Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
Ich möchte heute mit Euch ein Gleichnis Jesu anschauen, und zwar das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Jesus erzählte Gleichnisse, die einen Alltagsbezug hatten, die zur Lebenswelt der Menschen gehörten, um den Jüngern geistliche Zusammenhänge verständlich zu machen. Manche von diesen Gleichnissen haben auch heute noch eine erstaunliche Aktualität. Ich lese das Gleichnis in der neuen Luther-Übersetzung:
„1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg.
2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg.
3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen
4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.
5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe.
6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da?
7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.
8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten.
9 Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen.
10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen.
11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn
12 und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.
13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen?
14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir.
15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?
16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“
(Mt. 20, 1-16 LUT2017)
Die Ausgangslage in diesem Gleichnis ist uns bekannt: Arbeitslosigkeit. Vielleicht war nicht jeder von uns schon mal arbeitslos, aber wir können uns alle die Situation von arbeitslosen Menschen gut vorstellen. Vielleicht haben wir ja welche in unserem Bekanntenkreis.
Heute ist man als Arbeitsloser in unserem Land ja einigermaßen abgesichert. Wenn man lange genug einbezahlt hat, dann bekommt man für sechs Monate bis zu zwei Jahre Arbeitslosengeld, das sind rund zwei Drittel des letzten Einkommens. Damit kann man einigermaßen klar kommen. Blöd wird es danach, wenn der Anspruch verbraucht ist und man immer noch keinen neuen Job hat und dann nur noch Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV) bekommt. Mit dann rund 400,- Euro kann man eigentlich nur noch überleben, aber nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Würde geht anders!
Früher gab es bei den Arbeitsämtern eine Tagesjobvermittlung. Wer früh aufstand und keine harte Arbeit scheute, konnte dort manchmal für einen Tag einen Job bekommen, bei dem er am Abend cash ausbezahlt wurde und sich so sein Arbeitslosengeld aufstocken konnte. In der Nähe vom Plärrer in Nürnberg gab es auch eine Ecke, an der Arbeitslose standen, die ihre Arbeitsleistung anboten. Das war dann die illegale Variante. Soweit ich weiß gibt es heute beides nicht mehr.
So eine ähnliche Situation finden wir hier in diesem Gleichnis. Arbeitslose stehen herum und warten auf eine Möglichkeit sich Geld zu verdienen. Der Unterschied ist, dass sie keine soziale Absicherung haben. Hier geht es nicht um ein Zubrot zur staatlichen Unterstützung. Hier geht es um die blanke Existenz. Hier geht es darum einen Job zu finden, mit dem sie ihre Frau, Kinder und vielleicht die alten Eltern ernähren können.
Der Silbergroschen (oder Denar) entspricht etwa 40 Cent und war damals der wohl übliche Tageslohn. Ein Lohn, der ausgereicht hat um seine Familie zu ernähren.
Auch heute noch gibt es in Jerusalem eine Ecke nahe des Damaskustores, wo jeden Morgen arbeitslose Palästinenser stehen und auf potenzielle Arbeitgeber (meist Israelis) warten.
Gleich am Anfang lesen wir etwas Ungewöhnliches in diesem Gleichnis. Die erste von vielen Ungewöhnlichkeiten: der Hausherr, der Weinbergbesitzer geht früh am Morgen selbst los um Arbeiter für die Arbeit im Weinberg (vermutlich zur Weinernte oder zum Schneiden der Stöcke) einzustellen. Normalerweise mach dies sein Verwalter oder ein Vorarbeiter. Aber hier geht der Hausherr selbst los. Er scheint ihm selbst immens wichtig zu sein. Ein kleines aber wichtiges Detail, wenn wir später zur Auslegung kommen.
Der Hausherr geht sogar öfters los, nicht nur einmal. Er geht am Beginn des Tages und zur dritten, sechsten, neunten und schließlich noch zur elften Stunde los um immer wieder Nachschub an Arbeitskräften zu holen. Der Tag war damals in zwölf Stunden von 6 bis 18 Uhr eingeteilt, d.h. also zwischen 6 und 17 Uhr war er immer wieder, insgesamt fünfmal unterwegs um neue Arbeiter anzuheuern. Während er mit den ersten noch einen konkreten Lohn vereinbart hat, heißt es bei den anderen nur, dass sie bekommen sollten „was recht ist“.
Als es dann an die Bezahlung geht (jetzt kommt übrigens der Verwalter ins Spiel), geschieht das nächste Unglaubliche: die Letzten werden als Erstes bezahlt. Die, die am allerwenigsten gearbeitet haben, bekommen ihren Lohn zuerst. Sauber, na gut, meinetwegen, aber dann bekommen sie auch noch einen ganzen Silbergroschen. Sie bekommen den Lohn, der denen versprochen worden ist, die früh morgens angefangen haben im Weinberg zu schuften. Und die denken sich jetzt wahrscheinlich: „Wahnsinn, wenn die schon einen Silbergroschen bekommen, wieviel bekommen denn dann wir?! Die haben eine Stunde gearbeitet und wir zwölf Stunden. Wow, dann bekommen wir sicherlich mehr als nur den einen Silbergroschen.“
Und dann die große Ernüchterung, sie bekommen auch nur einen Silbergroschen. Genau wie ausgemacht. Die nächste Unglaublichkeit! Der Weinbergbesitzer gibt jedem gleich viel Lohn. Jeder bekommt einen Denar, egal wie lange er im Weinberg geschuftet hat. Das passt nicht in das Denken der Arbeiter, in ihre Wirklichkeit hinein und das passt auch nicht in unsere Wirklichkeit hinein. Unser Empfinden von Gerechtigkeit ist doch etwas anders. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, aber doch nicht gleicher Lohn für ungleiche Arbeit!
Diese provozierende Situation wäre leicht zu vermeiden gewesen, wenn in umgekehrter Reihenfolge ausbezahlt worden wäre. Die ersten hätten ihren Denar eingesackt und schwups wären sie weg gewesen. Sie hätte gar nicht mitbekommen, dass die anderen genauso viel bekommen. Aber so wurden sie bewusst damit konfrontiert.
Und jetzt geschieht etwas mit den „gefühlt Übervorteilten“. Sie ärgern sich, sie fühlen sich ungerecht behandelt, sie werden neidisch. Sozialneid! Aber nicht auf die Starken, nicht auf die Reichen und Schönen, sondern auf die Schwachen. Denn die, die länger auf dem Markt standen und auf Arbeit gewartet haben, waren gleichzeitig auch die, die schwächer waren, weniger kräftig, alt und krank, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr so ganz mithalten konnten.
Die, die unten stehen, die kräftigen Tagelöhner, suchen sich solche, die noch weiter unten stehen. Ein auch heute weit verbreitetes gesellschaftliches Phänomen: „Die Hartz4ler, die Ausländer, die Asylanten usw. sind doch alles nur Sozialschmarotzer, die auf Kosten meiner Steuergelder leben.“ So oder so ähnlich wird von vielen gedacht.
„Bist du neidisch, weil ich so gütig bin?“ fragt sie der Besitzer. Diejenigen, die länger auf dem Markt herum standen, brauchen aber auch genauso viel zum Überleben, wie alle anderen auch. Sie brauchen auch ihre 40 Cent am Tag um ausreichend Essen zu kaufen. Was hätte ihnen der Lohn für eine Stunde Arbeit genutzt? Es hätte vielleicht gelangt für einen halben Laib Brot und ein Bier zum Frust runterspülen, aber nicht für den Tagesbedarf einer ganzen Familie.
Der Gutsbesitzer dagegen ist gütig, er will dass alle genug zum Leben haben. Unabhängig von ihrer Leistung. Er ist nicht auf Gewinnmaximierung aus, sondern maximiert seine Güte. Heute würde man vielleicht sagen, er praktiziert eine Form von solidarischer Ökonomie.
Dieses Vergütungsmodell passt nicht in den Kapitalismus. Da hätte der Weinbauer vielleicht nur die Hälfte vom vereinbarten Lohn ausbezahlt, weil sie angeblich zu langsam gearbeitet hätten.
