Götzendienst
1. Einleitung
Ich möchte mit einem der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Gemeinde beginnen: mit dem 1. Konzil in Jerusalem. Dort wurde festgelegt, dass den Heiden, die sich zu Jesus Christus bekehrt haben, keine weiteren Lasten, also kein Gesetz und auch keine Beschneidung aufzuerlegen sind.
„Deshalb urteile ich, man solle die, welche sich von den Nationen zu Gott bekehren, nicht beunruhigen, sondern ihnen schreiben, dass sie sich enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht und vom Erstickten und vom Blut.“ (Apg. 15,19 Rev. Elb.)
Keine Beschneidung und kein Gesetz gilt für die Heidenchristen. Der Glaube ist ausreichend. Wegen der Tisch-Gemeinschaft von Heiden- mit Judenchristen wurden ihnen aber spezielle Regeln auferlegt (vgl. Kritik an Petrus in Galaterbrief): Ersticktes und Blut war den Juden ein Gräuel, genauso wie bestimmte im Gesetz verbotene Verwandtenehen (sind hier wahrscheinlich mit Unzucht gemeint). All dies hat Paulus nie in den Briefen explizit erwähnt, auch beim Götzenopfer (Verunreinigungen der Götzen) galt die christliche Freiheit (Verantwortung vor Gewissen). Aber es gibt durchaus Warnungen vor Götzendienst in den Briefen des NT.
„Darum, meine Geliebten, flieht den Götzendienst!“ (1. Kor. 10,14 Rev. Elb.)
Was hat es mit dem Götzendienst auf sich? Wo lauert die Gefahr? Wie sieht Götzendienst in der Bibel aus? Wie schaut moderner Götzendienst aus? Was sind eigentlich Götzen?
Definition: die Bibel versteht darunter a) andere Götter oder b) deren Abbilder.
Im Hebr. gibt es viele verschiedene Worte, oft wird in diesen die Nichtigkeit der Götzen deutlich. Sie werden als Nichtse, Hauch oder Mistdinger (von Kot abgeleitet, also Scheißdinger) bezeichnet. Das gr. Wort ist „eidolon“ = Schattenbild, davon ist unser Begriff Idol abgeleitet.
Die Bibel sagt diese Götter sind Nichts, so sehen wir heute auch nur noch Steinhaufen ihrer Tempel in den antiken Städten Italiens und Griechenlands. Auch von Odin/Wodan ist nichts mehr übrig.
Trotzdem sind Götzen eine Gefahr, denn hinter den Götzen stecken Dämonen, sagt Paulus. Götzendienst nährt die Mächte der Finsternis.
„Was sage ich nun? Dass ein Götze etwas sei, oder dass ein Götzenopfer etwas sei? Nein, sondern dass die Heiden das, was sie opfern, den Dämonen opfern und nicht Gott! Ich will aber nicht, dass ihr in Gemeinschaft mit den Dämonen seid.“
(1. Kor. 10, 19.20 Schlachter 2000)
Betrachten wir mal ein paar Stellen zum Thema Götzendienst in der Bibel.
2. Götzendienst im AT
Zunächst wird deutlich: im AT zeigt sich ein kompromissloser Umgang mit Götzen, denn
unser Gott ist ein eifersüchtiger Gott.
„Du sollst keine andern Götter haben neben mir. - Du sollst dir kein Götterbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott…“ (2. Mose 20, 3-5a Rev. Elb.)
Im Bereich fremde Götter/Götzen gilt bei Gott die Null-Promille-Grenze. In anderen Religionen konnte man mehrere Götter haben, nebeneinander, dort gab es Arbeitsteilung unter ihnen. Bei JHWH geht das nicht.
Welche Bsp. aus dem AT fallen Euch ein?
- der Wettkampf Elias mit den Baalspriestern auf dem Karmel, Gott hat gewonnen, am Ende heißt es:
„Und Elia sagte zu ihnen: Packt die Propheten des Baal, keiner von ihnen soll entkommen! Und sie packten sie. Und Elia führte sie hinab an den Bach Kischon und schlachtete sie dort.“ (1. Kön. 18,40 Rev. Elb.)
Es gab keine Gnade für die Baalspriester, keine Gefangenen, keine Kompromisse.
- die Berufung des Gideon
„Und es geschah in jener Nacht, da sprach der HERR zu ihm: Nimm einen Stier von den Rindern, die deinem Vater gehören, und zwar den zweiten Stier, den siebenjährigen! Und reiße den Altar des Baal, der deinem Vater gehört, nieder und die Aschera, die dabeisteht, haue um! Und baue dem HERRN, deinem Gott, einen Altar auf dem Gipfel dieser Bergfeste in der rechten Weise! Und nimm den zweiten Stier und opfere ihn als Brandopfer mit dem Holz der Aschera, die du umhauen sollst! Da nahm Gideon zehn Männer von seinen Knechten und tat, wie der HERR zu ihm geredet hatte. Und es geschah, da er sich vor dem Haus seines Vaters und vor den Männern der Stadt fürchtete, es bei Tag zu tun, tat er es bei Nacht.“ (Ri. 6, 25 - 27 Rev. Elb.)
Bevor Gideon berufen werden konnte, musste er erst für Klarheit im eigenem Haus sorgen. Wieder gilt: keine Kompromisse.
- das goldene Kalb (2. Mose 32)
Die wohl bekannteste Stelle, während Mose auf dem Berg bei Gott ist, will das Volk sich ein Götterbild machen. Sie wollen etwas Sichtbares zum Anbeten. Der Jungstier (abwertend Kalb) soll ein Bild für JHWH sein, kein fremder Gott. Dennoch ist es Götzendienst, denn ein Bildnis von Gott machen, um es anzubeten, ist genauso ein Götze. Israel hinkt in seiner Geschichte immer wieder auf beiden Seiten, sie wollen JHWH dienen aber trotzdem die fassbaren Götterbilder der umliegenden Völker, Bildnisse zum Anfassen und Ansehen, haben. Aber auch hier bei dem Tanz um das goldene Kalb gilt wieder die Null-Toleranz-Grenze.
