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Freitag, 30. November 2018

Predigt von Norbert Wohlrab (18.11.18)

Kleine Gemeinde


1. Gemeinsames von CGF und JG

„Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.“ (Offb. 3,8 Luther)


Wir CGF und die JG St. Paul haben ja so ein paar Sachen gemeinsam:

  • z.B. eine gemeinsame Historie
  • ähnliche Prägungen (evangelisch, charismatisch)
  • starke Pioniere (Frieder und Hans) die ihren Visionen gefolgt sind und andere mit begeistert haben
  • ein bisschen was von nicht Fisch noch Fleisch, die JG als Gemeinde in einer Gemeinde, die CGF als Gemeinschaft im irgendwo und
  • wir sind beide eher kleine Versammlungen mit kleiner Kraft

Das ist ja auf den ersten Blick nicht so positiv: nur eine kleine Kraft zu haben. Aber hier in dem Sendschreiben an die Gemeinde in Philadelphia ist es nicht problematisch. Die Gemeinde wird sogar belohnt, weil sie an Jesus festgehalten hat. Also Kleinsein, schwach sein, ist nicht zwingend gekoppelt mit erfolglos sein.

Im Gegenteil: im NT hat das Kleine, das Schwache, oft eine besondere Bedeutung, einen besonderen Segen, einen besonderen Zuspruch, einen besonderen Schutz (kleine Herde, kleines Bethlehem, kleines Senfkorn.…)

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.“ (2. Kor. 12,9 Luther) 


Wenn man schwach ist, ist man sich seiner Schwachheit bewusst. Man bildet sich nichts ein auf die eigene Kraft. Man lässt Gott durch sich wirken.

Wir haben noch was gemeinsam. Wir sind sowas wie Durchlauferhitzer oder Katalysatoren oder Brandbeschleuniger. Wir haben vielen Menschen zum Durchstarten verholfen.
In unseren Alphakursen oder Glaubenskursen oder Jugendkreisen oder sonstigen Gruppen haben einige zum Glauben gefunden, oder sind zumindest auf ihrem Weg mit Jesus große Schritte vorwärtsgekommen und dann - nach kurzem oder längerem Gastspiel - haben sie sich anderen Gemeinden, attraktiveren Gemeinden oder größeren Gemeinden angeschlossen. Manche sogar evangelischen Kirchgemeinden.

Früher hat mich sowas echt frustriert. Ich war enttäuscht, ärgerlich, zornig, resigniert, ratlos. Hey. Wir. Wollen. Auch. Wachsen. Heute ist mir das ziemlich egal. Glaub ich zumindest. (Wir machen halt einfach keine Alphakurse mehr.)

Wichtig ist doch, dass jmd. überhaupt irgendwo eine geistliche Heimat gefunden hat. Es geht ja nicht um mich oder um uns, sondern um das Reich Gottes, nicht um mein Reich oder unser Reich. Wir bauen ja für Gott und nicht für uns, nicht zu unserer Ehre.

Ich schaue heute auch nicht mehr neidisch auf die dynamischen großen Gemeinden in der Region. Im Gegenteil. Ich habe nämlich gemerkt, dass dort auch nicht alles Gold ist was glänzt.

Beim Gespräch mit einer leitenden Mitarbeiterin einer bekannten großen dynamischen Nürnberger Gemeinde wurde mir schnell deutlich, dass dort von den Mitarbeitern sehr viel abverlangt wird an Zeit und Energie. So gut wie jeder Abend in der Woche wird mit Gemeindeterminen und -diensten gefüllt.
Und ich dachte mir, irgendwie machen die doch die gleichen Fehler, die wir oder zumindest viele von uns auch gemacht haben, als wir in den 20er/30er-Lebensjahren waren. Das ganze Leben neben Job und Familie wurde in die Gemeinde investiert. Man lebt in einer Gemeindeblase, in einer Dienstblase und lebt doch oft am eigentlichen Leben vorbei.

Versteht mich nicht falsch. Ich rede jetzt nicht gegen Gemeindeengagement. Aber wenn das Leben nur noch aus irgendwelchen Diensten besteht, dann läuft was verkehrt, dann lebt man am Leben vorbei.

Es ist nicht ganz vergleichbar. Aber Jesus hat in den drei Jahren seines Wirkens keinen Tempeldienst als Levit gemacht, keinen Priesterdienst und war auch kein Mitarbeiter in einer Synagoge. Er hat durch sein Leben Reich Gottes gebaut. In Gesprächen und Begegnungen im Alltag. Auf Wanderschaft. Beim Feiern. Im Gespräch mit Menschen.

Nachfolge reduziert sich ja nicht nur auf die Mitarbeit in der Gemeinde.

Und zum anderen habe ich gemerkt, im Vergleich zu den großen Gemeinde: Hey, small is beautiful. Klein ist sexy. Weil klein einfach mehr Nähe bedeutet. Es ist persönlicher, intimer, authentischer, echter, ehrlicher. Es ist einfacher Gemeinschaft zu leben.
Nicht, dass das in großen Gemeinden nicht auch möglich wäre. In Zellen oder Hausgruppen. Aber in kleinen Gemeinschaften ist es einfacher.


2. Gemeinschaft

Denn darum geht es: um Gemeinschaft.

Im hohenpriesterlichen Gebet betet Jesus:

„Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“ (Joh. 17, 20-23 Luther)


Jesus betet nicht dafür, dass seine Nachfolger Erfolg in ihrem Dienst haben, dass auch wirklich alle Toten auferstehen und alle Kranken geheilt werden;
er betet nicht dafür, dass sie die richtigen Gemeindeaufbauprinzipien erkennen und anwenden, nein, er betet für etwas viel einfacheres und doch ganz Besonderes:
er betet für Einheit und Qualität in ihren Beziehungen, er betet dafür dass sie eins sind, so wie Jesus mit dem Vater eins ist.

Gott ist Einheit. Gott ist „3 in eins.“ Gott existiert in permanenter Gemeinschaft. Gott existiert als Vater, Sohn und Heiliger Geist als ewige Gemeinschaft in Einheit. Gottes Wesen ist Gemeinschaft.

Deshalb hat Gott auch den Menschen als Gemeinschaftswesen angelegt. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei (1. Mose 2,18). Der Mensch soll Gott ähnlich sein, als Mann und Frau (1. Mose 1,27). Ein einzelnes Wesen entspricht nicht dem Bild von Einheit in Gemeinschaft. Von Anfang an war der Mensch auf Gemeinschaft ausgelegt.

Gemeinschaft ist kein Abfallprodukt eines göttlichen Brainstormings, sondern Gemeinschaft ist Gottes Geschenk an die Menschen, Gottes Plan für den Menschen, so wie es seinem Wesen entspricht, wie es ihm selbst entspricht.

Das Problem ist nur, um echte, tiefe, authentische Gemeinschaft leben zu können, braucht es den Heiligen Geist. Die Qualität unserer menschlichen Gemeinschaft ist abhängig von der Gemeinschaft mit Gott. Ob wir mit ihm im Einklang leben. Ob er in uns lebt.

Durch das Ausgießen des Heiligen Geistes an Pfingsten wurde menschliche Gemeinschaft nach dem Bild Gottes wieder möglich. Dadurch wurde das Gebet Jesu erhört. Es ist Einheit entstanden.

Schauen wir uns einmal zusammen an, wie diese erste Gemeinschaft der sogenannten Urgemeinde sich ausgedrückt hat.

„Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“ (Apg. 2, 42 - 47 Luther)

Mehr als 3000 Menschen kamen durch die Pfingstpredigt des Petrus zu Jesus - und sie kamen zueinander. Sie hatten den Heiligen Geist und sie wurden durch den Geist zueinander hingezogen. Niemand hat sie dazu aufgefordert. Es war ein innerer Antrieb gewirkt durch den Geist Gottes.

Sie teilten ihr Leben miteinander – im religiösen Bereich (Tempel) und im privaten Bereich (Häusern). Der Heilige Geist wirkte eine Sehnsucht zueinander und ließ eine große Familie entstehen. Sie waren ein Herz und eine Seele heißt es an einer anderen Stelle (Apg. 4,32).

Hier sind Beziehungen entstanden. Gemeinschaft. Gemeinsames, geteiltes Leben.

Man darf sich dabei aber jetzt nicht so auf diese Verse des materiellen Teilens fokussieren. Sie werden ja manchmal als Idealform christlicher Gemeinschaft verstanden mit der Aufforderung dies entsprechend zu kopieren.
Es ist aber nirgends zu lesen ist, dass diese Art des gemeinschaftlichen Lebens für alle Zeiten und alle Orte genauso zu gelten hat. Ja, es steht nicht einmal da, das viele Menschen zum Glauben gefunden haben, weil sie von dieser Art des Lebens überzeugt waren, sondern es heißt ganz einfach, dass der Herr sie hinzugetan hat.

Zumal diese Form des christlichen Prä-Kommunismus nicht sehr nachhaltig war. Ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einem Verantwortlichen einer deutschen Freikirche und er hat mir dann erzählt, dass in den letzten beiden Jahren mehrere Millionen in dem Haushalt nachgeschossen werden mussten. Finanziert durch Immobilienverkäufe. Aber - so sagt er - man kann das Tafelsilber halt nur einmal verkaufen.
Das war wohl auch das Problem in Jerusalem. Irgendwann war alles verkauft und Paulus musste für die Gemeinde in Jerusalem sammeln lassen.

Diese Verse in der Apostelgeschichte sind zunächst erst einmal eine Beschreibung des Zusammenlebens der Urgemeinde, wie es der Heilige Geist gewirkt hat (und z.T. sicherlich auch auf menschlichem Enthusiasmus und einer Naherwartung der Wiederkunft Christi zurückzuführen sind). Ich denke, wenn wir wissen wollen, wie wir als Christen zusammen leben sollen, dann finden wir in den Briefen des Paulus viele allgemeingültigere Aussagen.
Trotzdem lassen sich aus diesem eine Text wichtige Fundamente christlicher Gemeinschaft herauslesen.


