Sonntag, 26. Mai 2013

Predigt von Norbert Wohlrab (26.05.2013)

Die Freiheit des Evangeliums, Teil 2: Der Neue Bund
Link zur mp3-Version von "Der Neue Bund"

1. Einleitung: Die heilsgeschichtlche Einordnung der vier Evangelien

Im ersten Teil der Predigtreihe habe ich versucht darzustellen, dass wir immer im Zustand der Vergebung leben. Vergebung ist nichts, was wir neu bekommen, wenn wir sündigen; es ist nichts, was Gott neu vollbringen muss, weil Jesus einmal für immer ans Kreuz gegangen ist und dies nicht wiederholt werden kann und auch nicht wiederholt werden muss. Unsere Vergebung basiert einzig und allein auf dem Blut Jesu.

Heute möchte ich mir mit Euch das Wesen des neuen Bundes in dem wir leben etwas näher anschauen.

Zunächst einmal eine frei erfundene Geschichte: Wir wissen Fritz hat eine kleine Landwirtschaft. Und auf dieser Landwirtschaft hat er auch Traktoren. Und sein ganz besonderer Stolz ist ein Oldtimer: ein Porsche Super 308, Baujahr 1957 mit 38 PS, limitiert auf 500 Stück. Und diesen Traktor pflegt er ganz besonders. Der wird nicht mehr auf dem Feld eingesetzt, sondern der wird poliert und wenn es im Sommer schönes Wetter hat, dann wird er rausgeholt und dann schnappt er sich seine Christine und dann drehen sie gemeinsam ein paar Runden im Dorf und über die Hügel und Felder und dann wird er wieder sauber gemacht und kommt wieder in die Garage. Und der Johannes, der teilt die Liebe zu den Traktoren. Und weil Fritz nur einen Oldtimer hat, möchte er, dass Johannes, den einmal später bekommt. Deshalb legt er in seinem Testament fest, dass der Porsche Super 308 später mal an den Johannes geht. Soweit so gut. Jetzt ist wieder mal schönes Wetter und Fritz möchte ein paar Runden drehen und stellt dann fest, dass der Traktor nicht mehr da ist. Und nach kurzem Nachforschen stellt sich dann heraus, dass sich der Johannes den Traktor einverleibt hat und in seine eigene Garage gestellt hat um damit Runden durchs Dorf mit seiner Schwester Anna drehen zu können. Ist das in Ordnung? Nein, weil der Traktor erst dann in den Besitz von Johannes geht, wenn Fritz gestorben ist und das Testament vollzogen ist. So ist es in unserer Gesetzgebung geregelt.

Und so finden wir es auch in der Bibel geregelt. Dort steht nämlich:

„Denn wo ein Testament ist, da muss notwendig der Tod dessen eintreten, der das Testament gemacht hat. Denn ein Testament ist gültig, wenn der Tod eingetreten ist, weil es niemals Kraft hat, solange der lebt, der das Testament gemacht hat.“ (Hebr. 9, 16.17 Rev. Elb.)

Nun ist es ja so, wenn wir uns unsere Bibel hernehmen, dann finden wir hier das Alte Testament (besser der Alte Bund, eigentlich die Tora, also die jüdische Heilige Schrift) und das Neue Testament (der Neue Bund).

Wir wissen, wir sind erlöst durch das Opfer auf Golgatha. Dort wurde der Neue Bund besiegelt. Wenn ich jetzt mal anfange im NT zu blättern, muss ich fragen: Bin ich erlöst durch die Geburt Jesu? Nein. Bin ich erlöst durch die Bergpredigt? Nein. Bin ich erlöst durch das Hohepriesterliche Gebet? Und wieder nein. Ich bin erlöst durch das Geschehen auf Golgatha. Dort beginnt der Neue Bund. Eigentlich müsste ich dieses Zwischenblatt, dass den Beginn des Neuen Testamentes kennzeichnet, heraus reißen und hier irgendwo kurz nach dem Geschehen der Kreuzigung einfügen. (Ich mach das jetzt hier mal symbolisch um für ein bisschen Adrenalin-Zufuhr bei Euch zu sorgen.)

Die vier Evangelien nehmen heilsgeschichtlich nämlich eine Zwischenstellung zwischen dem Alten und dem Neuen Bund ein. Sie bilden die Hinführung zum Neuen Bund, der durch das Blut Jesu besiegelt wurde, aber sie sind noch innerhalb der Gültigkeit des Alten Bundes platziert. Das ist nun eigentlich keine neue Lehre und keine neue Erkenntnis, es ist nur nicht unbedingt in unserem Bewusstsein beim Bibellesen.

