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Freitag, 30. November 2018

Predigt von Norbert Wohlrab (18.11.18)

Kleine Gemeinde


1. Gemeinsames von CGF und JG

„Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.“ (Offb. 3,8 Luther)


Wir CGF und die JG St. Paul haben ja so ein paar Sachen gemeinsam:

  • z.B. eine gemeinsame Historie
  • ähnliche Prägungen (evangelisch, charismatisch)
  • starke Pioniere (Frieder und Hans) die ihren Visionen gefolgt sind und andere mit begeistert haben
  • ein bisschen was von nicht Fisch noch Fleisch, die JG als Gemeinde in einer Gemeinde, die CGF als Gemeinschaft im irgendwo und
  • wir sind beide eher kleine Versammlungen mit kleiner Kraft

Das ist ja auf den ersten Blick nicht so positiv: nur eine kleine Kraft zu haben. Aber hier in dem Sendschreiben an die Gemeinde in Philadelphia ist es nicht problematisch. Die Gemeinde wird sogar belohnt, weil sie an Jesus festgehalten hat. Also Kleinsein, schwach sein, ist nicht zwingend gekoppelt mit erfolglos sein.

Im Gegenteil: im NT hat das Kleine, das Schwache, oft eine besondere Bedeutung, einen besonderen Segen, einen besonderen Zuspruch, einen besonderen Schutz (kleine Herde, kleines Bethlehem, kleines Senfkorn.…)

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.“ (2. Kor. 12,9 Luther) 


Wenn man schwach ist, ist man sich seiner Schwachheit bewusst. Man bildet sich nichts ein auf die eigene Kraft. Man lässt Gott durch sich wirken.

Wir haben noch was gemeinsam. Wir sind sowas wie Durchlauferhitzer oder Katalysatoren oder Brandbeschleuniger. Wir haben vielen Menschen zum Durchstarten verholfen.
In unseren Alphakursen oder Glaubenskursen oder Jugendkreisen oder sonstigen Gruppen haben einige zum Glauben gefunden, oder sind zumindest auf ihrem Weg mit Jesus große Schritte vorwärtsgekommen und dann - nach kurzem oder längerem Gastspiel - haben sie sich anderen Gemeinden, attraktiveren Gemeinden oder größeren Gemeinden angeschlossen. Manche sogar evangelischen Kirchgemeinden.

Früher hat mich sowas echt frustriert. Ich war enttäuscht, ärgerlich, zornig, resigniert, ratlos. Hey. Wir. Wollen. Auch. Wachsen. Heute ist mir das ziemlich egal. Glaub ich zumindest. (Wir machen halt einfach keine Alphakurse mehr.)

Wichtig ist doch, dass jmd. überhaupt irgendwo eine geistliche Heimat gefunden hat. Es geht ja nicht um mich oder um uns, sondern um das Reich Gottes, nicht um mein Reich oder unser Reich. Wir bauen ja für Gott und nicht für uns, nicht zu unserer Ehre.

Ich schaue heute auch nicht mehr neidisch auf die dynamischen großen Gemeinden in der Region. Im Gegenteil. Ich habe nämlich gemerkt, dass dort auch nicht alles Gold ist was glänzt.

Beim Gespräch mit einer leitenden Mitarbeiterin einer bekannten großen dynamischen Nürnberger Gemeinde wurde mir schnell deutlich, dass dort von den Mitarbeitern sehr viel abverlangt wird an Zeit und Energie. So gut wie jeder Abend in der Woche wird mit Gemeindeterminen und -diensten gefüllt.
Und ich dachte mir, irgendwie machen die doch die gleichen Fehler, die wir oder zumindest viele von uns auch gemacht haben, als wir in den 20er/30er-Lebensjahren waren. Das ganze Leben neben Job und Familie wurde in die Gemeinde investiert. Man lebt in einer Gemeindeblase, in einer Dienstblase und lebt doch oft am eigentlichen Leben vorbei.

Versteht mich nicht falsch. Ich rede jetzt nicht gegen Gemeindeengagement. Aber wenn das Leben nur noch aus irgendwelchen Diensten besteht, dann läuft was verkehrt, dann lebt man am Leben vorbei.

Es ist nicht ganz vergleichbar. Aber Jesus hat in den drei Jahren seines Wirkens keinen Tempeldienst als Levit gemacht, keinen Priesterdienst und war auch kein Mitarbeiter in einer Synagoge. Er hat durch sein Leben Reich Gottes gebaut. In Gesprächen und Begegnungen im Alltag. Auf Wanderschaft. Beim Feiern. Im Gespräch mit Menschen.

Nachfolge reduziert sich ja nicht nur auf die Mitarbeit in der Gemeinde.

Und zum anderen habe ich gemerkt, im Vergleich zu den großen Gemeinde: Hey, small is beautiful. Klein ist sexy. Weil klein einfach mehr Nähe bedeutet. Es ist persönlicher, intimer, authentischer, echter, ehrlicher. Es ist einfacher Gemeinschaft zu leben.
Nicht, dass das in großen Gemeinden nicht auch möglich wäre. In Zellen oder Hausgruppen. Aber in kleinen Gemeinschaften ist es einfacher.


2. Gemeinschaft

Denn darum geht es: um Gemeinschaft.

Im hohenpriesterlichen Gebet betet Jesus:

„Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“ (Joh. 17, 20-23 Luther)


Jesus betet nicht dafür, dass seine Nachfolger Erfolg in ihrem Dienst haben, dass auch wirklich alle Toten auferstehen und alle Kranken geheilt werden;
er betet nicht dafür, dass sie die richtigen Gemeindeaufbauprinzipien erkennen und anwenden, nein, er betet für etwas viel einfacheres und doch ganz Besonderes:
er betet für Einheit und Qualität in ihren Beziehungen, er betet dafür dass sie eins sind, so wie Jesus mit dem Vater eins ist.

Gott ist Einheit. Gott ist „3 in eins.“ Gott existiert in permanenter Gemeinschaft. Gott existiert als Vater, Sohn und Heiliger Geist als ewige Gemeinschaft in Einheit. Gottes Wesen ist Gemeinschaft.

Deshalb hat Gott auch den Menschen als Gemeinschaftswesen angelegt. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei (1. Mose 2,18). Der Mensch soll Gott ähnlich sein, als Mann und Frau (1. Mose 1,27). Ein einzelnes Wesen entspricht nicht dem Bild von Einheit in Gemeinschaft. Von Anfang an war der Mensch auf Gemeinschaft ausgelegt.

Gemeinschaft ist kein Abfallprodukt eines göttlichen Brainstormings, sondern Gemeinschaft ist Gottes Geschenk an die Menschen, Gottes Plan für den Menschen, so wie es seinem Wesen entspricht, wie es ihm selbst entspricht.

Das Problem ist nur, um echte, tiefe, authentische Gemeinschaft leben zu können, braucht es den Heiligen Geist. Die Qualität unserer menschlichen Gemeinschaft ist abhängig von der Gemeinschaft mit Gott. Ob wir mit ihm im Einklang leben. Ob er in uns lebt.

Durch das Ausgießen des Heiligen Geistes an Pfingsten wurde menschliche Gemeinschaft nach dem Bild Gottes wieder möglich. Dadurch wurde das Gebet Jesu erhört. Es ist Einheit entstanden.

Schauen wir uns einmal zusammen an, wie diese erste Gemeinschaft der sogenannten Urgemeinde sich ausgedrückt hat.

„Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“ (Apg. 2, 42 - 47 Luther)

Mehr als 3000 Menschen kamen durch die Pfingstpredigt des Petrus zu Jesus - und sie kamen zueinander. Sie hatten den Heiligen Geist und sie wurden durch den Geist zueinander hingezogen. Niemand hat sie dazu aufgefordert. Es war ein innerer Antrieb gewirkt durch den Geist Gottes.

Sie teilten ihr Leben miteinander – im religiösen Bereich (Tempel) und im privaten Bereich (Häusern). Der Heilige Geist wirkte eine Sehnsucht zueinander und ließ eine große Familie entstehen. Sie waren ein Herz und eine Seele heißt es an einer anderen Stelle (Apg. 4,32).

Hier sind Beziehungen entstanden. Gemeinschaft. Gemeinsames, geteiltes Leben.

Man darf sich dabei aber jetzt nicht so auf diese Verse des materiellen Teilens fokussieren. Sie werden ja manchmal als Idealform christlicher Gemeinschaft verstanden mit der Aufforderung dies entsprechend zu kopieren.
Es ist aber nirgends zu lesen ist, dass diese Art des gemeinschaftlichen Lebens für alle Zeiten und alle Orte genauso zu gelten hat. Ja, es steht nicht einmal da, das viele Menschen zum Glauben gefunden haben, weil sie von dieser Art des Lebens überzeugt waren, sondern es heißt ganz einfach, dass der Herr sie hinzugetan hat.

