Ströme lebendigen Wassers
1. Die Bedeutung des Laubhüttenfestes
Wenn man eine Predigt vorbereitet, ist es manchmal so, dass man von vornherein etwas Bestimmtes auf dem Herzen hat, dass in einem brennt und man ist sich ganz sicher, dass Gott möchte, dass man das weiter gibt. Manchmal ist es auch so, dass man ein Predigtthema vorgegeben bekommt und dann forscht, was Gott der Gemeinde darin sagen möchte. Und manchmal ist es so, dass man Gott fragt über was man predigen soll und man hört dann eine relativ klare Antwort, bekommt einen Bibelvers und denkt sich dann: „Und darüber soll ich predigen?“ So erging es mir diesmal. Ich hatte sofort einen Vers vor Augen, den ich mir selber auf keinem Fall raus gesucht hätte.
Nein, er ist nicht aus den Geschlechtsregistern, sondern wir finden ihn im Johannes-Evangelium.
„Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“ (Joh. 7, 37-39 Luther)
Schauen wir uns zunächst mal die Situation an, in der Jesus diese Worte sprach. Es war das Laubhüttenfest. Der letzte Tag des Festes, der gleichzeitig auch der höchste, der wichtigste Tag war.
1.1 Das Erntefest
Das Laubhüttenfest (Sukkot) war das letzte von drei Wallfahrtsfesten (2. Mose 23, 14-17), an denen jeder männliche Israelit teilnehmen musste. Es war das Fest des Einsammelns der Ernte am Ende des Jahres, also der Obst- und Weinernte. Das Fest dauert eine Woche, aber nur der erste und der letzte Tag sind Feiertage.
„Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage zu den Israeliten: Am fünfzehnten Tage dieses siebenten Monats ist das Laubhüttenfest für den HERRN, sieben Tage lang. Am ersten Tage soll eine heilige Versammlung sein; keine Arbeit sollt ihr tun. Sieben Tage sollt ihr dem HERRN Feueropfer darbringen. Am achten Tage sollt ihr wieder eine heilige Versammlung halten und sollt Feueropfer dem HERRN darbringen. Es ist eine Festversammlung; keine Arbeit sollt ihr tun. Das sind die Feste des HERRN, die ihr als heilige Versammlungen ausrufen sollt, um dem HERRN Feueropfer darzubringen: Brandopfer, Speisopfer, Schlachtopfer und Trankopfer, ein jedes an seinem Tage, abgesehen von den Sabbaten des HERRN und euren andern Gaben und Gelübden und freiwilligen Gaben, die ihr dem HERRN gebt. Am fünfzehnten Tage des siebenten Monats, wenn ihr die Früchte des Landes einbringt, sollt ihr ein Fest des HERRN halten sieben Tage lang. Am ersten Tage ist Ruhetag und am achten Tage ist auch Ruhetag. Ihr sollt am ersten Tage Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmwedel und Zweige von Laubbäumen und Bachweiden und sieben Tage fröhlich sein vor dem HERRN, eurem Gott, und sollt das Fest dem HERRN halten jährlich sieben Tage lang. Das soll eine ewige Ordnung sein bei euren Nachkommen, dass sie im siebenten Monat so feiern. Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen. Wer einheimisch ist in Israel, soll in Laubhütten wohnen, dass eure Nachkommen wissen, wie ich die Israeliten habe in Hütten wohnen lassen, als ich sie aus Ägyptenland führte. Ich bin der HERR, euer Gott. Und Mose tat den Israeliten die Feste des HERRN kund.“ (3. Mose 23, 33-44 Luther)
Während dieser sieben Tage wohnt das Volk also in Laubhütten zur Erinnerung an die Nomadenzeit während der Wüstenwanderung, es soll an die Versorgung durch Gott erinnern, an die völlige Abhängigkeit von ihm und es soll als ein fröhliches Fest vor ihrem Gott gefeiert werden.
Es gibt ja Christen die denken, fröhlich zu sein, d.h. jetzt man isst zusammen Kuchen, klopft sich fröhlich auf die Schulter und spricht sich den Segen Gottes zu. Das ist natürlich auch sehr schön, aber ich persönlich glaube ja, wenn ich mir anschaue, welche Vorgabe Gott für den Zehnten gegeben hat:
„und gib das Geld für alles, woran dein Herz Lust hat, es sei für Rinder, Schafe, Wein, starkes Getränk oder für alles, was dein Herz wünscht, und iss dort vor dem HERRN, deinem Gott, und sei fröhlich, du und dein Haus“ (5. Mose 14,26 Luther)
dass es da ganz schön feuchtfröhlich zuging und der Alkohol nicht nur in homöopathischen Dosierungen genossen wurde. Aber vielleicht steht das ja in jeder Übersetzung anders......
Und am letzten Tag des Festes gab es nun eine besondere Tradition, die sog. Schoeva-Prozession (= Wasserschöpf-Prozession). Ein Priester zog zu dem Teich Siloah bzw. zu der Gihon-Quelle, die den Teich gespeist hat, schöpfte dort Wasser in einem goldenen Gefäss um es dann auf dem Altar in ein Gefäss zu gießen. Da dieses aber Löcher hatte, ergoss sich das ganze Wasser über den Altar.
Dieses Ritual hatte mehrere Bedeutungen:
Zum einen ist das Laubhüttenfest ja ein Erntefest. Daher weiß man sich abhängig von der Versorgung Gottes mit Wasser, dankt ihm für die Ernte und bittet ihn um ausreichend Regen für das kommende Erntejahr. Dies wird durch das überfließende Wasser verdeutlicht. Die Idee für dieses Ritual - es gibt dafür keinen biblischen Auftrag - kommt aus dem Buch Jesaja. Dort steht:
„Und mit Freuden werdet ihr Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils.“ (Jes. 12,3 Rev. Elb.)
Für Heil steht hier im Hebr. „Je-schua“, also eigentlich JAHWE heilt, erlöst, hilft usw.
Hier ist also bereits ein erster Bezug zu Jesus vorhanden.
Zum Besprengen mit Wasser fällt mir ein Witz ein.
Ein Jude zieht in eine sehr katholische Gegend. Jeden Freitag sind die Katholiken sehr nervös, denn während sie ihren Fisch essen, sitzt der Jude im Garten und grillt Steaks. Also machen sie sich daran, ihn zu konvertieren. Schließlich, mit Bitten und Drohungen, gelingt es ihnen. Sie brachten ihn zu einem Priester, der besprenkelte ihn mit gesegnetem Wasser und sprach: "....geboren als Jude ....aufgewachsen als Jude ....jetzt ein Katholik." Die Katholiken sind begeistert, keine verführerischen Gerüche mehr am Freitag. Aber am nächsten Freitag zieht der Grillgeruch wieder durch die Nachbarschaft. Die Katholiken rennen schnell zum Haus des Juden, um ihn an seine neue Diät zu erinnern. Sie finden ihn am Grill stehend, wo er Wasser über das Fleisch sprenkelt und sagt: "....geboren als Kuh ....aufgewachsen als Kuh ....jetzt ein Fisch."
1.2 Wasser aus dem Felsen
Einen weiteren Ursprung dieses Schoeva-Rituals finden wir in einer Begebenheit während der Wüstenwanderung. Das Volk Israel ist in der Wüste und hat kein Wasser mehr und begehrt gegen Mose auf. Mose ist entnervt und verzweifelt und wendet sich an Gott. Dann heißt es:
„Der HERR sprach zu ihm: Tritt hin vor das Volk und nimm einige von den Ältesten Israels mit dir und nimm deinen Stab in deine Hand, mit dem du den Nil schlugst, und geh hin. Siehe, ich will dort vor dir stehen auf dem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinke. Und Mose tat so vor den Augen der Ältesten von Israel.“ (2. Mose 17, 5.6 Luther)
An diese Begebenheit, diese hier erlebte Versorgung wird während des Rituals gedacht. Diese Begebenheit in der Wüste hat aber auch eine prophetische Dimension. Sie weist auf Jesus und das Kreuz hin.