Im Galaterbrief lesen wir:

„als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz, damit er die loskaufte, die unter dem Gesetz waren, damit wir die Sohnschaft empfingen.“ (Gal. 4, 4.5 Rev. Elb.)

D.h. Jesus Christus kam und lebte und wirkte unter den Vorgaben des Gesetzes Mose um die zu befreien, die unter dem Gesetz lebten, also das Volk Israel. Er befolgte vollständig das Gesetz - und sogar mehr als das - um vollkommen ohne Sünde, ohne jegliche Verfehlung ans Kreuz gehen zu können. Und d.h., dass auch seine Reden mit dem Gesetz übereinstimmen musste. Und er kam zunächst zu den Kindern Israels.

Jesus sagt, bevor er die Tochter der kanaanäischen Frau heilt:

„Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ (Mt. 15,24 Rev. Elb.)

Den Missionsauftrag gibt er erst nach seiner Auferstehung.

Warum sage ich das? Es ist wichtig, dass wir beim Lesen der Evangelien die richtige Brille aufsetzen. Dort spricht Jesus überwiegend a) zu Juden und b) zu Menschen unter dem Gesetz. Wenn wir das vernachlässigen, missachten wir unter Umständen das Wesen des Neuen Bundes. Ich komme später noch einmal zu einigen beispielhaften Aussagen Jesu zurück.


2. Das Wesen und das Ende des Alten Bundes

Wir leben heute unter der Gültigkeit des Neuen Bundes: Freiheit, Vergebung, Gnade, Rechtfertigung aus Glauben, Liebe, der Zugang zum Allerheiligsten, zur Vaterschaft Gottes und noch manches mehr basierend auf dem Opfer Jesus sind wesentliche Wesenszüge des Neuen Bundes.

Was wir aber vielfach in den Gemeinden tatsächlich haben und was über Jahrhunderte die Kirchengeschichte geprägt hat, ist eine Mischform aus Neuem und Alten Bund. Die Freiheit durch Glauben vermengt mit einer mehr oder weniger großen Prise Gesetz. Manchmal ist es sogar eher umgekehrt: Gesetz gewürzt mit einer Prise Gnade. Dieselben Probleme, mit denen schon die Apostel zu kämpfen hatten: die Bewegung des Judaismus versuchte die christlichen Gemeinden zu beeinflussen. Gerechtfertigt aus Glauben? Ja, aber für den Alltag das Leben nach dem Gesetz.

Juan Carlos Ortiz (argentinischer Pastor) hat einmal gesagt: „Das Gesetz ist ein Witwer, der eine Freundin sucht, und sie ohne Probleme in der Gemeinde findet.“ (1961)

Aber der Neue Bund ist nicht einfach eine Verbesserung des Alten Bundes, er ist kein Update, sondern er ist grundlegend anders.

Und es beginnt damit, dass Jesus in seiner Funktion als Hoherpriester überhaupt nicht in die Vorgaben des Alten Bundes passt.

„Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt. Denn der, von dem dies gesagt wird, gehört zu einem anderen Stamm, aus dem niemand die Wartung des Altars hatte. Denn es ist offenbar, dass unser Herr aus Juda entsprossen ist, von welchem Stamm Mose nichts in Bezug auf Priester geredet hat.“ (Hebr. 7, 12-14 Rev. Elb.)

Gott wollte alles auf den Kopf stellen. Er wollte etwas völlig Neues machen. Einen radikal anderen Weg der Erlösung. So radikal anders, dass selbst all die Glaubenshelden, von denen wir bspw. in Hebr. 11 lesen, die doch so große Vorbilder für uns sind, ihn nicht erlangen konnten.

„Und diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erhielten, haben die Verheißung nicht erlangt.“ (Hebr. 11, 39 Rev. Elb.)

Der alte Bund war fehlerhaft und deshalb musste ein neuer Weg gesucht werden.

„Denn wenn jener erste Bund tadellos wäre, so wäre kein Raum für einen zweiten gesucht worden.“ (Hebr. 8,7 Rev. Elb.) 


Mit Gültigkeit des Neuen Bundes wurde der Alte Bund ungültig.

„Indem er von einem "neuen" Bund spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt; was aber veraltet und sich überlebt, ist dem Verschwinden nahe.“ (Hebr. 8, 13 Rev. Elb.)

Was war der Kern des Alten Bundes? Das Gesetz! Und das Gesetz sagt: Tue dies und du wirst leben (Gal. 3,12).

Aber nicht nur ein bisschen hiervon und ein bisschen davon, sondern alles. Alle 613 Gebote mussten eingehalten werden.

„Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: "Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!"“ (Gal. 3,10 Rev. Elb.) 


und

„Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.“ (Jak. 2,10 Rev. Elb.)

Das Gesetz erlaubt keine Auswahl: nicht ein bisschen hiervon und ein bisschen davon. Das Gesetz sagt: Alles oder nichts! Für die Juden galt: alles; für uns Christen gilt: nichts.

„In Wirklichkeit jedoch ´habe ich mit dem Gesetz nichts mehr zu tun;` ich bin durch das Urteil des Gesetzes dem Gesetz gegenüber gestorben, um ´von jetzt an` für Gott zu leben; ich bin mit Christus gekreuzigt.“ (Gal. 2,19 NGÜ)

Ich bin dem Gesetz gegenüber gestorben! Wir müssen uns das folgendermaßen vorstellen: Heutzutage spielt Ernährungsberatung, gesunde Ernährung, Fitness, Gesundheitsvorsorge eine große Rolle. Und es ist ja auch wichtig auf seinen Körper und seine Gesundheit zu achten. Setzen wir diese Gesundheitsvorsorge mal mit dem Gesetz gleich. Aber wenn Du jetzt als Gesundheitscoach im Einsatz bist und findest einen frisch Verstorbenen und dann anfängst seinen BMI zu bestimmen und Vorträge über gesunde Ernährung zu halten, dann macht das überhaupt keinen Sinn. Er ist völlig unerreichbar für jeglichen Diätplan, er ist absolut unansprechbar in Bezug auf jedes der 613 Gebote des Alten Bundes. Genauso sind wir dem Gesetz gegenüber gestorben.

Daher macht es überhaupt keinen Sinn sich irgendwelche der alttestamentlichen Gebote aufzuerlegen. Ihr seid dem Gesetz getötet worden (Röm. 7,4)!

Und wie steht es mit den Zehn Geboten? Die müssten doch gelten. Es ist interessant sich einmal zu vergegenwärtigen, wie Paulus sie beschreibt.

„unsere Tüchtigkeit ist von Gott, der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Wenn aber schon der Dienst des Todes, mit Buchstaben in Steine eingegraben, in Herrlichkeit geschah, so dass die Söhne Israels nicht fest in das Angesicht Moses schauen konnten wegen der Herrlichkeit seines Angesichts, die doch verging, wie wird nicht vielmehr der Dienst des Geistes in Herrlichkeit bestehen?“ (2. Kor. 3, 5b-8 Rev. Elb.)

Ich wette, es ist Euch nicht aufgefallen, was Paulus hier sagt: „der Dienst des Todes, mit Buchstaben in Steine eingegraben“! Mit Buchstaben in Steine eingegraben. In Stein eingegraben durch den Finger Gottes sozusagen, gab es nur die Zehn Gebote. Paulus beschreibt sie als Dienst des Todes. Das ist seine Einstellung dazu.

Tod. Verwesung. Sünde. Die Gebote bewirkten Tod.

„Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte jede Begierde in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.“ (Röm. 7,8 Rev. Elb.)

Die Gebote bewirkten Begierde, die Begierde bewirkte Sünde, die Sünde bewirkt Tod!

Für Christen gilt jedoch, „dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist“ (1. Tim. 1,9 Rev. Elb.)

Das bedeutet, unsere Beziehung zum Gesetz und zu den Zehn Geboten ist welche?
Gar keine!

Der Neue Bund sagt: Jesus hat alles getan; der Alte Bund sagt: Du musst etwas tun! Das ist Religion. Wir gehören nicht mehr dem Gesetz. Wir sind ihm gestorben! Wir gehören nicht mehr der Religion. Wir sind ihr gestorben! Im Reich Gottes ist dafür kein Platz mehr.

Als Marie Antoinette zu ihrem künftigen Ehemann gebracht wurde, wurde auf der Grenze zwischen Österreich und Frankreich ein Pavillon aufgestellt. Dort musste sie sich aller Habseligkeiten entledigen und wurde völlig neu eingekleidet. Sie durfte keinen Schuh, keinen Strumpf, kein Hemd, kein Band, nichts was sie trägt über die Grenze tragen.

So soll auch unsere Beziehung zum Alten Bund sein. Keine Religion, kein Gesetz, kein Gebot hat mehr Platz im Leben des Neuen Bundes.

„So seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, damit wir Gott Frucht bringen....Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, so dass wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens.“ (Röm. 7, 4.6 Rev. Elb.)

Denn im neuen Bund gehören wir Christus und dienen nicht mehr nach dem Buchstaben, sondern im Geist.