Und das passt auch nicht in die soziale Marktwirtschaft. Da hätte es trotzdem nur einen gewerkschaftlich fest vereinbarten Stundenlohn gegeben. Und aus dem Überfluss etwas für die Kranken und Schwachen.
Und im Kommunismus hätten wahrscheinlich alle gleich wenig bekommen,weil es nichts zum Verteilen gegeben hätte.
Nein, dieses Verhalten ist einzigartig: jeder bekommt den gleichen Tageslohn damit jeder genug zum Leben hat.
Nun, es ist ein Gleichnis, eine Geschichte und hat nicht den Anspruch Grundlage für ein Wirtschaftssystem zu sein. Ein ähnliches Modell finden wir in der Bibel meines Wissens nur noch in der Jerusalemer Urgemeinde, die in einer Art Kommunismus zusammen gelebt haben. Dort heißt es:
„Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“
(Apg. 4,32 LUT2017)
Aber auch das Jerusalemer Modell war nicht erfolgreich, denn wenige Jahre darauf, mussten Spenden bei den neuen christlichen Gemeinden für die Gemeinde in Jerusalem gesammelt werden, da diese mittlerweile verarmt war. Auch hier gilt: die Beschreibung beinhaltet erstmal keine Aufforderung genauso zu handeln.
Aber interessant ist doch, wenn man sich anschaut in welchen Kontext das Gleichnis vom Weinberg eingebettet ist. Es folgt nämlich direkt auf die Begegnung des reichen Jünglings mit Jesus, an dessen Ende Jesus feststellt:
„Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen.“ (Mt. 19, 23b LUT 2017)
Dies sollten wir doch bedenken. Sollte das Weinbergmodell doch ein Vorbild für unser Leben sein? Auf jeden Fall eine Aufforderung zum Großzügigsein.
Es verdeutlicht auf jeden Fall: unser Gerechtigkeitsempfinden, unsere Vorstellung von Gerechtigkeit ist anders, als Gottes Gerechtigkeitsempfinden.
Es gibt wohl unterschiedliche „Gerechtigkeiten“. Unterschiedliche Vorstellungen und Bezugssysteme. Gerechtigkeit nach Leistung und eine Gerechtigkeit der Verteilung, eine Art ausgleichende Gerechtigkeit.
In unserem Land gibt es ja mittlerweile einen Mindestlohn, der aber immer noch so niedrig ist, dass derjenige, dessen Einkommen sich immer auf diesem Niveau bewegt, im Rentenalter auf gesetzliche Unterstützung angewiesen sein wird. Nach dem Motto: „Hättest was Gescheites gelernt, würdest mehr verdienen, hättest mehr Rente.“ Das klingt eher nach Sozialdarwinismus als nach Gerechtigkeit.
Die Schweiz dagegen hat ein 3-Säulen-Rentensystem, in dem alle - also auch die Selbständigen und Beamten - den gleichen Prozentsatz in die erste Säule einzahlen, aus der dann später eine Grundrente für alle finanziert wird. D.h., dass jmd. der gut verdient u. U. mehr einzahlen muss als er später als Maximalrente aus dieser Säule herausbekommen kann. Das ist eine Form von ausgleichender Gerechtigkeit und die Schweizer scheinen damit überhaupt kein Problem zu haben.
Es gibt darüberhinaus heute vielfältige Formen von Solidarökonomie nicht nur in Lateinamerika: Genossenschaften, Fair Trade-Produkte, FoodCoops, Tauschbörsen, OpenSource-Programme usw. sind solche Modelle.
Den Arbeitern in unserem Gleichnis geht es um Lohn für Leistung. Den Gutsherrn geht es darum, dass es ihnen gut geht, dass sie ein genügendes Auskommen haben. Im übertragenen Sinne: wir sind leistungsorientiert, Gott ist Gnade-orientiert.
Damit sind wir jetzt bei der Auslegung. Im Eingang steht. „Denn mit dem Reich der Himmel ist es“. Es geht hier um dass Reich Gottes, um das Himmelreich Gottes, um die Königsherrschaft Gottes.
Also zum einen um das Leben in der Ewigkeit bei Gott und zum anderen, aber auch schon um das Himmelreich unter uns, dort wo die Herrschaft Gottes, wo das Reich Gottes in Kraft und Liebe und Gerechtigkeit und Frieden schon in die Gegenwart hinein wirkt und durch uns sichtbar wird.
„Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lk 17,21 LUT2017)
Gott ist der Weinbergbesitzer, der alle, die in seinem Weinberg kommen, belohnen will. Er will, dass alle genug haben, keiner soll Mangel leiden. Jeder soll ewiges Leben empfangen:
unabhängig davon, ob man als Jude geboren wurde und damit zum auserwählten Volk gehört, zu dem Volk, das das Gesetz hatte oder erst als Heide das Evangelium gehört hatte,
unabhängig davon, ob man sich sein ganzes Leben lang als Pharisäer besondere religiöse Pflichten auferlegt hatte oder ob man als einfacher jüdischer Mensch gelebt hatte,
unabhängig davon, ob man sich als kleines Kind oder als Greis dafür entschieden hat Jesus nachzufolgen,
und auch unabhängig davon, ob man viel oder wenig dazu beigetragen hat. Jeder bekommt gleich.
Gott macht keinen Unterschied. Jesus sagt, dass die Ersten die Letzten sein werden, das also kein Vorteil darin besteht Jude oder Pharisäer zu sein. Dies ist die im historischen Kontext erste Zielgruppe des Gleichnis. Er will ihnen vermitteln, dass sie nicht besser, nicht wichtiger sind als die anderen, als die Sünder.
Es geht nicht um Leistung, es geht nicht um Gerechtigkeit durch Werke, sondern einzig allein um die Güte des Weinbergbesitzers, um die Gnade die Gott gerne schenkt. Es gibt keine Fleißkärtchen und kein Punktesystem für einen Platz im Himmelreich.
Eigentlich geht es in diesem Gleichnis ja gar nicht um die Arbeiter, sondern um den gütigen Weinbergbesitzer. Um sein Mitgefühl mit den verlorenen Menschen. Er ist es, der sich aktiv um sie bemüht, sich aktiv auf die Suche begibt um sie in den Weinberg zu holen. Er selbst bringt die gute Nachricht: „Hey, komm in den Weinberg. Dort ist noch Platz für Dich.“ Er enthält seinen Lohn, seine Güte, seine Gnade niemanden vor. Jeder bekommt sie. Er ist ähnlich wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn.
Aber es geht auch darum Teil des Weinbergs zu sein. Die Tagelöhner haben Arbeit ge-sucht. Übertragen bedeutet dies, sie haben nach Gott gesucht. Ich flutsche nicht einfach so in das Reich Gottes hinein. Ich muss es wollen. Ich muss Erlösung wollen. Ich muss Jesus wollen.
Es gilt immer noch was Jesus sagt:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh 14,6 LUT2017)
Die Annahme des Jobs entspricht der Annahme des Erlösungsangebots Jesu. Durch ihn werde ich Teil bzw. bekomme ich Anteil am Himmelreich Gottes.
Genauso gilt es aber auch in ihm zu bleiben. Bis zum Schluss in ihm zu bleiben. Den Lauf zu voll-enden, wie Paulus es ausdrückt (2. Tim. 4,7). Es sind leider nicht wenige, die sich im Laufe ihres Lebens von ihrem christlichen Glauben abgewendet haben um irgend-welchen obskuren Theorien anzuhängen.