Zumal diese Form des christlichen Prä-Kommunismus nicht sehr nachhaltig war. Ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einem Verantwortlichen einer deutschen Freikirche und er hat mir dann erzählt, dass in den letzten beiden Jahren mehrere Millionen in dem Haushalt nachgeschossen werden mussten. Finanziert durch Immobilienverkäufe. Aber - so sagt er - man kann das Tafelsilber halt nur einmal verkaufen.
Das war wohl auch das Problem in Jerusalem. Irgendwann war alles verkauft und Paulus musste für die Gemeinde in Jerusalem sammeln lassen.

Diese Verse in der Apostelgeschichte sind zunächst erst einmal eine Beschreibung des Zusammenlebens der Urgemeinde, wie es der Heilige Geist gewirkt hat (und z.T. sicherlich auch auf menschlichem Enthusiasmus und einer Naherwartung der Wiederkunft Christi zurückzuführen sind). Ich denke, wenn wir wissen wollen, wie wir als Christen zusammen leben sollen, dann finden wir in den Briefen des Paulus viele allgemeingültigere Aussagen.
Trotzdem lassen sich aus diesem eine Text wichtige Fundamente christlicher Gemeinschaft herauslesen.


3. Die Fundamente christlicher Gemeinschaft

3.1 Lehre


Nicht aus Zufall wird hier gleich am Beginn dieses Textes das Verharren, das Beständigsein in der Lehre aufgezählt.
Lehre ist wichtig, denn nur so ist geistliches Wachstum möglich. Manche Probleme fangen ja auch erst nach der Bekehrung an, wir müssen wissen, wie darauf zu reagieren ist, man muss sich mit Fragen des praktischen Lebens auseinandersetzen und nach dem Willen Gottes suchen in Gebieten, wo man vorher vielleicht gedankenlos darauf los gesündigt hat.

Die ersten Christen „verharrten“ in der Lehre, das bedeutet ein kontinuierliches Auseinandersetzen und Aufnehmen. Wir haben heute die Bibel, Literatur, Internet, Bibellehrer. Wir können viel leichter Lehre aufnehmen und uns mit dem Wort Gottes auseinandersetzen, als die ersten Christen damals, die nur die Apostel hatten. Andererseits aber bekamen sie Lehre hautnahe durch von Gott eingesetzte Aposteln, die dazu noch Jesus persönlich erlebt hatten und kannten, vermittelt. Wir müssen heute erstmal vielfach Unsinn herausfiltern. Da kommt man oft mit „betreutem Denken“ allein nicht weiter.

3.2 Gebet und Lob Gottes 


„sie blieben im Gebet...und lobten Gott“ heißt es im Text. Paulus schreibt im 1. Timotheusbrief, dass wir vor allen anderen Dingen beten sollen.

„So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen“. (1. Tim. 2,1 Luther)

Und doch ist es wohl oft der Teil unseres geistlichen Lebens, den wir vor allen anderen Dingen wegkürzen.

3.3 Miteinander Leben teilen

Den Teil, der in unserer Textstelle aus der Apostelgeschichte mit den meisten Worten und am differenziertesten beschrieben wird, möchte ich hier unter dem Begriff „Leben teilen“ zusammenfassen.

Es ist die Rede vom Verharren in der Gemeinschaft, Brechen des Brotes, Beisammen sein, Teilen der Güter, Verharren im Tempel, Brot brechen zu Hause, Mahlzeiten mit Freude einnehmen usw.

Christliche Gemeinschaft wird hier sehr vielfältig beschrieben. Es wird deutlich: sie findet nicht nur im Gottesdienst statt, sondern auch im privaten Bereich, in den Häusern. Sie hat etwas damit zu tun, das Leben zu teilen.

Das umschließt auch den materiellen Bereich. Damals zur Zeit der ersten Christen gab es keinen Sozialstaat, keine karitativen Einrichtungen, keine Heilsarmee. Das tägliche Brot zu teilen war oft die Hilfe für die Armen. Und es gab ja viele Arme. Und viele die ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben um bei den Aposteln und Geschwistern in Jerusalem sein zu können. Heute würde man sie wohl eher dazu ermuntern, sich eine Arbeitsstelle zu suchen.

Das Brechen des Brotes ist ein besonderer Aspekt der Gemeinschaft. Wahrscheinlich ist hier nicht nur das Abendmahl gemeint, sondern wirklich das ganz normale Miteinander-Essen, wobei ersteres sicher nicht ausgeschlossen werden braucht, denn es wurde ja früher im Rahmen einer Mahlzeit miteinander gefeiert. Das fand zu Hause statt. Es ist die einfachste Form miteinander Gemeinschaft zu haben. Aus dieser Tischgemeinschaft wird hier ein Ort des Lobpreises und der Anbetung.

Wenn hier im Text von Freude die Rede ist, dann drückt dies auch aus, dass gemeinsames Feiern dazugehört. Ich finde es schön, das wir heute zusammen essen. Und ich bin froh, dass es unter uns oft Anlass gibt zu feiern und Spaß zu haben, das bringt Erfrischung in jede Gemeinschaft.

Jesus ging auf Hochzeiten und Partys und Einladungen zum Essen. Er hatte mit seinen Jüngern Spaß und Freude. Dies muss so sehr zu seinem Lebensstil gehört haben, dass er von den Pharisäern als Fresser und Weinsäufer beschimpft wurde (Mt. 11,19).
Wir dürfen miteinander nicht nur weinen, sondern auch miteinander lachen. Und ich bin froh, dass dies eine Stärke der CGF ist und ich schätze auch der JG.

4. Gemeinschaft ist das Ziel 


Wenn wir jmd. zum Glauben einladen, ihm die Tür zeigen, müssen wir auch erwähnen, was dahinter ist. Was ist das Endziel des Evangeliums? Gemeinschaft!

„Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. “ (1. Kor. 1,9 Luther)

„was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ (1. Joh. 1,3 Luther)


Gemeinschaft ist der Ursprung aus dem alles entstanden ist und Gemeinschaft ist das Endziel. Gemeinschaft zu haben ist nicht nur ein Nebenprodukt, sondern das Ziel um das es geht: Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Wir sind in die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist und miteinander berufen. Und diese Gemeinschaft findet in der Gemeinde und in den Häusern, im sakralen und im profanen Bereich des Lebens statt. In der Anbetung und im natürlichen Miteinander.


5. Gemeinschaft ist unsere Stärke 


Wir müssen uns vergegenwärtigen: Gemeinschaft ist unsere Stärke. Des Leib Christi im allgemeinen und unsere Stärke als JG und als CGF im besonderen. Gerade als kleine Gruppierungen haben wir da eine Stärke.
Wir können echt sein vor einander mit unseren Stärken und Schwächen, wir brauchen uns nicht verstellen, wir müssen den anderen nicht erst abtasten und brauchen einander nicht zu fürchten, wir dürfen wissen, dass uns der andere positiv gesonnen ist, wir dürfen wissen, dass dieselbe Liebe, die ich zum anderen habe, auch für mich empfunden wird. Wir sind nicht dauerhaft von Sympathie abhängig.
Natürlich läuft auch mal was daneben und es kracht mal, wenn der alte Adam durchkommt, aber die normale Erfahrung in einer Gemeinde ist liebevolle Gemeinschaft. Und hier haben wir etwas zu geben und brauchen uns gar nicht groß anzustrengen, wir brauchen die Menschen nur mit hineinnehmen.

Die Menschen dürfen dadurch etwas erspüren von der Liebe Gottes, von Wertschätzung und Annahme, von Frieden und Auftanken, von Oase sein.
Wir müssen nur aufpassen, dass wir vor lauter Verliebstein in den Bruder und die Schwester nicht versäumen andere Menschen  um uns herum mehr wahrzunehmen.

Die Gemeinde in Philadelphia - Bruderliebe - hatte nur eine kleine Kraft. Aber diese Kraft verändert seit 2000 Jahren die Welt.


AMEN.

Sonntag, 2. Oktober 2016

Predigt von Norbert Wohlrab (25.09.16)

Röm. 14, 17 - 19


Da ich heute gleich zwei Predigttermine habe, habe ich mir gedacht, es wäre doch ganz praktisch gleich über den offiziellen Predigttextes des heutigen Sonntags zu predigen. So erspar ich es mir zwei verschiedene Predigten vorbereiten zu müssen. Synergieeffekt sozusagen. Außerdem bleib ich dann davor bewahrt immer wieder über meine Lieblingsthemen zu predigen.

Der Text für heute ist Röm. 14, 17-19:

„Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Denn wer in diesem dem Christus dient, ist Gott wohlgefällig und den Menschen bewährt. So lasst uns nun dem nachstreben, was dem Frieden, und dem, was der gegenseitigen Erbauung dient.“ (Röm. 14, 17-19 Rev. Elb.)

