, wenn also ein verheirateter Mann sich eine unverheiratete Frau gesucht hat, hat er wohl noch nicht einmal Ehebruch begangen, sie aber schon.
Aber wenn es jetzt schon mit Blicken losgeht. Wer kann schon den ersten Blick kontrollieren? Nur ein Blinder hätte eine Chance. Deshalb Augen ausreißen, Hände abhacken oder ab in die Hölle. Das sind die Lehren Jesu.

Und die, die immer noch meinen gut wegzukommen, sollen einfach alles verkaufen und den Armen geben (Mt. 19,21).

(Beispiel mit Stuhlreihen: Gang durch Mittelgang, Gang durch voll besetzte Stuhlreihe: hier stößt man immer an)

Sind das die Maßstäbe für unser Leben als Christ? Wenn ich jetzt so um mich schaue, stelle ich fest, dass es hier weder Handamputierte noch Blinde gibt, d.h. dass wir diese Anweisungen anscheinend nicht angewendet haben. Haben wir sie nicht ernst genommen?
Ich denke, wenn Jesus mit Gericht und Hölle droht, meint er seine Worte sehr ernst. Und ich glaube nicht, dass wir die Option haben, diese Worte zu modifizieren. Aber wir können sagen, sie sind gar nicht an uns gerichtet, denn Jesus spricht hier zu denen, die unter Gesetz waren um ihnen den wahren Kern des Gesetzes aufzuzeigen. Wir finden nämlich in den Briefen des NT überhaupt nichts von Körperteile abhacken, Augen ausreißen oder zwangsweiser Armut.

Natürlich ist es richtig, dass Ehebruch und Mord bereits im Gedanken anfangen. Aber den Kausalzusammenhang, den Jesus hier darstellt: Euch ist gesagt usw. - uns wurde nie was gesagt, wir hatten nicht Mose und die Propheten, wir sind keine Juden -, der Hinweis, dass nur unser richtiges Handeln uns den Zugang zum Himmelreich ermöglicht usw., damit sind wir nicht gemeint. Unsere Erlösung kommt durch das Kreuz. Hier spricht Jesu zu Menschen unter dem Gesetz.


4. Der Weg der Liebe

Aber nach welchen Maßstäben gestalten wir unser Leben? Die Zehn Gebote gelten nicht, die Bergpredigt wendet sich an fromme Juden. Was gilt denn dann überhaupt?

Wenn man aus dem Gefängnis kommt, ist es nicht unbedingt einfach sich in der Freiheit zurechtzufinden. Ich kenne jmd. der war über die Hälfte seines Lebens im Justizvollzug eingesessen. Dort kommt er gut zurecht, da hat er Arbeit, hat seine Struktur. Sobald er in Freiheit ist, kommt er nicht mehr so gut klar und dann begeht er eine Straftat, damit er wieder für 1 - 1/2 Jahre einsitzt und wieder alles in Ordnung und geregelt ist.

„Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der offenbart werden sollte.“ (Gal. 3,23 Rev. Elb.)


Jetzt sind wir nicht mehr eingeschlossen, sondern leben in Freiheit. Das ist jetzt wie Radfahren ohne Stützräder. 

Es sind jetzt nicht mehr die alttestamentlichen Gebote, die uns leiten; wir stehen nicht mehr unter dem Zuchtmeister des Gesetzes (Gal. 3,25), nun ist es der Heilige Geist, der uns leitet (Gal. 5,18). Und er leitet uns nicht mit der Rute, nicht mit Strafe, sondern mit Gnade.

Und jetzt heißt es nicht mehr: Tu dies nicht, mach das nicht! Sondern es heißt: liebe!

Liebe ist das Ziel, die Erfüllung aller Anweisungen (1. Tim. 1,5).

„Denn das: "Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren", und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Wort zusammengefasst: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe.“ (Röm. 13, 9.10 Rev. Elb.) 


„Und dies ist sein Gebot: dass wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie er es uns als Gebot gegeben hat.“ (1. Joh. 3,23 Rev. Elb.)

Wenn wir lieben tun wir automatisch nichts Böses, wenn wir lieben tun wir automatisch Gutes. Wenn wir lieben, ist unser Wesen gekennzeichnet von Erbarmen, Güte, Großzügigkeit usw., wie es vielfach in den Briefen beschrieben steht. Natürlich kann man Liebe spezifizieren und erklären, was es konkret bedeutet. Aber wir brauchen keine Gesetze, die uns etwas verbieten oder befehlen, sondern es gehört zu unserem Wesen. Der Geist Gottes ist in uns, sein Wesen ist in uns. Das ist ja ein Merkmal des neuen Bundes: Gott in uns!

Das Gesetz sagt: Gib dem Zehnten! Die Freiheit des Neuen Bundes sagt: Gib was Du auf dem Herzen hast!
Das Gesetz sagt: Halte den Sabbat! Der Neue Bund sagt: Aus Liebe zu Gott will ich heute nicht arbeiten, aber wenn Du Dich jetzt ganz anders geführt siehst in Deinem Umgang mit dem Feiertag, dann kannst Du es anders machen.
Das Gesetz sagt: Brich nicht die Ehe! Im Neuen Bund, bin ich treu aus der Liebe zu meiner Frau heraus.
Und so könnte man noch viel mehr Gegenüberstellungen finden.

Gesetze beschränken das Handeln, Liebe entfaltet das Handeln. Gesetze können das Leben immer mehr einengen, Liebe ist grenzenlos, es gibt immer mehr an Liebe, an Taten. Aber nicht aus Zwang, sondern aus Freiheit.

„Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.“ (Jak. 1,25 Rev. Elb.)

AMEN.

Montag, 15. April 2013

Predigt Von Norbert Wohlrab (14.04.2013)

Die Freiheit des Evangeliums, Teil 1: Vergebung 
Link zur mp3-Version von "Vergebung" 

Nachdem ich mich vor rund 30 Jahren bekehrt hatte, besuchte ich die ersten Jahre die Jugendgruppe der Brüdergemeinde in meiner Heimatstadt Selb. Dort war es so üblich, dass man reihum ein Thema für den Abend vorbereitet hat. Das erste oder zumindest eines der ersten Themen, das ich damals vorbereitet hatte, war „Freiheit und Heiligung“. Auch nach so vielen Jahren des Lebens als Christ, ist die christliche Freiheit, Freiheit und Evangelium, die Freiheit vom Gesetz usw. immer noch oder wieder ein sehr wichtiges Thema für mich.
Inspiriert von zwei Büchern von Andrew Farley („Das nackte Evangelium“ und „Gott ohne Religion“), die ich in den letzten Wochen mehrmals gelesen habe und mir eine völlig neue Sicht auf manche Aspekte dieser Freiheit eröffnet haben und die ich sehr empfehlen kann, möchte ich heute eine Predigtreihe beginnen zum Thema „Die Freiheit des Evangeliums“. Heute wird es zunächst um Vergebung gehen.

Vergebung ist das zentrale Thema des christlichen Glaubens. Darum geht es letztlich. Alle sind Sünder und brauchen Vergebung. Darum ist Jesus in die Welt gekommen. Dies ist alles klar wie Kloßbrühe. Trotzdem ist unser theologischer Umgang damit nicht immer so klar. Doch dazu später.

Für den Reformator Luther hat sich eine Frage besonders gestellt: „Wie bekomme ich Sünder einen gnädigen Gott?“ Luther war sehr streng mit sich selbst und war sich bewusst, dass er ein Sünder war und diese Frage hat ihn umgetrieben und gequält. Und dann hat er den Römerbrief ganz neu entdeckt und verstanden: Ich werde umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade!

„und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.“ (Röm. 3,24 Rev. Elb.)

Nicht durch irgendwelche Gesetzes-Werke, sondern allein durch den Glauben (Röm. 3,28).

Mit der Gnade ist das jedoch so eine Sache. Denn der Begriff „Gnade“ beinhaltet - zumindest in unserem Wortverständnis - etwas von Willkür, von der Möglichkeit der Rücknahme, des Verweigerns. Gnade ist ja etwas Freiwilliges. In der Geschichte setzt Gnade immer milde und großmütige Autoritäten voraus, was nicht zwingend gegeben war.

Natürlich wissen wir, dass Gottes Gnade unumstößlich ist. Es heißt ja:

„Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken." (Hebr. 8,12 Rev. Elb.)

Und ich weiß nicht, wie es bei Euch ist, aber wenn ich an etwas nicht mehr denke, dann habe ich es vergessen. Gott spricht also aus, dass er unsere Sünden für immer vergessen wird.

Aber trotzdem, wie können wir wissen, dass wir uns auf die Gnade Gottes verlassen können? Wenn Gnade doch eigentlich etwas Freiwilliges ist?
Die Antwort ist, weil sich die Gnade Gottes am Kreuz manifestiert hat. Dort am Kreuz hat Gott einen Bund mit uns gemacht, den er selbst mit seinem Blut unterschrieben hat, den er selbst durch sein Blut festgemacht hat. Und dieser Bund ist unauflöslich. Durch diesen Bund wurde die Gnade Gottes sozusagen festgenagelt. Es ist, als ob Gott mit sich selbst einen Vertrag abgeschlossen hat.
Mit wem eigentlich sonst? Mit uns? Der Vertrag hätte nicht lange gehalten.

„Christus hingegen brachte sich selbst als Opfer dar, und er brauchte das nur ein einziges Mal zu tun. Andernfalls hätte er ja seit der Erschaffung der Welt schon viele Male leiden ´und sterben` müssen. Tatsache jedoch ist, dass er nur einmal in die Welt kam – jetzt, am Ende der Zeiten –, um uns durch das Opfer seines eigenen Leibes von der Sünde zu befreien....Und weil Jesus Christus den Willen Gottes erfüllt und seinen eigenen Leib als Opfer dargebracht hat, sind wir jetzt ein für alle Mal geheiligt. Jeder andere Priester steht Tag für Tag ´am Altar`, um seinen Dienst zu verrichten, und bringt unzählige Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals imstande sind, Sünden wegzunehmen. Christus dagegen hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, für immer auf den Ehrenplatz an Gottes rechter Seite gesetzt. Denn mit diesem einen Opfer hat er alle, die sich von ihm heiligen lassen, völlig und für immer von ihrer Schuld befreit...Das bestätigt uns auch der Heilige Geist. In der Schrift heißt es nämlich zunächst: »Der zukünftige Bund, den ich mit ihnen schließen werde, wird so aussehen: Ich werde – sagt der Herr – meine Gesetze in ihre Herzen legen und werde sie in ihr Innerstes schreiben.« Und dann heißt es weiter: »Ich werde nie mehr an ihre Sünden und an ihren Ungehorsam gegenüber meinen Geboten denken.« Wo aber die Sünden vergeben sind, ist kein weiteres Opfer mehr dafür nötig.“ (Hebr. 9,25b.26...10,10-12.14-18 NGÜ)

Dieser Bund, dieser Vertrag wurde vollzogen durch das Opfer Jesu, er hat Gültigkeit erlangt durch seinen Tod. Und er gilt seitdem, weil das Opfer ein für alle Mal geschehen ist, weil es für alle Zeiten Gültigkeit hat.