Hören wir im Lutherjahr, was Martin Luther zur Auslegung des Gleichnisses zu sagen hat:
„So ist nu dies die Summa dieses Evangeliums: kein Mensch ist so hoch noch wird je so hoch kommen, dass er nicht zu fürchten hat, er werde der allerniedrigste. Und umgekehrt, niemand liegt so tief oder kann so tief fallen, der nicht hoffen könnte, dass er der höchste würde. Denn hier ist alles Verdienst aufgehoben und wird allein Gottes Güte gepriesen und ist fest beschlossen: der erste soll der letzte, der letzte soll der erste sein. Damit dass er spricht: der erste soll der letzte sein, nimmt er dir alle Vermessenheit und verbietet dir, dass du dich über keine Hure erhebst, auch wenn du Abraham, David, Petrus oder Paulus wärst. Damit aber dass er spricht: der letzte soll der erste sein, verwehrt er dir alle Verzweiflung und gebietet dir, dass du dich unter keinen Heiligen stellst, auch wenn du Pilatus, Herodes und Sodom und Gomorrha wärst. Denn gleichwie wir keine Ursache haben, uns zu vermessen, so haben wir auch keine Ursache, zu verzweifeln. Durch dies Evangelium wird die Mittelstraße befestigt und bewahrt, dass man nicht nach dem Pfennig sehe, sondern auf die Güte des Hausvaters, welche gleich und von einerlei Art ist über Hohe und Niedrige, über die ersten und die letzten, über Heilige und über Sünder. Und keiner kann sich derselben mehr rühmen oder trösten oder vermessen als der andre.“
(D Martin Luthers Evangelien-Auslegung, Zweiter Teil, Das Matthäus Evangelium (Kap. 3 - 25), S. 681 ff.)
Gott ruft uns durch dieses Gleichnis in seine Nachfolge. Es ist unsere Entscheidung, wie wir darauf reagieren. Für die Tagelöhner war es die Möglichkeit zum Überleben. Und auch wir wissen, nur in Jesus ist das Leben.
Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge. (Joh. 10,10 LUT2017)
Und Gott ist es, der es uns zuspricht, unabhängig von jeglicher Vorgeschichte. Egal, ob wir unser Leben lang gefrömmelt haben oder überall reingetappt sind, wo es nur geht. Wir dürfen durch Jesus Teil haben am Himmelreich Gottes.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
AMEN.
Sonntag, 23. April 2017
Samstag, 1. April 2017
Termine und Aktuelles April 2017
02.04. 10.30 Uhr Hausgottesdienste
09.04. kein Gottesdienst
16.04. Ostern Gottesdienst entfällt
23.04. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Norbert Wohlrab, Thema: "Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg"))
30.04. kein Gottesdienst
LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1
09.04. kein Gottesdienst
16.04. Ostern Gottesdienst entfällt
23.04. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Norbert Wohlrab, Thema: "Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg"))
30.04. kein Gottesdienst
LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1
Freitag, 3. März 2017
Termine und Aktuelles März 2017
05.03. 10.30 Uhr Hausgottesdienste
12.03. kein Gottesdienst
19.03. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Zeugnis & Gebet)
26.03. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Augustin Bosson)
12.03. kein Gottesdienst
19.03. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Zeugnis & Gebet)
26.03. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Augustin Bosson)
LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
Mittwoch, 1. Februar 2017
Termine und Aktuelles Februar 2017
05.02. 10.30 Uhr Hausgottesdienste
12.02. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Heinz Trompeter, Missionsdienst e.V., Thema: "Geduld")
19.02. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Christiane Schönberger, JG St. Paul)
26.02. kein Gottesdienst
LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
12.02. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Heinz Trompeter, Missionsdienst e.V., Thema: "Geduld")
19.02. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Christiane Schönberger, JG St. Paul)
26.02. kein Gottesdienst
LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
Dienstag, 31. Januar 2017
Predigt von Norbert Wohlrab zur Jahreslosung 2017 (22.01.2017)
Jahreslosung 2017
Traditionsgemäß werde ich zum Jahresanfang über die Jahreslosung predigen. Sie lautet:
„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Hes. 36,26)
Betrachten wir den Vers zunächst einmal in seinem Zusammenhang.
24 „Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land bringen.
25 Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von all euren Unreinheiten und von all euren Götzen werde ich euch reinigen.
26 Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
27 Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.
28 Und ihr werdet in dem Land wohnen, dass ich euren Vätern gegeben habe, und ihr werdet mir zum Volk, und ich, ich werde euch zum Gott sein.
29 Und ich werde euch befreien von all euren Unreinheiten.“ (Hes.36, 24-29a Rev. Elb.)
Wir haben es hier mit prophetischen Aussagen des Hesekiel zu tun. Und wie so oft im AT, sind die Prophetien mehrschichtig, d.h. sie sind auf mehrere Zeitebenen in der Zukunft bezogen.
Was war die Situation? Israel hat - wie so oft in seiner Geschichte - die Wege des Herrn verlassen. Es hat nicht mehr nach seinen Geboten gelebt, hat fremde Götter angebetet, hat Menschenopfer gebracht, den Tempel entweiht und andere Verbrechen getan, wie soziale Unterdrückung, Raub, Inzest usw. Es hat nicht auf die Warnungen und Aufrufe zur Umkehr durch die Propheten gehört. Daher wurde Israel 597 v. Chr. von den Babyloniern erobert. Zunächst wurde König Jojachin und die führende Elite nach Babylon verschleppt - unter ihnen auch der Prophet Hefekiel - und eine Marionettenregierung in Jerusalem eingesetzt. Als diese dann zehn Jahre später gegen Babylon aufbegehrte, wurde Jerusalem zerstört und das Volk Israel 586 v. Chr. in die Gefangenschaft nach Babylon deportiert.
Hesekiel war der Prophet im Exil. Dort im Exil verkündete er dem Volk die Hoffnungsbotschaft, dass sie in die Heimat zurückkehren werden. Und tatsächlich als im Jahre 539 v. Chr. Babylon von den Persern unter Kyros II. erobert wird, können sie in die Heimat zurückkehren und unter Nehemia und Serubbabel wird Jerusalem neu aufgebaut. Nachzulesen in den Büchern Esra und Nehemia.
Dort erfüllt sich der erste Teil der Verheißung. Das Volk Israel kehrt zurück in sein Land. Später wiederholt sich die Geschichte. Jerusalem wird unter den Römern erneut zerstört und das Volk wieder zerstreut um dann im Jahr 1948 wieder in seine Heimat zurückzukehren. Und die Verheißung aus Hesekiel erfüllt sich ein zweites Mal.
Soweit die geographische Wiederherstellung.
Es gibt eine Geschichte von Friedrich dem Großen, der einmal seinen Leibarzt sarkastisch gefragt haben soll: „Nenn´ er mir einen Gottesbeweis, wenn er kann!“ Der soll eine kurze Antwort gegeben haben: „Die Juden - Majestät.“
Wie viele Völker gibt es, die komplett vernichtet wurden? Denken wir nur an die Indianer und Indios in Amerika oder an die Armenier, von denen nur noch wenige übrig sind oder an zahlreiche Stämme in Afrika, die ausradiert wurden.
Wie viele gibt es, die seit Jahrhunderten kein eigens Land haben, wie bspw. die Kurden, eines der ältesten Völker der Welt?
Das Volk Israel dagegen hat nach mehreren Exilen, nach Jahrhunderten der Zerstreuung in alle Welt, nach der Massenvernichtung im Holocaust, nach zahlreichen Angriffen von seinen arabischen Nachbarn usw. immer noch bzw. wieder seinen Platz auf der Landkarte und es wächst und gedeiht.
Aber das Volk Israel soll ja auch innerlich erneuert werden.
Zunächst spricht Hesekiel von der Reinigung mit Wasser. Dies ist ein Bild, dass den kultischen Vorgaben des AT entspricht. Die Hohepriester, die ja als einziges Zugang zum Allerheiligsten im Tempel hatten, mussten sich zunächst rituell reinigen um Gott begegnen zu können.
„Wenn sie in das Zelt der Begegnung hineingehen, sollen sie sich mit Wasser waschen, damit sie nicht sterben. Oder wenn sie an den Altar herantreten zum Dienst, um für den Herrn ein Feueropfer als Rauch aufsteigen zu lassen, dann sollen sie ihre Hände und ihre Füße waschen, damit sie nicht sterben. Und das soll für sie eine ewige Ordnung sein.“ (2. Mose 30, 20.21a Rev. Elb.)
