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Sonntag, 24. Februar 2013

Predigt von Norbert Wohlrab (24.02.13)

Ströme lebendigen Wassers
 

1. Die Bedeutung des Laubhüttenfestes

Wenn man eine Predigt vorbereitet, ist es manchmal so, dass man von vornherein etwas Bestimmtes auf dem Herzen hat, dass in einem brennt und man ist sich ganz sicher, dass Gott möchte, dass man das weiter gibt. Manchmal ist es auch so, dass man ein Predigtthema vorgegeben bekommt und dann forscht, was Gott der Gemeinde darin sagen möchte. Und manchmal ist es so, dass man Gott fragt über was man predigen soll und man hört dann eine relativ klare Antwort, bekommt einen Bibelvers und denkt sich dann: „Und darüber soll ich predigen?“ So erging es mir diesmal. Ich hatte sofort einen Vers vor Augen, den ich mir selber auf keinem Fall raus gesucht hätte.

Nein, er ist nicht aus den Geschlechtsregistern, sondern wir finden ihn im Johannes-Evangelium.

„Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“ (Joh. 7, 37-39 Luther) 


Schauen wir uns zunächst mal die Situation an, in der Jesus diese Worte sprach. Es war das Laubhüttenfest. Der letzte Tag des Festes, der gleichzeitig auch der höchste, der wichtigste Tag war.

1.1 Das Erntefest

Das Laubhüttenfest (Sukkot) war das letzte von drei Wallfahrtsfesten (2. Mose 23, 14-17), an denen jeder männliche Israelit teilnehmen musste. Es war das Fest des Einsammelns der Ernte am Ende des Jahres, also der Obst- und Weinernte. Das Fest dauert eine Woche, aber nur der erste und der letzte Tag sind Feiertage.

„Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage zu den Israeliten: Am fünfzehnten Tage dieses siebenten Monats ist das Laubhüttenfest für den HERRN, sieben Tage lang. Am ersten Tage soll eine heilige Versammlung sein; keine Arbeit sollt ihr tun. Sieben Tage sollt ihr dem HERRN Feueropfer darbringen. Am achten Tage sollt ihr wieder eine heilige Versammlung halten und sollt Feueropfer dem HERRN darbringen. Es ist eine Festversammlung; keine Arbeit sollt ihr tun. Das sind die Feste des HERRN, die ihr als heilige Versammlungen ausrufen sollt, um dem HERRN Feueropfer darzubringen: Brandopfer, Speisopfer, Schlachtopfer und Trankopfer, ein jedes an seinem Tage, abgesehen von den Sabbaten des HERRN und euren andern Gaben und Gelübden und freiwilligen Gaben, die ihr dem HERRN gebt. Am fünfzehnten Tage des siebenten Monats, wenn ihr die Früchte des Landes einbringt, sollt ihr ein Fest des HERRN halten sieben Tage lang. Am ersten Tage ist Ruhetag und am achten Tage ist auch Ruhetag. Ihr sollt am ersten Tage Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmwedel und Zweige von Laubbäumen und Bachweiden und sieben Tage fröhlich sein vor dem HERRN, eurem Gott, und sollt das Fest dem HERRN halten jährlich sieben Tage lang. Das soll eine ewige Ordnung sein bei euren Nachkommen, dass sie im siebenten Monat so feiern. Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen. Wer einheimisch ist in Israel, soll in Laubhütten wohnen, dass eure Nachkommen wissen, wie ich die Israeliten habe in Hütten wohnen lassen, als ich sie aus Ägyptenland führte. Ich bin der HERR, euer Gott. Und Mose tat den Israeliten die Feste des HERRN kund.“ (3. Mose 23, 33-44 Luther) 


Während dieser sieben Tage wohnt das Volk also in Laubhütten zur Erinnerung an die Nomadenzeit während der Wüstenwanderung, es soll an die Versorgung durch Gott erinnern, an die völlige Abhängigkeit von ihm und es soll als ein fröhliches Fest vor ihrem Gott gefeiert werden.

Es gibt ja Christen die denken, fröhlich zu sein, d.h. jetzt man isst zusammen Kuchen, klopft sich fröhlich auf die Schulter und spricht sich den Segen Gottes zu. Das ist natürlich auch sehr schön, aber ich persönlich glaube ja, wenn ich mir anschaue, welche Vorgabe Gott für den Zehnten gegeben hat:

„und gib das Geld für alles, woran dein Herz Lust hat, es sei für Rinder, Schafe, Wein, starkes Getränk oder für alles, was dein Herz wünscht, und iss dort vor dem HERRN, deinem Gott, und sei fröhlich, du und dein Haus“ (5. Mose 14,26 Luther)

dass es da ganz schön feuchtfröhlich zuging und der Alkohol nicht nur in homöopathischen Dosierungen genossen wurde. Aber vielleicht steht das ja in jeder Übersetzung anders......

Und am letzten Tag des Festes gab es nun eine besondere Tradition, die sog. Schoeva-Prozession (= Wasserschöpf-Prozession).  Ein Priester zog zu dem Teich Siloah bzw. zu der Gihon-Quelle, die den Teich gespeist hat, schöpfte dort Wasser in einem goldenen Gefäss um es dann auf dem Altar in ein Gefäss zu gießen. Da dieses aber Löcher hatte, ergoss sich das ganze Wasser über den Altar.