„da trat Mose in das Tor des Lagers und rief: Her zu mir, wer für den HERRN ist! Daraufhin versammelten sich bei ihm alle Söhne Levis. Und er sagte zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Ein jeder lege sein Schwert an die Hüfte! Geht im Lager hin und zurück, von Tor zu Tor, und erschlagt jeder seinen Bruder und seinen Freund und seinen Verwandten! Die Söhne Levis nun handelten nach dem Wort des Mose; und es fielen vom Volk an jenem Tage etwa dreitausend Mann.“ (2. Mose 32, 26 - 28 Rev. Elb.)
Gnadenlos, erschreckend. Es zeigt die Heiligkeit Gottes, die Unvereinbarkeit von Gott und Götze.
Gott ist immer noch der gleiche gestern und heute, und auch morgen. Am Ende der Bibel heißt es immer noch: kein Eintritt für Götzendiener! (Offb. 21,8)
Der Unterschied ist, dass wir in Jesus vor Gott stehen, und damit gerechtfertigt und unantastbar vor Gott sind, aber Gott ist immer noch der heilige Gott.
3. Götzendienst im NT
Wie hat Götzendienst in den Erdenjahren Jesu in Israel ausgeschaut?
Interessanterweise kommt das Wort in den Evangelien nicht einmal vor. Israel war wohl endlich mal nicht gefährdet mit fremden Göttern zu huren, aber es gab trotzdem Formen von Götzendienst.
- Mammon
Mammon bedeutet in etwa Vermögen. Jesus warnt vor dessen Macht. Er ist kein religiöser sondern ein materieller Götze, er hat die Macht gefangen zu nehmen, uns von Gott zu entfernen. Genauso wie bei den Götzen des AT gilt: man kann nicht auf zwei Seiten hinken (Mt. 6,24). Hier haben wir schon eine Relevanz zur Gegenwart. Diese Warnung gilt auch uns. Der beste Umgang mit dem Mammon ist freigiebig und großzügig zu sein.
- Religiosität/Selbstgerechtigkeit
Dass Pharisäertum war eine Form von Götzendienst. Ihre Religiosität, die Einhaltung ihrer Regeln war ihnen wichtiger als Gott. Sie haben sich selbst gerechtfertigt, sie haben sich damit mit Gott auf eine Ebene gesetzt.
Und in den neutestamentlichen Gemeinden?
- fremde Götter
Hier war Götzendienst wieder eine große Gefahr, denn in der damaligen Welt war alles voller Götter. Durch die soziale und kulturelle Nähe und Verquickung konnte man sich nicht einfach dem Einfluss entziehen. Der Umgang mit Götzenopferfleisch war nur eine Gewissensherausforderung, aber darüber hinaus sind einige wieder in die Tempel gegangen, sei es um dort soziale Kontakte zu pflegen (Einladungen fanden bspw. im Tempel statt), aus Unbedarftheit oder weil sie auch wieder sichtbare Götter haben wollten. Hier ist Paulus kompromisslos.
„Darum, meine Geliebten, flieht den Götzendienst! Ich rede als zu Verständigen. Beurteilt ihr, was ich sage! Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus? Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot. Seht auf das Israel nach dem Fleisch! Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar? Was sage ich nun? Dass das einem Götzen Geopferte etwas sei? Oder dass ein Götzenbild etwas sei? Nein, sondern dass das, was sie opfern, sie den Dämonen opfern und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen. Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch; ihr könnt nicht am Tisch des Herrn teilnehmen und am Tisch der Dämonen. Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Sind wir etwa stärker als er?“ (1. Kor. 10, 14-21)
Manche Korinther dachten sich, wenn sie Christus gehören, können sie ja zur Prostituierten oder in den Tempel gehen, es macht ja nichts, denn Christus ist ja stärker. Paulus sagt hier nein, es muss genau umgekehrt sein: gerade weil man zu Christus gehört, darf man keine Gemeinschaft mit anderen Göttern (oder der Prostituierten) eingehen.
4. Götzendienst in der Gegenwart
Nun die interessante Frage zum Schluss: wie schaut Götzendienst heute aus?
- Materialismus (s.o.)
fremde Götter (wirken auch heute noch, keine Artemis, Jupiter und Wodan, aber z.B. im Bereich der Esoterik, auch hier gilt: Null-Toleranz, gerade für Menschen die sich aus diesem Bereich heraus bekehrt haben ist dies wichtig, es geht nicht um den Verzehr von Produkten)
- politische Ideologien und Parteien (lebe ich nur noch für die Partei?)
- Idole (Sport, Musik, Kultur…)
- Arbeit (kann Götze werden, mache ich meinen Job und fühle ich mich dabei wohl oder sagen mir die Leute, dass ich besessen von meiner Arbeit bin? beschäftigt sie mich immer und überall? habe ich ihr meine Familie, meine Gesundheit untergeordnet?, heute werden die Opfer um Schlechtes fern zuhalten nicht Steinfiguren gebracht, sondern in Bürogebäuden)
- Familie (selbst die Familie kann mein Götze sein, denke ich immer nur an ihren Vorteil? ordne ich alles immer ihr unter? ist sie mir wichtiger als Gott?)