Das Reich Gottes ist also nicht Essen und Trinken. Wie lebensfeindlich aber auch, oder?

Wir haben in der CGF heute Gottesdienst mit gemeinsamen Mittagessen im Anschluss. Gemeinsames Essen und Trinken gehört bei uns einmal im Monat zum Gottesdienst feiern dazu. Das ist bei uns ein Ausdruck christlicher Lebenskultur. Aber, da haben wir wohl jetzt schon wieder mal alles falsch gemacht. Ätsch! Um sowas geht´s im Reich Gottes nämlich gar nicht. Solche profanen irdischen Dinge sollten wir nämlich nur auf das wirklich Allernotwendigste beschränken. Askese ist angesagt! Essen in der Gemeinde, so was Überflüssiges. Knapp daneben ist auch vorbei.

So oder so ähnlich könnte man diese Bibelstelle, diese Aufforderung ja zunächst einmal verstehen, wenn man sie aus dem Zusammenhang reißt. Aber ist das hier wirklich gemeint? Ist das NT wirklich so lebensverneinend? Hat Jesus selbst nicht ganz anders gehandelt?

Und tatsächlich wenn wir uns das Leben und Wirken unseres Herrn anschauen, dann lesen wir beispielsweise

  • von der Hochzeitsfeier, auf der er Wein vermehrt hat (bei der Heilsarmee wurde diese Bibelstelle in Saft umgewandelt)
  • dass er sich selber bei Zachäus zum Essen eingeladen hat (das sind die liebsten Gäste)  
  • mit Zöllnern und  Sündern gespeist hatund überhaupt so häufig am gemeinschaftlichen Essen und Trinken war, dass die Pharisäer ihn als Fresser und Weinsäufer (Mt. 11,19) tituliert haben uvm. 
  • und auch im AT gibt es bspw. die Aufforderung vor Gott mit Wein, starkem Getränk und allen Speisen, die das Herz begehrt, zu feiern und fröhlich zu sein (5. Mo. 14,26)

Also alles andere als lebensverneinend und so kann dieser Vers aus dem Römerbrief auch nur eine ganz andere Bedeutung haben, die man aber nur im Zusammenhang des ganzes Kapitels erkennt.

Die Gemeinde in Rom war ja keine homogene Gruppe. Nicht so wie wir. Sie bestand wohl nicht nur aus mehreren dezentralen Hauskirchen, sondern auch aus völlig unterschiedlich religiös sozialisierten Gruppen: den Judenchristen und den Heidenchristen, also aus Menschen die vorher im jüdischen Glauben verwurzelt waren oder und aus Menschen, die vorher einer heidnischen Religionen angehört haben.

Und diese beiden Gruppen waren sich nicht besonders grün, denn sie hatten unterschied-liche Auffassungen in manchen theologischen Fragen. Und nicht nur in irgendwelchen nebensächlichen Fragestellungen, wie heute vielleicht Erd- oder Feuerbestattung oder  nimmt man nun homöopathische Medikamente oder lieber doch nicht. Da muss man sich nicht bis aufs Blut streiten. Das ist nicht so existenziell.
Nein, es ging um Fragen, die die tägliche Lebensweise, aber v.a. auch die Praxis der täglichen Nachfolge betroffen haben. Es ging beispielsweise um´s Essen.

V. 2 „Einer glaubt, er dürfe alles essen; der Schwache aber isst Gemüse.“

(Paulus hat also eine eindeutige Meinung zur vegetarischen Ernährung. In der Luther-übersetzung von 1912 steht hier noch so nett übersetzt „der ißt Kraut“.)

Es gab hier zwei Konfliktpotenziale: zum einen die jüdischen Reinheitsgebote, die den Verzehr von bestimmten Fleischarten oder von unsachgemäß zubereiteten Fleisch (nicht richtig geschächteten Fleisch, das noch Blut beinhaltet) verbieten und zum anderen die Tatsache, dass es sich wohl bei dem meisten Fleisch, dass auf dem Markt erhältlich war um Götzenopferfleisch gehandelt hat, also um Überreste von Opfern in unterschiedlichen römischen, hellenistischen oder ägyptischen Kulten, d.h. Fleisch, dass heidnischen Göttern geweiht war und die sozusagen nicht alles aufgegessen haben.

Beides dürfte eigentlich für das Leben eines Christen keine Rolle spielen. Alle Speise kommt von Gott. Die Götzen sind Nichtse und die jüdischen Gesetze sind für Christen genauso „nichtsig". Daher kann alles guten Gewissens verzehrt werden. Wer so denkt ist - zumindest in diesem Punkt - stark im Glauben, der hat eine gewisse Reife erreicht. Aber es gibt eben auch die anderen, die Ängstlichen, die Unreifen, die Schwachen, die Anfänger im Glauben, die noch nicht frei sind in ihrem Gewissen, die noch gefangen sind in ihrer Prägung.

Eigentlich könnten sie unbeschadet nebeneinander existieren, wenn sie sich denn in Ruhe lassen würden, aber

V. 3 „Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst! Denn Gott hat ihn aufgenommen.
V. 4 Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten.“


Es haut nicht hin mit der friedlichen Koexistenz, sondern sie fangen an einander zu richten, einander zu verurteilen, übereinander herzuziehen. Auch die Starken. Sie sind vielleicht noch gar nicht so reif, wenn sie auf einmal anfangen die Schwachen zu verurteilen und sich über ihre Pedanterie lustig machen.

Dieser Streit ist uns ziemlich fremd. Götzenopferfleisch kriegen wir heute eher selten beim Metzger. (Das müsste man wohl explizit bestellen.) Gewiss auch heute gibt es unterschiedliche Auffassungen in punkto Ernährung, aber es sind keine theologisch motivierten Streitigkeiten, wobei es sicherlich Menschen gibt, bei denen die richtige Ernährung durchaus zu einer Ersatzreligion geworden ist und die eine sehr missionarische Gesinnung haben ihren Standpunkt zu vermitteln.

Es gab aber noch einen anderen Konfliktherd: nämlich der Umgang mit den heiligen Tagen:

  • Sollte man den Sabbat halten?
  • Oder besser den Sonntag, weil Jesus da auferstanden ist?
  • Oder lieber beide Tage?
  • Oder doch gar keinen Tag, weil man doch frei vom jüdischen Gesetz war?

Wie viele würden sich wohl auch heute wünschen, dass Paulus ganz klare Ansagen macht, was die Gestaltung des Sabbats/Sonntages betrifft. Aber weit gefehlt. Es geht hier ja nicht um Ehebruch oder Diebstahl, dazu hätte Paulus sich wohl sehr klar geäußert. Es geht um die Ausgestaltung der Nachfolge. Es geht nicht um besser sündigen, sondern um richtig nachfolgen.

Umso länger ich im Glauben stehe umso mehr stelle ich fest, dass das NT kein Gesetz-buch ist wie das AT. Wir finden hier viel Freiraum in Fragen der Lebensgestaltung und der persönlichen Nachfolge. Und so auch hier:

V. 5 „Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt!
V. 6 Wer den Tag beachtet, beachtet ihn dem Herrn. Und wer isst, isst dem Herrn, denn er sagt Gott Dank; und wer nicht isst, isst dem Herrn nicht und sagt Gott Dank.
V. 7 Denn keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst.“


Beides ist möglich. Man kann zu Gottes Ehre Fleisch essen und man kann zu Gottes Ehre darauf verzichten. Man kann frei sein zum essen und nicht frei sein zum essen.

Beides ist möglich. Man kann zu Gottes Ehre einen Tag höher als andere halten und kann aus der Freiheit des Glaubens darauf verzichten.

Jeder soll in der Gestaltung der Nachfolge seiner Überzeugung gemäß handeln, aber ohne über den, der eine andere Überzeugung hat die Nase zu rümpfen und ohne ihn zu richten.

Eine kurze Geschichte, die ich im Internet gefunden habe, verdeutlich dies:

Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagsglut durch die staubigen Gassen von Keshan. Der Vater saß auf dem Esel, den der Junge führte. „Der arme Junge“, sagte da ein Vorübergehender. „Seine kurzen Beinchen versuchen, mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, dass das kleine Kind sich müde läuft.“ Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen. Gar nicht lange dauerte es, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: „ So eine Unverschämt-heit. Sitzt doch der kleine Bengel wie ein Sultan auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenherläuft.“ Dies schmerzte den Jungen und er bat den Vater, sich hinter ihn auf den Esel zu setzen. „Hat man so etwas schon gesehen?“ keifte eine schleierverhangene Frau, „solche Tierquälerei? Dem armen Esel hängt der Rücken durch, und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus, als wäre er ein Diwan, die arme Kreatur!“ Die Gescholtenen schauten sich an und stiegen beide, ohne ein Wort zu sagen, vom Esel herunter. Kaum waren sie wenige Schritte neben dem Tier hergegangen, machte sich ein Fremder über sie lustig: „So dumm möchte ich einmal sein! Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet, euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?“ Der Vater schob dem Esel eine Hand voll Stroh ins Maul und legte seine Hand auf die Schulter seines Sohnes. „Gleichgültig, was wir machen“, sagte er, „es findet sich doch jemand, der damit nicht einverstanden ist. Ich glaube, wir müssen selbst wissen, was wir für richtig halten.“

(Quelle: Nossrat Peseschkian, Der Kaufmann und der Papagei)


Nach der eigenen Überzeugung handeln ohne den anderen zu verurteilen.