Dieses Ritual hatte mehrere Bedeutungen:

Zum einen ist das Laubhüttenfest ja ein Erntefest. Daher weiß man sich abhängig von der Versorgung Gottes mit Wasser, dankt ihm für die Ernte und bittet ihn um ausreichend Regen für das kommende Erntejahr. Dies wird durch das überfließende Wasser verdeutlicht. Die Idee für dieses Ritual - es gibt dafür keinen biblischen Auftrag - kommt aus dem Buch Jesaja. Dort steht:

„Und mit Freuden werdet ihr Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils.“ (Jes. 12,3 Rev. Elb.)
   
Für Heil steht hier im Hebr. „Je-schua“, also eigentlich JAHWE heilt, erlöst, hilft usw.
Hier ist also bereits ein erster Bezug zu Jesus vorhanden.

Zum Besprengen mit Wasser fällt mir ein Witz ein.

Ein Jude zieht in eine sehr katholische Gegend. Jeden Freitag sind die Katholiken sehr nervös, denn während sie ihren Fisch essen, sitzt der Jude im Garten und grillt Steaks. Also machen sie sich daran, ihn zu konvertieren. Schließlich, mit Bitten und Drohungen, gelingt es ihnen. Sie brachten ihn zu einem Priester, der besprenkelte ihn mit gesegnetem Wasser und sprach: "....geboren als Jude ....aufgewachsen als Jude ....jetzt ein Katholik." Die Katholiken sind begeistert, keine verführerischen Gerüche mehr am Freitag. Aber am nächsten Freitag zieht der Grillgeruch wieder durch die Nachbarschaft. Die Katholiken rennen schnell zum Haus des Juden, um ihn an seine neue Diät zu erinnern. Sie finden ihn am Grill stehend, wo er Wasser über das Fleisch sprenkelt und sagt: "....geboren als Kuh ....aufgewachsen als Kuh ....jetzt ein Fisch." 


1.2 Wasser aus dem Felsen 

Einen weiteren Ursprung dieses Schoeva-Rituals finden wir in einer Begebenheit während der Wüstenwanderung. Das Volk Israel ist in der Wüste und hat kein Wasser mehr und begehrt gegen Mose auf. Mose ist entnervt und verzweifelt und wendet sich an Gott. Dann heißt es:

„Der HERR sprach zu ihm: Tritt hin vor das Volk und nimm einige von den Ältesten Israels mit dir und nimm deinen Stab in deine Hand, mit dem du den Nil schlugst, und geh hin. Siehe, ich will dort vor dir stehen auf dem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinke. Und Mose tat so vor den Augen der Ältesten von Israel.“ (2. Mose 17, 5.6 Luther)
An diese Begebenheit, diese hier erlebte Versorgung wird während des Rituals gedacht. Diese Begebenheit in der Wüste hat aber auch eine prophetische Dimension. Sie weist auf Jesus und das Kreuz hin.

Das Wort „Horeb“ wird wohl von dem hebräischen Wort für „Gericht“ abgeleitet. (Ganz sicher bin ich mir da nicht, ob meine Quellen da stimmen. Bei zehn jüdischen Kommentaren findet man manchmal 15 verschiedene Meinungen.) Tatsächlich wird aber der letzte Tag (Hoschanna Rabba) des Laubhüttenfestes, als ein Tag des Gerichts betrachtet, an dem die Erlösungsbedürftigkeit herausgestellt wird.

Mose schlug also auf den Felsen und es geschah wie Gott es verheißen hatte.

„Er spaltete Felsen in der Wüste und tränkte sie reichlich, wie mit Urfluten. Er ließ Bäche hervorkommen aus dem Felsen und Wasser herablaufen wie Flüsse.“ (Ps. 78, 15.16 Rev. Elb.)

Womit schlug er? Mit denselben Stab, mit den Mose den Nil geschlagen hatte. Mit denselben Stab, mit den er das Gericht über die Ägypter herabgerufen hatte. Dieser Stab ist ein Sinnbild für das Gericht Gottes.

Und wer war der Felsen? Christus! Paulus sagt:

„und alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank; denn sie tranken aus dem Leben spendenden Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus.“ (1. Kor. 10, 4 EÜ)

Der Felsen wurde am Ort des Gerichts mit dem Stab des Gerichts geschlagen. Christus wurde am Ort des Gerichts am Stab des Gerichts, am Kreuz, für uns geschlagen.
Wir haben hier also einen doppelten Hinweis auf Jesus: er ist der Fels der mit dem Gericht geschlagen wurde und er ist die Quelle des Heils, aus der geschöpft wird.

Und nun steht Jesus auf und sagt: „Wenn Ihr wirklich Durst habt nach lebendigen Wasser, nicht nur wie eure Vorväter nach physischen Bedürfnissen, wenn ihr eine Sehnsucht nach Leben habt, dann kommt zu mir und trinkt. Es wird euren Durst stillen und wird als lebendige Wasser aus Euch heraus strömen, so wie es den Altar überflutet hat.“

Die Juden sagten über ihr Laubhüttenfest, dass es ein Fest von großer Freude war. Es war laut und bunt und schrill und es wurde getanzt usw. und wer diese Freude nie erlebt hatte, wusste nicht was wahre Freude ist, trotzdem ist es nur fades Wasser im Vergleich zu dem lebendigen Wasser, das Jesus gibt.


2. Jesus gibt das Wasser des Geistes

In der Bibel ist Wasser oft ein Symbol für den Heiligen Geist. Und so auch hier: Jesus spricht von strömenden lebendigen Wasser des Geistes, das aus uns herausfließt.