- Körper/Schönheit (es gibt gerade unter den jungen Leuten einen absoluten Körperkult, klar ist es schön wenn das Sixpack nicht nur im Kühlschrank steht, aber die Intensität die heute auf körperliche Fitness und Aussehen gelegt wird, ist absoluter Götzendienst)
- Ernährung (hier gibt es jetzt schon das entsprechende Krankheitsbild, Orthorexia nervosa, wenn man sich zwanghaft gesund ernähren muss)
- Gemeinde (wird in manchen Gemeinden zum Götzen, der Leib wird zum Haupt, alles muss der Gemeinde dienen, alles wird ihr untergeordnet, sie ist über alle Kritik erhaben und sowieso die beste, sie bestimmt mein Leben rund um die Uhr)
- Pastoren oder Theologien (Starkult um Pastoren, die theologische Überzeugung wichtiger als Gott, eine Gemeinde hat sich gespalten weil im Foyer ein Bild von Adam und Eva aufgehängt wurde, das Problem war nicht ihre Nacktheit, sondern ihre Bauchnabel….)
- ICH (Ich kann selbst zum Götzen werden….)
Im Oktober 1995 soll sich Folgendes zugetragen haben. Ort Neufundland. Ob dieses Ereignis tatsächlich stattgefunden hat, ist nicht bewiesen, die Geschichte lehrt uns aber etwas Grundlegendes. Hier ein angeblicher Auszug eines Protokolls des Funkverkehrs zwischen einem amerikanischen Kriegsschiff und der kanadischen Küstenwache. Es beginnt die U. S. Navy:„Würden Sie bitte den Kurs um 15 Grad nach Norden ändern, um eine Kollision zu vermeiden. Over.“ „Würden vielmehr Sie bitte Ihren Kurs um 15 Grad nach Süden ändern, um eine Kollision zu vermeiden. Over.“ „Hier spricht der Kapitän eines Kriegsschiffes der amerikanischen Navy. Ich wiederhole: Ändern Sie Ihren Kurs. Over.“ „Nein, ändern Sie bitte Ihren Kurs. Ich ersuche Sie darum. Over.“ „Hier spricht der Flugzeugträger ‘USS Abraham Lincoln‘ der Flotte der Vereinigten Staaten von Amerika, Wir werden von drei Zerstörern, drei Kreuzern und weiteren Begleitschiffen eskortiert. Ich ersuche Sie, Ihren Kurs um 15 Grad nach Norden zu ändern, oder wir müssen Zwangsmaßnahmen zur Sicherung unseres Verbandes ergreifen. Over.“ „Hier ist ein Leuchtturm. Over.“ (Schweigen)
aus „Leuchttürme der Welt“ von Marie-Haude Arzur, Edition Maritim
Das Problem v.a. der westlichen Christenheit ist ein narzisstisches Christsein. Vor der Bekehrung geht es meistens zuerst um mich, wir leben selbstbestimmt, bei der Bekehrung sagen wir: nun gehört alles Dir, Du bist Herr, Du sollst bestimmen, alles wird Jesus untergeordnet. Aber dann im Laufe unseres Christseins fängt Jesus ganz unmerklich an sich um mich zu drehen. Vieles was wir im Laufe unseres Christenlebens in Gemeinden und Seminaren gelernt haben (Entdeckung der Gaben, DIENST, Erziehung, Seelsorge, Beratung, Innere Heilung heil, heiler, am heilesten, diverse Programme, Lobpreis der mir guttut, die Gemeinde die mir gefällt usw.), all dies hat mich zum Mittelpunkt, dass es mir besser geht, dass ich mich geistlich optimal verwirkliche. Es geht zunehmend um mich und nicht um Jesus Christus.
All diese Dinge sind gut und wichtig, aber sie können uns auch verderben und zum Götzen werden bzw. uns sogar zum Götzen machen. „Ich komm zurück zum Herz der Anbetung“ singt Matt Redman in „When the music fades“, es soll wieder um Jesus gehen, nicht um mich.
5. Lösungsvorschlag
„Alles, was uns wichtiger ist als Gott, was unsere Gedanken und Gefühle mehr gefangen nimmt als er, und von dem wir uns das versprechen, was nur Gott geben kann, ist ein Götze.“ (Timothy Keller/Es ist nicht alles Gott, was glänzt)
Unsere Seele ist ein Schlund (Kegle), sie sucht danach gestillt zu werden. Der Mensch sucht nach Sinnfindung und Erfüllung, denn jeder braucht etwas Besonderes in seinem Leben. Das liegt auch an der Sehnsucht nach Ewigkeit, die Gott in uns hineingelegt hat.
„Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt“ (Pred. 3,11a Rev. Elb.)
Der Mensch wird immer nach Götzen suchen, wenn Jesus nicht den Schlund stillt. Es ist leicht für unsere Seele nach Götzen zu suchen, da wir in einer absoluten Götzenfabrik leben. Ständig produziert unsere Gesellschaft neue Götzen.
Als wir zum Glauben gefunden haben, war der Schlund gestopft, wir waren begeistert von Jesus, er war genug für uns, aber er ist heute immer noch genug.
Es ist notwendig neu zu erkennen, was Jesus getan hat, uns neu daran zu erinnern, wer er ist, wir haben uns an vieles gewöhnt. Das Vakuum in unserem Herzen, den Schlund der Seele kann nur Jesus stillen, er muss wieder groß werden für uns, sein Werk ist das absolut größte was im ganzen Universum jemals geschehen ist, wir dürfen daran teilhaben, wir brauchen keine komplizierte Theologie, er ist genug, lasst uns ihn mehr anschauen und immer wieder neu groß werden lassen.
„Jesus, heilig und gesalbt bist Du.“ (Lied)
AMEN.
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Dienstag, 27. Mai 2014
Montag, 11. Juni 2012
Predigt von Norbert Wohlrab (10.06.2012)
Die
Heiligung des Sabbats und seine Bedeutung für Christen
1.
Einleitung
„Schabbat
schalom, schabbat schalom. schabbat, schabbat, schabbat schalom.“
So lautet ein jüdisches Lied mit dem der Schabbat eingeleitet wird.