3. Die Fundamente christlicher Gemeinschaft

3.1 Lehre


Nicht aus Zufall wird hier gleich am Beginn dieses Textes das Verharren, das Beständigsein in der Lehre aufgezählt.
Lehre ist wichtig, denn nur so ist geistliches Wachstum möglich. Manche Probleme fangen ja auch erst nach der Bekehrung an, wir müssen wissen, wie darauf zu reagieren ist, man muss sich mit Fragen des praktischen Lebens auseinandersetzen und nach dem Willen Gottes suchen in Gebieten, wo man vorher vielleicht gedankenlos darauf los gesündigt hat.

Die ersten Christen „verharrten“ in der Lehre, das bedeutet ein kontinuierliches Auseinandersetzen und Aufnehmen. Wir haben heute die Bibel, Literatur, Internet, Bibellehrer. Wir können viel leichter Lehre aufnehmen und uns mit dem Wort Gottes auseinandersetzen, als die ersten Christen damals, die nur die Apostel hatten. Andererseits aber bekamen sie Lehre hautnahe durch von Gott eingesetzte Aposteln, die dazu noch Jesus persönlich erlebt hatten und kannten, vermittelt. Wir müssen heute erstmal vielfach Unsinn herausfiltern. Da kommt man oft mit „betreutem Denken“ allein nicht weiter.

3.2 Gebet und Lob Gottes 


„sie blieben im Gebet...und lobten Gott“ heißt es im Text. Paulus schreibt im 1. Timotheusbrief, dass wir vor allen anderen Dingen beten sollen.

„So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen“. (1. Tim. 2,1 Luther)

Und doch ist es wohl oft der Teil unseres geistlichen Lebens, den wir vor allen anderen Dingen wegkürzen.

3.3 Miteinander Leben teilen

Den Teil, der in unserer Textstelle aus der Apostelgeschichte mit den meisten Worten und am differenziertesten beschrieben wird, möchte ich hier unter dem Begriff „Leben teilen“ zusammenfassen.

Es ist die Rede vom Verharren in der Gemeinschaft, Brechen des Brotes, Beisammen sein, Teilen der Güter, Verharren im Tempel, Brot brechen zu Hause, Mahlzeiten mit Freude einnehmen usw.

Christliche Gemeinschaft wird hier sehr vielfältig beschrieben. Es wird deutlich: sie findet nicht nur im Gottesdienst statt, sondern auch im privaten Bereich, in den Häusern. Sie hat etwas damit zu tun, das Leben zu teilen.

Das umschließt auch den materiellen Bereich. Damals zur Zeit der ersten Christen gab es keinen Sozialstaat, keine karitativen Einrichtungen, keine Heilsarmee. Das tägliche Brot zu teilen war oft die Hilfe für die Armen. Und es gab ja viele Arme. Und viele die ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben um bei den Aposteln und Geschwistern in Jerusalem sein zu können. Heute würde man sie wohl eher dazu ermuntern, sich eine Arbeitsstelle zu suchen.

Das Brechen des Brotes ist ein besonderer Aspekt der Gemeinschaft. Wahrscheinlich ist hier nicht nur das Abendmahl gemeint, sondern wirklich das ganz normale Miteinander-Essen, wobei ersteres sicher nicht ausgeschlossen werden braucht, denn es wurde ja früher im Rahmen einer Mahlzeit miteinander gefeiert. Das fand zu Hause statt. Es ist die einfachste Form miteinander Gemeinschaft zu haben. Aus dieser Tischgemeinschaft wird hier ein Ort des Lobpreises und der Anbetung.

Wenn hier im Text von Freude die Rede ist, dann drückt dies auch aus, dass gemeinsames Feiern dazugehört. Ich finde es schön, das wir heute zusammen essen. Und ich bin froh, dass es unter uns oft Anlass gibt zu feiern und Spaß zu haben, das bringt Erfrischung in jede Gemeinschaft.

Jesus ging auf Hochzeiten und Partys und Einladungen zum Essen. Er hatte mit seinen Jüngern Spaß und Freude. Dies muss so sehr zu seinem Lebensstil gehört haben, dass er von den Pharisäern als Fresser und Weinsäufer beschimpft wurde (Mt. 11,19).
Wir dürfen miteinander nicht nur weinen, sondern auch miteinander lachen. Und ich bin froh, dass dies eine Stärke der CGF ist und ich schätze auch der JG.

4. Gemeinschaft ist das Ziel 


Wenn wir jmd. zum Glauben einladen, ihm die Tür zeigen, müssen wir auch erwähnen, was dahinter ist. Was ist das Endziel des Evangeliums? Gemeinschaft!

„Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. “ (1. Kor. 1,9 Luther)

„was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ (1. Joh. 1,3 Luther)


Gemeinschaft ist der Ursprung aus dem alles entstanden ist und Gemeinschaft ist das Endziel. Gemeinschaft zu haben ist nicht nur ein Nebenprodukt, sondern das Ziel um das es geht: Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Wir sind in die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist und miteinander berufen. Und diese Gemeinschaft findet in der Gemeinde und in den Häusern, im sakralen und im profanen Bereich des Lebens statt. In der Anbetung und im natürlichen Miteinander.


5. Gemeinschaft ist unsere Stärke 


Wir müssen uns vergegenwärtigen: Gemeinschaft ist unsere Stärke. Des Leib Christi im allgemeinen und unsere Stärke als JG und als CGF im besonderen. Gerade als kleine Gruppierungen haben wir da eine Stärke.
Wir können echt sein vor einander mit unseren Stärken und Schwächen, wir brauchen uns nicht verstellen, wir müssen den anderen nicht erst abtasten und brauchen einander nicht zu fürchten, wir dürfen wissen, dass uns der andere positiv gesonnen ist, wir dürfen wissen, dass dieselbe Liebe, die ich zum anderen habe, auch für mich empfunden wird. Wir sind nicht dauerhaft von Sympathie abhängig.
Natürlich läuft auch mal was daneben und es kracht mal, wenn der alte Adam durchkommt, aber die normale Erfahrung in einer Gemeinde ist liebevolle Gemeinschaft. Und hier haben wir etwas zu geben und brauchen uns gar nicht groß anzustrengen, wir brauchen die Menschen nur mit hineinnehmen.

Die Menschen dürfen dadurch etwas erspüren von der Liebe Gottes, von Wertschätzung und Annahme, von Frieden und Auftanken, von Oase sein.
Wir müssen nur aufpassen, dass wir vor lauter Verliebstein in den Bruder und die Schwester nicht versäumen andere Menschen  um uns herum mehr wahrzunehmen.

Die Gemeinde in Philadelphia - Bruderliebe - hatte nur eine kleine Kraft. Aber diese Kraft verändert seit 2000 Jahren die Welt.


AMEN.

Dienstag, 27. Januar 2015

Predigt von Norbert Wohlrab zur Jahreslosung 2015 (25.01.2015)

Jahreslosung 2015


Heute wollen wir uns gemeinsam mal ein paar Gedanken zur Jahreslosung 2015 machen.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Röm 15,7, Luther)

Eigentlich eine klare und verständliche Aussage: „Einander annehmen!“ Das ist schnell verstanden, leicht gesagt und doch oft schwer getan. Aber bevor wir anfangen unser Leben im Licht dieses Verses zu bespiegeln, wollen wir erst mal verstehen um was es Paulus hier eigentlich geht.

Der Vers stammt aus dem Brief an die Christen in Rom. Rom war eine Millionenstadt. Ein Schmelztiegel an Kulturen und religiösen Kulten. Menschen von ganz unterschiedlicher Herkunft lebten dort zusammen. Freie und Sklaven. Die gleiche ethnisch-kulturelle Vielfalt fand man auch in der christlichen Gemeinde. Nach dem für einige Jahre die Juden aus Rom vertrieben waren, waren sie mittlerweile wieder ansässig und so bestand die Gemeinde aus Heidenchristen und Judenchristen, die wahrscheinlich die Minderheit bildeten. Paulus kannte die Gemeinde noch nicht persönlich, aber er kannte einige ihrer Mitglieder, die er auf seinen Missionsreisen kennengelernt hat und teilweise sogar selbst nach Rom geschickt hatte.

Paulus legt in diesem Brief das Evangelium der Gnade dar, er spricht über die Befreiung von Sünde und Gesetz, erklärt die Bedeutung Israels im Heilsplan Gottes und geht zum Abschluss auf die Probleme im Miteinander zwischen den jüdischen und heidnischen Gläubigen und die drohende Spaltung ein.

Welches sind die Probleme?

Zunächst erinnert er sie noch einmal an verschiedene Grundprinzipien des christlichen Lebens und Zusammenlebens:

Stellt euer Leben Gott zur Verfügung! Das ist der wahre Gottesdienst! (Röm, 12,1)
Ihr seid ein Leib in Christus! (12,5)
Seid herzlich in der Bruderliebe! (12,10) Seid gleich gesinnt! (12,16)
Seid einander nur schuldig Euch zu lieben, so lebt Ihr nach dem Wesen des Gesetzes! (12,8)
Denkt daran, dass Jesus bald wieder kommt! Lebt entsprechend dem Wesen Jesu! (13,11-14)

Das waren so ein paar der allgemeinen Aussagen. Und dann kommt er auf ihren Konflikt zu sprechen. Letztlich geht es auch hier um den in vielen Gemeinden immer wieder auftretenden Konflikt zwischen Judenchristen und Heidenchristen über den richtigen heiligen Lebensstil in den Fragen des Essens und der Feiertage.

„Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf, doch nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen! Einer glaubt, er dürfe alles essen; der Schwache aber isst Gemüse. (Kraut, Luther 1545) Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst! Denn Gott hat ihn aufgenommen. Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten. Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt! Wer den Tag beachtet, beachtet ihn dem Herrn. Und wer isst, isst dem Herrn, denn er sagt Gott Dank; und wer nicht isst, isst dem Herrn nicht und sagt Gott Dank. Denn keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst. Denn sei es auch, dass wir leben, wir leben dem Herrn; und sei es, dass wir sterben, wir sterben dem Herrn. Und sei es nun, dass wir leben, sei es auch, dass wir sterben, wir sind des Herrn.“ (Röm. 14, 1- 8 Rev. Elb.)

Es ging um doch so scheinbar banale Fragen nach dem, was man essen und trinken darf und welcher Feiertag zu halten sei.  Die jüdisch geprägten Christen hatten da ganz andere Vorstellungen, als die aus dem heidnischen Lager. Für die einen musste das Essen koscher sein gemäß den jüdischen Speisevorschriften und Schweinefleisch ging natürlich gar nicht, die anderen hatten dagegen Probleme mit dem Götzenopferfleisch vom Wochenmarkt. Wiederum andere - die Starken - wussten, dass sie frei waren von jeglichen Gesetz und Götzen, und hatten überhaupt kein schlechtes Gewissen. Die konnten fröhlich sowohl Schweinefleisch, als auch Götzenopferfleisch essen.

Genauso beim Sabbat, die einen glaubten unbedingt den Sabbat halten zu müssen, die anderen gar keinen Feiertag.

Für die Konfliktparteien waren es keine banalen Fragen, für sie ging es um ihre innerste Überzeugung, um ihre theologische Erkenntnis, exklusiv mit ihrer Ansicht und dem diesbezüglichenLebensstil Gott zu ehren. Die anderen dagegen waren falsch gewickelt. Und deshalb hat jeder den anderen abgelehnt und gerichtet, das Gewissen des anderen gerichtet, die Freiheit des anderen gerichtet.

Und Paulus sagt ihnen dann: Leute, hört auf einander zu richten! Verachtet einander nicht! Das ist nicht Eure Aufgabe und dazu habt Ihr ohnehin kein Recht, weil Ihr nicht der Chef, der Herr des anderen seid! Jeder soll in diesen Fragen die Freiheit haben nach seinem Gewissen zu handeln. Schaut vielmehr darauf, dass Ihr einander keinen Anstoss gebt.

„Lasst uns nun nicht mehr einander richten, sondern haltet vielmehr das für recht, dem Bruder keinen Anstoß oder kein Ärgernis zu geben! Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an sich unrein ist; nur dem, der etwas als gemein ansieht, dem ist es unrein. Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr nach der Liebe. “ (Röm. 14, 13 - 15a Rev. Elb.)

Für Gott ist zwar alles rein, aber wenn der jüdische Bruder keine Schweinefleisch essen kann, dann verzichtet man in seiner Gegenwart darauf und wenn der heidnische Bruder, kein Götzenopferfleisch essen kann, dann verzichtet man in seiner Gegenwart darauf, denn

„…das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm. 14,17 Rev. Elb.)

Nach diesem Maßstab sollen sie leben. Und die Starken sollen dabei die Schwachen tragen.

„Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen.“ (Röm. 15,1 Rev. Elb.)
Die Starken waren die, die die christliche Freiheit im vollen Umfang erkannt haben. Die Schwachen diejenigen, deren Gewissen ihnen nicht alle Freiheiten ließ. Und wer stark ist, der ist dann auch in der Lage aus seiner Freiheit heraus freiwillig verzichten.

„Es ist gut, kein Fleisch zu essen noch Wein zu trinken noch etwas zu tun, woran dein Bruder sich stößt…Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung!“ (Röm. 14,21+15,2 Rev. Elb.)

Und am Ende dieser Erklärungen steht dann jetzt endlich der Vers der Jahreslosung als eine Art Fazit:

„Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit!“ (Röm. 15,7 Rev. Elb.)

Und Ihr habt gemerkt, der Vers klingt jetzt in der Elberfelderübersetzung ein bisschen anders. Hier heißt es nämlich aufnehmen. Wie aufnehmen? Wie jetzt? Geht es nicht um gegenseitige Annahme?

Das gr. Verb „proslambánō“ lässt sich zwar mit beidem übersetzen, aber ich bevorzuge das praktische „aufnehmen“ der Elberfelder-Übersetzung, weil damit deutlich wird, worum es eigentlich geht.
Es geht eben nicht nur um tolerieren, den anderen zu ertragen ohne ihn gleich zu erschlagen, sondern es geht um die ganzheitliche Aufnahme in die Gemeinschaft, in die Tischgemeinschaft, in den Kreis der verschiedenen Hausgemeinden und Gruppen, in die Abendmahlsgemeinschaft, in das gemeinschaftliche Essen und Feiern. Annehmen ist nur ein kleiner Teil davon. Aufnehmen ist ein viel intensiverer und intimerer Ausdruck von geschwisterlicher Liebe.

Genauso wie Christus Euch, wie er uns in seine Gemeinschaft aufgenommen hat. Christus akzeptiert uns nicht einfach als Sünder, sondern er nimmt uns auf in seine heilende, gerechtmachende und befreiende Gemeinschaft.

In der English Standard Version heißt dieser Vers so schön:

„welcome one another as Christ has welcomed you, for the glory of God.“

Und Christus hat uns nicht ins Nichts aufgenommen, sondern in „Gottes Herrlichkeit!“

Es geht hier meiner Meinung nach nämlich nicht darum, dass der richtige Umgang mit dem Bruder, das An- und Aufnehmen des Andersartigen zum Lob Gottes dient, obwohl das sicherlich nicht falsch ist, im Gegenteil das ist Ausdruck eines gottgefälligen Lebensstil, aber ich denke nicht das, was Paulus hier ausdrücken will.
Sondern es geht darum, dass Christus uns bereits zur Herrlichkeit Gottes oder zur Ehre Gottes oder zum Glanz Gottes (gr. „doxa“) aufgenommen hat.

Dieser Vers steht im Gegensatz zur Aussage vom Beginn des Briefes, wo Paulus darstellt:

„denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes“, (Röm. 3,23 Rev. Elb.)
Kein Mensch ist zur Herrlichkeit Gottes gelangt hat, aber jetzt durch Christus sind wir aufgenommen zur Herrlichkeit Gottes, d.h. durch das perfekte Opfer Christi treten wir ein in seine Herrlichkeit und sein Glanz kommt auf uns.

Es ist noch nicht so physisch wahrnehmbar, wie bei der Verklärung Jesu (Mt. 17), als sein Angesicht glänzte oder bei Mose in der Stifthütte, als sein Gesicht die Herrlichkeit Gottes widerspiegelte (2. Mo. 34,35), aber trotzdem schon durch unser Leben spürbar, wenn Jesus Christus in uns lebt und sein Wesen in uns Gestalt annimmt.

Nach diesen jetzt eher theologischen Abhandlungen, stellt sich wieder mal die Frage, was hat dieser Vers mit uns im Jahre 2015 zu tun?

Wer sind heute die Schwachen? Wer sind heute die Konfliktparteien im Leib Christi? Was gibt es heute noch für Überzeugungen, für die Christen über Leichen gehen?

Wir leben hier in der CGF ja auf einer Insel der Glückseligen. Wir sind stark im Glauben und genießen viele Freiheiten, Wir haben vieles schon hinter uns. Wir sind so homogen, dass es vielleicht schon kontraproduktiv ist. Aber wenn ich im Internet mal so in verschiedenen Foren schaue, dann erschreck ich immer wieder wie viele unreife, engstirnige, besserwisserische und gesetzliche Christen da unterwegs sind, deren Hauptanliegen es zu sein scheint, andere zu belehren. Viele Kämpfe, die ich schon für ausgestorben hielt, werden da kultiviert.

Charismatiker gegen Evangelikale, Evangelikale gegen Liberale, Lutherische gegen Katholiken, Glaubenstäufer gegen Kindertäufer, militante Vegetarier/Veganer gegen Fleischesser, Konsumverweigerer gegen Konsumierer, TV-Verweigerer gegen TV-Glotzer, Gepiercte gegen Nicht-Gepiercte, Tätowierte gegen Nicht-Tätowierte, Radikalpazifisten gegen Berufssoldaten, Gesangbuchsänger gegen Lobpreisrocker, Weihnachtsverweigerer gegen Weihnachtszelebrierer, Abstinenzler gegen Alkoholtrinker, Gemeindebauer gegen Schäfchenklauer, Folie gegen Beamer…..oder Deutsch-Nationalisten gegen Ausländerfreundliche.

Das „Erschreckende“: Jesus hat alle an seinen Tisch geladen! Unglaublich. Er hat sie nicht nur angenommen, er hat sie aufgenommen in seine Gemeinschaft. Leute, mit denen wir normalerweise nichts zu tun hätten. Wir würden einfach getrennte Wege gehen. Solche Leute sind Teil seiner Gemeinschaft. Haben Teil an der Herrlichkeit Gottes. Solche Leute sollen auch wir aufnehmen, annehmen.

Gemeinde Jesu ist bunt. Sie ist vielfältig. Und war es schon immer: Arme und Reiche, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Juden und Araber, Europäer und Afrikaner, Deutsche und Türken, Frauen und Männer, Popfans und Chorsänger, nüchterne und emotionale, zurückhaltende und extrovertierte, spontane und besonnene Menschen…..

Gemeinde Jesu fordert uns heraus. Diese Vielfalt fordert uns heraus. Wie sonst sollten wir lieben lernen, Demut einüben, sich selbst verleugnen? In einer Interessengruppe, wo jeder auf der gleichen Welle liegt, braucht man sich nicht bemühen.

Die Jahreslosung soll für uns ein Ansporn, eine Erinnerung sein, die unangenehmen Geschwister in unsere Gemeinschaft, an unseren Tisch, an meinen Tisch zu holen. Sie willkommen zu heißen, so wie Jesus uns willkommen geheißen hat.