In der CGF sind wir ja mittlerweile so homogenisiert und pasteurisiert, da finden wir gar keinen Ansatzpunkt mehr für irgendwelche theologischen Streitigkeiten. Wir wissen bspw. wie jeder über Taufe denkt. Jeder soll da nach seiner Überzeugung handeln. Manchmal denke ich ein bisschen mehr Reibung würde uns gar nicht schaden, weil mancher dadurch herausgefordert wird, vielleicht auch angetrieben und angespornt wird.

Aber in anderen christlichen Gemeinden gibt es oft noch genug solcher Reizthemen: Ist es für das Reich Gottes förderlicher zu bauen oder nicht zu bauen? Wie laut, wie modern, wie elektrisch usw. soll die Lobpreisband sein? Das sind oft die Gemeindespalter. Frauenordination ist bei manchen auch ein Thema. Es gibt sicher noch viel mehr Konfliktherde, die ich mir mit meinem schlichten Gemüt mir gar nicht vorstellen kann.

V. 10 „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden.“

Und weiter schreibt Paulus, nicht nur nicht richten, sondern sogar so das Leben gestalten, dass es dem anderen kein Stolperstein ist.

V. 13 „Lasst uns nun nicht mehr einander richten, sondern haltet vielmehr das für recht, dem Bruder keinen Anstoß oder kein Ärgernis zu geben!“

Kein Fallstrick sein! Das ist jetzt ein Wort an die Starken. Wenn ich frei bin zum Verzehr, dann kann ich auch frei sein zum Verzicht in der Gegenwart des Schwachen. Nicht damit ich es dem anderen Recht mache, sondern damit ich durch mein Verhalten dem anderen, dem jungen und schwachen im Glauben nicht in Glaubenskrisen führe.

Trotzdem stellt Paulus klar, auf welcher Seite er steht:

V. 14 „Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an sich unrein ist; nur dem, der etwas als gemein ansieht, dem ist es unrein.“

Hier beruft er sich nicht auf sich selbst, sondern auf Jesus Christus. Entweder bezieht er sich auf eine geistliche Offenbarung oder auf Worte Jesu. Und Jesus sagte ja bspw. im Disput mit den Pharisäern und Schriftgelehrten, dass alle Speisen rein sind und nichts von außen den Menschen verunreinigen kann (Mk. 7, 15 - 23).

Aber trotzdem im gemeindlichen Miteinander geht es nicht darum Recht zu bekommen, nicht um das Urteilen und Verurteilen, sondern es geht um einen gemeinsamen Wandel in der Liebe, um gegenseitigen Respekt und Anerkennung, um Rücksichtnahme.

V. 15b sonst „wandelst du nicht mehr nach der Liebe.“

Denn….und jetzt kommt endlich der Vers des Predigttextes:

V. 16 „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“

oder besser verständlich:

„Denn im Reich Gottes geht es nicht um Fragen des Essens und Trinkens, sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt: Gerechtigkeit, Frieden und Freude.“ (Röm. 14,16 NGÜ)

Wenn im NT vom Reich Gottes die Rede ist, dann geht es immer um die ausgeübte Königsherrschaft Gottes, nicht um ein regionales Reich oder Gebiet. Es bedeutet also etwa soviel wie. da:
wo Gott unter Euch herrscht,
wo das Wesen seiner Herrschaft gegenwärtig ist ,
wo seine Liebe gegenwärtig ist…
Dort spielen solche Fragen keine Rolle mehr.

Nächstes Jahr ist Luther-Jahr. Was hat den jungen Luther gequält? Die Frage: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?
Auch darum geht es in unserem Text: Wie esse ich richtig? Wie halte ich den Feiertag richtig? Die Antwort: Ich muss keine Reinheitsvorschriften mehr beachten um vor Gott bestehen zu können. Ich habe bestanden!

Diese Fragestellungen gehen daher am Kern des Evangeliums vorbei. In einer Klassenarbeit würde der Lehrer wohl sagen: Leider eine Themaverfehlung.

Jetzt hatten wir eine lange Herleitung was das Reich Gottes nicht ist. Wahrscheinlich typisch deutsch: immer auf das Negative schauen. Jetzt wollen wir aber noch auf das Schauen, was das Reich Gottes ausmacht: Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist!

Gerechtigkeit, Friede und Freude. Also, ehrlich gesagt: ich hätte es wahrscheinlich anders definiert. Zuallererst hätte ich Liebe geschrieben und wenn ich jetzt ein organisch-dynamischer Vollblut-Pfingstler wäre, hätte ich wohl auch noch Kraft geschrieben und Barm-herzigkeit natürlich und selbstverständlich Gnade und…..

Nun, ich bin mir nicht sicher, ob Paulus dies als abschließende Aufzählung verstanden haben wollte, aber er hat sich sicherlich dabei etwas gedacht.

Und daher ist es sicher kein Zufall, dass hier als erstes Gerechtigkeit steht. Gerechtigkeit ist ein Wesenszug Gottes. Gerechtigkeit meint mehr als unser regulatives Verständnis.

„Die Bibel meint also mit der Gerechtigkeit Gottes seine umfassende Lebensgabe und Lebensgnade.“

(Quelle: Brunnen, Das große Bibellexikon Band 2)


Denn das ist es ja, was im Reich Gottes bewirkt wird: nicht durch mein ängstliches Streben, sondern durch Gottes Gnade: ich werde gerechtfertigt und erfahre ohne eigenes Zutun, durch das Werk Christi Gottes Gerechtigkeit.

„und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.“ (Röm. 3,24 Rev. Elb.)

Und diese Gerechtigkeit bewirkt Frieden mit Gott.

„Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein.“ (Jes. 32,17 Luther)

So beschreibt Jesaja das Wesen des kommenden Königreiches.

Aber ich denke Gerechtigkeit hat immer auch eine Dimension zu meinen Nächsten hin. Auch in diese Richtung sollen Gerechtigkeit und Frieden als Wesen des Reiches Gottes sichtbar werden. Der wahre Gottesdienst findet im Alltag statt, schreibt Paulus an anderer Stelle im Römerbrief (12,1).

Aus der Gerechtigkeit mit Gott entspringt Gerechtigkeit im Alltag. Gerechtigkeit drückt sich immer in Beziehungen aus. Beim Volk Israel war der Gradmesser der Umgang mit den Witwen, Waisen und Fremden. Auch heute wieder ein aktuelles Thema: der Umgang mit den Fremden.

Als ich von der Partei mit dem C im Namen kürzlich gelesen habe, sie wollen Asyl künftig auf Christen reduzieren, musste ich an das Wort Jesu denken: „Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe?“ (Mt. 5,46 Rev. Elb.)

Gerechtigkeit im Alltag, in der Gesellschaft, in der Politik, im Reich Gottes…ein spannendes Thema. Stoff für viele weitere Predigten.

Frieden. Wer Frieden mit Gott hat, kann auch Frieden mit seinen Mitmenschen leben. Dabei ist nicht nur kein Krieg und kein Streit gemeint, sondern ein füreinander sorgen. Ein sich aktives Einsetzen.

V. 19 „So lasst uns nun dem nachstreben, was dem Frieden…dient.“

Fehlt noch Freude. Ich muss zugeben: Ich hab´s nicht so mit der Freude. Ich bin einfach sowas von ausgeglichen. (Liegt vielleicht daran, dass ich seit meiner Jugend „beta-geblockt“ bin.) Ich bin schon zufrieden, wenn ich mich mal innerlich freue. Wenn ich auf irgendwelchen Konferenzen bin und dann enthusiastisch jubelnde und emotional verzückte Christen sehe, komm ich mir mit meiner Ausgeglichenheit immer recht minderbegabt vor.

Aber das biblische Freude bedeutet viel mehr. Sie meint ein ganzheitliches Wohlbefinden. (Und mit Wohlbefinden kenn ich mich als Wohlrab aus.) Fülle. Leben in Fülle.

V. 18.19 „So lasst uns nun dem nachstreben, was dem Frieden, und dem, was gegenseitigen Erbauung dient.“

AMEN.