Wir
leben heute in einer Zeit, in der sich die Christenheit wieder mehr
ihrer jüdischen Wurzeln bewusst wird und ganz neu oder manchmal
sogar erstmals die Bedeutung verschiedener Passagen der Bibel
erkennt. Gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr bei allem
positiven Interesse am Judentum die Unterschiede zwischen dem Alten
Bund und dem Neuen Bund zu verwässern und den Blick abzuwenden von
der Einmaligkeit des Erlösungswerks Jesu Christi. Daher war es uns
bspw. wichtig bei dem Passah-Abend, den wir vor kurzem gefeiert
haben, nicht nur die jüdischen Traditionen kennenzulernen, sondern
auch die christozentrische Bedeutung des Passah-Festes zu erfassen.
Heute
möchte ich über das Gebot der Sabbat-Heiligung sprechen und
darüber, was es für uns für eine Bedeutung haben kann.
2.
Das Sabbat-Gebot im AT
Lesen
wir zunächst die relevanten Schriftstellen aus dem AT. Bei der
Gesetzgebung am Sinai sprach Gott zum Volk Israel zunächst:
„Und
Gott redete alle diese Worte und sprach: Ich bin der HERR, dein Gott,
der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus,
herausgeführt habe“ (2. Mose 20, 1 Rev. Elb.)
Dann
gibt er die einzelnen Ausführungen. Und im - nach jüdischer
Zählweise vierten Gebot - heißt es dann:
„Denke
an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten. Sechs Tage sollst du
arbeiten und all deine Arbeit tun, aber der siebte Tag ist Sabbat für
den HERRN, deinen Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun, du und
dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh
und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore wohnt. Denn in
sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, das Meer
und alles, was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tag; darum
segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“ (2. Mose 20, 8-11
Rev. Elb.)
An
anderer Stelle heißt es:
„Sechs
Tage soll man seine Arbeit verrichten, aber den siebten Tag sollt ihr
heilig halten, er sei euch ein ganz feierlicher Sabbat für den
HERRN. Jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet, muss getötet
werden. Ihr dürft am Sabbattag in all euren Wohnsitzen kein Feuer
anzünden. (2. Mose 35, 2.3 Rev. Elb.)
Ganz
schön harte Worte: jeder, der arbeitet muss getötet werden. Da wäre
der Saal heute leer bzw. Fürth wäre ziemlich entvölkert. Und eine
weitere Stelle:
„Rede
zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Die Feste des HERRN, die ihr
als heilige Versammlungen ausrufen sollt, meine Feste sind diese:
Sechs Tage soll man Arbeit tun; aber am siebten Tag ist ein ganz
feierlicher Sabbat, eine heilige Versammlung. Keinerlei Arbeit dürft
ihr tun; es ist ein Sabbat für den HERRN in all euren Wohnsitzen.“
(3. Mose 23, 2.3 Rev. Elb.)
Eine
heilige Versammlung soll stattfinden! Und eine letzte Stelle:
„Beachte
den Sabbattag, um ihn heilig zu halten, so wie der HERR, dein Gott,
es dir geboten hat! Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine
Arbeit tun; aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen
Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und
deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und
dein Esel und all dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb
deiner Tore wohnt, damit dein Sklave und deine Sklavin ruhen wie du.
Und denke daran, dass du Sklave warst im Land Ägypten und dass der
HERR, dein Gott, dich mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm von
dort herausgeführt hat! Darum hat der HERR, dein Gott, dir geboten,
den Sabbattag zu feiern.“ (5. Mose 5, 12-15 Rev. Elb.“
Also
nicht einmal das Vieh durfte arbeiten am Sabbat, so ernst war es Gott
mit diesem Gebot.
Was
wird daraus deutlich? Warum sollte das Volk Israel den Sabbat
heiligen?
Es
sind drei Gründe, die hier deutlich werden:
1.
Gott ruhte am siebten Tag, deshalb ist der Sabbat ein heiliger Tag
2.
Der Sabbat ist ein Gedenktag für die Befreiung Israels aus Ägypten
und
3.
Der Sabbat ist ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und Israel.
„Haltet
nur ja meine Sabbate! Denn sie sind ein Zeichen zwischen mir und euch
für all eure Generationen, damit man erkenne, dass ich, der HERR, es
bin, der euch heiligt.“ (2. Mose 31, 13 Rev. Elb.)
Der
Sabbat soll verdeutlichen, dass Israel das auserwählte Volk Gottes
ist. Das Volk, welches Gott sich geheiligt hat. Deshalb legt er auch
ganz strenge Vorschriften fest, damit Israel diesen Tag ernst nimmt
und einhält.
Es
darf bspw. kein Feuer angezündet werden. Damit kann auch die
Hausfrau den Sabbat einhalten kann. Jegliches Essen muss entweder vor
Beginn des Sabbats fertig sein oder es wird bis zum Ende des Sabbats
auf kleiner Flamme warm gehalten. Denn die schlauen Juden hatten
natürlich einen Dreh gefunden, wie sie damit am Sabbat doch noch zu
einem warmen Essen kommen konnten (es heißt ja nur, dass man kein
Feuer anzünden darf!).
Heute
gibt es entsprechende Regelungen für den Umgang mit Elektrizität:
man darf sie nicht einschalten, aber sie darf durchlaufen. In Hotels
gibt es dann bspw. Aufzüge, die vor Beginn des Sabbats auf
Dauerbetrieb gestellt werden und während des Sabbats in jedem
Stockwerk halten. Schwierig ist es mit Verbrennungsmotoren. Hier gibt
es noch keinen Trick. Deutsche Automobilhersteller sollen daher ein
Auto entwickeln, dass von den Hirnströmen gesteuert wird, denn das
Hirn ist ja auch ständig „unter Strom“.