Das Wort „Horeb“ wird wohl von dem hebräischen Wort für „Gericht“ abgeleitet. (Ganz sicher bin ich mir da nicht, ob meine Quellen da stimmen. Bei zehn jüdischen Kommentaren findet man manchmal 15 verschiedene Meinungen.) Tatsächlich wird aber der letzte Tag (Hoschanna Rabba) des Laubhüttenfestes, als ein Tag des Gerichts betrachtet, an dem die Erlösungsbedürftigkeit herausgestellt wird.
Mose schlug also auf den Felsen und es geschah wie Gott es verheißen hatte.
„Er spaltete Felsen in der Wüste und tränkte sie reichlich, wie mit Urfluten. Er ließ Bäche hervorkommen aus dem Felsen und Wasser herablaufen wie Flüsse.“ (Ps. 78, 15.16 Rev. Elb.)
Womit schlug er? Mit denselben Stab, mit den Mose den Nil geschlagen hatte. Mit denselben Stab, mit den er das Gericht über die Ägypter herabgerufen hatte. Dieser Stab ist ein Sinnbild für das Gericht Gottes.
Und wer war der Felsen? Christus! Paulus sagt:
„und alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank; denn sie tranken aus dem Leben spendenden Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus.“ (1. Kor. 10, 4 EÜ)
Der Felsen wurde am Ort des Gerichts mit dem Stab des Gerichts geschlagen. Christus wurde am Ort des Gerichts am Stab des Gerichts, am Kreuz, für uns geschlagen.
Wir haben hier also einen doppelten Hinweis auf Jesus: er ist der Fels der mit dem Gericht geschlagen wurde und er ist die Quelle des Heils, aus der geschöpft wird.
Und nun steht Jesus auf und sagt: „Wenn Ihr wirklich Durst habt nach lebendigen Wasser, nicht nur wie eure Vorväter nach physischen Bedürfnissen, wenn ihr eine Sehnsucht nach Leben habt, dann kommt zu mir und trinkt. Es wird euren Durst stillen und wird als lebendige Wasser aus Euch heraus strömen, so wie es den Altar überflutet hat.“
Die Juden sagten über ihr Laubhüttenfest, dass es ein Fest von großer Freude war. Es war laut und bunt und schrill und es wurde getanzt usw. und wer diese Freude nie erlebt hatte, wusste nicht was wahre Freude ist, trotzdem ist es nur fades Wasser im Vergleich zu dem lebendigen Wasser, das Jesus gibt.
2. Jesus gibt das Wasser des Geistes
In der Bibel ist Wasser oft ein Symbol für den Heiligen Geist. Und so auch hier: Jesus spricht von strömenden lebendigen Wasser des Geistes, das aus uns herausfließt.
Wer kommt in den Genuss dieser Verheißung? Das ist einfach. Jeder, der an Jesus glaubt, so wie die Schrift es sagt. Das AT stellt ihn vor, als den Messias, den Christus, den Erlöser. Jeder der glaubt, dass er der Christus, der für mich gesandte Erlöser ist.
Aber um an diesen Punkt zu kommen, muss ich erst mal Durst haben. Ich muss mir meiner Erlösungsbedürftigkeit bewusst sein, ich muss mich danach sehnen frei von meiner Schuld zu werden, ich muss mich danach sehnen gerechtfertigt zu werden von Gott. Ohne dies bleibt es beim intellektuellen Zustimmen - so wie ich der Wirkung eines Antibiotikums intellektuell zustimme „Ja, ich glaube, dass dieses Medikament gesund macht und diese und jene Wirkung hat“ ohne dass ich es jedoch einnehme - und wird nicht zum persönlichen Glauben.
Aber wenn ich diesen Glauben habe, dann habe ich die Verheißung, dass der Heilige Geist in mir (aus meinem Leib, aus meinem Inneren, aus meinem Bauch) zu einer überfließenden Quelle lebendigen Wassers wird.
Dr. Eckart von Hirschhausen fragt ja in seinem aktuellen Buch „Wo geht die Liebe hin, wenn sie durch den Magen durch ist?“, analog könnten wir hier fragen „Wo geht der Heilige Geist hin, wenn er aus meinem Bauch raus ist?“
Ich weiß nicht, ob Hirschhausen Antworten gibt, ich werde auf jeden Fall welche geben.
Zu dem Zeitpunkt des Auftretens Jesu auf dem Laubhüttenfest war der Heilige Geist noch nicht da. Wir leben jetzt nach Pfingsten und haben den Heiligen Geist. Wir haben ihn in Empfang genommen, haben unterschiedliche Erfahrungen der Erfüllung/Taufe/Freisetzung des Heiligen Geistes erlebt. Wir wissen also, wovon Johannes hier schreibt.
Trotzdem gibt es manchmal Differenzen zwischen unserer Erfahrung und der Verheißung Jesu. Manchmal fließt´s, manchmal strömt´s und manchmal tröpfelt´s auch nur. Woran könnte dies liegen?
3. Die verschiedenen Wirkungsweisen des Heiligen Geistes
Der Theologe Detmar Scheunemann differenziert vier verschiedene Dienste bzw. Wirkungsweisen des Heiligen Geistes, die ich für sehr hilfreich empfinde:
- der evangelistische Dienst: er überführt mich von Sünde, macht Jesus groß, führt mich zur Bekehrung
- der organisch-umgestaltende Dienst: er lässt die Früchte des Geistes in mir wachsen, lässt mich Christus-ähnlicher werden
- der charismatische Dienst: all die verschiedenen Geistesgaben und Kraftwirkungen (Prophetie, Heilung usw.) und
- der pädagogische Dienst: er lehrt mich durch das Wort, führt mich, tröstet mich usw.
Und ich denke diese vier Differenzierungen sind genauso auf die Ströme des Geistes anwendbar, die aus uns heraus fließen.
Wir charismatisch geprägten Christen haben oft nur die charismatische Seite des Wirkens des Heiligen Geistes im Blick oder sind zumindest etwas einseitig darauf fixiert. Wenn um uns herum oder durch uns die Kranken geheilt werden, die Prophetie fließt, die Dämonen weichen usw., dann sehen wir uns im Fluss des Heiligen Geistes. Dann bin ich da, wo der Geist Gottes ist und er strömt aus mir heraus und das Wasser fließt und alles ist bestens.
Aber wenn ich nur das charismatische Wirken im Blick habe, bin ich pneumatalogisch etwas restringiert. Dann bin ich in meiner Sicht der Dinge eingeschränkt, dann ist meine Wahrnehmung limitiert und dann ist auch meine Erwartungshaltung verkürzt.
Es könnte nämlich sein, dass der Heilige Geist gerade aus mir aktuell eher organisch-umgestaltend oder pädagogisch herausfließen möchte, weil es der Person neben mir einfach gut tut, wenn ich ihr bspw. mit Güte und Geduld begegne oder ihr einen Rat gebe. Und ich krieg es nicht mit, weil ich die falsche Brille aufgesetzt habe.
4. Hinderungsgründe für den Fluss des Geistes
Es gibt also tatsächlich Mechanismen, wie wir den Strom des Heiligen Geistes aus uns heraus behindern können.
Ich möchte Euch ein paar Strategien nennen, wie wir das möglichst „erfolgsversprechend“ schaffen könnten.
Eine habe ich schon erwähnt:
„1. Fokussiere Dich auf eine bestimmte Wirkungsweise des Heiligen Geistes und lass alles andere nicht in Dein Blickfeld!“
Im Gleichnis vom vierfachen Acker spricht Jesus davon, dass „die Sorgen des Alltags, die Verführung durch den Wohlstand und die Jagd nach den Freuden dieses Lebens“ (Lk. 8, 14 HfA) das geistliche Leben ersticken.