Wer kommt in den Genuss dieser Verheißung? Das ist einfach. Jeder, der an Jesus glaubt, so wie die Schrift es sagt. Das AT stellt ihn vor, als den Messias, den Christus, den Erlöser. Jeder der glaubt, dass er der Christus, der für mich gesandte Erlöser ist.

Aber um an diesen Punkt zu kommen, muss ich erst mal Durst haben. Ich muss mir meiner Erlösungsbedürftigkeit bewusst sein, ich muss mich danach sehnen frei von meiner Schuld zu werden, ich muss mich danach sehnen gerechtfertigt zu werden von Gott. Ohne dies bleibt es beim intellektuellen Zustimmen - so wie ich der Wirkung eines Antibiotikums intellektuell zustimme „Ja, ich glaube, dass dieses Medikament gesund macht und diese und jene Wirkung hat“ ohne dass ich es jedoch einnehme - und wird nicht zum persönlichen Glauben.

Aber wenn ich diesen Glauben habe, dann habe ich die Verheißung, dass der Heilige Geist in mir (aus meinem Leib, aus meinem Inneren, aus meinem Bauch) zu einer überfließenden Quelle lebendigen Wassers wird.

Dr. Eckart von Hirschhausen fragt ja in seinem aktuellen Buch „Wo geht die Liebe hin, wenn sie durch den Magen durch ist?“, analog könnten wir hier fragen „Wo geht der Heilige Geist hin, wenn er aus meinem Bauch raus ist?“
Ich weiß nicht, ob Hirschhausen Antworten gibt, ich werde auf jeden Fall welche geben.

Zu dem Zeitpunkt des Auftretens Jesu auf dem Laubhüttenfest war der Heilige Geist noch nicht da. Wir leben jetzt nach Pfingsten und haben den Heiligen Geist. Wir haben ihn in Empfang genommen, haben unterschiedliche Erfahrungen der Erfüllung/Taufe/Freisetzung des Heiligen Geistes erlebt. Wir wissen also, wovon Johannes hier schreibt.

Trotzdem gibt es manchmal Differenzen zwischen unserer Erfahrung und der Verheißung Jesu. Manchmal fließt´s, manchmal strömt´s und manchmal tröpfelt´s auch nur. Woran könnte dies liegen?


 

3. Die verschiedenen Wirkungsweisen des Heiligen Geistes

Der Theologe Detmar Scheunemann differenziert vier verschiedene Dienste bzw. Wirkungsweisen des Heiligen Geistes, die ich für sehr hilfreich empfinde:
- der evangelistische Dienst: er überführt mich von Sünde, macht Jesus groß, führt mich zur Bekehrung
- der organisch-umgestaltende Dienst: er lässt die Früchte des Geistes in mir wachsen, lässt mich Christus-ähnlicher werden
- der charismatische Dienst: all die verschiedenen Geistesgaben und Kraftwirkungen (Prophetie, Heilung usw.) und
- der pädagogische Dienst: er lehrt mich durch das Wort, führt mich, tröstet mich usw.

Und ich denke diese vier Differenzierungen sind genauso auf die Ströme des Geistes anwendbar, die aus uns heraus fließen.

Wir charismatisch geprägten Christen haben oft nur die charismatische Seite des Wirkens des Heiligen Geistes im Blick oder sind zumindest etwas einseitig darauf fixiert. Wenn um uns herum oder durch uns die Kranken geheilt werden, die Prophetie fließt, die Dämonen weichen usw., dann sehen wir uns im Fluss des Heiligen Geistes. Dann bin ich da, wo der Geist Gottes ist und er strömt aus mir heraus und das Wasser fließt und alles ist bestens.

Aber wenn ich nur das charismatische Wirken im Blick habe, bin ich pneumatalogisch etwas restringiert. Dann bin ich in meiner Sicht der Dinge eingeschränkt, dann ist meine Wahrnehmung limitiert und dann ist auch meine Erwartungshaltung verkürzt.

Es könnte nämlich sein, dass der Heilige Geist gerade aus mir aktuell eher organisch-umgestaltend oder pädagogisch herausfließen möchte, weil es der Person neben mir einfach gut tut, wenn ich ihr bspw. mit Güte und Geduld begegne oder ihr einen Rat gebe. Und ich krieg es nicht mit, weil ich die falsche Brille aufgesetzt habe.


4. Hinderungsgründe für den Fluss des Geistes

Es gibt also tatsächlich Mechanismen, wie wir den Strom des Heiligen Geistes aus uns heraus behindern können.

Ich möchte Euch ein paar Strategien nennen, wie wir das möglichst „erfolgsversprechend“ schaffen könnten.

Eine habe ich schon erwähnt:
„1. Fokussiere Dich auf eine bestimmte Wirkungsweise des Heiligen Geistes und lass alles andere nicht in Dein Blickfeld!“

Im Gleichnis vom vierfachen Acker spricht Jesus davon, dass „die Sorgen des Alltags, die Verführung durch den Wohlstand und die Jagd nach den Freuden dieses Lebens“ (Lk. 8, 14 HfA) das geistliche Leben ersticken.

Auch dies ist eine sehr gute Strategie um den Strom des Heiligen Geistes abzutöten. Wir leben in einer Welt voller Freiheit und Möglichkeiten, aber auch voller Verpflichtungen und sozialer und medialer Einbindungen. Fluch und Segen liegen hier oft nah beieinander. Weniger ist hier oft mehr. „Simplify Your Life!“ ist das Schlagwort dazu.