Ich
weiß jetzt nicht, ob das alles so im Sinne Gottes war oder ist. Gott
war es auf jeden Fall ernst mit dem Sabbat. Sogar die Knechte, die
Sklaven und das Vieh sollten ihn halten. Ihn heiligen! Im ganzen Land
sollte deutlich werden, wer der Gott Israels ist. Er soll geehrt
werden! Gott der Erlöser, Gott der Befreier soll geehrt werden.
Aber
auch Gott als Schöpfer soll geehrt werden! Sabbat heißt auf deutsch
Ruhetag. Gott ruhte am siebten Tag und deshalb soll am Sabbat alle
Arbeit ruhen. Der Mensch soll ruhen, innehalten, zur Ruhe in Gott
kommen.
All
die jüdischen und pharisäischen Vorschriften (z.B. Spazierengehen
(bis 900 Meter) aber nicht Wandern, nichts Tragen, sich die
Schnürsenkel binden aber keine zwei Schleifen machen usw.), die im
Lauf der Zeit entstanden sind und regelten, was am Sabbat getan
werden darf und was nicht und letztlich zum Selbstzweck mutiert sind
und damit zur Last geworden sind, hätten doch eigentlich Hilfe sein
sollen, dass der Mensch zur Ruhe kommen kann, frei werden von den
werktäglichen Lasten und Mühen.
Jesus
sagt: „Denn
das Joch, das ich auferlege, drückt nicht, und die Last, die ich zu
tragen gebe, ist leicht.“ (Mt. 11,30 NGÜ)
Er
wollte den Menschen keine unnötigen Lasten auflegen, wie die
Pharisäer es getan haben.
Die
Frage ist: Was hat das Gebot den Sabbat zu heiligen mit uns zu tun?
Hat es überhaupt etwas mit uns zu tun? Sind wir Juden? Nein!
Wurden
wir oder unsere Vorfahren aus Ägypten befreit? Nein!
Leben
wir in Israel? Nein!
Sind
wir israelitische Knechte, Sklaven oder Ochsen? Nein!
Warum
sollte das Gebot der Heiligung des Sabbats dann für uns irgendeine
Bedeutung haben? Können wir es auf den Sonntag anwenden?
3.
Die Bedeutung des Gesetzes
3.1.
Frei vom Gesetz des Alten Bundes
Ich
möchte darauf verschiedene Antworten geben. Zunächst die
heilsgeschichtliche Antwort. Das Sabbat-Gebot hat für uns als
Christen überhaupt keine Bedeutung und es hat auch niemals eine
Bedeutung gehabt.
Das
Sabbat-Gebot ist wie alle anderen Gebote auch Teil des Gesetzes. Und
das Gesetz - es umfasst 613 Gebote inkl. der zehn Hauptgebote wurde
nur dem Volk Israel gegeben. Darauf waren sie auch besonders stolz.
„Und
wo gibt es eine große Nation, die so gerechte Ordnungen und
Rechtsbestimmungen hätte wie dieses ganze Gesetz, das ich euch heute
vorlege?“ (5. Mo. 4,8 Rev. Elb.)
„Nun
gut, du kannst von dir sagen, dass du ein Jude bist. Du fühlst dich
sicher, weil du das Gesetz hast, und bist stolz darauf, den wahren
Gott zu kennen.“ (Röm. 2,17 NGÜ)
Das
Gesetz war also - in der Form, wie es uns im AT vorliegt - nie für
die nicht-jüdische Welt gedacht. Es war ein Vertag mit Israel.
Aber
selbst wenn es für uns gegolten hätte, hätte es doch seinen
Endpunkt, seine Erfüllung in Christus gefunden.
„Denn
Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.“
(Röm. 10,4 Rev. Elb.)
„Nun
aber sind wir vom Gesetz frei geworden“ (Röm. 7,6a Luther)
Also
die erste Antwort lautet: Das Sabbat-Gebot ist Teil des Gesetzes und
hat daher keinerlei Bedeutung für uns Christen. Wir können also
ganz entspannt oder ganz gestresst zwischen Freitagabend und
Samstagabend (ich rede ja immer noch vom Sabbat!) arbeiten, wandern,
einkaufen, Strom an- und ausschalten oder was auch immer wir sonst
tun wollen.
3.2
Frei zum Gesetz des Neuen Bundes
Ja
aber, Moment: Hat Jesus nicht auch was zum Sabbat gesagt? Und Luther?
Warum denn dann überhaupt die Auslegung der Zehn Gebote?
Es
gibt hier wirklich viel Verwirrung durch manchmal falschen Gebrauch
von Bibelstellen.
Zunächst
zu Jesus. Er hat tatsächlich etwas zum Sabbat gesagt.
„Der
Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der
Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch
über den Sabbat.“ (Mk. 2, 27.28 Rev. Elb.)
Dies
sagte Jesus in einer Auseinandersetzung mit den Pharisäern. Die
Pharisäer hatten nämlich rund 1500 Gebote aufgestellt, was man am
Sabbat tun darf und was nicht.
Die
Jünger hatten, weil sie Hunger hatten ein paar Ähren gepflückt und
die Körner gegessen. Dadurch hatten sie nach pharisäischen
Verständnis geerntet (Ausraufen der Ähren = Ernten), gedroschen
(Trennen der Spreu vom Korn = Dreschen), geworfelt (in die Hände
pusten = Worfeln) und vermutlich auch eingelagert (Schlucken der
Körner = Einlagern).
Jesus
verdeutlichte den Pharisäern, dass es nicht der Sinn des Sabbats
ist, menschliche Vorschriften einzuhalten, sondern eine Zeit der Ruhe
und Besinnung in Gott zu haben. Er hat damit das Sabbat-Gebot nicht
aufgelöst, sondern den originalen Zweck herausgestellt. Gleichzeitig
hat er verdeutlicht, dass er ebenfalls ein Definitionsrecht
beansprucht.
