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Mittwoch, 16. November 2022

Predigt von Norbert Wohlrab (13.11.2022)

Das Gleichnis vom Richter und der Witwe

Für die heutige Predigt greife ich wieder auf den offiziellen Predigttextes des Kirchenjahres zurück. Und zwar steht er diesmal in Lukas 18, 1-8: das Gleichnis vom Richter und der Witwe.

Es ist ein uns relativ bekanntes Gleichnis. Ein kurzes Gleichnis. Ein Gleichnis mit eigentlich klaren Aussagen und doch ein paar unklaren Elementen. Ein Gleichnis, dass manche Nuancen enthält, die man auf den ersten Blick überliest und ich muss zugeben, manches davon habe ist mir jetzt auch erst beim Vorbereiten dieser Predigt aufgefallen.

Lesen wir es erst einmal zusammen:

„1 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, dass sie allezeit beten und nicht ermatten sollten,
2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und vor keinem Menschen sich scheute.
3 Es war aber eine Witwe in jener Stadt; und sie kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher!
4 Und eine Zeit lang wollte er nicht; danach aber sprach er bei sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und vor keinem Menschen mich scheue,
5 so will ich doch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht verschaffen, damit sie nicht am Ende kommt und handgreiflich wird.
6 Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt!
7 Gott aber, sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien, und sollte er es bei ihnen lange hinziehen?
8 Ich sage euch, dass er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?“
(Lk. 18, 1 - 8 ELB)


Der Anfang ist ja schon einmal ganz klar. Die Zielsetzung dieses Gleichnisses ist es, die Jünger zum anhaltenden Beten zu ermutigen. Sie sollen - also wir sollen - „allezeit beten und darin nicht nachlassen“ (EÜ), „beständig…beten und nicht auf(zu)geben“ (NLB) oder „unablässig beten…ohne sich entmutigen zu lassen“ (NGÜ). So heißt es in den verschiedenen Bibelübersetzungen. Dieser Vers ist quasi wie eine Überschrift und gleichzeitig auch die Hauptaussage dieser Verse.

Dann lesen wir zunächst von einem Richter. Wie war das damals in Israel mit den Richtern? Im 5. Buch Mose 16, 18-20 lesen wir:

„Richter und Aufseher sollst du dir einsetzen in allen deinen Toren, die der HERR, dein Gott, dir nach deinen Stämmen gibt, damit sie das Volk richten mit gerechtem Gericht. Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst die Person nicht ansehen und kein Bestechungsgeschenk nehmen. Denn das Bestechungsgeschenk macht die Augen der Weisen blind und verdreht die Sache der Gerechten. Der Gerechtigkeit ⟨und nur⟩ der Gerechtigkeit sollst du nachjagen, damit du lebst und das Land in Besitz nimmst, das der HERR, dein Gott, dir gibt. (ELB)“

Es waren also in allen Städten (Toren) Richter eingesetzt um Rechtsstreitigkeiten zu regeln und zwar sollten sie dies tun
  • ohne das Recht zu beugen,
  • ohne Ansehen der Person und
  • ohne Bestechungsgeschenke zu nehmen.
Sie sollten vielmehr der Gerechtigkeit nachjagen.

Anders jedoch unser Richter hier in dem Gleichnis. Ihm waren die Maßstäbe der Bibel egal, ihm war Gott egal und die Menschen waren ihm auch egal. Er fragte nicht nach Gott und nahm auf keinen Menschen Rücksicht. Ihm war es egal, was andere über ihn sagten. Er kümmerte sich nicht um Recht und Unrecht. Seine Empathie ging gegen Null. Er dachte nur an seine eigenen Interessen.

Das war wohl nicht der Normalzustand des Rechtswesens zur damaligen Zeit, sondern vermutlich eher eine Ausnahme. Aber Jesus bedient sich in diesem Gleichnis dieser Ausnahme.

Dann haben wir in dieser Stadt auch eine Witwe, der scheinbar Unrecht geschehen ist. Sie kommt zu dem Richter und will ihr Recht: „Verhilf mir in der Auseinandersetzung mit meinem Gegner zu meinem Recht!“ (V. 3 NGÜ)

Dazu müssen wir uns vor Augen halten, dass eine Witwe zu dieser Zeit eine schutz- und wehrlose Frau war, die keinen natürlichen Beschützer mehr hatte. Ohne Mann, ohne Haupt hatte sie niemanden mehr, der sie versorgte und sie verteidigte. V.a. wenn sie noch keine erwachsenen Söhne hatte.

Deshalb gebührt den Witwen und zwei anderen Gruppen, die ähnlich benachteiligt waren, nämlich den Waisen und den Fremdlingen, ganz besonders der Schutz Gottes.

„Den Fremden sollst du weder unterdrücken noch bedrängen, denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen. Keine Witwe oder Waise dürft ihr bedrücken. Falls du sie in irgendeiner Weise bedrückst, dann werde ich, wenn sie wirklich zu mir schreien ⟨muss⟩, ihr Geschrei gewiss erhören, und mein Zorn wird entbrennen, und ich werde euch mit dem Schwert umbringen, sodass eure Frauen Witwen und eure Kinder Waisen werden.“ (5. Mose 22, 20 - 23 ELB)

Gott stellt sich hier als Rächer der Unterdrückten dar. „Wenn Du die Witwe bedrückst dann mach ich Deine Frau zur Witwe und Deine Kinder zu Waisen!“ Das ist schon mal eine starke Drohung.

Eine Witwe war also in einer prekären Lebenssituation und hatte nur wenige rechtliche Möglichkeiten, dem abzuhelfen. Es gab ein paar Schutzvorschriften:
  • wenn sie noch kinderlos war, hatte sie das Recht der Schwagerehe (5. Mose 25, 5-10) (so war sie wieder versorgt und die Schmach der Kinderlosigkeit konnte getilgt werden)
  • man durfte sie nicht übervorteilen und es gab eine Art Pfändungsfreigrenze (5. Mose 24,17) (man durfte ihr bspw. das Kleid nicht pfänden)
  • sie hatte bei bestimmten religiösen Festen Anspruch auf den Zehnten oder Teilnahme an den Mahlzeiten (5. Mose 14,28; 16, 11.14) (bspw. Beim Wochen- und beim Laubhüttenfest; Ereignisse in größeren Abständen, Zehnten alle drei Jahre) und
  • sie hatte das Recht der Nachlese bei der Ernte (5. Mose, 24, 19 - 22).

Als dies war im Gesetz geregelt. Aber ich denke mir, dass dies vermutlich trotzdem nicht besonders viel war.
Wie oft im Jahr wurde geerntet?
Wie oft im Jahr konnte sie sich am Tisch beim Laubhüttenfest oder Wochenfest satt essen?
Viele Witwen waren vermutlich auf weitere Almosen angewiesen. Deshalb haben sich auch die jungen christlichen Gemeinden ganz besonders der Witwen angenommen.

Aus so einer Situation heraus kommt jetzt unsere Witwe und ihr wurde Unrecht angetan. 

Vielleicht verweigerte ihr der Schwager die Ehe?
Vielleicht hinderte ein Bauer sie an der Nachlese?
Vielleicht wollte ein Gläubiger ihr ihre Kleidung pfänden?
Vielleicht wurde sie auch nur bei einem Handel übervorteilt?
Wir wissen es nicht. Es war ein Unrecht und nur der Richter kann ihr zu ihrem Recht verhelfen. Aber er tut nichts.

Aber unsere Witwe ist penetrant. Sie hat Ausdauer. Sie kommt immer und immer und immer wieder und irgendwann hat der Richter die Schnauze voll und hat Angst vor ihr geschlagen zu werden - sie war wohl besonders energisch im Auftreten - und gibt endlich nach und verhilft ihr zu ihrem Recht. Nicht weil er auf einmal der Gerechtigkeit nachjagt, sondern weil er einfach kein blaues Auge will.

Und dann sagt Jesus: Hört was der ungerechte Richter sagt! Schaut auf den ungerechten Richter! Der ungerechte Richter verschafft Recht!

Aber Jesus sagt jetzt nicht: so ist Gott! Niemals hat dieses Gleichnis die Intention Gott mit einem ungerechten Richter zu vergleichen, der genötigt werden muss um Recht zu sprechen. Der Richter ist vielmehr das Gegenteil von Gott, die Antipode sozusagen. Schaut auf den Richter, denn so ist Gott eben nicht. „Gott aber“ sagt Jesus, „wie viel mehr wird Gott“ im Gegensatz zu diesem Richter….