Johannes schreibt: „Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen.“ (1. Joh. 2,12)

oder Paulus: „...so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!“ (Eph. 4,32b)

oder

„In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade“ (Eph. 1,7)

Die Apostel drücken es ganz deutlich aus: Vergebung ist etwas, das wir haben. Etwas, das ein für alle mal geschehen ist. Etwas das Gott mit seinem Blut unterschrieben hat. Etwas, worum wir uns nie mehr Gedanken machen müssen.

Es gibt nur eine Voraussetzung, ich muss mit Gott darin übereinstimmen, dass ich ein Sünder bin und im Glauben in Anspruch nehmen, dass Jesus mein Erlöser ist, dass er für mich gestorben ist und meine Schuld getragen hat. Dann habe ich Vergebung für alle Zeiten. Denn das Opfer Jesu war vollständig vollständig. Es ist vollbracht, erledigt. Deshalb kann Jesus jetzt zur Rechten Gottes sitzen. Ich könnte mir vorstellen, dass er dort im völligen Frieden ist.

Denn, er muss nichts mehr tun. Gott ist zufrieden gestellt. Der Gerechtigkeit ist genüge getan. Er muss nicht mehr neu ans Kreuz, wenn wir wieder neu sündigen. Sein Opfer gilt weiterhin.

Luther hat im Gegensatz zu den anderen Reformatoren ein Problem gehabt (ich hab übrigens kein Problem mit Luther, es war nur so dass die verschiedenen Reformatoren - Calvin, Zwingli oder die Täufer - alle ihre theologischen Mängel hatten, zusammen wären sie wahrscheinlich perfekt gewesen), er hat nämlich nicht wirklich erkannt, dass wir mit diesem Tausch am Kreuz, mit dieser Inanspruchnahme des Erlösungswerkes, auch eine neue Identität bekommen haben, dass unsere natürliche Existenz des Sünders mit der geistlichen Existenz des Gerechten getauscht wurde, dass eine neue Kreatur, eine neue Schöpfung entstanden ist.

„Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor. 5,17 Rev. Elb.)

Luther sah den Christen immer noch als Sünder an und lehrte dementsprechend. Seine Sicht war in diesem Punkt verkürzt.

Ich mag noch sündigen, aber ich bin kein Sünder mehr, weil ich von neuem geboren bin und der alte Mensch begraben wurde.

Wir sind der Sünde gestorben, wir sind frei von ihr, wir sind nun Gerechte, Gerechtfertigte (Röm. 5,8; 6,2.7). Und wir leben als solche, denen beständig vergeben ist.

Beständig vergeben?! Ist das wirklich unsere Theologie? Ist das wirklich unser Verständnis des Neuen Bundes?

Während meiner Studentenzeit engagierte ich mich bei „Campus für Christus“. Und eines der Prinzipien, das ich da gelernt hatte, nannte sich „Geistliches Atmen“. Wenn man gesündigt hatte, musste man Gott im Gebet wieder um Vergebung bitten und dann war man wieder im grünen, im geistlichen Bereich. Dann war alles wieder im Lot.
So oder so ähnlich haben es alle die, die pietistisch oder evangelikal geprägt wurden, gelernt. Aber ist das eigentlich biblisch? Muss ich als an Jesus Christus glaubender Mensch Gott um Vergebung bitten, wenn ich gesündigt habe?

(kurze Umfrage per Handhebung)

Fassen wir noch mal zusammen. Die Schrift sagt: Ihr habt Vergebung! Euch ist vergeben! Gott gedenkt unserer Sünden nicht! Das einmalige Opfer Christi ist für alle Zeiten einmalig gültig!

Brauche ich neue Vergebung, wenn ich gesündigt habe? Habe ich eine Pauschal-Vergebung für alle meine Sünden vor der Bekehrung, aber danach muss ich jede neu zu Gott bringen?

Bei den meisten der hier Anwesenden waren alle Sünden zeitlich gesehen nach dem Erlösungswerk auf Golgatha. Besteht ein Unterschied hinsichtlich seiner Wirkung bis 1983 (Jahr meiner Bekehrung) und nach 1983? Würde das Sinn machen? Oder was ist mit all den Sünden, die ich gar nicht bemerkt habe oder vergessen habe? Wie kann ich damit zu Gott gehen und um Vergebung bitten? Oder was ist wenn ich sterbe bevor ich um Vergebung beten konnte?

Liebe Geschwister, ich hoffe Ihr merkt wie kompliziert das alles wäre. Die Botschaft des Evangeliums ist: Ihr habt Vergebung! Diese Vergebung basiert auf keinen personalen geistlichen Akt des Bekennens und Vergebens, sie basiert auf dem Blut Jesu! 


Die Währung in der Schweiz sind Franken und in der Euro-Zone ist es der Euro. Die Währung in Gottes Vergebungs-Wirtschaft ist Blut! Denn „ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung“ (Hebr. 9, 22)!

„Nein, Jesus hat nur ein einziges Mal ein Opfer dargebracht, nämlich sich selbst, und dieses Opfer gilt für immer.“ (Hebr. 7,27b NGÜ)

Deshalb findet sich auch im NT keine einzige Stelle, in der Christen (!) dazu ermutigt werden, zu Gott um Vergebung für ihre Schuld zu bitten. Prüft das mal nach. Auf einige der strittigen Stellen werde ich gleich noch eingehen. Wir finden nur solche Stellen, die sich an Ungläubige oder an Menschen zeitlich vor dem Erlösungswerk Christi wenden oder lediglich vom Bekennen sprechen. Den Gläubigen dagegen wird gesagt: Euch ist vergeben!