„Vater mach uns eins, dass die Welt erkennt, er hat den Sohn gesandt!“ (Liedtext)
AMEN.

Montag, 11. Juni 2012

Predigt von Norbert Wohlrab (10.06.2012)

Die Heiligung des Sabbats und seine Bedeutung für Christen


1. Einleitung

„Schabbat schalom, schabbat schalom. schabbat, schabbat, schabbat schalom.“ So lautet ein jüdisches Lied mit dem der Schabbat eingeleitet wird.

Wir leben heute in einer Zeit, in der sich die Christenheit wieder mehr ihrer jüdischen Wurzeln bewusst wird und ganz neu oder manchmal sogar erstmals die Bedeutung verschiedener Passagen der Bibel erkennt. Gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr bei allem positiven Interesse am Judentum die Unterschiede zwischen dem Alten Bund und dem Neuen Bund zu verwässern und den Blick abzuwenden von der Einmaligkeit des Erlösungswerks Jesu Christi. Daher war es uns bspw. wichtig bei dem Passah-Abend, den wir vor kurzem gefeiert haben, nicht nur die jüdischen Traditionen kennenzulernen, sondern auch die christozentrische Bedeutung des Passah-Festes zu erfassen.

Heute möchte ich über das Gebot der Sabbat-Heiligung sprechen und darüber, was es für uns für eine Bedeutung haben kann.


2. Das Sabbat-Gebot im AT

Lesen wir zunächst die relevanten Schriftstellen aus dem AT. Bei der Gesetzgebung am Sinai sprach Gott zum Volk Israel zunächst:

„Und Gott redete alle diese Worte und sprach: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe“ (2. Mose 20, 1 Rev. Elb.)

Dann gibt er die einzelnen Ausführungen. Und im - nach jüdischer Zählweise vierten Gebot - heißt es dann:

„Denke an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun, aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore wohnt. Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tag; darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“ (2. Mose 20, 8-11 Rev. Elb.)

An anderer Stelle heißt es:

„Sechs Tage soll man seine Arbeit verrichten, aber den siebten Tag sollt ihr heilig halten, er sei euch ein ganz feierlicher Sabbat für den HERRN. Jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet, muss getötet werden. Ihr dürft am Sabbattag in all euren Wohnsitzen kein Feuer anzünden. (2. Mose 35, 2.3 Rev. Elb.)

Ganz schön harte Worte: jeder, der arbeitet muss getötet werden. Da wäre der Saal heute leer bzw. Fürth wäre ziemlich entvölkert. Und eine weitere Stelle:

„Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Die Feste des HERRN, die ihr als heilige Versammlungen ausrufen sollt, meine Feste sind diese: Sechs Tage soll man Arbeit tun; aber am siebten Tag ist ein ganz feierlicher Sabbat, eine heilige Versammlung. Keinerlei Arbeit dürft ihr tun; es ist ein Sabbat für den HERRN in all euren Wohnsitzen.“ (3. Mose 23, 2.3 Rev. Elb.)
Eine heilige Versammlung soll stattfinden! Und eine letzte Stelle:

„Beachte den Sabbattag, um ihn heilig zu halten, so wie der HERR, dein Gott, es dir geboten hat! Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun; aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und all dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore wohnt, damit dein Sklave und deine Sklavin ruhen wie du. Und denke daran, dass du Sklave warst im Land Ägypten und dass der HERR, dein Gott, dich mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm von dort herausgeführt hat! Darum hat der HERR, dein Gott, dir geboten, den Sabbattag zu feiern.“ (5. Mose 5, 12-15 Rev. Elb.“

Also nicht einmal das Vieh durfte arbeiten am Sabbat, so ernst war es Gott mit diesem Gebot.
Was wird daraus deutlich? Warum sollte das Volk Israel den Sabbat heiligen?
Es sind drei Gründe, die hier deutlich werden:

1. Gott ruhte am siebten Tag, deshalb ist der Sabbat ein heiliger Tag
2. Der Sabbat ist ein Gedenktag für die Befreiung Israels aus Ägypten und
3. Der Sabbat ist ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und Israel.

„Haltet nur ja meine Sabbate! Denn sie sind ein Zeichen zwischen mir und euch für all eure Generationen, damit man erkenne, dass ich, der HERR, es bin, der euch heiligt.“ (2. Mose 31, 13 Rev. Elb.)

Der Sabbat soll verdeutlichen, dass Israel das auserwählte Volk Gottes ist. Das Volk, welches Gott sich geheiligt hat. Deshalb legt er auch ganz strenge Vorschriften fest, damit Israel diesen Tag ernst nimmt und einhält.

Es darf bspw. kein Feuer angezündet werden. Damit kann auch die Hausfrau den Sabbat einhalten kann. Jegliches Essen muss entweder vor Beginn des Sabbats fertig sein oder es wird bis zum Ende des Sabbats auf kleiner Flamme warm gehalten. Denn die schlauen Juden hatten natürlich einen Dreh gefunden, wie sie damit am Sabbat doch noch zu einem warmen Essen kommen konnten (es heißt ja nur, dass man kein Feuer anzünden darf!).

Heute gibt es entsprechende Regelungen für den Umgang mit Elektrizität: man darf sie nicht einschalten, aber sie darf durchlaufen. In Hotels gibt es dann bspw. Aufzüge, die vor Beginn des Sabbats auf Dauerbetrieb gestellt werden und während des Sabbats in jedem Stockwerk halten. Schwierig ist es mit Verbrennungsmotoren. Hier gibt es noch keinen Trick. Deutsche Automobilhersteller sollen daher ein Auto entwickeln, dass von den Hirnströmen gesteuert wird, denn das Hirn ist ja auch ständig „unter Strom“.

Ich weiß jetzt nicht, ob das alles so im Sinne Gottes war oder ist. Gott war es auf jeden Fall ernst mit dem Sabbat. Sogar die Knechte, die Sklaven und das Vieh sollten ihn halten. Ihn heiligen! Im ganzen Land sollte deutlich werden, wer der Gott Israels ist. Er soll geehrt werden! Gott der Erlöser, Gott der Befreier soll geehrt werden.

Aber auch Gott als Schöpfer soll geehrt werden! Sabbat heißt auf deutsch Ruhetag. Gott ruhte am siebten Tag und deshalb soll am Sabbat alle Arbeit ruhen. Der Mensch soll ruhen, innehalten, zur Ruhe in Gott kommen.

All die jüdischen und pharisäischen Vorschriften (z.B. Spazierengehen (bis 900 Meter) aber nicht Wandern, nichts Tragen, sich die Schnürsenkel binden aber keine zwei Schleifen machen usw.), die im Lauf der Zeit entstanden sind und regelten, was am Sabbat getan werden darf und was nicht und letztlich zum Selbstzweck mutiert sind und damit zur Last geworden sind, hätten doch eigentlich Hilfe sein sollen, dass der Mensch zur Ruhe kommen kann, frei werden von den werktäglichen Lasten und Mühen.

Jesus sagt: „Denn das Joch, das ich auferlege, drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht.“ (Mt. 11,30 NGÜ)

Er wollte den Menschen keine unnötigen Lasten auflegen, wie die Pharisäer es getan haben.

Die Frage ist: Was hat das Gebot den Sabbat zu heiligen mit uns zu tun? Hat es überhaupt etwas mit uns zu tun? Sind wir Juden? Nein!
Wurden wir oder unsere Vorfahren aus Ägypten befreit? Nein!
Leben wir in Israel? Nein!
Sind wir israelitische Knechte, Sklaven oder Ochsen? Nein!
Warum sollte das Gebot der Heiligung des Sabbats dann für uns irgendeine Bedeutung haben? Können wir es auf den Sonntag anwenden?


3. Die Bedeutung des Gesetzes

3.1. Frei vom Gesetz des Alten Bundes

Ich möchte darauf verschiedene Antworten geben. Zunächst die heilsgeschichtliche Antwort. Das Sabbat-Gebot hat für uns als Christen überhaupt keine Bedeutung und es hat auch niemals eine Bedeutung gehabt.

Das Sabbat-Gebot ist wie alle anderen Gebote auch Teil des Gesetzes. Und das Gesetz - es umfasst 613 Gebote inkl. der zehn Hauptgebote wurde nur dem Volk Israel gegeben. Darauf waren sie auch besonders stolz.

„Und wo gibt es eine große Nation, die so gerechte Ordnungen und Rechtsbestimmungen hätte wie dieses ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege?“ (5. Mo. 4,8 Rev. Elb.)

„Nun gut, du kannst von dir sagen, dass du ein Jude bist. Du fühlst dich sicher, weil du das Gesetz hast, und bist stolz darauf, den wahren Gott zu kennen.“ (Röm. 2,17 NGÜ)

Das Gesetz war also - in der Form, wie es uns im AT vorliegt - nie für die nicht-jüdische Welt gedacht. Es war ein Vertag mit Israel.

Aber selbst wenn es für uns gegolten hätte, hätte es doch seinen Endpunkt, seine Erfüllung in Christus gefunden.

„Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.“ (Röm. 10,4 Rev. Elb.)

„Nun aber sind wir vom Gesetz frei geworden“ (Röm. 7,6a Luther)

Also die erste Antwort lautet: Das Sabbat-Gebot ist Teil des Gesetzes und hat daher keinerlei Bedeutung für uns Christen. Wir können also ganz entspannt oder ganz gestresst zwischen Freitagabend und Samstagabend (ich rede ja immer noch vom Sabbat!) arbeiten, wandern, einkaufen, Strom an- und ausschalten oder was auch immer wir sonst tun wollen.

3.2 Frei zum Gesetz des Neuen Bundes

Ja aber, Moment: Hat Jesus nicht auch was zum Sabbat gesagt? Und Luther? Warum denn dann überhaupt die Auslegung der Zehn Gebote?

Es gibt hier wirklich viel Verwirrung durch manchmal falschen Gebrauch von Bibelstellen.
Zunächst zu Jesus. Er hat tatsächlich etwas zum Sabbat gesagt.

„Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.“ (Mk. 2, 27.28 Rev. Elb.)

Dies sagte Jesus in einer Auseinandersetzung mit den Pharisäern. Die Pharisäer hatten nämlich rund 1500 Gebote aufgestellt, was man am Sabbat tun darf und was nicht.
Die Jünger hatten, weil sie Hunger hatten ein paar Ähren gepflückt und die Körner gegessen. Dadurch hatten sie nach pharisäischen Verständnis geerntet (Ausraufen der Ähren = Ernten), gedroschen (Trennen der Spreu vom Korn = Dreschen), geworfelt (in die Hände pusten = Worfeln) und vermutlich auch eingelagert (Schlucken der Körner = Einlagern).

Jesus verdeutlichte den Pharisäern, dass es nicht der Sinn des Sabbats ist, menschliche Vorschriften einzuhalten, sondern eine Zeit der Ruhe und Besinnung in Gott zu haben. Er hat damit das Sabbat-Gebot nicht aufgelöst, sondern den originalen Zweck herausgestellt. Gleichzeitig hat er verdeutlicht, dass er ebenfalls ein Definitionsrecht beansprucht.
Es ist keinesfalls eine Aufforderung am Sabbat zu tun und zu lassen, was man will.

Aber auch diese Auseinandersetzung war vom Juden Jesus mit anderen Juden (Pharisäern). Sie hat also ihren Platz innerhalb des Bundes mit Israel. Was aber können wir Heidenchristen aus dem NT über den Sabbat lernen?

Noch mal zur Wiederholung: alle 613 Gebotes des AT waren ausschließlich für Israel und sind in Jesus erfüllt und beendet worden. Dies wurde in der Kirchengeschichte oft übersehen und wird oft noch übersehen.

Luther hat u.a. deshalb das Gesetz gepredigt, damit Sündenerkenntnis entsteht und der Mensch sich seiner Erlösungsbedürftigkeit bewusst wird:

„dass es die Erbsünde mit den Früchten und allem offenbare und dem Menschen zeige, wie gar tief seine Natur gefallen und grundlos verderbt ist …“

Er befand sich ja in einer volkskirchlichen Situation mit nomineller Kirchenzugehörigkeit von Geburt an. In einer verrohten Gesellschaft mussten die Menschen erstmal erkennen, dass sie vor Gott schuldig geworden sind.

Wir leben in einem neuen Bund. Wir sind erlöst aus Gnade. Durch Glauben. Aber auch dieser neue Bund hat seine Gesetze. Nur bewirken sie keine Erlösung, sie sind aber trotzdem vorhanden.

Wie heißt es im Missionsbefehl?

„Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt. 28,20b NGÜ)

und

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh. 14,15 NGÜ)

Jesus Christus hat uns eine Vielzahl an Geboten gegeben, nach denen wir unser Leben gestalten sollen! Ich hab sie jetzt nicht systematisch erfasst - meines Wissens gibt es überhaupt noch keine systematische Erfassung - , aber es sind über 100 Anweisungen, die uns gegeben sind.

Und Johannes schreibt dazu: „seine Gebote sind nicht schwer.“ (1. Joh. 5,3b Luther)

Paulus bezeichnet sie als das „Gesetz des Christus“ (Gal. 6,2 Rev. Elb.).

„Helft einander, eure Lasten zu tragen! Auf diese Weise werdet hr das Gesetz erfüllen, das Christus uns gegeben hat.“ (Gal. 6,2 NGÜ)

Das klingt wirklich nicht schwer.
Verwirrung entsteht, weil manche der Gebote, die Jesus uns gegeben hat, auch schon im Alten Bund vorhanden waren. Jesus hat ja bspw. das Verbot des Ehebruchs genommen und weiter ausgeführt und dargestellt, dass der Ehebruch bereits im Kopf stattfindet oder dargestellt, dass derjenige, der seinem Bruder zürnt eigentlich schon gemordet hat usw.

Der messianische Jude und Theologe Dr. Arnold Fruchtenbaum erklärt dazu in seinem Buch „Gesetz und Gesetzlichkeit“, das wir in der Bibel verschiedene heilsgeschichtliche Epochen (Bündnisse) finden (z.B. den abrahamitischen Bund, den Bund der Landverheißung usw.) und in diesen Epochen gibt es auch unterschiedliche Kodexe (Verhaltensrichtlinien, -kataloge, Vertragsrichtlinien, Gesetzessammlung), so z.B. den Eden-Kodex, den adamitischen, den nohaitischen, den mosaischen und den christlichen Kodex.

Jeder Kodex enthält z.T. die gleichen Gebote wie im vorherigen Kodex und z.T. auch neue Gebote. Im Garten Eden bspw. durften die Menschen nicht vom Baum der Erkenntnis essen, das spielte für die Menschen danach keine Rolle mehr, da sie ja nicht mehr im Paradies lebten und keinen Zugang mehr zu den Bäumen im Garten Eden hatten.

Oder ein weiteres Beispiel: Adam und Eva durften nur samentragendes Kraut und Obst essen, die Menschen nach der Sintflut durften alles essen was sich regt, jedoch ohne Blut. Im mosaischen Gesetz wurde das Ganze dann noch viel weiter in ausführliche Speisevorschriften ausdifferenziert.

Ich habe meinen Führerschein in Deutschland erworben und hier in Deutschland fahre ich nach der deutschen Straßenverkehrsordnung. Wenn ich jetzt nach England ziehe, kann ich zwar noch meine Fahrerlaubnis verwenden, ich muss auch immer noch an roten Ampeln halten und darf bei grünen Ampeln fahren, aber ich muss auf der linken Straßenseite fahren. Die englische Straßenverkehrsordnung ist in manchen Punkten gleich und in manchen Punkten unterschiedlich. Aber für mich gilt in England nicht mehr die deutsche, auch nicht die deutsche und die englische, sondern ausschließlich die englische Straßenverkehrsordnung.

Daher gelten für mich also heute nicht ein paar Gebote aus dem Alten Bund (z.B. die zehn Gebote, Zehnten geben, sexuelle Reinheit vor der Ehe, Sabbatgebot) und andere nicht (z.B. kein Schweinefleisch essen, keine Muscheln essen, seinen Bart nicht schneiden, keine unterschiedlichen Stoffe anziehen), sondern es gelten nur die Gebote des Neuen Bundes.

Paulus sagt denen, die sich beschneiden lassen wollten, um so das Gesetz zu erfüllen:

„Ich weise jeden, der sich beschneiden lassen will, noch einmal mit allem Nachdruck darauf hin: Mit seiner Beschneidung verpflichtet er sich, das ganze Gesetz zu befolgen.“ (Gal. 5,3 NGÜ)

Wie absurd dies wäre, wird z.B. in dem folgenden sehr spöttischen und bibelkritischen Brief an eine US-Radiomoderatorin deutlich. Ich lese nur ein paar Auszüge:

Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Exodus 21:7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für sie?

Ich weiß, dass ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev. 15:19-24). Das Problem ist, wie kann ich das wissen? Ich hab versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.

Lev. 25:44 stellt fest, dass ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe. Einer meiner Freun- de meint, das würde auf Mexikaner zutreffen, aber nicht auf Kanadier. Können sie das klären? Warum darf ich keine Kanadier besitzen?

Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Exodus 35:2 stellt deut- lich fest, dass er getötet werden muss. Allerdings: Bin ich moralisch verpflichtet ihn eigenhändig zu töten?

Ich weiß aus Lev. 11:16-8, dass das Berühren der Haut eines toten Schweines mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fußball spielen, wenn ich dabei Hand- schuhe trage?

Wir sind heute frei vom Gesetz des Alten Bundes und frei dazu nach den Geboten Jesu, den Geboten des Neuen Bundes zu leben. Nicht um eine formal-juristische Pflichten zu erfüllen, sondern aus Liebe zu Jesus und zu den Menschen. Dabei ist der Heilige Geist in uns unser Motor, denn im Neuen Bund ist uns das Gesetz in unser Herz geschrieben (Jer. 31,33).


4. Die Bedeutung des Sabbats für uns als Christen

Da Jesus aber trotzdem in einem jüdischen Kontext gelebt und gelehrt hat, lassen sich manche seiner Anweisungen nicht in einem heidnischen Kontext anwenden oder zumindest nicht so einfach übertragen (z.B. Wie oft werden wir gezwungen jmd. eine Meile zu begleiten?) oder es haben sich neue Sachverhalte ergeben, zu denen Jesus sich nie direkt geäußert hatte (z.B. der Umgang mit Götzen-opferfleisch).
Deshalb hat er die Apostel mit etwas Besonderem ausgestattet. Mit dem Recht zu „Binden“ und zu „Lösen“ (Mt. 16,19). Das hat jetzt nichts mit dem Lösen irgendwelcher dämonischen Bindungen zu tun, sondern sie durften für die Gemeinde festlegen, was verboten ist und was erlaubt ist. Dies wurde im heidenchristlichen Kontext dann auch des öfteren benötigt.

Zurück zur Ausgangsfrage. Was sagt Jesus zum Sabbat? Außer der bereits erwähnten Bibelstelle in der Kontroverse mit den Pharisäern sagt Jesus nichts. Jesus wiederholt alle der zehn Gebote des Alten Bundes, aber nicht das Sabbat-Gebot. Müssen wir jetzt Sonntags wieder arbeiten?

Unsere Hoffnung ist nun Paulus. Er ist der Apostel der Heiden. Er war von Jesus beauftragt uns das Evangelium zu bringen und zu erklären. Paulus, was sagst Du?

„Niemand soll euch also Vorhaltungen machen wegen dem, was ihr esst oder trinkt oder was ihr an den Festen, am Neumondstag oder am Sabbat tut.“ (Kol. 2,16 NGÜ)

Wie jetzt? - Und weiter:

„Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt!“ (Röm. 14,5 Rev. Elb.)