Was eigentlich? Was wird Gott? Geht es um Gebetserhörungen? Da erleben wir manchmal etwas anderes. Und jetzt muss man dieses Gleichnis genau lesen.

„Ich sage euch, dass er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird. “ (V. 8 ELB)

Es heißt „ihr Recht“! Es geht hier wieder ums Recht! Die Witwe hat ihr Recht gefordert. Was ist denn unser Recht? Haben wir ein Recht auf die Erhörung all unserer Gebete, die Erfüllung all unserer Wünsche, ein schönes Leben in Kraft und Gesundheit, die Verwirklichung unseres Glückes? (Das gilt nur für Amerikaner.) Um all das dürfen wir beten, aber in diesem Gleichnis geht es um unser Recht. Die Zusage der schnellen Umsetzung bezieht sich auf unser Recht! Was ist denn unser Recht?

„Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Röm. 5,1 ELB)

und weiter

„die er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.“ (Röm. 8,30 ELB)

Das ist unser Recht: unsere Erlösung! Durch das vollkommen Opfer Jesu haben wir jetzt ein Recht auf unser Heil! Die Gnade Gottes wurde am Kreuz zu einem mit Blut geschriebenen Bund, der unauflösbar ist. Das ist unser Recht!

„Rechtmäßig um Jesu willen - steht uns die Gnade Gottes zu und der Trost, der mit dieser Gnade verbunden ist.
Rechtmäßig um Jesu willen - steht uns Gottes Vergebung zu und der Frieden, der mit dieser Vergebung verbunden ist.
Rechtmäßig um Jesu willen - steht uns das ewige Leben zu und die Hoffnung, die damit verbunden ist.“ (Pfr. Rainer Trischmann)


Es geht also um unser Recht auf Herrlichkeit, auf Ewigkeit, auf Erlösung, auf Heil durch das Wirken Jesu.

Aber es wird noch konkreter. Es gibt nämlich noch einen ganz bestimmten Vorgang auf den hier Bezug genommen wird. Bei genauer Analyse dieses Textes entfremdet er sich mehr und mehr von dem, was man darin oberflächlich betrachtet vermutet. Es geht hier nämlich um das Geschehen bei der Wiederkunft Christi:

„Doch wenn der Menschensohn wiederkommt“ (V. 8 NLB)

heißt es am Ende dieses Abschnitts. Das allein ist noch nicht so aussagekräftig, aber wenn wir uns den Kontext anschauen, stellen wir fest, dass Jesus direkt davor den Jüngern das Geschehen bei der Wiederkunft schildert. Er erklärt ihnen auf was sie vorbereitet sein müssen. Und er spricht davon, dass dieses Geschehen blitzartig sein wird.

„Denn wie der Blitz aufleuchtet und den Himmel von einem Ende zum anderen erhellt, so wird es an dem Tag sein, an dem der Menschensohn kommt“ (Lk. 24,17 NGÜ)

Dieses Gleichnis ist also thematisch eingebettet in Reden über die Wiederkunft Christi.

Und wenn man das jetzt weiß, dass es

  • um das Recht auf Heil und Erlösung und
  • um die Wiederkunft Christi geht,

dann bekommen die Verse 7 und 8 eine etwas andere Richtung.

„Gott aber, wird er nicht seinen Auserwählten Recht schaffen, die Tag und Nacht zu ihm rufen, wenn er auch lange zuwartet mit ihnen? Ich sage euch: Er wird ihnen schnell Recht schaffen!“ (V.7.8a SLT)

Gott wartet bis er das Recht der Auserwählten offenbar werden lässt. Er wartet immer noch. Schon 2000 Jahre. Aber wenn dieser Tag anbricht, dann wird es schnell gehen, unverzüglich, in Eile, wie der Blitz.
Diese Aussage über das sehr schnelle Handeln und Recht schaffen bezieht sich nicht auf die Gesamtdauer (2000), sondern auf den Vorgang des Handelns am Tag des Herrn (Blitz).
Und dann kommt die Abschlussfrage dieses Abschnitts:

„Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden?“ (V. 8b SLT)

Hier steht nicht einfach Glauben finden, sondern wird er „den Glauben finden“ oder „solch einen Glauben finden.“

Es geht um eine ganz besondere Art von Glauben. Hier müssen wir uns den Anfang und das Ende dieser Rede als Klammer vorstellen. Es geht um einen Glauben, der unermüdlich betet, beständig betet, ein Schreien zu Gott Tag und Nacht!

Und um was soll gebetet werden? Die Auserwählten haben auf die Wiederkunft Jesu gewartet, sie haben darauf gewartet erlöst zu werden von dem Bösen in dieser Welt, von der Verfolgung und Bedrückung, sie haben darauf gewartet in das Reich des Herrn versetzt zu werden. Das Gebet um das es hier geht, heißt kurz ausgedrückt „Dein Reich komme“.

Wird Jesus, wenn er wiederkommt diese Art von Glauben vorfinden in Deutschland, in Fürth, in der CGF, bei den Wohlrabs? Findet er hier Gläubige, die beten: „Herr, wann kommst Du? Wann kommst Du endlich? Lass Deine Herrschaft und Herrlichkeit sichtbar werden in dieser Welt. Herr, komme  bald!“

Ich glaube ehrlich gesagt, er wird nicht viele finden. Weil es uns einfach viel zu gut geht, weil wir in vielen Bereichen gesegnet sind, weil wir uns des Lebens und unserer Lieben freuen und ja auch danach streben das Reich Gottes in unserem Leben umzusetzen.

Wir halten keine Ausschau nach seiner Wiederkunft und beten nicht darum. Wir wünschen uns eines Tages alt und lebenssatt zu sterben und dann irgendwann in den Himmel oder die neue Erde kommen. Oder? Ist es nicht so?

Ist das falsch? Nun ich glaube nicht. Unser Leben ist ein Geschenk Gottes und das Ziel eines jeden Lebens ist es ja mit Gott zu leben, seine Werke zu tun, nach seinem Willen zu leben.

Wenn ich bete „Dein Reich komme“ denke ich daran, dass sich sein Reich mehr und mehr in mir und durch mich und um mich verwirklicht, dass ich dazu beitrage es Gestalt werden zu lassen. So spricht ja auch Jesus - gerade im Kapitel vorher - dass das Reich Gottes mitten unter uns ist (Lk. 17,21).

Ich will jetzt aber diese Spannung nicht auflösen und den Text seine Dramaturgie nehmen.

Trotzdem ist es wichtig, dass wir nicht nur das gegenwärtige Reich Gottes, sondern auch das kommende Reich Gottes im Blick haben, erstreben, erbeten, nicht nur den Christus in uns Gestalt werden lassen, sondern auch den wiederkommenden Christus erwarten. Ich denke, nur so können wir gleichzeitig „in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt“ leben. Es ist manchmal eine Korrektur nötig, wenn man im Sattel zu sehr auf einer Seite runter rutscht.

Ich komme zum Schluss. Zusammenfassend lehrt uns dieses Gleichnis drei Dinge:

  1. die allgemein gültige Aussage ist: anhaltend zu beten und nicht nachzulassen. Das ist immer richtig und gilt für alle Belange.
  2. speziell für das kommende Reich Gottes zu beten, das Ewige nicht aus dem Fokus zu verlieren oder wieder in den Fokus zu bekommen (Advent ist hier vielleicht eine thematische Hilfe) und
  3. hat es auch eine sozialkritische Dimension. Vielleicht hat Jesus bewusst eine Frau in prekären Verhältnissen ausgesucht. Wir können uns daher fragen: Wo sind Benachteiligte in unserer Gesellschaft oder praktischer in meinem privaten Lebensumfeld, für die ich eintreten kann?


AMEN.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Predigt von Norbert Wohlrab (09.12.18)

Die kanaanäische Frau

Ich möchte heute mit Euch einen Text betrachten, über den ich neulich gestolpert bin. Und zwar die Begegnung von Jesus mit der kanaanäischen Frau, von der uns bei Matthäus und bei Markus berichtet wird.

„21 Und Jesus ging weg von dort und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon.
22 Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt….
28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“ (Mt. 15, 21-28 Luther)
 


So kennen wir Jesus. Er heilt und befreit und begegnet den Nöten der Menschen. Aber den Bibelkennern unter uns ist vielleicht etwas aufgefallen?
Genau, hier fehlt der Mittelteil des Abschnittes. Da passiert nämlich noch etwas dazwischen. Der Mittelteil lautet nämlich. (Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt….)

„23 Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.
24 Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
25 Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir!
26 Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.
27 Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
 


Äh, Moment, so kennen wir Jesus eigentlich nicht. Jesus sagt doch: „wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh. 6,37). Und jetzt hier, dieses schroffe Ignorieren und Abweisen dieser leidenden Frau?!

