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Samstag, 7. Februar 2026

Predigt von Norbert Wohlrab (06.02.2026)

Werbeclip - The Guardian: Point Of View (1986)

Audio

 

Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig oder den richtigen Blickwinkel haben


1. Einleitung

Dieser prämierte Werbeclip von 1986 zeigt in nur weniger als 30 Sekunden, wie wichtig es ist, den richtigen Blickwinkel bzw. den richtigen Standpunkt (Point of View) zu haben, um ein Geschehen objektiv beurteilen zu können. 
Ist es ein Skinhead, der einen Geschäftsmann attackiert oder ein Skinhead, der das Leben eines Geschäftsmannes rettet?

Den richtigen Blickwinkel zu haben, ist heute genauso aktuell wie damals und wird es wohl immer auch bleiben. In der Gesellschaft, in der Politik, im Arbeitsalltag und auch in der Gemeinde. Nur allzu leicht kommen wir in Situationen, wo wir ein Geschehen oder das Verhalten anderer Menschen beurteilen, sogar verurteilen, ohne ausreichend Informationen haben, ohne ausreichend Zusammenhänge zu kennen oder ohne uns ausreichend in die anderen hineinversetzt zu haben. 

Aber auch im Umgang mit der Bibel ist es wichtig, den richtigen Blickwinkel oder die richtige Haltung einzunehmen. Ich kann mit der Bibel Menschen erschlagen oder ich kann mit ihr Menschen erhöhen, ihnen Gutes tun, sie segnen. 

Im Laufe der Jahrhunderte wurden immer wieder Menschen im Namen der Heiligen Schrift oder im Namen Gottes getötet, verbrannt, gesteinigt, gefoltert, eingekerkert und auch heute werden Menschen noch ausgegrenzt, abgelehnt oder stigmatisiert. Auch Jesus wurde im Namen der Schrift getötet.

Ich möchte heute mit Euch drei Stellen aus dem NT anschauen, in denen ein Perspektivenwechsel weitreichende Folgen gehabt hat. 


2. Der Buchstabe tötet

Zunächst jedoch ein paar Verse aus dem 2. Korintherbrief, die auch von einen Perspektivenwechsel sprechen.

„6 Nur durch ihn können wir die rettende Botschaft verkünden, den neuen Bund, den Gott mit uns Menschen geschlossen hat. Dieser Bund ist nicht mehr vom geschriebenen Gesetz bestimmt, sondern von Gottes Geist. Denn der Buchstabe des Gesetzes tötet, Gottes Geist aber schenkt Leben.
7 Schon der Dienst im alten Bund, der auf dem in Stein gemeißelten Gesetz beruhte und den Menschen den Tod brachte, ließ etwas von Gottes Herrlichkeit erkennen. Nachdem Gott Mose das Gesetz gegeben hatte, lag da nicht ein Glanz auf Moses Gesicht – so stark, dass die Israeliten es nicht ertragen konnten? Dabei war es doch ein Glanz, der wieder verblasste!
8 Wie viel herrlicher muss es dann sein, Gott im neuen Bund zu dienen und die rettende Botschaft von Christus zu verkünden! Denn dieser Dienst führt Menschen durch Gottes Geist zum Leben.
9 Wenn schon der Auftrag, der den Menschen die Verurteilung brachte, so sichtbar Gottes Herrlichkeit ausstrahlte, wie viel herrlicher ist dann der Auftrag, durch den die Menschen von ihrer Schuld vor Gott freigesprochen werden!
10 Ja, was damals herrlich erschien, verblasst völlig vor der überwältigenden Herrlichkeit unseres Auftrags.
11 Wenn schon die alte Ordnung, die doch nur für eine bestimmte Zeit galt, Gottes Herrlichkeit erstrahlen ließ, um wie viel mehr wird sich Gottes Herrlichkeit durch die neue Ordnung offenbaren, die ewig gilt!“ (2. Kor. 3, 6-11 HfA)


Hier wird vom Wechsel vom Alten zum Neuen Bund gesprochen, von einer alten zu einer neuen Ordnung, von Vergänglichkeit zu Herrlichkeit, von Tod zum Leben.

„Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ (2. Kor. 3,6b ELB)

Oder in einer dritten Übersetzung:

„Denn das Gesetz bringt den Tod, aber der Geist ´Gottes` macht lebendig.“ (NGÜ)

Das Gesetz des alten Bundes bringt nichts anderes als den Tod, aber der neue Bund, der auf Gnade basiert, bringt Leben durch den Geist Gottes. Das ist ein gewaltiger Perspektivenwechsel. Vom Tod zum Leben. 

Jesus sagt: „Ich aber bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen – Leben in ganzer Fülle.“ (Joh. 10,10b NGÜ)


3. Beispiel 1: Jesus und die Ehebrecherin

Meine erste Stelle für einen Perspektivenwechsel. Eine ganz bekannte Geschichte.

„3 Da schleppten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau heran, die beim Ehebruch überrascht worden war. Sie stellten sie in die Mitte, wo sie von allen gesehen werden konnte,
4 und sagten zu Jesus: »Lehrer, diese Frau wurde auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt.
5 Im Gesetz hat Mose uns befohlen, eine solche Frau zu steinigen. Was meinst du dazu?«
6 Sie fragten dies, um Jesus auf die Probe zu stellen und ihn dann anklagen zu können. Aber Jesus bückte sich nur und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
7 Als sie nicht lockerließen, richtete er sich auf und sagte: »Wer von euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!«
8 Dann bückte er sich wieder und schrieb weiter auf die Erde.
9 Als die Ankläger das hörten, gingen sie einer nach dem anderen davon – die älteren zuerst. Schließlich war Jesus mit der Frau allein. Sie stand immer noch an der gleichen Stelle.
10 Da richtete er sich erneut auf und fragte sie: »Wo sind jetzt deine Ankläger? Hat dich denn keiner verurteilt?«
11 »Nein, Herr«, antwortete sie. »Ich verurteile dich auch nicht«, entgegnete ihr Jesus. »Du kannst gehen, aber sündige nun nicht mehr!« (Joh. 8, 3-9 HfA)


Ich finde diese Begebenheit unheimlich spannend. 

Was ist geschehen? Eine Frau begeht Ehebruch und wird erwischt. Vermutlich war auch ein Mann dabei, aber der ist wohl entkommen. Männer sind meistens etwas schneller beim Weglaufen.

Die Schriftgelehrten und Pharisäer, die die sich also ganz genau mit dem Gesetz auskennen, die es ganz genau nehmen, schleppen die Frau heran und wollen Jesus in Versuchung bringen. Wie wird er handeln? Wird er sich gegen das Gesetz stellen? 

Zunächst einmal ist festzustellen. Die Schriftgelehrten sind im Recht. Das Gesetz sagt:

„Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, hat den Tod verdient, der Ehebrecher und die Ehebrecherin.“ (3. Mose 20,10 EÜ)

Es muss sich hier also um eine verheiratete Frau gehandelt haben. Nur so konnte sie ja ihre Ehe brechen. Die Frau hatte also den Tod verdient. 

Ich vermute mal, dass es ihnen hier gar nicht darum ging den Auftrag des Gesetzes zu befolgen. Die Historiker sagen, dass derartige Steinigungen wohl nicht so häufig praktiziert wurden. Außerdem waren Steinigungen wegen Ehebruchs nach römischen Recht gar nicht zulässig. Ich denke, es ging ihnen vor allem darum Jesus aufs Glatteis zu führen. Sie wollten erreichen, dass er sich gegen das Gesetz stellt. Dazu war dies eine wunderbare Gelegenheit. Da war ihnen das schwache Geschlecht gerade recht. 

Jesus war nun in einem Dilemma. Das ist eine spannende Situation. Denn die Gesetzesgelehrten hatten ja recht: Das Gesetz forderte den Tod. Und Jesus musste sich an das Gesetz halten. Er durfte es nicht einfach übergehen. 

Im Galaterbrief lesen wir:

„als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz, damit er die loskaufte, die unter dem Gesetz waren, damit wir die Sohnschaft empfingen.“ (Gal. 4, 4.5 Rev. Elb.)

Jesus Christus kam, lebte und wirkte unter den Vorgaben des Gesetzes Mose um die zu befreien, die unter dem Gesetz lebten, also das Volk Israel. Das war sein Auftrag. Das waren seine Rahmenbedingungen. 
Er befolgte vollständig das Gesetz - und sogar mehr als das - um vollkommen ohne Sünde, ohne jegliche Verfehlung ans Kreuz gehen zu können. Und d.h., dass auch seine Reden mit dem Gesetz übereinstimmen mussten. 

Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass in unserer Bibel der Neue Bund nicht mit dem Beginn des Neuen Testaments, also nicht mit Matthäus 1, sondern mit Matthäus 27, nicht mit Bethlehem, sondern mit Golgatha beginnt. 
Alles was Jesus lehrte, musste immer konform zum Gesetz sein. Er konnte auf die wahre Bedeutung hinweisen, aber er durfte ihm nicht widersprechen. Gegen was er sich aber oft wehrte, war die Auslegungspraxis der Pharisäer. 

Ursprünglich hatten diese nach der babylonischen Gefangenschaft die Zielsetzung, dass das Wort Gottes bewahrt und nicht vergessen wird, damit das Volk Israel nicht erneut heimgesucht und verschleppt wird. So sind die Synaxogengottesdienste und das Rabbinertum entstanden. Aber in ihrem Streben das Wort Gottes zu bewahren, sind sie immer mehr entartet. In ihrem Bestreben Sünde zu vermeiden, haben sie den Menschen mehr und mehr Lasten aufgelegt, die diese nicht mehr tragen konnten. 

Sie haben Netze um das Gesetz gestrickt. Netzte voller zusätzlicher Regeln, die dazu dienen sollten, das Gesetz nicht zu brechen und diese Netze wurden nach und nach so engmaschig, bis sie keine Netze mehr waren.

„Er aber sprach: Wehe auch euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr ladet den Menschen unerträgliche Bürden auf, und ihr selbst rührt die Bürden nicht mit einem Finger an.“ (Lk. 11,46 SLT)

Oder an anderer Stelle sagt er zu Ihnen:

„Ihr blinden Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt!“ (Mt. 23,24 LUT)

Ihr Streben nach Gerechtigkeit ist entartet. Sie sind zu hartherzigen Paragraphenreitern geworden. Das Netz ist wichtiger geworden, als das Gebot selbst.

Zurück zum Geschehen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie Jesus hier in einem Dialog mit seinem Vater im Himmel war, um übernatürliche Weisheit zu empfangen, wie er in dieser Situation das richtige tun konnte.

Und dann kommt diese geniale Antwort: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ So hält er sich an die Norm des Gesetzes, aber wechselt gleichzeitig die Perspektive.

Und nichts passiert. Kein Stein fliegt. Alle gehen. Denn sie wissen, dass auch sie schon schuldig geworden sind. Niemand ist ohne Schuld. 
Die ältesten gehen zuerst. Je mehr Leben, desto mehr Schuld. Ganz einfache Rechnung. Keiner bleibt zurück. Jesus überführt sie mit nur einem Satz. Er spricht mit einem Satz mitten in ihr Herz. Und das ganz ohne ein Bibelwort. Aber es ist ein geistgehauchtes Wort. 

Die Vertreter des Gesetzes verzichten auf die Vollstreckung ihres Urteils, so kann auch Jesus sie frei sprechen.

Diese Begebenheit verdeutlicht eine darüber stehende Wahrheit: alle sind schuldig, alle haben gesündigt. Der Blickwinkel wechselt von dem Blick der Schuld der einen Person, auf den Blick der Schuld aller.

Das Gesetz sagt: Töten. Aber es gibt einen Ausweg: Barmherzigkeit. Das ist eine neue Perspektive. Die Perspektive Gottes. 



4. Beispiel 2: Der barmherzige Samariter

Eine weitere Stelle, in der Jesus gesetzeskonformes Verhalten einem barmherzigen Handeln gegenüberstellt, ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

Was ist das Rahmengeschehen?