Andrew Farley schreibt in seinem Buch „Gott ohne Religion“ auf S. 41/42: „Keine Lust auf die mehr als 600 Gesetze des Alten Testaments? Dann lass dich vielleicht auf die Elf Gebote ein - die allseits bekannten Zehn Gebote plus dem Zehnten? Du willst dich nicht auf die vorgeschriebenen zehn Prozent festlegen? Gut, dann lass es bei den Zehn Geboten. Was, du kannst nicht darauf verzichten, am Freitagabend E-Mails zu schreiben und am Samstag im Garten zu arbeiten? Okay, dann bleiben uns eben nur noch die Neun Gebote. Während wir so lange am Gesetz herumschnippeln, bis es uns in den Kram passt und nett und bekömmlich ist, suhlen wir uns in religiöser Verwirrung. Darüber hinaus verwirren wir auch alle um uns herum, weil wir es nicht schaffen, in der wunderbaren Einfachheit des neuen Weges Gottes zu bleiben. Das Gesetz funktioniert nicht, wenn wir uns nur die Rosinen herauspicken. Es geht um Alles oder Nichts.“

Werdet wie die Kinder! Es ist ganz einfach.

Okay, soweit so gut, aber wie gestalten wir im Neuen Bund unser Leben? Ist jetzt alles erlaubt? Ist es jetzt egal, wie ich lebe? Sind denn jetzt nicht die Maßstäbe, die Jesus bspw. in der Bergpredigt oder an anderen Stellen der Evangelien anlegte, für unser Leben entscheidend?


3. Mose 2.0

Ich habe am Anfang darauf hingewiesen, dass Jesus unter dem Gesetz geboren wurde und lebte, um die zu erretten, die unter dem Gesetz standen. Dazu musste er es zum einen absolut einhalten und zum anderen, hat er den frommen Juden - die sich ja selbst für absolut gesetzestreu und gerecht betrachtet haben - vor Augen malen müssen, wo sie am Kern des Gesetzes vorbei gelebt haben. Er hat ihnen sozusagen eine Lupe vor Augen gehalten und gesagt: „Schaut mal genau hin. Darum geht´s. So schaut´s aus!“ Jesus hatte also im Wesentlichen zwei Botschaften:
er hat das Reich Gottes verkündigt, das war nach vorne gerichtet, das hat Bedeutung auch für die Gemeinde und
er hat die Lupen-Botschaft, die Killer-Botschaft gebracht, Mose 2.0 sozusagen um den Volk Israel seine Sündhaftigkeit und Erlösungsbedürftigkeit aufzuzeigen.

Wo kann man dies finden? Z.B. überall da, wo es heißt „Ihr habt gehört...ich aber sage euch“. Zwei Beispiele dazu:

„Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr!, der Hölle des Feuers verfallen sein wird. (Mt. 5, 21.22 Rev. Elb.)

Niemanden töten, das kriegt man ja relativ einfach noch hin. In diesem Punkt ist es leicht, ein gottesfürchtiger gerechter Jude zu sein. Aber nicht zu zürnen? Das ist unmöglich. Jeder ist mal auf andere zornig. Ohje, Hölle und Verdammnis sind die Folge.

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand dir Anlass zur Sünde gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“ (Mt. 5, 27-30 Rev. Elb.)

Nicht ehebrechen, ist schon schwerer für einen feurigen Südländer, aber das kriegt man schon auch noch hin, v.a. wenn man weiß, dass man unter Ehebruch wohl nur den Einbruch in eine Ehe verstanden hat, d.h. wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, wenn also ein verheirateter Mann sich eine unverheiratete Frau gesucht hat, hat er wohl noch nicht einmal Ehebruch begangen, sie aber schon.
Aber wenn es jetzt schon mit Blicken losgeht. Wer kann schon den ersten Blick kontrollieren? Nur ein Blinder hätte eine Chance. Deshalb Augen ausreißen, Hände abhacken oder ab in die Hölle. Das sind die Lehren Jesu.

Und die, die immer noch meinen gut wegzukommen, sollen einfach alles verkaufen und den Armen geben (Mt. 19,21).

(Beispiel mit Stuhlreihen: Gang durch Mittelgang, Gang durch voll besetzte Stuhlreihe: hier stößt man immer an)

Sind das die Maßstäbe für unser Leben als Christ? Wenn ich jetzt so um mich schaue, stelle ich fest, dass es hier weder Handamputierte noch Blinde gibt, d.h. dass wir diese Anweisungen anscheinend nicht angewendet haben. Haben wir sie nicht ernst genommen?
Ich denke, wenn Jesus mit Gericht und Hölle droht, meint er seine Worte sehr ernst. Und ich glaube nicht, dass wir die Option haben, diese Worte zu modifizieren. Aber wir können sagen, sie sind gar nicht an uns gerichtet, denn Jesus spricht hier zu denen, die unter Gesetz waren um ihnen den wahren Kern des Gesetzes aufzuzeigen. Wir finden nämlich in den Briefen des NT überhaupt nichts von Körperteile abhacken, Augen ausreißen oder zwangsweiser Armut.