Wir sind aber anders geprägt. Wir leben aus frommer Demut gedanklich in einem Hin- und Her. Und übersehen dabei, dass bereits alles getan ist. Wenn wir Gott neu um Vergebung bitten, wird Jesus nicht neu für uns sterben, sondern er sagt: Mein Bruder, meine Schwester, es ist vollbracht!
Bedenkt, die Währungseinheit ist Blut! Er muss nicht mehr neu ans Kreuz, wenn wir sündigen.

Genauso wie Michael seiner Regine in den rund 30 Jahren Ehe, nicht immer wieder sagen muss, dass er sie heiraten will, weil sie diesen Ehe-Bund bereits vollzogen haben. Er darf ihr seine Liebe bekunden, aber der Ehe-Bund gilt davon unabhängig, selbst wenn er am Standesamt nicht mit Blut unterschrieben wurde.
Am Anfang wäre das vielleicht noch witzig oder süß, aber irgendwann würde es ziemlich nerven.

Und liebe Gemeinde, auch wenn wir wissen, dass unsere menschlichen Ehe-Versprechen nicht immer automatisch bis zum Ende halten, wissen wir doch: Gott hält sein Ehe-Versprechen, sein Bundes-Versprechen.

Denn „wenn wir untreu sind - er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (2. Tim. 2,13 Rev. Elb.) 


Aber jetzt kommt die Stellen, die ihr alle im Kopf habt. Was ist mit Bibelstellen wie

„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“ (1. Joh. 1,9 Rev. Elb.)

oder mit dem Vaterunser?

Wenn wir die Bibel lesen, tappen wir manchmal in zwei Fallen: zum einen berücksichtigen wir nicht, an wen sich der Autor bzw. der Redner sich wendet und zum anderen setzen wir manchmal nicht die richtige Brille auf. Wir brauchen nämlich eine besondere Brille, sagen wir mal eine 3D-Gleitsichtbrille. Ohne dies sehen wir verzerrt. Wir müssen zum einen die ganze Bibel aus der Perspektive des Evangeliums betrachten und zum anderen aus der Perspektive der Heiden-Christen.
Was wir aber machen ist, dass wir oft Aussagen, die an Juden oder Nicht-Juden, an Christen oder Nicht-Christen, an Erlöste oder Nicht-Erlöste, an unter-Gesetz-Stehende oder nicht unter-Gesetz-Stehende gerichtet sind, gleichrangig nebeneinander stellen und dann verwirrt sind, weil sie sich diametral widersprechen.

Und der Johannesbrief ist hier besonders gemein, weil Johannes nicht systematisch ein Thema abhandelt wie Paulus, der sehr strukturiert an die Sache ran geht, sondern er springt recht wüst hin und her. Wir haben ihn gerade im Hauskreis gelesen und sind mehrmals an ihm verzweifelt.

Da schreibt Johannes noch in einem Vers, dass man seine Sünde bekennen soll, damit man Vergebung bekommt und ein paar Verse weiter schreibt er, dass man Vergebung hat.  Hallo!? Wie passt das zusammen?

Johannes würde heute wohl Probleme mit jedem Lektor bekommen, wenn er seinen Brief veröffentlichen möchte. Aber was er da macht, ist eigentlich etwas, dass man auch in einer Predigt manchmal macht, wenn sich die Hörerschaft unterschiedlich zusammensetzt: er spricht verschiedene Leute an. Und ich muss zugeben, man hat keine Chance drauf zukommen, wenn man nicht verschiedene Kommentare und Bücher dazu wälzt.

Wenn ich jetzt predige: „Komm zum Kreuz und Du wirst Vergebung für Deine Schuld bekommen!“, dann macht diese Aussage für die meisten hier überhaupt keinen Sinn, weil sie schon einmal am Kreuz - in welcher Form auch immer - Jesus ihr Leben übergeben haben. Aber für diejenigen Anwesenden, die das noch nicht getan haben, würde sie Sinn machen, unabhängig ob sie der Aufforderung folgen oder nicht.

Dort in Kleinasien, wo die Gemeinden angesiedelt waren, an die sich Johannes hier wendet, gab es ein spezielles Problem. Es gab viele Gnostiker, die sich zu den christlichen Gemeinden gehalten haben und versucht haben dort Einfluss zu gewinnen. Und sie haben zwei Dinge gelehrt, nämlich zum einen, dass Jesus Christus nicht physisch auf der Erde gelebt hat und zum anderen, dass es keine Sünde gibt, weil Sünde nur körperlich stattfindet, wir aber Geistwesen sind.

Und dieser Gruppe von Menschen spricht Johannes jetzt zu: „Moment mal, ich habe Jesus gesehen und angefasst. Ich kannte ihn persönlich. Er war sehr wohl im Leib auf Erden! (1. Joh. 1,1)“ und zum anderen sagt er:

„Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1. Joh. 1,8 Rev. Elb.)

Und wenn jmd. sagt, dass er keine Sünde hat und daher keine Vergebung braucht, wenn er es dann also auch nicht braucht, dass ein physischer Jesus für seine Sünde gestorben ist, wenn die Wahrheit nicht in ihm ist, dann ist er was nicht? Er ist kein Christ!