Mit anderen Worten: Gott gibt uns durch Paulus die absolute Freiheit, ob wir den Sabbat oder einen anderen Tag (also Sonntag) als Ruhetag feiern - oder nicht. Auch der Apostel-konzil (Apg. 15) hat dazu keine Vorgaben gemacht. Da ging´s um Unzucht und um Götzendienst und um Blutwurst, aber kein Wort zum Sabbat.

Warum war das so? Ich denke, es könnte vier Gründe haben:

1. Die Christen in Israel hatten keine Probleme den Sabbat zu feiern - und haben dies auch getan - da der Sabbat ja bereits ein Feiertag war. Außerhalb Israels war dies nicht der Fall. Der Sabbat war Werktag. Sie hätten gar nicht die Möglichkeit einen Ruhetag einzulegen. Kein Herr hätte es geduldet, wenn seine Knechte und Mägde, seine Sklaven regelmäßig für einen Tag der Woche die Arbeit eingestellt hätten. (Der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe für alle hat sich übrigens erst im 6. Jahrhundert durchgesetzt. Für die Stadtbevölkerung gab es ihn im römischen Reich ab dem 4. Jahrhundert. Zuvor gab es verschiedene religiöse Feiertage.)

2. Während im alten Bund zumindest ein Tag der Woche ganz Gott gehören sollte, also für Gott geheiligt war, gehört ja jetzt alles Gott. Das ganze Leben soll für Gott geheiligt sein (Röm. 12,1), nicht nur ein spezieller Tag.

3. Viele der Gebote die aus dem Alten Bund von Jesus und den Aposteln übernommen wurden, sind ethisch-moralische Richtlinien. Die kultisch-zeremoniellen Gebote wurden nicht
übernommen. In diese Kategorie könnte man auch das Sabbat-Gebot einordnen.

4. Der Sabbat hatte heilsgeschichtlich für die Heidenchristen nicht dieselbe Bedeutung wir für die Juden bzgl. der Befreiung aus Ägypten. Es gab also zumindest in dieser Hinsicht keinerlei Veranlassung ihn überhaupt einzuführen. Zum Gedenken an das Erlösungswerk Christi gab es das Abendmahl als regelmäßige Feier.


5. Die christliche Versammlung am Sonntag

Und dies wurde auch regelmäßig getan:

„Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um Brot zu brechen“ (Apg. 20,7 Rev. Elb.)

Bereits nach kurzer Zeit haben die Christen angefangen sich regelmäßig am ersten Tag der Woche (also am Sonntag) zu treffen um Abendmahl zu feiern, Gemeinschaft zu haben, Gottesdienst zu feiern. Sie wurden von keinem der Apostel dazu aufgefordert. Nirgends findet sich eine Bibelstelle, die dies anordnet, aber es war auch nie strittig, es wurde auch nirgends widerrufen. Es scheint, als ob der Heilige Geist dies eigenständig initiiert hat und es sich sehr schnell überall durchgesetzt hat.

Wie wurde es begründet? Ich habe eingangs erwähnt, dass die Sabbatfeier bei den Juden mit der Schöpfung und mit der Errettung begründet wird. Auch hier finden wir wieder diese beiden Elemente: Christus ist am Sonntag auferstanden. Er ist die erste neue Schöpfung. Und sein Erlösungswerk wird im Abendmahl gefeiert. Also wieder Schöpfung und Erlösung. Ja, in Christus fällt sogar beides zusammen.

Justin der Märtyrer schreibt im Jahr 165 n. Chr in seiner ersten Apologie (Verteidigungsschrift):

„An dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht....Am Sonntage aber halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil er der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis und des Urstoffes die Welt schuf und weil Jesus Christus, unser Erlöser, an diesem Tage von den Toten auferstanden ist.“

Die ersten Christen blieben beständig in dieser Gemeinschaft, sie hielten hartnäckig daran fest, sie ließen nicht nach (Apg. 2,42). Es zog sie zueinander und zur gemeinsamen Feier des Gottesdienstes. Sie hatten keinen Sabbat, keinen freien Sonntag, sie hatten keinen wöchentlichen Ruhetag, aber sie hatten die gemeinsame Gottesdienst-Feier, die sie nicht missen wollten.

Es findet sich nur eine einzige Bibelstelle im NT, in der die Christen ermahnt werden zum Gottesdienst zu kommen.

„Lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!“ (Hebr. 10, 24.25 NGÜ)

Dies wird m. M. deshalb nur einmal im NT erwähnt, weil es damals noch kein Problem dargestellt hat. Die Christen wollten sich versammeln! Sich nicht „um Christus“ und „zu einander“ zu versammeln, wäre für sie so gewesen, als wenn sie den Glauben verleugnet hätten.

Es spielt dabei keine Rolle, ob sich die Gemeinde am Freitag, Samstag oder Sonntag versammelt. Wichtig ist, dass sie sich versammelt und man dieser Versammlung nicht fern bleibt!


6. Schluss

Wir haben heute den Vorzug - ähnlich wie Israel den Sabbat - den Sonntag als arbeitsfreien Tag zu genießen. Für die religiösen Juden ist der Sabbat nicht einfach ein arbeitsfreier Tag, sondern ein Tag des Besinnens auf Gott, des Nachsinnens über seinem Wort, des Studierens und des Eintretens in seine Gegenwart. Sie haben bestimmte Rituale und Zusammenkünfte, mit denen sie ihn am Freitagabend einleiten (begrüßen), am Samstagvormittag feiern und abends wieder verabschieden. Dies waren Hilfsmittel um ihn ganz Gott zu widmen - die aber auch schnell erstarren konnten.

Solche Rituale kennen wir nicht. Wir sind absolut frei den Sonntag zu feiern, wie wir wollen. Dabei ist es sicherlich gut und richtig aus der Schöpfungsgeschichte einen Ruhetag für uns und alle Menschen abzuleiten.

Aber, wir sind frei! Du bist frei am Sonntag zu kochen - zu lernen - zu arbeiten - zu lesen - zu entspannen - zu schlafen - zu reden - Zeit mit der Familie, mit Freunden zu verbringen - Sport zu machen usw...Ganz so, wie Du es vor Gott in Dankbarkeit machen möchtest. Niemand darf Dich richten.

Aber wovor wir gewarnt werden, ist den Gottesdienst zu versäumen. Ihn brauchen wir als gemeinschaftliches Erleben. Gesellige Zeit mit Freunden oder der Familie kann hier kein Ersatz sein. Gemeinschaft fängt da an, wo wir uns um Jesus versammeln.
Gottesdienst ist Teilhabe aneinander, Teilhabe am Leib. Ihn besuche ich nicht wie eine Kino- oder Theatervorstellung. Wenn uns der Sonntag als arbeitsfreier Tag daran hindert gemeinsam Gottesdienst zu feiern und stattdessen anderes zu pflegen, dann hat das „Arbeitsfreie“ seinen Sinn verfehlt.

Die Märtyrer Saturnius, Dativus und ihre Gefährten haben sich im Jahr 304 nicht hinrichten lassen, weil sie am Sonntag nicht arbeiten wollten, sondern weil sie von den Gottesdienstfeiern nicht absehen wollten.

Wir müssen nicht unser Leben riskieren, sondern dürfen gefahrlos daran festhalten.



AMEN.

Freitag, 17. Februar 2012

Predigt von Norbert Wohlrab (12.02.12)

Gemeinschaft braucht Eigeninitiative


1. Einleitung

Ich möchte heute mal mit einem Zitat beginnen - vielleicht habe ich es auch irgendwann schon mal in einem anderen Zusammenhang erwähnt, aber ich finde es nach wie vor sehr bedeutsam:

„Eine Gemeinschaft lebt nur, wenn sie selbst aktiv ist. Wenn sie sich nur betreuen lässt, stirbt sie.“

Diese Aussage, die so viel Wahrheit enthält, stammt weder aus der Bibel, noch von weisen Menschen wie Sokrates, Plato oder Einstein. Nein, sie stammt von einem FDP-Politiker (den Namen habe ich mir leider nicht notiert) aus einer Debatte zum Haushalt der Stadt Fürth aus dem Jahre 2010 (oder 2011?).

Ihr kennt ja alle das Infoblatt der Stadt Fürth und da sind manchmal Reden aus den Ratssitzungen abgedruckt und so bin ich einmal zufällig über diese Aussage gestolpert, die mir sehr gut gefällt. Ich weiß nicht, ob er es irgendwo geguttenbergt hat - auf jeden Fall ist es eine unheimlich tiefgründige Aussage: „Eine Gemeinschaft lebt nur, wenn sie selbst aktiv ist. Wenn sie sich nur betreuen lässt, stirbt sie.“

Das Erschreckende an dieser Aussage ist, dass sie eigentlich für alle oder zumindest viele Bereiche des sozialen Lebens anwendbar ist. So gilt sie bspw. im Wirtschaftsleben: eine Firma kann sich nur weiter entwickeln, wenn immer wieder neue Ideen entwickelt werden, neue Innovationen und Initiativen entstehen, neue Wege gegangen werden, sonst kann sie im Konkurrenzkampf nicht mithalten, sonst wird sie den Anforderungen von sich veränderten Märkten nicht gerecht. Wenn ein Versandhandel bspw. ignoriert, dass mittlerweile ein Großteil der Geschäfte über das Internet abgeschlossen werden, ist er nicht länger konkurrenzfähig. Wenn eine Firma keine Plattform für Innovation und Kreativität bietet, wird sie sich nicht weiter entwickeln.

Sie gilt aber genauso für die politische Gemeinde und sie gilt genauso für Verbände und Vereine. Ohne Initiative von Einzelnen oder von Gruppen erstarrt das Leben, gibt es keine Entwicklung. Ohne das Einbringen neuer Ideen entsteht kein neues Leben, keine Vielfalt; wenn nur versucht wird den status quo zu verwalten, wird das Leben erstickt.