„ Und siehe, ein Gesetzeslehrer stand auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben! Der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?“ (Lk. 10, 25-29 EÜ)

Wir haben also wieder eine ähnliche Situation. Wieder will man Jesus dazu bringen, dass er sich irgendwie gegen das Gesetz positioniert. Aber Jesus lässt sich nicht reinlegen. Er antwortet in der Art und Weise, wie jüdische Schriftgelehrte diskutieren, auf eine Frage kommt eine Gegenfrage. Und der Schriftgelehrte fasst das Gesetz zusammen. Er gibt die formal richtige Antwort. Jesus sagt an anderer Stelle selbst, dass an diesen beiden Geboten, das Gesetz und die Propheten hängen (Mt. 22,40): 
Gott lieben mit ganzer Kraft, ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzen Denken. Und den Nächsten. 
Ganz, ganz, ganz, ganz. 
Leisten, leisten, leisten, leisten.
Gesetz, Gesetz, Gesetz, Gesetz.
Und Jesus sagt: Genau, tu das. Tu dies beständig, tu dies ununterbrochen, tu dies immer während und du wirst leben.

Wir Christen müssen uns hier wieder bewusst machen, es geht ums Gesetz. Das ist keine Aufgabenstellung für das Leben eines Christen. Niemand kann das. Der Kerkermeister von Philippi bekommt auf die Frage: „Was muss ich tun um gerettet zu werden?“, die Antwort des neuen Bundes: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden“ (Apg. 16,30.31). Nicht ganz, ganz, ganz, ganz, leisten, leisten, leisten, leisten, sondern einfach glauben!
 
Zurück zum Schriftgelehrten. Und eben nicht nur Gott, sondern auch den Nächsten lieben. Wer könnte das denn sein? Das Familienmitglied, der Freund, vielleicht noch maximal der Nachbar, aber dann ist Schluss. Sonst wird es nichts mit dem ewigen Leben. 

Und dann kommt das uns bekannte Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Dort lesen wir, dass ein Priester und ein Levit an dem Überfallenen vorbeigehen, ohne ihn zu helfen. Sie gingen sogar an der gegenüberliegenden Seite vorüber. Das ist interessant. 

Nun muss man wissen, dass der Kontakt mit Toten sie verunreinigt hätte. Der Levit wäre mindestens vorübergehend, der Priester - soweit ich das verstanden habe - wohl dauerhaft nicht mehr zum Tempeldienst befähigt gewesen (3. Mose 21, 1-4; 4. Mose 19,11). Nach damaligen Verständnis hätte es schon gereicht, wenn nur der eigene Schatten auf den Toten gefallen wäre. Daher das Wechseln der Straßenseite. Sie können gar nicht überprüfen, ob er noch lebt. Schnell den Schatten einziehen und weiter. Sie haben also alles richtig gemacht um auf keinen Fall eine Gesetzesübertretung zu begehen. Aber war es auch das richtige? Hatten sie die richtigen Perspektive?

Nun kommt ein Samariter daher. Also ein Bewohner Samariens. Die Zuhörer haben wohl erwartet, dass Jesus nun als drittes - nach dem Priester und dem Leviten - einen frommen Israeliten aufmarschieren lässt. Aber einen Samariter? Die Samariter wurden von den Juden abgelehnt. Nicht mal das Wort haben sie in den Mund genommen. „Der barmherzig gehandelt hat“, sagt der Schriftgelehrte. Das waren Mischgläubige. Ein bisschen jüdisch, ein bisschen okkult, auf jeden Fall Götzenanbeter. Das Produkt von der Vermischung der Bevölkerung während der babylonischen Gefangenschaft, Völlig inakzeptabel. So einen nimmt Jesus hier als Beispiel für Barmherzigkeit. Ein Affront. 

Wer wäre es heute? Der Clubberer oder noch schlimmer der Bayern-Fan? Der Muslim? Der Palästinenser? Der Homosexuelle? Der Diverse?

Jesus verdeutlicht hier der Ausgestoßene, der Abgelehnte, handelt nicht um ein Gesetz zu erfüllen. Sondern er handelt aus Liebe. Aus Erbarmen. 
Jesus lässt hier mehrmals die Blickwinkel wechseln. Von der Frage: Wer ist mein Nächster zu: Wem bin ich der Nächste? Vom Blickwinkel des Gesetzes zum Blickwinkel der Barmherzigkeit und der Liebe.

„So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“ (Röm. 13,10b LUT) 

schreibt Paulus.


5. Beispiel 3: Der erste Apostelkonzil

Ein letztes Beispiel. Ihr habt neulich eine Predigt gehört von Thomas Zuhr über die Begebenheiten in Apostelgeschichte 10. Dort wird beschrieben, wie Petrus Visionen bekommt, lauter vom Gesetz verbotene Speisen zu essen, weil Gott sie rein gemacht hat. Und er darauf verbotenerweise ins Haus von Heiden eingekehrt ist, mit ihnen Gemeinschaft hatte, ihnen das Evangelium verkündete und so das Evangelium zu den Heiden gekommen ist. Dies war der Beginn der Heidenmission, zu der dann auch Paulus und Barnabas ausgesandt waren. Einige Zeit später kam es dann zum ersten Apostolischen Konzil in Jerusalem. 

Und da gab es einige gläubig gewordene Pharisäer, die wollten, dass die gläubiggewordenen Heiden auch beschnitten werden sollten und das Gesetz halten sollten. Und dann haben die Apostel diskutiert und ihre Entscheidung getroffen. Nein, spricht Jakobus:

„Darum halte ich es für richtig, den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden“ (Apg. 15,19 EÜ)

Keine Lasten, kein Gesetz. Nur ein paar ethische Regeln für die Praxis:

„Allerdings sollten wir sie in einem Brief dazu auffordern, folgende Dinge zu unterlassen: jede Verunreinigung durch Speisen, die den Götzen geopfert wurden, jede Form von Blutschande, sowie den Genuss von Blut und von nicht ausgeblutetem Fleisch.“ (Apg. 15, 20 NGÜ mit Erläuterungstext)

Diese Regelungen waren vor allen für die Tischgemeinschaft von Juden und Heiden relevant und wurden so in dieser Form von Paulus nicht in den Briefen weitergegeben. Im Gegenteil: dort schreibt er, der eine kann alles essen und macht sich keinen Kopf, egal ob Götzenopferfleich oder nicht, der andere wird Vegetarier und isst nur noch Gemüse. (Röm. 14; 1. Kor. 8).

Dies war die offizielle Festlegung für die Christenheit: das Gesetz gilt nicht für uns Heidenchristen. Punkt. 
Auch dies war ein Wechsel des Blickwinkels. Wir schauen nun auf Gott, auf sein Wort, vom Standpunkt des Geschenks der Gnade aus und nicht vom Standpunkt der Forderungen des Gesetzes. 


6. Schlussgedanke

Trotzdem unterliegen wir alle, manche mehr und manche weniger, der Versuchung uns einzelne Verse aus dem Gesetz heraus zu greifen um uns, oder noch besser anderen Lasten und Bürden aufzulegen, um sie zu richten, auszugrenzen, zu verurteilen. 

Oft sind es dann Verse, die irgendwelche sexuellen Sünden regeln. 
Warum eigentlich nicht solche, in denen es um Mischgewebe geht? Wird im Gesetz genauso verboten:

„tragt keine Kleidung aus Mischgewebe!“ (3. Mose 19,19 HfA)

Da hätten wir wohl alle Probleme. Ich müsste dann ohne Socken hier stehen.

Ich weiß heute: meine Erkenntnis ist Stückwerk. Alles was ich heute sage, beruht auf Erkenntnisstückwerk. Vielleicht stimmt auch nicht alles. 
Die Bedeutung von manchen Aussagen der Bibel, die für mich früher ganz klar waren, gerade hinsichtlich Homosexualität, sind für mich heute nicht mehr so einfach zu erkennen. 

Stellen aus dem NT, in denen Paulus bspw. Homosexualität ablehnt, stehen auch im Kontext von Aussagen, in denen dargestellt wird, dass wir eben alle Sünder sind. 

„Wer kann merken, wie oft er fehlet?“ (Ps. 19,13a LUT)

schreibt der Psalmist. 

Ich habe genügend offenkundige und verdeckte Schwächen und Mängel, sündhaftes Handeln. Wer bin ich, dass ich die sexuelle Identität oder das Empfinden anderer Personen beurteilen kann?

Die Vollkommenheit der Schöpfung hat durch und mit Adam und Eva gestoppt. Seitdem leben wir in einer gefallenen Schöpfung mit Naturkatastrophen, Krankheiten, Behinderungen uvm., die alle nicht Gottes ursprünglichem Plan entsprechen. Die Schöpfung hat ein massives downgrad erhalten.
Trotzdem ist jeder und jede einzelne wertvoll und in den Augen Gottes geliebt. Egal ob männlich, weiblich oder uneindeutig definiert. Egal ob gesund oder beeinträchtigt, Spielvereinigung- oder Bayernfan. Und alle wollen überraschenderweise leben. Und alle innerhalb der Möglichkeiten, die wir haben. 

Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht alles bagatellisieren, was es an Auswüchsen und Perversionen in unserer Gesellschaft so gibt. Gerade junge Menschen in der Entwicklung brauchen besonderen Schutz, wenn sie dabei sind ihre Identität zu entwickeln.

Ich will nur keine Menschen verurteilen oder beurteilen, die ernsthaft, tiefgründig, existenziell, um ihre sexuelle und biologische Identität gerungen haben, weil ich denke, dass steht mir nicht zu. 
Meine Aufgabe ist es nicht irgendwelche Verse aus der Bibel hervorzukramen und zu richten, sondern meine Aufgabe ist es, die Liebe Gottes weiterzugeben. Im privaten Umgang heißt es sie annehmen und lieben. Was es im gemeindlichen Kontext heißen kann, sind noch offene Fragen. Auf jeden Fall gilt: 

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.“ (Luk. 6, 36.37 LUT)

Amen.



 

Sonntag, 27. März 2022

Predigt von Norbert Wohlrab (27.03.2022)

Ist Gott wirklich gut?


1. Einleitung

Mei geht’s mir gut. Mir gehts ja so gut.
X hat jetzt einen höhenverstellbaren Schreibtisch, der hat sogar ein Gütesiegel.
Neulich haben wir wieder mal eine Pizza gegessen…von der Rustica auf der Hardhöhe. Die war so gut. So gut war die. Es gibt keine bessere Pizzeria in Fürth.
Ys Freund hatte kürzlich ein Vorstellungsgespräch. Das lief sowas von gut, dass er die Stelle gleich gekriegt hat.
Ach ja und Gott….Gott ist natürlich auch gut.

Ihr habt es vielleicht schon gemerkt - an meiner etwas ungewöhnlichen Einleitung - meine Predigt heute hat irgendetwas mit „gut“ zu tun.
Ich möchte heute etwas der Frage nachspüren: Ist Gott wirklich gut? - Und falls ja, was hat das mit meinem Leben zu tun? Oder hat das überhaupt was mit meinem Leben zu tun?

Manche von uns durchlaufen gegenwärtig Phasen in ihren Leben, teils schon seit Jahrzehnten, die geprägt sind von Krankheiten und Schmerzen.
Geschwister, die wir kannten, sind unerwartet früh an Krankheiten gestorben und dann kommen Zweifel und Fragen in uns hoch: Wie kann ein guter Gott das zu lassen? Ist Gott wirklich gut?

Und ich habe dann angefangen mich zu fragen: Könnte es nicht sein, dass das Problem nicht ist, dass Gott nicht gut ist, sondern dass unsere Theologie einfach falsch ist, dass wir einfach nur die falschen Schlussfolgerungen und Lehren gezogen haben, die falschen Erwartungen haben?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich heute viele Antworten liefern werde, aber ich werde Euch etwas teilhaben lassen, an meinen Entdeckungen und Gedankengängen.


2. Wortbedeutungen

Wenn wir Menschen etwas als gut bewerten: die Pizza, ein Gefühl, eine Note, ein Gespräch etc. dann ist es zum einen subjektiv und zum anderen wird diese Bewertung in einer Relation zu etwas, in einem bestimmten Bewertungssystem vorgenommen.
Ist das bei Gott auch so oder ist hier nicht eine ganz andere Qualität von „Gutsein“ vorhanden?