Die erfolgsversprechende Strategie ist daher: „2. Versenke Dich in möglichst alle Anforderungen und Gelegenheiten des beruflichen, medialen und sozialen Lebens und sorge Dich stets um Deine Zukunft!“

Was kann den Fluss noch behindern? Ich habe vorhin erwähnt, dass das Laubhüttenfest ein Fest der Freude sein sollte. Und Freude hängt viel mit Freiheit zusammen. Paulus ruft uns zu:

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal. 5,1 Luther)

Obwohl die Hoch-Zeit des Pietismus mit seinen vielen Übertreibungen schon lange vorbei ist, setzen wir uns doch oft wieder selbst unter religiösen Druck oder lassen uns religiöse Erwartungen anderer aufladen. Wir haben irgendwelche Ideale, die wir erfüllen wollen; Vorbilder, denen wir nacheifern oder Prinzipien, nach denen wir zu leben trachten. Leider gibt es auch viele an sich gute christliche Bücher, die nur neuen Druck auf uns legen.

Daher lass Dir gesagt sein: Du musst gar nichts! Es ist vollbracht! Es ist vollständig erfüllt! Es ist vollendet! Es ist vollkommen vollkommen! Es gibt keine Verdammnis mehr. Gott liebt Dich, egal ob Du heute Plus- oder Minuspunkte in Deinem persönlichen Anspruchskatalog gesammelt hast.

Eine gute Verhinderungsstrategie ist daher: „3. Zweifle beständig und zuverlässig an Gottes persönlicher Liebe zu Dir und versuche Dir jeden Tag eine neue Pflicht aufzuerlegen!“

Man könnte noch ergänzen: „3a. Arbeite in mindestens so vielen gemeindlichen Gremien mit, dass es Dir schwer fällt Zeiten zur Entspannung und für Dinge, die Dir Spaß machen zu finden!“


5. Der Fluss des Geistes und seine Flussrichtung

Einen Punkt hab ich noch. Vielleicht sogar der Wichtigste. Jeder Fluss fließt immer von oben nach unten. Er entspringt irgendwo in den Bergen und fließt ins Meer.

Der Strom des Heiligen Geistes, der aus uns herausfließt, hat seinen Ursprung bei Gott und er will zu den Menschen fließen. Er ist nicht für mich bestimmt. Er ist nicht dazu da, dass ich mich gut fühle. Das ist ein wunderbarer Neben-Effekt, aber ich bin nicht das Ziel. (Es geht nicht um Individualismus und auch nicht um Gruppen-Egoismus.)

Gott ist Liebe (1. Joh. 4,8) und die Substanz dieses Stroms ist Liebe. Und diese Liebe will zu den Menschen. Dabei fließt sie heraus aus der Intimität mit Gott, aus den Zeiten der Gegenwart Gottes, der Ruhe vor Gott, der Anbetung zu den Menschen - und zwar in den verschiedensten Ausprägungen. Die Liebe will sich ausdrücken in Kraft, in Prophetie, in Heilung, aber genauso in Freundlichkeit und Güte, in Beratung und Hilfeleistung, in Dienen und Geben, in Verkündigung und Zeugnis, in Nähe und Zärtlichkeit, in Lachen und Feiern, Zuhören und gemeinsam Spaß haben....

Manchmal behindern wir den Strom des lebendigen Wassers, weil wir die Adressaten nicht im Blick haben oder weil wir sie vielleicht nur als Subjekt zur Bekehrung gesehen haben, weil wir vielleicht nicht über unsere Gemeinde- und Gottesdienstgrenzen hinaus geschaut haben.

Paulus schreibt:

„Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf.“ (Röm. 12,1 NGÜ)

Wenn wir hier aus dem Saal gehen, dann hört der Gottesdienst nicht auf, dann fängt er erst an. Unser Arbeitsplatz, unsere Nachbarschaft, unsere Familie, unsere Stadt, unsere Gesellschaft, das sind die Plätze, an die der Strom Gottes hin fließen möchte. Das sind die Plätze wo er durch uns Reich Gottes bauen und gestalten möchte.

Wir haben in unserem Hauskreis gerade eine Aktion am Laufen, wo wir reihum an einem Hauskreisabend unsere Arbeitsplätze aufsuchen - alle paar Wochen an einem anderen - um dort zu beten, dass dort Reich Gottes durch das einzelne Hauskreismitglied gebaut werden kann. Das Gottes Gegenwart dort einziehen kann und sich die Atmosphäre verändert, dass die Werte Gottes, die Gerechtigkeit des Reiches Gottes sich dort ausbreiten.


6. Zusammenfassung

Ich möchte zum Schluss noch kurz zusammenfassen:

Manchmal sind wir blind für die Ströme des lebendigen Wassers, die aus uns heraus fließen, weil wir den falschen Fokus haben, weil wir nicht wahrnehmen, dass Gott gerade ganz anders wirken möchte.

Manchmal hindert uns unser Alltag.

Manchmal blockieren wir uns selbst durch überzogene Erwartungen und manchmal vergessen wir, dass wir Gottes geliebte Kinder sind.

Und manchmal ist es einfach so, dass wir den Blick abgewendet haben von den Menschen, zu denen die Liebe Gottes eigentlich hin fließen möchte.

Wichtig ist: Gott zieht seine Liebe und den Strom seines Heiligen Geist nie zurück und wird ihn nie zurückziehen.