Der Mensch ist unrein und kann Gott ohne (diese wohl symbolische) Reinigung von seiner Unreinheit nicht begegnen. Aber hier ist es Gott, der die Reinigung vollzieht und nicht der Mensch. Das ist jetzt das völlig Neue. Keine Rituale, keine Gesetze, keine Selbsterlösung. Gott allein reinigt und rettet. Christus allein. Solos Christus. Allein aus Gnade. Sola Gratia. Das passt zum Reformationsjubiläum.
„so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und damit gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.“ (Hebr. 10,22 Rev. Elb.)
Aber es geht noch weiter. Gott schenkt nicht nur die Reinigung. Das wäre ja zum Zwecke der Erlösung schon völlig ausreichend. Er setzt noch einen drauf und schenkt noch eine Herztransplantation.
„Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ (V. 26)
Das Herz des Menschen, im biblischen Sinne der Sitz des Lebens, des Wesens, des Charakters, das Zentrum des Denkens, Wollens und Fühlens ist schlecht.
„Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen“ (Mt. 15,19 Rev. Elb.)
So schaut´s aus. Das ist die göttliche Einschätzung des menschlichen Wesens.
Hier hilft keine Maniküre, keine äußerliche Reinigung, kein Hände und Füße waschen, keine neue Frisur, kein neuer Anzug. Hier hilft kein neuer Job und kein neues Auto. Und auch keine neue Frau und kein neuer Mann. Auch keine neue Religion und kein neuer Meditationsweg. Auch kein Jakobsweg und keine andere Ernährung. Keine noch so guten Vorsätze. Nicht einmal ein Präsidentenamt. Nichts, was der Mensch irgendwie tun könnte, würde an seinem Grundwesen etwas ändern.
„denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“ (1. Mose 8,21b Rev. Elb.)
Es langt also nicht aus die Herzenshaltung zu ändern. Zuerst bedarf es eines neuen Herzens. Die Prophetie des Hesekiel verbindet dies mit einem neuen Geist. Ein neues Herz und ein neuer Geist.
Die Erfüllung dieser Verheißung begann für Israel und für alle Menschen am ersten Pfingsten. Durch die Hinwendung zu Christus und den Empfang des Heiligen Geistes vollzog sich diese Herztransplantation.
„Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, berufen wird.“ (Apg. 2, 38.39 Rev. Elb.)
Tut Buße. Also stimmt mit Gott überein, dass Ihr Sünder seid und Euch nicht selbst erlösen könnt. Lasst Euch taufen auf den Namen Jesu. Drückt dadurch aus, dass Ihr Euer Vertrauen auf Erlösung einzig und allein auf Jesus Christus setzt. Solus Christus. Und dann empfangt den Heiligen Geist. Und dies ist die Verheißung, die an verschiedenen Stellen im AT angekündigt wurde. Hesekiel, Joel, Jeremia etc.
Und dieser Geist ist es, der in uns die Umgestaltung unseres Wesens bewirkt. Der - bildlich gesprochen - das steinerne Herz entfernt und ein fleischernes einsetzt. Der uns den Wunsch und den Willen gibt jesusgemäß zu leben. Diese Veränderung ist so gewaltig, dass die Bibel von einer neuen Schöpfung, einer neuen Kreatur, einem neuen Menschen spricht. (2. Kor. 5,17)
„Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt den Herrn! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der Herr. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken.“ (Jer. 31, 33.34 Rev. Elb.)
Für das Volk Israel ist diese Verheißung erst punktuell erfüllt, da sie Jesus als Messias ja abgelehnt haben. Nur die an Christus glaubenden Juden erleben sie schon. Aber wir sind schon mittendrin.
„denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der gegeben worden ist.“ (Röm. 5,5b Rev. Elb.)
Wir sind nun in der komfortablen Situation, dass wir durch den in uns wohnenden Geist eine Verbindung zum Vater haben, dass wir Gott erkennen, mehr und mehr erkennen und dadurch seinen Willen teilen.
Nicht wie Marionetten, sondern wie Prinzen und Prinzessinnen. Wir tragen seine DNA in uns. Und jetzt geschieht das Erstaunliche: wir brauchen seine Gebote eigentlich gar nicht mehr.
„indem er dies weiß, dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Widerspenstige, für Gottlose und Sünder, für Heillose und Unheilige, Vatermörder und Muttermörder, Mörder, Unzüchtige, Knabenschänder, Menschenräuber, Lügner, Meineidige…“ (1. Tim. 1, 8b-10 Rev. Elb.)
Diejenigen, die Gott nicht kennen, brauchen das Gesetz, damit sie eine moralisch-ethisch-soziale Orientierung haben, diejenigen, die den Heiligen Geist in ihrem Herzen haben, leben gemäß der DNA Gottes. Wenn Du ein Elektroauto hast, dann brauchst Du kein Benzin mehr.
Natürlich sind das alles Wachstumsprozesse. Die Früchte des Geistes, die Früchte der Liebe wachsen in uns. Und wenn jmd. frisch dabei ist sein Leben mit Jesus zu leben, ist es hilfreich eine ethisch-moralische Instanz außerhalb von sich selbst zu haben, an der man sich orientieren kann. Das sagt Paulus auch vorher:
„Das Gesetz ist, wie wir alles wissen, gut und nützlich – vorausgesetzt, man wendet es in der ihm angemessenen Weise an.“ (1. Tim. 1,8 NGÜ)
Also nicht als Heilsweg, sondern als Hilfestellung, als Orientierungshilfe auf dem Weg der Liebe. Denn wir wissen, wie es Luther so schön ausdrückte (wenn auch theologisch nicht korrekt, weil es eigentlich um das schwache Fleisch geht und nicht um den alten Adam, da dieser ja mit Jesus gekreuzigt wurde):
„Der alte Adam in uns soll ersäuft werden. Nimm dich aber in acht, das Aas kann schwimmen!“ (Luther)
Wir haben ein neues Herz. Ein Herz der Liebe. Einen neuen Geist. Den Heiligen Geist. Ohne dies alles wäre es für uns sehr schwierig einander zu lieben, den Nächsten zu lieben, Gott zu lieben. So ist es uns möglich.
Das befreit uns nicht davor auf unser Herz zu achten. Manchmal ziehen dunkle Wolken darüber. Manchmal wird uns Gift injiziert. Manchmal injizieren wir es sogar selbst.
Daher benötigen wir manchmal Seelsorge und Gebet, manchmal innere Heilung und Befreiung, manchmal Ermutigung, manchmal brauchen wir einfach nur einander. Wäre dies nicht so, wäre das NT nicht voll von Ratschlägen und Hilfestellungen:
Ermahnt einander, ermutigt einander, tröstet einander, tragt einander die Lasten, lacht miteinander, weint miteinander.
„Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden-„ (2. Kor. 5,17 Rev. Elb.)
Wenn wir zu Christus gehören, sind wir neue Menschen, haben ein neues Herz, haben seinen Geist. Dies sind Gottes Zusagen. Dies gilt auch, wenn es im Alltag einmal anders aussieht. Dann gilt:
„dass, wenn das Herz uns verurteilt, Gott größer ist als unser Herz und alles kennt.“ (1. Joh. 3,20 Rev. Elb.)
AMEN.
Traditionsgemäß werde ich zum Jahresanfang über die Jahreslosung predigen. Sie lautet:
„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Hes. 36,26)
Betrachten wir den Vers zunächst einmal in seinem Zusammenhang.
24 „Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land bringen.
25 Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von all euren Unreinheiten und von all euren Götzen werde ich euch reinigen.
26 Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
27 Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.
28 Und ihr werdet in dem Land wohnen, dass ich euren Vätern gegeben habe, und ihr werdet mir zum Volk, und ich, ich werde euch zum Gott sein.
29 Und ich werde euch befreien von all euren Unreinheiten.“ (Hes.36, 24-29a Rev. Elb.)
Wir haben es hier mit prophetischen Aussagen des Hesekiel zu tun. Und wie so oft im AT, sind die Prophetien mehrschichtig, d.h. sie sind auf mehrere Zeitebenen in der Zukunft bezogen.