Auch dies ist eine sehr gute Strategie um den Strom des Heiligen Geistes abzutöten. Wir leben in einer Welt voller Freiheit und Möglichkeiten, aber auch voller Verpflichtungen und sozialer und medialer Einbindungen. Fluch und Segen liegen hier oft nah beieinander. Weniger ist hier oft mehr. „Simplify Your Life!“ ist das Schlagwort dazu.
Die erfolgsversprechende Strategie ist daher: „2. Versenke Dich in möglichst alle Anforderungen und Gelegenheiten des beruflichen, medialen und sozialen Lebens und sorge Dich stets um Deine Zukunft!“
Was kann den Fluss noch behindern? Ich habe vorhin erwähnt, dass das Laubhüttenfest ein Fest der Freude sein sollte. Und Freude hängt viel mit Freiheit zusammen. Paulus ruft uns zu:
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal. 5,1 Luther)
Obwohl die Hoch-Zeit des Pietismus mit seinen vielen Übertreibungen schon lange vorbei ist, setzen wir uns doch oft wieder selbst unter religiösen Druck oder lassen uns religiöse Erwartungen anderer aufladen. Wir haben irgendwelche Ideale, die wir erfüllen wollen; Vorbilder, denen wir nacheifern oder Prinzipien, nach denen wir zu leben trachten. Leider gibt es auch viele an sich gute christliche Bücher, die nur neuen Druck auf uns legen.
Daher lass Dir gesagt sein: Du musst gar nichts! Es ist vollbracht! Es ist vollständig erfüllt! Es ist vollendet! Es ist vollkommen vollkommen! Es gibt keine Verdammnis mehr. Gott liebt Dich, egal ob Du heute Plus- oder Minuspunkte in Deinem persönlichen Anspruchskatalog gesammelt hast.
Eine gute Verhinderungsstrategie ist daher: „3. Zweifle beständig und zuverlässig an Gottes persönlicher Liebe zu Dir und versuche Dir jeden Tag eine neue Pflicht aufzuerlegen!“
Man könnte noch ergänzen: „3a. Arbeite in mindestens so vielen gemeindlichen Gremien mit, dass es Dir schwer fällt Zeiten zur Entspannung und für Dinge, die Dir Spaß machen zu finden!“
5. Der Fluss des Geistes und seine Flussrichtung
Einen Punkt hab ich noch. Vielleicht sogar der Wichtigste. Jeder Fluss fließt immer von oben nach unten. Er entspringt irgendwo in den Bergen und fließt ins Meer.
Der Strom des Heiligen Geistes, der aus uns herausfließt, hat seinen Ursprung bei Gott und er will zu den Menschen fließen. Er ist nicht für mich bestimmt. Er ist nicht dazu da, dass ich mich gut fühle. Das ist ein wunderbarer Neben-Effekt, aber ich bin nicht das Ziel. (Es geht nicht um Individualismus und auch nicht um Gruppen-Egoismus.)
Gott ist Liebe (1. Joh. 4,8) und die Substanz dieses Stroms ist Liebe. Und diese Liebe will zu den Menschen. Dabei fließt sie heraus aus der Intimität mit Gott, aus den Zeiten der Gegenwart Gottes, der Ruhe vor Gott, der Anbetung zu den Menschen - und zwar in den verschiedensten Ausprägungen. Die Liebe will sich ausdrücken in Kraft, in Prophetie, in Heilung, aber genauso in Freundlichkeit und Güte, in Beratung und Hilfeleistung, in Dienen und Geben, in Verkündigung und Zeugnis, in Nähe und Zärtlichkeit, in Lachen und Feiern, Zuhören und gemeinsam Spaß haben....
Manchmal behindern wir den Strom des lebendigen Wassers, weil wir die Adressaten nicht im Blick haben oder weil wir sie vielleicht nur als Subjekt zur Bekehrung gesehen haben, weil wir vielleicht nicht über unsere Gemeinde- und Gottesdienstgrenzen hinaus geschaut haben.
Paulus schreibt:
„Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf.“ (Röm. 12,1 NGÜ)
Wenn wir hier aus dem Saal gehen, dann hört der Gottesdienst nicht auf, dann fängt er erst an. Unser Arbeitsplatz, unsere Nachbarschaft, unsere Familie, unsere Stadt, unsere Gesellschaft, das sind die Plätze, an die der Strom Gottes hin fließen möchte. Das sind die Plätze wo er durch uns Reich Gottes bauen und gestalten möchte.
Wir haben in unserem Hauskreis gerade eine Aktion am Laufen, wo wir reihum an einem Hauskreisabend unsere Arbeitsplätze aufsuchen - alle paar Wochen an einem anderen - um dort zu beten, dass dort Reich Gottes durch das einzelne Hauskreismitglied gebaut werden kann. Das Gottes Gegenwart dort einziehen kann und sich die Atmosphäre verändert, dass die Werte Gottes, die Gerechtigkeit des Reiches Gottes sich dort ausbreiten.
6. Zusammenfassung
Ich möchte zum Schluss noch kurz zusammenfassen:
Manchmal sind wir blind für die Ströme des lebendigen Wassers, die aus uns heraus fließen, weil wir den falschen Fokus haben, weil wir nicht wahrnehmen, dass Gott gerade ganz anders wirken möchte.
Manchmal hindert uns unser Alltag.
Manchmal blockieren wir uns selbst durch überzogene Erwartungen und manchmal vergessen wir, dass wir Gottes geliebte Kinder sind.
Und manchmal ist es einfach so, dass wir den Blick abgewendet haben von den Menschen, zu denen die Liebe Gottes eigentlich hin fließen möchte.
Wichtig ist: Gott zieht seine Liebe und den Strom seines Heiligen Geist nie zurück und wird ihn nie zurückziehen.
Wir sind für immer die Gerechtfertigten, die Heiligen, seine Söhne und Töchter.
Christus lebt in uns und will sich durch uns ausdrücken.
Wenn wir in diesem Bewusstsein leben, dann sucht sich der Strom immer wieder seinen Weg zu den Menschen.
AMEN.
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Sonntag, 24. Februar 2013
Freitag, 26. Dezember 2008
Predigt von Norbert Wohlrab (21.12.08)
Gottes Gericht und sein Ja in Jesus
1. Einleitung: Advent
Heute ist ja der vierte Sonntag im Advent und ich dachte es wäre mal angebracht, sich mit einem Aspekt der Adventszeit zu beschäftigen.
Die Adventszeit war ursprünglich gedacht als 40tägige Bußzeit. Sie begann am 11. November und endete am 6. Januar. Diese acht Wochen ergaben dann ohne die fastenfreien Samstag und Sonntage 40 Tage. Später wurden sie dann in vielen Kirchen und Regionen auf die uns bekannten 4 Wochen reduziert. In Mailand dauert sie auch heute noch diese 40 Tage. Dabei entwickelten sich unterschiedliche Schwerpunkte; das Warten auf die Wiederkunft Christi und damit verbunden eine Zeit der ernsthaften Buße und Vorbereitung und im Gegensatz dazu das weihnachtlich-freudige Motiv der Menschwerdung Gottes, das eher bei uns verbreitet ist.
Eigentlich gehört beides zusammen: Menschwerdung und Wiederkunft, Krippe und Kreuz. Auch in der Bibel, insbesondere bei den alttestamentlichen Prophetien ist da ja auch vieles von der ersten und der zweiten Wiederkunft Jesu miteinander vermischt.
Ernsthafte Buße bedeutet sich selbst, sein eigenes Leben, sei Denken zu überprüfen.