Den Jüngern ging es hier wohl so ähnlich, wie wenn man auf einer Party jmd. vorstellt, den man meint sehr gut zu kennen und dann verhält sich der auf einmal völlig anders.

Aber schauen wir uns die Begebenheit mal der Reihe nach an.
Jesus war in Galiläa unterwegs. Er speiste die Fünftausend, rettete Petrus aus Seenot, heilte viele Menschen in Genezareth und setzte sich mit Pharisäern und Schriftgelehrten auseinander. Und dann wollte er ihnen entkommen und „entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon“.
Im Paralleltext bei Markus steht: „Und er ging in ein Haus und wollte es niemanden wissen lassen“ (Mk. 7,24).

Die Beweggründe sind nicht ganz klar. Aber auf jeden Fall hat sich Jesus zurückgezogen. Von Galiläa rund 60 - 90 km nach Tyrus und Sidon. 2-3 Tagesmärsche. Nur er mit seinen Jüngern. Es scheint, als wollte Jesus einfach seine Ruhe. Vielleicht dem Massenandrang entkommen. Vielleicht sich der Verfolgung entziehen. Vielleicht einfach auftanken. Einfach Ruhe. Das versteh ich. Ich will im Urlaub auch keinen Trubel um mich rum.

Keine Juden, keine Pharisäer, keine Schriftgelehrten. Keine Menschen die was von ihm wollten und auch keine Menschen die ihn etwas Böses tun wollten. Niemand, der sich für ihn interessiert hat, denn Tyrus und Sidon sind zwei Städte in Syro-Phönizien, dem heutigen Libanon, weit außerhalb des jüdischen Staatsgebietes, tief im Heidenland.
Kurz vorher hatte er den Pharisäern noch klar gemacht, dass nicht das Äußerliche den Menschen verunreinigt. Er hatte keine Berührungsängste mit den Heiden.

Jesus hatte sich also eine Art von Urlaub, eine Art Auszeit genommen. Aber das mit der Ruhe hat nicht ganz geklappt, denn er „konnte doch nicht verborgen bleiben“ (Mk. 7,24) heißt es. Auch im Ausland hatte man schon von seinen Wundertaten gehört.

Dann kommt eben diese kanaanäische Frau zu ihm. Markus beschreibt sie als „Griechin aus Syrophönizien“ (Mk. 7,26), deren Tochter dämonisiert ist.
Kanaan ist die alte Bezeichnung für die Region, Syro-Phönizien die gegenwärtige, also kein Widerspruch. Aber Griechin? Das bedeutet wohl die Zugehörigkeit zur hellenistischen Kultur der Oberschicht in dieser Region. Tyrus und Sidon waren reiche Handelsstädte, hellenistisch und multireligiöse geprägte Städte.

Die Frau spricht Jesus an als Sohn Davids. Und Jesus reagiert erstmal gar nicht. Er sagt nichts. Kein Wort. Das schmerzt richtig beim Lesen.
Die Jünger sind schon genervt von ihrem Geschrei und bitten ihn, dass er etwas macht. Und dann erklärt Jesus - eigentlich den Jüngern - seine Haltung. „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“

Jesus hatte eine klare Mission von seinem Vater bekommen. Er war der Messias Israels. Ja, er war der Sohn Davids. Aber diese Frau war keine Tochter Davids. Sie war eine Heidin.
Er war zu den verlorenen Schafen Israels gesandt. Zum Volk Israel. Er sollte die loskaufen, die unter dem Gesetz waren (Gal. 4,4). Gott ist zunächst „nur“ der Gott Israels, nicht der Gott anderer Völker.

Es gab natürlich von Anfang an den Plan, dass dies nicht das Endziel ist. Zu Abraham sagte Gott: „und in dir und in deiner Nachkommenschaft sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“ (1. Mose 28,14 Rev. Elb.) und es gab Verheißungen im AT, dass die Schranke zu den Heiden einmal weggerissen werden wird. Aber das war zu dieser Zeit noch Zukunftsmusik.

„Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht nicht in eine Stadt der Samariter“ (Mt. 10,5 Luther), sagte Jesus, als er die Zwölf vorher ausgesandt hatte. Die Schranke zu den Heiden war noch nicht niedergerissen. Das geschah ja erst am Kreuz.
Jesus war also nicht auf Missionsreise in Syro-Phönizien unterwegs, wie später die Apostel. Die Frau kam zur falschen Zeit aus einer falschen Nation. Sie kam einfach heilgeschichtlich betrachtet zu früh. Sie hätte sozusagen auf Paulus warten müssen.

Aber sie lässt nicht locker. Jesus hat ja auch nicht gesagt, dass er nichts tun wird. Er hat nur den Jüngern sein Verhalten erklärt.

„Herr, hilf mir!“ sagt sie. Und dann kommt diese barsche Antwort:
„Doch er erwiderte: »Es ist nicht recht, den Kindern das Brot zu nehmen und es den Hündlein hinzuwerfen.«“ (Mt. 15, 26 Menge)

Uff! Harter Tobak.

Bei Markus heißt es noch etwas anders:

„Lass zuvor die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot nehme und werfe es vor die Hunde“ (Mk. 7,27)

Markus fügt hier noch da Wort „zuvor“ ein. Damit werden die anderen nicht gänzlich ausgeschlossen, sondern nur hinten angestellt. Markus schrieb sein Evangelium ja auch für die Heiden und Matthäus dagegen für die Juden.

Dieser Satz ist jetzt eigentlich mehrdeutig:
Zunächst Hunde ist die hebräische Bezeichnung für die Heiden, auch wenn Jesus hier abgemildert Hündchen sagt. Und Jesus ist das Brot des Lebens (Joh. 6,48) und ist zuerst zu den Kindern Israels gesandt. Zunächst sollen die Kinder Israels satt werden. Ihr geistlicher Hunger und Durst soll gestillt werden, ihre Erlösung soll bewirkt werden. Dies ist eigentlich eine Wiederholung der Erklärung, die Jesus den Jüngern gegeben hat, nur mit anderen Worten.

Aber dieser Satz hat auch noch eine andere Dimension. Eine sozialkritische Dimension. Tyrus und Sidon waren -  wie bereist erwähnt - reiche Handelsstädte. Die tyrische Währung war eine der härtesten Währungen des Altertums, so wie die DM bspw.
Wegen des gebirgigen Hinterlands konnte dort aber nur wenig Landwirtschaft betrieben werden - im Gegensatz zu Galiläa. Und so importierte Tyrus schon zu Zeiten Salomons Getreide und weitere Lebensmittel aus Israel (1. Kön. 5, 22-25; Hes. 27,17; Apg. 12,20) und eben auch damals in neutestamentlicher Zeit. Was zur Folge hatte, dass die arme Bevölkerung Galiläas Hunger leiden musste.

Und so könnte Brot in diesem Vers auch ganz wörtlich als Brot zu verstehen sein.

„Lass zuerst die armen Leute im jüdischen Hinterland satt werden. Denn es ist nicht gut, das Brot der armen Leute zu nehmen und es den reichen Heiden in den Städten hinzuwerfen.“ (Gerd Theißen)

Damit wäre dies ein Gerichtswort gegen die Ausbeutung der Armen in guter prophetischer Tradition, wie wir es von den Propheten des AT kennen.

Welche der beiden Interpretationen auch die richtige sein mag oder ob beide gleichzeitig richtig sind. Die Frau hat verstanden. Sie rechtfertigt sich nicht, wie man es so gerne tut: „Oh Herr, die Umstände….und ich kann doch nichts dafür….und die anderen….und du weißt doch….man muss doch sehen, wo man bleibt….es sind schwierige Zeiten….und die Steuern“, sondern sie sagt einfach: „Ja, Herr“. Sie stimmt zu. Sie stimmt mit Jesus überein:

Ja, ich bin keine Israelitin.
Ja, ich habe keinen Anspruch an Dich.
Ja, Du bist nur zum Volk Israel gesandt.
Und vielleicht auch: Ja, wegen uns müssen die Galiläer hungern.

Sie stimmt mit Jesus überein. Die Bibel nennt das Bekennen. Mit Gott einer Meinung sein.
Und demütig sagt sie dann: Ja, aber für die Hunde fällt doch auch ein bisschen was ab bei Tisch. Ein paar Krümel. Und die gewährt man ihnen.

Ein bisschen Segen, ein bisschen Gnade, ein bisschen vom Brot des Lebens muss doch auch für mich Heiden-Hündchen übrig bleiben.