Dienstag, 27. Januar 2015

Predigt von Norbert Wohlrab zur Jahreslosung 2015 (25.01.2015)

Jahreslosung 2015


Heute wollen wir uns gemeinsam mal ein paar Gedanken zur Jahreslosung 2015 machen.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Röm 15,7, Luther)

Eigentlich eine klare und verständliche Aussage: „Einander annehmen!“ Das ist schnell verstanden, leicht gesagt und doch oft schwer getan. Aber bevor wir anfangen unser Leben im Licht dieses Verses zu bespiegeln, wollen wir erst mal verstehen um was es Paulus hier eigentlich geht.

Der Vers stammt aus dem Brief an die Christen in Rom. Rom war eine Millionenstadt. Ein Schmelztiegel an Kulturen und religiösen Kulten. Menschen von ganz unterschiedlicher Herkunft lebten dort zusammen. Freie und Sklaven. Die gleiche ethnisch-kulturelle Vielfalt fand man auch in der christlichen Gemeinde. Nach dem für einige Jahre die Juden aus Rom vertrieben waren, waren sie mittlerweile wieder ansässig und so bestand die Gemeinde aus Heidenchristen und Judenchristen, die wahrscheinlich die Minderheit bildeten. Paulus kannte die Gemeinde noch nicht persönlich, aber er kannte einige ihrer Mitglieder, die er auf seinen Missionsreisen kennengelernt hat und teilweise sogar selbst nach Rom geschickt hatte.

Paulus legt in diesem Brief das Evangelium der Gnade dar, er spricht über die Befreiung von Sünde und Gesetz, erklärt die Bedeutung Israels im Heilsplan Gottes und geht zum Abschluss auf die Probleme im Miteinander zwischen den jüdischen und heidnischen Gläubigen und die drohende Spaltung ein.

Welches sind die Probleme?

Zunächst erinnert er sie noch einmal an verschiedene Grundprinzipien des christlichen Lebens und Zusammenlebens:

Stellt euer Leben Gott zur Verfügung! Das ist der wahre Gottesdienst! (Röm, 12,1)
Ihr seid ein Leib in Christus! (12,5)
Seid herzlich in der Bruderliebe! (12,10) Seid gleich gesinnt! (12,16)
Seid einander nur schuldig Euch zu lieben, so lebt Ihr nach dem Wesen des Gesetzes! (12,8)
Denkt daran, dass Jesus bald wieder kommt! Lebt entsprechend dem Wesen Jesu! (13,11-14)

Das waren so ein paar der allgemeinen Aussagen. Und dann kommt er auf ihren Konflikt zu sprechen. Letztlich geht es auch hier um den in vielen Gemeinden immer wieder auftretenden Konflikt zwischen Judenchristen und Heidenchristen über den richtigen heiligen Lebensstil in den Fragen des Essens und der Feiertage.

„Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf, doch nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen! Einer glaubt, er dürfe alles essen; der Schwache aber isst Gemüse. (Kraut, Luther 1545) Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst! Denn Gott hat ihn aufgenommen. Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten. Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt! Wer den Tag beachtet, beachtet ihn dem Herrn. Und wer isst, isst dem Herrn, denn er sagt Gott Dank; und wer nicht isst, isst dem Herrn nicht und sagt Gott Dank. Denn keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst. Denn sei es auch, dass wir leben, wir leben dem Herrn; und sei es, dass wir sterben, wir sterben dem Herrn. Und sei es nun, dass wir leben, sei es auch, dass wir sterben, wir sind des Herrn.“ (Röm. 14, 1- 8 Rev. Elb.)

Es ging um doch so scheinbar banale Fragen nach dem, was man essen und trinken darf und welcher Feiertag zu halten sei.  Die jüdisch geprägten Christen hatten da ganz andere Vorstellungen, als die aus dem heidnischen Lager. Für die einen musste das Essen koscher sein gemäß den jüdischen Speisevorschriften und Schweinefleisch ging natürlich gar nicht, die anderen hatten dagegen Probleme mit dem Götzenopferfleisch vom Wochenmarkt. Wiederum andere - die Starken - wussten, dass sie frei waren von jeglichen Gesetz und Götzen, und hatten überhaupt kein schlechtes Gewissen. Die konnten fröhlich sowohl Schweinefleisch, als auch Götzenopferfleisch essen.

Genauso beim Sabbat, die einen glaubten unbedingt den Sabbat halten zu müssen, die anderen gar keinen Feiertag.

Für die Konfliktparteien waren es keine banalen Fragen, für sie ging es um ihre innerste Überzeugung, um ihre theologische Erkenntnis, exklusiv mit ihrer Ansicht und dem diesbezüglichenLebensstil Gott zu ehren. Die anderen dagegen waren falsch gewickelt. Und deshalb hat jeder den anderen abgelehnt und gerichtet, das Gewissen des anderen gerichtet, die Freiheit des anderen gerichtet.

Und Paulus sagt ihnen dann: Leute, hört auf einander zu richten! Verachtet einander nicht! Das ist nicht Eure Aufgabe und dazu habt Ihr ohnehin kein Recht, weil Ihr nicht der Chef, der Herr des anderen seid! Jeder soll in diesen Fragen die Freiheit haben nach seinem Gewissen zu handeln. Schaut vielmehr darauf, dass Ihr einander keinen Anstoss gebt.

„Lasst uns nun nicht mehr einander richten, sondern haltet vielmehr das für recht, dem Bruder keinen Anstoß oder kein Ärgernis zu geben! Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an sich unrein ist; nur dem, der etwas als gemein ansieht, dem ist es unrein. Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr nach der Liebe. “ (Röm. 14, 13 - 15a Rev. Elb.)

Für Gott ist zwar alles rein, aber wenn der jüdische Bruder keine Schweinefleisch essen kann, dann verzichtet man in seiner Gegenwart darauf und wenn der heidnische Bruder, kein Götzenopferfleisch essen kann, dann verzichtet man in seiner Gegenwart darauf, denn

„…das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm. 14,17 Rev. Elb.)

Nach diesem Maßstab sollen sie leben. Und die Starken sollen dabei die Schwachen tragen.

„Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen.“ (Röm. 15,1 Rev. Elb.)
Die Starken waren die, die die christliche Freiheit im vollen Umfang erkannt haben. Die Schwachen diejenigen, deren Gewissen ihnen nicht alle Freiheiten ließ. Und wer stark ist, der ist dann auch in der Lage aus seiner Freiheit heraus freiwillig verzichten.

„Es ist gut, kein Fleisch zu essen noch Wein zu trinken noch etwas zu tun, woran dein Bruder sich stößt…Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung!“ (Röm. 14,21+15,2 Rev. Elb.)

Und am Ende dieser Erklärungen steht dann jetzt endlich der Vers der Jahreslosung als eine Art Fazit:

„Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit!“ (Röm. 15,7 Rev. Elb.)

Und Ihr habt gemerkt, der Vers klingt jetzt in der Elberfelderübersetzung ein bisschen anders. Hier heißt es nämlich aufnehmen. Wie aufnehmen? Wie jetzt? Geht es nicht um gegenseitige Annahme?

Das gr. Verb „proslambánō“ lässt sich zwar mit beidem übersetzen, aber ich bevorzuge das praktische „aufnehmen“ der Elberfelder-Übersetzung, weil damit deutlich wird, worum es eigentlich geht.
Es geht eben nicht nur um tolerieren, den anderen zu ertragen ohne ihn gleich zu erschlagen, sondern es geht um die ganzheitliche Aufnahme in die Gemeinschaft, in die Tischgemeinschaft, in den Kreis der verschiedenen Hausgemeinden und Gruppen, in die Abendmahlsgemeinschaft, in das gemeinschaftliche Essen und Feiern. Annehmen ist nur ein kleiner Teil davon. Aufnehmen ist ein viel intensiverer und intimerer Ausdruck von geschwisterlicher Liebe.

Genauso wie Christus Euch, wie er uns in seine Gemeinschaft aufgenommen hat. Christus akzeptiert uns nicht einfach als Sünder, sondern er nimmt uns auf in seine heilende, gerechtmachende und befreiende Gemeinschaft.

In der English Standard Version heißt dieser Vers so schön:

„welcome one another as Christ has welcomed you, for the glory of God.“

Und Christus hat uns nicht ins Nichts aufgenommen, sondern in „Gottes Herrlichkeit!“

Es geht hier meiner Meinung nach nämlich nicht darum, dass der richtige Umgang mit dem Bruder, das An- und Aufnehmen des Andersartigen zum Lob Gottes dient, obwohl das sicherlich nicht falsch ist, im Gegenteil das ist Ausdruck eines gottgefälligen Lebensstil, aber ich denke nicht das, was Paulus hier ausdrücken will.
Sondern es geht darum, dass Christus uns bereits zur Herrlichkeit Gottes oder zur Ehre Gottes oder zum Glanz Gottes (gr. „doxa“) aufgenommen hat.