„Der Mensch aber prüfe sich selbst“ sagt Paulus (1. Kor. 11.28a) und weiter:
„Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber von dem Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden.“ (1. Kor. 11, 31.32)
Im übergeordneten Kontext dieses Textes geht es um Lieblosigkeiten beim Abendmahl. Es wird hier aber ein allgemeingültiges Prinzip deutlich: Wir haben den Auftrag uns selbst zu prüfen um Züchtigung Gottes und Gericht zu vermeiden. Und das grie. Wort „dokimazein“ beinhaltet nicht nur den Vorgang der Selbstkritik, sondern auch der Verhaltenskorrektur. Es geht also darum sich selbst und sein erhalten im Sinne Gottes zu ändern um nicht gezüchtigt und nicht gerichtet zu werden. Ob es sich dabei jetzt um ein dieseitiges oder jenseitiges Gericht Gottes sei erstmal dahingestellt.
Züchtigung? Gerichtet werden? Gehört dies zu unserem Bild von Gott? Und was verbinden wir damit für Inhalte?
2. Züchtigung
Züchtigen ist bei uns ein negativ besetzter Begriff. Wir denken an Schläge und Strafen, bis Ende der 60er Jahre gab es bspw. auch die Zuchthäuser, die nur den Strafcharakter kannten. Der moderne Strafvollzug hingegen soll ja - zumindest theoretisch - die Besserung der Insassen als Ziel haben.
Das grie. Wort „paideuo“ meint aber eigentlich das elterliche Erziehen - mit Worten, aber auch mit Schlägen. Das Wort Pädagogik hat hier seine Wurzel. Für den Leser der damaligen Zeit, war dies also kein negativ besetzter Begriff, sondern zumindest ein neutraler Begriff, da jeder die Notwendigkeit des Erziehens und Erzogenwerdens aus eigener Erfahrung kannte. So wird bspw. das Gesetz Israels als Zuchtmeister (Erzieher) auf Christus hin beschrieben (Gal. 3,24). Es hatte die Aufgabe die Erlösungsbedürftigkeit aufzuzeigen und auf den Erlöser vorzubereiten. Und so kann der Schreiber des Hebräerbriefs mit voller Überzeugung sagen:
„›Denn wen der Herr liebt, den erzieht er mit der nötigen Strenge; jeden, den er als seinen Sohn annimmt, lässt er auch seine strafende Hand spüren.‹ Wenn ihr also Nöte durchmachen müsst, dann seht darin Gottes Absicht, euch zu erziehen. Er macht es mit euch wie ein Vater mit seinen Kindern. Oder gibt es einen Sohn, der von seinem Vater nicht mit strenger Hand erzogen wird? Mit allen seinen Kindern ist Gott auf diese Weise verfahren. Wenn er euch nicht erziehen würde, würde das heißen, dass ihr gar nicht seine rechtmäßigen Kinder seid. Und überlegt euch auch Folgendes: Unsere leiblichen Väter haben uns mit der nötigen Strenge erzogen, und wir hatten Respekt vor ihnen. Müssen wir uns da nicht noch viel mehr dem Vater unterordnen, der allen Wesen Geist und Leben gibt? Denn sich ihm unterzuordnen bedeutet wahres Leben. Unsere leiblichen Väter haben uns nur eine verhältnismäßig kurze Zeit erzogen, und zwar so, wie es ihren Vorstellungen entsprach. Gott aber weiß wirklich, was zu unserem Besten dient; er erzieht uns so, dass wir an seiner Heiligkeit Anteil bekommen. Mit strenger Hand erzogen zu werden tut weh und scheint zunächst alles andere als ein Grund zur Freude zu sein. Später jedoch trägt eine solche Erziehung bei denen, die sich erziehen lassen, reiche Früchte: Ihr Leben wird von Frieden und Gerechtigkeit erfüllt sein.“ (Hebr. 12, 6-11 NGÜ)
Die Züchtigung durch Gott ist also nicht nur Pädagogik, sie ist auch eine Ausdrucksform seiner Liebe. Er erzieht ausdrücklich seine Kinder - wohl auch noch die, die auf dem Weg sind, auf der Suche nach ihm sind um sie gänzlich zu ihm zu ziehen. Und wir können feststellen: gezüchtigt zu werden macht erstmal keinen Spaß, aber rückblickend erkennen wir darin die Fürsorge Gottes. Und das Ziel aller Erziehung ist eine Zunahme an Heiligkeit in unserem Leben.
Wie kann so was aussehen in unserem Leben? Ich denke, wir haben dies alle schon in den unterschiedlichsten Situationen erlebt.
Ich bin ja Sozial-Pädagoge und kein "Theo-Pädagoge", also ich seh mich nicht als Experte für göttliche Erziehung. Aber ich denke mal, es gibt zum einen die Wege, in denen Gott uns einfach die schlechten Früchte unseres Verhaltens kosten lässt, also eine Art passive Erziehung, ein Zulassen. Wo wir ernten, was wir gesät haben und aus der bitteren Frucht dann lernen müssen. Und es gibt die aktive Variante, in denen Gott uns direkt korrigiert und wir unser Fehlverhalten erkennen.
Wenn wir in der Bibel nach Beispielen suchen, werden wir v.a. im AT fündig:
David, dessen Kind sterben musste, damit er lernte Gott wieder an erste Stelle zu stellen;
Mose, dem sich Gott in den Weg stellte, weil er die Beschneidung nicht vollzogen hatte;
seine Schwester Mirijam, die wegen ihres Lästerns vorübergehend aussätzig wurde;
Joseph, der wegen seiner Überheblichkeit in die Sklaverei verkauft wurde usw. usf.
Im NT sind die Beispiele schon etwas rarer:
Zacharias, der wegen seines Unglaubens vorübergehend stumm wurde;
der Dorn im Fleisch des Paulus, damit er sich nicht überhebt (2. Kor. 12, 7-10);
der dreimal krähende Hahn bei Petrus verbunden mit dem dreimaligen Fragen des
Herrn nach seiner Liebe, wodurch ihm seine Überheblichkeit und Schwachheit vor Augen geführt wurde;
vielleicht auch noch die Tatsache, dass ausgerechnet Petrus als stolzer Judaist von Gott ausdrücklich beauftragt wurde den ersten Heiden zu predigen, damit das Evangelium auch die Nicht-Juden erreichen konnte (Apg. 10);
die eingangs erwähnte Gemeinde in Korinth, die aufgrund vom Einnehmen des Abendmahls in einer unwürdigen Art und Weise zahlreiche Kranke und Schwache in den Reihen zu beklagen hatte (1. Kor. 11, 29.30).
Vielmehr Beispiele werden wir aus dem Leben der Gemeinde im NT wohl nicht finden.
Aber es wird deutlich die Zucht des Herrn kann sehr unterschiedlich ausfallen: von einem inneren Überführen von Sünde bis hin zu Krankheiten und Schwachheiten scheint alles möglich zu sein. Trotzdem ist dies ein Bereich, den die Gemeinde Jesu heutzutage gerne übersieht. Wenn Ihr den christlichen Buchmarkt durchforstet oder in Google sucht, werdet ihr dazu fast gar nichts finden. Und dies obwohl der Gott aus dem Jahre 50, der gleiche Gott ist, wie aus dem Jahr 2008. Es haben sich die Kultur, die Lebensbedingungen, die Sprache in den 2000 Jahren geändert, aber Gott ist noch derselbe.
Haben wir es nicht mehr nötig? Sind wir in unserer geistlichen Entwicklung schon soweit vorangeschritten? Oder übersehen wir diesen Aspekt des Wesens Gottes vielleicht einfach nur? Vielleicht erkennen wir die Erziehungsmaßnahme Gottes auch bloß nicht und sie wird sich immer wieder wiederholen und wiederholen und wiederholen, bis wir daraus lernen. Die meisten Menschen in der Bibel, die von Gott erzogen wurden, haben gewusst warum; manchen musste es jedoch erst erklärt werden. David hat erst einen Propheten gebraucht, die Korinther haben erst den Paulus gebraucht. Vielleicht brauchen wir auch manchmal Geschwister, die uns korrigieren, auf jeden Fall aber benötigen wir den Geist und das Wort Gottes als Korrektiv.