Was war die Situation? Israel hat - wie so oft in seiner Geschichte - die Wege des Herrn verlassen. Es hat nicht mehr nach seinen Geboten gelebt, hat fremde Götter angebetet, hat Menschenopfer gebracht, den Tempel entweiht und andere Verbrechen getan, wie soziale Unterdrückung, Raub, Inzest usw. Es hat nicht auf die Warnungen und Aufrufe zur Umkehr durch die Propheten gehört. Daher wurde Israel 597 v. Chr. von den Babyloniern erobert. Zunächst wurde König Jojachin und die führende Elite nach Babylon verschleppt - unter ihnen auch der Prophet Hefekiel - und eine Marionettenregierung in Jerusalem eingesetzt. Als diese dann zehn Jahre später gegen Babylon aufbegehrte, wurde Jerusalem zerstört und das Volk Israel 586 v. Chr. in die Gefangenschaft nach Babylon deportiert.
Hesekiel war der Prophet im Exil. Dort im Exil verkündete er dem Volk die Hoffnungsbotschaft, dass sie in die Heimat zurückkehren werden. Und tatsächlich als im Jahre 539 v. Chr. Babylon von den Persern unter Kyros II. erobert wird, können sie in die Heimat zurückkehren und unter Nehemia und Serubbabel wird Jerusalem neu aufgebaut. Nachzulesen in den Büchern Esra und Nehemia.
Dort erfüllt sich der erste Teil der Verheißung. Das Volk Israel kehrt zurück in sein Land. Später wiederholt sich die Geschichte. Jerusalem wird unter den Römern erneut zerstört und das Volk wieder zerstreut um dann im Jahr 1948 wieder in seine Heimat zurückzukehren. Und die Verheißung aus Hesekiel erfüllt sich ein zweites Mal.
Soweit die geographische Wiederherstellung.
Es gibt eine Geschichte von Friedrich dem Großen, der einmal seinen Leibarzt sarkastisch gefragt haben soll: „Nenn´ er mir einen Gottesbeweis, wenn er kann!“ Der soll eine kurze Antwort gegeben haben: „Die Juden - Majestät.“
Wie viele Völker gibt es, die komplett vernichtet wurden? Denken wir nur an die Indianer und Indios in Amerika oder an die Armenier, von denen nur noch wenige übrig sind oder an zahlreiche Stämme in Afrika, die ausradiert wurden.
Wie viele gibt es, die seit Jahrhunderten kein eigens Land haben, wie bspw. die Kurden, eines der ältesten Völker der Welt?
Das Volk Israel dagegen hat nach mehreren Exilen, nach Jahrhunderten der Zerstreuung in alle Welt, nach der Massenvernichtung im Holocaust, nach zahlreichen Angriffen von seinen arabischen Nachbarn usw. immer noch bzw. wieder seinen Platz auf der Landkarte und es wächst und gedeiht.
Aber das Volk Israel soll ja auch innerlich erneuert werden.
Zunächst spricht Hesekiel von der Reinigung mit Wasser. Dies ist ein Bild, dass den kultischen Vorgaben des AT entspricht. Die Hohepriester, die ja als einziges Zugang zum Allerheiligsten im Tempel hatten, mussten sich zunächst rituell reinigen um Gott begegnen zu können.
„Wenn sie in das Zelt der Begegnung hineingehen, sollen sie sich mit Wasser waschen, damit sie nicht sterben. Oder wenn sie an den Altar herantreten zum Dienst, um für den Herrn ein Feueropfer als Rauch aufsteigen zu lassen, dann sollen sie ihre Hände und ihre Füße waschen, damit sie nicht sterben. Und das soll für sie eine ewige Ordnung sein.“ (2. Mose 30, 20.21a Rev. Elb.)
Der Mensch ist unrein und kann Gott ohne (diese wohl symbolische) Reinigung von seiner Unreinheit nicht begegnen. Aber hier ist es Gott, der die Reinigung vollzieht und nicht der Mensch. Das ist jetzt das völlig Neue. Keine Rituale, keine Gesetze, keine Selbsterlösung. Gott allein reinigt und rettet. Christus allein. Solos Christus. Allein aus Gnade. Sola Gratia. Das passt zum Reformationsjubiläum.
„so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und damit gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.“ (Hebr. 10,22 Rev. Elb.)
Aber es geht noch weiter. Gott schenkt nicht nur die Reinigung. Das wäre ja zum Zwecke der Erlösung schon völlig ausreichend. Er setzt noch einen drauf und schenkt noch eine Herztransplantation.
„Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ (V. 26)
Das Herz des Menschen, im biblischen Sinne der Sitz des Lebens, des Wesens, des Charakters, das Zentrum des Denkens, Wollens und Fühlens ist schlecht.
„Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen“ (Mt. 15,19 Rev. Elb.)
So schaut´s aus. Das ist die göttliche Einschätzung des menschlichen Wesens.
Hier hilft keine Maniküre, keine äußerliche Reinigung, kein Hände und Füße waschen, keine neue Frisur, kein neuer Anzug. Hier hilft kein neuer Job und kein neues Auto. Und auch keine neue Frau und kein neuer Mann. Auch keine neue Religion und kein neuer Meditationsweg. Auch kein Jakobsweg und keine andere Ernährung. Keine noch so guten Vorsätze. Nicht einmal ein Präsidentenamt. Nichts, was der Mensch irgendwie tun könnte, würde an seinem Grundwesen etwas ändern.
„denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“ (1. Mose 8,21b Rev. Elb.)
Es langt also nicht aus die Herzenshaltung zu ändern. Zuerst bedarf es eines neuen Herzens. Die Prophetie des Hesekiel verbindet dies mit einem neuen Geist. Ein neues Herz und ein neuer Geist.
Die Erfüllung dieser Verheißung begann für Israel und für alle Menschen am ersten Pfingsten. Durch die Hinwendung zu Christus und den Empfang des Heiligen Geistes vollzog sich diese Herztransplantation.
„Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, berufen wird.“ (Apg. 2, 38.39 Rev. Elb.)
Tut Buße. Also stimmt mit Gott überein, dass Ihr Sünder seid und Euch nicht selbst erlösen könnt. Lasst Euch taufen auf den Namen Jesu. Drückt dadurch aus, dass Ihr Euer Vertrauen auf Erlösung einzig und allein auf Jesus Christus setzt. Solus Christus. Und dann empfangt den Heiligen Geist. Und dies ist die Verheißung, die an verschiedenen Stellen im AT angekündigt wurde. Hesekiel, Joel, Jeremia etc.
Und dieser Geist ist es, der in uns die Umgestaltung unseres Wesens bewirkt. Der - bildlich gesprochen - das steinerne Herz entfernt und ein fleischernes einsetzt. Der uns den Wunsch und den Willen gibt jesusgemäß zu leben. Diese Veränderung ist so gewaltig, dass die Bibel von einer neuen Schöpfung, einer neuen Kreatur, einem neuen Menschen spricht. (2. Kor. 5,17)
„Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt den Herrn! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der Herr. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken.“ (Jer. 31, 33.34 Rev. Elb.)
Für das Volk Israel ist diese Verheißung erst punktuell erfüllt, da sie Jesus als Messias ja abgelehnt haben. Nur die an Christus glaubenden Juden erleben sie schon. Aber wir sind schon mittendrin.
„denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der gegeben worden ist.“ (Röm. 5,5b Rev. Elb.)
Wir sind nun in der komfortablen Situation, dass wir durch den in uns wohnenden Geist eine Verbindung zum Vater haben, dass wir Gott erkennen, mehr und mehr erkennen und dadurch seinen Willen teilen.
Nicht wie Marionetten, sondern wie Prinzen und Prinzessinnen. Wir tragen seine DNA in uns. Und jetzt geschieht das Erstaunliche: wir brauchen seine Gebote eigentlich gar nicht mehr.
„indem er dies weiß, dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Widerspenstige, für Gottlose und Sünder, für Heillose und Unheilige, Vatermörder und Muttermörder, Mörder, Unzüchtige, Knabenschänder, Menschenräuber, Lügner, Meineidige…“ (1. Tim. 1, 8b-10 Rev. Elb.)