Es
ist keinesfalls eine Aufforderung am Sabbat zu tun und zu lassen, was
man will.
Aber
auch diese Auseinandersetzung war vom Juden Jesus mit anderen Juden
(Pharisäern). Sie hat also ihren Platz innerhalb des Bundes mit
Israel. Was aber können wir Heidenchristen aus dem NT über den
Sabbat lernen?
Noch
mal zur Wiederholung: alle 613 Gebotes des AT waren ausschließlich
für Israel und sind in Jesus erfüllt und beendet worden. Dies wurde
in der Kirchengeschichte oft übersehen und wird oft noch übersehen.
Luther
hat u.a. deshalb das Gesetz gepredigt, damit Sündenerkenntnis
entsteht und der Mensch sich seiner Erlösungsbedürftigkeit bewusst
wird:
„dass
es die Erbsünde mit den Früchten und allem offenbare und dem
Menschen zeige, wie gar tief seine Natur gefallen und grundlos
verderbt ist …“
Er
befand sich ja in einer volkskirchlichen Situation mit nomineller
Kirchenzugehörigkeit von Geburt an. In einer verrohten Gesellschaft
mussten die Menschen erstmal erkennen, dass sie vor Gott schuldig
geworden sind.
Wir
leben in einem neuen Bund. Wir sind erlöst aus Gnade. Durch Glauben.
Aber auch dieser neue Bund hat seine Gesetze. Nur bewirken sie keine
Erlösung, sie sind aber trotzdem vorhanden.
Wie
heißt es im Missionsbefehl?
„Lehrt
sie, alles zu befolgen, was ich
euch geboten
habe.“ (Mt. 28,20b NGÜ)
und
„Wenn
ihr mich liebt, werdet ihr meine
Gebote halten.“
(Joh. 14,15 NGÜ)
Jesus
Christus hat uns eine Vielzahl an Geboten gegeben, nach denen wir
unser Leben gestalten sollen! Ich hab sie jetzt nicht systematisch
erfasst - meines Wissens gibt es überhaupt noch keine systematische
Erfassung - , aber es sind über 100 Anweisungen, die uns gegeben
sind.
Und
Johannes schreibt dazu: „seine
Gebote sind nicht schwer.“ (1. Joh. 5,3b Luther)
Paulus
bezeichnet sie als das „Gesetz
des Christus“ (Gal. 6,2 Rev. Elb.).
„Helft
einander, eure Lasten zu tragen! Auf diese Weise werdet hr das Gesetz
erfüllen, das Christus uns gegeben hat.“ (Gal. 6,2 NGÜ)
Das
klingt wirklich nicht schwer.
Verwirrung
entsteht, weil manche der Gebote, die Jesus uns gegeben hat, auch
schon im Alten Bund vorhanden waren. Jesus hat ja bspw. das Verbot
des Ehebruchs genommen und weiter ausgeführt und dargestellt, dass
der Ehebruch bereits im Kopf stattfindet oder dargestellt, dass
derjenige, der seinem Bruder zürnt eigentlich schon gemordet hat
usw.
Der
messianische Jude und Theologe Dr. Arnold Fruchtenbaum erklärt dazu
in seinem Buch „Gesetz und Gesetzlichkeit“, das wir in der Bibel
verschiedene heilsgeschichtliche Epochen (Bündnisse) finden (z.B.
den abrahamitischen Bund, den Bund der Landverheißung usw.) und in
diesen Epochen gibt es auch unterschiedliche Kodexe
(Verhaltensrichtlinien, -kataloge, Vertragsrichtlinien,
Gesetzessammlung), so z.B. den Eden-Kodex, den adamitischen, den
nohaitischen, den mosaischen und den christlichen Kodex.
Jeder
Kodex enthält z.T. die gleichen Gebote wie im vorherigen Kodex und
z.T. auch neue Gebote. Im Garten Eden bspw. durften die Menschen
nicht vom Baum der Erkenntnis essen, das spielte für die Menschen
danach keine Rolle mehr, da sie ja nicht mehr im Paradies lebten und
keinen Zugang mehr zu den Bäumen im Garten Eden hatten.
Oder
ein weiteres Beispiel: Adam und Eva durften nur samentragendes Kraut
und Obst essen, die Menschen nach der Sintflut durften alles essen
was sich regt, jedoch ohne Blut. Im mosaischen Gesetz wurde das Ganze
dann noch viel weiter in ausführliche Speisevorschriften
ausdifferenziert.
Ich
habe meinen Führerschein in Deutschland erworben und hier in
Deutschland fahre ich nach der deutschen Straßenverkehrsordnung.
Wenn ich jetzt nach England ziehe, kann ich zwar noch meine
Fahrerlaubnis verwenden, ich muss auch immer noch an roten Ampeln
halten und darf bei grünen Ampeln fahren, aber ich muss auf der
linken Straßenseite fahren. Die englische Straßenverkehrsordnung
ist in manchen Punkten gleich und in manchen Punkten unterschiedlich.
Aber für mich gilt in England nicht mehr die deutsche, auch nicht
die deutsche und
die englische, sondern ausschließlich die englische
Straßenverkehrsordnung.
Daher
gelten für mich also heute nicht ein paar Gebote aus dem Alten Bund
(z.B. die zehn Gebote, Zehnten geben, sexuelle Reinheit vor der Ehe,
Sabbatgebot) und andere nicht (z.B. kein Schweinefleisch essen, keine
Muscheln essen, seinen Bart nicht schneiden, keine unterschiedlichen
Stoffe anziehen), sondern es gelten nur
die Gebote des Neuen Bundes.