Dieser Vers steht im Gegensatz zur Aussage vom Beginn des Briefes, wo Paulus darstellt:

„denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes“, (Röm. 3,23 Rev. Elb.)
Kein Mensch ist zur Herrlichkeit Gottes gelangt hat, aber jetzt durch Christus sind wir aufgenommen zur Herrlichkeit Gottes, d.h. durch das perfekte Opfer Christi treten wir ein in seine Herrlichkeit und sein Glanz kommt auf uns.

Es ist noch nicht so physisch wahrnehmbar, wie bei der Verklärung Jesu (Mt. 17), als sein Angesicht glänzte oder bei Mose in der Stifthütte, als sein Gesicht die Herrlichkeit Gottes widerspiegelte (2. Mo. 34,35), aber trotzdem schon durch unser Leben spürbar, wenn Jesus Christus in uns lebt und sein Wesen in uns Gestalt annimmt.

Nach diesen jetzt eher theologischen Abhandlungen, stellt sich wieder mal die Frage, was hat dieser Vers mit uns im Jahre 2015 zu tun?

Wer sind heute die Schwachen? Wer sind heute die Konfliktparteien im Leib Christi? Was gibt es heute noch für Überzeugungen, für die Christen über Leichen gehen?

Wir leben hier in der CGF ja auf einer Insel der Glückseligen. Wir sind stark im Glauben und genießen viele Freiheiten, Wir haben vieles schon hinter uns. Wir sind so homogen, dass es vielleicht schon kontraproduktiv ist. Aber wenn ich im Internet mal so in verschiedenen Foren schaue, dann erschreck ich immer wieder wie viele unreife, engstirnige, besserwisserische und gesetzliche Christen da unterwegs sind, deren Hauptanliegen es zu sein scheint, andere zu belehren. Viele Kämpfe, die ich schon für ausgestorben hielt, werden da kultiviert.

Charismatiker gegen Evangelikale, Evangelikale gegen Liberale, Lutherische gegen Katholiken, Glaubenstäufer gegen Kindertäufer, militante Vegetarier/Veganer gegen Fleischesser, Konsumverweigerer gegen Konsumierer, TV-Verweigerer gegen TV-Glotzer, Gepiercte gegen Nicht-Gepiercte, Tätowierte gegen Nicht-Tätowierte, Radikalpazifisten gegen Berufssoldaten, Gesangbuchsänger gegen Lobpreisrocker, Weihnachtsverweigerer gegen Weihnachtszelebrierer, Abstinenzler gegen Alkoholtrinker, Gemeindebauer gegen Schäfchenklauer, Folie gegen Beamer…..oder Deutsch-Nationalisten gegen Ausländerfreundliche.

Das „Erschreckende“: Jesus hat alle an seinen Tisch geladen! Unglaublich. Er hat sie nicht nur angenommen, er hat sie aufgenommen in seine Gemeinschaft. Leute, mit denen wir normalerweise nichts zu tun hätten. Wir würden einfach getrennte Wege gehen. Solche Leute sind Teil seiner Gemeinschaft. Haben Teil an der Herrlichkeit Gottes. Solche Leute sollen auch wir aufnehmen, annehmen.

Gemeinde Jesu ist bunt. Sie ist vielfältig. Und war es schon immer: Arme und Reiche, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Juden und Araber, Europäer und Afrikaner, Deutsche und Türken, Frauen und Männer, Popfans und Chorsänger, nüchterne und emotionale, zurückhaltende und extrovertierte, spontane und besonnene Menschen…..

Gemeinde Jesu fordert uns heraus. Diese Vielfalt fordert uns heraus. Wie sonst sollten wir lieben lernen, Demut einüben, sich selbst verleugnen? In einer Interessengruppe, wo jeder auf der gleichen Welle liegt, braucht man sich nicht bemühen.

Die Jahreslosung soll für uns ein Ansporn, eine Erinnerung sein, die unangenehmen Geschwister in unsere Gemeinschaft, an unseren Tisch, an meinen Tisch zu holen. Sie willkommen zu heißen, so wie Jesus uns willkommen geheißen hat.

„Vater mach uns eins, dass die Welt erkennt, er hat den Sohn gesandt!“ (Liedtext)
AMEN.

Freitag, 17. Februar 2012

Predigt von Norbert Wohlrab (12.02.12)

Gemeinschaft braucht Eigeninitiative


1. Einleitung

Ich möchte heute mal mit einem Zitat beginnen - vielleicht habe ich es auch irgendwann schon mal in einem anderen Zusammenhang erwähnt, aber ich finde es nach wie vor sehr bedeutsam:

„Eine Gemeinschaft lebt nur, wenn sie selbst aktiv ist. Wenn sie sich nur betreuen lässt, stirbt sie.“

Diese Aussage, die so viel Wahrheit enthält, stammt weder aus der Bibel, noch von weisen Menschen wie Sokrates, Plato oder Einstein. Nein, sie stammt von einem FDP-Politiker (den Namen habe ich mir leider nicht notiert) aus einer Debatte zum Haushalt der Stadt Fürth aus dem Jahre 2010 (oder 2011?).

Ihr kennt ja alle das Infoblatt der Stadt Fürth und da sind manchmal Reden aus den Ratssitzungen abgedruckt und so bin ich einmal zufällig über diese Aussage gestolpert, die mir sehr gut gefällt. Ich weiß nicht, ob er es irgendwo geguttenbergt hat - auf jeden Fall ist es eine unheimlich tiefgründige Aussage: „Eine Gemeinschaft lebt nur, wenn sie selbst aktiv ist. Wenn sie sich nur betreuen lässt, stirbt sie.“

Das Erschreckende an dieser Aussage ist, dass sie eigentlich für alle oder zumindest viele Bereiche des sozialen Lebens anwendbar ist. So gilt sie bspw. im Wirtschaftsleben: eine Firma kann sich nur weiter entwickeln, wenn immer wieder neue Ideen entwickelt werden, neue Innovationen und Initiativen entstehen, neue Wege gegangen werden, sonst kann sie im Konkurrenzkampf nicht mithalten, sonst wird sie den Anforderungen von sich veränderten Märkten nicht gerecht. Wenn ein Versandhandel bspw. ignoriert, dass mittlerweile ein Großteil der Geschäfte über das Internet abgeschlossen werden, ist er nicht länger konkurrenzfähig. Wenn eine Firma keine Plattform für Innovation und Kreativität bietet, wird sie sich nicht weiter entwickeln.

Sie gilt aber genauso für die politische Gemeinde und sie gilt genauso für Verbände und Vereine. Ohne Initiative von Einzelnen oder von Gruppen erstarrt das Leben, gibt es keine Entwicklung. Ohne das Einbringen neuer Ideen entsteht kein neues Leben, keine Vielfalt; wenn nur versucht wird den status quo zu verwalten, wird das Leben erstickt.

Sie gilt genauso für die Ehe, für Partnerschaften und auch für das Fußballteam. Jede Zweierschaft braucht neue Anregungen, damit sie nicht erstarrt, jede Fußballelf braucht die genialen Geistesblitze von kreativen Offensivspielern, sonst kann sie das gegnerische Abwehrbollwerk nicht überwinden. Eine Mannschaft, die nur den Ball halten will (wie letzte Saison bei Bayern München unter Louis van Gaal) spielt nicht nur unattraktiven Fußball, sondern wird sich auch schwer tun das Spiel zu gewinnen.


2. Prinzipien aus dem Reich Gottes (oder der Nachfolge)

Und diese Wahrheit gilt - wie könnte es anders sein - natürlich auch für die Gemeinde, für die Gemeinschaft der Christen. Ja gerade hier, denn in diesem Satz finden wir fundamentale Wahrheiten des Reiches Gottes!

2.1 Das Einbringen der eigenen Begabungen

Wir finden hier z.B. das Prinzip des Einbringens der eigenen Fähigkeiten, der eigenen Gaben und Möglichkeiten.

Christliche Gemeinschaft, christliches Leben im Allgemeinen ist auf Wachstum angelegt. Im Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Mt. 25, 14-30), wird derjenige bestraft, der nichts aus seinen Möglichkeiten gemacht hat, der keine Initiative gezeigt hat, der die Talente nur vergraben hat und es werden diejenigen belohnt, die sie gewinnbringend, sich vervielfältigend eingesetzt haben.

Gott hat uns ausgerüstet! Einem jeden aber ist gegeben, sagt Paulus! Jeder hat seine ganz speziellen Möglichkeiten und Fähigkeiten bekommen, die er einbringen kann. Seien es jetzt geistliche Gaben oder natürliche Begabungen: wir sind alle bestens ausgerüstet.

2.2. Den Bau des Reiches Gottes (oder Leib Christis)

Ein weiteres Prinzip, dass in diesem Zitat verborgen ist: es geht um die Gemeinschaft. Es geht nicht um mich, es geht nicht nur um meine Familie, es geht um viel mehr. Und das steht so ganz im Gegensatz zum Zeitgeist und zur zunehmenden Individualisierung in unserer Gesellschaft.