Und Jesus gewährt ihr daraufhin ihre Bitte, heilt ihre Tochter und lobt ihren großen Glauben.
Interessant ist, dass er dies nur bei zwei Menschen tut. Bei ihr und bei dem Hauptmann von Kapernaum, der für seinen kranken Diener bittet (Mt. 8, 5-13). Ebenfalls ein Heide.

Was hat sich geändert? Oder hat sich überhaupt etwas geändert?

Die Bibel erklärt ja bspw., dass Jesus bis zu seinen letzten Stunden durch sein Leiden Gehorsam lernen musste (Hebr. 5,8). Hat Jesus hier umgelernt? Nein, ich denke nicht. Oder hat die Frau ihn überredet? Das wäre so die feministische Interpretation dieser Stelle. Nein, das denke ich auch nicht.

Jesus hat ja nie gesagt, dass er ihr nicht helfen wird, Er hat nur erklärt, dass er zuerst zum Volk Israel geschickt ist. Ich denke, dass es von Anfang an in Gottes Willen war, dass er hier eingreift. Vielleicht ist Jesus auch durch die Leitung seines Vaters extra dorthin gegangen um dieser Frau zu begegnen. Wir wissen es nicht.

Aber es wird trotzdem etwas deutlich, nämlich dass das Einreißen der Mauer zu den Heiden bevorsteht. Insofern hat diese Begegnung mit der syro-phönizischen Frau eine symbolische und auch prophetische Bedeutung. Es dauert ja auch nicht mehr lange dann werden die Jünger ausgesandt nach Samaria und an die Enden der Erde zu allen Völkern.

Die Begegnung mit der syro-phönizischen Frau ist eingebettet in die zwei Wunder der Brotvermehrung. Beim ersten mal blieben 12 Körbe übrig. Das ist jetzt ein bisschen was für die Numerologen. 12 Körbe für die 12 Stämme Israels. Überfließende Gnade für Israel.
Beim zweiten blieben 7 Körbe übrig. 7 ist die Zahl für das umfassende Wirken an der ganzen Schöpfung. Überfließende Gnade für die Welt. Ich weiß nicht ob das wirklich so ist, aber es ist zumindest mal ganz interessant.

Gut, aber was kann uns dieser Text heute sagen? Was können wir von dieser Frau lernen? Wir haben den Bibeltext jetzt verstanden, aber was sagt er uns heute?

Martin Luther hat die Frau als Mutter des Glaubens bezeichnet. Eine Frau die nichts hat, außer ihren Glauben an Jesus. Sie weiß, dass sie keinen Anspruch hat und nichts zu bieten hat. Sie weiß, dass sie sündig ist.
Wenn wir heute Jesus bitten, dann tun wir das zwar als Gerechtfertigte, aber trotzdem als schwache, unvollkommene, sündige Menschen, die nichts zu bieten haben. In Demut können wir sagen: „Ja Herr, ich bin schwach, ich habe nichts, ich brauche Dein Eingreifen.“

Die Frau bleibt bei Jesus. Sie lässt sich weder von seinem Schweigen irritieren, noch von seiner Belehrung. Sie bleibt da. Sie harrt aus. Sie bleibt in seiner Gegenwart. Wenn wir beten und keine Antwort erhalten, ist das nicht automatisch ein Nein.

Das NT ist voll von Beispielen und Aufforderungen, in denen das nachhaltige Bitten belohnt wird und auch erwartet wird. Z. B. bei der bittenden Witwe beim ungerechten Richter oder bei dem Freund, der um Mitternacht klopft. Beiden wird wegen ihrer Hartnäckigkeit und Unverschämtheit gegeben. Gott will aus Güte geben.

Könnte es sein, dass wir oft zu schnell aufgeben? Dass wir denken, Gott will unser Bitten nicht erhören, nur weil es noch nicht geschehen ist?

Von der Frau können wir lernen im Glauben an der Sache dranzubleiben, weiter zu bitten, nicht aufzugeben, nicht nachzulassen, beharrlich zu sein.

Betet allezeit, betet ohne Unterlass, mit aller Beharrlichkeit etc. So können wir es oft lesen im NT.

Weder die Frau, noch der Hauptmann von Kapernaum baten für sich selbst, sondern für ihnen nahestehende Menschen.
Wer sind unsere nahestehenden Menschen, die unsere Fürbitte nötig haben? Familie, Freunde, Nachbarn. Oft haben sie gar keinen anderen Beter, außer uns (wenn man nicht gerade in so Ballungszentren mit lauter Christen wohnt). Wenn wir dann nicht beten, betet vielleicht gar keiner. Und wie schnell wird man müde und zermürbt und bequem, wenn es sich über Jahre und Jahrzehnte hinzieht und nichts geschieht.

Im AT können wir an vielen Beispielen lernen weiter zu beten oder mit Gott weiter zu reden, wenn er schweigt.

„Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand! Vergiss die Elenden nicht!“ (Ps. 10,12 Luther)

Die Psalmen sind dabei wunderbare Beispiele dafür anhaltend im Gebet zu bleiben.

Eine Frage, die sich stellt, ist: Ist Beten Gott überreden? Ist Beten eine Art von Gott weichklopfen?
Man könnte jetzt ganz einfach sagen: Du bekommst nicht, was nicht Gottes Wille ist. Aber die Geschichte Israels zeigt, dass Gott seinem Volk öfters Dinge gegeben hat, die sie wollten, auch wenn sie nicht in seinem Willen waren. Z.B. Fleisch in der Wüste zusätzlich zum Manna (4. Mo. 11),  das östliche Gebiet am Jordan für zweieinhalb Stämme, die nicht über den Jordan ziehen wollten (4. Mo. 32), einen König (1. Sam. 8). Mit meistens negativem Ausgang. Also es gibt Beispiele wo Gott überredet werden konnte. Trotzdem denke ich, dass dies nicht das ntl. Regelprinzip von Gebet und Fürbitte ist.

Gebet und Fürbitte bewegt sich in den Parametern zwischen:
Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet (Jak. 4,2) und Euer Vater weiß was ihr braucht bevor ihr ihn bittet (Mt. 6,8);
zwischen den Willen Gottes vom Himmel auf die Erde bringen (charismatisch-pfingstkirchliches Verständnis) und „Abhängen“ mit Gott. Aus irgendwelchen Gründen hat sich Gott von unserem Beten abhängig gemacht. Und wir tun es viel zu wenig.

AMEN.

Freitag, 17. Dezember 2010

Predigt von Karin Tschaftary (12.12.10)

Gebet

Eigene Geschichte

Abend- und Tischgebet (vorformulierte Gebete, auch in Gottesdienst)

Beten mit erhobenen Händen, wie die Moslems

Freies Gebet (in einer Familie in damaliger DDR)

Gebetskreis in Schule

Gebet war für mich lange Zeit (ähnlich wie Bibellesen) eine Übung, vielleicht sogar eine Pflichtübung bzw. etwas, das in besonderen Situationen einfach dazu gehört. Es begleitet mich, seit ich geboren bin und doch hat es sich ständig verändert. Im Moment gehe ich wieder durch so eine „suchende“ Zeit und habe in letzter Zeit viele neue (eigentlich nicht neue, nur für mich neue) Dinge in Bezug auf Gebet ausprobiert.

Zunächst ging es mir so, dass ich festgestellt habe, dass ich nur sehr sporadisch für meine Kinder bete (außer regelmäßig beim ins Bett gehen) und dann habe ich mir eine MiK-Gruppe gesucht. Leider habe ich keine gefunden und so haben wir kurzerhand eine neue gegründet. Nun habe ich mich quasi verpflichtet, jede Woche eine Stunde zu beten, speziell für meine zwei Schulkinder.

Auf diese Art des Gebets werde ich später noch genauer eingehen.