Diejenigen, die Gott nicht kennen, brauchen das Gesetz, damit sie eine moralisch-ethisch-soziale Orientierung haben, diejenigen, die den Heiligen Geist in ihrem Herzen haben, leben gemäß der DNA Gottes. Wenn Du ein Elektroauto hast, dann brauchst Du kein Benzin mehr.
Natürlich sind das alles Wachstumsprozesse. Die Früchte des Geistes, die Früchte der Liebe wachsen in uns. Und wenn jmd. frisch dabei ist sein Leben mit Jesus zu leben, ist es hilfreich eine ethisch-moralische Instanz außerhalb von sich selbst zu haben, an der man sich orientieren kann. Das sagt Paulus auch vorher:
„Das Gesetz ist, wie wir alles wissen, gut und nützlich – vorausgesetzt, man wendet es in der ihm angemessenen Weise an.“ (1. Tim. 1,8 NGÜ)
Also nicht als Heilsweg, sondern als Hilfestellung, als Orientierungshilfe auf dem Weg der Liebe. Denn wir wissen, wie es Luther so schön ausdrückte (wenn auch theologisch nicht korrekt, weil es eigentlich um das schwache Fleisch geht und nicht um den alten Adam, da dieser ja mit Jesus gekreuzigt wurde):
„Der alte Adam in uns soll ersäuft werden. Nimm dich aber in acht, das Aas kann schwimmen!“ (Luther)
Wir haben ein neues Herz. Ein Herz der Liebe. Einen neuen Geist. Den Heiligen Geist. Ohne dies alles wäre es für uns sehr schwierig einander zu lieben, den Nächsten zu lieben, Gott zu lieben. So ist es uns möglich.
Das befreit uns nicht davor auf unser Herz zu achten. Manchmal ziehen dunkle Wolken darüber. Manchmal wird uns Gift injiziert. Manchmal injizieren wir es sogar selbst.
Daher benötigen wir manchmal Seelsorge und Gebet, manchmal innere Heilung und Befreiung, manchmal Ermutigung, manchmal brauchen wir einfach nur einander. Wäre dies nicht so, wäre das NT nicht voll von Ratschlägen und Hilfestellungen:
Ermahnt einander, ermutigt einander, tröstet einander, tragt einander die Lasten, lacht miteinander, weint miteinander.
„Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden-„ (2. Kor. 5,17 Rev. Elb.)
Wenn wir zu Christus gehören, sind wir neue Menschen, haben ein neues Herz, haben seinen Geist. Dies sind Gottes Zusagen. Dies gilt auch, wenn es im Alltag einmal anders aussieht. Dann gilt:
„dass, wenn das Herz uns verurteilt, Gott größer ist als unser Herz und alles kennt.“ (1. Joh. 3,20 Rev. Elb.)
AMEN.
Predigt von Norbert Wohlrab zum Beginn der Allianz-Gebetswoche 2017 (08.01.2017)
Christus allein - der einzige Weg
„Christus allein - der einzige Weg“ so lautet der Einstieg in die diesjährige Allianz-Gebetswoche.
Dieser Ausspruch „Christus allein“ „solus Christus“ ist ja jetzt kein Bibelzitat, sondern eine der vier Kernaussagen der reformatorischen Theologie, an denen wir uns in dieser Woche entlang beten wollen.
Und es gibt sehr viele Verse und Aussagen des NT, die man damit in Zusammenhang bringen kann und der erste Vers dazu, der einem da wohl sofort einfällt, ist auch genau derjenige aus dem Johannes-Evangelium, der für den heutigen Einstieg vorgegeben ist:
„Jesus spricht (zu ihm): Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6 Luther 2017)
Eigentlich ist damit alles gesagt. Das ist ja so eindeutig und klar formuliert. Niemand, also keiner, kommt zum Vater als nur durch Jesus.
Da braucht man nicht groß drüber diskutieren oder um den heißen Brei herumreden. Da nützt auch keine Toleranz oder irgendwelche Diplomatie etwas. Das ist das Alleinstellungsmerkmal unseres christlichen Glaubens. Das ist das für uns entscheidende Kriterium, durch das sich unser Glauben von allen anderen religiösen Angeboten unterscheidet.
Nur in mir liegt der Weg zum Vater, sagt Jesus selbst. Das ist unser Ausschlusskriterium. Das ist der Punkt, wo Juden und Muslime ein Problem haben.
Denn für die einen ist Jesus nur ein Scharlatan, ein Spinner oder Teufel oder ein Fresser und Weinsäufer und für die anderen halt nur irgendein Prophet.
Das ist der Punkt, wo andere Versuche einen Weg zu Gott ohne Jesus zu finden, keine gemeinsame Basis mit unserem christlichen Glauben bekommen können. Ohne Jesus geht nichts. Nur er ist der Weg!
Daher sagt Jesus auch am Anfang dieses Abschnitts: „Lasst Euch nicht verwirren!“ Egal, was andere sagen. „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“
„Ich bin der Weg!“ Jesus sagt nicht: „Ich kenn den Weg!“ oder „Ich zeige Euch den Weg!“ oder „Ich werde mal der Weg gewesen sein!“ Er sagt: „Ich selbst bin der Weg!“
Er sagt auch nicht: „Der Weg ist das Ziel!“ Wir kennen ja alle diese weise Aussage von Konfuzius. Und sicher, es gibt viele Bedingungen und Situationen, unter denen sie ihre Richtigkeit hat.
Wenn man z.B. mit Freunden spazieren oder wandern gehe, dann kommt es eigentlich in erster Linie nicht darauf an das Ziel zu erreichen, sondern dann ist die gemeinsame Zeit und das gemeinsame Erleben der Natur auf dem Weg und das Zusammensein viel wichtiger als das Ankommen. Eigentlich. Theoretisch. Für mich gehört dann schon immer der Gipfel auch dazu.
Ich bin ja so ein passionierter Flugverweigerer. Nicht aus irgendwelchen Gründen des Umweltschutzes, sondern ich mag´s einfach nicht. Bisher bin ich auch überall ohne Fliegen ganz gut hingekommen. Sogar nach Afrika. (An meiner ersten USA-Reise arbeite ich noch.) Aber innerhalb von Europa ist das ja sowieso kein Problem. Ich liebe es an die südlichsten Zipfel des Kontinents zu fahren. Sei es jetzt nach Gibraltar, auf die Peloponnes oder nach Apulien. Ich liebe es Tausende Kilometer mit dem Auto zu düsen und zu erleben wie sich die Landschaft, das Klima, die Kultur langsam verändert. Wenn der Asphalt kocht, die Luft flirrt, der Gestank nach Benzin usw. Einfach herrlich- Das gehört für mich einfach zum Urlaub dazu. Da ist der Weg für mich wichtig. Da ist der Weg für mich schon Urlaub. Aber das Ziel brauch ich dennoch auch noch dazu! Sonst haut es mit dem Entspannungseffekt des Urlaubs dann doch nicht so lange hin.
Und in unserem Leben ist es ja auch so. Wir brauchen Weg und Ziel. Das Leben besteht aus verschiedenen kleinen und großen Etappen, an denen wir reifen und lernen und wachsen. Schwierigkeiten und Erfolge, die uns formen und verändern, unsere Persönlichkeit gestalten. Ohne solch einen Weg würden wir ja einfach nur altern.
Und wenn wir jetzt zum Bibelvers zurück kommen, wenn Jesus also sagt, dass er der Weg ist, dann heißt es ja für uns, mit ihm und auf ihm und in ihm und durch ihn diesen Weg zu bestreiten. In ihm zu bleiben. Mit allen kleinen und großen Zielen und Herausforderungen des Weges, des Alltags.
Aber dann endet der Weg nicht einfach so mit dem Tod oder als endloser Rundweg, sondern es gibt ein Ziel: den Vater. Ich bin der Weg zum Vater. Und hier kann man die Erlösung darunter verstehen - nur durch Jesus gibt es Erlösung -, aber auch ganz lokal das verortete Ziel unseres Lebens: eine Wohnung beim Vater!
„Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten.“ (Joh. 14,2 Schlachter)
Das Ziel unseres Weges ist die Stätte, die Wohnung beim Vater. Darauf steuern wir hin. Und dahin gibt es nur den einen Weg: Jesus!
Ich möchte noch einen zweiten Aspekt von „Christus allein“ erwähnen.
„Jesus hat nur ein einziges Mal ein Opfer dargebracht, nämlich sich selbst, und dieses Opfer gilt für immer.“ (Hebr. 7,27b NGÜ)
Es war Jesus einmaliges Opfer, das uns für immer gilt. Christus allein - das immer gültige Opfer! Ich brauche nichts dazu tun, ich kann nichts dazu tun, ich darf nichts hinzufügen.
Eigentlich ist dies die Grundlage für eine entspannte und freudige Nachfolge. Er hat alles getan. Nur er - Christus allein! Und ich bin frei von allen Zwängen und Gesetzen und Müssen. Frei um aus der Gnade heraus jesusgemäß in Liebe zu leben.
„Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Mt. 11,7 Luther 2017)
sagt Jesus.
Nur leider hat es der Christenheit von Anfang an gefallen sich selbst und einander Lasten aufzulegen. Das ging los mit dem Judaismus und den Querelen um Beschneidung und Einhalten der Gebote des Alten Bundes über das dunkle Mittelalter und der Lebensverneinung des Pietismus bis hin zu geistlichem Missbrauch und sozialer Kontrolle in den Gemeinden der Gegenwart. Immer wieder hat das Gesetz neue Liebhaber gefunden.
Aber nichts davon brauchen wir. Weil Christus allein das allgültige Opfer gebracht hat.
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!…Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« (Gal. 1.13b.15 Luther 2017)
Wir Gemeinden müssen aufpassen, dass wir den freien Zugang zu Jesus nicht durch unnötige Lasten verbarrikadieren oder die Freude an der Nachfolge beschweren. Wenn Christsein in einem freien Land zur Last wird, weil vielleicht die Gemeinde mich so sehr vereinnahmt oder kontrolliert, dass ich nicht mehr frei atmen kann, dann läuft etwas falsch! Hier heißt es wachsam zu sein.
Und noch auf einen dritten und letzten Aspekt des Christus allein, möchte ich kurz eingehen.
Bei der Weihnachtsfeier in der Heilsarmee hat mein Chef bei seiner Ansprache den Satz von Blaise Pascal, einem französischen Mathematiker und christlichen Philosophen. zitiert: „Willst du Gott zum Lachen bringen, dann erzähl ihm von deinen Plänen.“ Im ersten Moment musste ich erstmal schlucken, aber dann musste ich doch schmunzeln. Denn, kennen wir das nicht alle?
Wir machen großartige Pläne und schmieden Visionen, im Privaten aber vor allem in der Gemeinde und vieles davon zerfällt im Nichts. Und auch von dem, was nicht zerfällt, ist noch lange nicht alles „Gold, Silber, Edelstein“ (1. Kor. 3,12).
Ich glaube heute mehr und mehr, dass viele unserer Gemeindeaufbaustrategien in diese Kategorie fallen. Damit meine ich nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen sollen, aber durchaus etwas entspannter sein können und uns selber nicht so wichtig zu nehmen brauchen und hin und wieder über uns selbst lachen sollten, denn die Gemeinde ist seine Gemeinde. Christus allein! Und Gott ist es, der das Gedeihen schenkt (1. Kor. 3,5).
Zurück zum Anfang: Jesus sagt, nur er ist der Weg zum Vater. Das ist radikal, exklusiv und intolerant. Aber es ist auch ein wunderbares Angebot. Das ist die gute Nachricht.
AMEN.
„Christus allein - der einzige Weg“ so lautet der Einstieg in die diesjährige Allianz-Gebetswoche.
Dieser Ausspruch „Christus allein“ „solus Christus“ ist ja jetzt kein Bibelzitat, sondern eine der vier Kernaussagen der reformatorischen Theologie, an denen wir uns in dieser Woche entlang beten wollen.
Und es gibt sehr viele Verse und Aussagen des NT, die man damit in Zusammenhang bringen kann und der erste Vers dazu, der einem da wohl sofort einfällt, ist auch genau derjenige aus dem Johannes-Evangelium, der für den heutigen Einstieg vorgegeben ist:
„Jesus spricht (zu ihm): Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6 Luther 2017)
Eigentlich ist damit alles gesagt. Das ist ja so eindeutig und klar formuliert. Niemand, also keiner, kommt zum Vater als nur durch Jesus.
Da braucht man nicht groß drüber diskutieren oder um den heißen Brei herumreden. Da nützt auch keine Toleranz oder irgendwelche Diplomatie etwas. Das ist das Alleinstellungsmerkmal unseres christlichen Glaubens. Das ist das für uns entscheidende Kriterium, durch das sich unser Glauben von allen anderen religiösen Angeboten unterscheidet.
Nur in mir liegt der Weg zum Vater, sagt Jesus selbst. Das ist unser Ausschlusskriterium. Das ist der Punkt, wo Juden und Muslime ein Problem haben.
Denn für die einen ist Jesus nur ein Scharlatan, ein Spinner oder Teufel oder ein Fresser und Weinsäufer und für die anderen halt nur irgendein Prophet.
Das ist der Punkt, wo andere Versuche einen Weg zu Gott ohne Jesus zu finden, keine gemeinsame Basis mit unserem christlichen Glauben bekommen können. Ohne Jesus geht nichts. Nur er ist der Weg!
Daher sagt Jesus auch am Anfang dieses Abschnitts: „Lasst Euch nicht verwirren!“ Egal, was andere sagen. „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“
„Ich bin der Weg!“ Jesus sagt nicht: „Ich kenn den Weg!“ oder „Ich zeige Euch den Weg!“ oder „Ich werde mal der Weg gewesen sein!“ Er sagt: „Ich selbst bin der Weg!“
Er sagt auch nicht: „Der Weg ist das Ziel!“ Wir kennen ja alle diese weise Aussage von Konfuzius. Und sicher, es gibt viele Bedingungen und Situationen, unter denen sie ihre Richtigkeit hat.
Wenn man z.B. mit Freunden spazieren oder wandern gehe, dann kommt es eigentlich in erster Linie nicht darauf an das Ziel zu erreichen, sondern dann ist die gemeinsame Zeit und das gemeinsame Erleben der Natur auf dem Weg und das Zusammensein viel wichtiger als das Ankommen. Eigentlich. Theoretisch. Für mich gehört dann schon immer der Gipfel auch dazu.
Ich bin ja so ein passionierter Flugverweigerer. Nicht aus irgendwelchen Gründen des Umweltschutzes, sondern ich mag´s einfach nicht. Bisher bin ich auch überall ohne Fliegen ganz gut hingekommen. Sogar nach Afrika. (An meiner ersten USA-Reise arbeite ich noch.) Aber innerhalb von Europa ist das ja sowieso kein Problem. Ich liebe es an die südlichsten Zipfel des Kontinents zu fahren. Sei es jetzt nach Gibraltar, auf die Peloponnes oder nach Apulien. Ich liebe es Tausende Kilometer mit dem Auto zu düsen und zu erleben wie sich die Landschaft, das Klima, die Kultur langsam verändert. Wenn der Asphalt kocht, die Luft flirrt, der Gestank nach Benzin usw. Einfach herrlich- Das gehört für mich einfach zum Urlaub dazu. Da ist der Weg für mich wichtig. Da ist der Weg für mich schon Urlaub. Aber das Ziel brauch ich dennoch auch noch dazu! Sonst haut es mit dem Entspannungseffekt des Urlaubs dann doch nicht so lange hin.
Und in unserem Leben ist es ja auch so. Wir brauchen Weg und Ziel. Das Leben besteht aus verschiedenen kleinen und großen Etappen, an denen wir reifen und lernen und wachsen. Schwierigkeiten und Erfolge, die uns formen und verändern, unsere Persönlichkeit gestalten. Ohne solch einen Weg würden wir ja einfach nur altern.