Alles was gegeben ist, „dient zur Erbauung des Leibes Christi“ (Eph. 4,12) schreibt Paulus. Jede Gabe, jede Aufgabe, jede Fähigkeit, jede Initiative hat dieses Ziel: der Leib Christi soll erbaut, soll auferbaut, soll gebaut werden! Darum geht es! Und ich sehe den Leib Christi hier größer als die Gemeinde, ich sehe ihn hier als jede Initiative, jedes Werk, dass das Ziel hat Reich Gottes in dieser Welt auszubreiten!

Es geht darum, dass Wohl des Ganzen im Blick zu haben! Auf politischer Ebene oder kommunaler Ebene spricht man von dem Gemeinwohl! Ein leicht antiquierter und angestaubter Ausdruck, der heute zwar zunehmend an Bedeutung verloren hat, aber der nach wie vor für das Wohlergehen einer Gesellschaft unabdingbar ist. Da wo nur die Ziele Einzelner oder einzelner Gruppen verfolgt werden, geht jede soziale Komponente verloren. Dann dominieren nur noch Egoismus, Gewinnmaximierung und Macht!

Gott wollte eine soziale Gesellschaft. Er wollte weder den Kapitalismus des Westens noch die Oligarchien des Ostens. Beides sind Systeme, in denen der Mammon regiert. Und da wo der Mammon regiert, freut sich der Teufel. Bedenken wir, er hat Jesus in der Versuchung alle „Reiche dieser Welt und ihre Herrlichkeit“ (Mt. 4,8) angeboten. (Natürlich die USA ausgenommen, weil das ist ja „God´s Country“.)

Vor ein paar Tagen stand folgender Vers in der Tageslosung:

„Wehe denen, die ein Haus zum anderen bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und sie allein das Land besitzen!“ (Jes. 5,8)

Deshalb hat er im Gesetz Mechanismen eingeführt wie das Jobeljahr, in denen es nach 50 Jahren wieder zu Rückverteilungen kommen sollte. Jedes erworbene Land musste nach 50 Jahren wieder an den vorherigen Besitzer zurückgegeben werden (3. Mo. 25,10). So hätte verhindert werden sollen, dass einzelne verarmen und andere zu Oligarchen werden und außerdem wäre dadurch verdeutlicht worden, dass das Land wirklich Gottes Land ist und die israeliten nur die Nutzer sind mit dem Auftrag es zu bebauen und zu bewahren. Leider gibt es keine historischen Belege, dass dies jemals tatsächlich durchgeführt worden ist. Der Einfluss des Mammon war wohl schon damals zu stark.

Auch das Verbot von einander Zinsen zu verlangen, sollte die Verarmung des Bruders verhindern (3. Mo. 25,37). Es gibt ein Gedankenexperiment von Richard Price. Er hat festgestellt, wenn Joseph zur Geburt Jesu einen Penny angelegt hätte mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 5%. Dann ergäbe das heute durch Zins und Zinseszins 150 Millionen Erden mit reinem Gold. Wenn man sich dies vergegenwärtigt, wird deutlich, dass unsere ganze Finanzwirtschaft auf einer riesigen virtuellen Blase basiert.

Selbst Wolfgang Schäuble hat neulich zugegeben, dass wir erkennen müssen, dass unsere Wirtschaft saturiert ist und die Mär vom grenzenlosen Wachstum global gesehen weder sozial gerecht, noch unbegrenzt möglich ist.

Wenn schon auf politischer Ebene die Bedeutung des Gemeinwohls erkannt wird, wie viel mehr muss es uns wichtig sein die Königsherrschaft Gottes in diese gefallene Welt hineinzubringen.

2.3. Das eigene Sterben

Hier wird mir ein weiteres Prinzip deutlich: das persönliche Einbringen ist verbunden mit dem eigenen Sterben!

Jesus sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh. 12, 24 Rev. Elb.)

Natürlich meint Jesus hier zunächst sich selbst: er ist das Weizenkorn, dass in die Erde fällt; er stirbt und geht in´s Grab um dann aufzuerstehen und um ein Vielfaches an Frucht zu bringen: millionenfaches neues Leben, wozu auch wir gehören. Aber der Text geht noch weiter und da wird deutlich, dass auch wir damit gemeint sind.

„Wer sein Leben liebt, wird es verlieren; und wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren.“ (Joh. 12, 25 Rev. Elb.)

Das Ablehnen mancher eigenen Wünsche und Ziele, solange bis die Wünsche und Ziele Christi zu meinen eigenen geworden sind, ist ein wesentliches Prinzip des Lebens als Christ.

Wer war schon einmal in Jerusalem? Ich sage, wir waren alle schon mal in Jerusalem! Nur ist das schon ziemlich lange her, an die 2000 Jahre, da erinnert sich vielleicht nicht mehr jeder daran.

Denn es heißt: „ich bin mit Christus gekreuzigt“ (Gal. 2,20a Rev. Elb.)

Und beim besten Willen, wenn ich mit Jesus Christus gekreuzigt bin, wenn ich da auch mit am Kreuz hing auf Golgatha, dann muss ich ja auch schon mal dort gewesen sein, oder? Jedes Kind Gottes war damals in der Mitte der dreißiger Jahre des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung mit in Jerusalem und hing da mit Jesus am Kreuz.

Nehmt das jetzt symbolisch, allegorisch oder wie auch immer. Paulus sagt: wir hingen da mit dran. Mitgefangen, mitgehangen!

Ich finde dieses Bild sehr hilfreich - denn, wenn man sich vorstellt, dass man da irgendwie in Jesus Christus drin war, dass Jesus als er meine Schuld getilgt hat, mich auch irgendwie da mit genommen hat - dann kann man sich vielleicht auch leichter vorstellen, wie dieses stellvertretende Opfer Jesu mich mit einschließt.

„und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20b Rev. Elb.)

schreibt Paulus dann weiter.

Und obwohl dies so ist, obwohl unser alter Mensch mit der Taufe in den Tod begraben wurden (Röm. 6,4), obwohl Christus in mir lebt, sind wir doch einen Kampf ausgesetzt, der unser ganzes Leben anhält: das tägliche Sterben!

„Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach.“ (Lk. 9,23 Rev. Elb.)

Täglich! Obwohl wir mit Christus gekreuzigt sind, obwohl unser alter Mensch begraben ist, obwohl Jesus Christus in uns lebt, obwohl wir den Heiligen Geist haben - bleibt doch noch ein Restkampf übrig: ein tägliches Ringen mit uns selbst; weil Gott unsere Persönlichkeit nicht eliminiert hat, bleibt es uns überlassen unseren Willen immer wieder neu zu opfern und ihn hinzugeben.

Und fällt Euch auf, es heißt, dass wir unser eigenes Kreuz auf uns nehmen sollen. Nicht das des anderen und wir sollen schon gar nicht das Kreuz tragen, von dem der andere, der besorgte Bruder oder die es gut meinende Schwester meint, dass könnte zu mir ganz gut passen.

Weder Gott noch sonst jmd. legt mir ein Kreuz auf, sondern ich selbst darf mich demütigen, ich selbst darf erkennen, wo ich mich verleugnen muss. Wir dürfen unseren persönlichen Hochmut (oder was auch immer) selbst ans Kreuz bringen.


3. Hinderungsgründe

Die eigenen Gaben einbringen, zuerst an den Bau des Reiches Gottes und des Leibes Christi denken, sich selbst immer wieder hingeben. Eigeninitiative entwickeln und neues Land einnehmen, mutig neue Wege gehen (so wie wir es in dem neuen Lied singen). Die Frage ist, was hindert uns oft daran, dass wir es zwar wissen, aber nicht immer umsetzen.

Und denkt jetzt nicht, ich sehe das jetzt bloß mit der Gemeindebrille, nur im Gemeindehorizont, damit sich die aktive Mitarbeiterschaft erhöht. Nein, unser Leben ist doch viel vielfältiger, viel vielschichtiger. Unsere Gaben und Berufungen umfassen Bereiche, die gibt´s ja gar nicht in der Gemeinde. Wenn man eine Begabung hat zum Bücher schreiben oder Bilder malen, um auf diese Weise die frohe Botschaft ausdrücken zu können, dann muss man doch nicht hier die Tapeten vollkritzeln (zumal das ja gar nicht unsere sind).

Andere Begabungen hätten hier natürlich sehr wohl Raum und Platz und vielleicht ist ja bereits eine Sehnsucht vorhanden. Eine Sehnsucht von jemanden oder danach, dass jemand eigeninitiativ wird und Träume in die Wirklichkeit holt.

Von Anfang an war es ein großer Wert in der CGF, dass Eigeninitiative ihren Raum finden konnte und wertgeschätzt wurde.

Was hindert uns? Was sind Hinderungsgründe? Was blockiert uns?