Johannes wendet sich hier an Nicht-Christen, an die Gnostiker und sagt ihnen, dass sie Vergebung bekommen können, wenn sie ihre Sünde bekennen (1. Joh. 1,9). Dann haben sie genauso Vergebung wie die Kinder Gottes (1. Joh. 2,12).

Diese Stelle im ersten Johannesbrief ist keine Aufforderung an Christen, Gott immer wieder neu um Vergebung für ihre Schuld zu bitten, weil sie diese, weil wir diese ja bereits haben. Es gibt keine apostolische Lehre für diese Praxis. Wenn dies so wichtig für unser geistliches Leben wäre, würden wir es in weiteren Briefen der Apostel finden.

Im Jakobusbrief lesen wir zwar vom Bekennen von Schuld im Zusammenhang mit Krankheit und vom Zusprechen der Vergebung (Jak. 5, 13-16), aber nichts von einer Bitte um Vergebung zu erlangen. Wir finden keine Aufforderung diesbezüglich im NT mit Ausnahme des Vaterunsers. Dort lehrt Jesus seine Jünger, dass sie Gott regelmäßig um Vergebung bitten sollen. Wie passt das jetzt zusammen?

Ich möchte da heute noch keine abschließende Antwort darauf geben, da ich mich im nächsten Teil der Predigtreihe mit der heilsgeschichtlichen Einordnung verschiedener Aussagen Jesu beschäftigen möchte und da gehört das dann auch mit dazu. 


Nur ein paar Fragen zum Nachdenken:
Finden wir das Vaterunser in den apostolischen Schriften?
Paulus hatte den Auftrag den Heiden (= uns) das Evangelium zu bringen. Hat er es vergessen?
Wann hat Jesus das Vaterunser gelehrt. Vor oder nach seiner Kreuzigung?
Zu welcher Art von Menschen hat er gesprochen (Juden - Nicht-Juden, unter Gesetz - nicht unter Gesetz)?
Stimmt die Bedingung „wie auch wir vergeben“ eigentlich mit dem Evangelium überein?
Könnte es sein, dass das Vaterunser eigentlich ein Beispielgebet für Menschen vor der Erlösung ist?
Wenn man diese Fragen beantworten kann, kommt man bei der Einordnung des „Vaterunsers“ etwas weiter.

Wie gehen wir dann mit Sünde um? Wir sind uns wohl alle einig, dass wir hin und wieder sündigen.

Natürlich soll und darf man Reue zeigen, wenn man sündigt. Es ist allein schon aus seelsorgerlicher Sicht wichtig, seine Sünden zu bekennen (vgl. Jak. 5). Sünde zu bekennen, heißt mit Gott in der Bewertung übereinzustimmen. Es geht ja nicht darum meine Lieblosigkeiten und mein Fehlverhalten einfach zu ignorieren!

Und Du darfst das dann Gott gegenüber ausdrücken, wie Du möchtest, aber nicht um neu Vergebung zu erlangen, sondern aus Dankbarkeit, weil Du sie bereits erlangt hast.

Warum ist das wichtig? Spielt es wirklich eine Rolle, wie ich meine Gebete formuliere, wie ich meine Reue, mein Bedauern zum Ausdruck bringe? Ob ich jetzt um Vergebung bitte oder Vergebung in Anspruch nehme?

Vielleicht spielt die Formulierung nicht die entscheidende Rolle. Aber wir wissen, dass wir oft Probleme damit haben, dass unser Glaube vom Kopf ins Herz kommt. Wie viel schwieriger wird es, wenn wir in unserem Kopf schon falsch denken?!

Luther hielt sich zeitlebens für einen Sünder, deshalb hatte er mangels besserer Erkenntnis das NT an manchen Stellen auch falsch übersetzt, wo er aus dem Verb „sündigen“ das Substantiv „Sünder“ gemacht hat.
Aber wir wechseln nicht unser Leben lang zwischen Sünder und Gerechter, wir sind Gerecht(fertigt)e!
Wir wechseln nicht zwischen Verlorenen und Erlösten, wir sind erlöste Kinder Gottes!
Wir wechseln nicht ständig von nicht vergeben zu vergeben, uns ist vergeben!

Wenn wir hier denken, wir müssten immer wieder neu die Vergebung Gottes erlangen, zweifeln wir letztlich daran, - wenn wir das jetzt mal theologisch zu Ende denken - dass das Werk Jesu für uns wirklich vollkommen vollkommen war und schaffen ein neues religiöses System: Gerechtfertigt aus Gnade und meinem regelmäßigen Bitten um Vergebung. Und damit zweifeln wir an Gottes Zusagen. Und der Zweifler hat Probleme im Glauben.

„Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde, ist er doch ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen.“ (Jak. 1, 6-8 Rev. Elb.)

Und Johannes drückt es so aus:

„Geliebte, wenn das Herz uns nicht verurteilt, haben wir Freimütigkeit zu Gott, und was immer wir bitten, empfangen wir von ihm.“ (1. Joh. 3, 21.22a Rev. Elb.)

 
Daher hatte die Taufe der Gläubigen auch die Funktion ein Symbol für die vollzogene Vergebung Gottes zu sein. Damit man ein gutes Gewissen haben konnte und leichter Gewissheit im Glauben haben konnte.

„Das Abbild davon errettet jetzt auch euch, das ist die Taufe - nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen - durch die Auferstehung Jesu Christi.“(1. Petr. 3,21 Rev. Elb.)

Deshalb heißt es in den Briefen des NT auch nicht mehr wie im Vaterunser: vergebt einander, damit auch Euch vergeben wird, sondern genau umgekehrt, vergebt einander, weil Euch vergeben ist.