Biblische Grundlagen für Gebet

Wie wir beten sollen:

Jesus gibt uns als Richtschnur, wie wir beten sollen, das vor, was wir heute unter „Vater-Unser“ kennen. (Lukas 11,1-4 und Matthäus 6,9-13). Dieses Gebet hat meiner Meinung nach zwei grundlegende „Funktionen“. Die eine ist, dass wir eine Bibelstelle auswendig können, die wir proklamieren können, gemeinsam beten können und davon ausgehen können, dass wir im Willen Jesu beten, wenn wir das tun. Der andere Aspekt ist aber, dass wir das Gebet des „Vater-Unsers“ als Gebetsvorlage verstehen, an dem wir entlang beten können. Der Vorteil an diesem Schema gegenüber anderen Schemata ist, dass wir es schon auswendig können und uns nicht etwas Neues aneignen müssen. In dem Buch „Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen“ von Larry Lea zeigt der Autor genau an diesem Gebet, wie man Schritt für Schritt
daran entlang beten kann:

Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name

- Kraft des Blutes Jesu können wir Gott Vater nennen

- Heiligen des Namens Gottes entsprechend den fünf Segnungen des Neuen Bundes
a) im Hinblick auf die Sünde: der Herr ist unsere Gerechtigkeit, der Herr heiligt;
b) im Hinblick auf den Geist: Der Herr ist Friede, der Herr ist da
c) im Hinblick auf Gesundheit: Der Herr, der heilt
d) im Hinblick auf Erfolg: die Versorgung des Herrn wird zu sehen sein
e) im Hinblick auf Sicherheit: Der Herr ist mein Banner, der Herr ist mein Hirte

Dein Reich komme, dein Wille geschehe


- In dir selbst

- In deiner Familie
- In deiner Gemeinde
- In deiner Nation

Unser tägliches Brot gib uns heute


- Sei im Willen Gottes

- Glaube, dass es Gottes Wille ist, dass es dir gesundheitlich, finanziell und in jeder
anderen Hinsicht gut geht
- Nenne präzise deine Anliegen
- Sei hartnäckig

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern


- Bitte Gott, dir zu vergeben

- Vergib anderen und setzte sie frei (Beispiel Nachtragen: Stuhl nachtragen)
- Fasse den Entschluss, laufend allen zu vergeben, die gegen dich sündigen

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen


- Zieh die vollständige Waffenrüstung Gottes an

a) Umgürte deine Lenden mit Wahrheit
b) Lege an den Panzer der Gerechtigkeit
c) Ziehe an die Stiefel der Bereitschaft, das Evangelium zu verkünden
d) Nimm den Schild des Glaubens
e) Empfange den Helm des Heils
f) Ergreife das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes
g) Bete ständig im Geist
- Errichte einen Schutzwall im Gebet (der Herr ist deine Zuflucht, deine Burg, auf ihn
vertraust du)
o Weil du den Herrn zu deiner Wohnung gemacht hast
o Weil du ihn liebst
o Weil du seinen Namen kennst

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit


Sprich laut aus, was du glaubst

Kehre zum Lobpreis zurück

Lobpreis und Danksagung vor der Bitte


Hebräer 13, 15: Durch ihn nun lasst uns stets ein Opfer des Lobes darbringen! Das ist Frucht
der Lippen, die seinen Namen bekennen.

Philipper 4, 6: Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit
Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden.

Ich finde das Wort „Opfer“ im Zusammenhang mit Dank sehr interessant. Es geht hier nicht
darum, wenn ich sowieso überaus begeistert bin, dass ich dann „danke“ sage, sondern auch dann, wenn die Umstände nicht so begeisternd sind. Man kann anfangen in der Bitten- Situation dafür zu danken, als Gott in ähnlichen Situationen schon geholfen hat, oder man kann danken, dass er in seinem Wort oder durch persönlichen Zuspruch entsprechende Zusagen macht, die allezeit gültig sind.

Z.B. In einer Stresssituation: ich danke dir Herr, dass der Stab des Treibers zerbrochen ist,
weil es in deinem Wort steht. Daher lege ich dir jetzt meine Situation hin, in der ich mich so getrieben fühle. Ich spreche deine Wahrheit über dieser Sache aus: DU HAST DEN STAB DES TREIBERS ZERBROCHEN!

Genaues Formulieren der Bitte


Johannes 16, 24: Bis jetzt habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet und ihr werdet
empfangen, damit eure Freude vollkommen sei!

Jakobus 4,2: Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet.


Matthäus 7,7-8: Bittet und es wird euch gegeben werden … Denn jeder Bittende empfängt,


D.h., dass wir Gott unser Herz ausschütten dürfen und ihn konkrete Sachen bitten dürfen. Als
wir unser Haus suchten, hatten wir genaue Wünsche, wie es sein sollte: viele Zimmer, ein großes Wohnzimmer, ein großer Garten, ein Haus mit Blick. Und das Ganze sollte bezahlbar sein. Vom menschlichen Denken war es eigentlich nicht möglich, dass all diese Dinge zusammen auftreten. Besonders der Wunsch mit dem Blick (hier im Goßraum…) und das Thema bezahlbar … Aber Gott hat alles berücksichtigt, was wir uns gewünscht haben.

Wir sollten auch nicht aufhören zu bitten, wenn wir zunächst in der sichtbaren Welt keine
Veränderung sehen. Gottes Zeitplan mag anders aussehen, als unserer, aber er erhört Gebet!

Gebet zum Vater in Jesu Namen


Johannes 16, 23: Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben.


Um in seinem Namen zu beten, müssen wir seinen Willen kennen. Dies erfahren wir, wenn
wir eine tiefe Beziehung zu ihm haben. Sein Wille kann sich zeigen, in unseren Gefühlen, Träumen, Begegnungen etc. und immer im Wort Gottes, in der Bibel. Wenn wir Eindrücke über den Willen Gottes haben, müssen wir sie aber immer am Wort der Bibel messen und auf ihren „Wahrheitsgehalt“ überpruüfen.

Das ist für mich auch ein wichtiger Punkt, dass wir die Bibel lesen und einzelne Bibelstellen
auswendig lernen. Wenn wir die Wahrheit Gottes aus der Bibel nämlich im Kopf haben, können wir sie JEDERZEIT hervorholen und auch aussprechen bzw. als Richtschnur auch in spontanen Situationen verwenden.

Beten im Glauben


Matthäus 21,21-22: Und alles, was immer ihr im Gebet glaubend begehrt, werdet ihr

empfangen.

Markus 11,24: Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, dass ihr
es empfangen habt, und es wird euch werden.

Wir sollen glauben, ohne zu zweifeln. Hier müssen wir auch darauf achten, dass wir uns nicht
immer wieder von anderen mitziehen lassen, dass wir uns einreden, dass „es“ nicht funktioniert. Das gilt auch dafür, wie wir über Dinge an sich reden. Sagen wir. „Das wir eh nichts“ und schauen wir auf das, was uns die Erfahrung sagt, oder berufen wir uns auf die Wahrheit dessen, was Gott sagt. Dass er für uns das Leben in der Fülle vorbereitet hat und nicht will, dass wir irgendwo rumkrebsen…

Welches Gebet wird erhört?


Johannes 15,7: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten,
was ihr wollt, und es wir euch geschehen.

Ich glaube, dass wir dann automatisch das bitten, was in Gottes Willen ist und er uns dadurch
natürlich am ehesten unsere Bitten erfüllt. Der erste Schritt ist aber wieder, dass wir unseren Stecker ganz fest in Gottes Steckdose eingesteckt haben.

Wie man nicht beten soll


- Nicht mit unbereuter Sünde im Herzen (Markus 11,25: Und wenn ihr steht und betet,
so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit euch euer Vater , der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe.)

- Bete nicht aus selbstsüchtigen Motiven oder aus Stolz: (Matthäus 6,5: Und wenn ihr

betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es (…) zu beten, damit sie
von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn
dahin.)

- Nicht mit vielen Worten (Matthäus 6,7 „plappern wie Heiden). Hier geht es aber nicht
allgemein um das Beten, sondern speziell um das Bitten. Und ich denke, dass es beim BITTEN nicht auf viele Worte ankommt, aber dass es bei der permanenten Anbetung nichts „ausmacht“, wenn man viel betet. Es geht hier glaube ich auch darum, dass Gott sowieso weiß, was wir brauchen und dass er sagt, dass wenn wir ihn suchen, dass er sich um das kümmert, was wir brauchen. Dann müssen wir uns gar nicht mehr mit tausend Bitten aufhalten.

- Schalte den Verstand nicht ab (1. Korinther 14,15: Was ist nun? Ich will beten mit dem
Geist, aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand.)

In welchem Rahmen sollen oder können wir beten?


Beim Beten gelten im Prinzip die selben Regeln, wie bei einem Gespräch: nachdem es sich
bei Gott um unseren Gesprächspartner handelt, können wir alleine mit ihm sprechen (nicht vergessen, auch zu hören, ob er dazu was zu sagen hat). Das ist dann das Prinzip des Betens im Kämmerchen.

Natürlich kann man auch mit mehreren Personen so ein Gespräch führen. Hier liegt auch ein
Segen darauf, wenn man sich vor Gott in einem Anliegen eins macht.

Ich denke, dass das „Solo-Gebet“ mehr in die anbetende Richtung geht und das Gebet in der Gemeinschaft neben dem Anbetungsaspekt auch stark den bittenden Teil einschließt.