Wir sind für immer die Gerechtfertigten, die Heiligen, seine Söhne und Töchter.

Christus lebt in uns und will sich durch uns ausdrücken.

Wenn wir in diesem Bewusstsein leben, dann sucht sich der Strom immer wieder seinen Weg zu den Menschen.



AMEN.

Freitag, 28. Mai 2010

Predigt von Norbert Wohlrab (22.05.10)

Pfingsten 2010

Wir haben ja nicht immer an jedem hohen Feiertag auch das entsprechende Predigtthema, aber ich denke, dass es dieses Jahr wieder einmal dran ist, sich über den Heiligen Geist Gedanken zu machen .... und ihn hoffentlich auch zu erfahren.

Wenn Nicht-Juden zur Zeit der Apostelgeschichte zum ersten mal etwas vom „Heiligen Geist“ hörten, dann hatten sie da vielleicht ganz unterschiedliche Vorstellungen: die Griechen denken vielleicht, an einen gereinigten Verstand, den wahren Logos, frei von allem Natürlichen und Seelischen, ganz klar und frei; Naturvölker denken vielleicht an einen Geist, der sie im Gegensatz zu allen bösen Geistern, nicht knechtet und unterdrückt, sondern der wahre und reine Geist ist.

In jeder dieser Sichtweisen steckt ein Körnchen Wahrheit, aber doch treffen sie nicht das eigentliche Wesen des Heiligen Geistes.

Ich möchte einmal eine etwas provokante Frage stellen: „Wozu brauche ich in meinem Leben eigentlich den Heiligen Geist?“ „Würde mein Christsein nicht auch ohne Heiligen Geist ganz gut funktionieren?“ oder anders ausgedrückt „Wieviele Anteile meines Lebens als Christ sind wirklich geisterfüllt?“ Eine Frage über die es sich durchaus lohnt einmal darüber nachzudenken und dabei das eigene Leben zu reflektieren.

Lasst uns zunächst den Text in der Apostelgeschichte über das erste Pfingsten lesen:

„Schließlich kam das Pfingstfest. Auch an diesem Tags waren sie alle wieder am selben Ort versammelt. Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen,die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab. ´Wegen des Pfingstfestes` hielten sich damals fromme Juden aus aller Welt in Jerusalem auf. Als nun jenes mächtige Brausen vom Himmel einsetzte, strömten sie in Scharen zusammen. Sie waren zutiefst verwirrt, denn jeder hörte die Apostel und die, die bei ihnen waren,in seiner eigenen Sprache reden. Fassungslos riefen sie: »Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wie kommt es dann, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? Wir sind Parther, Meder und Elamiter; wir kommen aus Mesopotamien und aus Judäa, aus Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien, aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten und aus der Gegend von Zyrene in Libyen. Sogar aus Rom sind Besucher hier, sowohl solche, die von Geburt Juden sind, als auch Nichtjuden, die den jüdischen Glauben angenommen haben. Auch Kreter und Araber befinden sich unter uns. Und wir alle hören sie in unseren eigenen Sprachen von den wunderbaren Dingen reden, die Gott getan hat!« Alle waren außer sich vor Staunen. »Was hat das zu bedeuten?«, fragte einer den anderen, aber keiner hatte eine Erklärung dafür. Es gab allerdings auch einige, die sich darüber lustig machten. »Die haben zu viel süßen Wein getrunken!«, spotteten sie.“ (Apg. 2, 1-13 NGÜ)

Wir haben sicherlich schon viele Predigten über diesen Text gehört. Was gibt es da noch großartig Neues hinzuzufügen? Ich möchte unseren Fokus auf eine Aussage lenken: „Sind das nicht alles Galiläer?“

In fast jeder Nation gibt es irgendwelche Regionen, deren Bewohner nicht für voll genommen werden. Bei den Griechen waren es damals die Kreter, bei uns sind es die Ostfriesen, in Frankreich die Scht´is, in Italien vielleicht die Südtiroler, wie ich gehört habe, sind es in Kanada die Neufundländer und in Israel waren es eben die Galiläer. Die Galiläer waren verachtet und wurden gering geschätzt.

Und gerade diese nicht für voll genommenen Galiläer, diese einfachen Menschen erwählt Gott um sie mit dem Heiligen Geist zu taufen. Und hier wird wie ich meine etwas deutlich: Bei Gott ist kein Ansehen der Person! Gott schaut nicht auf unsere Herkunft, auf unseren Stand, er schaut nicht auf unseren Schulabschluss, nicht auf unser Aussehen, nicht auf unsere Leistungen im Sport, nicht auf den Durchschnitt unseres Abschlusszeugnisses, nicht darauf wie wir bei anderen ankommen....das alles spielt keine Rolle bei Gott.

Wir haben ja manchmal so Gedanken: „Oh, wenn der sich bekehren würde, der hat so viele soziale Kontakte, der kann so gut reden, der nimmt kein Blatt vor dem Mund, der wäre bestimmt ein Schlüsselfigur. Oder der ist Manager bei xy, der könnte so viel erreichen.“ Gewiss, manchmal mag es so passieren, aber meistens ist das eher ein Hinderungsgrund, ein Ausschlussgrund. In aller Regel denkt Gott so nicht.