„Seid aber zueinander gütig, mitleidig, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!“ (Eph. 4,32 Rev. Elb.)

Dies ist jetzt die andere Seite der Vergebung. Auch wir sollen einander vergeben. Aus Dankbarkeit, weil uns vergeben ist.


AMEN.


Mittwoch, 23. Januar 2013

Predigt von Norbert Wohlrab (20.01.13)

Der barmherzige Samariter 

Hinter uns liegt wieder die Allianz-Gebetswoche mit ihrem Motto: „Unterwegs mit Gott“. Wir haben in dieser Woche viel für Menschen und ihre Nöte in Fürth gebetet (Arbeitslose und Geringverdiener, soziale Gerechtigkeit, sozialen Wohnungsbau, Schüler und Jugendliche, Greuther Fürth etc). Dies war auch ein Dienst am Nächsten, ein Ausdruck von Nächstenliebe, auch wenn vielfach noch weitere praktische Hilfe nötig ist.

Nicht jeder hat eine Position wo er sich politisch gestaltend einbringen kann, aber jeder kann beten.

Besonders hat mich der Mittwoch bewegt: wir haben im Rathaus stellvertretend um Vergebung gebeten für das Unrecht an den Juden im 3. Reich durch unsere Stadtvertreter, die sie im großen Umfang enteignet haben, ohne dass hier jemals Wiedergutmachung stattgefunden hätte.

Im Lauf der Woche ist mir so das Thema für heute gekommen. Und als ich am Freitag die Zeitung gelesen hab, dachte ich mir: das passt ja optimal zu meiner Predigt.

Eine junge Frau in Köln wurde mit Ko-Tropfen betäubt und missbraucht. Sie wird in der Notarztpraxis behandelt und dann weiter schickt zu weiteren gynäkologischen Untersuchungen in katholische Krankenhaus nebenan. Hier wird die Hilfe aus moralischen Gründen abgelehnt, angeblich weil man auch die Pille danach verabreichen müsste (wovon laut Notarztpraxis nie die rede war). Das gleiche geschieht in einem weiteren katholischen Krankenhaus. Ein unglaublicher Vorfall.

Nun kann man ja durchaus verschiedene Meinungen zum Beginn des Lebens haben und ob die Pille danach einer Abtreibung gleichzusetzen ist. (Bei Juden beginnt das Leben übrigens dann, wenn die Kinder aus dem Haus und der Hund tot ist.) Hier wurde aber auf jeden Fall die Moral - ob nun begründet oder nicht - über die Not eines Menschen gestellt. Das passt zu meinem heutigen Predigttext.

„Ein Gesetzeslehrer wollte Jesus auf die Probe stellen. »Meister«, fragte er, »was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?« Jesus entgegnete: »Was steht im Gesetz? Was liest du dort?«
Er antwortete: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand!‹ Und: ›Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst!‹ « – »Du hast richtig geantwortet«, sagte Jesus. »Tu das, und du wirst leben.« Der Gesetzeslehrer wollte sich verteidigen; deshalb fragte er: »Und wer ist mein Mitmensch?«
Daraufhin erzählte Jesus folgende Geschichte: »Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab. Unterwegs wurde er von Wegelagerern überfallen. Sie plünderten ihn bis aufs Hemd aus, schlugen ihn zusammen und ließen ihn halbtot liegen; dann machten sie sich davon. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab. Er sah den Mann liegen, machte einen Bogen um ihn und ging weiter. Genauso verhielt sich ein Levit, der dort vorbeikam und den Mann liegen sah; auch er machte einen Bogen um ihn und ging weiter. Schließlich kam ein Reisender aus Samarien dort vorbei. Als er den Mann sah, hatte er Mitleid mit ihm. Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn in ein Gasthaus und versorgte ihn mit allem Nötigen. Am nächsten Morgen nahm er zwei Denare aus seinem Beutel und gab sie dem Wirt. ›Sorge für ihn!‹, sagte er. ›Und sollte das Geld nicht ausreichen, werde ich dir den Rest bezahlen, wenn ich auf der Rückreise hier vorbeikomme.‹« »Was meinst du?«, fragte Jesus den Gesetzeslehrer. »Wer von den dreien hat an dem, der den Wegelagerern in die Hände fiel, als Mitmensch gehandelt?« Er antwortete: »Der, der Erbarmen mit ihm hatte und ihm geholfen hat.« Da sagte Jesus zu ihm: »Dann geh und mach es ebenso!« (Lk. 10, 25 - 37 NGÜ)
 


Bei Luther beginnt dieser Textabschnitt mit „Und siehe...“. Dies bedeutet, dass ein Zusammenhang mit dem vorhergehenden Geschehen besteht. Dort jubiliert Jesus im Geist,  weil Evangelium den sogenannten Unmündigen offenbart wurde, aber den sogenannten Weisen und Klugen verborgen blieb (V. 21). So ein Weiser - bzw. jemand, der sich selbst für weise hält - ist nun dieser Schriftgelehrte. Dieser Lehrer des Gesetzes kennt sich aus in der Schrift. Er hat nun die Absicht Jesus eine Falle zu stellen. Er möchte ihn auf´s Glatteis führen. Er möchte, dass Jesus sich in Widersprüche verwickelt und er etwas gegen ihn in die Hand bekommt.