Wenn ich in meinem Leben zurückdenke, dann sind es v.a. falsche innere Haltungen, die von Gott korrigiert wurden. In Situationen, in denen ich über Geschwister innerlich geurteilt habe, weil sie sich falsch verhalten hatten; in Situationen, in denen ich gerichtet habe, wo ich aus einer Haltung des Stolzes heraus gedacht habe: wie kann man als Christ nur so oder so handeln, mit seinen Nächsten umgehen, den Kindern soetwas durchgehen lassen, lügen o.ä.; musste ich dann meist kurz darauf erleben, dass ich zu genau den gleichen Fehlern fähig war. Das macht mit der Zeit demütig, öffnet die Herzen für die Gnade Gottes und macht einen nachsichtig anderen gegenüber. (Alle anderen Erziehungsmaßnahmen Gottes muss ich verdrängt haben, weil mehr ist mir für mich persönlich nicht weiter eingefallen.)
Aber auch als Gemeinde kann man von Gott gezüchtigt werden. Ich denke, auch der Bruch in der CGF vor vielen Jahren, könnte so eine Erziehungsmaßnahme Gottes gegen geistliche Überheblichkeit gewesen sein. Aus einer wachsenden und sich profilierenden Gemeinde wurde eine der kleinsten in der Region. Das macht demütig.
Und ich denke, dass man kein Prophet sein muss, um auszusprechen, dass die Gemeinden, die jetzt gerade eine elitäre und stolze Haltung kultivieren und denken, sie sind was Besseres, weil nur sie die richtige Lehre haben oder nur sie die richtige Dynamik haben, irgendwann von Gott gedemütigt werden, wenn sie sich nicht selbst demütigen.
3. Das Gericht über die Gläubigen
Paulus sagt der Zweck von Züchtigung ist das Bewahren vor dem Gerichtet werden.
Wenn wir uns die Aussagen der Bibel zu dem Themenkomplex Gericht ansehen, müssen wir feststellen, dass hier eine große Anzahl verschiedener Gerichte beschrieben werden.
Wir lesen dort von Gerichten, die bereits zu Lebzeiten des Gläubigen stattfinden; von Gerichten über Israel; von Gerichten über Satan und seine Engel; von Gerichten über Nationen; vom großen Weltgericht und vom Gericht über die Gläubigen.
Die Differenzierung ist teilweise nicht einfach und führt auch zu unterschiedlichen Interpretationen.
Welches Gericht erwartet die Gläubigen? Entscheidend ist folgende Aussage Jesu:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“ (Joh. 5,24)
Wenn wir an Jesus glauben, kommen wir nicht ins Gericht, sondern haben bereits ewiges Leben, weil wir das Gericht, das am Kreuz verübt wurde (Joh. 12, 31.32), bereits in Anspruch genommen haben und unseren alten Menschen in den Tod verabschiedet haben. Dort am Kreuz wurde Jesus stellvertretend an unserer Statt gerichtet und wir geben uns in seinen Tod hinein und somit haben wir das Gericht schon passiert. Jede Aussage, jede Theologie muss diesem Wort Jesu standhalten: Du kommst nicht ins Gericht! Du bist bereits vom Tod ins Leben übergegangen!
Im grie. steht hier das Wort „krisis“, dass außer Gericht, noch Trennung, Absonderung
und Entscheidung bedeutet.
Soweit so gut. Nun haben wir aber das Problem, dass Paulus folgendes sagt:
„Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.“ (2. Kor. 5,10)
An anderer Stelle redet er auch vom Richterstuhl Gottes (Röm. 15,10). Was hat das zu
bedeuten, kannte Paulus die Aussage Jesu nicht?
Hier ist die Rede von einem anderen Gericht. Im grie. „bema“, dass Tritt oder Stufe bedeutet, ein nur um eine Stufe erhöhter Stuhl. Ein Stuhl auf dem Jesus sitzt um uns nicht abzuurteilen, sondern um uns zu belohnen.
„dann wird jedem sein Lob werden von Gott“ (1. Kor. 4,5)
Hier werden zwar auch unsere Werke beurteilt, unsere Bauten im Reich Gottes beurteilt und geprüft und wir können den Lohn einbüßen, wenn wir nur Holz, Heu und Stroh darauf gebaut haben, statt kostbarer Steine, aber wir selbst werden gerettet werden (1. Kor. 3, 11-15). Wobei es diesbezüglich auch unterschiedliche Meinungen gibt, ob dieses Verbrennen der Werke bereits auf der Erde stattfindet oder erst später und wir dann quasi bei jedem einzelnen Objekt zuschauen müssen.
Auf jeden Fall heißt es: ich brauche mich nicht zu fürchten, ich kann meine Erlösung nicht verlieren, solange ich Kind Gottes bleibe.
Die Ausleger erwarten diese Beurteilung unmittelbar nach der Entrückung der Gläubigen. Dann werden die Kinder Gottes offenbar werden (Kol. 3,4). Und dieses Offenbarwerden ist ja nicht nur ein Sichtbarwerden der Taten, sondern unsere göttliche Natur wird offenbar. Unser Stand als Söhne und Töchter Gottes wird dann endlich sichtbar werden.
4. Das Gericht über die Nationen
Wie passen aber die anderen Gerichtsszenarien aus dem NT zusammen. Wie ist es bspw. mit der Stelle bzgl. dem Verhalten gegenüber den geringsten Brüdern?
ich war durstig, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben; ich war ein Fremder, und „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommen wird und mit ihm alle Engel, dann wird er in königlichem Glanz auf seinem Thron Platz nehmen. Alle Völker werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie der Hirte die Schafe und die Ziegen voneinander trennt. Die Schafe wird er rechts von sich aufstellen und die Ziegen links. Dann wird der König zu denen auf der rechten Seite sagen: ›Kommt her, ihr seid von meinem Vater gesegnet! Nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch vorbereitet ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen; ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert; ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.‹ Dann werden ihn die Gerechten fragen: ›Herr, wann haben wir dich denn hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden bei uns gesehen und haben dich aufgenommen? Oder wann haben wir dich gesehen, als du nichts anzuziehen hattest, und haben dir Kleidung gegeben? Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und haben dich besucht?‹ Darauf wird der König ihnen antworten: ›Ich sage euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr für mich getan.‹ Dann wird er zu denen auf der linken Seite sagen: ›Geht weg von mir, ihr seid verflucht! Geht in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben;ihr habt mich nicht aufgenommen; ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und war im Gefängnis, und ihr habt euch nicht um mich gekümmert.‹ Dann werden auch sie fragen: ›Herr, wann haben wir dich denn hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder ohne Kleidung oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht geholfen?‹ Darauf wird er ihnen antworten: ›Ich sage euch: Was immer ihr an einem meiner Brüder zu tun versäumt habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr mir gegenüber versäumt. So werden sie an den Ort der ewigen Strafe gehen, die Gerechten aber werden ins ewige Leben eingehen.“ (Mt. 25, 31 - 46 NGÜ)
Diese Stelle ist in meiner Bibel fälschlicherweise mit „Das Endgericht“ überschrieben und sie ist dazu geeignet uns Angst zu machen. Werden wir jetzt doch nach Werken gerichtet?
Habe ich mich denn genug um geringe Brüder gekümmert? Reicht es, wenn ich bei AI Mitglied bin?
Eine wesentliche Aussage fällt gleich zu Beginn des Textes: dieses Gericht findet statt, wenn der Sohn in Herrlichkeit kommt.
Wo befindet sich zu diesem Zeitpunkt die Gemeinde? Sie wurde bereits entrückt und kommt mit Jesus wieder (1. Thes. 3,13).