Fürbitte


Paulus hat viel für die Gemeinden gebetet, denen er seine Briefe schrieb. Das schreibt er auch
immer wieder „… hören wir nicht auf, …, für euch zu beten“ etc. Es ist also wichtig, für die Anliegen der Gemeinde zu beten. Aber auch für die Diener der Gemeinde. Paulus bittet in seinen Briefen auch umgekehrt um Gebet für sich und seinen Dienst. Wenn Christen krank oder in Bedrängnis sind, soll man für sie beten (Jakobus 5, 14-18). Aber nicht nur für die Christen und ihre Belange, sondern auch für alle Menschen und die Regierenden. (1. Timotheus 2,1-2)

Gebetszeit (wann sollen wir beten?)


Immer!!


Lukas 18,1: Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, dass sie allezeit beten und nicht
ermatten sollten.

1. Thessalonicher 5,17: Betet unablässig!


Was bedeutet „Beten ohne Unterlass“. Für mich eng im Zusammenhang mit „dankbar in allen
Dingen“

Stundengebet in Klöstern


„Beten mit der Uhr“ (Timer als Krücke)


In Notsituationen


Psalm 50,15: Rufe mich an in der Not; ich will dich erretten und du wirst mich verherrlichen!


Morgengebet: Jesus ist schon vor Tagesanbruch an einen einsamen Ort gegangen, um zu
beten (Markus 1,35)) und abends hat er sich wieder zurückgezogen, um sein Abendgebet zu sprechen (Markus 6, 46-47). Was für Jesus gilt, kann für uns nicht falsch sein. Ich habe in Bezug aufs Abendgebet festgestellt, wenn ich mir eine Bibelstelle hernehme und diese mir beim Einschlafen immer wieder vorsage, dann kann ich besser einschlafen, weil sich meine Gedanken auf die Bibelstelle konzentrieren und nicht mehr um die Sorgen kreisen (natürlich nehme ich da eine kurze, ermutigende Stelle – oft bietet sich da die Losung an).

Auch in der Nacht kann man Gebetszeiten einrichten (z.B. Paulus und Silas im Gefängnis
Apg. 16,25), speziell, wenn man nicht schlafen kann. Mir geht es besser, wenn ich dankbar bin, dass ich jetzt in Ruhe beten kann, als wenn ich mich darüber ärgere, dass ich jetzt nicht schlafen kann und vermutlich am nächsten Tag nicht ausgeschlafen bin …

Vor dem Essen hat sich in vielen Familien das Tischgebet eingebürgert. Jesus hat bei

verschiedenen Mahlzeiten vor dem Essen das Dankgebet gesprochen, wie es im Judentum üblich ist. Ich vermute, dass er da wirklich auch die vorgegebenen Formeln verwendet hat, die hierzu gebräuchlich sind. Menschen scheinen von Grund auf das Bedürfnis zu haben, sich in einer Essenssituation zu „sammeln“. Ich stelle das in nichtchristlichen Familien fest, dass es dort auch so „Sprüche“ gibt, die man vor dem Essen spricht. Natürlich ist das Gebet mehr, als eine Sammlung vor dem Essen, aber ein gemeinsamer Beginn bei einer Mahlzeit bringt auch zusätzlich Ruhe in die Familie.

In der Bibel können wir von ganz unterschiedlichen Gebetstypen lesen. Abraham bittet um
Sodom und Gomorra und handelt dabei mit Gott. Mose betet mit erhobenen Armen, die von den anderen gestützt wurden. So findet man noch viel mehr betende Personen in der Bibel. Wenn man sich nur die Psalmen mal anschaut, da gibt es Gebete für nahezu jede Lebenslage.

Dass Gott unser Gebet hört, das wissen wir, es steht auch ausdrücklich in der Bibel!

Außerdem sind wir in unserem Gebet nicht alleine gelassen. Jesus unterstützt uns und der Heilige Geist auch. (Römer 8,34 und Römer 8,26-27).

Gebet nach „Schema“


Das Prinzip des MiK- Gebets finde ich sehr hilfreich, denn es orientiert sich an einem

Schema, das aber ganz frei gefüllt werden kann.

Zuerst wird Gott angebetet. Wir nehmen uns dazu immer eine Eigenschaft Gottes und dazu
eine Bibelstelle und dann sagen wir Gott, was wir so an ihm schätzen. Z.B. seine Größe, seine Allmacht, seine Kraft zu heilen … Hier hat auch Anbetung mit Liedern ihren Platz. Wir versuchen uns hier einfach vor Augen zu stellen, wie Gott ist und was er tut. Je länger dieser Teil ist, desto kürzer kann meiner Meinung nach alles, was folgt werden, denn ich denke, dass wir durch die Anbetung uns so nah zu Gott hinwenden, dass wir später gar nicht mehr listenweise unsere Bitten herunterbeten müssen.

Als zweiter Schritt steht das Sündenbekenntnis. Auch hierzu suchen wir immer einen

Bibelvers heraus, auf den wir uns stützen. Entweder ist das ein Vers, der uns vergegenwärtigt, dass Gott Sünden vergibt, oder es ist eine Bibelstelle in der auf ein spezielles Vergehen eingegangen wird (z.B. richtige Nutzung der Zeit). Das Sündenbekenntnis selbst läuft dann zumeist in Stille ab, jeder bringt seine Schuld zu Gott.

Ich glaube, dass durch die vorangehende Anbetung unsere Sinne auch dafür geschärft werden,
zu erkennen, was zwischen mir und Gott steht. Ich habe nämlich auch schon überlegt, ob nicht Sündenbekenntnis eigentlich am Anfang stehen sollte…

Als Drittes danken wir Gott für konkrete Gebetserhörungen. In unserem Fall, wo hat sich an
der Schulsituation, der Hausaufgabensituation etc. etwas positiv verändert.

Erst am Ende kommt dann die Fürbitte unsere Kinder.


Gebetsketten


Die katholische Kirche kennt den Rosenkranz. Hier werden festgesetzte Gebete immer wieder
wiederholt. Der Aspekt, dass dabei immer wieder Maria angerufen wird ist für mich nicht so nachvollziehbar, aber die Hilfe einer Gebetskette finde ich positiv. Ich habe mich dann in der letzten Zeit etwas umgeschaut und dann die „Perlen des Glaubens“ gefunden. Für mich ist es ein Hilfsmittel, zwischendurch immer wieder mal zu beten und mich auch auf verschiedene Punkte zu konzentrieren. Aber sie können auch als Hilfsmittel für ein ganzes Gebetsprogramm hergenommen werden. Das Schöne daran ist, dass der Erfinder zwar die Perlen benannt hat, aber nicht genau festschreibt, was bei welcher Perle gebetet werden muss. Ich möchte aber mir dazu Bibelstellen auswendig lernen, die den Themen entsprechen – was
ich leider noch nicht geschafft habe.

Beten mit anderen Bibelstellen (proklamierend beten) nach Monika Flach


1. Finde heraus, was dein Gott sagt (z. B. Meine Schafe hören seine Stimme)

2. Finde heraus, was du bisher selbst geglaubt und gesagt hast (z. B. Ich höre Gott nicht)
3. Stimme mit deinem Gott überein (Wenn du sagst …)
4. Übergib Gott deine Vorstellungskraft (stell dir den Inhalt der Worte vor, z.B. Der Herr ist meine Burg)
5. Sprich laut
6. Lege Gefühle in deine Stimme
7. Singe das Wort Gottes (vorgegebene Lieder oder eigene Melodien=)
8. Verwende unterschiedliche Bibelübersetzungen
9. Betone unterschiedliche Abschnitte des Textes (Der HERR ist mein HIRTE)
10. Sprich das Wort Gottes zu folgenden Personen:
a) Sprich zu Gott
b) sprich zu dir selbst
c) Sprich zu deinem Feind
11. Lerne das Wort in Zeit und Raum zu platzieren
12. Lass das Wort nicht von deinem Mund weichen
13. Entwickle einen Lebensstil des Bekennens

Symbole, die an Gebet erinnern, dazu auffordern


Gebetskette, WWJD- Armband, Ehering o.ä.

Playmobilmännchen zur Waffenrüstung
Bibelverse auf Karten
Kerzen
Bilder malen …

Wann erhört Gott unser Gebet bzw., wann antwortet er darauf?