Dieser Mann fragt jetzt nicht, wie z.B. später der Kerkermeister in Philippi: „Was muss ich tun, damit ich gerettet werde?“ (Apg. 16,30). Wen man so fragt, dann hat man begriffen, dass man verloren ist und nur die Gnade Gottes mich erretten kann. Dieser Schriftgelehrte dagegen offenbart sich als selbstgerechter Mensch, der sich das ewige Leben verdienen will. Er betrachtet sich als kompetent genug um selbstverständlich das zu tun, was Gott von ihm möchte.

Der Kerkermeister bekommt auf seine ehrliche Frage die Antwort: „Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und alle, die in deinem Haus leben!“ (Apg. 16,31).  Der Gesetzeslehrer erhält zwei Gegenfragen: „Was steht im Gesetz? Was liest du dort?“ Jesus bedient sich hier der normalen Form des theologischen Disputs der frommen Juden: Frage und Gegenfrage. Jesus geht auf ihn ein. Er lehnt ihn nicht gleich ab, weil er Jesus nur versuchen will. Er sagt nichts von „Ottern und Schlangengezücht“ o.ä., sondern er begibt sich auf seine Denk-Ebene.

Und nun gibt der Schriftgelehrte eine hervorragende Antwort. Er kombiniert eigenständig zwei verschiedene Schriftstellen des AT, des Gesetzes - 5. Mose 6,5 und 3. Mose 19,18 - und zeigt damit auf, worum es eigentlich geht: Gott lieben und den Nächsten lieben! Er hat aus über 600 Gesetzen die zwei herausgepickt, die den Kern des ganzen Gesetzes ausmachen. Dies zeigt, dass er vom Gesetz wirklich etwas verstanden hat.

Jesus sagt selbst an anderer Stelle:  „An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Mt. 22,40 Rev. Elb.)

Man muss sich das vorstellen wie einem Kleiderhaken. An einem Kleiderhaken hängt die Jacke. Die ganzen Gesetze hängen an diesem Haken des Doppelgebots der Liebe. Ohne den Haken, also ohne die Liebe verlieren die Gesetze ihre eigentliche Bedeutung.

Paulus schreibt dazu: „So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“ (Röm. 13,10b Luther)

Soweit so gut. Theoretisch hat der Gelehrte was verstanden. Die Antwort von Jesus ist jetzt aber niederschmetternd. Es geht nicht um theoretisches Verständnis, es geht um praktische Anwendung: „Richtig! Tu das und du wirst leben!“  Das Gemeine ist: hier steht im Griechischen die Verbform, es heißt quasi: „Tu dies beständig, tu dies ununterbrochen, tu dies immer während!“ Nicht nur jedem dritten Dienstag im Monat, sondern einfach immer!

Kein Mensch kann dies immer tun. Das Problem für ihn und alle anderen, die nach dem Gesetz Gottes leben wollten und vielleicht auch noch wollen, ist folgender:

„Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.“ (Jak. 2,10 Rev. Elb.)

Dies war seine Krux, sein Problem. Was bin ich froh, dass wir frei vom Gesetz sind und es für uns einfach gilt: in Gott zu bleiben. Denn wenn ich in Gott bleibe, werde ich automatisch lieben - ohne juristischen Zeigefinger.

Der Schriftgelehrte hat erkannt, dass er jetzt nicht so einfach raus kommt aus der Falle und fragt: „Ja, Moment, wer ist denn überhaupt mein Nächster?“ Unter den Schriftgelehrten herrschte damals die Vorstellung, dass nur Blutsverwandte und Gerechte überhaupt als Nächste in Frage kommen könnten, auf jeden Fall keine Ausländer und natürlich schon gar keine Samaritaner.

Jesus antwortet mit einer Geschichte, einer Beispiel-Erzählung. Auch das entsprach der damaligen Art des theologischen Disputs. Es ist eine erfundene Geschichte, die sich aber jederzeit hätte so ereignen können.

Ein Mann - höchstwahrscheinlich ein Jude - wurde auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho überfallen. Es war ein ca. 27 km langes Teilstück des damaligen Haupthandelsweges zwischen Afrika und Asien. Über 1000 Meter Höhenunterschied. Eine 7 Stunden-Wanderung. Es war ein steiniger und beschwerlicher Weg. V.a. für Händler mit ihren Lasten nicht einfach zu bewältigen. Und für Räuber und Wegelagerer ideal um einen Hinterhalt zu legen.

Der Mann wurde also überfallen, ausgeraubt und liegt nun halbtot am Boden. Nun kommen nacheinander ein Priester und ein Levit vorbei und wechseln die Straßenseite anstatt zu helfen. Zwei fromme Menschen, die regelmäßig Gottesdienst verüben im Tempel, ignorieren hier ihren Nächsten. Heutzutage wäre das unterlassene Hilfeleistung.

In einer Bibelschule in den USA gab es ein Predigtseminar. Als besonderes Highlight des Seminars sollten alle Teilnehmer die Chance bekommen eine Predigt zu halten, die im Radio übertragen wird. Das Thema der Predigt war vorgegeben, es war das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Der Tag der Radioübertragung war gekommen, sicherlich waren alle sehr aufgeregt als sie sich auf den Weg zur Radiostation machten. Allerdings hatte der Leiter des Seminars es so arrangiert, dass jedem Studenten auf dem Weg zur Radiostation ein Mann in den Weg gelegt wurde, der einen Herzinfarkt simulierte. Angeblich hat keiner der Studenten angehalten, um dem Mann zu helfen.