Natürlich ist es richtig, dass Ehebruch und Mord bereits im Gedanken anfangen. Aber den Kausalzusammenhang, den Jesus hier darstellt: Euch ist gesagt usw. - uns wurde nie was gesagt, wir hatten nicht Mose und die Propheten, wir sind keine Juden -, der Hinweis, dass nur unser richtiges Handeln uns den Zugang zum Himmelreich ermöglicht usw., damit sind wir nicht gemeint. Unsere Erlösung kommt durch das Kreuz. Hier spricht Jesu zu Menschen unter dem Gesetz.


4. Der Weg der Liebe

Aber nach welchen Maßstäben gestalten wir unser Leben? Die Zehn Gebote gelten nicht, die Bergpredigt wendet sich an fromme Juden. Was gilt denn dann überhaupt?

Wenn man aus dem Gefängnis kommt, ist es nicht unbedingt einfach sich in der Freiheit zurechtzufinden. Ich kenne jmd. der war über die Hälfte seines Lebens im Justizvollzug eingesessen. Dort kommt er gut zurecht, da hat er Arbeit, hat seine Struktur. Sobald er in Freiheit ist, kommt er nicht mehr so gut klar und dann begeht er eine Straftat, damit er wieder für 1 - 1/2 Jahre einsitzt und wieder alles in Ordnung und geregelt ist.

„Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der offenbart werden sollte.“ (Gal. 3,23 Rev. Elb.)


Jetzt sind wir nicht mehr eingeschlossen, sondern leben in Freiheit. Das ist jetzt wie Radfahren ohne Stützräder. 

Es sind jetzt nicht mehr die alttestamentlichen Gebote, die uns leiten; wir stehen nicht mehr unter dem Zuchtmeister des Gesetzes (Gal. 3,25), nun ist es der Heilige Geist, der uns leitet (Gal. 5,18). Und er leitet uns nicht mit der Rute, nicht mit Strafe, sondern mit Gnade.

Und jetzt heißt es nicht mehr: Tu dies nicht, mach das nicht! Sondern es heißt: liebe!

Liebe ist das Ziel, die Erfüllung aller Anweisungen (1. Tim. 1,5).

„Denn das: "Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren", und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Wort zusammengefasst: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe.“ (Röm. 13, 9.10 Rev. Elb.) 


„Und dies ist sein Gebot: dass wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie er es uns als Gebot gegeben hat.“ (1. Joh. 3,23 Rev. Elb.)

Wenn wir lieben tun wir automatisch nichts Böses, wenn wir lieben tun wir automatisch Gutes. Wenn wir lieben, ist unser Wesen gekennzeichnet von Erbarmen, Güte, Großzügigkeit usw., wie es vielfach in den Briefen beschrieben steht. Natürlich kann man Liebe spezifizieren und erklären, was es konkret bedeutet. Aber wir brauchen keine Gesetze, die uns etwas verbieten oder befehlen, sondern es gehört zu unserem Wesen. Der Geist Gottes ist in uns, sein Wesen ist in uns. Das ist ja ein Merkmal des neuen Bundes: Gott in uns!

Das Gesetz sagt: Gib dem Zehnten! Die Freiheit des Neuen Bundes sagt: Gib was Du auf dem Herzen hast!
Das Gesetz sagt: Halte den Sabbat! Der Neue Bund sagt: Aus Liebe zu Gott will ich heute nicht arbeiten, aber wenn Du Dich jetzt ganz anders geführt siehst in Deinem Umgang mit dem Feiertag, dann kannst Du es anders machen.
Das Gesetz sagt: Brich nicht die Ehe! Im Neuen Bund, bin ich treu aus der Liebe zu meiner Frau heraus.
Und so könnte man noch viel mehr Gegenüberstellungen finden.

Gesetze beschränken das Handeln, Liebe entfaltet das Handeln. Gesetze können das Leben immer mehr einengen, Liebe ist grenzenlos, es gibt immer mehr an Liebe, an Taten. Aber nicht aus Zwang, sondern aus Freiheit.

„Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.“ (Jak. 1,25 Rev. Elb.)

AMEN.

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