Wann findet das Endgericht über alle toten und dann noch lebenden Menschen statt? Am Ende dieser Welt, bevor eine neue Erde und ein neuer Himmel geschaffen wird. Was sich noch dazwischen ereignet ist das 1000jährige Reich. Bevor dieses Reich beginnt, findet ein Gericht statt. Und dies ist das Gericht von dem wir hier lesen: es ist das Gericht über die Nationen. In diesem Gericht wird darüber gerichtet, wie sich die Nationen während der Trübsalszeit zu Israel gestellt haben (vgl. Joel 4, 1-3) und diejenigen, die sich positiv zu Israel gestellt haben, dürfen in das 1000jährige Reich eintreten. Jetzt beginnt die Zeit, die viele alttestamentliche Propheten mit dem Kommen des Messias verknüpft haben, sich aber tatsächlich erst beim zweiten Kommen ereignen wird. Die Zeit in der Israel friedlich mit den Nationen zusammen leben wird, die Zeit in der Christus herrscht, Gerechtigkeit und Wohlstand werden herrschen, die Erde wird vom Fluch erlöst sein, Lamm und Löwe werden nebeneinander wohnen, der Teufel wird gebunden sein.
Und wir? Wir werden in dieser Zeit einiges zu tun haben, wir werden zusammen mit Christus herrschen und regieren (Offb. 5, 9.10; 20, 1-6). Wahrscheinlich werden wir Leiber haben wie Christus nach seiner Auferstehung, mit denen wir sowohl auf der Erde leben können, als auch in den Himmel eingehen können.
5. Das letzte Gericht
Erst nach dieser Zeit findet das letzte Gericht statt, das Gericht über die Gestorbenen aller Zeitalter. Wer hier steht, weiß spätestens jetzt, dass er den „point of no return“ überschritten hat.
„Nun sah ich einen großen weißen Thron, und ich sah den, der auf dem Thron saß. Himmel und Erde flohen vor ihm, weil sie seine Gegenwart nicht ertragen konnten; sie verschwanden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Ich sah die Toten vor dem Thron stehen, vom Kleinsten bis zum Größten. Es wurden Bücher aufgeschlagen, in denen stand, was jeder getan hatte, und aufgrund dieser Eintragungen wurden die Toten gerichtet; jeder empfing das Urteil, das seinen Taten entsprach. Und noch ein anderes Buch wurde geöffnet: das Buch des Lebens. Das Meer gab seine Toten heraus, und auch der Tod und das Totenreich gaben ihre Toten heraus. Bei jedem Einzelnen entsprach das Urteil dem, was er getan hatte. Der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen; der Feuersee ist der zweite Tod. Und wenn jemand nicht im Buch des Lebens eingetragen war, wurde er ebenfalls in den Feuersee geworfen.“ (Offb. 20, 11-15)
Wer hier steht ist schon gerichtet, weil er nicht an Jesus geglaubt hat (Joh. 3,18). Es wird unterschiedliche Strafen geben, aber für alle bleibt ein Zustand der Gottesferne.
Unsere Namen jedoch sind im Himmel, im Buch des Lebens geschrieben (Lk. 10,20; Offb. 3,5). Für uns bleibt die Zusage Jesu:
„Denn der Sohn Gottes, Christus Jesus...war nicht Ja und Nein, sondern in ihm ist ein Ja geschehen.“ (2. Kor. 1,19)
AMEN.
1. Einleitung: Advent
Heute ist ja der vierte Sonntag im Advent und ich dachte es wäre mal angebracht, sich mit einem Aspekt der Adventszeit zu beschäftigen.
Die Adventszeit war ursprünglich gedacht als 40tägige Bußzeit. Sie begann am 11. November und endete am 6. Januar. Diese acht Wochen ergaben dann ohne die fastenfreien Samstag und Sonntage 40 Tage. Später wurden sie dann in vielen Kirchen und Regionen auf die uns bekannten 4 Wochen reduziert. In Mailand dauert sie auch heute noch diese 40 Tage. Dabei entwickelten sich unterschiedliche Schwerpunkte; das Warten auf die Wiederkunft Christi und damit verbunden eine Zeit der ernsthaften Buße und Vorbereitung und im Gegensatz dazu das weihnachtlich-freudige Motiv der Menschwerdung Gottes, das eher bei uns verbreitet ist.
Eigentlich gehört beides zusammen: Menschwerdung und Wiederkunft, Krippe und Kreuz. Auch in der Bibel, insbesondere bei den alttestamentlichen Prophetien ist da ja auch vieles von der ersten und der zweiten Wiederkunft Jesu miteinander vermischt.
Ernsthafte Buße bedeutet sich selbst, sein eigenes Leben, sei Denken zu überprüfen.
„Der Mensch aber prüfe sich selbst“ sagt Paulus (1. Kor. 11.28a) und weiter:
„Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber von dem Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden.“ (1. Kor. 11, 31.32)
Im übergeordneten Kontext dieses Textes geht es um Lieblosigkeiten beim Abendmahl. Es wird hier aber ein allgemeingültiges Prinzip deutlich: Wir haben den Auftrag uns selbst zu prüfen um Züchtigung Gottes und Gericht zu vermeiden. Und das grie. Wort „dokimazein“ beinhaltet nicht nur den Vorgang der Selbstkritik, sondern auch der Verhaltenskorrektur. Es geht also darum sich selbst und sein erhalten im Sinne Gottes zu ändern um nicht gezüchtigt und nicht gerichtet zu werden. Ob es sich dabei jetzt um ein dieseitiges oder jenseitiges Gericht Gottes sei erstmal dahingestellt.
Züchtigung? Gerichtet werden? Gehört dies zu unserem Bild von Gott? Und was verbinden wir damit für Inhalte?
2. Züchtigung
Züchtigen ist bei uns ein negativ besetzter Begriff. Wir denken an Schläge und Strafen, bis Ende der 60er Jahre gab es bspw. auch die Zuchthäuser, die nur den Strafcharakter kannten. Der moderne Strafvollzug hingegen soll ja - zumindest theoretisch - die Besserung der Insassen als Ziel haben.
Das grie. Wort „paideuo“ meint aber eigentlich das elterliche Erziehen - mit Worten, aber auch mit Schlägen. Das Wort Pädagogik hat hier seine Wurzel. Für den Leser der damaligen Zeit, war dies also kein negativ besetzter Begriff, sondern zumindest ein neutraler Begriff, da jeder die Notwendigkeit des Erziehens und Erzogenwerdens aus eigener Erfahrung kannte. So wird bspw. das Gesetz Israels als Zuchtmeister (Erzieher) auf Christus hin beschrieben (Gal. 3,24). Es hatte die Aufgabe die Erlösungsbedürftigkeit aufzuzeigen und auf den Erlöser vorzubereiten. Und so kann der Schreiber des Hebräerbriefs mit voller Überzeugung sagen:
„›Denn wen der Herr liebt, den erzieht er mit der nötigen Strenge; jeden, den er als seinen Sohn annimmt, lässt er auch seine strafende Hand spüren.‹ Wenn ihr also Nöte durchmachen müsst, dann seht darin Gottes Absicht, euch zu erziehen. Er macht es mit euch wie ein Vater mit seinen Kindern. Oder gibt es einen Sohn, der von seinem Vater nicht mit strenger Hand erzogen wird? Mit allen seinen Kindern ist Gott auf diese Weise verfahren. Wenn er euch nicht erziehen würde, würde das heißen, dass ihr gar nicht seine rechtmäßigen Kinder seid. Und überlegt euch auch Folgendes: Unsere leiblichen Väter haben uns mit der nötigen Strenge erzogen, und wir hatten Respekt vor ihnen. Müssen wir uns da nicht noch viel mehr dem Vater unterordnen, der allen Wesen Geist und Leben gibt? Denn sich ihm unterzuordnen bedeutet wahres Leben. Unsere leiblichen Väter haben uns nur eine verhältnismäßig kurze Zeit erzogen, und zwar so, wie es ihren Vorstellungen entsprach. Gott aber weiß wirklich, was zu unserem Besten dient; er erzieht uns so, dass wir an seiner Heiligkeit Anteil bekommen. Mit strenger Hand erzogen zu werden tut weh und scheint zunächst alles andere als ein Grund zur Freude zu sein. Später jedoch trägt eine solche Erziehung bei denen, die sich erziehen lassen, reiche Früchte: Ihr Leben wird von Frieden und Gerechtigkeit erfüllt sein.“ (Hebr. 12, 6-11 NGÜ)
Die Züchtigung durch Gott ist also nicht nur Pädagogik, sie ist auch eine Ausdrucksform seiner Liebe. Er erzieht ausdrücklich seine Kinder - wohl auch noch die, die auf dem Weg sind, auf der Suche nach ihm sind um sie gänzlich zu ihm zu ziehen. Und wir können feststellen: gezüchtigt zu werden macht erstmal keinen Spaß, aber rückblickend erkennen wir darin die Fürsorge Gottes. Und das Ziel aller Erziehung ist eine Zunahme an Heiligkeit in unserem Leben.