Sie gilt genauso für die Ehe, für Partnerschaften und auch für das Fußballteam. Jede Zweierschaft braucht neue Anregungen, damit sie nicht erstarrt, jede Fußballelf braucht die genialen Geistesblitze von kreativen Offensivspielern, sonst kann sie das gegnerische Abwehrbollwerk nicht überwinden. Eine Mannschaft, die nur den Ball halten will (wie letzte Saison bei Bayern München unter Louis van Gaal) spielt nicht nur unattraktiven Fußball, sondern wird sich auch schwer tun das Spiel zu gewinnen.


2. Prinzipien aus dem Reich Gottes (oder der Nachfolge)

Und diese Wahrheit gilt - wie könnte es anders sein - natürlich auch für die Gemeinde, für die Gemeinschaft der Christen. Ja gerade hier, denn in diesem Satz finden wir fundamentale Wahrheiten des Reiches Gottes!

2.1 Das Einbringen der eigenen Begabungen

Wir finden hier z.B. das Prinzip des Einbringens der eigenen Fähigkeiten, der eigenen Gaben und Möglichkeiten.

Christliche Gemeinschaft, christliches Leben im Allgemeinen ist auf Wachstum angelegt. Im Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Mt. 25, 14-30), wird derjenige bestraft, der nichts aus seinen Möglichkeiten gemacht hat, der keine Initiative gezeigt hat, der die Talente nur vergraben hat und es werden diejenigen belohnt, die sie gewinnbringend, sich vervielfältigend eingesetzt haben.

Gott hat uns ausgerüstet! Einem jeden aber ist gegeben, sagt Paulus! Jeder hat seine ganz speziellen Möglichkeiten und Fähigkeiten bekommen, die er einbringen kann. Seien es jetzt geistliche Gaben oder natürliche Begabungen: wir sind alle bestens ausgerüstet.

2.2. Den Bau des Reiches Gottes (oder Leib Christis)

Ein weiteres Prinzip, dass in diesem Zitat verborgen ist: es geht um die Gemeinschaft. Es geht nicht um mich, es geht nicht nur um meine Familie, es geht um viel mehr. Und das steht so ganz im Gegensatz zum Zeitgeist und zur zunehmenden Individualisierung in unserer Gesellschaft.

Alles was gegeben ist, „dient zur Erbauung des Leibes Christi“ (Eph. 4,12) schreibt Paulus. Jede Gabe, jede Aufgabe, jede Fähigkeit, jede Initiative hat dieses Ziel: der Leib Christi soll erbaut, soll auferbaut, soll gebaut werden! Darum geht es! Und ich sehe den Leib Christi hier größer als die Gemeinde, ich sehe ihn hier als jede Initiative, jedes Werk, dass das Ziel hat Reich Gottes in dieser Welt auszubreiten!

Es geht darum, dass Wohl des Ganzen im Blick zu haben! Auf politischer Ebene oder kommunaler Ebene spricht man von dem Gemeinwohl! Ein leicht antiquierter und angestaubter Ausdruck, der heute zwar zunehmend an Bedeutung verloren hat, aber der nach wie vor für das Wohlergehen einer Gesellschaft unabdingbar ist. Da wo nur die Ziele Einzelner oder einzelner Gruppen verfolgt werden, geht jede soziale Komponente verloren. Dann dominieren nur noch Egoismus, Gewinnmaximierung und Macht!

Gott wollte eine soziale Gesellschaft. Er wollte weder den Kapitalismus des Westens noch die Oligarchien des Ostens. Beides sind Systeme, in denen der Mammon regiert. Und da wo der Mammon regiert, freut sich der Teufel. Bedenken wir, er hat Jesus in der Versuchung alle „Reiche dieser Welt und ihre Herrlichkeit“ (Mt. 4,8) angeboten. (Natürlich die USA ausgenommen, weil das ist ja „God´s Country“.)

Vor ein paar Tagen stand folgender Vers in der Tageslosung:

„Wehe denen, die ein Haus zum anderen bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und sie allein das Land besitzen!“ (Jes. 5,8)

Deshalb hat er im Gesetz Mechanismen eingeführt wie das Jobeljahr, in denen es nach 50 Jahren wieder zu Rückverteilungen kommen sollte. Jedes erworbene Land musste nach 50 Jahren wieder an den vorherigen Besitzer zurückgegeben werden (3. Mo. 25,10). So hätte verhindert werden sollen, dass einzelne verarmen und andere zu Oligarchen werden und außerdem wäre dadurch verdeutlicht worden, dass das Land wirklich Gottes Land ist und die israeliten nur die Nutzer sind mit dem Auftrag es zu bebauen und zu bewahren. Leider gibt es keine historischen Belege, dass dies jemals tatsächlich durchgeführt worden ist. Der Einfluss des Mammon war wohl schon damals zu stark.

Auch das Verbot von einander Zinsen zu verlangen, sollte die Verarmung des Bruders verhindern (3. Mo. 25,37). Es gibt ein Gedankenexperiment von Richard Price. Er hat festgestellt, wenn Joseph zur Geburt Jesu einen Penny angelegt hätte mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 5%. Dann ergäbe das heute durch Zins und Zinseszins 150 Millionen Erden mit reinem Gold. Wenn man sich dies vergegenwärtigt, wird deutlich, dass unsere ganze Finanzwirtschaft auf einer riesigen virtuellen Blase basiert.

Selbst Wolfgang Schäuble hat neulich zugegeben, dass wir erkennen müssen, dass unsere Wirtschaft saturiert ist und die Mär vom grenzenlosen Wachstum global gesehen weder sozial gerecht, noch unbegrenzt möglich ist.

Wenn schon auf politischer Ebene die Bedeutung des Gemeinwohls erkannt wird, wie viel mehr muss es uns wichtig sein die Königsherrschaft Gottes in diese gefallene Welt hineinzubringen.

2.3. Das eigene Sterben

Hier wird mir ein weiteres Prinzip deutlich: das persönliche Einbringen ist verbunden mit dem eigenen Sterben!

Jesus sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh. 12, 24 Rev. Elb.)

Natürlich meint Jesus hier zunächst sich selbst: er ist das Weizenkorn, dass in die Erde fällt; er stirbt und geht in´s Grab um dann aufzuerstehen und um ein Vielfaches an Frucht zu bringen: millionenfaches neues Leben, wozu auch wir gehören. Aber der Text geht noch weiter und da wird deutlich, dass auch wir damit gemeint sind.

„Wer sein Leben liebt, wird es verlieren; und wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren.“ (Joh. 12, 25 Rev. Elb.)

Das Ablehnen mancher eigenen Wünsche und Ziele, solange bis die Wünsche und Ziele Christi zu meinen eigenen geworden sind, ist ein wesentliches Prinzip des Lebens als Christ.

Wer war schon einmal in Jerusalem? Ich sage, wir waren alle schon mal in Jerusalem! Nur ist das schon ziemlich lange her, an die 2000 Jahre, da erinnert sich vielleicht nicht mehr jeder daran.

Denn es heißt: „ich bin mit Christus gekreuzigt“ (Gal. 2,20a Rev. Elb.)

Und beim besten Willen, wenn ich mit Jesus Christus gekreuzigt bin, wenn ich da auch mit am Kreuz hing auf Golgatha, dann muss ich ja auch schon mal dort gewesen sein, oder? Jedes Kind Gottes war damals in der Mitte der dreißiger Jahre des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung mit in Jerusalem und hing da mit Jesus am Kreuz.

Nehmt das jetzt symbolisch, allegorisch oder wie auch immer. Paulus sagt: wir hingen da mit dran. Mitgefangen, mitgehangen!

Ich finde dieses Bild sehr hilfreich - denn, wenn man sich vorstellt, dass man da irgendwie in Jesus Christus drin war, dass Jesus als er meine Schuld getilgt hat, mich auch irgendwie da mit genommen hat - dann kann man sich vielleicht auch leichter vorstellen, wie dieses stellvertretende Opfer Jesu mich mit einschließt.

„und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20b Rev. Elb.)

schreibt Paulus dann weiter.

Und obwohl dies so ist, obwohl unser alter Mensch mit der Taufe in den Tod begraben wurden (Röm. 6,4), obwohl Christus in mir lebt, sind wir doch einen Kampf ausgesetzt, der unser ganzes Leben anhält: das tägliche Sterben!

„Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach.“ (Lk. 9,23 Rev. Elb.)

Täglich! Obwohl wir mit Christus gekreuzigt sind, obwohl unser alter Mensch begraben ist, obwohl Jesus Christus in uns lebt, obwohl wir den Heiligen Geist haben - bleibt doch noch ein Restkampf übrig: ein tägliches Ringen mit uns selbst; weil Gott unsere Persönlichkeit nicht eliminiert hat, bleibt es uns überlassen unseren Willen immer wieder neu zu opfern und ihn hinzugeben.

Und fällt Euch auf, es heißt, dass wir unser eigenes Kreuz auf uns nehmen sollen. Nicht das des anderen und wir sollen schon gar nicht das Kreuz tragen, von dem der andere, der besorgte Bruder oder die es gut meinende Schwester meint, dass könnte zu mir ganz gut passen.

Weder Gott noch sonst jmd. legt mir ein Kreuz auf, sondern ich selbst darf mich demütigen, ich selbst darf erkennen, wo ich mich verleugnen muss. Wir dürfen unseren persönlichen Hochmut (oder was auch immer) selbst ans Kreuz bringen.


3. Hinderungsgründe

Die eigenen Gaben einbringen, zuerst an den Bau des Reiches Gottes und des Leibes Christi denken, sich selbst immer wieder hingeben. Eigeninitiative entwickeln und neues Land einnehmen, mutig neue Wege gehen (so wie wir es in dem neuen Lied singen). Die Frage ist, was hindert uns oft daran, dass wir es zwar wissen, aber nicht immer umsetzen.