„Seht euch doch einmal in euren eigenen Reihen um, Geschwister: Was für Leute hat Gott sich ausgesucht, als er euch berief? Es sind nicht viele Kluge und Gebildete darunter, wenn man nach menschlichen Maßstäben urteilt, nicht viele Mächtige, nicht viele von vornehmer Herkunft. Im Gegenteil: Was nach dem Urteil der Welt ungebildet ist, das hat Gott erwählt, um die Klugheit der Klugen zunichte zu machen, und was nach dem Urteil der Welt schwach ist, das hat Gott erwählt, um die Stärke der Starken zunichte zu machen. Was in dieser Welt unbedeutend und verachtet ist und was ´bei den Menschen` nichts gilt, das hat Gott erwählt, damit ans Licht kommt, wie nichtig das ist, was ´bei ihnen` etwas gilt. Denn niemand soll gegenüber Gott ´mit vermeintlichen Vorzügen` prahlen können.“ (1. Kor. 1, 26-29 NGÜ)

Gott braucht keine Supermenschen, er braucht ganz normale Leute, ganz normale Menschen so wie Dich und mich. Mit Fehlern, Ängsten und Schwächen. Und mit diesen Menschen macht er etwas - scheinbar Ungebührliches. In diese Menschen legt er seinen Geist. In diese schwachen, makelhaften, sündigen Menschen gibt er etwas von seiner Göttlichkeit hinein. Etwas vom Wesen des lebendigen Gottes, von seiner Art, von seiner Göttlichkeit, von seiner Heiligkeit, von seiner Kraft, von seiner Liebe.......ist nun in mir. Göttlichkeit vo dem einen Gott, Geist von seinem Geist. Genauso wie Gene von den Eltern an die Kinder weiter gegeben werden.

Paulus schreibt: „Ihr jedoch steht nicht mehr unter der Herrschaft eurer eigenen Natur, sondern unter der Herrschaft des Geistes, da ja, wie ich voraussetze, Gottes Geist in euch wohnt. Denn wenn jemand ´diesen Geist`, den Geist Christi, nicht hat, gehört er nicht zu Christus.“ (Röm. 8,9 NGÜ)

„Wer nicht Christi Geist in sich hat, der gehört nicht Christus.“ Und positiv ausgedrückt: da wo der Geist Gottes in einem Menschen Wohnung genommen hat, haben sich die Eigentumsverhältnisse verschoben. Dort ist jetzt das Hoheitsgebiet Gottes. Ein Außenposten Gottes. Eigentum Gottes, ja sogar mehr als ein Eigentum, dort ist jetzt ein Teil von Gott, dort ist jetzt ein Kind Gottes. „Du bist jetzt mein - mein Kind! Kein Eigentum mehr einer fremden Macht, kein Sklave des Gesetzes, sondern mein. Ich bin jetzt in Dir“!

„Denn der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch nicht zu Sklaven, sodass ihr von neuem in Angst und Furcht leben müsstet; er hat euch zu Söhnen und Töchtern gemacht, und durch ihn rufen wir, ´wenn wir beten`: »Abba, Vater!« Ja, der Geist selbst bezeugt es uns in unserem Innersten, dass wir Gottes Kinder sind.“ (Röm. 8, 15.16 NGÜ)

Und um dies festzumachen ist der Heilige Geist ein Siegel auf uns, eine Anzahlung auf die himmlische Herrlichkeit. Ein Pfand.

„er hat uns auch sein Siegel aufgedrückt ´als Bestätigung dafür, dass wir jetzt sein Eigentum sind`, und hat uns seinen Geist ins Herz gegeben als Unterpfand und Anzahlung ´für das, was er uns noch schenken will`“ (2. Kor. 1,22 NGÜ)

Damit es für alle und alle Zeiten klar ist: wir sind das Eigentum Gottes, die Kinder Gottes! Nun hat niemand mehr das Recht uns wegen unserer Sünden zu verklagen.

Niemand hat nun noch einen Grund sich zu verstecken. Da wo Gott selbst Wohnung genommen hat, ist kein Raum mehr für Geringschätzung.

Nein, mehr noch, niemand hat jetzt noch ein Recht sich zu verstecken! Das ist die andere Seite der Medaille. Denn die „Göttlichkeit“ in mir, schreit nach mehr. Sie will das Gott durch meine Existenz hier auf Erden verherrlicht wird. Sie will, dass alle sehen und erkennen, wie groß dieser Gott ist.

Jesus sagt: „So soll auch euer Licht vor den Menschen leuchten: Sie sollen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt. 5,16 NGÜ)

Der Anteil des Göttlichen in mir will, dass der Vater im Himmel gepriesen und verherrlicht wird. Und er macht es möglich,

„denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim. 1,7 NGÜ)

Mit dem Heiligen Geist habe ich alles Handwerkszeug bekommen das nötig ist, um ein Leben in Kraft und in Liebe zu führen.

Nur, manchmal vergessen wir, welche mächtige Kraft in uns wohnt. Das ging dem Timotheus wohl nicht anders. Auch er musste von Paulus wieder neu daran erinnert werden, wer in ihm wohnt und welche Wesenszüge dieser Heilige Geist hat.