- Gleich
- Später („harren“)
- Schon bevor wir bitten, weil er weiß, was wir brauchen

Literatur, Hinweise:

Monika Flach: Proklamiere das Wort Gottes (12,90 €): mit Hinführung zum proklamierenden Beten, Spiralbindung
Stephen Lang: Verheißungskonkordanz (15, 90€): sehr viele Bibelstellen, kein Zwischentext
Perlen des Glaubens: nähere Info: www.perlen-des-glaubens.de

Samstag, 8. August 2009

Predigt von Norbert Wohlrab (19.07.09)

Die Bedeutung des prophetischen Wortes

1. Einleitung

Jesus Christus sagt: „wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“ (Mt. 18,20). Glauben wir das? Oder ist es nur ein frommer Spruch, wenn der HK mal wieder nur zu einem Drittel zusammenkommt? Jesus ist hier unter uns gegenwärtig und mit ihm sein ganzes Wesen, seine Kraft, seine Liebe, seine Göttlichkeit. Durch seinen Geist. Es ist wichtig, dass wir uns das vergegenwärtigen.

Ich möchte zu Euch heute über ein Thema sprechen, dass mich seit einigen Monaten beschäftigt - und leider muss ich sagen erst seit einigen Monaten. Es ist ein Thema, über das ich guten Gewissens sagen kann, ich habe darüber nur wenig Ahnung und ich hoffe es geht einigen von Euch ähnlich, dann fällt meine Unwissenheit nicht ganz so deutlich auf.

Ich bin jetzt seit über 25 Jahren Christ und doch hat es mich bis vor einigen Monaten nicht wirklich brennend interessiert. Vielleicht habe ich gedacht, dass ist nur was für besonders gesalbte Leute oder wenn Gott möchte, dass ich in diese Bereiche vordringe, wird er es mir schon mitteilen. Ich weiß eigentlich gar nicht so genau warum ich mich nie dafür interessiert habe. Ich rede von dem prophetischen Wort.

Paulus differenziert ja im NT hier verschiedene Gaben und Dienste und auch der amerikanische Theologe Peter Wagner hat sehr differenzierte Definitionen zu diesen verschiedenen Gaben verfasst: die prophetischen Gabe, das Wort der Erkenntnis, das Wort der Weisheit, die Auslegung einer Sprachenrede oder das Amt des Propheten. Da ich - wie gesagt - davon wenig Ahnung habe, tue ich uns allen einen Gefallen und lass diese Differenzierungen mal außer acht und betrachte alles allgemein als prophetisches Wort. Denn all diese Gaben haben gemeinsam, dass es Eingebungen Gottes sind, die nicht auf verstandesgemäßen Überlegungen oder emphatischer Wahrnehmung basieren.

2. Treasure Searching

Was hat mich denn nun eigentlich dazu bewogen mich damit auseinanderzusetzen? Nun es war natürlich ein Stück weit das Erleben von so gesalbten prophetischen Diensten wie bspw. von Stefan Driess o.ä. Aber solche Männer Gottes habe ich auch früher schon erlebt und für mich dann den Schluss gezogen: o.k. so gesalbt bin ich einfach nicht.
Aber dann habe ich etwas gelesen durch das schlagartig die Wichtigkeit des prophetischen Wortes auf meine bescheidene Ebene herunter gebrochen wurde. „Treasure Searching“. In der Bethel Church von Bill Johnson in Redding/Kalifornien wurde hier ein neuer Dienst kreiert, der mich absolut fasziniert hat. Ich habe Bill Johnson vor drei Jahren in Speyer auf einer Vineyard-Konferenz selbst erlebt. Er ist der Autor vieler Bücher und er hat es in Reading in wenigen Jahren geschafft, durch fortwährendes Lehren über die Bedeutung des Glaubens, über die Kraftwirkungen im Reich Gottes, dass dort das übernatürliche Wirken Gottes in einer ganz neuen Dimension freigesetzt wurde. Wunder und Heilungen sind dort heute an der Tagesordnung. Viele schöpferische Wunder geschehen, bei denen angeborene Defekte wie Klumpfüße, Blindheit, Taubheit etc. geheilt werden. Und zwar nicht nur in den geschützten Gemeinderäumen, sondern v.a. auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Gebäuden: Supermärkten, Restaurants usw.

Und in dieser Gemeinde wurde das „Treasure Searching“ entwickelt. „Treasure Searching“ bedeutet: man setzt sich zusammen, lässt sich von Gott Eindrücke schenken, trägt diese zusammen und bekommt dann bspw. eine bunte Liste wie: Fischhalle, Frau, blauer Schal, Eheprobleme, Rückenschmerzen. Und dann begibt sich das Team auf Schatzsuche: fährt zur Fischhalle, sucht den Schatz (Frau mit blauem Schal), spricht die Person an: „Entschuldigung, wir sind auf Schatzsuche, könnten Sie unser Schatz sein?“, zeigt den Zettel mit den Stichpunkten und in den meisten Fällen hat man einen göttlichen Kontakt geschaffen. Die meisten Menschen sind trotz aller anfänglichen Skepsis so beeindruckt, wenn sie hören und merken, dass Gott - auf diese Art und Weise - sein Interesse an ihnen signalisiert. Oft geschehen dann Bekehrungen und Heilungen gleich vor Ort.
Als ich das gelesen habe, habe ich mir dann gedacht: o.k. so Eindrücke wie Frau, Rückenschmerzen oder blauer Schal, so was kann ich auch bekommen. Das klingt einfach. Und schon war das Interesse für das Prophetische in mir geweckt.

Und deshalb haben wir jetzt angefangen uns im HK mit dem prophetischen Wort in Theorie und Praxis auseinanderzusetzen, uns zu üben und wir haben angefangen als Gemeinde auf die Straße zu gehen. In diesem Monat das erste Mal - und es hat Spaß gemacht, wir hatten sehr viele ermutigende Gespräche, mit einer Frau konnten wir sogar beten. Wir haben nicht gleich mit der Schatzsuche angefangen, erst mal mit dem Verteilen von den City-NTs um die Scheu zu verlieren. Aber vielleicht trauen wir uns beim übernächsten Mal schon an die Schatzsuche heran.

3. Prophetie im AT

In diesem Zusammenhang macht es Sinn, sich einmal etwas den Umgang mit Prophetie in der Bibel anzuschauen.

Im Alten Bund hat Gott v.a. durch zweierlei Arten mit seinem Volk kommuniziert (neben
einigen anderen ungewöhnlichen Wesen wie bspw. Esel):
1. durch das Gesetz; er hat seinem Willen im Gesetz kundgetan und
2. durch die Propheten.

Im Hebräerbrief heißt es: „Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten“ (Hebr. 1,1)

Auch solche von Gott auserwählte Männer wie Abraham oder Mose, werden als Propheten bezeichnet (5. Mo. 34,10; 1. Mo. 20,7).

Die Propheten des AT sprachen im Auftrag Gottes (Hag. 1,13 „Da sprach Haggai, der Bote des Herrn, im Auftrag des Herrn zum Volk“),
sie sprachen die Worte Gottes (Jer. 1,9 „der Herr sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund“),
sie sprachen an Gottes Stelle (1. Kön. 20,13 „ein Prophet trat zu Ahab, dem König von Israel, und sagte: So spricht der Herr“)

Der Hauptauftrag der Propheten war es zumeist Israel an den Bund (das Gesetz) zu erinnern
und vor der drohenden Strafe bei weiterem Abfall zu warnen. Die Frage für Israel war nicht: wie viel Teile der Prophetie sind von Gott und wie viel vom Propheten selbst? Sondern die Frage war: Buße oder Strafe? Wenn Israel sich widersetzte musste es die Konsequenzen tragen. (Jes. 30,12 „Weil ihr dieses Wort verwerft und auf Unterdrückung und Arglist vertraut und euch darauf stützt, darum wird für euch diese Schuld wie ein sturzbringender Riss sein, der sich vorschiebt an einer hochragenden Mauer, deren Zusammenbruch in einem Augenblick, plötzlich kommt.“)

Warnung vor drohendem Strafgericht war der Hauptauftrag der at. Propheten. Dieser
Dienst endete mit dem Beginn des Wirkens Jesu.

4. Die Veränderungen durch das Wirken Jesu


Jesus sagt selbst: „Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf
Johannes.“ (Mt. 11,13)

Johannes d.T. war der Letzte in der langen Reihe der Gerichtspropheten des alten Bundes. Und so heißt es auch in der vorhin bereits zitierten Einleitung des Hebräerbriefs weiter:
„Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn“ (Hebr. 1, 1.2a).