Und wenn wir jetzt zum Bibelvers zurück kommen, wenn Jesus also sagt, dass er der Weg ist, dann heißt es ja für uns, mit ihm und auf ihm und in ihm und durch ihn diesen Weg zu bestreiten. In ihm zu bleiben. Mit allen kleinen und großen Zielen und Herausforderungen des Weges, des Alltags.
Aber dann endet der Weg nicht einfach so mit dem Tod oder als endloser Rundweg, sondern es gibt ein Ziel: den Vater. Ich bin der Weg zum Vater. Und hier kann man die Erlösung darunter verstehen - nur durch Jesus gibt es Erlösung -, aber auch ganz lokal das verortete Ziel unseres Lebens: eine Wohnung beim Vater!
„Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten.“ (Joh. 14,2 Schlachter)
Das Ziel unseres Weges ist die Stätte, die Wohnung beim Vater. Darauf steuern wir hin. Und dahin gibt es nur den einen Weg: Jesus!
Ich möchte noch einen zweiten Aspekt von „Christus allein“ erwähnen.
„Jesus hat nur ein einziges Mal ein Opfer dargebracht, nämlich sich selbst, und dieses Opfer gilt für immer.“ (Hebr. 7,27b NGÜ)
Es war Jesus einmaliges Opfer, das uns für immer gilt. Christus allein - das immer gültige Opfer! Ich brauche nichts dazu tun, ich kann nichts dazu tun, ich darf nichts hinzufügen.
Eigentlich ist dies die Grundlage für eine entspannte und freudige Nachfolge. Er hat alles getan. Nur er - Christus allein! Und ich bin frei von allen Zwängen und Gesetzen und Müssen. Frei um aus der Gnade heraus jesusgemäß in Liebe zu leben.
„Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Mt. 11,7 Luther 2017)
sagt Jesus.
Nur leider hat es der Christenheit von Anfang an gefallen sich selbst und einander Lasten aufzulegen. Das ging los mit dem Judaismus und den Querelen um Beschneidung und Einhalten der Gebote des Alten Bundes über das dunkle Mittelalter und der Lebensverneinung des Pietismus bis hin zu geistlichem Missbrauch und sozialer Kontrolle in den Gemeinden der Gegenwart. Immer wieder hat das Gesetz neue Liebhaber gefunden.
Aber nichts davon brauchen wir. Weil Christus allein das allgültige Opfer gebracht hat.
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!…Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« (Gal. 1.13b.15 Luther 2017)
Wir Gemeinden müssen aufpassen, dass wir den freien Zugang zu Jesus nicht durch unnötige Lasten verbarrikadieren oder die Freude an der Nachfolge beschweren. Wenn Christsein in einem freien Land zur Last wird, weil vielleicht die Gemeinde mich so sehr vereinnahmt oder kontrolliert, dass ich nicht mehr frei atmen kann, dann läuft etwas falsch! Hier heißt es wachsam zu sein.
Und noch auf einen dritten und letzten Aspekt des Christus allein, möchte ich kurz eingehen.
Bei der Weihnachtsfeier in der Heilsarmee hat mein Chef bei seiner Ansprache den Satz von Blaise Pascal, einem französischen Mathematiker und christlichen Philosophen. zitiert: „Willst du Gott zum Lachen bringen, dann erzähl ihm von deinen Plänen.“ Im ersten Moment musste ich erstmal schlucken, aber dann musste ich doch schmunzeln. Denn, kennen wir das nicht alle?
Wir machen großartige Pläne und schmieden Visionen, im Privaten aber vor allem in der Gemeinde und vieles davon zerfällt im Nichts. Und auch von dem, was nicht zerfällt, ist noch lange nicht alles „Gold, Silber, Edelstein“ (1. Kor. 3,12).
Ich glaube heute mehr und mehr, dass viele unserer Gemeindeaufbaustrategien in diese Kategorie fallen. Damit meine ich nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen sollen, aber durchaus etwas entspannter sein können und uns selber nicht so wichtig zu nehmen brauchen und hin und wieder über uns selbst lachen sollten, denn die Gemeinde ist seine Gemeinde. Christus allein! Und Gott ist es, der das Gedeihen schenkt (1. Kor. 3,5).
Zurück zum Anfang: Jesus sagt, nur er ist der Weg zum Vater. Das ist radikal, exklusiv und intolerant. Aber es ist auch ein wunderbares Angebot. Das ist die gute Nachricht.
AMEN.
Sonntag, 1. Januar 2017
Termine und Aktuelles Januar 2017
01.01. kein Gottesdienst
Gebetswoche der Evangelischen Allianz vom 08.01. bis 15.01.
http://www.ead.de/gebet/allianzgebetswoche/gebetswoche-2017.html
08.01. 17.00 Uhr Eröffnungs-Gottesdienst in der Chapel, Flößaustraße 64 (Predigt Norbert Wohlrab)
Mo 09.01. 19.00 Uhr Hohe Mitte (Predigt Hermann Stecher, LKG Gehbardtstr.)
Di 10.01. 15.00 Uhr Freie Evangelische Gemeinde, Pfisterstraße 28 (Predigt Bernd Schäfer, LKG Vach)
Di 10.01. 19.00 Uhr Hardenberg-Gymnasium (Mensa) (Predigt New Generation)
Mi 11.01. 19.00 Uhr Rathaus (Sitzungssaal) (Predigt Markus Klein, LKG Rosenstr.)
Do 12.01. 18.00 Uhr Klinikum (Kapelle) (Predigt Brigitte Kloostermann, Heilsarmee)
Fr 13.01. 19.30 Uhr Landeskirchliche Gemeinschaft, Rosenstraße 5 (Predigt David Kraus, Chapel Fürth)
Sa 14.01. 09.30 Uhr Heilsarmee, Hirschenstraße 13 (Predigt Claudia König, Chapel Fürth)
15.01. 17.00 Uhr Abschlussgottesdienst im Gemeindehaus St. Paul (Predigt Martin Adel, St.Paul)
22.01. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Norbert Wohlrab)
29.01. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Bob Lidfors, Dynamis e.V.)
LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1
Gebetswoche der Evangelischen Allianz vom 08.01. bis 15.01.
http://www.ead.de/gebet/allianzgebetswoche/gebetswoche-2017.html
08.01. 17.00 Uhr Eröffnungs-Gottesdienst in der Chapel, Flößaustraße 64 (Predigt Norbert Wohlrab)
Mo 09.01. 19.00 Uhr Hohe Mitte (Predigt Hermann Stecher, LKG Gehbardtstr.)
Di 10.01. 15.00 Uhr Freie Evangelische Gemeinde, Pfisterstraße 28 (Predigt Bernd Schäfer, LKG Vach)
Di 10.01. 19.00 Uhr Hardenberg-Gymnasium (Mensa) (Predigt New Generation)
Mi 11.01. 19.00 Uhr Rathaus (Sitzungssaal) (Predigt Markus Klein, LKG Rosenstr.)
Do 12.01. 18.00 Uhr Klinikum (Kapelle) (Predigt Brigitte Kloostermann, Heilsarmee)
Fr 13.01. 19.30 Uhr Landeskirchliche Gemeinschaft, Rosenstraße 5 (Predigt David Kraus, Chapel Fürth)
Sa 14.01. 09.30 Uhr Heilsarmee, Hirschenstraße 13 (Predigt Claudia König, Chapel Fürth)
15.01. 17.00 Uhr Abschlussgottesdienst im Gemeindehaus St. Paul (Predigt Martin Adel, St.Paul)
22.01. 10.30 Uhr Arche Gottesdienst (Predigt Norbert Wohlrab)
29.01. 10.30 Uhr LKG Gottesdienst mit anschl. Essen (Predigt Bob Lidfors, Dynamis e.V.)
LKG = Landeskirchliche Gemeinschaft, Gebhardtstraße 19
Arche = Christlicher Kindergarten Arche, Theaterstraße 50
St. Paul = Gemeindehaus, Dr.-Martin-Luther-Platz 1
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