Bedenklich wird es, wenn wir in dieser Grundhaltung verharren. Wenn wir uns abfinden mit einem Leben im Natürlichen, mit einem Leben ohne Zeichen und Wunder, mit einem Leben ohne geistliche Herausforderungen, mit einem Leben ohne geistlichen Schlachten. Mit einem Leben zu dem man - um auf meine Einstiegsfrage zurückzukommen - den Heiligen Geist tatsächlich dann in manchen Aspekten gar nicht benötigt. Es ist dann ein trostloses Dasein, das man nach manchen frommen Regeln und nach einem bestimmten Moralkodex lebt, aber innerlich fängt man an zu stinken. Aus Zweifel und Frustration ist eine Gleichgültigkeit geworden, die vieles an geistlichem Leben abgetötet hat. Und ich sage jetzt mal: dies haben wir alles phasenweise schon erlebt.

Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: „Wahrheit ohne Erfahrung ist immer dem Zweifel unterworfen.“

Was nützen all die Wahrheiten in der Schrift über die Kraft des Glaubens und des Gebets, wenn meine Erfahrung sie nicht bestätigen? Nichts. Sie sind allenfalls dazu nütze, dass in mir ein Zweifel genährt wird am Wort Gottes, an der Wahrheit, an Gott selbst. Und was dann übrig bleibt, ist ein Leben auf geistlicher Sparflamme. Ein geistliches Leben, dass von Enttäuschung geprägt ist. (Und nebenbei Enttäuschung ist keine gute Theologie. Wahrscheinlich ist Gott überhaupt kein Theologe - zumindest kein kritischer - und auch kein deutscher.) Und so verkommt geisterfülltes Christsein zu einem religiösen Leben.

Und dabei war der christliche Glaube nie als Religion gedacht. Er sollte nie dort weitermachen, wo sich das Judentum hinentwickelt hat. Kein Leben nach Gesetzen und Regularien, sondern ein Leben in Intimität mit Jesus, ein Leben in der Gegenwart des auferstandenen Christus - durch den Heiligen Geist.

„Er hat uns fähig gemacht, Diener des neuen Bundes zu sein – eines Bundes, der sich nicht mehr auf das schriftlich niedergelegte Gesetz gründet, sondern auf das Wirken von Gottes Geist. Denn das Gesetz bringt den Tod, aber der Geist ´Gottes` macht lebendig.“ (2. Kor. 3,6 NGÜ)

Alles was wir im NT lesen über die verschiedenen Wirkungsweisen des Heiligen Geistes und was wir selbst auch schon erlebt haben: das Heranwachsenlassen von charakterlichen Früchten in uns, das Wirken der Geistesgaben, sein Reden, sein Führen usw. geschieht alles aus der Nähe zu Jesus heraus. Aus dieser Nähe fließen Ströme des lebendigen Wassers, außerhalb werden wir abgestandene Tümpel.

Deshalb fordert Paulus auf: „Werdet voll Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn in eurem Herzen singt und spielt.“ (Eph. 5,18b.20 Rev. Elbf.)

Werdet voll Geist. Hier erwähnt Paulus explizit die Anbetung als Mittel zur Geisterfüllung. Anbetung ist kein „Warm Up“ im Gottesdienst. Anbetung ist der Hauptausdruck des gemeinschaftlichen geistlichen Lebens. Und sie dient dazu, dass der Heilige Geist Raum in mir ausfüllen kann.

Werdet voll Geist - immer wieder neu. Es ist keine einmalige Aufforderung, wie in der klassischen Pfingstlehre: einmal geistgetauft, abgehakt und fertig, sondern ein immer wieder neues Aufsaugen des Geistes Gottes.

Viele Christen haben so das Verständnis: Gott weiß, was ich brauche. Wenn es sein Wille ist, dass ich noch irgendetwas bekomme an geistlichen Segen, dann bringt er es mir. Dies halte ich für eine fatale Fehleinstellung.

Gewiss, Gott weiß was ich benötige. Das ich bspw. Erlösung brauche, deshalb hat er Jesus Christus geschickt, aber selbst hier wurde mir die Errettung nicht übergestülpt, sondern ich musste sie im Glauben ergreifen. Er weiß, was ich zum geistlichen und auch zum physischen Überleben brauche und wird es mir geben, aber er wird mich nicht zwangsernähren. Ich muss Mitwirken beim Beten und beim Bibellesen; so wie ein Bauer Mitwirken muss beim Nahrung anbauen und einnehmen, beim Säen und Ernten, Backen und Essen. Also bereits in diesen Bereichen ist mein Mitwirken von Nöten.

Wie sieht es dann erst bei geistlichen Erfahrungen und Salbungen aus? Ich werde mit Sicherheit nicht alles bekommen, nachdem ich mich ausstrecke; aber ich werde mit Sicherheit auch nichts bekommen, wenn ich mich nach nichts ausstrecke.

„Von der Zeit an, als Johannes der Täufer auftrat, bis zum heutigen Tag bricht sich das Himmelreich mit Gewalt Bahn, und Menschen versuchen mit aller Gewalt, es an sich zu reißen.“ (Mt. 11,12 NGÜ)

Gott möchte, dass wir uns fast zerreißen um bestimmte Dinge zu erhalten, das wir sie im Gebet, im Proklamieren geistlich an uns reißen, sie erobern, nicht in Würde abwarten.

Um noch mal Dietrich Bonhoeffer zu bemühen: „Auf Gott kann man doch nicht so resigniert, so maßvoll, so vernünftig warten wie auf eine Gehaltserhöhung“ (DBW 11, S. 391).

Nur wer sucht, kann finden; nur wer anklopft, dem kann geöffnet werden; und nur wer bittet, dem kann gegeben werden.