Und denkt jetzt nicht, ich sehe das jetzt bloß mit der Gemeindebrille, nur im Gemeindehorizont, damit sich die aktive Mitarbeiterschaft erhöht. Nein, unser Leben ist doch viel vielfältiger, viel vielschichtiger. Unsere Gaben und Berufungen umfassen Bereiche, die gibt´s ja gar nicht in der Gemeinde. Wenn man eine Begabung hat zum Bücher schreiben oder Bilder malen, um auf diese Weise die frohe Botschaft ausdrücken zu können, dann muss man doch nicht hier die Tapeten vollkritzeln (zumal das ja gar nicht unsere sind).

Andere Begabungen hätten hier natürlich sehr wohl Raum und Platz und vielleicht ist ja bereits eine Sehnsucht vorhanden. Eine Sehnsucht von jemanden oder danach, dass jemand eigeninitiativ wird und Träume in die Wirklichkeit holt.

Von Anfang an war es ein großer Wert in der CGF, dass Eigeninitiative ihren Raum finden konnte und wertgeschätzt wurde.

Was hindert uns? Was sind Hinderungsgründe? Was blockiert uns?

3.1. Die Altersblockade

Nun, vielleicht hindert uns eine Art Altersblockade, eine Art Altersmüdigkeit. Viele sind um die 50, manche schon über 60. Vielleicht stellt sich in diesem Alter eine gewisse Gesetztheit ein. Man hat manches erreicht in seinem Leben, vieles hat man auch nicht erreicht, man denkt sich jetzt können die Jüngeren mal ran (oops, wo sind die eigentlich?), wie auch immer, man ist etwas bequem geworden, etwas gesetzt geworden. Ich denke, das kann man ganz nüchtern so feststellen, ohne dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlen muss.

Irgendwie ist es schon paradox, wenn man kleine Kinder hat, hat man keine Zeit, weil die Familie einem fordert. Wenn man Berufseinsteiger ist, hat man keine Zeit, weil der Beruf einem fordert. Später hat man keine Zeit, weil man im Beruf Karriere machen muss und die Hypothek abbezahlen muss. Und dann wenn man endlich Zeit hätte, die Schulden getilgt, die Kinder aus dem Haus sind, fühlt man sich zu alt, so dass zwischendrin nur eine kurze Zeitspanne von vielleicht 5 Monaten bleibt, wo die Belastungen erträglich sind. Ich hab´s jetzt ein bisschen überzeichnet, aber es ist schon was Wahres dran.

Es gibt bei Gott keine Altersbegrenzung - weder nach unten, noch nach oben. Moses war 80 als er seinen Dienst begonnen hat, Abraham war uralt, David war ein Teenager, Maria war ein Teenager. Gott hat kein Mitleid mit Alter und Jugend - er beruft, wen er beruft!

Eigentlich sind die meisten von uns jetzt im besten Alter um etwas im Reich Gottes zu bewegen - ein Übermaß an Lebenserfahrung und geistlicher Reife - ja soviel Lebenserfahrung, dass es andere nur schwer ertragen können-, an Weisheit, gepaart mit (Alters-)Milde und

Barmherzigkeit, das ist doch genau das was benötigt wird.

Es gibt keine junge Generation hinter der wir uns verstecken könnten. Es gibt keine junge Generation, auf der ein ausschließlicher Ruf liegt. Derartige Prophetien sind Unsinn und nicht mit dem Wort Gottes vereinbar. Gott beruft immer Jung & Alt. Er gießt seinen Geist auf Jung & Alt (Joel 3)! Er beruft alle Generationen!

Es tut mir jetzt echt für manchen leid, aber es gibt kein Renteneintrittsalter im Reich Gottes! Die Zeit von niemanden hier im Raum ist vorbei, sie fängt höchstens gerade erst an.

3.2 Die Schwächeblockade

Es gibt noch eine weitere Blockade. Ich nenne sie jetzt mal die Schwächeblockade.

Die Jahreslosung 2012 lautet: „Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor. 12,9 L)

Wir haben uns diese Woche im Hauskreis den Vers mal in seinem größeren Zusammenhang angeschaut und da wurde uns die Herausforderung, die dieser Zuspruch für Paulus gewesen ist, erst so richtig deutlich.

Paulus berichtet davon wie er in Todesgefahr war, wie er um Christi willen mit Ruten geschlagen wurde, wie er gesteinigt wurde, wie er in Seenot war, Schiffbruch erlitten hat, durch reißende Flüsse musste, auf der Flucht vor Räubern war, Hunger und Durst hatte, Kälte und Nacktheit ertragen musste, Schlafmangel hatte, viele Mühen und Beschwerden ertragen musste und dazu noch von einen „Engel Satans“ körperlich gequält wurde (was immer man darunter auch verstehen soll). All dies hat er auf sich genommen um das Evangelium auszubreiten - und war damit wohl im Gegensatz zu den sogenannten „Super-Aposteln“, deren Leben nicht so entbehrsam war.

Und in diese Situation der Schwäche spricht Jesus jetzt quasi zu ihm: „Lass es so wie es ist. Mach weiter! Denn wenn du körperlich und seelisch und mental am Ende bist, erst dann kommt meine Kraft in Dir zur Entfaltung!“

D.h. für uns, die wir viele dieser Nöte - Gott sei Dank - nicht ertragen müssen, aber doch auch viele Mühen und Beschwerden kennen, die das Leben in einer gefallenen Welt mit sich bringt, dass wir keine eigene Stärke brauchen, denn da wo wir am Ende sind und uns trotzdem in das Reich Gottes investieren, da kommt seine Kraft erst in uns zur Entfaltung.

Es gibt bei Gott keine Altersbegrenzung und es gibt keine Schwächebegrenzung! Er beruft, wen er beruft - und wir sind alle berufen!

3.3. Die Blockade des Herzens (Liebestöter)

Aber es gibt noch eine weitere Blockade, die uns oft zu Schaffen macht und mit der wir uns oft unser ganzes Leben herumschlagen müssen. Ich nenn sie mal die Blockade des Herzens oder den „Liebestöter“.

Wir kennen alle das Gleichnis von den vier verschiedenen Ackerböden (Lk. 8, 4-15). Ein Bauer sät den Samen aus, manches fällt auf dem Weg und wird zertreten oder von den Vögeln gefressen, manches fällt auf steinigen Boden und verdorrt gleich mangels Feuchtigkeit, manches fällt unter die Dornen und wird nach einiger Zeit erstickt und manches fällt auf guten fruchtbaren Boden und bringt vielfältige Frucht.

In seiner Auslegung sagt Jesus, dass der Samen, der „unter die Dornen fiel...durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt (V. 14)“ wurde.

Ein Ackerboden kann sich seine Beschaffenheit ja nicht selbst aussuchen, hier ist das Gleichnis nur beschränkt übertragbar, aber wir Menschen können die Beschaffenheit unseres Bodens, unseres Herzens beeinflussen.

Wir hatten uns im letzten Hausgottesdienst darüber ausgetauscht, was uns Lebensfreude, was uns Lebensenergie raubt. Und tatsächlich diese Sorgen, die Jesus hier anspricht - ich glaube jetzt mal nicht, dass Reichtum und Vergnügungen des Lebens für uns vorrangige Versuchungen darstellen - diese Sorgen haben die Kraft, haben die Qualität unseren Glauben zu ersticken. So wie die Dornen die aufgehende Pflanze ersticken. Sie können zu einer Blockade unseres Herzens werden. Sie können die Freude rauben, sie können die Liebe töten, die Liebe zu Jesus ersticken.

Wie gesagt, der Boden kann sich seine Konsistenz nicht aussuchen, aber wir haben eine Verantwortung für unseren Boden, für unser Herz.

Jesus sagt, nicht dass was wir essen macht uns unrein, sondern das, was aus unserem Herzen heraus kommt (Mt. 15,19). Wir sind die Pfleger unseres Herzens!

Wenn Du ein Essen kochst, bist Du verantwortlich, ob es schmeckt oder nicht. Du wählst die Zutaten aus. Du prüfst, ob sie passen. Du gibst die Zutaten in der richtigen Konsistenz un d Reihenfolge in den Kochtopf. Du überwachst den Kochvorgang.

Und wenn Du eine Pflanze ansäst, bist Du verantwortlich für ihr Gedeihen. Du prüfst, ob es der richtige Boden ist. Du sorgst für ausreichend Wasser, Licht und Nährstoffe. Du bekämpfst die Schädlinge.

Und so ist es mit unserem Herzen. Wir entscheiden, ob wir es zulassen, dass uns die Sorgen des Lebens unseren Glauben ersticken, unsere Liebe rauben, unser Engagement eliminieren oder ob wir unser Herz bewahren.

Und ich sage nicht, dass es einfach ist. Ich weiß wovon ich rede. Wenn man jahrelang immer wieder seine Sorgen bei Gott abgibt ohne dass man große Veränderungen in der Realität sieht, dann kann man schon resignieren und jegliche Lebensfreude verlieren. Und dann gelingt es mir in manchen Phasen besser und in manchen Phasen schlechter. (Das ist wohl normal, nehme ich mal an.)

Aber unser Herz ist es wert, dass wir um es kämpfen und uns um es bemühen, dass wir Bitterkeit keinen Raum geben und Sorgen immer wieder abgeben. Egal was für Nöte und Sorgen es auch sind. Jesus sagt:

„Kommt her zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.“ (Mt. 11,28 NGÜ)

Dieses Angebot gilt für alle Arten von Sorgen und Nöten.


4. Zusammenfassung

Der Bau des Reiches Gottes und der Gemeinde lebt von der Initiative des einzelnen. Dazu hat Gott uns überreich befähigt. Dazu sind wir weder zu alt, noch zu schwach. Und wir haben die allumfassende Möglichkeit, dass wir dazu auch nicht zu besorgt sein müssen, weil wir unsere Sorgen und Nöte allezeit auf Jesus Christus werfen können, denn er sorgt für uns (1. Petr. 5,7).

AMEN.