Wie kann so was aussehen in unserem Leben? Ich denke, wir haben dies alle schon in den unterschiedlichsten Situationen erlebt.
Ich bin ja Sozial-Pädagoge und kein "Theo-Pädagoge", also ich seh mich nicht als Experte für göttliche Erziehung. Aber ich denke mal, es gibt zum einen die Wege, in denen Gott uns einfach die schlechten Früchte unseres Verhaltens kosten lässt, also eine Art passive Erziehung, ein Zulassen. Wo wir ernten, was wir gesät haben und aus der bitteren Frucht dann lernen müssen. Und es gibt die aktive Variante, in denen Gott uns direkt korrigiert und wir unser Fehlverhalten erkennen.
Wenn wir in der Bibel nach Beispielen suchen, werden wir v.a. im AT fündig:
David, dessen Kind sterben musste, damit er lernte Gott wieder an erste Stelle zu stellen;
Mose, dem sich Gott in den Weg stellte, weil er die Beschneidung nicht vollzogen hatte;
seine Schwester Mirijam, die wegen ihres Lästerns vorübergehend aussätzig wurde;
Joseph, der wegen seiner Überheblichkeit in die Sklaverei verkauft wurde usw. usf.
Im NT sind die Beispiele schon etwas rarer:
Zacharias, der wegen seines Unglaubens vorübergehend stumm wurde;
der Dorn im Fleisch des Paulus, damit er sich nicht überhebt (2. Kor. 12, 7-10);
der dreimal krähende Hahn bei Petrus verbunden mit dem dreimaligen Fragen des
Herrn nach seiner Liebe, wodurch ihm seine Überheblichkeit und Schwachheit vor Augen geführt wurde;
vielleicht auch noch die Tatsache, dass ausgerechnet Petrus als stolzer Judaist von Gott ausdrücklich beauftragt wurde den ersten Heiden zu predigen, damit das Evangelium auch die Nicht-Juden erreichen konnte (Apg. 10);
die eingangs erwähnte Gemeinde in Korinth, die aufgrund vom Einnehmen des Abendmahls in einer unwürdigen Art und Weise zahlreiche Kranke und Schwache in den Reihen zu beklagen hatte (1. Kor. 11, 29.30).
Vielmehr Beispiele werden wir aus dem Leben der Gemeinde im NT wohl nicht finden.
Aber es wird deutlich die Zucht des Herrn kann sehr unterschiedlich ausfallen: von einem inneren Überführen von Sünde bis hin zu Krankheiten und Schwachheiten scheint alles möglich zu sein. Trotzdem ist dies ein Bereich, den die Gemeinde Jesu heutzutage gerne übersieht. Wenn Ihr den christlichen Buchmarkt durchforstet oder in Google sucht, werdet ihr dazu fast gar nichts finden. Und dies obwohl der Gott aus dem Jahre 50, der gleiche Gott ist, wie aus dem Jahr 2008. Es haben sich die Kultur, die Lebensbedingungen, die Sprache in den 2000 Jahren geändert, aber Gott ist noch derselbe.
Haben wir es nicht mehr nötig? Sind wir in unserer geistlichen Entwicklung schon soweit vorangeschritten? Oder übersehen wir diesen Aspekt des Wesens Gottes vielleicht einfach nur? Vielleicht erkennen wir die Erziehungsmaßnahme Gottes auch bloß nicht und sie wird sich immer wieder wiederholen und wiederholen und wiederholen, bis wir daraus lernen. Die meisten Menschen in der Bibel, die von Gott erzogen wurden, haben gewusst warum; manchen musste es jedoch erst erklärt werden. David hat erst einen Propheten gebraucht, die Korinther haben erst den Paulus gebraucht. Vielleicht brauchen wir auch manchmal Geschwister, die uns korrigieren, auf jeden Fall aber benötigen wir den Geist und das Wort Gottes als Korrektiv.
Wenn ich in meinem Leben zurückdenke, dann sind es v.a. falsche innere Haltungen, die von Gott korrigiert wurden. In Situationen, in denen ich über Geschwister innerlich geurteilt habe, weil sie sich falsch verhalten hatten; in Situationen, in denen ich gerichtet habe, wo ich aus einer Haltung des Stolzes heraus gedacht habe: wie kann man als Christ nur so oder so handeln, mit seinen Nächsten umgehen, den Kindern soetwas durchgehen lassen, lügen o.ä.; musste ich dann meist kurz darauf erleben, dass ich zu genau den gleichen Fehlern fähig war. Das macht mit der Zeit demütig, öffnet die Herzen für die Gnade Gottes und macht einen nachsichtig anderen gegenüber. (Alle anderen Erziehungsmaßnahmen Gottes muss ich verdrängt haben, weil mehr ist mir für mich persönlich nicht weiter eingefallen.)
Aber auch als Gemeinde kann man von Gott gezüchtigt werden. Ich denke, auch der Bruch in der CGF vor vielen Jahren, könnte so eine Erziehungsmaßnahme Gottes gegen geistliche Überheblichkeit gewesen sein. Aus einer wachsenden und sich profilierenden Gemeinde wurde eine der kleinsten in der Region. Das macht demütig.
Und ich denke, dass man kein Prophet sein muss, um auszusprechen, dass die Gemeinden, die jetzt gerade eine elitäre und stolze Haltung kultivieren und denken, sie sind was Besseres, weil nur sie die richtige Lehre haben oder nur sie die richtige Dynamik haben, irgendwann von Gott gedemütigt werden, wenn sie sich nicht selbst demütigen.
3. Das Gericht über die Gläubigen
Paulus sagt der Zweck von Züchtigung ist das Bewahren vor dem Gerichtet werden.
Wenn wir uns die Aussagen der Bibel zu dem Themenkomplex Gericht ansehen, müssen wir feststellen, dass hier eine große Anzahl verschiedener Gerichte beschrieben werden.
Wir lesen dort von Gerichten, die bereits zu Lebzeiten des Gläubigen stattfinden; von Gerichten über Israel; von Gerichten über Satan und seine Engel; von Gerichten über Nationen; vom großen Weltgericht und vom Gericht über die Gläubigen.
Die Differenzierung ist teilweise nicht einfach und führt auch zu unterschiedlichen Interpretationen.
Welches Gericht erwartet die Gläubigen? Entscheidend ist folgende Aussage Jesu:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“ (Joh. 5,24)
Wenn wir an Jesus glauben, kommen wir nicht ins Gericht, sondern haben bereits ewiges Leben, weil wir das Gericht, das am Kreuz verübt wurde (Joh. 12, 31.32), bereits in Anspruch genommen haben und unseren alten Menschen in den Tod verabschiedet haben. Dort am Kreuz wurde Jesus stellvertretend an unserer Statt gerichtet und wir geben uns in seinen Tod hinein und somit haben wir das Gericht schon passiert. Jede Aussage, jede Theologie muss diesem Wort Jesu standhalten: Du kommst nicht ins Gericht! Du bist bereits vom Tod ins Leben übergegangen!