Zahlreiche Philosophen haben sich im Laufe der Jahrtausende den Kopf darüber zerbrochen, was eigentlich gut ist, mit teilweise sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

„Keiner der philosophischen Definitionsversuche hat im neuzeitlichen Diskurs allgemeine Anerkennung gefunden: weder die metaphysische Bestimmung, wonach das Gute objektiv vorgegebene Idee (Platon) oder Zielvorstellung (Aristoteles) ist, noch die Reduktion des Guten auf streng subjektive Kategorien wie die des Angenehmen (Hedonismus) oder des Nützlichen (Utilitarismus). Aus dem sprachlich-philosophischen Befund lassen sich nur wenige konsensfähige Charakteristika für das Gute festhalten“ (WiBILex zu Gut/Gutes (AT))

D.h. wir Menschen reden von „gut“, aber eigentlich wissen wir gar nicht wovon wir reden oder ob unser Gesprächspartner nicht was ganz anderes meint, als wir meinen und als wir meinen, dass er meint bzw. er meint, dass wir meinen.

Aber muss nicht eigentlich das „Gutsein“ Gottes außerhalb unserer menschlichen Erklärungsmodelle und Wortdefinitionen und „-definitiönchen“ liegen?

Im griechischen finden wir hier die Begriffe „agathos“ und „kalos“, die zum einen
tüchtig, brauchbar, gut und gütig bedeuten und zum anderen
das wesensmäßig Gute und Schöne beschreiben.
Die Begriffe werden im NT aber leider teilweise synonym verwendet. Genauere Studien und Analysen hätten mich als Laien hier überfordert.


3. Das Wesen Gottes: Gott ist gut…

In der Bibel lesen wir über Gott Aussagen wie:

„Denn du, Herr, bist gut und gnädig, von großer Güte allen, die dich anrufen.“ (Ps. 86,5 Luth)

und

„Fürwahr, Gott ist Israel gut, denen, die reinen Herzens sind.“ (Ps. 73,1 Rev. Elb.)

oder in anderer Übersetzung

„Lauter Güte ist Gott gegen Israel, gegen die, die reinen Herzens sind.“ (Zürcher)

Und die bekannte Lobpreisformel:

„Denn der HERR ist gut; seine Gnade währt ewiglich““ (Ps. 100,5a Schlachter)

oder in der Luther-Übersetzung

„Denn der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig“ (Luther)

In diesen Psalmtexten können wir lesen: Gott ist gut! Überhaupt finden wir die Bezeichnungen, dass Gott gut ist, hauptsächlich in den Lobliedern der Bibel. Gott wird von den Psalmisten als gut beschrieben und besungen. Ist es vielleicht einfach nur Poesie?

Wenn man sich diese und andere Verse anschaut, fällt etwas auf.
Zum einen werden die Begriffe „gut“ und „Güte“ häufig synonym verwendet, denn das zu „gut“ gehörende Substantiv scheint am ehesten mit Güte wiedergegeben werden zu können.
Im griechischen NT ist es dann eindeutig der selbe Wortstamm mit „agathos“ und „agathosyne“.
Und zum anderen ist die Güte Gottes, sein „Gutsein“ - zumindest in manchen Stellen - an Bedingungen geknüpft: die ihn anrufen, die reinen Herzens sind, er spricht zum Volk Israel usw. …..

Aber andererseits lesen wir auch:

„Der HERR ist gut gegen alle, und sein Erbarmen waltet über allen seinen Werken.“ (Ps. 145,9 Zürcher)

Hier gibt es dann keine Begrenzung.

Lasst uns noch etwas weiter suchen, was zum Thema „Gott ist gut“ in der Bibel steht.

Interessant ist hier eine Begebenheit bei Jesus im Markusevangelium. Ein reicher junger Mann fragt Jesus:

„Als Jesus sich wieder auf den Weg machte, kam ein Mann angelaufen, warf sich vor ihm auf die Knie und fragte: »Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekomme?« –  »Warum nennst du mich gut?«, entgegnete Jesus. »Gut ist nur Gott, sonst niemand.“ (Mk. 10, 17.18 NGÜ)

„Es gibt nur einen, der gut ist, und das ist Gott.“ (HfA)

Auch Jesus stellt klar: Gott ist gut und nur Gott ist gut! Wenn Jesus selbst da so sagt, dann bekommt das doch eine ganz andere Qualität und Dimension. Spätestens jetzt dürfen wir wissen, dass die Aussagen aus dem AT nicht nur Poesie sind, sondern wirklich wahr sind.

Warum weist er eigentlich die Titulierung „gut“ für sich selbst zurück?
Jesus steht hier als Mensch, als Rabbi und wird als solches verehrt, nicht als Christus, daher weist er daraufhin, dass diese Titulierung nur Gott gebührt.
Außerdem vermutlich, weil hier die Werksgerechtigkeit, das Machbarkeitsdenken des Jünglings deutlich wird: der Rabbi ist gut, ich bin gut, wo kann ich noch gut sein, das ich ewiges Leben erhalte.

In meinem Bibellexikon steht:

„Die bibl. Verfasser beurteilen Gott nicht nach einem bereits vorhandenenBegriff der Güte. Vielmehr betrachten sie seine Vollkommenheit und wenden auf ihn das Wort an, das gewöhnlich zur Anerkennung eines Wertes gebraucht wird. Indem sie das tun, geben sie dem Wort aber eine neue, tiefere Bedeutung. Sie definieren „gut“ von Gott her, nicht umgekehrt, Deshalb ist es bibl. Aussage, dass Gott, und nur Gott, vorbehaltlos gut ist.“
(Das große Bibellexikon, Band 2, Brockhaus)


Gott ist also moralisch und ethisch vollkommen gut.

Die erste Frage ist also beantwortet: Ja, Gott ist gut! Wir sind es nicht. Wir wissen nicht mal, was es eigentlich so genau bedeutet, aber Gott ist es. Er ist gut!

„Gott ist Licht, und Finsternis ist keine in ihm.“ (1. Joh 1,5b Zürcher)

4. …und die Bedeutung für mein Leben? (1)

Die Frage ist jetzt, wie wirkt sich das auf mein Leben aus, das Gott gut ist? Wo sind die Zusammenhänge oder wo sollten sie sein?

a) Gott teilt mit den Menschen

Gott möchte sein Gutsein, sein Güte nicht nur für sich, sondern er teilt sie aus. Das beginnt schon mit der Schöpfung:

„Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.“ (1. Mose 1, 31 Rev. Elb.)

Allein dass wir leben ist schon Teil seiner Güte.

b) Das Erlösungswerk als Ausdruck der Güte

Seine Güte gebührt allen Menschen.

„denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“ (Lk. 6,35b Luth)

Und dies zeigt sich in seiner Vollkommenheit im Tod Jesu.

„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ (Joh. 10,11 Luth)

Das ich Erlösung bekommen habe durch Jesus Tod am Kreuz, ist das Hauptmerkmal von Gottes Güte. Weil Gott gut ist, konnte ich erlöst werden, bin ich jetzt erlöst. Das ist der Hauptbezug zu meinem Leben.

c) Seine Gebote sind gut

„Richtet euch nicht länger nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist.“ (Rom. 12,2 NGÜ)

Gottes Wille, sein Gebote sind gut (Röm. 7,12, 5. Mose 6,18), sie sind Ausdruck seines Wesens.

d) das Gute soll in unserem Leben umgesetzt werden

Und hat für uns sogar gute Werke vorbereitet:

„Denn was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen.“ (Eph. 2,10 NGÜ)

Denn „Ihr sollt aber vollkommen sein, so wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Mt. 5,48 NL)

 
Wenn wir also jetzt die Frage beantworten wollen: Wenn Gott gut ist, was hat das mit meinem Leben zu tun? Dann ist die Antwort: Deshalb soll auch ich gut sein!

Gott ist gut und deshalb soll auch ich gut sein! Er ist moralisch-ethisch vollkommen und ich soll es auch sein! Das ist die Schlussfolgerung, die wir aus der Bibel entnehmen können.
Es geht nicht darum, Gott ist gut und deshalb soll es mir gut gehen. Da kommt zwar zweimal das Wort gut vor, das ist aber nicht die logische Ableitung.

Wenn ich ein gutes Auto habe, heißt das ja nicht automatisch, dass der Fahrer gut fährt oder das es ihm immer gut geht.

Diesen Zusammenhang zwischen Gottes Gutsein und meinem Leben herzustellen, ist eine arg verkürzte Theologie.

5. …und die Bedeutung für mein Leben? (2)

Trotzdem berichtet die Bibel natürlich von Segen, der mir zuteil wird, wenn ich nach seinem Willen lebe und von Gutem, dass Gott mir geben will.

„Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.“ (1. Petr. 3, 10.11 Luther)

Gute Tage werden mir versprochen, wenn ich nach seinem Willen lebe. Aber ich denke, dass ist so gemeint, dass es kein besseres Lebenskonzept gibt, als eines, dass auf dem Willen Gottes gegründet ist.

Und weiter:

„Wenn also ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen, die ihn bitten, Gutes geben.“ (Mt. 7,11 Zürcher)

Er will mir Gutes geben. Aber wohl nicht im Sinne eines Automatismus.

Denn ich erfahre ich ja nicht immer. Trotzdem ist da Leid und Krankheit. Und die Bibel löst diese Spannung nicht auf. Im Gegenteil sie ist voll von Geschichten von Nachfolgern, denen es nicht immer gut ging, sondern die Mangel und Leid erfahren haben.

„Sowohl erniedrigt zu sein, weiß ich, als auch Überfluss zu haben, weiß ich; in jedes und in alles bin ich eingeweiht, sowohl satt zu sein als auch zu hungern, sowohl Überfluss zu haben als auch Mangel zu leiden. Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.“ (Phil.4, 12.3 Rev. Elb.)

Auch wenn ich jetzt versucht habe herzuleiten, dass nur weil Gott gut ist, es nicht die logische Schlussfolgerung für mein Leben ist, dass es mir immer gut geht, so muss Gott es doch trotzdem zulassen, wenn es mir eben nicht gut geht oder eben meine Gebete nicht erhört werden.

Wie geht es eigentlich Gott dabei? Das ist nun eigentlich nicht zu beantworten, aber wir wissen, wie es Jesus ging. In Gethsemane. Am Kreuz. Wie er selbst all das Leid und den Schmerz ertragen musste. Und wir können uns vorstellen, wie es Gott im Himmel dabei ging, als sein Sohn all dies erleiden musste.

Und wir wissen aus dem NT auch, wie es Jesus dabei ging, als er mit all dem menschlichen Leid um ihn herum konfrontiert wurde. Er war traurig, betrübt, es jammerte ihn. Jesus litt mit all den Menschen, er war voller Mitleid und Erbarmen.

Gott ist einer von uns, so wie es in dem Lied „One of us“ von Joan Osborne heißt. Er kennt unseren Schmerz, unser Leid aus eigener Erfahrung. Er leidet mit uns.

Ich möchte Euch zum Schluss noch die Geschichte von Horatio Spafford erzählen.

Horatio Spafford, ein presbyterianischer Kirchenältester, lebte im 19. Jahrhundert in Chicago. Er war ein erfolgreicher Anwalt und Immobilienbesitzer. Der große Brand von 1871 zerstörte fast seinen ganzen Besitz. 1873 wollte er mit seiner Familie nach England reisen um den Evangelisten Moody zu unterstützen. Er wurde jedoch in Chicago beruflich aufgehalten und so beschloss er, dass seine Frau mit den vier Töchtern allein fuhr und er später nachkommen würde.
Am 2.11.1873 wurde das Passagierschiff mitten auf dem Ozean von einem englischen Containerschiff gerammt und sank innerhalb von 12 Minuten. Alle vier Töchter wurden von Bord gespült und ertranken. 226 Passagiere ertranken. Nur seine Frau war einer der wenigen, die überlebten. Sie wurde von einem Matrosen gerettet und nach Cardiff gebracht. Dort schrieb sie ihm ein Telegramm: „Alles ist verloren, nur ich überlebte.“ Horatio reiste sofort hinterher um seiner Frau beizustehen. Als sie an die Stelle kamen, wo die „Ville du Havre“ unterging, wurde er vom Kapitän darauf hingewiesen. Und er schreibt dann in dieser Nacht  das Kirchenlied „It is well with my soul“ „Mir ist wohl in dem Herrn“, weil er spürt, dass seine Kinder sicher und geborgen bei Gott sind und er sie wiedersehen wird. Später hatten sie noch einmal zwei Kinder und auch das erste Kind starb in jungen Jahren an Scharlach. Spafford begann später noch eine große missionarische und diakonische Arbeit in Jerusalem.