Paulus
sagt denen, die sich beschneiden lassen wollten, um so das Gesetz zu
erfüllen:
„Ich
weise jeden, der sich beschneiden lassen will, noch einmal mit allem
Nachdruck darauf hin: Mit seiner Beschneidung verpflichtet er sich,
das ganze Gesetz zu befolgen.“ (Gal. 5,3 NGÜ)
Wie
absurd dies wäre, wird z.B. in dem folgenden sehr spöttischen und
bibelkritischen Brief an eine US-Radiomoderatorin deutlich. Ich lese
nur ein paar Auszüge:
Ich
würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in
Exodus 21:7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage
ein angemessener Preis für sie?
Ich
weiß, dass ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich
im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev. 15:19-24).
Das Problem ist, wie kann ich das wissen? Ich hab versucht zu
fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.
Lev.
25:44 stellt fest, dass ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche
als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe.
Einer meiner Freun- de meint, das würde auf Mexikaner zutreffen,
aber nicht auf Kanadier. Können sie das klären? Warum darf ich
keine Kanadier besitzen?
Ich
habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Exodus 35:2
stellt deut- lich fest, dass er getötet werden muss. Allerdings:
Bin ich moralisch verpflichtet ihn eigenhändig zu töten?
Ich
weiß aus Lev. 11:16-8, dass das Berühren der Haut eines toten
Schweines mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fußball
spielen, wenn ich dabei Hand- schuhe trage?
Wir
sind heute frei vom Gesetz des Alten Bundes und frei dazu nach den
Geboten Jesu, den Geboten des Neuen Bundes zu leben. Nicht um eine
formal-juristische Pflichten zu erfüllen, sondern aus Liebe zu Jesus
und zu den Menschen. Dabei ist der Heilige Geist in uns unser Motor,
denn im Neuen Bund ist uns das Gesetz in unser Herz geschrieben (Jer.
31,33).
4.
Die Bedeutung des Sabbats für uns als Christen
Da
Jesus aber trotzdem in einem jüdischen Kontext gelebt und gelehrt
hat, lassen sich manche seiner Anweisungen nicht in einem heidnischen
Kontext anwenden oder zumindest nicht so einfach übertragen (z.B.
Wie oft werden wir gezwungen jmd. eine Meile zu begleiten?) oder es
haben sich neue Sachverhalte ergeben, zu denen Jesus sich nie direkt
geäußert hatte (z.B. der Umgang mit Götzen-opferfleisch).
Deshalb
hat er die Apostel mit etwas Besonderem ausgestattet. Mit dem Recht
zu „Binden“ und zu „Lösen“ (Mt. 16,19). Das hat jetzt nichts
mit dem Lösen irgendwelcher dämonischen Bindungen zu tun, sondern
sie durften für die Gemeinde festlegen, was verboten ist und was
erlaubt ist. Dies wurde im heidenchristlichen Kontext dann auch des
öfteren benötigt.
Zurück
zur Ausgangsfrage. Was sagt Jesus zum Sabbat? Außer der bereits
erwähnten Bibelstelle in der Kontroverse mit den Pharisäern sagt
Jesus nichts.
Jesus wiederholt alle der zehn Gebote des Alten Bundes, aber nicht
das Sabbat-Gebot. Müssen wir jetzt Sonntags wieder arbeiten?
Unsere
Hoffnung ist nun Paulus. Er ist der Apostel der Heiden. Er war von
Jesus beauftragt uns das Evangelium zu bringen und zu erklären.
Paulus, was sagst Du?
„Niemand
soll euch also Vorhaltungen machen wegen dem, was ihr esst oder
trinkt oder was ihr an den Festen, am Neumondstag oder am Sabbat
tut.“ (Kol. 2,16 NGÜ)
Wie
jetzt? - Und weiter:
„Der
eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag
gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt!“
(Röm. 14,5 Rev. Elb.)
Mit
anderen Worten: Gott gibt uns durch Paulus die absolute Freiheit, ob
wir den Sabbat oder einen anderen Tag (also Sonntag) als Ruhetag
feiern - oder nicht. Auch der Apostel-konzil (Apg. 15) hat dazu keine
Vorgaben gemacht. Da ging´s um Unzucht und um Götzendienst und um
Blutwurst, aber kein Wort zum Sabbat.
Warum
war das so? Ich denke, es könnte vier Gründe haben:
1.
Die Christen in Israel hatten keine Probleme den Sabbat zu feiern -
und haben dies auch getan - da der Sabbat ja bereits ein Feiertag
war. Außerhalb Israels war dies nicht der Fall. Der Sabbat war
Werktag. Sie hätten gar nicht die Möglichkeit einen Ruhetag
einzulegen. Kein Herr hätte es geduldet, wenn seine Knechte und
Mägde, seine Sklaven regelmäßig für einen Tag der Woche die
Arbeit eingestellt hätten. (Der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe für
alle hat sich übrigens erst im 6. Jahrhundert durchgesetzt. Für die
Stadtbevölkerung gab es ihn im römischen Reich ab dem 4.
Jahrhundert. Zuvor gab es verschiedene religiöse Feiertage.)
2.
Während im alten Bund zumindest ein Tag der Woche ganz Gott gehören
sollte, also für Gott geheiligt war, gehört ja jetzt alles Gott.
Das ganze Leben soll für Gott geheiligt sein (Röm. 12,1), nicht nur
ein spezieller Tag.
3.
Viele der Gebote die aus dem Alten Bund von Jesus und den Aposteln
übernommen wurden, sind ethisch-moralische Richtlinien. Die
kultisch-zeremoniellen Gebote wurden nicht
übernommen.
In diese Kategorie könnte man auch das Sabbat-Gebot einordnen.
4.