Im grie. steht hier das Wort „krisis“, dass außer Gericht, noch Trennung, Absonderung
und Entscheidung bedeutet.
Soweit so gut. Nun haben wir aber das Problem, dass Paulus folgendes sagt:
„Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.“ (2. Kor. 5,10)
An anderer Stelle redet er auch vom Richterstuhl Gottes (Röm. 15,10). Was hat das zu
bedeuten, kannte Paulus die Aussage Jesu nicht?
Hier ist die Rede von einem anderen Gericht. Im grie. „bema“, dass Tritt oder Stufe bedeutet, ein nur um eine Stufe erhöhter Stuhl. Ein Stuhl auf dem Jesus sitzt um uns nicht abzuurteilen, sondern um uns zu belohnen.
„dann wird jedem sein Lob werden von Gott“ (1. Kor. 4,5)
Hier werden zwar auch unsere Werke beurteilt, unsere Bauten im Reich Gottes beurteilt und geprüft und wir können den Lohn einbüßen, wenn wir nur Holz, Heu und Stroh darauf gebaut haben, statt kostbarer Steine, aber wir selbst werden gerettet werden (1. Kor. 3, 11-15). Wobei es diesbezüglich auch unterschiedliche Meinungen gibt, ob dieses Verbrennen der Werke bereits auf der Erde stattfindet oder erst später und wir dann quasi bei jedem einzelnen Objekt zuschauen müssen.
Auf jeden Fall heißt es: ich brauche mich nicht zu fürchten, ich kann meine Erlösung nicht verlieren, solange ich Kind Gottes bleibe.
Die Ausleger erwarten diese Beurteilung unmittelbar nach der Entrückung der Gläubigen. Dann werden die Kinder Gottes offenbar werden (Kol. 3,4). Und dieses Offenbarwerden ist ja nicht nur ein Sichtbarwerden der Taten, sondern unsere göttliche Natur wird offenbar. Unser Stand als Söhne und Töchter Gottes wird dann endlich sichtbar werden.
4. Das Gericht über die Nationen
Wie passen aber die anderen Gerichtsszenarien aus dem NT zusammen. Wie ist es bspw. mit der Stelle bzgl. dem Verhalten gegenüber den geringsten Brüdern?
ich war durstig, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben; ich war ein Fremder, und „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommen wird und mit ihm alle Engel, dann wird er in königlichem Glanz auf seinem Thron Platz nehmen. Alle Völker werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie der Hirte die Schafe und die Ziegen voneinander trennt. Die Schafe wird er rechts von sich aufstellen und die Ziegen links. Dann wird der König zu denen auf der rechten Seite sagen: ›Kommt her, ihr seid von meinem Vater gesegnet! Nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch vorbereitet ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen; ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert; ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.‹ Dann werden ihn die Gerechten fragen: ›Herr, wann haben wir dich denn hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden bei uns gesehen und haben dich aufgenommen? Oder wann haben wir dich gesehen, als du nichts anzuziehen hattest, und haben dir Kleidung gegeben? Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und haben dich besucht?‹ Darauf wird der König ihnen antworten: ›Ich sage euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr für mich getan.‹ Dann wird er zu denen auf der linken Seite sagen: ›Geht weg von mir, ihr seid verflucht! Geht in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben;ihr habt mich nicht aufgenommen; ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und war im Gefängnis, und ihr habt euch nicht um mich gekümmert.‹ Dann werden auch sie fragen: ›Herr, wann haben wir dich denn hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder ohne Kleidung oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht geholfen?‹ Darauf wird er ihnen antworten: ›Ich sage euch: Was immer ihr an einem meiner Brüder zu tun versäumt habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr mir gegenüber versäumt. So werden sie an den Ort der ewigen Strafe gehen, die Gerechten aber werden ins ewige Leben eingehen.“ (Mt. 25, 31 - 46 NGÜ)
Diese Stelle ist in meiner Bibel fälschlicherweise mit „Das Endgericht“ überschrieben und sie ist dazu geeignet uns Angst zu machen. Werden wir jetzt doch nach Werken gerichtet?
Habe ich mich denn genug um geringe Brüder gekümmert? Reicht es, wenn ich bei AI Mitglied bin?
Eine wesentliche Aussage fällt gleich zu Beginn des Textes: dieses Gericht findet statt, wenn der Sohn in Herrlichkeit kommt.
Wo befindet sich zu diesem Zeitpunkt die Gemeinde? Sie wurde bereits entrückt und kommt mit Jesus wieder (1. Thes. 3,13).
Wann findet das Endgericht über alle toten und dann noch lebenden Menschen statt? Am Ende dieser Welt, bevor eine neue Erde und ein neuer Himmel geschaffen wird. Was sich noch dazwischen ereignet ist das 1000jährige Reich. Bevor dieses Reich beginnt, findet ein Gericht statt. Und dies ist das Gericht von dem wir hier lesen: es ist das Gericht über die Nationen. In diesem Gericht wird darüber gerichtet, wie sich die Nationen während der Trübsalszeit zu Israel gestellt haben (vgl. Joel 4, 1-3) und diejenigen, die sich positiv zu Israel gestellt haben, dürfen in das 1000jährige Reich eintreten. Jetzt beginnt die Zeit, die viele alttestamentliche Propheten mit dem Kommen des Messias verknüpft haben, sich aber tatsächlich erst beim zweiten Kommen ereignen wird. Die Zeit in der Israel friedlich mit den Nationen zusammen leben wird, die Zeit in der Christus herrscht, Gerechtigkeit und Wohlstand werden herrschen, die Erde wird vom Fluch erlöst sein, Lamm und Löwe werden nebeneinander wohnen, der Teufel wird gebunden sein.
Und wir? Wir werden in dieser Zeit einiges zu tun haben, wir werden zusammen mit Christus herrschen und regieren (Offb. 5, 9.10; 20, 1-6). Wahrscheinlich werden wir Leiber haben wie Christus nach seiner Auferstehung, mit denen wir sowohl auf der Erde leben können, als auch in den Himmel eingehen können.
5. Das letzte Gericht
Erst nach dieser Zeit findet das letzte Gericht statt, das Gericht über die Gestorbenen aller Zeitalter. Wer hier steht, weiß spätestens jetzt, dass er den „point of no return“ überschritten hat.
„Nun sah ich einen großen weißen Thron, und ich sah den, der auf dem Thron saß. Himmel und Erde flohen vor ihm, weil sie seine Gegenwart nicht ertragen konnten; sie verschwanden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Ich sah die Toten vor dem Thron stehen, vom Kleinsten bis zum Größten. Es wurden Bücher aufgeschlagen, in denen stand, was jeder getan hatte, und aufgrund dieser Eintragungen wurden die Toten gerichtet; jeder empfing das Urteil, das seinen Taten entsprach. Und noch ein anderes Buch wurde geöffnet: das Buch des Lebens. Das Meer gab seine Toten heraus, und auch der Tod und das Totenreich gaben ihre Toten heraus. Bei jedem Einzelnen entsprach das Urteil dem, was er getan hatte. Der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen; der Feuersee ist der zweite Tod. Und wenn jemand nicht im Buch des Lebens eingetragen war, wurde er ebenfalls in den Feuersee geworfen.“ (Offb. 20, 11-15)
Wer hier steht ist schon gerichtet, weil er nicht an Jesus geglaubt hat (Joh. 3,18). Es wird unterschiedliche Strafen geben, aber für alle bleibt ein Zustand der Gottesferne.
Unsere Namen jedoch sind im Himmel, im Buch des Lebens geschrieben (Lk. 10,20; Offb. 3,5). Für uns bleibt die Zusage Jesu:
„Denn der Sohn Gottes, Christus Jesus...war nicht Ja und Nein, sondern in ihm ist ein Ja geschehen.“ (2. Kor. 1,19)
AMEN.
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