Meiner ersten Erfüllung mit dem Heiligen Geist, ging ein wochenlanges Ringen um die Wahrheit voraus: Ich weiß noch genau wie ich in Kontakt mit der charismatischen Bewegung und dadurch auch mit dem Heiligen Geist gekommen bin. Es war 1987. Kurz nach einem Kongress mit John Wimber. Es gab damals einige regionale kleinere Konferenzen im Anschluss, so auch eine in Nürnberg zum Thema Gebet für Kranke. Ich war damals noch Vollblut-Evangelikaler, da ich ja aus einer Brüdergemeinde kam. Gaby hat mich mitgeschleppt und ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Ich dachte, was soll man da schon lernen, man betet für Kranke doch genauso wie man halt betet, dass Gott einem bei der Prüfung hilft o. dgl. Was ich dann aber dort
sah, war ein Kraftwirken des Heiligen Geistes, wie ich es noch nicht kannte. Menschen ruhten im Geist, andere tanzten in Verzückung, es gab Prophetien usw. Und ich dachte, irgendwas gibt es da wohl, dass ich noch nicht kenne. Und als schriftvertrauter Mensch, studierte ich in den nächsten Wochen die Bibel, las Bücher über den Heiligen Geist, ich betete um die Erfüllung mit Heiligen Geist und wollte von Gott Klarheit wie ich das alles zu bewerten habe. Und ich kam dann zu den Punkt, wo ich die Überzeugung hatte: das ist alles o.k., das gibt es dass Gott heute so wirkt, es ist auch alles o.k. mit der Geistestaufe, aber es ist nichts was man unbedingt so erleben muss, sondern man kann sie im Glauben in Anspruch nehmen (= traditionelle evangelikale Verständnis) und entweder merkt man dabei dann etwas oder nicht. Damit war ich zufrieden, ich nahm meine Geistestaufe im Glauben in Anspruch und die ganze Angelegenheit war für mich abgehakt. Kurz darauf besuchten wir einen Freund aus meiner Brüdergemeinde, der damals in Rummelsberg wohnte und der schon immer ein verkappter Pfingstler gewesen ist. Also am Ende unseres Treffens, beteten wir zusammen und er sagte: „Norbert, ich habe den Eindruck, dass Gott Dich heute besonders segnen möchte.“ Ich kam gar nicht mehr dazu ihn blöd anzuschauen, weil mich sofort ein Strom der Kraft durchfloss und ich erlebte eine Erfüllung mit dem Heiligen Geist, wie ich es später nie mehr in der gleichen Intensität erlebt habe. Soweit zum Verständnis von im Glauben in Anspruch nehmen, dachte ich. Gott hatte mein ernsthaftes Suchen gesehen und darauf reagiert.

Ich denke, dass ich diese Erfahrung nicht gemachten hätte, wenn ich nicht intensiv darum gerungen hätte. Vielleicht hätte ich später auch noch andere Möglichkeiten gehabt. Aber ich habe eines dadurch gelernt: Gott belohnt das ehrliche Suchen und Ringen.

Eine ähnliche Erfahrung machten wir bei Gabys Heilung. Sie wurde in der Prophetie zugesprochen, aber wir mussten noch mehrere Tage darum ringen und sie proklamieren, bis sie tatsächlich in der Realität durchgebrochen ist. Dasselbe Prinzip - wenn auch hier nicht an Gott gerichtet. Das Reich Gottes wird mit Gewalt an sich gerissen. Nicht im würdevollen Abwarten - auch wenn es natürlich Zeiten des Empfangens gibt.

Egal, ob Du dich jetzt nach einem charakterlichen Durchbruch ausstrecken willst oder nach einer bestimmten Gabe oder ob Du vielleicht noch nie eine Erfüllung mit dem Heiligen Geist erlebt hast und Dich danach ausstrecken möchtest, nur im Ringen darum liegt der Weg - wie immer das für Dich im einzelnen auch aussehen mag.

Jesus Christus spricht: „Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich jetzt euch.“ (Joh. 20,21b NGÜ)

Das Werkzeug, dass wir dazu brauchen ist der Heilige Geist, und dem haben wir laut der Schrift im Überfluss.
Gestern habe ich eine Statistik gelesen, nach der 95% der Christen noch nie einen Menschen zum Glauben geführt haben.

Wenn ich ein Unternehmen habe und ein spezielles Produkt herstelle und zu dieser Herstellung wird an meine Mitarbeiter ein einzigartiges Werkzeug ausgegeben und 95% der Mitarbeiter machen mit dem Werkzeug alles mögliche, außer das Produkt herzustellen, dann gehe ich über kurz oder lang in Konkurs oder bin einfach nicht mehr konkurrenzfähig. Das ist momentan die Situation in Europa. Der christliche Glaube ist bald nicht mehr konkurrenzfähig, es sei denn die Christen besinnen sich auf ihren Auftrag und beginnen bei den Muslimen, Esoterikern, nominellen Kirchenangehörigen usw. wieder das Evangelium zu verkündigen.

Die Menschen brauchen uns. Europa braucht uns. Deutschland, Fürth braucht uns.

Pfingsten war in Israel ursprünglich ein Erntefest am Ende der Getreideernte. Beim ersten Pfingsten wurde die Gemeinde als Ernte eingebracht. Dieser Ernteprozess ist immer noch im Gange. Wir leben in Apostelgeschichte 29. Die Geschichte geht weiter. Die Ernte geht weiter. Wir sind die Arbeiter in dieser Ernte. Wir sollen säen und ernten. In der Kraft des Heiligen Geistes.

AMEN.