Hier ist der Text des Liedes:

Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt,
Ob Stürme auch drohen von fern,
Mein Herze im Glauben doch allezeit singt:
Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!
Refrain:
Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!
Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!

Wenn Satan mir nachstellt und bange mir macht,
So leuchtet dies Wort mir als Stern:
Mein Jesus hat alles für mich schon vollbracht;
Ich bin rein durch das Blut meines Herrn!
Refrain

Die Last meiner Sünde trug Jesus, das Lamm,
Und warf sie weit weg in die Fern;
Er starb ja für mich auch am blutigen Stamm;
Meine Seele lobpreise den Herrn.
Refrain

Nun leb ich in Christus für Christus allein.
Sein Wort ist mein leitender Stern.
In ihm hab ich Fried' und Erlösung von Pein;
Meine Seele ist selig im Herrn.
Refrain


6. Schluss

Es gab und gibt in der Kirchengeschichte verschiedene Arten, wie mit Leid umgegangen wird.

In der katholischen Lehre bspw. sind alle „Leiden…die Folgen der Erbsünde. Sie sind untrennbare Weggefährten des Menschen bis zu seiner Todesstunde.“ (Quelle Kathpedia)

Dann geht es nicht darum nach einem „Warum?“ zu fragen, sondern einfach darum sie zu ertragen. Ähnlich auch im Pietismus. Und dabei darauf zu vertrauen, dass Gott die Kraft zum Durchhalten schenkt.  (1. Kor. 10,13; 2. Kor. 12,9)

Manchmal wurde Leiden auch als besonderes Privileg betrachtet, da man dadurch Anteil an den Leiden Christi haben durfte.

Für uns sind Leiden eher ein Anlass um ins Gebet zu gehen, Gott zu bedrängen, füreinander einzutreten und durchzuhalten. Trotzdem wissen wir, dass es nicht immer so kommt, wie wir es wünschen.
Wir haben keine Antwort, aber wir dürfen wissen: Gott ist gut und immer gegenwärtig!

Und eines Tages wird es heißen

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offb. 21,4 Luth)

AMEN.

Freitag, 30. November 2018

Predigt von Norbert Wohlrab (18.11.18)

Kleine Gemeinde


1. Gemeinsames von CGF und JG

„Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.“ (Offb. 3,8 Luther)


Wir CGF und die JG St. Paul haben ja so ein paar Sachen gemeinsam:

  • z.B. eine gemeinsame Historie
  • ähnliche Prägungen (evangelisch, charismatisch)
  • starke Pioniere (Frieder und Hans) die ihren Visionen gefolgt sind und andere mit begeistert haben
  • ein bisschen was von nicht Fisch noch Fleisch, die JG als Gemeinde in einer Gemeinde, die CGF als Gemeinschaft im irgendwo und
  • wir sind beide eher kleine Versammlungen mit kleiner Kraft

Das ist ja auf den ersten Blick nicht so positiv: nur eine kleine Kraft zu haben. Aber hier in dem Sendschreiben an die Gemeinde in Philadelphia ist es nicht problematisch. Die Gemeinde wird sogar belohnt, weil sie an Jesus festgehalten hat. Also Kleinsein, schwach sein, ist nicht zwingend gekoppelt mit erfolglos sein.

Im Gegenteil: im NT hat das Kleine, das Schwache, oft eine besondere Bedeutung, einen besonderen Segen, einen besonderen Zuspruch, einen besonderen Schutz (kleine Herde, kleines Bethlehem, kleines Senfkorn.…)

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.“ (2. Kor. 12,9 Luther) 


Wenn man schwach ist, ist man sich seiner Schwachheit bewusst. Man bildet sich nichts ein auf die eigene Kraft. Man lässt Gott durch sich wirken.

Wir haben noch was gemeinsam. Wir sind sowas wie Durchlauferhitzer oder Katalysatoren oder Brandbeschleuniger. Wir haben vielen Menschen zum Durchstarten verholfen.
In unseren Alphakursen oder Glaubenskursen oder Jugendkreisen oder sonstigen Gruppen haben einige zum Glauben gefunden, oder sind zumindest auf ihrem Weg mit Jesus große Schritte vorwärtsgekommen und dann - nach kurzem oder längerem Gastspiel - haben sie sich anderen Gemeinden, attraktiveren Gemeinden oder größeren Gemeinden angeschlossen. Manche sogar evangelischen Kirchgemeinden.

Früher hat mich sowas echt frustriert. Ich war enttäuscht, ärgerlich, zornig, resigniert, ratlos. Hey. Wir. Wollen. Auch. Wachsen. Heute ist mir das ziemlich egal. Glaub ich zumindest. (Wir machen halt einfach keine Alphakurse mehr.)

Wichtig ist doch, dass jmd. überhaupt irgendwo eine geistliche Heimat gefunden hat. Es geht ja nicht um mich oder um uns, sondern um das Reich Gottes, nicht um mein Reich oder unser Reich. Wir bauen ja für Gott und nicht für uns, nicht zu unserer Ehre.

Ich schaue heute auch nicht mehr neidisch auf die dynamischen großen Gemeinden in der Region. Im Gegenteil. Ich habe nämlich gemerkt, dass dort auch nicht alles Gold ist was glänzt.

Beim Gespräch mit einer leitenden Mitarbeiterin einer bekannten großen dynamischen Nürnberger Gemeinde wurde mir schnell deutlich, dass dort von den Mitarbeitern sehr viel abverlangt wird an Zeit und Energie. So gut wie jeder Abend in der Woche wird mit Gemeindeterminen und -diensten gefüllt.
Und ich dachte mir, irgendwie machen die doch die gleichen Fehler, die wir oder zumindest viele von uns auch gemacht haben, als wir in den 20er/30er-Lebensjahren waren. Das ganze Leben neben Job und Familie wurde in die Gemeinde investiert. Man lebt in einer Gemeindeblase, in einer Dienstblase und lebt doch oft am eigentlichen Leben vorbei.

Versteht mich nicht falsch. Ich rede jetzt nicht gegen Gemeindeengagement. Aber wenn das Leben nur noch aus irgendwelchen Diensten besteht, dann läuft was verkehrt, dann lebt man am Leben vorbei.

Es ist nicht ganz vergleichbar. Aber Jesus hat in den drei Jahren seines Wirkens keinen Tempeldienst als Levit gemacht, keinen Priesterdienst und war auch kein Mitarbeiter in einer Synagoge. Er hat durch sein Leben Reich Gottes gebaut. In Gesprächen und Begegnungen im Alltag. Auf Wanderschaft. Beim Feiern. Im Gespräch mit Menschen.

Nachfolge reduziert sich ja nicht nur auf die Mitarbeit in der Gemeinde.

Und zum anderen habe ich gemerkt, im Vergleich zu den großen Gemeinde: Hey, small is beautiful. Klein ist sexy. Weil klein einfach mehr Nähe bedeutet. Es ist persönlicher, intimer, authentischer, echter, ehrlicher. Es ist einfacher Gemeinschaft zu leben.
Nicht, dass das in großen Gemeinden nicht auch möglich wäre. In Zellen oder Hausgruppen. Aber in kleinen Gemeinschaften ist es einfacher.


2. Gemeinschaft

Denn darum geht es: um Gemeinschaft.

Im hohenpriesterlichen Gebet betet Jesus:

„Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“ (Joh. 17, 20-23 Luther)


Jesus betet nicht dafür, dass seine Nachfolger Erfolg in ihrem Dienst haben, dass auch wirklich alle Toten auferstehen und alle Kranken geheilt werden;
er betet nicht dafür, dass sie die richtigen Gemeindeaufbauprinzipien erkennen und anwenden, nein, er betet für etwas viel einfacheres und doch ganz Besonderes:
er betet für Einheit und Qualität in ihren Beziehungen, er betet dafür dass sie eins sind, so wie Jesus mit dem Vater eins ist.

Gott ist Einheit. Gott ist „3 in eins.“ Gott existiert in permanenter Gemeinschaft. Gott existiert als Vater, Sohn und Heiliger Geist als ewige Gemeinschaft in Einheit. Gottes Wesen ist Gemeinschaft.

Deshalb hat Gott auch den Menschen als Gemeinschaftswesen angelegt. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei (1. Mose 2,18). Der Mensch soll Gott ähnlich sein, als Mann und Frau (1. Mose 1,27). Ein einzelnes Wesen entspricht nicht dem Bild von Einheit in Gemeinschaft. Von Anfang an war der Mensch auf Gemeinschaft ausgelegt.

Gemeinschaft ist kein Abfallprodukt eines göttlichen Brainstormings, sondern Gemeinschaft ist Gottes Geschenk an die Menschen, Gottes Plan für den Menschen, so wie es seinem Wesen entspricht, wie es ihm selbst entspricht.

Das Problem ist nur, um echte, tiefe, authentische Gemeinschaft leben zu können, braucht es den Heiligen Geist. Die Qualität unserer menschlichen Gemeinschaft ist abhängig von der Gemeinschaft mit Gott. Ob wir mit ihm im Einklang leben. Ob er in uns lebt.

Durch das Ausgießen des Heiligen Geistes an Pfingsten wurde menschliche Gemeinschaft nach dem Bild Gottes wieder möglich. Dadurch wurde das Gebet Jesu erhört. Es ist Einheit entstanden.

Schauen wir uns einmal zusammen an, wie diese erste Gemeinschaft der sogenannten Urgemeinde sich ausgedrückt hat.

„Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“ (Apg. 2, 42 - 47 Luther)

Mehr als 3000 Menschen kamen durch die Pfingstpredigt des Petrus zu Jesus - und sie kamen zueinander. Sie hatten den Heiligen Geist und sie wurden durch den Geist zueinander hingezogen. Niemand hat sie dazu aufgefordert. Es war ein innerer Antrieb gewirkt durch den Geist Gottes.

Sie teilten ihr Leben miteinander – im religiösen Bereich (Tempel) und im privaten Bereich (Häusern). Der Heilige Geist wirkte eine Sehnsucht zueinander und ließ eine große Familie entstehen. Sie waren ein Herz und eine Seele heißt es an einer anderen Stelle (Apg. 4,32).

Hier sind Beziehungen entstanden. Gemeinschaft. Gemeinsames, geteiltes Leben.

Man darf sich dabei aber jetzt nicht so auf diese Verse des materiellen Teilens fokussieren. Sie werden ja manchmal als Idealform christlicher Gemeinschaft verstanden mit der Aufforderung dies entsprechend zu kopieren.
Es ist aber nirgends zu lesen ist, dass diese Art des gemeinschaftlichen Lebens für alle Zeiten und alle Orte genauso zu gelten hat. Ja, es steht nicht einmal da, das viele Menschen zum Glauben gefunden haben, weil sie von dieser Art des Lebens überzeugt waren, sondern es heißt ganz einfach, dass der Herr sie hinzugetan hat.

Zumal diese Form des christlichen Prä-Kommunismus nicht sehr nachhaltig war. Ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einem Verantwortlichen einer deutschen Freikirche und er hat mir dann erzählt, dass in den letzten beiden Jahren mehrere Millionen in dem Haushalt nachgeschossen werden mussten. Finanziert durch Immobilienverkäufe. Aber - so sagt er - man kann das Tafelsilber halt nur einmal verkaufen.
Das war wohl auch das Problem in Jerusalem. Irgendwann war alles verkauft und Paulus musste für die Gemeinde in Jerusalem sammeln lassen.

Diese Verse in der Apostelgeschichte sind zunächst erst einmal eine Beschreibung des Zusammenlebens der Urgemeinde, wie es der Heilige Geist gewirkt hat (und z.T. sicherlich auch auf menschlichem Enthusiasmus und einer Naherwartung der Wiederkunft Christi zurückzuführen sind). Ich denke, wenn wir wissen wollen, wie wir als Christen zusammen leben sollen, dann finden wir in den Briefen des Paulus viele allgemeingültigere Aussagen.
Trotzdem lassen sich aus diesem eine Text wichtige Fundamente christlicher Gemeinschaft herauslesen.