Jesus findet zunächst einmal ein Bruch statt. Es ist ja auch klar, wenn Gott selbst in
Jesus auf der Erde wirkt, braucht er keinen weiteren Propheten als Sprachrohr. Aber es hat auch noch einen weiteren Grund: ein großer Teil aller prophetischen Aussagen des alten Bundes war ja messianisch, d.h. es hatte den kommenden Erlöser und das kommende Reich Gottes zum Inhalt. Nun ist der Messias ja gekommen und ein großer Teil der Reich Gottes-Prophetie des AT hat sich erfüllt, d.h. auf Jesus als kommenden Messias braucht ja auch gar kein Prophet mehr hinweisen.

5. Die Veränderungen durch Pfingsten


Aber auch nach der Himmelfahrt Jesu, durch die Ausgießung des Heiligen Geistes, geschieht
noch etwas, dass die Bedeutung des prophetischen Dienstes noch einmal grundlegend verändert.

„Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles
Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen. Und selbst über die Knechte und über die Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen.“ (Joel 3, 1.2)

Der Heilige Geist kommt über alles Fleisch. Und wenn hier von Mägden und Knechten,
Kindern und Greisen die Rede ist, ist das nicht als Ausschlusskriterium zu verstehen - nach dem Motto: für den Greis zu jung und für das Kind zu alt - , sondern bedeutet, das man gar nicht unwürdig genug sein kann. Es gibt nun nicht mehr den einzelnen geistgesalbten Propheten, der exklusiv das Reden Gottes weitergibt, sondern alle können mit Gott kommunizieren und von seinem Herzen weitergeben.

Jesus sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme“ (Joh. 10,27a).


6. Exkurs: Der Dienst des Apostels

Ein kleiner Exkurs: Gibt es in der nt. Gemeinde niemand, der eine ähnliche Funktion hat wie der Prophet in Israel? Doch, und zwar die Apostel!

Paulus bspw. bekommt seine Botschaft ähnlich dem at. Propheten direkt von Gott (Gal.
1, 1.12 „Ich teile euch aber mit, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist. ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi.“). Da Paulus nie ein Jünger Jesu gewesen ist, spricht er hier von einer direkten Offenbarung.
Weiter werden die Apostel als die Säulen der Gemeinde bezeichnet (Gal. 2,9),
sie hatten den Auftrag die Gemeinde Jesu im Wort zu unterrichten (Apg. 2,42 „Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel“),
die Worte Jesu werden durch die Apostel übermittelt (2. Petr. 3,2),
sie beanspruchten dass Christus durch sie redet (2. Kor. 13,3) und ihrer Lehre galt es zu gehorchen (1. Thes. 4, 2.8 „Denn ihr wisst, welche Weisungen wir euch gegeben haben durch den herrn Jesus...(Anweisungen bzgl. Heiligung und Fernhalten von Unzucht)...Deshalb nun, wer dies verwirft, verwirft nicht einen Menschen, sondern Gott, der auch seinen heiligen Geist in euch gibt.“).
Ihr Wort (Briefe) wird den Schriften des AT gleichgestellt (2. Petr. 3,15.16).

Wir sehen also die Apostel haben in etwa den Dienst der Propheten des alten Bundes
fortgeführt - zumindest was die herausragende Stellung und die Autorität betrifft. Die Frage ist: Wo ist der apostolische Dienst heute? Gibt es ihn noch? Und wenn ja, wie kann er heute aussehen? Aber das ist nicht das Thema. Exkurs Ende.

7. Der prophetische Dienst im NT


Es geht uns ja um den prophetischen Dienst im NT. Und es fällt auf, dass er gänzlich anders
geartet ist und zwar - wie ich meine - in einer sehr entspannenden Art und Weise anders geartet.

7.1. Der Dienst ist bruchstückhaft


Der erste Unterschied: ntl. Prophetie ist bruchstückhaft.


Paulus sagt: „Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise...Denn
wir sehen jetzt mittels eines Spiegels (blanke Metallscheibe) undeutlich“ (1.Kor. 13, 9.12). Der große Apostel Paulus sagt, alles Weissagen ist Stückwerk, das Erkennen ist nicht vollständig.

Das macht zum einen demütig im Umgang mit prophetischen Worten, zum anderen
macht es auch Mut, weil ich von vornherein weiß, ich darf Fehler machen bei meinen prophetischen Versuchen. Und wenn ich in einem Rahmen mich bewege, in dem mir erlaubt ist Fehler zu machen, dann geh ich viel entspannter und mutiger an die Sache heran. Oder geht es Euch dabei etwa anders?
Und selbst in der Apostelgeschichte lesen wir von unterschiedlichen Erfolgen beim Prophezeien. Da gibt es bspw. den Agabus.

Apg. 11, 27.28 „In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochien
herab. Einer aber von ihnen, mit Namen Agabus, stand auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte; sie trat auch unter Klaudius ein.“

Das ist ein tolles Ergebnis für eine Prophetie. Volltreffer. Später lesen wir noch mal von
ihm.

Apg. 21, 10.11 „Als wir nun mehrere Tage blieben, kam ein Prophet mit Namen Agabus
von Judäa herab. Und er kam zu uns und nahm den Gürtel des Paulus und band sich die Füße und die Hände und sprach: Dies sagt der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Nationen überliefern.“

Eine sehr detaillierte Prophetie, die aber leider in beiden Punkten falsch ist. Paulus wurde
nicht von den Juden, sondern von den Römern gebunden (Apg. 21, 33) und er wurde nicht von den Juden an die Römer überliefert, sondern die Römer haben ihn im Gegenteil aus der jüdischen Menge befreit, die ihn Gewalt antaten (Apg. 21, 32.35). Das Ergebnis stimmt „Hände der Nationen“, aber alle Details außen rum, treffen nicht zu. Das ist ein gutes Beispiel für das Stückwerk im Erkennen.

Aus diesen Gründen geht Paulus selbst auch sehr relaxt mit Prophetien, die ihn betreffen
um. Er wird in Apg. 21,4 z.B. durch prophetische Worte davor gewarnt nicht nach Jerusalem zu gehen, aber er kümmert sich nicht darum. Er ist sich seiner Berufung gewiss.

Daher: „Weissagungen verachtet nicht, prüft aber alles, das Gute haltet fest.“ (1.
Thes. 5, 20.21)

7.2. ntl. Prophetie ist im Kern auferbauend


Der zweite wesentliche Unterschied zur Prophetie des AT ist, dass Prophetie im NT im
Kern auferbauend ist.

„Wer aber weissagt, redet zu den Menschen zur Erbauung und Ermahnung (Ermunterung)
und Tröstung.“ (1. Kor. 14,5)

Und in der Apg. steht gleich ein Beleg dafür: „Und Judas und Silas, die auch selbst
Propheten waren, ermunterten die Brüder mit vielen Worten und stärkten sie.“ (Apg.15,32)

Das ist der Kern des prophetischen Wortes im neuen Bund, wir sollen dadurch ermutigt
und auferbaut werden. Deshalb ist es so wichtig. Das kann eine Lehre oder Predigt kaum bewirken, aber das prophetische Wort kann es. Es ist etwas anderes, ob Gott mir ganz persönlich durch den Heiligen Geist sagt, wie lieb er mich hat oder ob ich eine Lehre darüber höre.

7.3. Das prophetische Wort ist für alle da


Und der dritte wesentliche Unterschied: es ist für alle.


Erinnert Ihr Euch: Jesus ist hier mitten unter uns. Wir sind ih ihm gesegnet mit jeder
geistlichen Segnung (Eph. 1,3), der Vater gibt von Herzen gerne denen, die anklopfen (Lk. 11, 5-13).

Deshalb kann Paulus auch sagen: „Strebt nach der Liebe, eifert aber nach den geistlichen
Gaben, besonders aber, dass ihr weissagt.“ (1. Kor. 14,1)

Nicht jeder kann ein Prophetenamt bekleiden oder einen qualitativ hochwertigen übergemeindlichen
prophetischen Dienst entwickeln wie von Stefan Driess oder anderen, aber jeder kann danach streben zur Erbauung, Ermunterung und Tröstung zu weissagen.

Danach streben heißt nicht passiv abwarten, sondern sich aktiv darum bemühen: durch
Beten, sich ausstrecken, sich zur Verfügung stellen und durch Üben.

Das wollen wir jetzt zum Schluss noch tun.


(Praktische Übung: Gruppen mit ca. 5-6 Leuten, 3-4 Minuten Eindrücke für eine Person
sammeln, ein Leiter schaut auf die Uhr, danach Austausch in der Gruppe.
Wichtig: Nicht das sagen, was ich schon immer mal sagen wollte; Vorsicht mit Vorwissen;
Vorsicht mit emphatischer Wahrnehmung; Eindrücke sind einzeln manchmal komisch, aber sie ergänzen sich wunderbar.)

AMEN.