Der Sabbat hatte heilsgeschichtlich für die Heidenchristen nicht
dieselbe Bedeutung wir für die Juden bzgl. der Befreiung aus
Ägypten. Es gab also zumindest in dieser Hinsicht keinerlei
Veranlassung ihn überhaupt einzuführen. Zum Gedenken an das
Erlösungswerk Christi gab es das Abendmahl als regelmäßige Feier.
5.
Die christliche Versammlung am Sonntag
Und
dies wurde auch regelmäßig getan:
„Am
ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um Brot zu
brechen“ (Apg. 20,7 Rev. Elb.)
Bereits
nach kurzer Zeit haben die Christen angefangen sich regelmäßig am
ersten Tag der Woche (also am Sonntag) zu treffen um Abendmahl zu
feiern, Gemeinschaft zu haben, Gottesdienst zu feiern. Sie wurden von
keinem der Apostel dazu aufgefordert. Nirgends findet sich eine
Bibelstelle, die dies anordnet, aber es war auch nie strittig, es
wurde auch nirgends widerrufen. Es scheint, als ob der Heilige Geist
dies eigenständig initiiert hat und es sich sehr schnell überall
durchgesetzt hat.
Wie
wurde es begründet? Ich habe eingangs erwähnt, dass die Sabbatfeier
bei den Juden mit der Schöpfung und mit der Errettung begründet
wird. Auch hier finden wir wieder diese beiden Elemente: Christus ist
am Sonntag auferstanden. Er ist die erste neue Schöpfung. Und sein
Erlösungswerk wird im Abendmahl gefeiert. Also wieder Schöpfung und
Erlösung. Ja, in
Christus
fällt sogar beides zusammen.
Justin
der Märtyrer schreibt im Jahr 165 n. Chr in seiner ersten Apologie
(Verteidigungsschrift):
„An
dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt,
die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die
Denkwürdigkeiten der Apostel
oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht....Am
Sonntage aber halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil er
der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis
und des Urstoffes die Welt schuf und weil Jesus Christus, unser
Erlöser, an diesem Tage von den Toten auferstanden ist.“
Die
ersten Christen blieben beständig in dieser Gemeinschaft, sie
hielten hartnäckig daran fest, sie ließen nicht nach (Apg. 2,42).
Es zog sie zueinander und zur gemeinsamen Feier des Gottesdienstes.
Sie hatten keinen Sabbat, keinen freien Sonntag, sie hatten keinen
wöchentlichen Ruhetag, aber sie hatten die gemeinsame
Gottesdienst-Feier, die sie nicht missen wollten.
Es
findet sich nur eine einzige Bibelstelle im NT, in der die Christen
ermahnt werden zum Gottesdienst zu kommen.
„Lasst
uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken
anzureizen, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es
bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr,
je mehr ihr den Tag herannahen seht!“ (Hebr. 10, 24.25 NGÜ)
Dies
wird m. M. deshalb nur einmal im NT erwähnt, weil es damals noch
kein Problem dargestellt hat. Die Christen wollten sich versammeln!
Sich nicht „um Christus“ und „zu einander“ zu versammeln,
wäre für sie so gewesen, als wenn sie den Glauben verleugnet
hätten.
Es
spielt dabei keine Rolle, ob sich die Gemeinde am Freitag, Samstag
oder Sonntag versammelt. Wichtig ist, dass sie sich versammelt und
man dieser Versammlung nicht fern bleibt!
6.
Schluss
Wir
haben heute den Vorzug - ähnlich wie Israel den Sabbat - den Sonntag
als arbeitsfreien Tag zu genießen. Für die religiösen Juden ist
der Sabbat nicht einfach ein arbeitsfreier Tag, sondern ein Tag des
Besinnens auf Gott, des Nachsinnens über seinem Wort, des Studierens
und des Eintretens in seine Gegenwart. Sie haben bestimmte Rituale
und Zusammenkünfte, mit denen sie ihn am Freitagabend einleiten
(begrüßen), am Samstagvormittag feiern und abends wieder
verabschieden. Dies waren Hilfsmittel um ihn ganz Gott zu widmen -
die aber auch schnell erstarren konnten.
Solche
Rituale kennen wir nicht. Wir sind absolut frei den Sonntag zu
feiern, wie wir wollen. Dabei ist es sicherlich gut und richtig aus
der Schöpfungsgeschichte einen Ruhetag für uns und alle Menschen
abzuleiten.
Aber,
wir sind frei! Du bist frei am Sonntag zu kochen - zu lernen - zu
arbeiten - zu lesen - zu entspannen - zu schlafen - zu reden - Zeit
mit der Familie, mit Freunden zu verbringen - Sport zu machen
usw...Ganz so, wie Du es vor Gott in Dankbarkeit machen möchtest.
Niemand darf Dich richten.
Aber
wovor wir gewarnt werden, ist den Gottesdienst zu versäumen. Ihn
brauchen wir als gemeinschaftliches Erleben. Gesellige Zeit mit
Freunden oder der Familie kann hier kein Ersatz sein. Gemeinschaft
fängt da an, wo wir uns um Jesus versammeln.
Gottesdienst
ist Teilhabe aneinander, Teilhabe am Leib. Ihn besuche ich nicht wie
eine Kino- oder Theatervorstellung. Wenn uns der Sonntag als
arbeitsfreier Tag daran hindert gemeinsam Gottesdienst zu feiern und
stattdessen anderes zu pflegen, dann hat das „Arbeitsfreie“
seinen Sinn verfehlt.
Die
Märtyrer Saturnius, Dativus und ihre Gefährten haben sich im Jahr
304 nicht hinrichten lassen, weil sie am Sonntag nicht arbeiten
wollten, sondern weil sie von den Gottesdienstfeiern nicht absehen
wollten.
Wir
müssen nicht unser Leben riskieren, sondern dürfen gefahrlos daran
festhalten.
AMEN.
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