3.1. Die Altersblockade

Nun, vielleicht hindert uns eine Art Altersblockade, eine Art Altersmüdigkeit. Viele sind um die 50, manche schon über 60. Vielleicht stellt sich in diesem Alter eine gewisse Gesetztheit ein. Man hat manches erreicht in seinem Leben, vieles hat man auch nicht erreicht, man denkt sich jetzt können die Jüngeren mal ran (oops, wo sind die eigentlich?), wie auch immer, man ist etwas bequem geworden, etwas gesetzt geworden. Ich denke, das kann man ganz nüchtern so feststellen, ohne dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlen muss.

Irgendwie ist es schon paradox, wenn man kleine Kinder hat, hat man keine Zeit, weil die Familie einem fordert. Wenn man Berufseinsteiger ist, hat man keine Zeit, weil der Beruf einem fordert. Später hat man keine Zeit, weil man im Beruf Karriere machen muss und die Hypothek abbezahlen muss. Und dann wenn man endlich Zeit hätte, die Schulden getilgt, die Kinder aus dem Haus sind, fühlt man sich zu alt, so dass zwischendrin nur eine kurze Zeitspanne von vielleicht 5 Monaten bleibt, wo die Belastungen erträglich sind. Ich hab´s jetzt ein bisschen überzeichnet, aber es ist schon was Wahres dran.

Es gibt bei Gott keine Altersbegrenzung - weder nach unten, noch nach oben. Moses war 80 als er seinen Dienst begonnen hat, Abraham war uralt, David war ein Teenager, Maria war ein Teenager. Gott hat kein Mitleid mit Alter und Jugend - er beruft, wen er beruft!

Eigentlich sind die meisten von uns jetzt im besten Alter um etwas im Reich Gottes zu bewegen - ein Übermaß an Lebenserfahrung und geistlicher Reife - ja soviel Lebenserfahrung, dass es andere nur schwer ertragen können-, an Weisheit, gepaart mit (Alters-)Milde und

Barmherzigkeit, das ist doch genau das was benötigt wird.

Es gibt keine junge Generation hinter der wir uns verstecken könnten. Es gibt keine junge Generation, auf der ein ausschließlicher Ruf liegt. Derartige Prophetien sind Unsinn und nicht mit dem Wort Gottes vereinbar. Gott beruft immer Jung & Alt. Er gießt seinen Geist auf Jung & Alt (Joel 3)! Er beruft alle Generationen!

Es tut mir jetzt echt für manchen leid, aber es gibt kein Renteneintrittsalter im Reich Gottes! Die Zeit von niemanden hier im Raum ist vorbei, sie fängt höchstens gerade erst an.

3.2 Die Schwächeblockade

Es gibt noch eine weitere Blockade. Ich nenne sie jetzt mal die Schwächeblockade.

Die Jahreslosung 2012 lautet: „Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor. 12,9 L)

Wir haben uns diese Woche im Hauskreis den Vers mal in seinem größeren Zusammenhang angeschaut und da wurde uns die Herausforderung, die dieser Zuspruch für Paulus gewesen ist, erst so richtig deutlich.

Paulus berichtet davon wie er in Todesgefahr war, wie er um Christi willen mit Ruten geschlagen wurde, wie er gesteinigt wurde, wie er in Seenot war, Schiffbruch erlitten hat, durch reißende Flüsse musste, auf der Flucht vor Räubern war, Hunger und Durst hatte, Kälte und Nacktheit ertragen musste, Schlafmangel hatte, viele Mühen und Beschwerden ertragen musste und dazu noch von einen „Engel Satans“ körperlich gequält wurde (was immer man darunter auch verstehen soll). All dies hat er auf sich genommen um das Evangelium auszubreiten - und war damit wohl im Gegensatz zu den sogenannten „Super-Aposteln“, deren Leben nicht so entbehrsam war.

Und in diese Situation der Schwäche spricht Jesus jetzt quasi zu ihm: „Lass es so wie es ist. Mach weiter! Denn wenn du körperlich und seelisch und mental am Ende bist, erst dann kommt meine Kraft in Dir zur Entfaltung!“

D.h. für uns, die wir viele dieser Nöte - Gott sei Dank - nicht ertragen müssen, aber doch auch viele Mühen und Beschwerden kennen, die das Leben in einer gefallenen Welt mit sich bringt, dass wir keine eigene Stärke brauchen, denn da wo wir am Ende sind und uns trotzdem in das Reich Gottes investieren, da kommt seine Kraft erst in uns zur Entfaltung.

Es gibt bei Gott keine Altersbegrenzung und es gibt keine Schwächebegrenzung! Er beruft, wen er beruft - und wir sind alle berufen!

3.3. Die Blockade des Herzens (Liebestöter)

Aber es gibt noch eine weitere Blockade, die uns oft zu Schaffen macht und mit der wir uns oft unser ganzes Leben herumschlagen müssen. Ich nenn sie mal die Blockade des Herzens oder den „Liebestöter“.

Wir kennen alle das Gleichnis von den vier verschiedenen Ackerböden (Lk. 8, 4-15). Ein Bauer sät den Samen aus, manches fällt auf dem Weg und wird zertreten oder von den Vögeln gefressen, manches fällt auf steinigen Boden und verdorrt gleich mangels Feuchtigkeit, manches fällt unter die Dornen und wird nach einiger Zeit erstickt und manches fällt auf guten fruchtbaren Boden und bringt vielfältige Frucht.

In seiner Auslegung sagt Jesus, dass der Samen, der „unter die Dornen fiel...durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt (V. 14)“ wurde.

Ein Ackerboden kann sich seine Beschaffenheit ja nicht selbst aussuchen, hier ist das Gleichnis nur beschränkt übertragbar, aber wir Menschen können die Beschaffenheit unseres Bodens, unseres Herzens beeinflussen.

Wir hatten uns im letzten Hausgottesdienst darüber ausgetauscht, was uns Lebensfreude, was uns Lebensenergie raubt. Und tatsächlich diese Sorgen, die Jesus hier anspricht - ich glaube jetzt mal nicht, dass Reichtum und Vergnügungen des Lebens für uns vorrangige Versuchungen darstellen - diese Sorgen haben die Kraft, haben die Qualität unseren Glauben zu ersticken. So wie die Dornen die aufgehende Pflanze ersticken. Sie können zu einer Blockade unseres Herzens werden. Sie können die Freude rauben, sie können die Liebe töten, die Liebe zu Jesus ersticken.

Wie gesagt, der Boden kann sich seine Konsistenz nicht aussuchen, aber wir haben eine Verantwortung für unseren Boden, für unser Herz.

Jesus sagt, nicht dass was wir essen macht uns unrein, sondern das, was aus unserem Herzen heraus kommt (Mt. 15,19). Wir sind die Pfleger unseres Herzens!

Wenn Du ein Essen kochst, bist Du verantwortlich, ob es schmeckt oder nicht. Du wählst die Zutaten aus. Du prüfst, ob sie passen. Du gibst die Zutaten in der richtigen Konsistenz un d Reihenfolge in den Kochtopf. Du überwachst den Kochvorgang.

Und wenn Du eine Pflanze ansäst, bist Du verantwortlich für ihr Gedeihen. Du prüfst, ob es der richtige Boden ist. Du sorgst für ausreichend Wasser, Licht und Nährstoffe. Du bekämpfst die Schädlinge.

Und so ist es mit unserem Herzen. Wir entscheiden, ob wir es zulassen, dass uns die Sorgen des Lebens unseren Glauben ersticken, unsere Liebe rauben, unser Engagement eliminieren oder ob wir unser Herz bewahren.

Und ich sage nicht, dass es einfach ist. Ich weiß wovon ich rede. Wenn man jahrelang immer wieder seine Sorgen bei Gott abgibt ohne dass man große Veränderungen in der Realität sieht, dann kann man schon resignieren und jegliche Lebensfreude verlieren. Und dann gelingt es mir in manchen Phasen besser und in manchen Phasen schlechter. (Das ist wohl normal, nehme ich mal an.)

Aber unser Herz ist es wert, dass wir um es kämpfen und uns um es bemühen, dass wir Bitterkeit keinen Raum geben und Sorgen immer wieder abgeben. Egal was für Nöte und Sorgen es auch sind. Jesus sagt:

„Kommt her zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.“ (Mt. 11,28 NGÜ)

Dieses Angebot gilt für alle Arten von Sorgen und Nöten.


4. Zusammenfassung

Der Bau des Reiches Gottes und der Gemeinde lebt von der Initiative des einzelnen. Dazu hat Gott uns überreich befähigt. Dazu sind wir weder zu alt, noch zu schwach. Und wir haben die allumfassende Möglichkeit, dass wir dazu auch nicht zu besorgt sein müssen, weil wir unsere Sorgen und Nöte allezeit auf Jesus Christus werfen können, denn er sorgt für uns (1. Petr. 5,7).

AMEN.