3. Die Fundamente christlicher Gemeinschaft

3.1 Lehre


Nicht aus Zufall wird hier gleich am Beginn dieses Textes das Verharren, das Beständigsein in der Lehre aufgezählt.
Lehre ist wichtig, denn nur so ist geistliches Wachstum möglich. Manche Probleme fangen ja auch erst nach der Bekehrung an, wir müssen wissen, wie darauf zu reagieren ist, man muss sich mit Fragen des praktischen Lebens auseinandersetzen und nach dem Willen Gottes suchen in Gebieten, wo man vorher vielleicht gedankenlos darauf los gesündigt hat.

Die ersten Christen „verharrten“ in der Lehre, das bedeutet ein kontinuierliches Auseinandersetzen und Aufnehmen. Wir haben heute die Bibel, Literatur, Internet, Bibellehrer. Wir können viel leichter Lehre aufnehmen und uns mit dem Wort Gottes auseinandersetzen, als die ersten Christen damals, die nur die Apostel hatten. Andererseits aber bekamen sie Lehre hautnahe durch von Gott eingesetzte Aposteln, die dazu noch Jesus persönlich erlebt hatten und kannten, vermittelt. Wir müssen heute erstmal vielfach Unsinn herausfiltern. Da kommt man oft mit „betreutem Denken“ allein nicht weiter.

3.2 Gebet und Lob Gottes 


„sie blieben im Gebet...und lobten Gott“ heißt es im Text. Paulus schreibt im 1. Timotheusbrief, dass wir vor allen anderen Dingen beten sollen.

„So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen“. (1. Tim. 2,1 Luther)

Und doch ist es wohl oft der Teil unseres geistlichen Lebens, den wir vor allen anderen Dingen wegkürzen.

3.3 Miteinander Leben teilen

Den Teil, der in unserer Textstelle aus der Apostelgeschichte mit den meisten Worten und am differenziertesten beschrieben wird, möchte ich hier unter dem Begriff „Leben teilen“ zusammenfassen.

Es ist die Rede vom Verharren in der Gemeinschaft, Brechen des Brotes, Beisammen sein, Teilen der Güter, Verharren im Tempel, Brot brechen zu Hause, Mahlzeiten mit Freude einnehmen usw.

Christliche Gemeinschaft wird hier sehr vielfältig beschrieben. Es wird deutlich: sie findet nicht nur im Gottesdienst statt, sondern auch im privaten Bereich, in den Häusern. Sie hat etwas damit zu tun, das Leben zu teilen.

Das umschließt auch den materiellen Bereich. Damals zur Zeit der ersten Christen gab es keinen Sozialstaat, keine karitativen Einrichtungen, keine Heilsarmee. Das tägliche Brot zu teilen war oft die Hilfe für die Armen. Und es gab ja viele Arme. Und viele die ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben um bei den Aposteln und Geschwistern in Jerusalem sein zu können. Heute würde man sie wohl eher dazu ermuntern, sich eine Arbeitsstelle zu suchen.

Das Brechen des Brotes ist ein besonderer Aspekt der Gemeinschaft. Wahrscheinlich ist hier nicht nur das Abendmahl gemeint, sondern wirklich das ganz normale Miteinander-Essen, wobei ersteres sicher nicht ausgeschlossen werden braucht, denn es wurde ja früher im Rahmen einer Mahlzeit miteinander gefeiert. Das fand zu Hause statt. Es ist die einfachste Form miteinander Gemeinschaft zu haben. Aus dieser Tischgemeinschaft wird hier ein Ort des Lobpreises und der Anbetung.

Wenn hier im Text von Freude die Rede ist, dann drückt dies auch aus, dass gemeinsames Feiern dazugehört. Ich finde es schön, das wir heute zusammen essen. Und ich bin froh, dass es unter uns oft Anlass gibt zu feiern und Spaß zu haben, das bringt Erfrischung in jede Gemeinschaft.

Jesus ging auf Hochzeiten und Partys und Einladungen zum Essen. Er hatte mit seinen Jüngern Spaß und Freude. Dies muss so sehr zu seinem Lebensstil gehört haben, dass er von den Pharisäern als Fresser und Weinsäufer beschimpft wurde (Mt. 11,19).
Wir dürfen miteinander nicht nur weinen, sondern auch miteinander lachen. Und ich bin froh, dass dies eine Stärke der CGF ist und ich schätze auch der JG.

4. Gemeinschaft ist das Ziel 


Wenn wir jmd. zum Glauben einladen, ihm die Tür zeigen, müssen wir auch erwähnen, was dahinter ist. Was ist das Endziel des Evangeliums? Gemeinschaft!

„Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. “ (1. Kor. 1,9 Luther)

„was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ (1. Joh. 1,3 Luther)


Gemeinschaft ist der Ursprung aus dem alles entstanden ist und Gemeinschaft ist das Endziel. Gemeinschaft zu haben ist nicht nur ein Nebenprodukt, sondern das Ziel um das es geht: Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Wir sind in die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist und miteinander berufen. Und diese Gemeinschaft findet in der Gemeinde und in den Häusern, im sakralen und im profanen Bereich des Lebens statt. In der Anbetung und im natürlichen Miteinander.


5. Gemeinschaft ist unsere Stärke 


Wir müssen uns vergegenwärtigen: Gemeinschaft ist unsere Stärke. Des Leib Christi im allgemeinen und unsere Stärke als JG und als CGF im besonderen. Gerade als kleine Gruppierungen haben wir da eine Stärke.
Wir können echt sein vor einander mit unseren Stärken und Schwächen, wir brauchen uns nicht verstellen, wir müssen den anderen nicht erst abtasten und brauchen einander nicht zu fürchten, wir dürfen wissen, dass uns der andere positiv gesonnen ist, wir dürfen wissen, dass dieselbe Liebe, die ich zum anderen habe, auch für mich empfunden wird. Wir sind nicht dauerhaft von Sympathie abhängig.
Natürlich läuft auch mal was daneben und es kracht mal, wenn der alte Adam durchkommt, aber die normale Erfahrung in einer Gemeinde ist liebevolle Gemeinschaft. Und hier haben wir etwas zu geben und brauchen uns gar nicht groß anzustrengen, wir brauchen die Menschen nur mit hineinnehmen.

Die Menschen dürfen dadurch etwas erspüren von der Liebe Gottes, von Wertschätzung und Annahme, von Frieden und Auftanken, von Oase sein.
Wir müssen nur aufpassen, dass wir vor lauter Verliebstein in den Bruder und die Schwester nicht versäumen andere Menschen  um uns herum mehr wahrzunehmen.

Die Gemeinde in Philadelphia - Bruderliebe - hatte nur eine kleine Kraft. Aber diese Kraft verändert seit 2000 Jahren die Welt.


AMEN.

Dienstag, 31. Januar 2017

Predigt von Norbert Wohlrab zum Beginn der Allianz-Gebetswoche 2017 (08.01.2017)

Christus allein - der einzige Weg


„Christus allein - der einzige Weg“ so lautet der Einstieg in die diesjährige Allianz-Gebetswoche.
Dieser Ausspruch „Christus allein“ „solus Christus“ ist ja jetzt kein Bibelzitat, sondern eine der vier Kernaussagen der reformatorischen Theologie, an denen wir uns in dieser Woche entlang beten wollen.
Und es gibt sehr viele Verse und Aussagen des NT, die man damit in Zusammenhang bringen kann und der erste Vers dazu, der einem da wohl sofort einfällt, ist auch genau derjenige aus dem Johannes-Evangelium, der für den heutigen Einstieg vorgegeben ist:

„Jesus spricht (zu ihm): Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6 Luther 2017)


Eigentlich ist damit alles gesagt. Das ist ja so eindeutig und klar formuliert. Niemand, also keiner, kommt zum Vater als nur durch Jesus.

Da braucht man nicht groß drüber diskutieren oder um den heißen Brei herumreden. Da nützt auch keine Toleranz oder irgendwelche Diplomatie etwas. Das ist das Alleinstellungsmerkmal unseres christlichen Glaubens. Das ist das für uns entscheidende Kriterium, durch das sich unser Glauben von allen anderen religiösen Angeboten unterscheidet.

Nur in mir liegt der Weg zum Vater, sagt Jesus selbst. Das ist unser Ausschlusskriterium. Das ist der Punkt, wo Juden und Muslime ein Problem haben.
Denn für die einen ist Jesus nur ein Scharlatan, ein Spinner oder Teufel oder ein Fresser und Weinsäufer und für die anderen halt nur irgendein Prophet.
Das ist der Punkt, wo andere Versuche einen Weg zu Gott ohne Jesus zu finden, keine gemeinsame Basis mit unserem christlichen Glauben bekommen können. Ohne Jesus geht nichts. Nur er ist der Weg!

Daher sagt Jesus auch am Anfang dieses Abschnitts: „Lasst Euch nicht verwirren!“ Egal, was andere sagen. „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“

„Ich bin der Weg!“ Jesus sagt nicht: „Ich kenn den Weg!“ oder „Ich zeige Euch den Weg!“ oder „Ich werde mal der Weg gewesen sein!“ Er sagt: „Ich selbst bin der Weg!“

Er sagt auch nicht: „Der Weg ist das Ziel!“ Wir kennen ja alle diese weise Aussage von Konfuzius. Und sicher, es gibt viele Bedingungen und Situationen, unter denen sie ihre Richtigkeit hat.
Wenn man z.B. mit Freunden spazieren oder wandern gehe, dann kommt es eigentlich in erster Linie nicht darauf an das Ziel zu erreichen, sondern dann ist die gemeinsame Zeit und das gemeinsame Erleben der Natur auf dem Weg und das Zusammensein viel wichtiger als das Ankommen. Eigentlich. Theoretisch. Für mich gehört dann schon immer der Gipfel auch dazu.

Ich bin ja so ein passionierter Flugverweigerer. Nicht aus irgendwelchen Gründen des Umweltschutzes, sondern ich mag´s einfach nicht. Bisher bin ich auch überall ohne Fliegen ganz gut hingekommen. Sogar nach Afrika. (An meiner ersten USA-Reise arbeite ich noch.) Aber innerhalb von Europa ist das ja sowieso kein Problem. Ich liebe es an die südlichsten Zipfel des Kontinents zu fahren. Sei es jetzt nach Gibraltar, auf die Peloponnes oder nach Apulien. Ich liebe es Tausende Kilometer mit dem Auto zu düsen und zu erleben wie sich die Landschaft, das Klima, die Kultur langsam verändert. Wenn der Asphalt kocht, die Luft flirrt, der Gestank nach Benzin usw. Einfach herrlich- Das gehört für mich einfach zum Urlaub dazu. Da ist der Weg für mich wichtig. Da ist der Weg für mich schon Urlaub. Aber das Ziel brauch ich dennoch auch noch dazu! Sonst haut es mit dem Entspannungseffekt des Urlaubs dann doch nicht so lange hin.

Und in unserem Leben ist es ja auch so. Wir brauchen Weg und Ziel. Das Leben besteht aus verschiedenen kleinen und großen Etappen, an denen wir reifen und lernen und wachsen. Schwierigkeiten und Erfolge, die uns formen und verändern, unsere Persönlichkeit gestalten. Ohne solch einen Weg würden wir ja einfach nur altern.

Und wenn wir jetzt zum Bibelvers zurück kommen, wenn Jesus also sagt, dass er der Weg ist, dann heißt es ja für uns, mit ihm und auf ihm und in ihm und durch ihn diesen Weg zu bestreiten. In ihm zu bleiben. Mit allen kleinen und großen Zielen und Herausforderungen des Weges, des Alltags.

Aber dann endet der Weg nicht einfach so mit dem Tod oder als endloser Rundweg, sondern es gibt ein Ziel: den Vater. Ich bin der Weg zum Vater. Und hier kann man die Erlösung darunter verstehen - nur durch Jesus gibt es Erlösung -, aber auch ganz lokal das verortete Ziel unseres Lebens: eine Wohnung beim Vater!

„Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten.“ (Joh. 14,2 Schlachter)

Das Ziel unseres Weges ist die Stätte, die Wohnung beim Vater. Darauf steuern wir hin. Und dahin gibt es nur den einen Weg: Jesus!

Ich möchte noch einen zweiten Aspekt von „Christus allein“ erwähnen.

„Jesus hat nur ein einziges Mal ein Opfer dargebracht, nämlich sich selbst, und dieses Opfer gilt für immer.“ (Hebr. 7,27b NGÜ)

Es war Jesus einmaliges Opfer, das uns für immer gilt. Christus allein - das immer gültige Opfer! Ich brauche nichts dazu tun, ich kann nichts dazu tun, ich darf nichts hinzufügen.

Eigentlich ist dies die Grundlage für eine entspannte und freudige Nachfolge. Er hat alles getan. Nur er - Christus allein! Und ich bin frei von allen Zwängen und Gesetzen und Müssen. Frei um aus der Gnade heraus jesusgemäß in Liebe zu leben.

„Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Mt. 11,7 Luther 2017)

sagt Jesus.

Nur leider hat es der Christenheit von Anfang an gefallen sich selbst und einander Lasten aufzulegen. Das ging los mit dem Judaismus und den Querelen um Beschneidung und Einhalten der Gebote des Alten Bundes über das dunkle Mittelalter und der Lebensverneinung des Pietismus bis hin zu geistlichem Missbrauch und sozialer Kontrolle in den Gemeinden der Gegenwart. Immer wieder hat das Gesetz neue Liebhaber gefunden.

Aber nichts davon brauchen wir. Weil Christus allein das allgültige Opfer gebracht hat.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!…Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« (Gal. 1.13b.15 Luther 2017)

Wir Gemeinden müssen aufpassen, dass wir den freien Zugang zu Jesus nicht durch unnötige Lasten verbarrikadieren oder die Freude an der Nachfolge beschweren. Wenn Christsein in einem freien Land zur Last wird, weil vielleicht die Gemeinde mich so sehr vereinnahmt oder kontrolliert, dass ich nicht mehr frei atmen kann, dann läuft etwas falsch! Hier heißt es wachsam zu sein.

Und noch auf einen dritten und letzten Aspekt des Christus allein, möchte ich kurz eingehen.

Bei der Weihnachtsfeier in der Heilsarmee hat mein Chef bei seiner Ansprache den Satz von Blaise Pascal, einem französischen Mathematiker und christlichen Philosophen. zitiert:  „Willst du Gott zum Lachen bringen, dann erzähl ihm von deinen Plänen.“ Im ersten Moment musste ich erstmal schlucken, aber dann musste ich doch schmunzeln. Denn, kennen wir das nicht alle?

Wir machen großartige Pläne und schmieden Visionen, im Privaten aber vor allem in der Gemeinde und vieles davon zerfällt im Nichts. Und auch von dem, was nicht zerfällt, ist noch lange nicht alles „Gold, Silber, Edelstein“ (1. Kor. 3,12).

Ich glaube heute mehr und mehr, dass viele unserer Gemeindeaufbaustrategien in diese Kategorie fallen. Damit meine ich nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen sollen, aber durchaus etwas entspannter sein können und uns selber nicht so wichtig zu nehmen brauchen und hin und wieder über uns selbst lachen sollten, denn die Gemeinde ist seine Gemeinde. Christus allein! Und Gott ist es, der das Gedeihen schenkt (1. Kor. 3,5).

Zurück zum Anfang: Jesus sagt, nur er ist der Weg zum Vater. Das ist radikal, exklusiv und intolerant. Aber es ist auch ein wunderbares Angebot. Das ist die gute Nachricht.

AMEN.

Samstag, 27. Februar 2016

Predigt von Hans Heidelberger (21.02.16)


Am Ende wird die Liebe in Vielen erkalten

"Und weil die Ungerechtigkeit überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten." (Mt 24,16)

Einleitung 

Wie komme ich auf dieses Thema? Schon seit Monaten bewegt mich dieses Thema. Im Zusammenhang mit der Flüchtlingssituation und der Reaktion vieler Christen wurde mir diese Bibelstelle wichtig:

"Und weil die Ungerechtigkeit überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten." (Mt 24,16)

Aber ich hab mich dann auch auf mich bezogen gefragt: Wie sieht es mit meiner eigenen Liebesfähigkeit im Moment aus? Es geht in dieses Bibelstelle ja um Menschen, die Gott kennen.

Großwetterlage: Klimawandel – auch in unserem Land: In dieser Welt erwärmt sich zwar das Klima – das emotionale Klima kühlt aber ab. Ich will jetzt nicht all die Kriege, Nöte und dieser Welt aufzählen. Ein Zeichen: Immer mehr Menschen werden gleichgültig oder noch schlimmer: Kaltherzig! Klima der Kälte macht sich immer mehr in unserer Gesellschaft breit.

In diese Situation hinein lese ich eine weitere Bibelstelle, die sich mit der „letzten Zeit“ beschäftigt: Ein Wort von Paulus:

"Lasset allen Menschen eure Freundlichkeit spüren, der Herr ist nahe." (Phil. 4,5)

Mit anderen Worten: Die Nähe des Herrn wird durch unsere Freundlichkeit erfahrbar, spürbar! Viele Chris-ten gehen auf Distanz. Es geht nicht um eine oberflächliche christliche Nettigkeit. Es geht um die Erfahrbarkeit göttlicher Liebe durch Dich und mich in dieser Welt! Es geht um unsere Liebesfähigkeit, es geht um unsere KERNKOMPETENZ! Die dürfen wir nicht verlieren!

Mit anderen Worten: Es geht um unsere „Herzensfreundlichkeit“! Nicht um oberflächliches christliches „Nett-zueinander-sein“! Neues Wort: HERZENSFREUNDLICHKEIT – die Zuwendung meines Herzens um jemand Freund zu werden! Das ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit (Stefans Tattoo: „Indifferenz“). Gleichgültigkeit ist die emotionale Reaktion eines kalten Herzens!

Keine Endzeitpredigt 

Ich will heute keine Endzeitpredigt halten im Sinne von „die Welt geht bald unter und Jesus kommt bald wieder“. Vielleicht schon eher: Vielleicht ist meine oder deine Zeit auf dieser Welt schon bald zu ende. Vielmehr will ich „am Ende“ im Licht von „nach langer Zeit, einer langen Zeitperiode“ verstehen. Liebe, die einmal brennend war steht immer in der Gefahr abzunehmen und zu erkalten!! Am Ende meines Lebens ……, Liebe zu Jesus (erste Liebe), zum Partner, zu Gemeinde, für Menschen allge-mein, für Notleidende usw. Anders ausgedrückt: Man kühlt ab (trotz Erderwärmung). Und das ist alles andere als „COOL“.

Zusammenhang zwischen dem Erleben von Ungerechtigkeit und dem Erkalten der Liebe: Kettenreaktion 

Ungerechtigkeit → Enttäuschung → Rückzug → Abkühlen meiner Liebe → kaltes/steinernes Herz
Ein Prozess der sich schleichend und oft von uns selbst kaum wahrgenommen vollzieht.

Ungerechtigkeit 

Wir erleben fortlaufend Ungerechtigkeit: Politik, Wirtschaft, Beruf, Beziehungen – dies wird sich nicht ändern.

Enttäuschung bringt Abkühlung der Herzen 

Enttäuschung. Ich suche den Schuldigen für meine Enttäuschung und finde ihn in ….
  • Gott --- Wunschtraum nicht erfüllt, den ideale Partner nicht bekommen, Schicksalsschlag, Verheißung nicht erfüllt, Krankheit, warum ist mir das passiert? Nicht beschützt, Lebenskrise, Gemeindekrise, Gott zeigt sich nicht, es läuft bei mir anders als ich es in Predigten gehört habe, z.B. Erweckung.
  • mir selbst --- ich kann mir einen Fehler nicht verzeihen, schaffe nicht, was ich mir fest vorgenommen habe, er-reiche mein Ziel nicht. Wir Christen sind Weltmeister darin, überhöhte Standards zu setzen, an denen wir immer wieder scheitern müssen. Enttäuschung ist vorprogrammiert.
  • anderen --- Erfahrung von Ungerechtigkeit, Verletzungen, Ablehnung, traumatische Erfahrungen usw. 

Abgekühlte Herzen bringen Hartherzigkeit hervor 
  • Steinernes Herz: Rückzug, Einsamkeit, Kälte, abweisend, ablehnend, Angst, Ablehnung, Verbitterung, negativ, nörgelnd, unzufrieden, egoistisch, 
  • Fleischernes Herz: Barmherzigkeit, Offenheit, Freiheit, Courage, Interesse, Zuwendung …..
Durch Abschottung meines Herzens gefriert die Liebe. Und hier steht der Zusammenhang mit Mt 14,12: Und weil die Ungerechtigkeit überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.

Die Folge: Mein Leben bleibt auf der Strecke! 

Ein „abgekühltes Herz“, der Rückgang meiner Liebesfähigkeit hat gravierende Folgen für mein Leben:
  • Meine Lebensfreude bleibt auf der Strecke: --- Das hat alles auch viel mit Lebensfreude zu tun! Dort wo die Liebe erkaltet, gefriert, dort gefriert auch das Leben! (Narnia – ewiger Winter). Auch meine Lebenskraft nimmt ab.
  • Mein Engagement bleibt auf der Strecke: --- Ich erlebe bei der überhandnehmenden Ungerechtigkeit mein eigenes Tun als zunehmend Sinn- und Nutzlos. Was ändert es schon auf dieser Welt? Viele Christen wollen sich nicht mehr mit dieser Welt auseinandersetzen. Zumindest nicht mehr so sehr. Gefühl der Ohnmacht.
  • Beziehungen bleiben auf der Strecke: --- Durch meine Enttäuschung ziehe ich mich immer mehr zurück von Gott, meinem Partner, der Ge-meinde, anderen Menschen – und werde immer einsamer! Rückzug. Man zieht sich oft in seine Traumwelt zurück. Sucht seine Heile Welt (Soaps, Traumreise, sucht den Traumpartner, die Traumwohnung, man will die Traumhochzeit, bestaunt die Traumautos, usw. oder versteckt sich im Hobbykeller, Computerzimmer, dorthin wo ich alleine bin.

Veränderungskraft

Die größte Kraft der Veränderung ist, wenn auf Ungerechtigkeit mit Liebe und nicht mit Enttäuschung, Resignation und Rückzug oder Gleichgültigkeit reagiert wird!!! Liebet Eure Feinde! 

Mich begeistert Jesus: Seine Liebesfähigkeit – bis zum Ende! Ja bei ihm hat man den Eindruck, seine Liebesfähigkeit hat sich eher gesteigert bis zu seinem Ende. Trotz „Ungerechtigkeit“ die er erfahren hat. Er zieht sich nicht enttäuscht von seinen Jüngern, Eltern zurück. Seine Offenheit, wie er Menschen begegnet, seinen Mut, wie er auftritt, furchtlos, seine innere Weite und Weisheit (hat miteinander zu tun): Er lebt liebe; wo liebe nicht gelebt wird gibt es keine Liebe.

Die Wiederbelebung meiner Liebesfähigkeit 

Mancher muss wiederbelebt werden. „Mund zu Mund Beatmung Gottes“. Seinen Geist, Atem in uns.
Erfüllung mit dem Geist Gottes – Neuerfüllung unseres Herzens mit der Liebe Gottes durch den Heiligen Geist! Durch den Heiligen Geist ist SEINE Liebe in unser Herz ausgegossen!

"Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben." (Hes 36,26)

"Ich will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun." (Hes 11, 19-20)

Umgang mit meinen Enttäuschungen 

Meine Enttäuschungen ernstnehmen – es sind ja meist enttäuschte Erwartungen 
  •  Gestehe dir ein, wo du enttäuscht bist. Schreib es dir auf. Sieh dir an ob du zurecht enttäuscht bist oder zu Unrecht (Jona); falsche ungerechtfertigte Erwartungen 
  • Sprich mit jemand darüber und bleib nicht damit alleine 
  • Bringe bewusst Gott die Steine deines Herzens: Enttäuschungen. 
  • Ich will mir vergeben und mich nicht immer wieder verdammen. Gottes Vergebung wirklich annehmen. 
  • Ich will einen anderen Menschen jetzt wirklich vergeben, wo er/sie mich verletzt haben. 
  • Ich will mich an die guten Erfahrungen erinnern und Kontakt suchen. „Vergiss´ nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Mit Jesus, mit Menschen. Denke nach, erinnere dich, denke zurück.
Entwickeln einer Willkommens-Kultur in meinem Leben 

Willkommenskultur ist ein Wort, dass uns heute oft begegnet: Ich will heute noch etwas über eine „persönliche Willkommenskultur“ sprechen, wie ich persönlich lernen kann durch und mit Jesus eine Kultur der HERZENSFREUNDLICHKEIT (Liebe, Offenheit, Annahme, Freiheit und Courage) zu entfalten anstatt einer Kultur der Abgrenzung, Engstirnigkeit, Ablehnung und Angst! Willkommenskultur bedeutet: Ich will das Du kommst! 

Grundlage dafür ist Gottes Willkommenskultur: Er will dass ich komme! Geliebt werde, immer wieder neu! So wie ich bin; 100%! Grundlage für meine Liebesfähigkeit. Hier erlebe ich Annahme, Geborgen-heit. Gottes Liebe zu mir ist nicht erkaltet! ICH BIN WILLOMMEN! Und die gute Nachricht: Gottes WILLKOMMEN hat keine OBERGRENZE! (Auch wenn die Zeugen Jehovas diese einmal einführen wollten mit den 144000). Daher kann ich mich willkommen heißen: Annehmen, offen sein für meine Bedürfnisse, und daher kann ich auch Andere in meinem Leben willkommen heißen: Auf Andere Zugehen, mein Herz ihnen gegenüber öffnen, ihnen in meinem Leben Raum geben. Mich für sie inte-ressieren. Mit anderen Worten: Sie LIEBEN! Herzensfreundlichkeit! Ich öffne mein Herz um anderen Freund zu sein.

Schluss 

So kommt meine Lebensfreude zurück, so bleibe ich nicht in meinem Rückzug, in meiner Enttäuschung sitzen. Gottes Willkommenskultur holt mich heraus (Verlorener Sohn).

Er deckt mir einen Tisch (Psalm 23). Er dient mir. So darf ich andere Menschen annehmen. Sie willkommen heißen. Ihnen einen Tisch decken, ihnen dienen.

Wer sind die Anderen? Mein Partner, meine Kinder, Nachbarn, Kollegen, Glaubensgeschwister. JA vielleicht auch Flüchtlinge. Herzensfreundlichkeit statt oberflächlicher Nettigkeit: Lass deinem Herzen Freunde finden – dadurch findet dein Herz auch wieder Freude! 


Anhang:

PERSÖNLICHER ENTTÄUSCHUNGSFRAGEBOGEN
Welche meiner Erwartungen wurden enttäuscht?


  • Wo bin ich enttäuscht von Gott? 
  • Wo bin ich enttäuscht von mir selbst? 
  • Wo bin ich enttäuscht von meinem Partner 
  • Wo bin ich enttäuscht von anderen Menschen 
  • Wo bin ich enttäuscht von Institutionen, Politik, Gemeinde usw. 
  • Wo bin ich enttäuscht von ………..?

Montag, 7. Januar 2008

Predigt von Günther Kerschbaum zur Jahreslosung 2008

Jahreslosung 2008

Johannes 14,19b:

„Ich lebe und ihr sollt auch leben“

Bevor ich mit der eigentlichen Predigt beginne, möchte ich einen Eindruck weitergeben, den ich vor einiger Zeit während eines Gottesdienstes hatte (nicht in der CGF). Ich hatte den Eindruck dass für manchen der Gottesdienst am Sonntag wie ein Urlaub vom Alltag ist. Aber wie es im Urlaub auch ist, wenn uns der Alltag wieder eingeholt hat, sind die ganzen schönen Eindrücke wieder vergessen und wir sehnen uns schon wieder nach den nächsten Urlaub, sprich Gottesdienst, anstatt das wir das, was wir an diesem Tag bekommen haben mit in den Alltag hinein nehmen. Auch das Amen, wie leicht ist es Amen zu sagen, aber meinen wir es auch so, so ganz tief im Herzen drinnen? So, das war das, was ich vor meiner Predigt unbedingt los werden wollte.

Und jetzt möchte ich zu meiner eigentlichen Predigt kommen.

Als ich im Sommer das erste Mal die neue Jahreslosung gelesen habe, dachte ich mir, wie sollst Du aus diesen wenigen Worten eine Predigt machen? Es sind ja genau genommen nur 7 Worte die Jesus zu seinen Jüngern sagt. Diese Zahl begegnet uns ja in der Bibel des öfteren, z.B. begegnet uns diese Zahl 7 schon in der Schöpfungsgeschichte und schließlich gibt es ja auch die 7 Worte die Jesus am Kreuz sprach. Die Zahl 7 ist der Begriff des Vollkommenen und genauso ist es mit dem Wort das Jesus uns mit in dieses neue Jahr gibt.

Wenn Jesus sagt : „Ich lebe und ihr sollt auch leben“, dann ist das nicht ein frommer Wunsch den wir z. B. gerne weitergeben indem wir zu anderen Leuten sagen mir geht es gut und dir soll es auch gut gehen, es aber nicht bewerkstelligen können das es den anderen gut geht. Nein, wenn Jesus solche Zusagen trifft oder Verheißungen macht, dann ist etwas Wahres daran, es wird lebendig, es ist vollkommen und es geschieht auch. Und nicht nur das, wenn Jesus uns das Leben zusagt dann gibt Er auch alles was zum Leben dazugehört. Ich meine jetzt aber nicht in erster Linie das Materielle, wie Essen, Trinken, Wohnung usw., nein, ich meine das was zum geistigen Leben gehört, das was wir uns nicht kaufen können, wieviel Geld wir auch immer zur Verfügung haben. Jesus meint damit Friede, Freude, Liebe, Vertrauen, Kraft, nicht nur die körperliche Kraft, sondern die Kraft die wir brauchen, um auch in schweren Situationen Jesus nachzufolgen, Ihm treu bleiben und ein lebendiges Zeugnis für Ihn sein zu können.

Das alles sind Eigenschaften, die, wenn wir sie auch ausleben, uns entscheidend von der Welt unterscheiden. Wenn wir unseren Nächsten z.B. so annehmen können wie er ist und nicht wie er sein soll, oder wenn wir unser Vertrauen in Gott setzen wo alles scheinbar unterzugehen droht, wo wir Entscheidungen treffen, die wir von menschlichen Verstand her nie treffen würden aber auf das Vertrauen auf Jesus hin treffen, dann ist das, das Leben was Jesus hiermit meint.

Wenn wir schon beim Vertrauen sind, denken wir doch einmal an das vergangene Jahr zurück. Wie oft ertappen wir uns dann dabei, das es besser gewesen wäre Jesus zu vertrauen als alles selber in die Hand zu nehmen. Selbstverständlich sollen wir uns nicht in den Schaukelstuhl setzen und warten bis uns die gebratenen Tauben in den Mund fallen, Gott hat uns einen Verstand gegeben den wir auch gebrauchen sollen, aber wir sollen alles unter Seiner Führung stellen. Wir sollen Korrektur zulassen, das ist das Leben was Jesus damit meint. Jesus hat sich auch immer und immer wieder jeden Tag unter die Führung seines Vaters gestellt und nach seinem Willen gefragt, Vater, was willst Du das ich tun soll und sich dann auch darauf eingelassen.

Zu diesem Leben das Jesus meint, gehört aber nicht nur Vertrauen sondern auch Freude. Was ist denn ein Leben wo ich mich über nichts und niemand mehr freuen kann? Ist das überhaupt ein lebenswertes Leben? Ich sage für mich ganz entschieden Nein. Ein Leben ohne Freude ist ein trostloses Leben das Jesus mit Sicherheit nicht meint. Aber Freude, wie schnell vergeht sie. Wie schnell sind die Geschenke die wir zu Weihnachten bekommen haben, Gegenstände die wir vielleicht im Alltag gebrauchen können und sind dankbar dafür dass wir sie bekommen haben, aber freuen wir uns darüber noch? Oder sind es Geschenke, die wir so schnell wie möglich wieder loswerden wollen und sie dann im Internet versteigern?

Die Freude die Jesus uns zu geben hat und uns auch gibt wenn wir uns auf Ihn einlassen die hält ewig an, auch in Zeiten wo es eigentlich nichts zu freuen gibt. Paulus drückt diese Freude in Philipper 4,4 ganz deutlich aus: „ Freuet euch in dem Herrn alle Wege und abermals sage ich freuet euch“. Diese Freude ist ein Teil des Lebens aus unserer Jahreslosung. Wir brauchen uns ja nicht über die Situation zu freuen in der wir sind, sondern darüber, dass Jesus uns durch diese Situation begleitet.

Als weitere Eigenschaft dieses Lebens das Jesus meint ist die Liebe. Ja das ist so eine Sache mit der Liebe. Wenn wir mit Menschen zusammenkommen die wir mögen und mit denen wir uns gut verstehen ist das ja einfach und machbar. Aber wie ist es mit den Menschen mit denen wir überhaupt nicht zurecht kommen? Mit den Arbeitskollegen die uns das Leben wahrhaftig schwer machen, oder andere Menschen, es hat doch jeder ein paar Mitmenschen die uns das Leben schwer machen. Diese Liebe, die es aushält auch solche Menschen mit der Liebe Jesu zu begegnen, beinhaltet das Leben das Jesus meint und Er ist unser großes Vorbild, denn Er hat die Menschen geliebt von denen die anderen nichts wissen wollten, die Aussätzigen die weit außerhalb jeder Wohnsiedlung ihr Leben verbringen musste, den Zöllner der wegen seine Amtes wegen gehasst wurde, die Ehebrecherin die man steinigen wollte usw. Jesus hat sie bedingungslos geliebt, nicht um ihrer Taten willen sondern um ihrer Person willen. Es hat mal eine Bekannte zu ihrem Sohn gesagt: „ ich liebe dich, aber nicht das was du tust“. Jesus liebt dich und mich, nicht um unserer Taten willen sondern um uns selbst. Das ist Leben das wir mit Jesus teilen sollen und das nur Er uns geben kann. Die Liebe, wir haben sie in den letzten Wochen hoffentlich deutlich zu spüren bekommen, deutlicher vielleicht als den Rest des Jahres, aber wie sieht sie jetzt wo die Feiertagszeit wieder vorbei ist aus? Hat sie der Mutlosigkeit, einer Verbitterung vielleicht, Wut oder einer Enttäuschung weichen müssen. Ich wünsche mir so sehr dass wir uns diese Liebe, die Jesus uns ins Herz gelegt hat, von niemand und nichts rauben lassen von keine schwierigen Umstände, von keinen Enttäuschungen, von keinen anderen wie auch immer ausschauenden Ereignis.

Dann ist da als nächstes die Kraft. Wie sollen wir ein Leben führen können ohne Kraft? Gut es geht zwar mit Hilfe anderer, aber wie eingeschränkt sind wir doch wenn wir so kraftlos dasitzen oder liegen müssen, was können wir dann noch bewirken? Nicht viel, aber Jesus ist jemand der uns kein Leben ohne Kraft geben will, sondern Er will uns ein kraftvolles Leben geben damit wir ihm dienen können. Macht euch doch einmal die Mühe und nehmt euch einmal die Zeit um in der Bibel die Stellen aufzusuchen die mit Kraft zu tun haben, eine Konkordanz leistet da eine sehr gute Hilfe. Wir brauchen aber nicht nur die körperliche Kraft um unser Leben meistern zu können, sondern und das ist noch viel wichtiger, wir brauchen auch die geistliche Kraft um Satan und seinen Versuchungen und Angriffen widerstehen zu können. Kraft um auch immer wieder weiter zu gehen, wenn wir stehen bleiben wollen, Kraft um anderen Menschen beizustehen wenn sie in Not sind besonders wenn sie in geistlicher Not sind, und es gilt sich den Kämpfen zu stellen wie Paulus es z.B. den Philippern in Philipper 6 Vers 12 zuruft: „ denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“. Wie können wir diese Kämpfe bestehen wenn wir nicht die Kraft haben, die dieses Leben das Jesus meint, beinhaltet?