Was hätten wir getan? Ich kann mich an eine vergleichbare Situation erinnern: Es ist Winter. Sonntagvormittag. Ich habe am MTV-Parkplatz geparkt, laufe um die Ecke in Richtung CGF-Räume, bin spät dran (ich weiß nicht mehr genau, entweder musste ich Aufsperren oder Predigen - wie üblich halt). Dann spricht mich ein ausländisch Aussehender an und fragt, ob ich ihm überbrücken kann, weil sein Auto nicht anspringt. Was glaubt Ihr was ich gemacht hab? - „Sorry, ich bin spät dran und müsste jetzt das Auto auch noch holen.“ Soweit ich mich erinnern kann, hat ihn dann ein anderer Gottesdienstteilnehmer geholfen und alles war gut.

Das Problem bei den beiden Klerikern, die nicht geholfen haben, ist folgendes: sie hatten wirklich gute Gründe nicht zu helfen.


„Und der HERR sprach zu Mose: Rede zu den Priestern, den Söhnen Aarons, und sage zu ihnen: Keiner von ihnen darf sich an einer Leiche unrein machen unter seinen Volksgenossen, außer an seiner Blutsverwandtschaft, die ihm nahesteht: an seiner Mutter und an seinem Vater, seinem Sohn, seiner Tochter und seinem Bruder und an seiner Schwester, der Jungfrau, die ihm nahesteht, die noch keinem Mann zu eigen geworden ist; wegen dieser darf er sich unrein machen. Er darf sich nicht unrein machen als Herr unter seinen Volksgenossen, sich zu entweihen.“ (3. Mose 21, 1-4 Rev. Elb.)

Wäre der Verletzte bereits tot gewesen, hätte der Priester sich verunreinigt, er wäre untauglich geworden für den Tempeldienst. Er hat also gänzlich korrekt nach dem Gesetz gehandelt - nach dem Buchstaben des Gesetzes.

Ähnlich ist es bei dem Leviten.

„Wer einen Toten berührt, die Leiche irgendeines Menschen, der wird sieben Tage unrein sein.“ (4. Mose 19,11 Rev. Elb.)

Er wäre zumindest für 7 Tage vom Tempeldienst ausgeschlossen gewesen. Also auch er hatte einen guten Grund möglichst nicht in Kontakt mit dem vermeintlich Toten zu kommen.

Nun hätten die Zuhörer wahrscheinlich erwartet, dass in dieser Geschichte jetzt der gottesfürchtige Jude vorbei kommt. Aber Jesus macht hier etwas schier Unvorstellbares: er lässt einen Samaritaner erscheinen. Das geht eigentlich gar nicht! Das ist so, als würde er in Fürth einen Clubberer erscheinen lassen.

Was ist eigentlich so schlimm an diesem Samaritaner? Warum gab es so einen Hass auf sie?

Wir wissen, dass Israel geteilt war und die Bevölkerung des Nordreichs in die assyrische Gefangenschaft verschleppt wurde. Assyrien hat das Gebiet des Nordreichs (Samaria) mit Kolonisten aus Persien und Babylon bevölkert (2. Kön. 17, 24 - 41). Diese Kolonisten brachten ihre eigenen Religionen mit und vermischten sich mit der geringen jüdischen Restbevölkerung und bildeten dann die Bevölkerung Samarias (eigentlich Samarier). Sie hatten ihre eigenen Religionen, wurden aber auch im jüdischen Glauben unterwiesen. Ein teil von ihnen glaubte an den Gott Israels, sie hatten ihr eigenes Heiligtum und beteten in Garizim an. Sie bildeten die spezielle Gruppe der „Shamerim“ (= Bewahrer), also die Samaritaner. Sie verstehen sich als Bewahrer des jüdischen Glaubens und akzeptieren nur die fünf Bücher Mose, weil sie der Meinung waren, dass die Juden sich danach vom Gott Israels entfernt hätten. Von den Juden wurden sie aus diesen Gründen abgelehnt.
Diese Gruppe existiert übrigens noch heute (ca. 750 Mitglieder).

Ob es sich in diesem Gleichnis nun um einen Samarier oder Samaritaner handelt ist unklar, beides war auf jeden Fall gleichermaßen undenkbar. Sie wurden öffentlich verflucht, es war undenkbar mit ihnen zu essen oder Gemeinschaft zu haben oder sich von ihnen auch noch helfen zu lassen.

Der Samaritaner half nicht um eine Gesetzesnorm zu erfüllen, sondern aus Mitleid. Er wurde innerlich bewegt. Die Liebe trieb ihn. Erinnert Euch: das Gesetz hängt am Haken der Liebe.

Jesus dreht nun die Frage des Gelehrten um. Die Frage ist nicht, wen kann ich eindeutig als „Nächsten“ definieren, sondern an wem kann ich als „Nächster“, als Mitmensch handeln.

Die Geschichte verdeutlicht auch, dass das Gesetz niemanden helfen kann. Der Priester und der Levit verkörpern dieses Gesetz und zeigen die Unfähigkeit des Gesetzes auf. Religion kann nicht erretten. Nur der Heiland kann dies. Der Samaritaner ist ein Bild für Jesus, den Erretter.

Was bedeutet es für uns?

Zunächst mal: wir sind alle auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen. Keiner kann sich selbst erretten.

Aber auch: lasst uns aufmerksam sein für die Not und die Bedürfnisse der Mitmenschen um uns herum. Im Zweifelsfall kann man auch fragen: „Kann ich ihnen helfen?“ Lasst uns bereit sein unseren geplanten Tagesablauf auch mal zu unterbrechen.

AMEN

(Gebet in kleinen Gruppen, dass wir „Oasen“ der Barmherzigkeit für unsere Mitmenschen sind)