Dann ist da aber noch der Friede der auch in dem Leben vorhanden ist. Es ist ein Frieden der nicht mit den herkömmlichen Waffen dieser Welt zu erreichen und zu erkämpfen ist, es ist nicht ein Friede der durch Verhandlungen erzielt werden kann und der bei geringen Verstößen gegen Verhandlungsergebnissen wieder zerbricht. Es ist auch kein Friede, der dann endet wenn wir unser irdisches Leben aushauchen. Es ist ein Friede der in die Ewigkeit hineinreicht und ewig Bestand hat. Ich habe schon einmal von mir erzählt wie ich im Krankenhaus war und ich eine Zeit hatte wo ich nicht wusste ob ich am nächsten Morgen noch einmal aufwache, aber ich will es noch einmal erzählen, weil ich denke, dass es auch Mut macht sich voll und ganz auf Jesus einzulassen auch in ausweglosen Situationen. Ich hatte damals gebetet: Herr entweder mach mich wieder gesund oder hol mich zu Dir. Ich erlebte einen Frieden den ich bis dahin nicht gekannt und erlebt hatte, und solchen Frieden erlebe ich immer wieder, wenn ich mich in Situationen wo ich nicht mehr weiter weis im vollen Vertrauen zu Jesus wende und mich Ihm voll und ganz ausliefere. Die Probleme sind dann zwar noch nicht behoben, aber ich weis Jesus ist da und mir kann nichts passieren was mir schaden könnte, Jesus wacht über mich, er liebt mich. Wenn ich an mein früheres Leben denke, dann war ich wie gelähmt wenn schwierige Situationen auf mich zu kamen, wenn z. B. die finanzielle Situation kritisch wurde und dieses Gelähmt sein hinderte mich an dem Leben das ich eigentlich leben wollte. Jetzt darf ich leben weil Jesus mir diese Zusage gegeben hat: Joh. 14,27: „Den Frieden lasse ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ und dazu steht. Ich empfehle jeden der sich mit solchen Zusagen Jesu schwer tut doch seinen eigenen Namen in diese Zusagen einzusetzen. Ich hatte einmal ein Gespräch mit jemanden der sich noch sehr schwer tat solche Zusagen für sich in Anspruch zu nehmen. Da kam mir der Gedanke, dass ja die Bibel ein Serienliebesbrief an alle, die Ihn lieben ist, so wie ein Unternehmen manchmal einen Serienbrief an ihren Stammkunden verschickt indem immer das gleiche steht nur die Adresse ist anders. Genauso ist es mit der Bibel. Gott hat uns allen das gleiche Wort gegeben, nur die Adresse ändert sich, es ist deine eigene Adresse, darum setze auch deinen Namen ein.

Das Leben das Jesus in der Jahreslosung 2008 meint, ist nicht nur auf das irdische Leben gerichtet, sondern vor allem auf das geistliche Leben, das Leben das weiter geht auch wenn unser irdischer Körper schon lange erloschen ist. Das Leben in der wir an einer nie versiegenden Quelle trinken dürfen, wo wir das Brot des Lebens essen dürfen und das Wasser des Lebens trinken dürfen, wo es keine Schwächen gibt, keine Krankheiten, keine Schmerzen geben wird, wo es keine Kriege, keine Seuchen und was sonst uns das diesseitige Leben oft so schwer macht, gibt. Das ist ein Leben, das zu erreichen für uns oberste Priorität haben sollte, wo alles andere das so zeitlich begrenzt ist in den Hintergrund rückt. Das Jesus auf das ewige Leben schaut ergibt sich aus dem was vor der Jahreslosung steht. „es ist noch eine kleine Zeit dann wird mich die Welt nicht mehr sehen“.

Es ist mit uns dasselbe. Die Welt, also unsere Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen usw. werden uns eines Tages nicht mehr sehen. Wenn wir es so betrachten dann frage ich mich und uns alle, was hat die Welt zu bieten dass wir uns oft so an manche Dinge festkrallen, dass wir unsere Hände nicht öffnen können für das was der Herr für uns hat? Was ist so begehrenswert dass wir die himmlischen Köstlichkeiten links liegen lassen und so wenig beachten und ihnen so wenig nachjagen? Ich will jetzt nicht auf Einzelheiten eingehen das würde zu weit abschweifen, aber ich möchte diese Frage uns doch mit nach Hause geben, damit wir uns diesen Fragen einmal stellen und sie ehrlich beantworten. Ich habe ja einmal eine Predigt über den 103. Psalm gehalten und dabei den Vergleich aufgeführt wie viel zeit wir z.B. für den Lobpreis zu ehren Gottes verwenden. Vielleicht weis der eine oder andere das Ergebnis noch. Warum ich diese Stelle noch einmal anführe ist, weil ich daran u.a. den Unterschied zwischen dem Leben das wir meinen und dem Leben das Jesus meint deutlich machen möchte. Für das Leben das wir meinen, investieren wir so viel und für das Leben das Jesus meint so wenig. Erkennen und begreifen wir, wie verschoben unsere Prioritäten sind? Wenn wir es erkennen, sind wir dann auch dazu bereit dieses Verhältnis von Jesus korrigieren zu lassen? Jesus hat uns zur Freiheit berufen und ich wünsche mir so sehr das niemand in diesem Raum ist der sich dieser Freiheit nicht bewusst ist. Wenn wir uns dieser Freiheit bewusst sind, dann kann die Jahreslosung in uns lebendig werden. Wenn Jesus sagt dass Er lebt und dass wir auch leben sollen, dann meint Er aber auch dass wir mit Ihm Gemeinschaft haben sollen, ja er sehnt sich sogar danach. Jesus will nicht als Automat betrachtet werden, oben werfen wir unsere Gebete ein und unten kommt das Leben heraus, bzw. das um was wir gebetet haben. Jesus will in Mittelpunkt unseres Lebens stehen, genauso wie sein Vater der Mittelpunkt, das Zentrum und die Anlaufstelle für Jesus war, genauso will Er unser Mittelpunkt sein. Er will nicht die 2. Geige in unserem Leben spielen, sondern Er will unser Dirigent sein und es ist eben der Dirigent der den Takt angibt, wir sollen unsere Instrumente spielen die wir gelernt haben wo wir die Begabung dafür bekommen haben, den Einsatz will Jesus bestimmen. Sind wir bereit dazu? Wie oft erlebe ich es in Gesprächen, dass wir immer wieder dabei sind, unsere eigenen Kräfte zu überschätzen und meinen wir können alles besser. Mir hat vor einiger Zeit jemand erzählt wie sie sich beim Herrn beschwert hat weil sie nicht so im Glauben leben kann wie sie es sich vorstellt. In der stillen Zeit bekam sie vom Herrn als Antwort: „ Du weist ja alles besser als ich“, das war für sie eine Lehre die sie bis heute nicht vergessen hat und sie hat sich Ihm untergeordnet und ist dabei, Gott ganz anders zu erleben wie sie es bis dahin getan hat.

Jesus meint aber noch eins, wenn Er sagt dass er lebt und wir auch leben sollen. Er meint dann auch Freiheit. Freiheit nicht mehr abhängig sein zu müssen von dem was die Welt vorschreibt. Natürlich sollen wir der Obrigkeit untertan sein, auf den Lehrer in der Schule hören oder den Anweisungen des Chefs folgen, aber Du hast die Freiheit auf Gott zu hören was letztendlich Er sagt. In Apostelgeschichte sagt Petrus zu den Hohenpriester man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Als ich vor meiner Krankheit ein Vorstellungs-
gespräch hatte , hatte ich eine sehr gute Chance den Arbeitsplatz zu bekommen, dann aber kam der eigentliche Haken an der Sache, das Möbelhaus, wo ich das Gespräch hatte führte 4 Messewochenenden durch, das heißt ich hätte 4 mal im Jahr an einem Sonntag arbeiten müssen. Da sagte ich dem Chef dass ich zwar Überstunden machen würde und die Samstage arbeiten würde aber nicht am Sonntag. Der Chef machte sich Notizen ohne etwas zu erwidern aber ein paar Tage später bekam ich eine Absage. Jetzt könnte man sagen, ja Ärzte und Sanitäter usw. arbeiten ja auch Sonntags. Ja, Jesus hat auch an einem Sabbat geheilt aber das war zum Wohl der Menschen und nicht um Profit zu machen, das ist der Unterschied. Das ist die Freiheit die Jesus uns mit seiner Art zu leben geben will.

Ja und da ist auch die Freiheit von der Angst darin enthalten. Vor der Angst z.B. nicht mehr versorgt zu werden wenn die weltlichen Systeme versagen und zusammenbrechen ( Arbeit, Versicherungen, Rente usw.) im AT erlebte Elia wie ihn Gott versorgte, 1.Könige 17, nachdem es Jahre nicht mehr geregnet hat. Er wurde erst durch Raben versorgt und dann durch einer Witwe der es Gott aufs Herz gelegt hat Elia zu verpflegen obwohl sie selber fast nichts mehr hatte zum Leben, oder die Witwe die zu Elisa um Hilfe schrie weil der Versorger, ihr Mann gestorben war und der Schuldherr sie in arge Bedrängnis brachte, da half ihr Gott durch Elisa, 2.Könige 4,1-7. Schauen wir ins NT. Da waren 5000 Männer versammelt um Jesus zuzuhören. Wir kennen alle diese Begebenheit. Es war Abend und es waren nur 5 Brote und 2 Fische vorhanden. Menschlich gesehen war es unmöglich die Versorgung sicher zu stellen. Und da waren ja auch noch die Frauen und die Kinder, also waren es noch viel mehr Menschen die versorgt werden mussten, denn es steht nichts in der Bibel dass die Frauen und Kinder hungern mussten und dennoch blieben 12 Körbe voll von Brocken, als sie alle gegessen hatten, übrig. Damals gab es noch keine Hilfsorganisationen die bei solchen Veranstaltungen soviel Menschen versorgt hätten. Es war alleine Jesus der sie versorgte. Ich frage uns, wenn Jesus damals Tausende von Menschen satt machen konnte, ist Er dann heute nicht auch in der Lage uns und unsere Familien zu versorgen, dass wir keinen Mangel leiden müssen? Wir brauchen also keine Angst zu haben weil Jesus heute noch derselbe ist und auch in alle Ewigkeit bleiben wird. Begib dich in diese Freiheit die diese Jahreslosung beinhaltet. Lass dich einfach bedenkenlos auf Jesus ein, ich kann das nur aus genügend eigener Erfahrung und Erlebnisse mit Ihm weitersagen.

Leben, so wie Jesus es meint beinhaltet aber auch Zufriedenheit. Was ist ein Leben ohne Unzufriedenheit? Niemals mit dem zufrieden zu sein was ich habe oder wenigstens nicht allzu oft. Von allem immer mehr, es muss alles immer schneller gehen, es muss alles immer schöner sein und natürlich muss alles immer kostbarer sein. Ich will auch hier nicht weiter auf Einzelheiten eingehen. Aber wie verkrampft, verbissen und vielleicht auch verzweifelt muss so ein Leben sein. Wenn ich nur noch arbeiten muss, mich immer mehr anstrengen muss, wenn es nicht mehr möglich mit 100% Leistung auszukommen sonder es müssen 120% und mehr sein um meine immer größer werdenden Anforderungen zu genügen, dann ist das Leben schnell vorüber ohne bleibenden Wert und es war dann nicht das Leben das Jesus in der Losung meint. Lassen wir uns auf die Zufriedenheit ein und sind für das dankbar was uns der Herr geschenkt hat für all die Gaben die Er uns gegeben hat, wie sie auch immer aussehen mögen.

Ich wünsche mir, dass wir das was wir heute gehört haben nicht nur bis heute Abend in unseren Herzen bewegen, nicht nur mit in die kommende Woche mitnehmen, sondern das es uns das ganze Jahr begleiten möge und lasst uns nach dem Leben streben das Jesus für uns vorgesehen hat.